Dienstag, 27. März 2012

Von Zweifeln und Melancholie

Ich schreibe an dieser Opposition herum und je länger ich schreibe, desto mehr befallen mich Zweifel.

Hat es überhaupt einen Sinn, was ich hier tue? Ist der Mist nicht längst gekarrt? Versuche ich verzweifelt, mir den letzten Rest der Idylle zu bewahren? Einer Idylle, die keine mehr ist. Aus Angst, dass die goldene Fassade ihren Zauber nach aussen hin auch noch verliert.

Was ist, wenn wir das Projekt verhindern können? Das Land zu kaufen ist doch eigentlich unvernünftig. Auch wenn wir das Geld irgendwie zusammenbringen. Wird es dann nicht noch schwieriger zu gehen?  Ich möchte ja gar nicht gehen. Aber bleiben hiesse, weiter eine Rolle zu spielen. Ich tue mich so wahnsinnig schwer mit Veränderungen. 

Blühende Salweide heute morgen in meinem Garten


Heute Nachmittag habe ich die Tochter zu Fuss in die Schule begleitet. Auf dem Rückweg bin ich an dem kleinen Dorffriedhof vorbeigekommen. Ich hatte seit langem wieder einmal das Bedürfnis, ihn zu betreten. Ich habe mir die Gräber der Menschen angesehen. Dorfbewohner, die ihr Leben gelebt haben und alt gestorben sind. Erinnerungen an Gespräche und Begegnungen. Aber auch einige, die ihr zu erwartendes Lebensalter nicht erreicht haben. Eine Frau, die ich wenige Wochen vor ihrem Tod kennengelernt habe. Sie hatte einen kleinen Jungen und starb in meinem Alter. Mit zwei weiteren Frauen verband mich eine lose Freundschaft. Beide sind Mitte fünfzig an Krebs gestorben. Ihre Leben wiesen erstaunliche Parallelen auf. Beide waren blutjung Mutter geworden. Ende Vierzig waren sie mit Leib und Seele Grossmütter. Sie haben sich gekannt, waren zum Schluss sogar befreundet. Beide haben sich für die Familie aufgeopfert und wären noch so sehr gebraucht worden. Ihr Tod ist mir nahe gegangen, denn ich hatte bis zuletzt mit ihnen gehofft. Sie haben gekämpft und doch verloren. Vieles blieb ungelebt.


Wie wird es mir einmal ergehen? Wieviel Lebenszeit bleibt mir noch? Werde ich mein Leben richtig gelebt haben? Auf dem Heimweg hat mich dieses melancholische Gefühl befallen, das mich hin und wieder heimsucht. Es ist die Erkenntnis einer grenzenlosen Einsamkeit. Ich stelle mir dann die Frage, wieso das so ist und ob ich es nicht wert bin, geliebt zu werden. Diese Frage tut so brutal weh.

Irgendwie glaube ich nicht richtig daran, dass ich sie einmal erleben werde - die grosse Liebe, die bedingungslos und mit gleicher Intensität erwidert wird und unbeschwert gelebt werden kann. Vielleicht ist sie mir einfach nicht vergönnt. 

Und ich denke an Lilly, an Anna im Wunderland, an Rostkopp, an die Frau Doktor, an Morgenrot, an die Träumerin und an all die andern, deren Blogs ich lese und an deren Leben ich irgendwie teilhabe. Sind sie nicht alle auch auf der Suche nach dieser grossen Liebe? Vielleicht ist sie nur wenigen Menschen überhaupt vergönnt.


Ich bin alleine. Vielleicht mehr denn je. Das, was ich hier tue, worum ich gerade kämpfe, wird mich meinem Mann nicht näher bringen. Ich habe die Tür zu meinem Herzen zugeschlossen.  Er wird den Schlüssel nicht finden.


The key to my heart...




Montag, 26. März 2012

Montagsbilanz

Ich habe es tatsächlich getan! Mir den Rat vom 64er Mann, vom Rostkopp und von meinem platonischen Gschpusi zu Herzen genommen und die Familie alleine in die Berge geschickt! Mein Mann hatte dann zwar am Freitag Abend auch keine Lust, mit den Kindern alleine hochzufahren und so haben wir das sehr warme Frühlingswetter genutzt und den ganzen Samstag im Garten gearbeitet. Ich bin nie so effizient und arbeite nie so gerne im Garten wie dann, wenn ich eigentlich etwas anderes, dringenderes machen müsste... Aber es hat gut getan und ich habe im Geiste meine Eingabe formuliert.

Um 18.00 sind sie dann doch noch losgefahren und ich hatte 24 Stunden für mich ganz alleine! :-)

Ich habe meinen Laptop auf den Wohnzimmertisch gestellt, mein Lieblingsspielzeug und das (geheime) Zweithandy danebengelegt (für einmal nicht im "Silent"-Modus!), habe die Stille genossen und bis Mitternacht geschrieben und am nächsten Morgen gleich weiter. Es hat sich herausgestellt, dass es einfacher ist, gleich auf französisch zu schreiben und mein Pons-Französischwörterbuch auf dem iPhone hat sich wieder einmal als unentbehrlich erwiesen.

Zwischendurch habe ich die ganzen Reglemente gelesen und realisiert, dass unsere kleine Gemeinde wieder einmal etwas gemauschelt hat. Es sind ja auch alles nebenamtliche "Freiwillige". Der Syndic ist Landwirt und die Mitglieder der Baukommission sind vorwiegend Vertreter des lokalen Baugewerbes. Im Gemeinderat sitzen  nebst dem Syndic noch ein Tiefbauingenieur, ein Elektriker, ein Treuhänder, eine Familienfrau, ein Schreiner und ein weiterer Mann, den ich nicht kenne.

Zum Gemauschel: Auf der Nachbarparzelle wird gebaut und im Baugesuch heisst es, dass eine Abweichung von gesetzlich festgelegten Grenzabständen beantragt wird. Die Gemeinde muss in solchen Fällen die angrenzenden Nachbarn benachrichtigen.
Und was tut unsere Gemeinde? Sie schickt uns eine Kopie mit dem Ausschreibungstext des Baugesuchs (sinngemäss: Herr X und Frau Y beantragen die Bewilligung für den Bau eines Einfamilienhauses sowie eine Ausnahmebewilligung betr. Einhaltung von Grenzabständen). Dazu ein Blatt dem dem Gesetzestext (sinngemäss: Die Gemeinde ist zuständig für die Bewilligung der Abweichung. Abweichungen können bewilligt werden, wenn sie gerechtfertigt sind und die Nachbarn müssen per Einschreiben informiert werden). Also, zwei A4-Blätter mit minimalen  Angaben und dazu ein A4-Situationsplan 1:500 mit dem Bauprojekt und den Artikelnummern der Bauparzellen.

Der unbedarfte Nachbar fragt sich dann: Um was für eine Abweichung von gesetzlich festgelegten Grenzabständen geht es denn überhaupt? Bin ich davon betroffen? Was ist das für ein nichtssagender Situationsplan? Hmm...


Als ich das Ausführungsreglement zum Baugesetz gelesen habe, bin ich über einen Artikel gestolpert. Quasi die Detailanweisung zum Gesetzestext, den uns die Gemeinde tel quel geschickt hat. Im entsprechenden Ausführungsreglement zum Baugesetz heisst es nämlich, dass die Gemeinde in solchen Fällen alle direkten Anstösser mit einem eingeschriebenen Brief  zu benachrichtigen und ihnen eine 14tägige Frist (!) anzusetzen hat, damit diese Stellung nehmen und allfällige Entschädigungsforderungen einreichen können.


Wir haben aber weder einen Begleitbrief noch eine Frist erhalten! Der zuständige Mann auf der Gemeindeverwaltung hat das wohl noch nie gemacht...

Weil ich auf der Gemeinde Einsicht in die ganzen Unterlagen der Baueingabe genommen habe, weiss ich, dass der Landverkäufer, dessen Parzelle ebenfalls an unsere grenzt, sein Einverständnis dazu gegeben hat, dass eine 8x6 m  grosse 2.7 m hohe Garage direkt auf seine Grundstücksgrenze gesetzt werden darf. Ob das die beantragte Abweichung der Grenzvorschriften ist? Oder sind vielleicht noch andere Abweichungen im rudimentären A4-Situationsplan versteckt, die der findige Nachbar selber erkennen muss? Heiteres Rätselraten?

Hab ich schon erwähnt, dass die Garage in einer grünen Zone stehen soll, die mit einem Bauverbot belegt ist? Dummerweise gibt es hier eine Grünzone, die mitten durch die Baulandparzellen führt, so dass alle Häuser auf der selben Höhe stehen. Der Architekt ist übrigens ein Einheimischer. Er und der Landverkäufer wissen garantiert von der Grünzone - aber man kann es ja mal versuchen... Wenn niemand klagt? Dummerweise soll die Garage 1,35 m hinter unserem formalen Potager (Gemüsegarten) stehen... Eine 8 m lange Wand mit Eternitverkleidung.

Ich sage Euch - ein Gemauschel!!! Ich kann Gemauschel nicht ausstehen! Vor allem dann nicht, wenn es zu meinem Nachteil ist! Vielleicht hätte ich doch Jus studieren sollen...

Ihr seht, ich kann nicht einfach untätig bleiben.  Und so hat die Gemeinde heute von mir einen eingeschriebenen Brief gekriegt, mit Verweis auf die Gesetzesartikel des Ausführungsreglements und mit der Bitte, dieses doch bitte zu beachten und uns freundlicherweise aufzuklären, um welche Abweichung es geht.

Und nun werde ich wieder an der Opposition rumbasteln, damit dieses unsägliche Gebäude nebenan so nicht gebaut wird. Es hat den Charme einer Gondelbahn-Talstation aus den 70er Jahren in einem Skigebiet. Direkt hinter dem Haus beginnt übrigens eine geschützte Landschaft... 

Freitag, 23. März 2012

Was mich auf Trab hält

Mein letztes Post ist schon bald zwei Wochen alt und ich komme einfach nicht zum Schreiben. Die Zeit zerrinnt mir zwischen den Fingern. Wieder ein Wochende in den Bergen vorbei. Das nächste steht schon vor der Tür. Ich bin froh, wenn die Skisaison zu Ende ist! Habe keine Lust mehr auf Schnee, keine Lust mehr auf Skifahren. Die Kinder schon längst nicht mehr. Aber es gilt, das Saisonabonnement bis zum letzten Tag auszunutzen...


Im Garten sieht es noch aus wie im Herbst. So viel Arbeit wartet auf mich. Die Zwiebelblumen spriessen durch das verdorrte Grün der Stauden. Keine Ahnung, wann ich das alles machen soll. Und irgendwie ist mir auch die Gartenlust abhanden gekommen. Ich weiss gerade nicht, in welcher Ecke ich beginnen soll...


Die Paartherapie schiebe ich vor mich hin. Habe noch keinen Termin vereinbart, kann mich irgendwie für keinen Therapeuten entscheiden. Statt dessen habe ich zwei andere Termine vereinbart. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt darüber berichten.


Und mein Mann und ich haben ein neues Problem...


Bauprofile im Hang. Das Bild habe ich gegoogelt.
Es entspricht nicht dem Projekt, von dem ich schreibe,
zeigt jedoch eine ähnliche Situation.

Seit einer Woche krampft sich mein Magen zusammen, wenn ich aus dem Wohnzimmer unseres Hauses in Richtung Westen schaue. Der wunderbare Blick auf ein idyllisches kleines Tal über alte Hausdächer hinweg zu einem kleinen Felsvorsprung, hinter dem die Sonne untergeht, wird empfindlich gestört! Nun stehen dort hässliche Bauprofile. Bald soll dort eine Hausfassade den Blick auf die Idylle und den Sonnenuntergang versperren. Fünfzehn Jahre lang haben wir den Gedanken daran verdrängt. Haben dem Landeigentümer unser Interesse signalisiert und gewartet, dass er sich bei uns meldet, wenn er verkaufen will. Nun ist er im Pflegeheim, kann sich an nichts mehr erinnern und sein verdrehter Sohn hat es vorgezogen, das Land stillschweigend an jemand anderen zu verkaufen bzw. ein Kaufversprechen abzugeben. Verschrieben wird es erst, wenn das Bauprojekt genehmigt ist. Ich verspüre das dringende Bedürfnis, den Holzprofilen mit einer Axt zu Leibe zu rücken. Riesig stehen sie in dieser wunderschönen Landschaft und sind so unglaublich fehl am Platz.


Wir haben uns die Pläne angeschaut. Schlimmste Befürchtungen werden übertroffen. Ein hässliches Haus mit Eternitfassade.  Es passt in die Landschaft like dropped down from space... Ein Fremdkörper, der die ganze Ambiance verderben wird. Die Profile für die Doppelgarage stehen in einer Grünzone, die nicht bebaut werden darf. Unglaublich. Wir müssen was tun.

Nun muss Hobbyjuristin Rosalie ran. Ich habe mich vor vielen Jahren schon einmal mit der Materie beschäftigen müssen und mir die Finger wund geschrieben. Damals mussten wir um unser eigenes Projekt kämpfen. Wir mussten Kompromisse eingehen. Das ganze Verfahren hat sich über mehrere Jahre hingezogen und hat mich viel Substanz gekostet, weil wir ungerecht behandelt worden sind. Schlussendlich hat doch die Gerechtigkeit gesiegt. Aber ich habe was gelernt: Man kann das Recht auf seiner Seite haben und vor Gericht trotzdem nicht "Recht bekommen...". Es gibt Fehlurteile. Und ein solches Fehlurteil an die höchste Instanz (das Bundesgericht) weiterzuziehen, ist finanziell meist nicht tragbar.

Das neue Projekt ist ein Hohn, aber ich traue es den kommunalen Behörden zu, dass sie es durchwinken. Deshalb müssen wir Einsprache erheben. Ich mache mich mit der aktuellen Gesetzgebung vertraut. Es gibt ein kantonales Bau- und Raumplanungsgesetz, ein entsprechendes Ausführungsreglement, ein kommunales Reglement sowie einen Zonenplan mit ca. 20 verschiedenen Zonen. Wir leben in einer Tourismusregion. Für jede Zone gibt es spezielle Regelungen und es gibt viele geschützte Häuser.  Ich habe bereits ein sachdienliches Urteil des zuständigen Verwaltungsgerichts gefunden und ausgedruckt (Stichwort: Ortsbild!).

Die Argumentation für die Einsprache gegen das Bauvorhaben habe ich schon im Kopf und der Rest ergibt sich beim Schreiben. Und ich werde noch eine Fotomontage basteln müssen, um die Absurdität dieses Projekts aufzuzeigen. Es verschandelt nicht nur unsere Aussicht, sondern die ganze Landschaft und das Ortsbild, das geprägt ist von geschützten alten Häusern.  

Und wenn die Einsprache steht, darf ich sie dann noch auf französisch übersetzen... Das wird mich nochmals viele Stunden Arbeit kosten. Deadline: Nächsten Donnerstag!

Und heute Abend geht's in die Berge, morgen auf die Piste und abends sind wir eingeladen. Bleiben noch Sonntag und Montag. Am Dienstag habe ich volles Programm und abends wird die Tochter erstmals vor Publikum ihre Klavierkünste darbieten im Rahmen der "Soirée musicale" ihres Klavierlehrers und am Mittwoch muss ich den ganzen Tag ins Büro.  Donnerstag auch. Vielleicht sollte ich langsam damit beginnen...

Und was tue ich statt dessen? Ich blogge! Obwohl ich dazu natürlich eigentlich überhaupt keine Zeit hätte! Aber Lust... Typisch Rosalie!



P.S. Eigentlich sollte dort auf diesem Stück Land eines Tages MEIN Haus stehen! Mein Refuge! Ein hübsches kleines Häuschen, das sich harmonisch in die Landschaft einfügt. So hatte ich mir das vorgestellt! Wir wären getrennt und irgendwie doch nicht ganz und könnten den Garten zusammen bewirtschaften und die Kinder hätten beide Elternteile in 30 Meter Abstand. Die perfekte Lösung!

Es gibt noch Hoffnung! Wo ein Wille ist, da ein Weg!

Bitte Daumendrücken!!!

Sonntag, 11. März 2012

Und sonst so? Wochenrückblick!

Wir sind wieder einmal in den Bergen, wie jedes Wochenende während der Skisaison. Jeden Freitag Nachmittag heisst es Packen, Kinder von der Schule abholen und in die Berge hochfahren in die Ferienwohnung, die wir seit diesem Winter gemietet haben. Die Kinder machen das wohl oder übel mit, aber Begeisterung sieht anders aus...
Und ich mache das in erster Linie mit,  um meinen Ehemann bei Laune zu halten. Zwei Haushalte zu führen, macht das Leben nicht wirklich einfacher - aber so haben wir ein Projekt und sind am Wochenende beschäftigt. Und wir machen etwas zusammen als Familie und kommen an die frische Luft. Auch nicht schlecht. Und die Kinder werden uns später einmal sooooo dankbar sein, dass sie gut skifahren können... ;-)
Ich seh das pragmatisch.

Unterwegs wird dann jeweils eingekauft und mein Mann kocht das Abendessen und ich bringe die Küche wieder in Ordnung, während die Familie vor dem TV sitzt. Am Samstag heisst es früh aufstehen, damit man ins Skigebiet hochkommt, bevor die ganzen Leute aus dem Unterland anreisen und man an der Talstation der Gondelbahn lange warten muss. Gestern sind wir für einmal auf die andere Talseite gefahren. Das Skigebiet ist dort x-mal grösser und die Kinder und ich mögen das nicht so besonders, weil es unübersichtlich ist. Es gibt dort für meinen Geschmack viel zu viele Pisten, die aus allen Himmelsrichtungen ineinander münden und viel zu viele Anfänger, die ihre Skis nicht beherrschen, kreuz und quer fahren und viel zu schnell unterwegs sind... Ich hab dann keine ruhige Minute und muss ständig aufpassen, dass die Kleine keine spontanen Richtungswechsel macht und eine Kollision verursacht und dass sie nicht von einem Pistenrowdy über den Haufen gefahren wird.

Gestern ist alles gut gegangen... Es war ein Prachtstag, die weltberühmte Bergkulisse präsentierte sich traumhaft schön, die Pistenverhältnisse waren optimal. Aber so ein Skitag ist auch anstrengend. Und heute Sonntag haben die Kinder gestreikt. Ist mir auch recht so. Mein Mann ist deshalb alleine losgezogen und so kann er wieder einmal in seinem Tempo die Pisten heruntersausen, ohne ständig auf die langsameren Familienmitglieder warten zu müssen.

Und was macht die Ehegattin, nachdem der Angetraute mit geschulterten Skis in Skischuhen losgestampft ist? Sie erlaubt den Kindern, TV zu sehen und iPad zu spielen und setzt sich an den Laptop, den sie ausnahmsweise fürs Wochenende mitgenommen hat, damit Sohnemann Minecraft spielen kann..  Es kommt mir ein bisschen vor wie früher, als ich noch ein Kind war und die Eltern hie und da gemeinsam abends weggegangen sind und wir schnell das Antennenkabel aus dem Versteck geholt und den Fernseher angeworfen haben, sobald die Rücklichter der Familienkutsche um die Ecke verschwunden waren...

Das war im übrigen eine aufregende Woche. Eigentlich wollte ich ein pfannenfertiges Post aufschalten mit dem Titel "A room of my own...".

Ich habe mich letzte Woche ernsthaft damit befasst, eine Einzimmerwohnung in der Nähe meines Arbeitsorts zu mieten! Ich hatte mit der Vermieterin Kontakt aufgenommen und einen Besichtigungstermin vereinbart. Die Idee, einen ganz persönlichen (geheimen!)Rückzugsort zu haben, den ich nach meinem Gusto gestalten und mit meinem ganzen Flohmarktkrempel mit meinen Brocante-Trouvaillen einrichten könnte, hat mich gefesselt. Ich hätte den Raum ganz im Stil "shabby chic" eingerichtet und mit einem grossen Himmelbett ausgestattet, mit Büchergestellen für meine Trouvaillen, die antiken Bücher und auch für die neueren Bücher, die man zu Hause ungern aufs Regal stellt, weil sich nicht ganz "familientauglich" sind, und ich hatte auch sonst schon ganz viele Ideen in Kopf. Ein ganz persönlicher Raum, mein kleines Refuge... Eine kleine Insel, just for me... und hin und wieder auch for a friend of mine and me...


Ich habe mir die Wohnung dann von aussen angesehen und hatte plötzlich eine Eingebung,  dass in dieser Gegend jemand wohnt, mit dem mein Mann geschäftlich und freundschaftlich verbunden ist. Ich habe mich schlau gemacht  und herausgefunden, dass dieser Freund, den ich im übrigen auch sehr gut kenne, im Haus vis-à-vis wohnt und von seiner Wohnung aus freie Sicht auf den Hauseingang meines "Refuges" und auf den Parkplatz hat, auf dem ich mein nicht gerade unauffälliges Auto abstellen würde... 

Gut, dass ich es rechtzeitig gemerkt habe! Und meine Freundin M. hat  mich dann wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Rein finanziell würde ich mich mit meinem Projekt vermutlich aufs Glatteis begeben. Ich bin in solchen Dingen manchmal ein wenig leichtsinnig. Nicht wirklich der Typ, der vorher alles genau durchrechnet, sondern eher der Bauchmensch, der etwas anreisst, nach dem Motto "wo ein Wille ist, da ein Weg" und dann schauen wir mal. Und ich bin damit bis heute eigentlich immer gut gefahren! Aber meine Freundin ist zum Glück etwas vernünftiger als ich und hat mich eindringlich gebeten, mich endlich einmal mit einer Scheidungsanwältin zu treffen, um mich zu informieren, was eine Trennung oder Scheidung für wirtschaftliche Konsequenzen hätte und ob der Umstand, dass Madame heimlich ein Refuge mietet, nicht zu meinem Nachteil ausgelegt werden könnte... (liederlicher Lebenswandel, Sorgerecht und all sowas...). Und sie ist der Ansicht, dass ein solches Unterfangen mein Leben zusätzlich verkomplizieren würde. Das ist nicht von der Hand zu weisen, und wenn ich ehrlich bin, weiss ich gar nicht genau, wo ich die Zeit hernehmen sollte, um mein Refuge einzurichten und zu geniessen... Aber der Gedanke gefällt mir trotzdem!

Kommt Zeit, kommt Rat. Ganz aufgeben mag ich das Projekt noch nicht...

Ja und sonst so?

Frühlingsgefühle machen sich bemerkbar!


Lenzrosen
Ein Freund hat mir ein Gedicht geschrieben und mir seine Sehnsucht offenbart... Jemand, der nicht "erhältlich" ist und mit dem mich ein rätselhaftes Band verbindet und von dem ich mich irgendwie nicht lösen kann, obwohl es für uns beide wohl besser wäre. Auf jeden Fall  vernünftiger. Aber wer will schon vernünftig sein, wenn der Frühling kommt und Schmetterlinge im Bauch tanzen...



Und dann hatte ich eine unerwartetes Treffen mit einem Mann, an den ich seit unserer ersten Begegnung im Sommer 2010 jeden Tag denke und den ich zuletzt vor sechs Monaten gesehen habe! Jemand, der  mir in losen Abständen ein SMS schickt, wenn ich besonders intensiv an ihn denke. Und die Begegnung war... intensiv! Und sie hat mich ein wenig durcheinandergebracht und ich weiss noch nicht genau, wie ich dieses Erlebnis einordnen soll.

Für nächste Woche habe ich mir vorgenommen, einen Ehe- oder Paarcoach zu kontaktieren... und mir eine Anwältin zu suchen...





Dienstag, 6. März 2012

Time out... ?

Heute Nachmittag habe ich einen "Time-Out" Postentwurf ins iPhone getippt. Ich wollte schreiben, dass ich momentan gerade ein ziemlich ausgeprägtes Stimmungstief habe und ein PMS als Ursache ausschliesse. Influenzaviren ebenfalls.


Und ich wollte schreiben, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich schon lange Mails beantworten sollte bzw. möchte, Eure Kommentare kommentieren, Postentwürfe überarbeiten und aufschalten und natürlich  Eure Blogs lesen und kommentieren möchte...


Und die zwei Stöckchen, die mir von Peter und vom Zicklein zugespielt worden sind, auflesen und beantworten...

Und meine neuen Leserinnen und Leser begrüssen...

Und meinem Blog ein neues, etwas weniger düsteres Styling verpassen...


Und dass mir im Moment alles irgendwie über den Kopf wächst. Ich muss mir die Zeit zum Bloggen zusammenstehlen, weil mein Mann neuerdings vermehrt von zu Hause aus arbeitet und ich mich nicht ohne weiteres stundenlang in mein Büro zurückziehen kann... Oft kann ich erst entspannt an den Computer, wenn die ganze Familie schläft. Das ist meistens nach 23.15 Uhr der Fall. Und es kommt vor, dass ich dann erst um zwei Uhr in der Nacht schlafen gehe. So wie gestern bzw. heute. Letzte Nacht habe ich allerdings nicht geschrieben, sondern geputzt. Die Goldfische haben jetzt wieder klare Sicht. Und da ich diese Nacht wieder einmal bloss viereinhalb Stunden geschlafen habe, bin ich heute entsprechend dünnhäutig und seit heute Mittag kämpfe ich mit einem üblen Stimmungstief.  Es wird mir alles zuviel und ich fühle mich müde, leer, traurig und desillusioniert. Und deshalb habe ich mir überlegt, ein Blog-Time-Out zu nehmen.

Bild typähnlich - bis auf den Umstand, dass unser
Esszimmertisch  niemals länger als fünf Minuten
 leer bleibt und ich zu Hause keine Highheels trage ...
Aber das wird schon wieder. Bin ja ein Stehaufmenschlein... 

Sodele! Und jetzt ist genug gejammert.

Werde mich jetzt mal um meine Kommentare kümmern. Und die Mails werden auch bald beantwortet! Versprochen!

Ich nutze die Gunst der Stunde. Der Angetraute ist nämlich im Seniorenturnen  Sport und die Kinder amüsieren sich vor dem TV mit einer dämlichen amerikanischen Sitcom. Aber inzwischen ist schon wieder 20.00 Uhr vorbei und ich muss die Kids ins Bett befördern... 

Blog muss warten...

...aber den Gedanken an ein Blog-Time-out habe ich schon wieder verworfen. 

Und falls dieses Post etwas wirr daher kommt, könnte es daran liegen, dass ich ein beachtliches Schlafdefizit angehäuft habe. Werde heute mal wieder versuchen, länger als fünf Stunden am Stück zu schlafen und vor Mitternacht ins Bett zu gehen!   

Bonne nuit!















Freitag, 2. März 2012

Kreisende Gedanken (reloaded)

Es denkt. Es denkt und denkt und grübelt und denkt in meinem Kopf. Ihr habt mir so viele wertvolle Denkanstösse geliefert, für die ich dankbar bin. Und gleichzeitig bin ich so hin- und hergerissen. Manchmal komme ich mir vor, wie ein trotziges Kind, das rebelliert, herumschreit und weglaufen will - aber eigentlich doch die Sicherheit der vertrauten Umgebung braucht. Wenn es sich zu weit entfernt hat, verlässt es der Mut und es kehrt wieder zurück...


Nichts wie weg... nur wohin?


In den letzten Tagen und vor allem in der letzten Woche, als ich viel alleine war und Zeit zum nachdenken hatte, habe ich mutige Gedanken gesponnen und mir ausgemalt, wie es sein könnte, wenn ich einen neuen Weg einschlagen würde...


Zurück in der vertrauten Umgebung erscheint es mir wieder so gut wie unmöglich, eine solche Entscheidung zu treffen. Das Haus, der Garten, der angenehme Lebensstandard. Ich will und kann das alles nicht aufgeben. Aber ich kann ihn auch nicht wegschicken. Er schneidet gerade die Rosen, die Obstbäume... Ich bringe es nicht übers Herz. Der Preis für den Neuanfang ist einfach zu hoch. Ich kann mein Glück nicht auf seinem Unglück aufbauen. Ich kann nicht so rücksichtslos sein. Ich kann das einfach nicht.


Sonntag Abend. Eine kurze Eskalation.Vorwürfe an mich, weil ich so lieblos mit ihm umgehen würde. Ich entgegne, dass ich die nicht mehr vorhandenen Gefühle nicht herbeizaubern könne und meine Gedanken um eine mögliche Trennung kreisen würden.  Er reagiert erstaunlich ruhig, besonnen und beteuert, dass  ich einfach wissen  müsse, dass er mich sehr, sehr gern habe. Die Worte prallen an  mir ab. Er erinnert daran, dass ich ein Ehecoaching oder eine Paartherapie organisieren wollte und er möchte, dass ich mich darum kümmere. Wir brauchen einen Mediator. Jemand der uns sagt, wie wir mit dieser Situation umgehen sollen.


Zwei Tage später ist wieder alles wie immer. Er ist gut gelaunt und er tut so, als wäre alles "in Ordnung". Kommt nach Hause und sagt, "Geht es Dir gut, Schätzeli?" und küsst mich auf den Mund. "Jaja! Es geht mir gut..." sage ich hastig...


Ich denke, ich sollte an meiner Einstellung ihm gegenüber "arbeiten". Versuchen, meine Gefühle in eine positivere Richtung zu lenken. Und das, was mir fehlt, mit einem Geliebten ausleben. Ich denke darüber nach,  mir ein geheimes Zimmer in der Stadt zu nehmen. A room of my own. Als Rückzugsort...


A room of my own for me... 



Solange ich die souveräne, gut situierte Ehefrau gebe, die ihr Leben im Griff zu haben und Familie und Beruf gekonnt unter einen Hut zu bringen scheint, bin ich für die Männer erstaunlich interessant. Sie nennen mich "cutie" oder "bellissima" und finden mich interessant und sexy.  Das ist Balsam für mein Ego. Aber diese Männer sind alle nicht "frei". Sie möchten mit mir das geniessen, was ihnen und mir im Alltag fehlt. Leidenschaft. Zuwendung. Aufmerksamkeit. Und das möglichst unverbindlich und unbeschwert. Es ist ein "geliehenes" Glück auf Zeit. All diese Kontakte sind aufregend. Egal ob platonisch oder nicht. Allein der gedankliche Austausch per SMS, E-Mail oder auch bei einem "keuschen" Kaffee ist eine Bereicherung für mein Leben. Es ist das Salz in der Alltagssuppe.

Aber alles hat seine Grenzen. Ich darf mir nicht anmerken lassen, wie es wirklich um meine Ehe bestellt ist... sonst kriegen die meisten Männer nämlich kalte Füsse und sind ganz schnell weg!

Und instinktiv wird mir klar: als alleinerziehende Mutter und getrennt lebende oder geschiedene Frau würde mein Sex-Appeal verblassen wie ein Farbfoto an der Sonne und die Verehrer würden sich ganz schnell in Luft auflösen, weil es mit der "Unverbindlichkeit" aus und vorbei wäre. Nicht weil ich Verbindlichkeit fordern oder erwarten würde - aber irgendwo im Hintergrund würde sie lauern, diese Frage, ob die  neue Beziehung alltagstauglich wäre. Davor habe ich Respekt. Ich will nicht bedürftig werden! Weder in wirtschaftlicher noch in emotionaler Hinsicht!



So sehe ich es heute.  Morgen kann schon wieder alles anders sein...