Donnerstag, 26. Juli 2012

Lichtstreifen am Horizont

"Wenn man weint, bedeutet das nicht, dass man schwach ist und aufgibt. Wenn man weint, bedeutet das, dass man im Moment mehr fühlt, als das Herz ertragen kann.”

(nomen nescio)



Was für ein wunderbares Zitat! Und wie tröstlich.
Danke für den Link, liebe Morgenrot!

So vieles hat sich in den letzten Wochen bei mir angestaut und vor lauter Alltagstress habe ich diese Gefühle einfach unterdrückt. Trauer, Enttäuschung, Wut und Schmerz hinuntergeschluckt. Ich habe funktioniert, mich einmal mehr angepasst und bin Kompromisse eingegangen, die sich nicht gut angefühlt haben. Und dann kam der berühmte Tropfen, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Viele Stunden sind die Tränen geflossen und wollten einfach nicht mehr versiegen. Danach hat sich vieles geklärt. Ich habe eine enge Bindung neu definieren müssen und fühle mich irgendwie befreit. Ich musste die Notbremse ziehen, weil die Situation mich überfordert hat. Meine Seele hat rebelliert. Zweifel werden kommen und es bleibt eine gewisse Wehmut, aber das Rad der Zeit lässt sich nun mal nicht zurückdrehen. Ich muss mir darüber klar werden, wie es weitergehen soll. On verra. Etwas oder jemanden loslassen bedeutet auch, Platz zu schaffen für Neues. Manchmal muss man eingefahrene Pfade verlassen und neue Wege gehen, um sich weiterentwickeln zu können. 



Den Verlust meines Vaters muss ich hinnehmen und irgendwann werde ich wohl aufhören zu hadern. Es fällt mir gerade sehr schwer, mich damit abzufinden. Meine Ehe hingegen belastet mich in diesen Tagen kaum. Mein Mann lässt mich gewähren, stellt keine Fragen, kümmert sich um die Kinder und gibt mir die Zeit, die ich für mich brauche.

Ich bin etwas erschöpft, aber ich sehe einen Lichtstreifen am Horizont.



Nach dem grossen Regen: Licht am Horizont.


Dienstag, 24. Juli 2012

Grounding

Ich möchte so gerne über die wunderbare Reise mit Castorp berichten. Oder über den Beginn der Paartherapie, den Umzug der Goldfische in den Gartenteich, whatever. Einfach etwas Positives.

Die Wahrheit ist, dass ich alleine in meinem Elternhaus sitze und mir die Seele aus dem Leib heule. Mama ist mit meiner Schwester in den Ferien und ich wollte nur kurz nach dem Haus schauen, das von der Nachbarin betreut wird. Und nach dem Grab sehen und die Blumen giessen. Schon auf der Hinfahrt sind die Tränen geflossen und ich frage mich, wann das endlich aufhören wird. Wo kommen bloss all diese Tränen her? Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so geheult habe. Mein verwaistes Elternhaus deprimiert mich gerade sehr. Und ich habe den Schlafzimmerschrank geöffnet. Auf der rechten Seite sind noch alle seine Kleider. Die Kleider meines Vaters. Und sein Handy ist noch immer an der Steckdose! Ich habe das grosse Bedürfnis verspürt, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen, bis es weh tut und habe es dann doch nicht getan. Warum?! Warum bloss musste das passieren!! Warumwarumwarum? Ich bin wütend. Drei Monate ist es her. Und ich stecke noch immer in der Phase des nicht Wahrhabenwollens, des Verdrängens, des Haderns und der Wut. Das ist so typisch für mich. Ich bin eine Spätzünderin in jeder Beziehung.

Auch von der Paartherapie, liebe Paula, kann ich leider noch nichts berichten. Die Kontaktaufnahme mit dem Ehecoach werde ich auf die To-Do-Liste übertragen, die ich im Auftrag meines "Bauleiters" erstellen soll. Bis Sonntag Abend will er eine Mail von mir, dass eine bestimmte, besonders dringende Aufgabe erledigt worden ist. Die Liste meiner unerledigten Tasks wird wohl ellenlang werden. Blogposts figurieren unter Priorität C. Wichtig für mich, aber nicht dringend...

Und wenn ich hier fertig bin mit Heulen und die Spuren im Gesicht retouchiert sind, werde ich auf den Friedhof fahren. Und dann nach Hause zu Mann und Kindern. Und schauen, ob die Goldfische noch leben. Sie sind wieder krank geworden. Schlimmer denn je und der Teich ist auch noch nicht fertig.

Das war nicht mein Tag heute. Im Job läuft es nicht gut und ich befürchte, dass ich Scheitern werde. Mr. Charming meldet sich nur sporadisch und die Beziehung zu meinem besten Freund verlangt mir gerade sehr viel ab.

Von meinen Knieschmerzen, die mir das Leben zusätzlich schwer machen, mag ich gar nicht anfangen.

Nein, ich kann Euch wirklich gerade nichts Erfreuliches bieten und ich habe das Gefühl, dass ich ziemlich nah am Grounding bin. Nun ja, währenddem ich diesen Text ins iPhone getippt habe, sind die Tränen versiegt. Zumindest vorübergehend. Ich heule wahrscheinlich nicht nur um meinen Vater, der mir so sehr fehlt, sondern um mein ganzes Leben, das derart aus den Fugen geraten ist.

Und nun gehe ich ins Bad und schaue aus dem Fenster und warte auf ein Zeichen. Vielleicht kommt ja wieder das Reh aus dem Wald und schaut mich an. Und irgendwann werde ich in der Lage sein, die Handynummer meines Vaters aus meinen Kontakten zu löschen. Und ich werde meine Baustellen eine nach der andern abschliessen. Und die beste Freundin sein, die ich sein sollte. Vielleicht sogar eine gute Ehefrau. Oder glücklich getrennt. Ich werde wie Phönix aus der Asche steigen. Alles wird gut. Irgendwann. Danke fürs Zuhören.

Es blüht im elterlichen Garten als wäre alles wie immer.

Dienstag, 17. Juli 2012

N'importe quoi...

Die letzte Melancholieattacke ist unbeschadet überstanden und ich stelle mit Genugtuung fest, dass mir über Nacht keine LeserInnen abhanden gekommen sind. Wobei ich durchaus Verständnis dafür hätte, wenn jemand  meiner  Selbstmitleidsattacken  überdrüssig würde... Und ja, ich weiss, ich drehe mich im Kreis und kann mich nicht entscheiden!  Und mein Ruf als "anständige" Ehefrau ist inzwischen auch im Eimer. Schwamm drüber.


Heute Nacht habe ich übrigens sturmfrei und ich geniesse es, das Haus ganz allein für mich zu haben. Meine Handys Mein Handy ist für einmal nicht im Silent-Modus und natürlich ist weder mein platonischer Freund noch der Traum meiner schlaflosen Nächte online bzw. erreichbar. Und was tut Frau in einer solchen Situation? Aufräumen, Küche machen, Waschen... Sehr aufregend. Und das Notebook auf die Kochinsel stellen und ein unsinniges Blogpost schreiben, anstatt das zu tun, was noch zu erledigen wäre...

Und morgen stehe ich zeitig auf und fahre zur Arbeit. Das ist die offizielle Version. Statt dessen nehme ich mir einen Day off und unternehme eine kleine Reise. :-)

Bonne nuit!


Soviel zu meiner Entscheidungsfreudigkeit...



Montag, 16. Juli 2012

Shattered dreams...

Sie sitzen auf dieser überdachten Terrasse mit den terracottafarbenen Fliesen vor dem wunderschönen Haus auf dem Hügel und schauen auf die Bucht, über mit Pinien bewaldete Hügel auf das Meer, das so weit entfernt ist, dass die Segelschiffe nur knapp von blossem Auge zu erkennen sind und die Kreuzfahrtschiffe am Horizont wie Spielzeuge übers Wasser gleiten. Dieser wunderschöne Panoramablick auf das Meer, das nahtlos in den Horizont übergeht und je nach Wetter mit dem Blau des Himmels verschmilzt, lässt sie melancholisch werden. Sie trinken einen fruchtigen Rosé aus der Gegend und sie sagt ihm, dass sie das Bedürfnis hat, einen Rückzugsort zu haben. Eine eigene kleine Wohnung. Einen oder zwei Räume, die sie einrichten kann und wo sie alle ihre Sachen unterbringen kann, die irgendwie im grossen Haus nicht so recht Platz finden. Er verweist sie an die Ferienwohnung in den Bergen. Es ist nicht das, was sie sucht. Es ist SEIN Ort, SEINE Wohnung, SEIN Winterrefuge. Wegen ihm haben sie die Wohnung gemietet. Er ist dort so präsent wie im Haus.

Sie möchte etwas Eigenes in der Nähe. Er kann es nicht verstehen. Es macht keinen Sinn, eine weitere Wohngelegenheit zu mieten. Er denkt ökonomisch. Es reicht schon, dass die Wohnung in den Bergen monatelang nicht benutzt wird. Er schlägt vor, dass sie sich entweder in die Berge zurückzieht oder aber das Zimmer im Haus, das sie jetzt schon benutzt, leer räumen und für sich einrichten soll. Oder aber dass sie sich trennen, wenn es wirklich nicht mehr geht.

Er sagt, dass er diesen Zustand nicht mehr lange aushalte und dass sie sich mehr Mühe geben soll. Sie beide könnten die beste Zeit ihres Lebens haben. Sie sind finanziell privilegiert, die Kinder sind in einem guten Alter und sie sind alle gesund. Sie können sich schöne Ferien im Ausland leisten, im Winter die Wochenenden in den Bergen beim Skifahren verbringen und im Sommer auf der Segelyacht auf dem See. Alles wäre perfekt, wenn sie doch nur mitmachen und nicht alles verderben würde...


Er hat ja recht. Und sie sieht ihn an und die weichen, etwas schwammigen Konturen seines Gesichts und die Art wie er spricht befremdet sie und ihr Herz schnürt sich zusammen. Ihre Gedanken schweifen immer wieder ab. Zu einem anderen Mann. Sie sehnt sich nach ihm. Spürt ein körperliches Verlangen, das fast schmerzt. Und sie weiss, dass dieser Mann es auch fühlt. Aber er ist nicht frei. Ebensowenig wie sie. Und wenn diese starke gegenseitige Anziehung und das Begehren schwächer würde, befürchtet sie, dass sie wohl nicht so richtig zusammenpassen würden. Irgendetwas verbindet sie beide. Das weiss sie, seit jenem Magic Moment im Sommer 2010. Dieser Augenblick damals hat ihr Leben verändert. Nichts ist mehr wie es einmal war und manchmal wünscht sie sich, sie könnte einfach wieder funktionieren. Aber eigentlich weiss sie, dass es kein Zurück mehr gibt. Zuviel ist passiert in den letzten zweieinhalb Jahren. Sie hat sich verändert. Wie soll es weiter gehen? Sie fühlt sich nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Noch nicht.


Donnerstag, 12. Juli 2012

Coucou!

Ich lebe noch! Die letzten beiden Wochen hatte ich dermassen viel um die Ohren, dass ich keine Zeit gefunden habe, mich um mein Blog zu kümmern! Das will was heissen, denn mein Blog ist mir wichtig!

Ich hatte jede Menge Termine und musste kurzfristig eine Stellungnahme in Sachen Bauprojekt "Seilbahnstation" auf dem Nachbargrundstück verfassen und mir eine Argumentation aus den Fingern saugen und das Ganze auf französisch zu Papier bringen. Ich sag nur: Gemauschel! Ärger! Inkompetente Behörden! To be continued...

Zu allem Überfluss haben die Goldfische drei Wochen vor dem Umzug in den Gartenteich blutige und grau-weissliche Flecken gekriegt... Vermutlich habe ich mit Wasserpflanzen Parasiten oder Bakterien oder beides zusammen eingeschleppt. Die ganze Fischgesellschaft musste deshalb vorübergehend in transparente IKEA-Boxen umsiedeln und in flüssiger Arznei schwimmen und das 180 Liter Aquarium komplett ausgeräumt, geputzt und neu eingerichtet werden. Eine ziemlich zeitaufwändige Sache... Aber es geht aufwärts und das Medi scheint zu wirken...

Und da war da noch mein Job, zwei lange Arbeitstage und zwei Schulabschiedsfeste, an denen ich Präsenz markieren musste. La maîtresse ist verabschiedet und wir sind immer noch per Sie. ;)

Und dann hiess es Koffer packen und gen Süden fahren. Und mit im Gepäck ein chronisches Schlafdefizit und das Laptop, weil ich es nicht mehr geschafft habe, vor der Abreise einen Reisebericht zu schreiben, den zu verfassen ich leichtsinnigerweise zugesagt hatte. Gestern war Redaktionsschluss. Und mein erster Artikel, der in einer Zeitschrift veröffentlicht wird, ist gerade noch rechtzeitig fertig geworden. Dernière minute, comme toujours! Es ging natürlich um die Reise vom Juni! Die mit den vielen Wow-Momenten... Ihr erinnert Euch? ;)

Und seit Sonntag sind wir nun en famille en France und verbringen eine Woche Ferien im Traumhaus meiner Freundin! Die Umgebung ist atemberaubend und wenn sich die Gastgeber nicht pausenlos angifteln und die Kinder nicht stundenlang in einen Bildschirm starren würden, wäre der Aufenthalt perfekt. Was haben wir eigentlich früher in den Ferien als Kinder gemacht, als es noch keine DS, iPod Touch und iPads gab? Also... ich erinnere mich daran, dass ich die fremde Landschaft und die vielen Eindrücke aufgesogen habe, aber im Zeitalter von Internet ist aus der Welt ein Dorf geworden und ich mag meinen Kindern keine Vorwürfe machen, dass sie anders sind als ich es damals war. Es ist einfach eine andere Zeit heute.

Mit etwas Galgenhumor und dem vorzüglichen französischen Wein lässt es sich hier gut leben und Sonnenuntergänge wie der von gestern Abend rücken alles wieder in die richtigen Relationen...

Und gestern haben wir endlich wieder einmal im Mittelmeer gebadet - en famille. Die Kinder konnten im Sand buddeln (macht ihnen immer noch Spass!) und wir haben gut gegessen und ausgezeichneten Wein getrunken. Nach dem Strand habe ich mit Töchterchen die Kleiderboutiquen abgeklappert und wir haben die Wirtschaft ziemlich angekurbelt, während die Jungs im Internetcafé Bier und Cola tranken. Mademoiselle hat jetzt zwei neue Sommerkleider und Madame ist auch fündig geworden... :)

Ich werde meine online-Aktivitäten nun auf Besuche im Internetcafé beschränken müssen, da sich mein 50 MB-Dataroamingpaket, das ich online für 24 Franken erworben hatte, innert 12 Stunden in Luft aufgelöst hat und ich ganz ehrlich keinen blassen Dunst habe, wie das passiert ist. Anscheinend hat mein Laptop eigenmächtig irgendwelche Daten heruntergeladen... Da vorher schon 21 Franken Roaminggebühren aufgelaufen sind, werde ich jetzt etwas Zurückhaltung üben müssen. Mein Mann ärgert sich darüber, dass ich ständig online sein will und das Handy läuft aus steuertechnischen Gründen über ihn. Ein fataler Fehler, dass ich mich vor zweieinhalb Jahren damit einverstanden erklärt habe. Nun hat er die Kontrolle. Aber damals hätte ich mir ja nie träumen lassen, wie sehr sich mein Leben verändern würde und Rosalie und ihr Blog, Mr. Charming und die Protagonisten meines geheimen Paralleluniversums existierten damals noch nicht einmal in meiner Phantasie! Ich muss das irgendwie rückgängig machen. Hat jemand eine Idee, wie ich da wieder rauskomme, ohne mich vollends verdächtig zu machen? Ich würde meine Handyrechnung so gerne wieder selbst bezahlen! Grmpff!

Anyway. Ich werde nun versuchen, endlich das Buch fertig zu lesen, das mir ein lieber Freund vor Monaten geschenkt hat. "Zwei an einem Tag". Es hat ihn an unsere Geschichte erinnert und ich möchte endlich wissen, ob Dex und Emma doch noch ein "richtiges" Liebespaar werden...

Und ich bitte alle um Nachsicht, die auf eine Mailantwort von mir warten! Sie kommt! Ganz bestimmt! Aber frühestens nächste Woche! Und die Kommentare werden auch noch beantwortet! Später! Ich bin jetzt mal ein paar Tage offline! Voraussichtlich. Ich meine, ich versuch's... A bientôt!



Montag, 2. Juli 2012

"La maîtresse"

Die letzte Schulwoche hat begonnen! Endspurt! Abschiedsgeschenke für die Lehrerinnen werden gebastelt, Schulreisen und Ausflüge unternommen, Abschiedsfeste gefeiert, Zeichnungen und Schulmaterial nach Hause gebracht. Und meine Tochter muss sich nach zwei Jahren von ihrer Lieblingslehrerin verabschieden. Eine sehr gute Lehrerin. Die Beste und Umtriebigste im ganzen Schulhaus. Und eine attraktive Frau. Kurzes blondes Haar, guter Style, sehr charmant, schlagfertig, alleinstehend, kinderlos und im besten Alter. Vierzig! Ihre aktuellen (und ehemaligen) Schülerinnen und Schüler sind ihre "Ersatzkinder" und sie pflegt Körperkontakt und verteilt gerne Bisous auf die Wangen ihrer Schützlinge. Sie wird jeden Tag von den aktuellen und ehemaligen Schülerinnen (seltener: Schüler) umarmt und alle lieben sie heiss. Oder jedenfalls die meisten. Oder zumindest diejenigen, die gute Zensuren hatten. Sie ist nämlich eine strenge Lehrerin. Resolut, aber gutmütig. Töchterchen hat ein gutes Zeugnis nach Hause gebracht und "la maîtresse" ist zufrieden mit ihr und nennt sie manchmal "ma belle". 

Mein Verhältnis zu "la maîtresse" ist ein bisschen ambivalent. Irgendwas "stört" mich an ihr, ich kann es aber nicht benennen. Ich vermute, sie mag mich nicht besonders bzw. ich irritiere sie irgendwie und ich empfinde ihre Freundlichkeit mir gegenüber manchmal als etwas aufgesetzt.  Man sieht ihr an, was sie denkt, auch wenn sie sich Mühe gibt, es zu verbergen. Sie ist eine empathische Frau und sie kriegt rote Wangen, wenn sie nervös ist. Das finde ich sympathisch. Kenne ich von mir auch. Und sie hat ein Flair für meinen Mann. Die Sympathie ist gegenseitig. Man ist per Du und man gibt sich drei Wangenküsschen. Ich finde es amüsant, wenn er mit ihr auf französisch "Süssholz raspelt" und sie ihn anstrahlt und rote Wangen kriegt.

Ich bin per Sie mit ihr. Da ich zwei Jahre älter bin, wäre es wohl an mir, ihr das "Du" anzubieten. Aber ich hatte bisher noch nie das Bedürfnis und ich finde es irgendwie unpassend, mit der Lehrerin meiner Kinder per Du zu sein. Ich bevorzuge in diesem Fall eine gewisse Distanz. Unsere Kinder haben ihre ersten beiden Schuljahre bei ihr absolviert und sie hat ihnen das Lesen beigebracht. Und vieles mehr. Sie sind zusammen ins "Camp vert" (mehrtägiges Sommercamp) gefahren. Ich habe meine Kinder auf einige Schulausflüge begleitet. Schlittschuhlaufen, Minigolf, Piscine, Wochenmarkt in der Stadt... und so habe  ich die Lehrerin ein wenig näher kennengelernt. Aber irgendwie verhält sie sich mir gegenüber ebenfalls distanziert.   Fünf Tage noch - und die Aera von "la maîtresse" geht zu Ende. Irgendwie doch schade. Ein bisschen Wehmut kommt auf. Ob ich wohl am Abschiedsfest mit ihr "dutzis" machen sollte? ;-)


Manchmal überlege ich mir, ob sie wohl gerne meinen Platz einnehmen würde, wenn ich meinen Mann verliesse.  Ich denke schon. Und er? Er findet sie attraktiv und sympathisch. Hat allerdings auch schon verlauten lassen, dass sie sicher keine "einfache" Person sei und es wohl schon einen Grund gäbe, dass eine so attraktive Frau mit vierzig weder Lebenspartner noch eigene Kinder habe. Sie sei wohl eine Frau mit "Haaren auf den Zähnen"!

Tja, es sind nicht alle so pflegeleicht und unkompliziert wie Rosalie... *hüstel*...

Bestimmt mag sie Katzen. Und wenn sie in unser Haus einziehen würde, dann bestimmt nicht ohne ihre Katze(n). Und sie würde ihm seine Katzenallergie ganz schnell austreiben. Schluss mit tränenden Augen und niesen! So wie damals, als wir  fast ein Jahr lang mit zwei Katzen unter dem selben Dach gelebt haben, um Geld für das Haus zu sparen.  Wir wohnten bei meinen Eltern und - oh Wunder - nach einer gewissen Zeit haben die Symptome schliesslich aufgehört. Er hat sozusagen eine Desensibilisierung durchgemacht. Als wir dann ins eigene Haus zogen, waren die Symptome ratz fatz wieder präsent und es reichte schon, das Wort "Katze" oder "Haustier" beiläufig zu erwähnen, um ihn zum niesen zu bringen... 

Ob "la maîtresse" sich auf ihn einlassen würde? Ich bin mir nicht sicher, ob es mich stören würde! Eigentlich nicht... Theoretisch eine ideale Lösung. Sie liebt meine Kinder. Und wenn meine Kinder sie dann immer noch mögen, tant mieux! Ich habe keine Angst davor, dass sie mir meine Stellung als "liebste Mama der Welt" streitig machen könnte. Und ich empfinde keine Eifersucht. Im Gegenteil! Ich würde es meinem Mann gönnen, wenn er mit ihr glücklich würde...

Mein "Bauleiter" hat mir übrigens den Auftrag gegeben, mir auszumalen, wo ich in einem Jahr stehe. Wohnsituation, Arbeitspensum,  etc. Möglichst konkret. Und ich soll aufschreiben, welche Schuldgefühle und Ängste ich habe, wenn ich an eine Trennung denke. Hmm...

Spontan kommt mir in den Sinn: "Hatschi! Verdammte Katze!" Just kidding. Kleiner Scherz. ;-)

Gehen oder bleiben? Das Haus behalten oder mich neu orientieren? Ich muss noch darüber nachdenken... Habe noch zwei Tage Zeit.