Sonntag, 12. Januar 2014

Sylvester 2013 und wie es hier weitergeht

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich den Kindern die ungeheuerliche Nachricht eröffnet, dass sich ihre Eltern trennen werden und der Alltag sich für die ganze Familie verändern wird.

Ein Jahr später blicke ich zurück und darf sagen, dass es richtig war, diesen Schritt zu wagen. Heute geht es mir so viel besser als damals und wir sind ALLE glücklicher. Ich denke, da kann ich auch für meine Kinder und für meinen Mann sprechen. 

Ich habe meine Traumwohnung gefunden und - noch viel wichtiger - einen wundervollen Mann getroffen, mit dem mich eine emotionale Nähe verbindet, die elf Monate nach unserem ersten persönlichen Kontakt  immer noch an Intensität zu gewinnen scheint. Es ist eine Beziehung auf gleicher Augenhöhe und trotzdem darf ich auch mal schwach sein, ohne befürchten zu müssen, an Stärke zu verlieren. Und ich muss mir diese Liebe nicht "verdienen" - sie wird mir geschenkt und er gibt mir das Gefühl, dass ich seine Traumfrau bin. Nicht ersetzbar! Die gegenseitige physische Anziehungskraft ist unvermindert stark, was vielleicht auch dem Umstand geschuldet ist, dass wir keine Alltagsbeziehung führen können. 

In meinen kühnsten Träumen hätte ich nicht für möglich gehalten, dass ich den letzten Tag des Jahres 2013 gemeinsam mit meiner Kernfamilie (Ehemann und Kinder) und meinem Liebsten verbringen würde, und dass sich die beiden Männer ganz entspannt über das Leben in Ostberlin, den Mauerfall und andere Themen unterhalten würden! Und dass ich mit der Freundin meines Mannes über unsere benachbarten Heimatgemeinden und die Schulzeit plaudern würde. Aber von Anfang an:

Natürlich war ich ein wenig nervös bzw. angespannt, als wir am Silvesterabend um viertel nach sechs im Bergdorf ankamen und ich mein Auto vor dem Ferienhaus abstellte. Die Kinder hatten uns schon sehnlich erwartet und die Kleine lief mir in einem  Trägerkleidchen und in Hausschuhen über den schneebedeckten Weg entgegen! Was für eine Begrüssung! Sohnemann kam in Socken hinterher  und wir schleppten unsere Taschen und Einkaufstüten in den zweiten Stock. 

Nun würde ich sie also kennenlernen, die neue Frau an der Seite meines Mannes, die mich nach ersten optischen Eindrücken von Fotos und von der Beschreibung her ein wenig an Bree van de Kamp von den verzweifelten Hausfrauen erinnert. Diese gross gewachsene schlanke Frau, die so stolz einen seit Schulzeiten existierenden Übernamen trägt, der bei emanzipierten Erwachsenen beiderlei Geschlechts nach Bekanntgabe jeweils ein (- zumindest in Gedanken -) entgeistertes  "Uuups!" bzw. eher schon ein  "Ach du Scheisse!" auslöst …  und die eine Woche nach dem Kennenlernen den neuen Beziehungsstatus inkl. Namensangabe des Herzallerliebsten auf FB veröffentlicht hat.

Ich hatte mir vorgenommen, ihr trotz gewisser Vorbehalte offen und möglichst unvoreingenommen entgegen zu treten. Wir wurden im Türrahmen erwartet und ich gab der Frau die Hand und verabreichte ihr wie es in der französischen Schweiz üblich ist, gleich mal drei Müntschi auf die Wange. Der Tochter ebenso. Ihr Mann war etwas zurückhaltender (Deutschschweizer eben…;-), was ich respektiert habe. Alle drei machten einen sehr sympathischen Eindruck. Das "Eis" war gebrochen. 

Nach der Begrüssung gab es ein Glas Wein und mein Mann zeigte uns die neue Wohnung. Ich hatte verschiedene Outfits mitgenommen, weil ich keine Ahnung hatte, ob man den Abend im "kleinen Schwarzen" oder im Fleecepullover verbringen würde. Bree (ich werde sie jetzt mal bis auf weiteres so nennen) trug ein kniekurzes Kleidchen von Desigual, das ich mir am Vortrag in Berlin auch angeschaut hatte (!), schwarze Strumpfhosen und Perlen. Ich dankte kurz dem Universum, dass ich das Kleid NICHT gekauft habe. Ich entschied mich für schwarze Hosen und ein Outfit, das ich auch fürs Büro tragen würde und in dem ich mich wohl fühle. Mir war nach casual, nicht nach aufgebrezelt.

Die neue Wohnung war seltsamerweise nicht ganz fremd, denn schliesslich hatte ich meinem Mann ja eine Woche vorher mein Eisenbett, eine Garderobe, den für mein Empfinden viel zu grossen (dominanten) 46"-TV, ein Holztischchen und ein paar Stühle überlassen. Auch in der Küche kam mir einiges bekannt vor, unter anderem ein Korkenzieher von Alessi, von dem ich glaube, dass ich ihn von meinem ersten Freund irgendwann einmal geschenkt gekriegt habe. Oder habe ich ihn zu Beginn unserer Beziehung meinem Mann geschenkt? However, es passt nicht mehr zu mir, das Teil! 

Nach der Wohnungsbesichtigung setzten wir uns aufs Sofa und mein Mann zeigte via TV-Screen eine Diashow mit den neusten Fotos. Bree war ja schon ein paar Tage früher mit ihrer Tochter angereist, ihr Ehemann am Vorabend. Freudenstrahlende Kinder und lachende Erwachsene im Schnee. Die ganze Truppe inkl. Brees Mann hatte am Sylvestertag noch einen Schlittelausflug gemacht, der offensichtlich allen Beteiligen viel Spass gemacht hatte. 

Ich verdrängte den leise anklopfenden Gedanken, dass mir hier gerade sehr eindrücklich demonstriert wurde, dass man es auch ohne mich ganz lustig haben kann, und freute mich statt dessen darüber, dass meine Kinder offenbar viel Spass gehabt hatten. 

Brees Tochter ist ein hübsches, sehr sympathisches Mädchen und man könnte die drei Kinder ohne weiteres für Geschwister halten! Sie sind irgendwie typähnlich und verstehen sich ausgezeichnet untereinander. Auf einem der Fotos war zu sehen, wie die Fünfzehnjährige meiner zehnjährigen Tochter die Haare gewaschen hat. Sie hat eine Dreiviertelstunde gebraucht, um die Knoten im Rapunzelhaar zu entwirren und ich war dankbar, dass sie mir das abgenommen hatte. Anschliessend hatte sie ihr einen schönen Zopf geflochten, den die Kleine noch immer trug.

Nach dem Essen - es gab Raclette und Fleisch vom Tischgrill - haben wir auf Wunsch von Sohnemann Activity gespielt. Wir haben uns wirklich gut unterhalten und es war lustig und wir haben viel gelacht. Brees Mann taute auf und machte auf uns einen sehr sympathischen, erstaunlich relaxten Eindruck. Er schien sich keineswegs als fünftes Rad am Wagen zu fühlen, obwohl er ohne seine Freundin gekommen war. Nach einer Weile fiel mir erst auf, dass Bree und Tochter abwesend waren. Sie hatten sich für eine gefühlte halbe Stunde (oder länger) in ein Zimmer zurückgezogen und widmeten sich gemäss Aussage meiner Tochter ihren Smartphones oder iPads. Im Moment hatte ich es nicht so empfunden aber im Nachhinein fand ich dieses Verhalten etwas seltsam um nicht zu sagen unhöflich. Als sie dann wieder ins Wohnzimmer kamen, setzte sich Bree hinter meinen Mann auf den Teppich - er lag seitlich aufgestützt am Boden -  und begann ihn zu kraulen und zu streicheln, während die Tochter sich zu ihrem Papa gesellte. Ich sass neben meinem Schatz und meinem Sohn auf dem Sofa und fühlte mich wohl. Piccolina sass ebenfalls auf dem Boden. Der Anblick von Bree und meinem Mann machte mir überhaupt nichts aus! Die beiden kamen mir ein wenig vor wie ein Paar, das schon lange zusammen ist, dabei kennen sie sich gerade mal zwei Monate! Sie machten mir jetzt auch keinen besonders verliebten Eindruck, aber ich masse mir lieber kein Urteil an. ;-)

Irgendwann so gegen 22.45 Uhr hatte Bree jemand dann den Wunsch, dass man doch noch nach draussen an die frische Luft gehen sollte und so gingen wir alle hinunter ins Dorf. Eine gute Viertelstunde (gefühlte halbe Stunde) talwärts dauerte der Marsch und kaum waren wir im Dorf, wollte "man" schon wieder zurück - noch nicht mal für einen Glühwein hatte es gereicht - und so kamen wir knapp vor Mitternacht wieder in der Wohnung an. Der Schweizer Champagner wurde entkorkt und ich weiss nur noch, dass mein Schatz und ich uns lange geküsst haben und auf ein glückliches neues Jahr angestossen haben. Mein Mann hat mich kurz umarmt und auf die Wange geküsst, und ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich mit Bree und Mann Küsschen ausgetauscht oder nur Prost gemacht habe.  

Wir haben uns dann wieder aufs Sofa gesetzt und uns unterhalten und dann ist Bree mit Tochter im Schlepptau aufgestanden und verschwunden. Eine Viertelstunde später kam sie um die Ecke und wünschte eine gute Nacht!! Im Pyjama!!!

Mein Schatz und ich schauten uns mit grossen Augen an und er witzelte etwas von "lahme Party und müden Schweizern" und ich hatte den Eindruck, dass auch mein Mann vom abrupten Abgang seiner neuen Herzdame einigermassen überrascht war! Wir unterhielten uns dann noch eine gute Viertelstunde und schliesslich fühlte sich mein Mann wohl "gemüssigt" seiner Bree ins Schlafgemach zu folgen und verabschiedete sich. Ich  kümmerte mich um Sohnemann, der auf dem Sofa schon halbwegs eingeschlafen war und zog mich dann mit meinem Schatz ebenfalls zurück. Es muss so gegen ein Uhr gewesen sein. 

Am Neujahrstag haben wir ausgeschlafen und als wir ins Wohnzimmer kamen, waren  Bree und mein Mann gerade daran, Richtung Dorf aufzubrechen, um frisches Brot zu holen. Ich war einigermassen erstaunt, denn mein Mann hatte sein liebstes Haushaltsgerät, eine König-Brotbackmaschine, mitgenommen und der Duft von frischem Brot lag in der Luft. Ein Blick aufs Gerät zeigte die verliebende Backdauer an: 45 Minuten. Als die beiden aus dem Dorf zurückkamen, war das Brot gerade fertig… 

Bree ass ein Magerjoghurt und hatte schon vor dem Abmarsch "demonstrativ" eine Orange, eine Mandarine und einen Apfel auf ihrem Teller platziert. 59 kg müssen verdient sein! He, he, he… 

Mein Schatz und ich assen frisches Brot, Croissants und Käse und tranken einen Kaffee und ich konnte es mir nicht verkneifen, meinen Mann nach einem "Schoggijoghurt" zu fragen! Wohlwissend, dass keines im Kühlschrank war! Selbstkasteiung ist so gar nicht meins und ich verzichte lieber ganz auf Joghurts, als eines dieser grässlichen 0,1%-Fett Joghurts zu essen. Inzwischen sollte sich doch eigentlich herumgesprochen haben, dass es nicht das Fett ist, das dick macht, sondern der Zucker. 

Die beiden mochten dann nicht mehr warten, bis wir unsere Sachen zusammengepackt hatten, denn schliesslich war das Wetter gut und Bree drängte wohl darauf, den Skibus zu nehmen. Brees Mann verabschiedete sich sehr herzlich von uns (diesmal mit Küsschen!) und reiste dann mit der Tochter heimwärts. Mein Mann und sein Herzblatt gingen auf den Skibus und ich packte mit den Kindern noch in aller Ruhe die Kleider und Schulsachen zusammen, warf den Wohnungsschlüssel in den Briefkasten und fuhr mit meinem Schatz und den Kindern zurück ins Unterland fuhr. Dort verbrachten wir noch zwei  entspannte Tage in meiner Wohnung, bis er wieder nach Berlin zurückfliegen musste.

Die folgenden Tage war ich irgendwie komisch drauf. Sehr melancholisch, ohne dass ich genau hätte sagen können, weshalb. Zudem begann mich all das Unerledigte in meiner Wohnung zunehmend zu belasten. 

Ich habe das dringende Bedürfnis, aufzuräumen bzw. meine Wohnung endlich auf Vordermann zu bringen. Die letzten zehn Monate waren so unglaublich intensiv und es gibt immer noch viele Kisten mit Kleidern und Hausrat, die noch nicht ausgepackt und geordnet sind! Gebügelt habe ich seit Wochen nicht mehr und es liegen noch drei Regale und ein Pult herum, die darauf warten, zusammengeschraubt zu werden. Es braucht wirklich Zeit, bis alles eingerichtet ist und die Lampen sind auch nur eine Notlösung, die ich meinem Vormieter abgekauft habe. Das TV-Regal habe ich am 2. Februar noch mit meinem Schatz montiert und es ist auch nicht so, dass ich in all der Zeit nichts getan hätte. Aber die Weihnachtsvorbereitungen hatten viel Zeit in Anspruch genommen und auch mein Papierkram ist nach wie vor ungeordnet. Und ich habe keine Ahnung, wo ich die Weihnachtsdekoration  unterbringen soll, die ich aus dem Haus geholt und teilweise neu gekauft habe. Und ich sollte Rechnungen bezahlen, Kinderkleider aussortieren, meinen Schlafzimmerschrank endlich richtig einräumen und noch ganz viel mehr!



Ungeordnetes, soweit das Auge reicht…
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt.
Und drei grosse Papiertüten mit ungebügelter Wäsche! 


Ich habe viel erreicht in den vergangenen zwölf Monaten, aber ich war auch oft unterwegs. Nun muss ich mich vermehrt um meine Wohnung kümmern, um den Haushalt und meinen Bürokram. Die 800 ungelesenen Mitteilungen in der Mailbox, die mir mein Handydisplay aktuell meldet, sind symptomatisch für all das Unerledigte, das mich zunehmend belastet. Es ist eine von drei Mailboxen… So viele liebe Menschen warten auf ein Mail von mir und ich weiss, dass ich auch meinen Blog-Lesern im Moment nicht gerecht werden kann. Nehmt es bitte nicht persönlich und seid mir nicht böse! Nachts lese ich in schlaflosen Stunden in meinen Lieblingsblogs und hätte oft das Bedürfnis, einen Kommentar zu hinterlassen, mein Mitgefühl auszudrücken, zu ermuntern etc. aber ich komme  momentan einfach nicht wirklich dazu.

Ich werde mich nun eine Weile zurückziehen und wenn ich meine "To do-Liste" soweit abgetragen habe, dass das Unerledigte nicht mehr so offen sichtbar ist und mich nicht mehr belastet, werde ich diesem Blog hier das längst überfällige neue Outfit verpassen und wieder regelmässiger aus meinem Leben berichten! 

Bis dahin werde ich gerne bei Euch weiterlesen und hoffe, Ihr bleibt mir treu, bis es hier wieder weitergeht.  


Herzlich,

Eure Rosalie



Blick aus meinem Wohnzimmerfenster: 
mein Lieblingsarrangement im Abendlicht.



P.S. Wer's noch nicht gelesen hat: Sylvester aus der Sicht meines Liebsten!