Sonntag, 12. Februar 2017

Burnoutsymptome

Mein Optimismus im August 2016 war leider verfrüht... Nehmt es mir bitte nicht übel.

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: es gibt so vieles, über das ich berichten möchte, weil ich innerlich fast platze und es irgendwie loswerden muss. Aber die schiere Menge an Herausforderungen (treffender: "Baustellen" im übertragenen Sinn) führt regelmässig dazu, dass ich mich wie paralysiert fühle. Ich weiss oft nicht mehr, wo ich anfangen soll. Weil alles gleichzeitig DRINGEND und WICHTIG ist. Zumindest gefühlt, aber oft auch in der Realität. Quasi eine ellenlange To-Do-Liste in der Kategorie A. Und jedes Thema für sich ist emotional hochgradig belastend. Und es sind mittlerweile Berge von ungeordnetem Papier und ein gutes Dutzend Aktenordner mit Schriftenwechseln, Mails, Beweismitteln etc. Die schiere Menge an Papier erschlägt und überfordert mich.

Diese zunehmende Überforderung äussert sich manchmal auch darin, dass man beginnt, die Wohnung zu putzen, anstatt die Belege für die Steuererklärung zusammenzusuchen, obwohl die Steuerbehörde eine ultimative Frist von 10 Tagen angesetzt hat und im Falle der Nichteinreichung der Steuererklärung eine Busse (für  meine deutsche Leserschaft: Ordnungsstrafe) in der Grössenordnung von 500 bis 1000 Franken androht. Und eine Veranlagung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse durch die Steuerbehörden. Und die fällt selten vorteilhaft aus. Vermutlich tut man das, weil man danach ein Ergebnis sieht. Weil man dabei nicht so viel denken muss. Es klingt verrückt...

Aktuell dominiert gerade wieder die Scheidung. Und deshalb will ich wieder bloggen. Ich muss das aufschreiben, damit ich es später nachlesen kann. Oder aber meine Kinder. Wenn sie in ca. dreissig Jahren selber in der Midlifecrisis stecken und ihre (verkorkste) Kindheit aufarbeiten und ich nicht mehr da sein werde. Vielleicht werden sie dann manches besser verstehen. Und vielleicht will ich es auch deshalb aufschreiben, damit ich es selber (besser) verstehen kann. Wie es soweit kommen konnte, dass ich gegenüber dem Vater meiner Kinder nur noch destruktive Gefühle empfinde und mir heimlich wünsche, er möge sich auf der Skipiste den Hals brechen, was natürlich furchtbar ist und wofür ich mich schäme. Und weshalb es so lange gedauert hat, bis sich dieses Gefühl trotz seinem schäbigen Verhalten mir gegenüber eingestellt hat und das letzte Quäntchen Loyalität verglüht ist.

Dass ich von meiner Veranlagung her so gepolt bin, dass sich gute Argumente und die richtigen Ideen immer erst dann einstellen, wenn die Deadline quasi vor der Türe steht - also buchstäblich in letzter Minute - macht die Sache nicht einfacher. Und mein verdammter Perfektionismus und die hohen Ansprüche an mich selbst führen dazu, dass ich sehr viel Zeit brauche, um eine Stellungnahme zu verfassen oder ein wichtiges Mail zu schreiben. Oder ein Post. Weil ich es x-mal umschreibe und überarbeite. Vermutlich die besten Voraussetzungen, um als Burnout-Opfer zu enden. Einige Anzeichen bzw. Warnzeichen machen sich bereits bemerkbar. Gelegentliche Blackouts. Namen und Wörter, die mir nicht mehr einfallen und die Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen. Und dass ich falsche Wörter schreibe ("wie" anstatt "weil" etc.) und es erst beim Korrekturlesen bemerke. Es könnte aber auch mit meinen Schlafstörungen zusammenhängen. Ich liege jede Nacht wach, manchmal mehrere Stunden lang und grüble und argumentiere und versuche, meine wippenden Füsse im Zaum zu halten und den hohen Puls runterzubringen. Meistens lenke ich mich ab, indem ich auf dem iPhone Blogs und News lese oder auch Gerichtsurteile und Gesetzestexte, bis mir wieder die Augen zufallen und das Grübeln im Unterbewusstsein sich im Dämmerschlaf fortsetzt. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich des Nachts einen Entschluss gefasst habe, den ich bei Tag in die Tat umgesetzt habe und es sind mir in meinen nächtlichen Wachphasen gute Argumente eingefallen. Manchmal überwiegt aber auch nur das ohnmächtige Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein und die Angst, dass alles schief laufen könnte. Dass es mir nicht gelingen wird, den Sachverhalt vor dem Richter klar darzulegen und dass die Gegenpartei am Ende mit ihren Lügen durchkommt.

Und immer geht es dabei auch um Respekt. Besser gesagt um fehlenden Respekt. Um das Gefühl, nicht respektiert worden zu sein. Hintergangen und übers Ohr gehauen worden zu sein. Nicht das erhalten zu haben, was einem nach eigenem Ermessen zugestanden hätte bzw. zusteht oder versprochen oder in Aussicht gestellt worden ist. Vom Vater meiner Kinder, von den Verkäufern meines Hauses, von meiner ehemaligen Mieterin. Und ich kämpfe wie eine Löwin dafür, mir diesen Respekt zu verschaffen und dies auch mithilfe von Anwälten. Aber bekanntlich ist man vor Gericht so ausgeliefert wie auf hoher See. Letztlich gibt es keine Garantie für Gerechtigkeit und der Anwalt kann nur gewinnen, egal wie der Prozess ausgeht. Je länger das Verfahren dauert, desto mehr verdient er daran. Am Schluss gewinnt die Partei, die finanziell stärker ist. Das alles kommt  mir zuweilen vor wie ein nicht enden wollender Albtraum an dessen Ende im schlimmsten Fall ein totales persönliches Desaster und der finanzielle Ruin steht.