Es war der 13. Februar 2013, der meinem Leben eine neue Wende gab. Das Datum war zufällig gewählt, weil die Kinder nach der Schule zu ihrem Vater gingen und ich "sturmfrei" hatte. Die 13, immer wieder die 13. Sie verfolgt mich seit meiner Geburt und ich habe sie zu meiner Glückszahl erkoren.
Es war ein Mittwoch, als ich vor fünf Jahren am 13. Februar in Neuchâtel den Zug nach Genève-Cointrin bestieg, um am Genfer Flughafen einen Mann zu treffen, der mich in seinen täglichen
WhatsApp-Nachrichten „Liebste“ nannte, obwohl wir uns noch nie zuvor gesehen
hatten.
„Liebste“ … Das fühlte sich gut an. Und es war neu für mich. So hatte mich noch nie
jemand in einer Nachricht angesprochen.
So sass ich in diesem Zug und schaute aus dem Fenster und versuchte mich abzulenken. Ich dachte an
seinen allerersten Kommentar auf meinem Blog. An den Text kann ich mich nicht
mehr erinnern. Aber an das Gefühl, als ich ihn las. Es fühlte sich seltsam
vertraut an. Dieser fremde Mann im fernen Berlin schrieb irgendwie so ähnlich
wie ich! Ich spürte instinktiv, dass wir verwandte Seelen waren. Dass da etwas
war bzw. ist, das uns beide verbindet.
Und so stand ich am roten
Leuchtstreifen in der Ankunftshalle und wartete auf den Mann aus Berlin und
mein Herz schlug bis zum Hals und meine Wangen waren vermutlich gerötet. Dann
endlich die erlösende Umarmung. Das erste „Beschnuppern“, der erste Kuss ... und das Händchenhalten
im Zug auf dem Weg zurück. Die Haut seiner warmen Hände fühlte sich so unglaublich glatt
an. Ich liebte sie sofort, diese Hände. Sie lösen noch heute ein Kribbeln aus,
wenn ich sie betrachte. Und natürlich seine Stimme ... Er hat eine ganz tolle
Stimme und ich liebe seine Art zu sprechen… Seine Nähe fühlte sich
gleichermassen fremd wie vertraut an. Eine ganz spezielle Mischung und das ist
bis heute ein wenig so geblieben. Dieses kleine Quäntchen „Fremdheit“, das dazu
führt, dass man den Partner nie als einen Teil von sich selbst wahrnimmt
sondern immer als eigenständige Persönlichkeit und vermutlich ist das einer der Gründe,
weshalb das gegenseitige Begehren in den fünf Jahren unserer Beziehung nie
wirklich gelitten hat.
Die Liebe ist gewachsen an den Herausforderungen, die wir auf unserem Weg gemeinsam gemeistert
haben. Manchmal wache ich in der Nacht auf und drehe mich zu ihm um und schaue, ob
er noch atmet… und verspüre eine
grosse Dankbarkeit, dass wir uns gefunden haben und dass er nun neben mir im Bett liegt
und sein Leben mit mir teilt. Und ich bin froh, dass ich damals nach unserem kurzen Unterbruch doch noch nach Berlin geflogen bin und wir uns wieder gefunden haben.
Er ist in gewisser Weise mein männliches Pendant und mein
Leben mit ihm ist so wunderbar unkompliziert, weil wir in vielen Bereichen sehr
ähnlich sind und weil wir uns so gut verstehen. Manchmal habe ich das Gefühl,
dass er meine Gedanken lesen kann und oft sagen wir gleichzeitig dasselbe Wort
oder denselben Satz, weil unsere Gehirne offenbar irgendwie synchron laufen!
1‘826 Tage sind seit diesem
denkwürdigen Tag in Genf vergangen und wir haben mehr als 100'000 WhatsApp-Nachrichten ausgetauscht. Er hat mich jeden Tag, an dem wir
zusammen aber räumlich getrennt waren, mit seiner Morgennachricht zum
Lächeln gebracht.
Danke, mein Liebster!
Danke, dass
es Dich gibt, dass Du mich liebst, dass Du nie an mir herummäkelst und mit mir
durch dick und dünn gehst, dass Du mich so nimmst, wie ich bin, dass Du mir immer noch jeden Morgen einen Kaffee und ein Monchéri ans Bett bringst und dass Du mein Fels in der Brandung
bist!
Je t’aime!
Deine Rosalie