Montag, 30. Mai 2011

Francine und Flöru

Der aktuellen Schweizer Boulevardpresse ist heute Morgen zu entnehmen, dass  das helvetische „Schlagerschätzchen“ Francine Jordi sich frisch verliebt hat. Dabei hat sie doch erst vor zwei Jahren ihren langjährigen Freund, den 16 Jahre älteren ehemaligen Radrennprofi Tony R. geheiratet. Mit Titelfoto auf der „Schweizer Illustrierten“ und mehrseitiger Hochzeitsreportage. Ich habe mich damals schon gewundert, dass sie ihn tatsächlich geheiratet hat, diesen viel älteren Mann, mit dem sie ja schon ein paar Jahre zusammengelebt hatte, der eher medienscheu ist und einen etwas langweiligen Eindruck macht. Und nun das!

Sie hat sich in den Musiker Florian "Flöru" Ast verliebt.  Vor neun Jahren landeten die beiden mit dem Duett „Träne“ einen Riesenhit in der Schweiz. Das Lied und vor allem auch der Text ist wirklich grosse Klasse! Nun haben sie ein neues Gesangsprojekt lanciert – und es hat gefunkt… und wie! Die Zeit war wohl einfach reif. Beide sind noch verheiratet. Und betonen, dass sie ihre Ehepartner nicht hintergangen haben. Sie haben reinen Tisch gemacht und ihre Partner über die neue Liebe informiert, bevor etwas passiert sei! Francine ist schon aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Sie sagt, dass sich ihre Gefühle für ihren Ehemann in den letzten Monaten verändert haben… und ihre Empfindungen für Florian seien nichts, was sie vorsätzlich geplant habe… und Florian meint, dass er nie damit gerechnet habe, dass er für Francine solche Gefühle entwickelt würde…  und dass es ihm unheimlich leid tue für seine Frau und ihre Familie.

Bemerkenswert! Die beiden scheinen sich ihrer Sache sehr sicher zu sein. Es wäre ja eigentlich auf den ersten Blick „einfacher“ gewesen, diese neue Liebe zuerst heimlich zu „testen“, um zu schauen, ob es sich nicht nur um ein Strohfeuer handelt. Wobei diese beiden ja sehr in der Öffentlichkeit stehen und die Boulevardpresse bereits Verdacht geschöpft hatte, dass da mehr als bloss Sympathie sein könnte. Und das Image einer Ehebrecherin würde der perfekten Sauberfrau Francine schlecht anstehen und vielleicht der Karriere schaden. Florians Karriere würde es hingegen vermutlich sogar Auftrieb geben. Dem Mundartsänger würde ein bisschen Verwegenheit gut anstehen und eine kleine Affäre würde von seinen Fans sicher toleriert - während Ehefrauen, die sich auf eine Affäre einlassen, eher stigmatisiert werden – und so wie ich das „Musikantenstadl-Publikum“ einschätze, würde das im Falle von Francine nicht wirklich goutiert.

Jedenfalls finde ich es beeindruckend, dass die beiden so konsequent handeln – sie müssen sich ihrer Liebe wirklich sehr sicher sein. Wobei  -  beide haben keine Kinder und sind finanziell unabhängig. Das macht es schon ein ganzes Stück einfacher, den Neuanfang zu wagen. Trotzdem. Was ist, wenn es „nur“ eine grosse erotische Anziehungskraft ist? Ein Strohfeuer eben?


Ich kann mir gut vorstellen, wie es Francine geht. Schmetterlinge im Bauch, Lust auf fremde Haut, ein Gefühl, als ob einem alle Türen und Tore der Welt offen stehen würden. Und dass dieses „frisch verliebt sein“, die Gefühle dem Ehemann gegenüber verändert, liegt auf der Hand. Das Erschreckende dabei ist, dass sie die Liebe zu ihrem Ehemann vorher vermutlich nicht hinterfragt hat und diese Ehe auch weiterhin bestehen würde, wäre nicht diese neue Liebe über sie hereingebrochen! Und plötzlich ist alles anders. Was lange gut war, genügt nicht mehr. Eine Sehnsucht stellt sich ein, die keine Ruhe mehr gibt und ausgelebt werden will…

Das kann ich alles sehr gut nachvollziehen… Ein coup de foudre – und plötzlich ist alles anders. Meine Ehe war und ist nicht perfekt – aber auch nicht so schlecht. Und plötzlich sehe ich alles nur noch negativ… die Gefühle dem Ehemann gegenüber haben sich verändert und da ist diese Sehnsucht, die gerne ausgelebt werden möchte – aber nicht ausgelebt werden darf. Weil es nur ein Strohfeuer wäre und der Preis dafür einfach zu hoch ist…




(Youtube-Nutzer weiskopfseadler hat das Lied mit eigenen Bildern untermalt und die berndeutschen Songtexte teilweise ins Hochdeutsche übersetzt. Das möchte ich Euch nicht vorenthalten...)


Refrain
Säg mr Herrgott – bruchsch e Brüue, bruchsch äs Hörgrät, merksch Du nid
(Sag mir Hergott - brauchst Du eine Brille, brauchst Du ein Hörgerät, merkst Du nicht...)
mir rede nüm, säg mr Herrgott – isch’s di Wiue, isch’s mi Troum – sis jüngschte Gricht.
(wir reden nicht mehr - sag mir Herrgott - ist das Dein Wille, ist das mein Traum (träume ich)  - sein jüngstes Gericht) 
Säg mr bitte – was isch grächt u schlächt säg mr bitte – han i äch Rächt u was isch – d Ewigkeit (sag mir bitte - was ist gerecht und schlecht sag mir bitte - hab ich vielleicht recht und was ist - die Ewigkeit)

Schluss
Säg mir Herrgott – bruchsch e Brüue, Herrgott no mal au – bruchsch es Hörgrät
(Sag mir Hergott - brauchst Du eine Brille, Herrgott nocheinmal, brauchst Du ein Hörgerät...)
ghörsch mi nid, säg mir Herrgott – isch’s di Wiue, ghörsch Du nid – was i z säge ha,
(hörst Du mich nicht, sag mir Herrgott - ist es Dein Wille, hörst Du nicht, was ich zu sagen habe)
 merksch Du nid – was i gärn hät gha.
(merkst Du nicht - was ich gern gehabt hätte bzw. wie ich es gern gehabt hätte)

Donnerstag, 26. Mai 2011

Frau am Steuer



Manchmal... gibt es Ausnahmen, welche die Regel bestätigen!


Also ich behaupte hier jetzt mal ganz kühn, dass Frauen im Allgemeinen eher besser und vorsichtiger fahren als die Herren der Schöpfung.  :-)


Rosalie ist jetzt immerhin auch schon seit 22 Jahren mit dem Auto auf Schweizer Strassen (und manchmal auch im Ausland) unterwegs und hat bisher erst zweimal aus Unachtsamkeit ein anderes Auto heckseitig abgeändert und das Eigene ein paar Mal... na ja, sagen wir mal "karrosserietechnisch" minimal verändert, wobei zweimal beim Rückwärtsfahren aus der eigenen Garage... Ist aber auch extrem eng, diese Garage, hinzu kommt ein starkes Gefälle der Garageneinfahrt und ein Auto, das nicht wirklich als Kleinwagen durchgeht...


Aber ansonsten ist Rosalie durchaus in der Lage, ihren aktuell etwas  überdurchschnittlich grossen Wagen seitlich in knapp bemessene Parklücken reinzustellen (selbstverständlich ohne langes Hin- und Hersägen), um dann erhobenen Hauptes souverän dem Gefährt zu entsteigen, mit einem triumphierenden Lächeln im Gesicht frei nach dem Motto "Seht her - kleine blonde Frau hat ihr grosses silbriges Auto im Griff - was habt Ihr denn gedacht? Pfff..." :-))


Also... heute morgen fahre ich ins Büro, wie immer knapp dran bzw. eigentlich schon zwei Minuten zu spät... und als ich in die schmale Seitenstrasse neben dem Bürogebäude einbiege, muss ich abbremsen, weil links von der Fahrbahn ein weibliches Wesen offensichtlich Probleme damit hat, ihren roten Mobility-Renaultcombi von einem ebenen Parkfeld auf die Strasse zu steuern...

Das Auto steht bereits zu einem Drittel auf der schmalen Fahrbahn - leider hat die Bedauernswerte die kleine Mauer rechts neben dem Parkfeld übersehen und ist zu früh abgebogen... und hat das Mietauto direkt an die Mauerecke gesetzt und einen beträchtlichen Blechschaden verursacht. Doch anstatt das Steuer voll einzuschlagen und wieder rückwärts zu fahren, um den Wagen von der Mauer wegzukriegen, versucht sie weiterhin vorwärts zu fahren... Was ein hässliches Geräusch verursacht und die Situation verkompliziert.

Vor dem Nachbarhaus steht händeringend ein Handwerker südländischer Herkunft im Vorgarten und versucht verzweifelt der guten Frau klar zu machen, dass sie rückwärts fahren muss, da sonst der Lackschaden immer teuerer wird...  "Indietro! Ma no - non e possibile! Du musst rückwärts fahren!!"... 

Anscheinend findet die Frau den Rückwärtsgang nicht und der Mann kann es nicht fassen und macht sich kopfschüttelnd davon (Gentlemen gab's früher...). Rosalie hat ein Einsehen, steigt aus ihrem Auto und anerbietet sich, den bereits arg ramponierten Mietwagen von der Mauer wegzufahren und die Frau nimmt das Angebot erleichtert an.

Rosalie setzt sich also ans Steuer, will den Wagen starten... hmm, kein Schlüssel. Also so ein moderner fahrender Computer  französischer Herkunft mit Starttaste. Und ein manuelles Getriebe noch dazu. Ok - das kriegen wir hin - auch wenn ich seit 10 Jahren nur noch Automat fahre. Trete also auf die Kupplung, drücke den Startknopf... und nix passiert... hmm. Das sind erschwerte Bedingungen... Versuche es mit Leerlauf  - und Motor springt an. Wäre ja gelacht! Jetzt nur noch den Rückwärtsgang einlegen und das Auto von der Mauer wegfahren... also.. Rückwärtsgang ist vorne links und der Schalthebel hat einen Ring. Ziehe den Ring hinauf und versuche, den dämlichen Rückwärtsgang reinzukriegen. Kann ja nicht so schwierig sein... drücke aufs Gas... und nix passiert! Was ist das bloss für ein saublödes Auto?! Nach ca. drei vergeblichen Versuchen muss ich schliesslich das Handtuch werfen und mich geschlagen geben. Soll die Frau halt den TCS rufen. Rückwärtsgang ist offensichtlich kaputt!  Zudem blockiere ich mit meinem Auto die Durchfahrt und hinter mir wartet schon ein LKW. Und zu allem Übel komme ich jetzt endgültig zu spät zur Arbeit... 
Der gute Wille wäre da gewesen - schade, dass ich der Frau nicht helfen konnte...

Und heute Mittag erzähle ich diese Geschichte meiner Bürokollegin... und diese grinst mich an und sagt: "Du hättest bloss den Sicherheitsgurt anlegen müssen - dann wäre das Auto rückwärts gefahren..."!!!

Wieder was gelernt... Irgendwie war früher vieles weit weniger kompliziert!

Mittwoch, 25. Mai 2011

Ein romantischer Rosengarten...

...kann nicht gänzlich darüber hinweg täuschen, dass etwas fehlt...


Foto Copyright by rosaliesblog@gmail.com


aber er tröstet und erfreut das Auge ;-)

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Rosalie ist am Samstag und Sonntag jeweils um sieben Uhr in der Früh aufgestanden und hat in der Morgensonne in aller Ruhe den Rosengarten fotografiert, während die Familie noch geschlafen hat. Sie hat 1'091 Fotos geschossen! Nach einer ersten Sichtung wird wohl ein Fünftel der Fotos brauchbar sein und für das Projekt Fotobuch "Jardin des Roses" in Frage kommen.

Als ich mir vor Jahren meine erste (und bisher einzige) digitale Spiegelreflexkamera gekauft habe (Canon EOS 450D), ging ich davon aus, dass die Fotos damit viel besser würden als mit meiner kleinen Sony Kompaktkamera - einfach so gut wie mit meiner analogen Spiegelreflexkamera, die mich auf all meinen Reisen begleitet und immer tolle Fotos geliefert hat. Das Gegenteil ist der Fall und die Ernüchterung war gross. Die Automatikprogramme sind unbrauchbar bzw. der automatische Weissabgleich eine Katastrophe, sobald die Sonne scheint und Licht und Schatten ins Spiel kommen. Ich weiss nicht, ob es am Kameramodell liegt (die Fotografin wird es doch wohl nicht sein? ;-)) - aber es ist wirklich schwierig und bisweilen unmöglich, gewisse Rosen - insbesondere die magentafarbenen - authentisch zu fotografieren. Ich muss fast bei jedem Foto den Weissabgleich und die Belichtung manuell verändern. Deshalb die vielen Fotos...

Wahrscheinlich führt kein Weg daran vorbei, die Fotos anschliessend digital nachzubearbeiten. Nachdem mein bevorzugtes Fotobearbeitungsprogramm von MS (Foto 2006 Suite...) bei XP stehengeblieben und schliesslich eingestellt worden ist, muss ich mich nun wohl oder übel (endlich!) mit dem unvermeidlichen Photoshop vertraut machen... 

Was meint Ihr? Würde eine andere (teurere?) digitale Spiegelreflexkamera bessere Ergebnisse erzielen?

Oder sollte ich umsatteln - ev. auf die Sony Nex?

Donnerstag, 19. Mai 2011

Potiche

... oder "Das Schmuckstück" - so lautet der Titel des Films, den ich mir gestern zusammen mit einer Freundin in einem familiären kleinen Kino angeschaut habe.



Ein wunderbarer Film ganz nach meinem Geschmack. Subtiler französischer Humor. Eine vernachlässigte Fabrikantengattin (Catherine Deneuve), die sich vom "Dekorationsobjekt" bzw. von der "trophy wife" zur charismatischen Direktorin der geerbten Regenschirmfabrik mausert und den despotischen und treulosen Patriarchen an ihrer Seite im Regen stehen lässt... gespickt mit allerlei sozialkritischen Anspielungen. Und die Hauptdarstellerin ist einfach umwerfend. Diese Eleganz, diese Ausstrahlung... Toll.



Und vor der Vorführung noch auf der Terrasse des kleinen Restaurants neben dem Kino ein Spargelcrèmebärlauchsüppchen genossen und ein Gläschen Riesling-Sylvaner getrunken...

Und der freundliche Mann vom Kino hat sich in der Küche dafür eingesetzt, dass das Süppchen zügig serviert wurde und mit dem Beginn der Vorführung zugewartet, bis die Damen fertig gespiesen  hatten! Kam mehrmals hinüber auf die Terrasse, schäkerte mit uns und neckte den vorwitzigen jungen Kellner und fragte uns nach dem Film zum wiederholten Mal, ob das Süppchen denn auch wirklich gut geschmeckt hätte... ;-)  und meine Freundin nahm ihr zweites Rotweinglas kurzerhand mit ins Kino.  Was für ein wohltuender Kontrast zu den Multiplexkinos am Stadtrand.

Anschliessend noch bis um Mitternacht neben unseren parkierten Autos gestanden und geredet und geredet...

Alles in allem ein sehr schöner Abend!

Eine kleine Geschichte von der Traurigkeit

Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei einer zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.

Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?"

Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war.

"Ach, die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.

"Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch.

"Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."

"Ja, aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"

"Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"

"Ich... ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.

Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich bedrückt."

Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht.

"Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung; unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest."

"Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir schon oft begegnet."

Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer der Bitterkeit zu."~

Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.


Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. "Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt."

Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin. Aber... aber - wer bist eigentlich du?"

"Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. "Ich bin die Hoffnung."
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Eine liebe Leserin hat mir diese Geschichte zur Aufmunterung geschickt. Danke!!!

Dienstag, 17. Mai 2011

L'homme propose, Dieu dispose

Ich bin froh, dass ich gestern der Wittwe (schreckliches Wort...) einen Besuch abgestattet habe. Als sie auf  mein Läuten hin die Eingangstür nicht geöffnet hat, bin ich durch den Garten ums Haus gegangen und da sass sie mit ihrer Schwägerin, die gleich nebenan wohnt. Gefasst, aber tieftraurig. Es war sehr emotional. Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Sie hatte sich schon gedacht, dass wir es nicht mitbekommen hatten.

Wir haben uns in den letzten Jahren nicht sehr oft gesehen, aber wenn doch, spürten wir immer eine grosse Herzlichkeit. Sie waren auch an unserer Hochzeit in der Kirche und am Apéro dabei und freuten sich immer, wenn sie unsere Kinder sahen.

Sie hat mir alles erzählt. Er ist im Dezember unweit vom Haus beim Überqueren der Hauptstrasse auf dem Fussgängerstreifen von einem Auto angefahren worden! Ich hatte schon von diesem Unfall gehört - aber nichts näheres darüber erfahren. Er hatte einen komplizierten Beinbruch erlitten und der Schock und die Verletzung haben ihn so geschwächt, dass sein Krebs wieder  aufgetreten ist. Er hat sich dann entschieden, das Spital zu verlassen und zu Hause zu sterben.

59 Jahre waren sie verheiratet gewesen. Sie haben ihren Ruhestand genossen, haben bis vor wenigen Jahren mit dem Wohnmobil ausgedehnte Reisen unternommen - waren damit mehrmals in Tunesien, Marokko und sogar in Algerien!

Man hat sie immer zusammen gesehen und sie sahen so glücklich aus. Das Leben ist manchmal so ungerecht. Ich hätte es Ihnen so gegönnt, wenn sie noch ein paar glückliche Jahre zusammen hätten verbringen dürfen.

Sie sagt, dass sie dankbar ist für die schönen gemeinsamen Jahre. Und sie sagt, dass es wichtig sei, nicht zu hadern. "Il faut l'accepter...". Man müsse es akzeptieren - auch wenn es unglaublich schwierig sei.

"C'est l'homme qui propose, mais Dieu dispose...".

Montag, 16. Mai 2011

Müde und traurig

Ich sitze in „meinem“ Zimmer, das überquillt vor lauter Sachen. Seit Jahren spreche ich davon, dass ich aus diesem Bügel- und Abstellzimmer mein persönliches Refugium machen will. Ein Gästezimmer, mein Zimmer, wo ich alle meine Kostbarkeiten ausstellen kann, die irgendwo rumstehen oder in Kisten stecken, wo ich mich verwirklichen kann. Das ich ganz nach meinem Gusto einrichte, die Wände farbig streiche, lila oder hellgrün. Wo ich die antiken Postkarten und Bücher ausstellen kann, mit denen mein Mann nichts anfangen kann, meine Preziosen und die hübschen Dinge, die ich in den letzten 25 Jahren zusammengetragen habe. Aber noch ist alles überstellt mit Bergen von Papier, irgendwelchen Dingen, die nirgends Platz finden, Basteleien und Zeichnungen der Kinder, Kartons mit Lektüre, kiloweise Zeitschriften, die ich irgendwann noch lesen wollte, Memorabilien aus meinem Leben und aus dem Leben meiner Kinder, unzählige Schachteln mit Fotos, eine Wand voller Ordner und noch viel mehr Papier, das irgendwo eingeordnet werden sollte, dazwischen der alte englische Schreibtisch vom verstorbenen Grossonkel, auch er überstellt mit Papier und Dingen, ein Eckschrank, vollgestopft mit Jacken und Mänteln, die ich zum Teil nicht  mehr trage oder von denen ich gar nicht mehr weiss, dass ich sie besitze. Hellblau-weiss gestreifte Gartenstuhlkissen, die ich irgendwann einmal zum halben Preis gekauft habe, dazwischen ein Ständer mit frisch gewaschenen Hemden und Blusen, die darauf warten, gebügelt zu werden. In der Ecke der Staubsauger und ein zusammengeklappter Wäscheständer und ein paar Bilder von meinem Mann, die wir nicht mehr aufhängen mögen. Noch mehr Kindersachen, eine Schachtel mit Kindergeburtstagsdeko, die höchstwahrscheinlich beim nächsten Kindergeburtstag gerade nicht auffindbar sein wird, wobei die Piratengirlande vermutlich nicht mehr passend ist für den anstehenden 10. Geburtstag und Prinzessin Lillifee war auch schon aktueller... Schachteln mit Dingen von meinen verstorbenen Grosseltern, eine Kiste mit Videokassetten mit TV-Aufzeichnungen von Informationssendungen, auf denen ich teilweise im Hintergrund zu sehen bin und die eine längst vergangene Zeit aus meinem Berufsleben dokumentieren und die ich irgendwann noch digitalisieren möchte… Am Fenster die IKEA-Schreibtischplatte, zwei Meter lang und überstellt. Links der grosse Drucker, der gerade nicht funktioniert, weil zwei Tintenpatronen leer sind, rechts vom Laptop der neue Scanner, mit dem ich die alten Fotos digitalisieren will und den ich immer noch nicht ausprobiert habe. Es ist einfach so viel, dass ich nicht weiss, wo ich anfangen soll. Man müsste neue Schränke kaufen und aufstellen… aber niemand hat Zeit und Lust. Irgendwie quillt das ganze Haus über und wir haben einfach viel zu wenig Stauraum.  Ein Chaos im Zimmer, ein Chaos in meinem Kopf und ganz viel Ballast…

Das Zimmer muss warten. So viele andere Dinge hätten Priorität. Ich sollte Rechnungen zahlen, meine Buchhaltung in Ordnung bringen, meinen Kleiderschrank ausmisten, die Kleiderschränke der Kinder ausmisten…  Das Zimmer der Tochter aufräumen, Termine vereinbaren, zwei IKEA-Kommoden zusammenbauen, die seit Monaten im Karton auf der Galerie herumstehen, den Filter des Aquariums putzen, das grössere Aquarium, das seit einem halben Jahr in der Garage steht, endlich putzen und in Betrieb nehmen, einem Freund schreiben, der kürzlich seine Frau verloren hat. Im Garten jäten und ganz viele Stauden pflanzen, die noch in Töpfchen herumstehen und eine Kiste voller Irisrhizome einpflanzen oder sie endgültig wegschmeissen. Den Keller aufräumen… Die Garage neu streichen… die Grundierung und die Farbe ich habe ich schon lange gekauft… Und den Bericht von Mr. Charming verfassen. Das ist viel schwieriger, als ich gedacht habe… Diese Geschichte hat mein Leben verändert und ich habe Angst, dass mein Bericht zu trivial ausfällt, oder dass ich meine Gefühle nicht adäquat in Worte fassen kann. Ich habe begonnen, darüber zu schreiben. Bald werde ich so weit sein…

Aber nicht heute. Und so sitze ich vor meinem Notebook und schreibe, was mir jetzt gerade durch den Kopf geht. Dabei hätte ich überhaupt keine Zeit zum Schreiben…


Schaue aus dem Fenster ins Grüne. Die Rosa moyesii, die ich vor gut 10 Jahren gepflanzt habe, steht in voller Blüte und die roten Blütenblätter regnen auf die Treppenstufen. Alles spriesst in frischem Grün. Der Gartenrotschwanz, der im Storenkasten nistet, schaut mich durch die halbgeöffneten Lamellen an und überlegt sich, ob er den Anflug trotz meiner Präsenz wagen soll, um seiner brütenden Vogeldame das Insekt zu füttern, das er gerade im Schnabel festhält.

Ich fühle mich müde. Extrem müde, melancholisch und traurig. Und muss an die arme alte Dame denken, die ein paar Häuser weiter lebt und vor drei Wochen ihren Ehemann verloren hat. Sie waren ein Herz und eine Seele. Ich habe es erst gestern erfahren und es hat mich sehr betroffen gemacht. Ich habe ihn sehr gern gehabt. Er war eine Seele von einem Mann. Sensibel, feinfühlig, bescheiden. Mehr als einmal ist er spontan vorbeigekommen, um einen selbst gebackenen Kuchen vorbeizubringen. Er war gelernter Konditor. Letzten Frühling hatten wir ihm noch geholfen, das Brennholz für den Cheminéeofen in seine Wohnung bzw. auf den Dachboden hochzutragen. Oft haben wir zusammen gesprochen, wenn die beiden Arm in Arm an unserem Haus vorbei spaziert sind und ich gerade im Garten war. Er hat immer gefragt, wie es den Kindern gehe, meinem Mann, den Schwiegereltern. Er und seine Frau haben viel dazu beigetragen, dass wir uns hier im welschen Teil der Schweiz so gut aufgenommen gefühlt haben. Nun ist er gestorben und wir haben es nicht einmal erfahren. Das macht mich unglaublich traurig. Ich hätte es eigentlich wissen müssen. Die vielen Autos aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland sind mir schon aufgefallen. Aber ich habe gedacht, er sei vielleicht im Spital. Aber leider nicht nachgefragt. War zu sehr mit meinen eigenen Problemen beschäftigt. Die Todesanzeige ist in der französischen Lokalzeitung publiziert worden. Wir haben eine Deutschschweizer Zeitung abonniert. Und die Nachbarn haben auch nichts gesagt. Das gibt mir zu denken.

Ich höre noch immer seine Stimme, sein Lachen.  Es muss unglaublich schwer sein für seine Frau.  Ich werde jetzt eine Kondolenzkarte schreiben, durch den Garten gehen und einen Rosenstrauss pflücken und ihr einen kurzen Besuch abstatten. Die Tränen steigen mir in die Augen, wenn ich nur schon daran denke. Das wird nicht einfach werden. Ich bin ohnehin in einer äusserst labilen Gemütsverfassung und mit PMS hat dies leider nichts zu tun.  Ein schwieriger Gang. Aber ich muss ihn wohl gehen. Mein Mann kann mich nicht begleiten. Solche Gefühlsdinge überfordern ihn.  

Mittwoch, 11. Mai 2011

Selbsteinschätzung...

Irgendwie bin ich überhaupt nicht in der Lage, mein Aussehen bzw. meine Wirkung nach aussen selbst realistisch einzuschätzen. Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung gehen bei mir total auseinander. Gegen aussen wirke ich selbstbewusst und wenn ich morgens frisch geschminkt bin und mein Portrait im Spiegel anschaue, bin ich eigentlich durchaus zufrieden. Ich habe ein relativ hübsches Gesicht und schöne Haare. Aber ich bin eben nicht "perfekt". Zu viele Rundungen, keine schönen schlanken Beine… Dann reduziere ich alles auf diese Unzulänglichkeiten und denke, dass ich unmöglich so geliebt werden kann – schon gar nicht von einem attraktiven Mann, der ein Ästhet ist und gerne Golf spielt… So ist das mit mir. Das war schon immer so – schon als ganz junge und schlanke Frau. Heute sehe ich vermutlich so aus, wie ich mich damals schon gefühlt habe. Auf Fotos finde ich mich selten hübsch und es gibt nur wenige aktuelle Bilder von mir. Das liegt nicht nur daran, dass ich meistens die Fotografin bin. Und manchmal kommt dann so ein Feedback von aussen, das mich zum Nachdenken anregt.
Beispiel 1: Mein ganzheitlicher Zahnarzt. Im besten Alter, attraktiv, charmanter Wiener Akzent. Mitte Januar ging ich in die Praxis und war total deprimiert, weil ich mir eine provisorische Krone herausgebissen hatte, die noch ein paar Monate hätte halten sollen. Oder zumindest so lange, bis ich mich entschieden habe, wie es mit der Behandlung weitergehen soll. Mal abgesehen vom finanziellen Schaden (Krone zerbrochen, 600 Franken futsch) – kam nun noch ein Goldstift zum Vorschein, der sich mit den noch verbliebenen Amalgamfüllungen schlecht verträgt und nun dazu beiträgt, dass noch mehr Quecksilber aus den Füllungen herausgelöst wird und in den Organismus gelangt (passt doch gut zu meiner chronischen Sinusitis?)  – zumal ich eine Schwermetallbelastung aufweise, die jenseits von gut und böse ist…
Ich klage ihm also mein Leid und er schaut mich an, kommt auf mich zu und meint: „Jetzt vergessens doch den Scheiss und lossen sich davon nicht verrückt mochen - sie san so a Lichtwesen! Sie haben sooo eine Ausstrahlung! Aber sie sitzen do mit angezogenen Flügeln. Jetzt breitens doch einfach amol ihre Flügel aus und fliegans!“ ... und legt seine Hände auf meine Schultern, tröstet mich und sagt: „des ist jetzt nix zwischen Mann und Frau“ und wir umarmen uns... Speziell, nicht wahr? Dieser Mann, der mich kaum kennt, hat das einfach so erkannt -  dass mein wirkliches Problem ganz woanders liegt!
Beispiel 2: Die Reaktion einer feinfühligen,intelligenten und attraktiven Frau, die ich in der virtuellen Welt kennengelernt habe, nachdem ich ihr eines meiner "halbwegs gelungenen" iPhone-Selbstportraits geschickt habe. Ich zitiere:
„Darf ich Dir sagen, dass Du eine so ziemlich falsche Selbsteinschätzung hast!!! Ich finde Dich überdurchschnittlich attraktiv. Du hast eine tolle Ausstrahlung, Deine blauen Augen sind traumhaft schön. Du bist wunderschön!!!! Ehrlich gesagt, habe ich mir Rosalie ganz anders  - als einen eher mütterlichen Typen ohne Sexappeal - vorgestellt. Auf dem Bild sehe ich eine starke Persönlichkeit, die sehr sinnlich und very very sexy ist!!! Und Du machst mit Sicherheit keinen unzufrieden Eindruck, really…. „
Ich habe das schon x-mal gelesen - und mich sehr darüber gefreut. (DANKE!!!). Und diese Reaktion hat mich auch dazu bewogen, diesen Beitrag zu verfassen. Im Hinblick auf die Veröffentlichung meiner Geschichte mit Mr. Charming. Ich möchte herausfinden, wieso er so reagiert hat, wie er reagiert hat, und was ich davon halten soll... Dafür benötige ich Eure Lebenserfahrung. Und deshalb ist es wichtig, dass Ihr Euch ein möglichst realistisches Bild von mir machen könnt. Ich möchte nicht einfach ein Foto von mir einstellen – denn ich will inkognito bleiben.
Vielleicht ist dies meine Lebensaufgabe: lernen,  mich selbst so anzunehmen und zu lieben wie ich bin - trotz und mit meinen Unzulänglichkeiten! Einfach authentisch sein zu dürfen. Erst dann werde ich in der Lage sein, daran zu glauben, dass ein Mann mich genauso lieben kann wie ich bin - und eine solche Liebe auch annehmen können. Ich denke, ich bin auf dem Weg dahin...

Montag, 9. Mai 2011

Dieses blöde Herz...

… tut gerade wieder einmal so richtig weh! Man sollte es einfach abschalten können – nicht seine Funktion als Muskel natürlich, aber der ganze Rest, der damit in Verbindung steht. Diese ganzen Gefühle, diese Traurigkeit, diese unerfüllte Sehnsucht, die in Wellen immer wieder hoch kommt und alles überspült, bevor sie der Verstand wieder in die Grenzen weisen kann. Es wäre so praktisch, wenn es einen On-Off Kippschalter gäbe. Einfach umlegen und wieder funktionieren… und bei Bedarf wieder aktivieren… vielleicht - irgendwann…
Und wenn es einfach nur eine Krankheit ist? Vielleicht ist diese blöde Sehnsucht ganz einfach nur ein fieses Virus, das sich im Körper einnistet und alles durcheinanderbringt und ein Chaos im Hormonhaushalt anrichtet, uns dazu bringt, unvernünftige Dinge zu tun und in Tagträumereien zu flüchten…
Ich ertappe mich dabei, wie ich damit beginne, diese unerfüllte Sehnsucht auf L. zu projizieren. Das musste ja so kommen… die nächste Enttäuschung ist wohl vorprogrammiert. Ich sollte es eigentlich besser wissen…


Donnerstag, 5. Mai 2011

Wish it. Dream it. Do it.

Rosalie hat gestern Nachmittag frei genommen und mit ihrer Freundin M. einen wunderschönen Nachmittag verbracht.
Mittagessen beim Japaner, anschliessend mit dem Auto aufs Land gefahren. Ein idyllisches kleines Dorf, inmitten einer lieblichen Hügellandschaft mit Weiden, Wäldern und kleinen Weilern mit Bauernhöfen, im Hintergrund die Alpen.  Wir parkieren neben der schlichten Kirche und M. äussert spontan den Wunsch, den Friedhof zu besuchen, wo ihre Cousine vor zwei Jahren bestattet worden ist. Wir verweilen einen Moment vor dem Grab  und schlendern dann weiter durch das Dörfchen zu einer kleinen, sehr geschmackvollen Boutique mit erlesenen Gartendekorationen und einem zauberhaften kleinen Garten. In einem französischen Eisenpavillon zwischen blühenden Strauchpäonien, Clematis, Obelisken und Steinfiguren, angrenzend an eine Weide mit neugierigen Kälbern geniessen wir an der Sonne einen Cappuccino und philosophieren zwei Stunden über das Leben,  über Mr. Charming, über meine Ehe, ihre Reise nach Westafrika und über die Midlife Crisis. M. hat sie bereits hinter sich. Sie ist neun Jahre älter als ich und wir kennen uns schon seit zwanzig Jahren.
Ich habe ihr meine Selbstportraits gezeigt, die ich mit meinem neuen Iph*ne4 gemacht habe und wir haben mit Erstaunen festgestellt, dass diese Frau, die ich da fotografiert habe, irgendwie ganz anders aussieht als ich (!). Sie hat mich auf Anhieb fast nicht erkannt. Es ist das Selbstportrait der sinnlichen Frau, die ich gerne sein möchte…  und nicht die mädchenhafte Frau, die ich (noch) bin… Erstaunliche Erkenntnisse…

M. ist eine meiner engsten Freundinnen und eine wertvolle Ratgeberin, die über viel Lebenserfahrung verfügt, ein feines Gespür für Menschen hat und mir offen und ehrlich den Spiegel vorhält. Ich bin so froh, dass ich sie habe.
Der erste Gegenstand, der mir in der Gartenboutique ins Auge sticht, ist ein Schild aus Metall. Ich zeige es M.  und sie ist (ebenfalls) hin und weg. Zum Glück hat die Besitzerin noch ein zweites an Lager. Ich kaufe noch ein paar wunderschöne Karten mit Gartenmotiven in Pastelltönen und ein kleines Vogelhäuschen – und M. schenkt mir das hübsche Metallschild. Es wird uns immer an diesen ganz speziellen Nachmittag erinnern…

Montag, 2. Mai 2011

Schlaflos...

Ich kann nicht schlafen... Habe Kopfschmerzen und bin total übermüdet. Die ganze Woche viel zu wenig geschlafen und deshalb heute mit den Kindern um 21.00 Uhr ins Bett gefallen und gleich eingeschlafen. Zwei Stunden später aus dem Schlaf gerissen worden durch ein lautes Geräusch. Albtraum. Sohnemann ist aus dem Bett gefallen!  Im Tiefschlaf ca. 40 cm auf den Parkettboden geknallt. Ehemann schreckt im unteren Stockwerk vor dem Fernseher hoch, rennt die Treppe rauf und stürmt ins Schlafzimmer. Ich hebe das Kind aufs Bett und versuche es zu wecken. Kein Weinen - er ist im Tiefschlaf!  Versuche herauszufinden, ob ihm was weh tut. Er murmelt was von Rückenweh. Mir wird schlecht. Panik.

Sohnemann wird gar nicht richtig wach. Wenn er schläft, dann tief. Manchmal wandelt er im Schlaf durchs Haus... Wir reden auf ihn ein, er antwortet nur zögerlich. Ehemann holt nassen Waschlappen, Sohn wird halbwegs wach. Antwortet halbwegs normal auf Fragen. Gebe ihm Arnikakügelchen. Was soll ich sonst tun? Das Kinderspital um Rat fragen? Was sollen die schon sagen. Stündlich wecken wegen Verdacht auf Hirnerschütterung wahrscheinlich. Es ist 23.15 Uhr... Das Kind schläft weiter. Ich versuche es ebenfalls. Mache mir grosse Vorwürfe. Wieso bloss habe ich ihn am Rand schlafen lassen! Versuche wieder einzuschlafen neben ihm... Döse nur auf Standby. 01.30 Uhr. Er atmet normal. Verändert zum x-ten Mal seine Schlafposition. Ich habe kaum Platz am Bettrand.

02.15 Uhr. Stehe auf, versuche ihn zu wecken. Ehegatte erwacht ebenfalls und ärgert sich... Jetzt lass doch das Kind... ist schon nichts passiert. Sonst weck ich ihn dann auf, aber richtig... (mit lauter Stimme wecken, wachrütteln...) Drohung, na toll. Und sagt noch, dass ER jedenfalls gut schlafen könne. Ja ich weiss. Das kann er auch, wenn ein Kind mit 40 Grad Fieber im Bett liegt und ich mir sorgenvoll eine Nacht um die Ohren schlage und überlege, was ich am besten verabreichen könnte und ob ich das Richtige tue... Wie immer bin ich auf mich alleine gestellt und Ehemann lässt sich seinen Schlaf nicht nehmen.

Mache mir grosse Sorgen. Hoffentlich hat er sich nicht verletzt. Äusserlich sieht man nichts, nicht einmal eine Beule. Ich mache mir tausend Gedanken. Denke an Hirnblutung, Rückenmarkquetschung... worst case Szenarien... Nicht auszudenken, wenn ihm etwas zustossen würde. Oder meiner Tochter. Ich würde es halten wie Romy Schneider... und an gebrochenem Herzen sterben.

Goldene Hochzeit (2)

Wenn das Ehepaar gefragt wird, welches die glücklichste Zeit seines Lebens war… antworten beide ohne zu zögern: Die letzten 10 Jahre!

Vor zehn Jahren hat meine Schwiegermutter ihre Arbeitsstelle und die Wohnung in einer Tourismusdestination aufgegeben. Viele Jahre hatte sie sich von der Ladenbesitzerin ausnutzen lassen, hatte den kleinen Laden mit teuren Labels alleine geführt und viele Wochenenden durchgearbeitet ohne die gesetzlichen Ruhetage einzuhalten bzw. einhalten zu können, ohne zusätzliche Entschädigung für Sonntagsarbeit, hatte selbstverständlich an Feiertagen gearbeitet und das alles zu einem miserablen Lohn. Hatte sich um das Haus der Laden- und Wohnungsbesitzerin gekümmert, während diese  im Ausland in einem ihrer Ferienhäuser weilte, die Pflanzen gegossen und den Briefkasten geleert. Hatte sich nie getraut aufzubegehren, aus Angst, Job und Wohnung zu verlieren. 

Ich habe mich unendlich aufgeregt, dass sie sich so hat ausnutzen lassen, habe mir ihre Stundenrapporte angesehen, mich mit den gesetzlichen Grundlagen, dem Arbeitsrecht, vertraut gemacht, wollte sie überreden, sich zu wehren und die ihr zustehenden finanziellen Entschädigungen und Kompensationstage nachträglich einzufordern. Sie hat es sich überlegt aber er hat es ihr ausgeredet...

Sie hat sich dann eine neue Arbeitsstelle gesucht, in einer Stadt in unserer Nähe. Kein einfaches Unterfangen für eine ältere Frau, wenige Jahre vor dem Pensionsalter. Sie musste nehmen, was sie bekam. Wieder ganz unten beginnen und sich von einer frustrierten Geschäftsführerin herumdirigieren lassen - sie, die jahrelang alleine und erfolgreich Läden geführt hatte. Wieder schlecht bezahlt, nicht selbstbewusst genug, mehr zu verlangen... Es fand sich eine Wohnung in unserer Nähe, in der selben Ortschaft und so arbeitete sie bis zum Erreichen des Rentenalters drei Tage die Woche in der Stadt und zwei Tage für ihren Sohn und die Schwiegertochter... Diese zwei Tage mit den Enkelkindern waren die ganze Mühe wert und sie genoss die Zeit mit den Kleinen...

Sie hatte mir immer gesagt, dass sie dereinst gerne unsere Kinder hüten möchte und mir nahegelegt, dass ich meine gute Arbeitsstelle nicht aufgeben solle... schon bevor ich überhaupt schwanger war... Ich habe ihren Rat gerne befolgt und hatte das Glück, dass mein Arbeitgeber mit der Reduktion des Arbeitspensums einverstanden war.

Die Kinder sind ihr Lebenselixier - das gilt auch für ihn - und bedeuten alles für sie. Sie haben gewissermassen ihre Berufung gefunden und gehen in ihrer Rolle als Grosseltern auf. Holen jetzt alles nach, was sie mit den eigenen Kindern verpasst haben, weil sie so viel arbeiten mussen, den Kopf wegen der Geldsorgen nicht frei hatten. Wir lassen sie an unserem (hart erarbeiteten) Wohlstand teilhaben, sie gehen in unserem Haus ein und aus, mehrmals wöchentlich, und sie bewirtschaften den Gemüsegarten. Dazu braucht es viel Toleranz - von beiden Seiten...

Mein 84jähriger Schwiegervater hat sich gewünscht, einmal im Leben gemeinsam mit den über alles geliebten Enkelkindern im Meer zu baden. Und meine Schwiegermutter träumte seit Jahren davon, einmal nach Mallorca zu reisen, um dort ihr Patenkind zu besuchen. Aber er hat Angst vorm Fliegen... Vor einem Jahr änderte er plötzlich seine Meinung und so habe ich gleich die Initiative ergriffen und übers Internet eine geräumige (!) Finca reserviert, Flüge gebucht und ein konfortables Auto gemietet. Ein wunderschönes Haus im Landesinnern mit viel Platz (10 Tage unter einem Dach mit dem Schwiegervater ist eine Herausforderung...) und eigenem Pool. Zum ersten Mal sind wir alle zusammen gemeinsam verreist und der Schwiegervater hat erstmals ein Flugzeug bestiegen! Es war alles perfekt. Wir verbrachten sehr angenehme Ferientage auf der Insel - ich hatte Zeit zum Lesen* und Nachdenken... - und für meine Schwiegereltern wurden es die schönsten Ferien ihres ganzen Lebens!

Ich denke oft, dass es wohl mein Karma war (und ist), diesen Ehemann auszuwählen und mit ihm diesen Weg zu gehen, um diesen beiden Menschen - meinen Schwiegereltern - einen solch glücklichen Lebensabend zu ermöglichen.

 
P.S. Ach ja, das Geschenk zum goldenen Hochzeitstag… schwierig. Ehemann hatte wie erwartet auch keine Idee… Ein Blumenstrauss hätte seiner Ansicht nach genügt… (der Apfel fällt nicht weit vom Stamm…).
So habe ich – wie immer – die Initiative ergriffen und in letzter Minute das Zepter in die Hand genommen, einen Gutschein für ein gemeinsames Essen in einem feinen Landgasthof kreiert und ein paar hübsche Gegenstände besorgt, um den Gutschein optisch ansprechend zu präsentieren ;-)




* A propos Lesen. Ich hatte zwei Taschenbücher eingepackt, aber das dicke Buch mit Einband, das ich von meiner Schwester zum Vierzigsten geschenkt bekommen und noch immer nicht gelesen hatte, nach kurzem Zögern zu Hause gelassen. So ein Bestseller, irgendwas mit Nordwind und Wellen... Nachdem ich die beiden Büchlein durch hatte, suchte ich neuen Lesestoff. In einer kleinen Papeterie fand ich ein paar deutsche Taschenbücher... lauter Schundromane. Aber dann sah ich es. Das einzige (!) vernünftige Buch. Es war das Buch von Glattauer: Gut gegen Nordwind... Wieder so ein "Zufall"...

Sonntag, 1. Mai 2011

Goldene Hochzeit (1)



Was schenkt man einem Paar, das sein 50jähriges Ehejubiläum feiert? Spontan kommt mir in den Sinn: einen Verdienstorden... ;-) oder eine Tapferkeitsmedaille – im vorliegenden Fall für die Ehefrau!

Ein ungleiches Paar – zumindest auf den ersten Blick.

Die Braut, aufgewachsen in einem lieblosen Elternhaus mit einer kaltherzigen, unnahbaren Mutter, die nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass sie dieses Kind eigentlich nicht gewollt hat, und einem schwachen Vater, der in der Religion Halt suchte und sich einer strenggläubigen Freikirche (Sekte) zugewandt hatte. Das ungeliebte Mädchen nutzte die erstbeste Gelegenheit, um diesem tristen Elternhaus zu entfliehen. Mit 17 Jahren... direkt in die Arme eines Junggesellen, der doppelt so alt war wie sie. Und natürlich wurde sie gleich schwanger. Und musste kurz vor der Niederkunft heiraten - im gebrauchten Hochzeitskleid der älteren Schwester.

Der Bräutigam seinerseits hat seinen Vater nie gekannt. Er starb im Alter von knapp 20 Jahren an einer Grippe  – im Jahre 1928! Die Wittwe blieb alleine zurück mit einem  Säugling und einem zweijährigen Kind. Die Familie des verstorbenen Ehemannes verstiess sie samt den Enkelkindern und es blieb ihr nichts anderes übrig, als sich einen neuen Versorger, sprich Ehemann zu suchen. Ein solcher war schnell gefunden - wollte aber mit den beiden kleinen Kindern nichts zu tun haben. So wuchsen die Geschwister zusammen mit Onkel und Tanten in ärmlichen Verhältnissen im Haus der Grosseltern auf und verbrachten eine traurige, entbehrungsreiche Kindheit ohne die Mutter, die ihrerseits mit dem neuen Mann eine neue Familie gründete...

Soweit die Vorgeschichte. Das Schicksal hat die beiden Unglücklichen zusammengeführt... War es Liebe? Ich weiss es nicht... Der Ehemann war anständig und ging nie ins Wirtshaus. In der Familie gab er den Ton an, ausserhalb der eigenen vier Wände getraute er sich nie, aufzubegehren oder offen seine Meinung zu sagen. Er war kein besonders aufmerksamer Ehemann, machte sich nie die Mühe, sich für den Geburtstag seiner Frau etwas Spezielles auszudenken. Ein Blumenstrauss vom Grossverteiler musste reichen. Er liebte seine Arbeit, obwohl er am Wochenende Dienst hatte und seine Familie deshalb zu kurz kam. Und obwohl diese Arbeit schlecht bezahlt war und das bescheidene Einkommen nicht ausreichte, um alle Ausgaben der Familie zu begleichen. So blieb der Ehefrau nichts anderes übrig, als sich eine Erwerbstätigkeit zu suchen, um das Einkommen aufzubessern. Sie war eine tüchtige Frau und erfolgreich in ihrer neuen Tätigkeit, und mit über 40 Jahren konnte sie sich erstmals in ihrem Leben ein wenig Luxus leisten. Sie lebte diese Phase aus - blieb aber dennoch bescheiden und loyal. Sie war immer grosszügig ihren Liebsten gegenüber und sie ermöglichte es ihren erwachsenen Söhnen, nach abgeschlossener Berufslehre eine Zweitausbildung bzw. ein Studium zu absolvieren. Sie haben ihrer Mutter viel zu verdanken...

Obwohl die Ehefrau sich emanzipiert hatte - zumindest im wirtschaftlichen Sinne -  blieb die Rollenverteilung stets gleich. Sie blieb die „Kleine“, er der väterliche Ehemann. Erst in den letzten Jahren hat sie damit begonnen, leise aber bestimmt gegen dieses Patriarchat aufzubegehren.

Wenn sie zu Besuch waren, bestimmte er den Zeitpunkt des Aufbruchs, ohne wenn und aber. So hiess es dann unvermittelt „ Komm Kleine, trink aus - wir gehen jetzt..."  und sie trank hastig das halbvolle Glas leer und stand auf... Heute sagt er wenigstens „Komm, wir wollen langsam gehen, ich möchte nach Hause…“.  Und sie sagt: „Ja, wir gehen dann schon, aber ich will jetzt noch in aller Ruhe meinen Wein austrinken…“.

Nicht, dass er ein böser Mensch wäre. Ganz und gar nicht. Es ist einfach die Art und Weise, wie er über seine Frau verfügt, ein gewisser Mangel an... Sensibilität? Vermutlich fällt es ihm nicht einmal auf... Sie hat ja anscheinend immer mitgespielt - bis vor kurzem.
Ich habe mich oft darüber geärgert und mich gefragt, wieso diese Ehe so lange funktioniert hat bzw. wieso die Ehefrau ihrem Ehemann trotz allem treu geblieben ist, obwohl sie in gewisser Weise alleinerziehend war und sich vermutlich auch einen Mann gewünscht hätte, der ihr mehr Aufmerksamkeit geschenkt und ihr etwas hätte bieten können…

Vielleicht ist es tatsächlich eine grosse Liebe, vielleicht liegt die Erklärung aber auch in der unglücklichen Kindheit der beiden. Sie haben beide früh gelernt, sich anzupassen und sich selbst zurückzunehmen… und er kann sich nur in den eigenen vier Wänden durchsetzen, weil sie ihn lässt. "Draussen" traut er sich nicht.
Ob sie auch unter unerfüllter Sehnsucht gelitten hat? Wer weiss... Sie hat mir gegenüber einmal angedeutet, dass es in ihrem Bekanntenkreis einen Mann gegeben hat, der ihr gefallen hat. Die Erfüllung dieser Sehnsucht in Erwägung zu ziehen, ist ein Luxus, den sie sich wahrscheinlich nie geleistet hat…
Der Ehemann hat unglaubliches Glück gehabt, eine solch gutmütige, fleissige und loyale Ehefrau zu finden, die ihm bis heute die Treue hält. Und es ist ihm bewusst... er hat es vor ein paar Tagen selbst gesagt!