Im Garten sieht es noch aus wie im Herbst. So viel Arbeit wartet auf mich. Die Zwiebelblumen spriessen durch das verdorrte Grün der Stauden. Keine Ahnung, wann ich das alles machen soll. Und irgendwie ist mir auch die Gartenlust abhanden gekommen. Ich weiss gerade nicht, in welcher Ecke ich beginnen soll...
Die Paartherapie schiebe ich vor mich hin. Habe noch keinen Termin vereinbart, kann mich irgendwie für keinen Therapeuten entscheiden. Statt dessen habe ich zwei andere Termine vereinbart. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt darüber berichten.
Und mein Mann und ich haben ein neues Problem...
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| Bauprofile im Hang. Das Bild habe ich gegoogelt. Es entspricht nicht dem Projekt, von dem ich schreibe, zeigt jedoch eine ähnliche Situation. |
Wir haben uns die Pläne angeschaut. Schlimmste Befürchtungen werden übertroffen. Ein hässliches Haus mit Eternitfassade. Es passt in die Landschaft like dropped down from space... Ein Fremdkörper, der die ganze Ambiance verderben wird. Die Profile für die Doppelgarage stehen in einer Grünzone, die nicht bebaut werden darf. Unglaublich. Wir müssen was tun.
Nun muss Hobbyjuristin Rosalie ran. Ich habe mich vor vielen Jahren schon einmal mit der Materie beschäftigen müssen und mir die Finger wund geschrieben. Damals mussten wir um unser eigenes Projekt kämpfen. Wir mussten Kompromisse eingehen. Das ganze Verfahren hat sich über mehrere Jahre hingezogen und hat mich viel Substanz gekostet, weil wir ungerecht behandelt worden sind. Schlussendlich hat doch die Gerechtigkeit gesiegt. Aber ich habe was gelernt: Man kann das Recht auf seiner Seite haben und vor Gericht trotzdem nicht "Recht bekommen...". Es gibt Fehlurteile. Und ein solches Fehlurteil an die höchste Instanz (das Bundesgericht) weiterzuziehen, ist finanziell meist nicht tragbar.
Das neue Projekt ist ein Hohn, aber ich traue es den kommunalen Behörden zu, dass sie es durchwinken. Deshalb müssen wir Einsprache erheben. Ich mache mich mit der aktuellen Gesetzgebung vertraut. Es gibt ein kantonales Bau- und Raumplanungsgesetz, ein entsprechendes Ausführungsreglement, ein kommunales Reglement sowie einen Zonenplan mit ca. 20 verschiedenen Zonen. Wir leben in einer Tourismusregion. Für jede Zone gibt es spezielle Regelungen und es gibt viele geschützte Häuser. Ich habe bereits ein sachdienliches Urteil des zuständigen Verwaltungsgerichts gefunden und ausgedruckt (Stichwort: Ortsbild!).
Die Argumentation für die Einsprache gegen das Bauvorhaben habe ich schon im Kopf und der Rest ergibt sich beim Schreiben. Und ich werde noch eine Fotomontage basteln müssen, um die Absurdität dieses Projekts aufzuzeigen. Es verschandelt nicht nur unsere Aussicht, sondern die ganze Landschaft und das Ortsbild, das geprägt ist von geschützten alten Häusern.
Und wenn die Einsprache steht, darf ich sie dann noch auf französisch übersetzen... Das wird mich nochmals viele Stunden Arbeit kosten. Deadline: Nächsten Donnerstag!
Und heute Abend geht's in die Berge, morgen auf die Piste und abends sind wir eingeladen. Bleiben noch Sonntag und Montag. Am Dienstag habe ich volles Programm und abends wird die Tochter erstmals vor Publikum ihre Klavierkünste darbieten im Rahmen der "Soirée musicale" ihres Klavierlehrers und am Mittwoch muss ich den ganzen Tag ins Büro. Donnerstag auch. Vielleicht sollte ich langsam damit beginnen...
Und was tue ich statt dessen? Ich blogge! Obwohl ich dazu natürlich eigentlich überhaupt keine Zeit hätte! Aber Lust... Typisch Rosalie!
P.S. Eigentlich sollte dort auf diesem Stück Land eines Tages MEIN Haus stehen! Mein Refuge! Ein hübsches kleines Häuschen, das sich harmonisch in die Landschaft einfügt. So hatte ich mir das vorgestellt! Wir wären getrennt und irgendwie doch nicht ganz und könnten den Garten zusammen bewirtschaften und die Kinder hätten beide Elternteile in 30 Meter Abstand. Die perfekte Lösung!
Es gibt noch Hoffnung! Wo ein Wille ist, da ein Weg!
Bitte Daumendrücken!!!

Halt die Ohren steif! Hoffefür Dich Du kannst diesen Klotz verhindern. Was tut eigentlich Dein Mann um Dich dabei zu unterstützen?
AntwortenLöschenKannst Du Dein Skifahren nicht mal eine Woche aussetzen - Du willst nicht, die Kinder wollen nicht ...
Setz Dich durch!
Danke für Deinen Kommentar! Ich bin wirklich mit mir am hadern, ob ich die Familie nicht alleine in die Berge schicken soll. Zudem habe ich Knieschmerzen...
AntwortenLöschenMein Mann hat mit der Bauherrschaft gesprochen und ihr ein Angebot unterbreitet. Aber die Analyse des Projekts in Bezug auf die Einhaltung von Grenzabständen, Maximalhöhen, Ortsbildkonformität etc. ist eher mein Ding. Ich bin auch diejenige, die gleich bemerkt hat, dass die Garage in der Grünzone steht.
Aber Du hast mit Deinem Gefühl schon recht. Ich mache das alles mit, um ihn bei Laune zu halten und für mich und die Kinder sind diese Wochenenden eher ein Muss denn eine Musse...
Ich werfe da mal eine ganz andere - Dein Engagement für die Landschaft in allen Ehren! - Frage auf:
AntwortenLöschenIst es verhältnismäßig diesen Kriegsschauplatz auch noch aufzumachen und verantwortlich voran zu treiben, wenn nicht mal sicher ist, wie Deine persönliche Zukunft aussehen wird?
Sich mit Bebauungsplänen und Bauvorhaben auseinander zu setzen, kann Jahre kosten. Man streitet gegen die Rechrsgrundlagen, die solche Bauten zulassen, gegen wirtschaftliche Interessen von Bauherren und vielleicht auch der örtlichen Politik, von Tourismus und was weiß ich nicht noch alles.
Wirst Du in Jahren dort noch leben?
Sich dafür einzusetzen, wird Dich viel Energie kosten. Energie, die Dir, das merkst Du ja auch schon jetzt, für andere Dinge nicht zur Verfügung steht und von der ich nicht mal einschätzen könnte, ob Du die Kapazität überhaupt hast. Und es wird nicht zur Lösung der offenen Fragen beitragen, die Dich bewegen, weil Du schlicht noch weniger Zeit hast, Dich damit zu befassen. Außerdem würde ich das als Dein Mann und Deine Schwiegereltern auch als ein Signal verstehen, dass Du genau dort Dein Zuhause hast und perspektivisch auch haben wirst.
Fühl Dich gedrückt und lass in Deinem Interesse einfach mal das Skifahren sausen. Das ist eine absurde Verpflichtung, die ich noch von früher kenne und die jedes Wochenende für Stress gesorgt hat, ehe man erstmal am Erholungsort war - nur um dann zwei Tage später mit dem gleichen Stress im Nacken zurückzukehren.
Danke für Deine Umarmung, liebe Rostkopp! Die Frage, die Du aufwirfst, ist natürlich berechtigt und ich habe sie mir auch gestellt.
LöschenAber die Crux ist ja, dass ich an unserem Haus und dem Land sehr hänge. So viel Herzblut steckt darin und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, an einem andern Ort zu leben. Ich weiss auch schon, an welcher Stelle im Garten meine Kinder meine Asche dereinst verbuddeln können... ;-)
Würden wir in einer Mietwohnung leben, wäre ich schon lange ausgezogen. Aber dieses besondere Stück Land in dieser lieblichen Gegend hält alles irgendwie zusammen. Und dieser Eternitbau, der im Westen entstehen soll, zerstört ein bisschen den Zauber unseres Gartens. Und ich muss alles tun, was möglich ist, um das Schlimmste zu verhindern. Das bin ich auch meinen Kindern schuldig. Wenn ich es nicht tue, würde ich mich jeden Tag darüber ärgern, wenn ich die hässliche Fassade anschaue. Und wenn das Schlimmste eintrifft und das Haus doch so gebaut wird, dann habe ich es wenigstens versucht und werde mich besser damit arrangieren können. Und im Westen ein paar Bäume pflanzen...
Und mit dem Skiwochenende hast Du voll ins Schwarze getroffen. Wenn man oben in den Bergen auf der Piste steht, ist es toll. Aber das ganze drumherum (jeden Freitag Abend packen, hochfahren, am Wochenende früh aufstehen, Kinder motivieren, den Skibus rechtzeitig erwischen, die Kinder vertrösten, wenn sie nach zwei Abfahrten schon ins Restaurant gehen wollen, aufpassen, dass sie auf der Piste nicht überfahren werden, zwei Haushalte führen, wieder packen, heimfahren... ) all das ist für mich nicht wirklich entspannend.
Liebe Grüsse gen Norden!
Hallo!
AntwortenLöschenPunkto Doppelgarage bin ich ganz bei dir, da würde ich sofort Einspruch erheben. Was den Rest betrifft, überrascht mich deine - entschuldige den Ausdruck - reaktionäre Haltung und Sicht auf die Architektur.
Ich finde den Mut zum Neuen ansprechend und inspirierend:
http://www.nextroom.at/building.php?id=19329
hier eine Übersicht ausgezeichneter BauherrInnen:
http://www.nextroom.at/award.php?id=153
... auf dass Sie weiter so engagiert Ihre Projekte verwirklichen!
liebe Grüße, Daniela
Also gegen Doppelgaragen habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden, solange sie nicht im Bauverbot stehen!
AntwortenLöschenWir haben selber eine. Und was die moderne Architektur angeht...
Lass es mich so sagen: Sie zeichnet sich häufig dadurch aus, dass es sich im Hausinnern sehr schön leben lässt und der Architekt darauf achtet, dass die Fenster so platziert werden, dass man einen schönen Ausblick hat. Was meistens zur Folge hat, dass die Optik der Aussenfassade geopfert wird. Im vorliegenden Fall sieht die Fassade etwa so aus, wie ein vierjähriges Kind ein Haus zeichnen würde. Eine Fassade, die in einen Dachfirst mündet und vier verschieden grosse willkürlich angeordnerte Fensterchen hat.