Die Wahrheit ist, dass ich alleine in meinem Elternhaus sitze und mir die Seele aus dem Leib heule. Mama ist mit meiner Schwester in den Ferien und ich wollte nur kurz nach dem Haus schauen, das von der Nachbarin betreut wird. Und nach dem Grab sehen und die Blumen giessen. Schon auf der Hinfahrt sind die Tränen geflossen und ich frage mich, wann das endlich aufhören wird. Wo kommen bloss all diese Tränen her? Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so geheult habe. Mein verwaistes Elternhaus deprimiert mich gerade sehr. Und ich habe den Schlafzimmerschrank geöffnet. Auf der rechten Seite sind noch alle seine Kleider. Die Kleider meines Vaters. Und sein Handy ist noch immer an der Steckdose! Ich habe das grosse Bedürfnis verspürt, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen, bis es weh tut und habe es dann doch nicht getan. Warum?! Warum bloss musste das passieren!! Warumwarumwarum? Ich bin wütend. Drei Monate ist es her. Und ich stecke noch immer in der Phase des nicht Wahrhabenwollens, des Verdrängens, des Haderns und der Wut. Das ist so typisch für mich. Ich bin eine Spätzünderin in jeder Beziehung.
Auch von der Paartherapie, liebe Paula, kann ich leider noch nichts berichten. Die Kontaktaufnahme mit dem Ehecoach werde ich auf die To-Do-Liste übertragen, die ich im Auftrag meines "Bauleiters" erstellen soll. Bis Sonntag Abend will er eine Mail von mir, dass eine bestimmte, besonders dringende Aufgabe erledigt worden ist. Die Liste meiner unerledigten Tasks wird wohl ellenlang werden. Blogposts figurieren unter Priorität C. Wichtig für mich, aber nicht dringend...
Und wenn ich hier fertig bin mit Heulen und die Spuren im Gesicht retouchiert sind, werde ich auf den Friedhof fahren. Und dann nach Hause zu Mann und Kindern. Und schauen, ob die Goldfische noch leben. Sie sind wieder krank geworden. Schlimmer denn je und der Teich ist auch noch nicht fertig.
Das war nicht mein Tag heute. Im Job läuft es nicht gut und ich befürchte, dass ich Scheitern werde. Mr. Charming meldet sich nur sporadisch und die Beziehung zu meinem besten Freund verlangt mir gerade sehr viel ab.
Von meinen Knieschmerzen, die mir das Leben zusätzlich schwer machen, mag ich gar nicht anfangen.
Nein, ich kann Euch wirklich gerade nichts Erfreuliches bieten und ich habe das Gefühl, dass ich ziemlich nah am Grounding bin. Nun ja, währenddem ich diesen Text ins iPhone getippt habe, sind die Tränen versiegt. Zumindest vorübergehend. Ich heule wahrscheinlich nicht nur um meinen Vater, der mir so sehr fehlt, sondern um mein ganzes Leben, das derart aus den Fugen geraten ist.
Und nun gehe ich ins Bad und schaue aus dem Fenster und warte auf ein Zeichen. Vielleicht kommt ja wieder das Reh aus dem Wald und schaut mich an. Und irgendwann werde ich in der Lage sein, die Handynummer meines Vaters aus meinen Kontakten zu löschen. Und ich werde meine Baustellen eine nach der andern abschliessen. Und die beste Freundin sein, die ich sein sollte. Vielleicht sogar eine gute Ehefrau. Oder glücklich getrennt. Ich werde wie Phönix aus der Asche steigen. Alles wird gut. Irgendwann. Danke fürs Zuhören.
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| Es blüht im elterlichen Garten als wäre alles wie immer. |

Liebe Rosalie,
AntwortenLöschenweine! Weine, und lasse dich von hier aus in die Arme nehmen. Und nicht nur ich gebe dir meine Schulter, sondern, ich bin sicher, viele andere auch. Weine.
Liebe Grüße
Nouniouce
Süße, meine Oma ist 1998 gestorben. Ich habe immer noch die kleinen Anrufbeantworterkassetten, auf denen sie drauf ist. Ich kann sie nicht mehr abspielen und weiß auch gar nicht, ob sie noch funktionieren würden. Ich will sie eigentlich auch gar nicht hören. Ich will sie nur haben. Ich trenne mich nicht davon.
AntwortenLöschenIch glaube, das normal.
Was sind schon drei Monate in so einem großen Schmerz?!
Normal ist auch, manchmal um das ganze Leben zu weinen. Insbesondere, wenn sich so viel tut/auftut und umbricht wie in Deinem Leben zur Zeit.
Fühl Dich umarmt!
Ich danke Euch! Bin jetzt zu Hause angekommen und die Tränen sind noch immer nicht versiegt. Nun werde ich aus dem Auto steigen, tief durchatmen mich zusammenreissen, reingehen und meine Kinder in die Arme schliessen.
AntwortenLöschenDas mit den Kassettchen Deiner Grossmutter kann ich gut verstehen.
Gute Nacht!
Sei nicht so streng mit dir, liebe Rosalie. Trauer braucht viel Zeit und Veränderungsschritte ebenso. Gestern las ich ein Interview mit einer ehemaligen Geliebten von Pablo Picasso - die einzige Frau, die ihn verlassen hat. Darin sagte sie auf die Frage, ob sie ihre Entscheidung je bereut habe: "Nein, denn ich habe ihn nicht verlassen, bis ich sicher war, dass es die einzig richtige Entscheidung ist."
AntwortenLöschenManche Dinge brauchen Zeit, um zu reifen, und wenn wir auch jahrelang im eigenen Saft schmoren, so dauert es eben so lange, wie es dauert. Aber wenn der richtige Zeitpunkt dann gekommen ist, wirst du es wissen.
Ich selbst trenne mich gerade von meinem Partner. Ich habe mindestens zwei Jahre lang um Klarheit in dieser Angelegenheit gerungen, fühlte mich zerrissen und voller Zweifel, und auch jetzt spüre ich einen tiefen Schmerz, weil alles so gekommen ist. Aber diesmal bin ich ganz klar, diesmal bin ich entschlossen und werde den Weg bis zum Ende gehen. Diesmal bin ich so weit. Es ist - bei allem Kummer - ein außerordentlich erlösendes und befreiendes Gefühl, das zu wissen.
Alles Liebe und die besten Wünsche!
Lieben Dank für Deine Worte!
LöschenEs ist schwer, einen Schlussstrich zu ziehen, wenn es schmerzvoll ist. Aber irgendwann erkennt man die Zeichen und weiss, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Was meine Ehe angeht, so ist dieser Zeitpunkt noch nicht reif und mein Mann zeigt sich gerade sehr verständnisvoll, was meine emotionale Befindlichkeit angeht.
Dir auch alles Liebe und viel Kraft!
Liebe Rosalie, es wurde schon alles gesagt, was klug und richtig ist. Daher schicke ich Dir nur liebe Grüße und fühl dich gedrückt.
AntwortenLöschen(Eins doch: setz dich wegen der Entscheidung nicht unter Druck! Du musst selbst ganz sicher wissen was du willst, das dauert. Manchmal Jahre..)
Ich bin zuversichtlich, dass ich irgendwann wissen werde, in welche Richtung es gehen soll. Dann, wenn die Zeit reif dafür ist. Das wird vermutlich nicht mehr allzu lange dauern.
LöschenLieben Dank für Deinen Kommentar!
Liebe Rosalie, du warst die letzten Monate so stark. Zu Hause mit deiner Familie musst du offenbar funktionieren. Es beruhigt mich fast, dass du für ein paar Stunden heute einfach gar nicht "funktioniert" hast sondern bei dir warst.
AntwortenLöschenDas Handy in der Steckdose sticht mich, das ist hart!
Ich habe eine andere "Strategie": ich lösche die Namen sofort. Sonst gehe ich unter.
Ich habe nicht gecheckt, dass du für dich offenbar in Therapie bist (= Bauleiter?). Klar kommst du zuerst!
So schmerzhaft dein Tag heute war, so beruhigend ist er aus der Ferne zu sehen. Es ist schließlich nicht so, dass du jeden Tag Rotz und Wasser heulst sobald irgendjemand irgendwas von dir wollte.
Tapfere Rosalie! Ich drück dich, meine Schulter darf ruhig nass werden.
liebe Grüße, Daniela
PS: ich habe zweimal in meinem Leben vermutlich ähnlich wie du heute geheult, es überrollt einen, unvermutet. Das vergisst man nicht. Wie nounice schreibt: weine! Ich bin überzeugt von der reinigenden Kraft der Tränen.
Liebe Daniela
LöschenDanke für Deinen Zuspruch!
Ich habe gerade erst mit der Therapie begonnen und nur alle 2-3 Wochen einen Termin. Ich hoffe, dass der "Bauleiter" (Psychologe) mir helfen kann, die eine oder andere Baustelle abzuschliessen bzw. weiterzubringen.
Liebe Grüsse!
P.S. Das ist mir glaube ich letztmals passiert, als mein geliebter Kater gestorben ist. Das war 1995.
Fühl dich ganz fest umarmt. morgenrot http://lyrikundgedanken.wordpress.com/2012/03/13/wenn-man-weint/?trashed=1&ids=189
AntwortenLöschenIch habe heute schon einmal an dieses Zitat gedacht! Es ist wunderschön! DANKE!
LöschenIch weiss ja nicht, ob es bei dir funktioniert, aber ich höre mir in solchen Momenten immer "Hold On" von John Lennon an. Kann man auf iTunes herunterladen. Ich setze an Stelle der Namen John und Yoko (grummel) dann immer meinen Namen ein.
AntwortenLöschenIn diesem Sinne: Hold on, Rosalie, Rosalie hold on. It's gonna be allright. You're gonna win the fight.
Thank you, Castorp. I'll try it out. Und sonst hab ich ja noch Adele. Die passt immer.
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