Montag, 16. Juli 2012

Shattered dreams...

Sie sitzen auf dieser überdachten Terrasse mit den terracottafarbenen Fliesen vor dem wunderschönen Haus auf dem Hügel und schauen auf die Bucht, über mit Pinien bewaldete Hügel auf das Meer, das so weit entfernt ist, dass die Segelschiffe nur knapp von blossem Auge zu erkennen sind und die Kreuzfahrtschiffe am Horizont wie Spielzeuge übers Wasser gleiten. Dieser wunderschöne Panoramablick auf das Meer, das nahtlos in den Horizont übergeht und je nach Wetter mit dem Blau des Himmels verschmilzt, lässt sie melancholisch werden. Sie trinken einen fruchtigen Rosé aus der Gegend und sie sagt ihm, dass sie das Bedürfnis hat, einen Rückzugsort zu haben. Eine eigene kleine Wohnung. Einen oder zwei Räume, die sie einrichten kann und wo sie alle ihre Sachen unterbringen kann, die irgendwie im grossen Haus nicht so recht Platz finden. Er verweist sie an die Ferienwohnung in den Bergen. Es ist nicht das, was sie sucht. Es ist SEIN Ort, SEINE Wohnung, SEIN Winterrefuge. Wegen ihm haben sie die Wohnung gemietet. Er ist dort so präsent wie im Haus.

Sie möchte etwas Eigenes in der Nähe. Er kann es nicht verstehen. Es macht keinen Sinn, eine weitere Wohngelegenheit zu mieten. Er denkt ökonomisch. Es reicht schon, dass die Wohnung in den Bergen monatelang nicht benutzt wird. Er schlägt vor, dass sie sich entweder in die Berge zurückzieht oder aber das Zimmer im Haus, das sie jetzt schon benutzt, leer räumen und für sich einrichten soll. Oder aber dass sie sich trennen, wenn es wirklich nicht mehr geht.

Er sagt, dass er diesen Zustand nicht mehr lange aushalte und dass sie sich mehr Mühe geben soll. Sie beide könnten die beste Zeit ihres Lebens haben. Sie sind finanziell privilegiert, die Kinder sind in einem guten Alter und sie sind alle gesund. Sie können sich schöne Ferien im Ausland leisten, im Winter die Wochenenden in den Bergen beim Skifahren verbringen und im Sommer auf der Segelyacht auf dem See. Alles wäre perfekt, wenn sie doch nur mitmachen und nicht alles verderben würde...


Er hat ja recht. Und sie sieht ihn an und die weichen, etwas schwammigen Konturen seines Gesichts und die Art wie er spricht befremdet sie und ihr Herz schnürt sich zusammen. Ihre Gedanken schweifen immer wieder ab. Zu einem anderen Mann. Sie sehnt sich nach ihm. Spürt ein körperliches Verlangen, das fast schmerzt. Und sie weiss, dass dieser Mann es auch fühlt. Aber er ist nicht frei. Ebensowenig wie sie. Und wenn diese starke gegenseitige Anziehung und das Begehren schwächer würde, befürchtet sie, dass sie wohl nicht so richtig zusammenpassen würden. Irgendetwas verbindet sie beide. Das weiss sie, seit jenem Magic Moment im Sommer 2010. Dieser Augenblick damals hat ihr Leben verändert. Nichts ist mehr wie es einmal war und manchmal wünscht sie sich, sie könnte einfach wieder funktionieren. Aber eigentlich weiss sie, dass es kein Zurück mehr gibt. Zuviel ist passiert in den letzten zweieinhalb Jahren. Sie hat sich verändert. Wie soll es weiter gehen? Sie fühlt sich nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Noch nicht.


10 Kommentare:

  1. Liebe Rosalie,
    Du hast so viel geschrieben, dass es unmöglich ist, zu allem zu kommentieren.

    Was ich mich frage ist:

    Warum hast Du den Wunsch zu funktionieren? Wer definiert eigentlich die Funktionsfähigkeit eines Menschen?

    Kann man nicht für andere nur dann ausreichend Partner, Mutter, Geliebte ... sein, wenn man mit sich selbst im Reinen ist und für sich selbst funktioniert?

    Was Du schreibst, klingt nicht so, als würde Dein Mann die Zeichen der Zeit nicht erkennen.

    Deinen Kindern zuliebe darfst Du nur auf eines nicht verzichten: Ihnen eine Mutter zu sein.

    Ich erhalte den Eindruck, Du hättest das Gefühl, Deinem Mann etwas schuldig zu sein. Aber was? Und vor allem warum?

    Vollkommen unabhängig davon, was die Zeit bringt, geht es einem doch immer dann besser, wenn man sein Schicksal selbst in die Hand nimmt, statt es von jemandem oder der Zeit bestimmen zu lassen.

    Stell Dir vor, Dein Mann geht. Vielleicht nicht heute, vielleicht in 5, 10 oder 15 Jahren. Wieviel Zeit hättest Du dann hingegeben? Für was?

    Ich glaube, Du erlebst eine wunderschöne Romanze, aber es ist ungewiss, was aus ihr wird. Im Moment jedenfalls ist sie Dir vielleicht doch mindestens so etwas wie ein Tor. Du musst es nur aufstoßen und hindurch gehen. Danach wird der Weg steinig sein, aber vermutlich nicht steiniger als das gegenwärtige Verharren.

    Ich drücke Dich!

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    1. Liebe Rostkopp

      Danke für Deinen Kommentar!!

      Ja, weshalb habe ich bloss das Gefühl, funktionieren zu müssen? Vielleicht hat es mit der Erziehung zu tun. Ich habe mich darauf eingelassen, diesen Mann zu heiraten und habe Kinder in die Welt gesetzt und nun muss ich es "durchziehen". So wie unsere Eltern sich "durchgebissen" haben. So wie mein Vater, der meine Mutter nicht verlassen hat, obwohl ich Verständnis aufgebracht hätte, wenn er es getan hätte.

      Wer bin ich denn, dass ich diese Schuld auf mich laden kann, den Kindern ein "intaktes" Elternhaus zu verwehren, nur weil ich eine Midlife Crisis habe... Es würde sich so egoistisch anfühlen. Alle würden sagen, sie ist gegangen, dabei hat sie es so gut gehabt. Sie hat ihr Wohl vor dasjenige der Familie gestellt. Niemand würde es verstehen.

      Insgeheim hoffe ich, dass ich den Schritt wagen werde, wenn die Kinder grösser sind. In sieben Jahren wird der Junge 18. Noch sieben Jahre. Dann werde ich 50 sein. Wer weiss, was bis dahin alles passiert. Vielleicht wird mein Mann mich verlassen? Das wäre irgendwie leichter für mich, als wenn ich diejenige bin, die geht. Manchmal wünsche ich mir, er würde sich verlieben...

      Was meine Romanze angeht - ich mag das Wort, es tönt viel schöner als Affäre - so ist sehr ungewiss, was daraus werden wird. Es ist möglich, dass wir uns monatelang nicht sehen werden, oder dass er es beendet, weil er sich schwer damit tut, Konventionen zu brechen. Ich mag nicht wirklich darüber nachdenken, wohin das führen soll. Bisher war alles, was ich mit ihm erlebt habe, ein Geschenk. Kein Herzschmerz, weil ich keine Erwartungen hatte.

      Im Gegenteil. Er war der Retter in der Not und hat mich über meinen Herzschmerz hinweggetröstet. Das klingt paradox, ich weiss, aber ich mag das im Moment nicht weiter ausführen. Der geneigte Leser, die geneigte Leserin wird es verstehen...

      Ich geniesse jetzt einfach die Romanze mit diesem Mann, weil er mir gut tut. Ich geniesse jede Minute mit ihm ganz bewusst und möchte jeweils am liebsten die Zeit anhalten, weil ich für einen kurzen kostbaren Moment einfach nur glücklich bin und alles um mich herum ausblenden kann.

      Im Moment erscheint es mir wieder unmöglich, das Tor aufzustossen und zu durchschreiten. Aber vielleicht hast Du recht... und der Weg wäre nicht steiniger als das Verharren in der aktuellen Situation. Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif, eine Entscheidung zu treffen.

      Lieben Gruss,
      Rosalie

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  2. Liebe Rosalie, Danke für dieses Posting. Du erlebst etwas, bzw machst was durch, was mir nicht fremd und doch neu ist. Deine 2 1/2 Jahre sind meine 2 Monate.
    Uns unterscheidet vielleicht das: dass ich dem, was bei mir ausgelöst wurde durch den anderen, neuen Mann, misstraue. Das es nicht Liebe sein kann, sondern ursächlich mit meiner altgewohnten Beziehung zusammenhängen MUSS, dass ich mich da in jemand neuen verliebt habe, träume und mich sehne.

    Der Zufall wollte, dass ich eine Kollegin mit meiner Gefühlswelt überfallen habe und schau an: sie hat das auch erlebt, allerdings von der anderen Seite. Bei ihr war es der Partner, der sich in eine andere verliebt hatte. Die Kollegin hat mir ein Buch geborgt "Die Kunst als Paar zu leben" von Hans Jellouschek. Der Autor beschreibt sehr gut, was das eine und was das andere ist: das eine ist eine Partnerschaft, oft auch eine Mutter-Sohn oder Vater-Tochter Beziehung. Das andere ist die romantische Liebe, die von der Sehnsucht lebt.
    Ich habe für mich noch keine Lösung gefunden, weiß jetzt aber sicher, dass die großen Gefühle, die ich für den anderen empfinde, dass das etwas ist, das hunderttausende vor uns - dir und mir - schon erlebt haben. Die Ursache wurzelt in unserer Partnerschaft und oh Wunder - wir haben einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen, dass die Schieflage entstanden ist.

    Wart ihr eigentlich schon in Thearpie? Ich hatte in Erinnerung, dass ihr in eine Partnerberatung gehen wolltet.

    Ich finde es mutig und toll, dass ihr redet. Chapeau!!

    liebe Grüße, Daniela

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    1. Liebe Daniela

      Danke für Deinen Kommentar. Was mir passiert ist, scheint offenbar wirklich nicht so aussergewöhnlich zu sein. Selbst in meinem Freundeskreis gibt es Menschen, die in letzter Zeit solche intensiven Begegnungen erlebt haben, die scheinbar alles durcheinanderbringen, so dass langjährige Beziehungen hinterfragt und in Frage gestellt werden.

      Ich weiss nicht, was es ist, was mich mit Mr. Charming verbindet. Liebe ist es nicht. Liebe fühlt sich anders an. Aber ich schliesse nicht aus, dass daraus Liebe werden kann. Erste Anzeichen sind vorhanden und wenn die emotionale Nähe sich weiter vertieft, ist vieles möglich. Was sich jedoch nicht leugnen lässt, ist die grosse körperliche Anziehung und das Verlangen, sie auszuleben.

      Ja, die Paartherapie... Ich schiebe es noch vor mich hin, weil ich befürchte, dass diese Therapie das Ende unserer Ehe besiegeln wird.

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

      P.S. Bin gespannt, was aus Deiner Begegnung wird!

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    2. Liebe Rosalie, im Halbschlaf ist mir dann noch dieser Gedanke gekommen: Wofür braucht Rosalie ihren Rückzugsort, die Wohnung, ihren eigenen Raum außerhalb vom Wohnhaus, weil das Zimmer erfüllt deinen Wunsch nicht.
      Geht es da letztlich um die Möglichkeit, Männer empfangen zu können? Irgendwie sehe ich dich da nicht alleine, in diesem Rückzugsort.

      liebe Grüße, Daniela

      PS: schade, dass du dich nicht mehr wohl fühlst mit deinem Blog, aber ich verstehe es. Die Nächte können lang sein und dann schreibt man mehr als man vorhatte. Fühle dich frei auch meine Kommentare zu kürzen, falls ich zu sehr auf den von dir inzwischen gelöschten Inhalt eingehe.

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    3. Liebe Daniela

      Ich möchte gerne eine kleine Wohnung oder ein geräumiges Studio, das ich ganz im Shabby Chic Style einrichten würde. Eine richtig feminine Wohnung mit lilafarbenen und hellgrünen Wänden, einfach mein höchstpersönliches Märchenreich, in dem ich meine kitschige Ader ausleben dürfte und sich niemand über meine antiken colorierten Postkarten mokieren würde. Und dort möchte ich meine Sachen ordnen. Tausende von Fotos und Memorabilien von meinen/unseren vielen Reisen schlummern in Kartons, all diese Dinge, die sich im Laufe meines Lebens angesammelt haben. Und ich möchte in dieser Wohnung auch Besuch haben von Freundinnen. Mr. Charming würde ich natürlich nicht vor der Tür stehen lassen, wenn er "zufällig" reinschauen würde...

      Und ich würde dort auch mit meinem platonischen Freund Tee trinken. Aber primär wäre es einfach mein kleines Refugium. Die Idee spukt ja schon länger in meinem Kopf herum...

      Ich werde nun damit beginnen, das Bügel-Chaoszimmer zu räumen und mich dort zu verwirklichen... es ist ein Anfang.

      Ich ertappe mich immer wieder beim Einkaufen in Wohnshops oder wenn ich den Katalog von Impressionen.ch durchblättere, dass ich Dinge sehe, die ich gerne in MEINER Wohnung hätte...

      Zu PS: Ich habe immer wieder so Phasen, in denen ich kalte Füsse kriege, weil ich viel zu authentisch schreibe und Angst habe, dass jemand mich erkennt... Aber Kommentare moderiere ich grundsätzlich nicht und das war bisher auch noch nie notwendig! :-)

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

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    4. Das macht meine Schwester auch: Prospekte durchblättern und dann seufzen "ach, wenn mein Mann nicht hier wäre, könnte ich das alles so schön machen, dann wäre auch gleich viel mehr Platz" und zeigt auf weiße Lounge-Stühle mit wehenden Sonnensegeln auf einer Terrasse hoch über dem Meer. Ihr Wohnung ist in Wien! Na ja ;-)

      liebe Grüße, Daniela

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  3. In eigener Sache:

    Ich habe den Text dieses Posts gekürzt. Er war zu detailliert und zu lang und ich habe mir wieder einmal etwas von der Seele geschrieben. Ich war gestern sehr melancholisch und das hatte verschiedene Gründe.

    Mittelfristig werde ich wohl auf wordpress ein neues Blog eröffnen und gewisse Artikel mit einem Passwortschutz versehen, damit ich die Kontrolle habe, wer alles mitliest. Dann kann ich freier schreiben und muss nicht immer befürchten, dass jemand aus meinem Bekanntenkreis zufällig über mein Blog stolpert und mich erkennt.

    Vielleicht werde ich auch eine Blogpause einlegen. On verra.

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  4. Liebe Rosalie, dein Blog ist so anregend! Viele Gedanken kommen mir beim Lesen deiner Beiträge in den Sinn, so viele manchmal, dass ich Mühe habe, sie zu ordnen und in einen "vernünftigen" sinnvollen Kommentar umzuwandeln :((
    Daher heute nur ein paar lose Fragmente: Dein Mr. Charming ist wie ein Katalysator deines inneren Entwicklungsprozesses, er treibt voran, was längst schon in dir begonnen hat. Und er spiegelt eine Facette deines Seins, die dir andere (z.B. dein Ehemann) nicht spiegeln können. Ein Grund, warum diese neue Begegnungen immer so prickelnd sind und man sich wieder richtig lebendig fühlt.

    Ich weiss, du bist wohl noch nicht bereit, eine Entscheidung zu treffen. Doch hast du schon einmal bedacht, dass du nicht nur dir, sondern auch deinem Mann damit glücklichere Zeiten verwehrst? Wenn du gehst, wäre auch er frei einen anderen Menschen zu finden, der ihn liebt so wie er ist. Vielleicht hilft diese Betrachtungsweise dabei, sich nicht so schuldig zu fühlen, wenn man den anderen verlässt.

    LG Pepper, die oft an dich denkt!

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  5. Liebe Pepper

    Es berührt mich, dass Du an mich denkst!

    Mr. Charming hat mich aus dem Dornröschenschlaf geweckt und enorm vieles in Bewegung gebracht. Dank ihm habe ich meine Libido wieder entdeckt, die fast eine Dekade (!!!)lang so gut wie kein Thema mehr war! Ich verdanke ihm viel und dass er mein Begehren inzwischen erwidert (und mehr als das!), betrachte ich als Geschenk des Universums. Er tut mir einfach nur gut. Und ich ihm, soweit ich das beurteilen kann.

    Ich habe mit meinem Mann vor ein paar Tagen wieder einmal Klartext geredet und ihm gesagt, dass wir kein Liebespaar mehr sein können. Er wird seine Fühler nun wohl auch ausstrecken und ich habe kein Problem damit. Aber wir wollen bis auf weiteres im selben Haus zusammenleben, so dass die Kinder jeden Tag beide Eltern um sich haben.

    Da die Flamme der Leidenschaft zwischen uns längst erloschen ist, könnte dieses Agreement funktionieren. Aber wir werden dennoch eine Paartherapie machen, sobald wir die Zeit dazu finden.

    Danke für Deinen Kommentar!

    Liebe Grüsse,
    Rosalie

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