Montag, 27. August 2012

Gedanken über Freundschaft


Menachem hat mich mit seinem Kommentar vom 23. August 2012/22.35h inspiriert, über Freundschaft nachzudenken. Zum zweiten Teil seines Kommentars werde ich später etwas schreiben. Menachem ist der Ansicht,  dass es zwei Arten von Freunden gibt. Ich zitiere:

"Die einen nehmen einen in den Arm, wenn man Trost braucht. Die anderen versuchen, auch manchmal durch unbequeme Diskussionen, an den Grund der Dinge zu gelangen. BEIDE brauchen wir. Zähle mich bitte zu den zweiten."


Danke, Menachem, dass Du mir ein "unbequemer" Freund sein möchtest! :)

Die Aussage, dass es zwei Arten von Freunden geben soll, hat mich nachdenklich gestimmt. Ich hatte bisher die Erwartungshaltung, dass diese beiden Eigenschaften sich in einer Personalunion finden sollten. Ich ging davon aus, dass ein echter Freund einem die unbequeme Wahrheit ins Gesicht sagen UND trotzdem mit einer (notfalls virtuellen) Umarmung zur Stelle ist und Trost spenden kann, wenn man ihn nötig hat. Bei Freundschaften unter Frauen gibt es das. Ich habe mindestens zwei Freundinnen, die kein Blatt vor den Mund nehmen und mir schonungslos ihre Meinung sagen und gleichzeitig in der Lage sind, Trost zu spenden. 

Vielleicht funktioniert das nur bei Frauenfreundschaften? Platonische Freundschaften zwischen Mann und Frau sind sowieso ein Thema für sich. Funktionieren sie anders? Können sie überhaupt funktionieren? Ich habe meine Zweifel... 


Aber vielleicht verhält es sich damit so:

"Vielleicht muss man die Liebe gefühlt haben, um die Freundschaft richtig zu erkennen."
(Nicolas-Sébastien de Chamfort)


Aber bedenke: 

"Die Freundschaft ist eine Kunst der Distanz, so wie die Liebe eine Kunst der Nähe ist."
(Sigmund Graff)


Leichter gesagt als getan:
 
 "Das Schwierigste am Leben ist es, Herz und Kopf dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. In meinem Fall verkehren sie noch nicht mal auf freundschaftlicher Basis."
(Woody Allen)



Woran erkenne ich einen wahren Freund?

"Ein Freund versteht dich, weil er Dich mag. Ein Freund mag Dich aber auch dann, wenn er Dich nicht versteht..."
(Jochen Mariss)

"Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen und trotzdem zu uns halten."
(Marie von Ebner-Eschenbach)

"Ein Freund ist ein Mensch, vor dem man laut denken kann."
(Ralph W. Emerson)


Und wie eine echte Freundschaft?

"Eine Freundschaft, die beendet werden kann, hat eigentlich nie so recht begonnen".
(Mellin de Saint-Gelais) 


"Freundschaft ist eine Tür zwischen zwei Menschen. Sie kann manchmal knarren, sie kann klemmen, aber sie ist nie ganz verschlossen."
(Joseph Addison)


"Du begegnest vielen Menschen in Deinem Leben. Aber nur wahre Freunde hinterlassen Spuren in Deinem Herzen."
(nomen nescio)



Denn letztlich ist es so:





Guten Wochenstart!

Eure Rosalie
 

Donnerstag, 23. August 2012

Everything happens for a reason

Ich kann mich noch genau daran erinnern, was ich heute vor einem Jahr am Nachmittag zwischen 14.30 und 15.30 Uhr gemacht habe. Es war ein schwülheisser Hochsommertag. Genau wie heute. Der Geburtstag meines Sohnes. Die Kinder waren in der Schule. Und ich war allein zu Hause und habe etwas total Unvernünftiges getan: Ich bin aus einer spontanen Idee heraus ins Auto gestiegen und 46 Minuten gefahren für ein aufregendes Treffen, das eine knappe halbe Stunde gedauert hat. 23 Minuten hin, 23  Minuten zurück. Es war total crazy und genau deswegen fühlte es sich so gut an! Ich trug schwarze Flipflops und ein kurzes braunes Neckholderstrandkleid aus Lycra fühlte mich unglaublich sexy. Und ich habe gelächelt, als ich auf der Autobahn mit 130 heimwärts gefahren bin. :)


Seither ist viel passiert in meinem Leben. Obwohl ich damals schon von meiner Midlife Crisis geschrieben habe, kommt es mir im nachhinein so vor, als wäre mein Leben vor einem Jahr doch ziemlich unbeschwert gewesen. Der Tod meines Vaters und die Ereignisse der letzten Wochen liegen mir immer noch wie Blei auf der Seele. Aber ich habe das Gefühl, dass dieser schmerzhafte Prozess mich als Persönlichkeit reifen lässt und dass es in eine gute Richtung geht.


Und manchmal braucht es so wenig, um wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken zu können. Eine kleine Information, die man in einer belastenden Situation zur Kenntnis genommen hat, dringt Tage später wieder ins Bewusstsein und führt dazu, dass etwas ins Rollen gerät. Und plötzlich öffnet sich ein neues Türchen und ein Sonnenstrahl fällt in das dunkle Haus... Und man realisiert: Das Leben ist voller Optionen! Selbst dann, wenn man überhaupt nicht damit rechnet. Oder wie ich aus Erfahrung weiss: gerade dann! :)


 Für Gitti:

Sei zuversichtlich! The best is yet to come!




Mittwoch, 22. August 2012

13 years ago

Das heutige Datum sagt mir irgendwas... 21. August. Hmm... Was war da nochmal? Am 23.8. ist unser Sohn auf die Welt gekommen. Es war extrem heiss vor 11 Jahren. Genau wie in diesem Jahr.  Aber was war am 21.8.?

Ach ja! Jetzt ist es mir wieder in den Sinn gekommen! Es war ein Samstag, damals vor 13 Jahren! Ich war ziemlich nervös, trug in Weissgold gefasste Perlen im Ohr (selbst gekauft), ein Collier aus falschen Perlen um den Hals (Budget war ausgeschöpft) und ein langes Kleid aus elfenbeinfarbiger Rohseide mit Guipurestickerei... (Budget massiv überzogen...).  

Wir fuhren in einem geliehenen Jaguar zur Kirche und meine Schwester hätte um ein Haar die Zeremonie ruiniert, weil die Pasta vom Vorabend ihr das Leben schwer machte (offizielle Erklärung). Sie war die ganze Zeit damit beschäftigt, sich zusammenzunehmen, um ihren Mageninhalt nicht in der Kirche ans Tageslicht zu befördern und sie hielt permanent nach dem kürzesten Fluchtweg Ausschau...  

Wir hatten davon nichts mitgekriegt, weil unsere volle Aufmerksamkeit dem Pfarrer galt und wir uns darauf konzentrieren mussten, den Ja-Moment möglichst nicht zu verpassen. Der Platinring liess sich selbstverständlich nicht auf Anhieb über den Finger des Gatten stülpen und ich weiss nicht mehr so genau, was sonst noch alles nicht ganz perfekt gelaufen ist...





Ein weiterer Höhepunkt war das "Kuhfladenlotto" beim Nachmittagsapéro. Es geht doch nichts über kreative Brautführer mit "originellen" Ideen. Die Brautführerin lag zu der Zeit flach im B&B-Zimmer, während sich eine gute Seele um ihr Kleid kümmerte, derweil der Brautführer und seine Freundin sich alle Mühe gaben, das Rahmenprogramm doch noch einigermassen erfolgreich über die Bühne zu bringen. Es ist ihnen gelungen, wobei etwas weniger mehr gewesen wäre. Ich erinnere mich dunkel daran, dass wir im vollbesetzten Gartenrestaurant Kondome an die Gäste verteilen mussten, den Rest habe ich verdrängt...   

Irgendwann spät nach Mitternacht sind wir nach Hause gekommen und todmüde ins Bett gefallen. Die teuren Dessous hat ausser mir niemand gesehen und ich habe sie auch nie wieder angezogen... 

Der Fotograf war eine Enttäuschung und  Schwiegermama wartet leider bis heute vergeblich auf ein Album von diesem denkwürdigen Tag... (Pendenzenliste). Aber wenigstens durfte sie einmal an einem Familienfest einen Hut tragen.

Es kommt mir vor, als hätte das alles in einem früheren  Leben stattgefunden.


Sonntag, 19. August 2012

Alles könnte so perfekt sein...

...wenn wir die Bilderbuchfamilie wären, die wir für Aussenstehende sind,

...wenn ich für meinen Mann noch Liebe oder wenigstens Begehren empfinden würde,

...wenn er mir nicht so fremd wäre. Wesensfremd.

Aber wir sind ein gutes Team und haben gestern ein paar Abenteuer zusammen bestanden.

Wir sind aufgelaufen! 1,4 Meter Wassertiefe ist 30 cm zu wenig! Eine kurze Unachtsamkeit! Tückische Sandbank! Adrenalinschub! Im ersten Moment hatten wir beide den selben Gedanken: oh mein Gott! Hoffentlich haben wir niemanden überfahren oder gerammt... Das Schiff ist aus (zum Glück nicht ganz) voller Fahrt unter Motor plötzlich zum Stillstand gekommen! Ein saublödes Gefühl, das den Kapitän augenblicklich erbleichen liess! (Danke Universum, dass ich nicht am Steuer war...). Ein Blick auf das Echolot und ins Wasser machte alles klar! 1,4 Meter Wassertiefe... Shallow water...

Blick vom Boot auf den sandigen Seegrund



Der Kapitän beorderte die Crew samt Gästen, sich backbord an die Reling zu stellen und so kriegte er das Schiff ohne fremde Hilfe wieder von der Sandbank weg.

Und am Abend dann das zweite Abenteuer: die erste Fahrt in der Nacht. Nicht ganz freiwillig... Es gab keinen freien Gästeplatz mehr im fremden Hafen und so mussten wir im Dunkeln in den Heimathafen fahren... vorbei an Sandbänken und "Geisterschiffen", die nur mit einem winzigen weissen Licht an der Mastspitze durch die Nacht glitten...

Ich stand am Bug und hielt Ausschau nach "Hindernissen" und verfolgte auf meinem Handy per GPS unsere Position. Wir sollten uns bei Gelegenheit mal den Stick mit der Seekarte besorgen...

Um 22.30 Uhr gab es ein "happy landing".


Abendstimmung am See





Nachtrag, 19.8.2012, 16.45 Uhr:
Wassertemperatur: 25° C!




Samstag, 18. August 2012

Hafenmanöver

Die erste Nacht in fremden Gefilden!

Die Kinder haben beim Anlegemanöver sehr gut mitgeholfen. Junior ist auf den Anlegesteg gesprungen und hat das Schiff am Heck vertäut. Ich habe den Buganbinder um den Pfosten geworfen und Piccolina war an den Fendern.

Fender sind die dicken Gummidinger, die man seitlich an der Reling befestigt, um die Bordwand vor Kontakt mit dem Festland zu schützen. Irgendwie hatten wir ohne grosse Erklärung angenommen, dass Piccolina sich ihrer Aufgabe bewusst sei. Bis sie den einen Fender unter grosser Anstrengung an Bord hochgezogen hat und auf die entgeisterte Frage des Schiffseigners entgegnete, dass sie ihn "gerettet" habe - weil er doch eingeklemmt worden sei!

Wir haben Tränen gelacht. Aber nur deswegen, weil die Bordwand keine Schramme abgekriegt hat. Wie war das noch mal?

Kommunikation ist alles!

Freitag, 17. August 2012

Ein heisses Wochenende...

... ist angesagt! Jedenfalls was die Aussentemperaturen anbelangt! ;-)




Am Sonntag soll die Temperatur auf unglaubliche 36 Grad ansteigen! Bin gespannt, wie warm der See wird! Schätze mal, so 25-26 Grad Celsius auf zwei Meter Tiefe sollten drinliegen! Ich werde es Euch wissen lassen - en direct du Lac!





Ich freue mich aufs Baden, Lesen, Segeln... und auf netten Besuch an Bord. Entspannung ist dringend angesagt.  Mein Herz muss endlich mal zur Ruhe kommen und ich möchte mal wieder länger als 4-5 Stunden am Stück schlafen können. Ich hatte in den letzten Tagen wieder latente Symptome einer Tachykardie. Ist gerade alles ein bisschen viel im Moment. Deshalb freue ich mich auf eine kurze Auszeit. Und nun gehe ich einkaufen und packen. Es gibt noch viel zu tun!

Wünsche Euch allen einen angenehmen Freitag und einen guten Start ins hochsommerliche Wochenende!

Eure Rosalie


Mittwoch, 15. August 2012

Fin de jour

Mein Mittwoch:  Lunch und ein sehr gutes Gespräch mit meiner Freundin M. Ein Telefongespräch mit meiner Freundin S., das mich traurig gestimmt hat. Ein überquellender Posteingang und steigende Pendenzen im Büro und eine weitere Arbeitskollegin, die wegen eines Burnouts ausfällt.

Abendessen mit einer Frau, deren Leben erstaunliche Parallelen mit meiner eigenen Biographie aufweist. Rucolasalat mit Parmigiano und ein italienischer Chardonnay, der mich nicht begeistert hat. Und last but not least: ein herzliches Telefongespräch mit meinem SMS-Leo (der von früher). Und das war noch lange nicht alles... 


Erkenntnis des Tages: Bedürftigkeit ist der natürliche Feind des Begehrens.


Aussage des Tages: "Ich nehme mir jetzt einfach, was ich brauche. Schaue nur für mich."

Motto des Tages: Es lebe die Kommunikation.

Das war ein erkenntnisreicher Tag. Bonne nuit!









Montag, 13. August 2012

Mélancolie

Wann wird das endlich aufhören, diese melancholische Stimmung? 

Ich versuche mich abzulenken, aber die Gedanken gehen doch immer wieder in die selbe Richtung. 

Dreizehn Monate. Wieso musste alles so enden? Irgendwie so unwürdig. 

Manchmal kommen Zweifel auf. Hätte ich nicht cooler und besonnener reagieren können? Habe ich zu oft geschwiegen und leer geschluckt? Wieso hat er mein Mail von Mitte Juni nicht ernst genommen? Hätte es eine andere Lösung gegeben? Hätten wir die Freundschaft retten und auf eine andere Ebene bringen können?  

Wir haben es versiebt. Enttäuschte Erwartungen, Desillusionierung. Sprachlosigkeit.

Schade. 




Sonntag, 12. August 2012

Ein seltsames Jahr

Dieses 2012 ist ein sehr seltsames Jahr. A year of changes. Ich habe den Eindruck, dass in diesem Jahr überdurchschnittliche viele Menschen vorzeitig sterben oder an Krebs erkranken. Und  noch nie sind in meinem Umfeld so viele langjährige Ehen und Partnerschaften auseinandergegangen oder im Scheitern begriffen wie in den letzten Monaten. Ich kenne eigentlich kaum ein Paar, das sich nicht entweder in einer Krise befindet oder bei dem einer der beiden Partner (heimlich) fremd geht.


Gestern waren wir mit einer befreundeten Familie auf dem See. Die Männer kennen sich seit Jugendzeiten. Wir sehen uns zwei, dreimal pro Jahr und gestern bot sich die Gelegenheit, mit der Frau ein sehr persönliches, fast schon philosophisches Gespräch zu führen. Wir sind uns vertraut, sprechen aber selten über sehr Persönliches, weil wir uns selten ungestört unterhalten können. Unser Segelschiff ist dazu ideal geeignet, weil es relativ gross ist. Die Männer sitzen im Heck, übernehmen abwechselnd das Steuer, die Kinder vergnügen sich unter Deck und wir Frauen haben einen Moment Ruhe und können uns auf dem Vorderdeck ungestört unterhalten. Das heisst natürlich nicht, dass wir nicht auch hin und wieder das Steuer übernehmen (im wahrsten Sinne des Wortes ;-)) aber es ist auch ganz angenehm, einmal die Verantwortung abgeben zu können und einfach nur zu sein, zu geniessen...




Irgendwie kann man gar nicht anders, als über das Leben nachdenken, wenn das Schiff über das glitzernde Wasser gleitet und man das Auge über die wunderschönen Landschaften am Horizont schweifen lässt. Wenn der warme Wind über Gesicht und Haare streift und man die Sonne auf der Haut spürt und das Plätschern des Seewassers am Rumpf des Schiffes einem irgendwie zur Ruhe kommen lässt. Man entspannt sich und die Gedanken beginnen zu fliessen.



Sie hat mir erzählt von einem Freund, mit dem sie oft solche Gespräche geführt hat. Sie seien sich ähnlich gewesen. Hätten beide viel über das Leben nachgedacht, vieles hinterfragt. Vielleicht deswegen, weil sie beide das selbe Sternzeichen gehabt hätten. Und dann habe er sich das Leben genommen. Einfach so. Das habe sie nachhaltig erschüttert. Ich frage sie nach ihrem Sternzeichen. "Zwilling!"  - "Ach! Du auch?!".  Ich lächelte. Ach so, deshalb. Zwillinge denken einfach zu viel nach...

Und dann hat sie mir erzählt, dass ihr Schwager seine Familie verlassen hat. Knall auf Fall. Er ist einfach ausgezogen und hat sich im selben Ort eine eigene Wohnung genommen. Hat die beiden Kinder im Schulalter, den Familienhund, das Einfamilienhaus und die konsternierte Ehefrau einfach zurückgelassen. Seine Frau sei aus allen Wolken gefallen und könne seit Monaten nur noch mit Medikamenten schlafen und ihren Alltag bewältigen. Ich bin sprachlos. Ich kenne die Familie. Er ist ein Ausbund an Pflichtbewusstsein und der Letzte, dem ich sowas zugetraut hätte.



Wieder eine Musterfamilie, die zerbrochen ist. Wieder ein Paar, von dem man es nie gedacht hätte, dass so etwas passieren kann. Eine sogenannte "Vorzeigefamilie". Man hätte sie für eine Bausparwerbung einsetzen können... Ihn hatte ich immer für einen besonders korrekten, eher "kleinkarierten" Familienvater gehalten, sie für die adrette Familienfrau, die Teilzeitbürojob, Kinder, Hund und Haushalt gekonnt unter einen Hut bringt. Vermutlich war es auch so, bis er die Idylle nicht mehr ausgehalten hat und ausgezogen ist. Er weiss anscheinend selbst nicht genau, weshalb er plötzlich dieses Gefühl verspürt hat, dass er keinen Tag länger so weitermachen kann...


Angeblich ist keine andere Frau ist Spiel. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht daran. Ich weiss ja aus eigener Erfahrung (und auch aus meinem Freundeskreis), dass eigentlich nur eine Begegnung mit einem anderen Menschen einen solchen Impact auf das eigene Leben haben kann, dass man Dinge, die jahre- und jahrzehntelang gut oder zumindest ok waren und funktioniert haben, einfach so in Frage stellt und aufgeben will. Bei mir war es mein "Magic Moment" mit Mr. Charming, der alles ins Rollen gebracht hat und ich bin mir sicher, auch dieser Mann hatte sein "Augenöffner"-Erlebnis.


Meine Freundin meinte, es wäre für die verlassene Ehefrau einfacher gewesen, wenn eine andere Frau im Spiel gewesen wäre bzw. er ihr davon erzählt hätte. So, wie sie die Trennung erlebt hat und aus allen Wolken gefallen ist, wird sie die "Schuld" am Scheitern ihrer Ehe zwangsläufig bei sich suchen. Sie wird sich fragen, was habe ich falsch gemacht, was hätte ich anders machen können. Aber vielleicht lag es gar nicht an ihr. Er hat einfach gemerkt, dass er so nicht mehr weitermachen kann.

Heute Morgen habe ich meinen Mann gefragt, ob er es wisse, dass X und Y sich getrennt haben. Sein Freund hat es ihm gestern auch erzählt. Ich habe ihn gefragt, ob er den Grund für die Trennung kenne... Er meinte, angeblich habe X genug davon gehabt, dass seine Frau ein "Huscheli" sei, das zu allem Ja und Amen sage. Er hätte sich eine starke Frau gewünscht. Eine, die ihm die Stirn bieten kann, die ihn herausfordert. Hmm... Ich bin erstaunt. Ich hätte sie anders eingeschätzt. Wobei... ja, sie hatte so was Liebes, Nettes. Aber durchaus auch selbstbewusst und emanzipiert. Eine attraktive Frau, stets gut angezogen. 

Seltsam, wie das Leben manchmal spielt. Vielleicht fand er es jahrelang gut, eine nette, pflegeleichte Frau zu haben. Und auf einmal ist alles anders... Ob sie wohl darüber gesprochen haben? Oder hat er geschwiegen, bis zu dem Tag, als er gemerkt hat, dass er sie nicht länger erträgt? Wie kam es, dass er auf einmal das Gefühl hatte, dass ihm nett und gut zu wenig ist? Eine typische Midlife Crisis vermutlich. Und sie hat ihn mit voller Wucht getroffen...



Donnerstag, 9. August 2012

Herzrasen


Mein Herz hat Protest eingelegt und mir aufgezeigt, dass ich an meine Grenzen stosse!

Ich bin gestern um drei Uhr morgens nach anderthalb Stunden Schlaf aufgewacht, weil ich Herzschmerzen hatte. Ich weiss nicht, ob und was ich geträumt habe - aber ich erinnere mich an ein tieftrauriges Gefühl und an den Druck auf meiner  Brust. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Es raste und raste und wollte sich einfach nicht mehr beruhigen. Nach einer halben Stunde holte ich meine Pulsuhr aus der Sporttasche: 188 Schläge in der Minute.

Ich kriegte es mit der Angst zu tun und fragte mich, ob das Anzeichen eines Herzinfarkts waren. Ich dachte an meinen Schwager, der vor vier Monaten in einer solchen Situation gewesen ist und gerade noch rechtzeitig das nächste Spital aufgesucht hat.  Und ich dachte an meinen Vater, der sich in der Nacht vor seinem Tod wohl auch gefragt hat, ob der Schmerz in seinem Bein  schlimm genug ist, um mitten in der Nacht ärztliche Hilfe anzufordern. Er hat den Morgen abgewartet...


Mein Mann wollte mich beruhigen und meinte, es sei sicher nichts Schlimmes und ich legte mich wieder hin. Aber sämtliche Entspannungsübungen schlugen fehl und ich hatte kein gutes Gefühl. So stand ich wieder auf, kramte meine Versicherungskarte hervor und wählte die 24h-Telefonnummer meiner Krankenkasse. Die Person am andern Ende der Leitung riet mir, das nächste Spital aufzusuchen und sagte: "Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig!" . Wie wahr...

Ich nahm mein iPhone und schaute nach, ob das nächstgelegene Regionalspital überhaupt eine Notfallaufnahme hat. Dem war so. Mein Mann wollte mich hinfahren, aber ich entschied, dass er bei den schlafenden Kindern bleiben sollte. So stieg ich in mein Auto und fuhr los. Ich hatte ein mulmiges Gefühl und bat das Universum um Beistand und mein Schutzengel sorgte dafür, dass ich heil angekommen bin. Es waren nur 13 Autominuten  und der Noftalleingang der kleinen Klinik war dunkel. Ich bediente die Klingel und es ertönte eine männliche Stimme aus dem Lautsprecher. Ein Pfleger holte mich ab und wir fuhren mit dem Lift in den zweiten Stock, wo ich gebeten wurde, ein Formular auszufüllen...

In den nächsten vier Stunden wurde ich intensiv betreut von einer reizenden jungen Assistenzärztin und einer erfahrenen älteren Pflegefachfrau, deren sicheres Auftreten mich und die junge Ärztin gleichermassen beruhigte. Ich wurde verkabelt und die Ärztin machte ein besorgtes Gesicht. Mein Puls lag noch immer knapp unter 200, der Blutdruck bei 168/106. Sie blickte auf das EKG
und meinte, es sei gut, dass ich gekommen sei...


Mein EKG um am 08.08.2012/04.04 h
Die Pflegefachfrau legte mir eine Infusion an und zapfte mir Blut ab und sie unterstützte die Ärztin, die mit der EKG-Software auf dem Laptop noch nicht so recht vertraut schien.  Aber ich fühlte mich gut aufgehoben und es herrschte eine herzliche Atmosphäre und die beiden kümmerten sich gut um mich. Ich war der einzige Notfall.


Die Ärztin telefonierte mit dem Kardiologen, der ausser Haus war und dann führte sie mit mir ein sogenanntes Vagusmanöver durch  und mein Herz konnte nach gut zwei Stunden Sprint endlich einen Gang herunterschalten! Der Puls fiel auf 110... Zwei Stunden, eine weitere Blutentnahme (diesmal aus der Arterie...) und etliche EKGs später hatte sich mein Herzschlag und der Blutdruck wieder normalisiert und der Spuk hatte ein Ende.

Um acht Uhr traf die Oberärztin ein und erklärte mir, dass solche Tachykardien in Zeiten hoher emotionaler Belastung auftreten können und dass man einfach wissen müsse, wie man sie selbst beenden kann und dass man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss, wenn es nicht gelingt, den Puls wieder in den Normalbereich zu bringen.  Eine Untersuchung beim Kardiologen sei zur Zeit noch nicht angebracht. Ich hoffe, sie hat recht...

Ich setzte mich ins Auto, besorgte unterwegs frische Croissants und fuhr nach Hause, wo bereits meine Schwiegermama mit feuchten Augen auf mich wartete und mein Mann, der von seiner Mutter mit Vorwürfen eingedeckt worden war, weil er sie nicht geweckt hatte und seine Frau statt dessen allein ins Spital hatte fahren lassen. Wir konnten den Vorfall zum Glück vor den Kindern verheimlichen. Mein Sohn hat seit dem Tod meines Vaters eine Riesenangst, dass mir etwas zustossen könnte.


Und nichts desto trotz nahm ich um 12.00 Uhr in der Stadt einen Termin bei der Kosmetikerin wahr, da ich sonst fünf Wochen auf den nächsten hätte warten müssen. Wenn ich denn vorzeitig den Löffel abgeben muss, dann wenigstens mit dunklen Wimperchen und frisch gezupften Augenbrauen... ;-)


Nein, ich nehme die Sache schon nicht auf die leichte Schulter. Mein Herz hat in den letzten Monaten einiges aushalten müssen und ich habe ihm viel zugemutet, weil ich ihm zu wenig Ruhe gönne. Vielleicht war das jetzt ein Schuss vor den Bug...

Ich kenne die Ursache meiner Tachykardie sehr wohl. Das Rauchen habe ich vor mehr als zehn Jahren aufgegeben, mein Blutdruck ist in Ordnung, Cholesterinwerte ebenfalls...
Es ist dieser ganze emotionale Stress der letzten Monate und mein Schlafdefizit.  Fünf Stunden Nachtschlaf sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Das muss sich ändern


Und als ich im Notfallraum verkabelt und zerstochen von der Infusionskanüle und den Blutentnahmen auf bessere Zeiten wartete, hatte ich das dringende Bedürfnis, Platon eine SMS zu senden. Ein Rückfall in alte Gewohnheiten. Er hat sich dann im Verlauf des Tages nochmals nach meinem Befinden erkundigt, was mich gefreut hat.


Und dann hat er gegen Abend ein Post veröffentlicht, das mich wieder daran erinnert hat, weshalb ich mich zurückgezogen habe.


Dienstag, 7. August 2012

Life Lessons: Mein bester Freund (2)

Unsere Beziehung zeichnete sich dadurch aus, dass wir uns gegenseitig immer wieder herausforderten. Obwohl wir uns so vertraut waren und ich manchmal ein Gefühl von Seelenverwandtschaft hatte, waren wir uns doch irgendwie auch ein Rätsel und was gewisse Bereiche unseres Lebens betraf, so prallten Welten aufeinander. Unsere Freundschaft verlief denn auch selten längere Zeit harmonisch und linear. Es gab immer wieder kleinere und grössere Wellen...


Unsere emotionale Nähe löste bei mir den Wunsch aus, hin und wieder einen Schritt weiterzugehen und von den verbotenen Früchten zu naschen... Bei meinem Freund hatte sie den gegenteiligen Effekt: die verbotenen Früchte waren in weite Ferne gerückt.  Irgendwann war ich einfach "nur" noch seine beste Freundin und die Anfänge unserer Beziehung waren für ihn endgültig Geschichte.


Dass sich diese besondere Essenz gegenseitiger Anziehung aus unserem Dialog verflüchtigt hatte, betrübte mich. Ich wollte es lange nicht wahrhaben und versuchte immer mal wieder unseren schriftlichen Dialog auf dieses Thema zu lenken, in der Hoffnung, ihm doch noch ein Geständnis über sporadisch auftretende Sehnsuchtsattacken zu entlocken oder wenigstens ein paar liebevolle Worte, die mein Selbstwertgefühl wieder etwas besänftigt hätten...


Aber er konnte oder wollte einfach nicht über seinen (rationalen) Schatten springen und seine Analysen des Istzustands waren nicht das, was ich lesen wollte. Es befremdete mich, dass er so undiplomatisch geradeheraus sagte, was er dachte, ohne Rücksicht auf meine Befindlichkeit zu nehmen. Wohlgemerkt: Ich würde ihm nie unterstellen, dass er mich mit Absicht verletzt hat. Er war einfach nur ehrlich. Aber wenn er mir schrieb, dass wir halt "unterschiedlich" empfinden würden, fühlte sich das nicht gut an. Es war nicht so, dass mein Ego gekränkt gewesen wäre. Es war einfach ein sehr schmerzliches Gefühl, das sich tief in meiner Brust manifestierte.


Es gab Zeiten, da hielt ich dieses Gefühl für Liebe. Aber Liebe durfte es nicht sein. Eine Liebesbeziehung stand nie zur Debatte. Natürlich war da viel Zuneigung, aber es war nicht die grosse Leidenschaft. Es gab kein Knistern, wenn wir uns hie und da sahen. Unser Umgang war freundschaftlich. Aber sobald ich wieder im Auto sass und auf das nächste SMS wartete, spürte ich wieder dieses unbestimmte Gefühl, diese Wehmut.


Ich denke, er hat lange nicht verstanden, worum es mir ging und dass es mir weh tat, dass er mir den "Sexappeal" abgesprochen hatte. Und ich habe nicht verstanden, wieso sich seine Gefühle verändert hatten und begann an meiner Attraktivität zu zweifeln. Es war ein Dilemma und ich ärgerte mich über mich selbst bzw. dass ich nicht besser damit umgehen konnte! Ich wollte ja seine Freundschaft! Ich wollte ihn nicht verlieren! Weshalb konnte ich denn nicht einfach über der Sache stehen? Ich versuchte, dieses elende Gefühl in der Herzgegend so gut wie möglich zu ignorieren und mich von einer Illusion zu verabschieden.


Aber als diese besondere Essenz gegenseitiger Anziehung nicht mehr funktionierte, begann ich mich "needy" zu fühlen und das wollte ich nicht sein. Ihm ging es gut, denn er hatte seine glückliche Ehe, Rosalie als beste Freundin und Vertraute, die ihn noch dazu begehrte! Balsam für sein Selbstwertgefühl! Mein Selbstwertgefühl hingegen hatte einen Knacks erlitten...


Diese besondere Beziehung, die so lange eine Bereicherung meines Alltags gewesen war, begann mich immer mehr zu belasten und machte mich immer trauriger. In den letzten Wochen und Monaten hatte ich das Gefühl, dass er sich gedanklich von mir entfernte und die Pausen zwischen den SMS wurden grösser und ich begann zu interpretieren. Ich ahnte, was der Grund war. Er beruhigte mich und meinte, es sei bloss eine Phase...


Wieso bloss tat ich mich so schwer damit, dass wir endgültig "nur" noch platonische Freunde waren? Wieso konnte er denn nicht einfach nur mein bester Freund sein? Aber war er das wirklich? Sollten beste Freunde nicht auch mal emotional sein können und Trost spenden, wenn er gebraucht wird? Er war mein Mr. Ratio. Der klugste Mann, den ich kenne, aber auch der Vernünftigste. Und dieses Rationale, das mich an ihm so fasziniert hatte, begann mich zu stören. Konnte er denn wirklich niemals über seinen Schatten springen? Mir einfach mal etwas Liebes schreiben, mich trösten, wenn es mir schlecht ging, anstatt nur sachlich zu beraten?


Ich konnte es selber nicht nachvollziehen, weshalb ich so fühlte, denn schliesslich hatte das Universum ja in der Zwischenzeit ein Einsehen gehabt und mir Mr. Charmings Zuwendung und seine Leidenschaft geschenkt! Unser Wiedersehen im Juni hat mir unendlich gut getan und ich habe eine Zeitlang davon "zehren" können, aber Mr. Charming war (bzw. ist) im Alltag kaum verfügbar. Mein Freund jedoch war präsent. Jeden Tag.


Ich begann immer häufiger zu zweifeln und fragte mich, ob es sinnvoll war, so viel Zeit und Energie für eine Freundschaft aufzuwenden, die mich immer mehr emotionale Substanz kostete. Die neusten Entwicklungen machten mich einfach nur noch traurig und Traurigkeit gab es weiss Gott schon genug in meinem Leben.


Und irgendwann stand die Frage: „Wo soll denn das eigentlich hinführen?“ immer aufdringlicher im Raum und die Antwort lag auf der Hand: „Nirgendwo. Das führt nirgendwo hin, weil es nirgends hinführen darf. Es wird so lange weitergehen, wie es sich für uns beide gut anfühlt.“


Und für mich fühlte es sich nicht länger gut an. Unsere Reise in die Vergangenheit war zwar für uns beide ein sehr schönes Erlebnis gewesen und ich hatte den Tag mit ihm genossen. Aber dann kam eins zum andern und ein unbedachtes SMS brachte unsere Beziehung (einmal mehr) vollends aus der Balance. Es fühlte sich an wie ein Vulkanausbruch. Der ganze Mix aus Trauer um meinen Vater, Trauer um unsere spezielle Beziehung, enttäuschte Erwartungen, zerplatzte Illusionen, das Gefühl, nicht mehr begehrt zu werden, emotional allein zu sein, Ärger im Job... kurzum die ganze Misere entlud sich an jenem denkwürdigen Abend im Juli und als es vorüber war, wusste ich, dass sich etwas ändern musste.


Ich beendete den SMS-Austausch und legte mein Zweithandy in eine Schublade. Cold turkey. Von 20 SMS pro Tag auf Null. Es folgte ein Mailaustausch, in dessen Verlauf ich den Eindruck gewann, dass ich gar keine Wahl hatte. Ich kam mit der veränderten Situation nicht länger zurecht und er schrieb, dass er dafür zwar Verständnis habe, daran aber nichts ändern könne. Er hatte sich entschieden, einen neuen Weg zu gehen und ich konnte ihn auf diesem Weg nicht länger begleiten, weil ich das Gefühl, das ich für Herzschmerz hielt, nicht länger ertragen konnte. So blieb mir keine andere Wahl, als mich aus dieser Beziehung zurückzuziehen. Auch wenn es mir sehr schwer gefallen ist.


Inzwischen weiss ich, woher dieser Schmerz kam, den ich für Liebeskummer hielt:

Es ist das SELBSTWERTGEFÜHL, das verletzt ist! Es ist das Gefühl, nicht mehr geliebt zu werden! Zu lieben oder zu begehren und nicht zurückgeliebt bzw. zurückbegehrt zu werden. NICHT ZU GENÜGEN. Es ist das innere Kind, das doch einfach nur in den Arm genommen werden möchte, das nicht begreifen kann, dass es nicht länger im Mittelpunkt steht. Dieser Schmerz ist so schwer fassbar und mit dem Verstand kaum zu beherrschen. Es sind Gefühle, die ganz tief in der Seele verankert sind und sie stammen aus der Kindheit. Möglicherweise werden sie einem sogar in die Wiege gelegt. Ein verletztes Selbstwertgefühl tut unglaublich weh.


Mein Verstand weiss ja, dass es nie um Liebe ging und dass ich meinem Freund viel bedeutet habe. Dass Freundschaft beständiger und wertvoller ist als eine Affäre. Und dennoch konnte ich dieses Gefühl nicht verscheuchen. Ich habe es in meiner Jugend intensiv gespürt, jahrelang, und es war ein schmerzvolles Déjà-Vu. Oder anders ausgedrückt: ein Flashback. Es hat mich immer mehr beherrscht und mein Freund hat ohne es zu ahnen mit seinem Verhalten immer wieder meine Triggerpunkte aktiviert und diese schmerzlichen Gefühle in mir ausgelöst.



Das alles ist mir in den letzten Tagen bewusst geworden. Vielleicht kann es jetzt endlich heilen, dieses angeknackste Selbstwertgefühl...


Ich weiss ja, dass ich liebenswert bin. Dass ich eine begehrenswerte Frau bin. Dass ich einzigartig und etwas Besonderes bin. Dass ich das alles auch für meinen Freund war, auch nachdem sich seine Gefühle verändert hatten. Es ist ja nicht so, dass ich keine Bestätigung von aussen hätte oder unbedingt darauf angewiesen bin, um mich gut zu fühlen. Aber dieses Bewusstsein ist irgendwie immer noch nicht richtig verankert. Und die Beziehung zu meinem Freund hat mir diesbezüglich doch sehr viel abverlangt. Ich denke und hoffe, dass ich daran gewachsen bin.


Es war eine aufregende Zeit mit ihm und ich habe viel über mich gelernt. Ich möchte unsere Geschichte keinesfalls missen und ich blicke zurück ohne Bitterkeit. Vielleicht musste ich diese Freundschaft opfern, um mich weiterentwickeln zu können. Vielleicht mussten wir beide sie opfern, denn er hat nicht versucht, mich umzustimmen. Das ist traurig, denn unsere Beziehung hat mir viel bedeutet. Aber irgendwie fühle ich mich auch befreit. Es konnte so einfach nicht mehr weitergehen.




Am meisten bedaure ich, dass ich meinen Freund verletzt habe. Er fühlt sich von mir „abgesägt“. Er hat mir alles gegeben, was er mir geben konnte - bis auf das Eine. Und es war mir nicht genug... So ist meine Reaktion wohl bei ihm angekommen. Ich habe ihn enttäuscht und verletzt und das wollte ich nicht. Es war einfach eine Kurzschlusshandlung. Meine Seele hat dieses Wechselbad der Gefühle nicht mehr ausgehalten. Ich habe für einmal ganz egoistisch nur an mich gedacht.




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Ich weiss, dass Du das hier liest...

Du hast geschrieben, dass Du Dich nicht dafür entschuldigen kannst, dass Du nicht perfekt bist. So do I. Wir alle sind nicht perfekt. Aber wir sollten lernen, achtsamer miteinander umzugehen.

 
Es tut mir leid, dass ich uns nicht zugetraut habe, dass wir GEMEINSAM einen Weg finden, diese neue Welle zu überstehen. Letztlich ist unsere Beziehung wohl an der Kommunikation gescheitert. Es ist mir nicht gelungen, Dir verständlich zu machen, worum es mir eigentlich ging. Und das passiert ausgerechnet uns.



Ich bedaure es, dass wir unsere Freundschaft in den Sand gesetzt haben. Vielleicht kriegen wir nochmals eine Welle, die stark genug ist, uns beide mitzunehmen und an einen neuen Ort zu tragen. Wenn wir beide das wollen. Und ich spreche nicht von einer Insel! ;-)


Bisous platoniques!

Rosalie


 



Montag, 6. August 2012

Life Lessons: Mein bester Freund (1)

Wir trafen uns vor etwas mehr als einem Jahr. Beide waren wir auf der Suche nach einem Abenteuer. Das Schicksal – er würde es Zufall nennen – hat uns zusammengeführt. Ich für meinen Teil suchte einen „Ersatz“ für Mr. Charming, weil ich genug hatte von dieser unerfüllten Sehnsucht, die er ein Jahr zuvor in mir ausgelöst hatte. Ich glaubte nicht mehr daran, dass das Universum ein Einsehen mit mir haben könnte. Und ich war wohl auch auf der Suche nach Selbstbestätigung.

Das Universum lachte sich ins Fäustchen und beschloss, mir für meine Ungeduld einen Denkzettel zu verpassen: Es führte mich mit einem Mann zusammen, der so ziemlich in jeder Beziehung das komplette Gegenteil von meinem Mr. Charming war. Ich hatte von braunen Augen geträumt (Stichwort: Magic Moment...) und traf auf Mr. Blueeyes. Und das war noch die kleinste Differenz.

Obwohl er so ganz anders war als der Mann, den ich eigentlich gesucht hatte, begann ich mich für ihn zu interessieren, denn er hatte ein besonderes Talent: er konnte schreiben! Sein Schreibstil hatte es mir angetan und es entstand ein reger schriftlicher Austausch. Wir vertrauten uns Dinge an, die wir vermutlich noch nie jemand anderem geschrieben hatten. Und wir liessen uns auf ein Spiel ein, in dessen Verlauf wir immer mehr voneinander erfuhren. Wir fühlten uns wie Emmi und Leo. Er verkörperte Leos Ratio und Abgeklärtheit und ich konnte Emmi in Sachen Emotionalität problemlos das Wasser reichen… naja, ihr kennt mich ja.

Irgendwann landeten wir dann dort, wo wir von Anfang an eigentlich hinwollten und stellten fest, dass wir uns zu nahe gekommen waren. Zu viel emotionale Nähe, zu wenig Unverbindlichkeit für ein Abenteuer! Wir hatten aber auch alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, wenn man ein unverbindliches Abenteuer sucht... Ich war "hungrig" und sehnte mich nach der ultimativen emotionalen Nähe. Er hingegen kam durch dieses Erlebnis zur Räson und besann sich auf seine glückliche Ehe, die er keinesfalls gefährden wollte. Er zog die Notbremse...

Obwohl mein Verstand sein Vorgehen nachvollziehen konnte und ich für seine Reaktion Verständnis hatte, blieb bei mir ein schmerzliches Gefühl zurück. Eine gewisse Trauer, Enttäuschung, einfach ein ziehendes Gefühl in der Herzgegend, das extrem weh tat.

Er machte den Vorschlag, dass wir unser "Abenteuer" in eine platonische Freundschaft umwandeln sollten. Und ich hielt es ganz so, wie es der Mann mit Jahrgang 64 einmal so wunderbar formuliert hat: „Ich will die Freundschaft, die Du mir anbietest, gerne mehr, aber sicher nicht weniger.“

Ich weihte ihn in meinen Blog ein und wir begannen, täglich SMS auszutauschen. Irgendwann wurde unser SMS-Dialog so intensiv, dass ich gefühlte dreissig Mal täglich mein geheimes Zweithandy auf neue Nachrichten checkte. Wenn sein Nickname auf dem Display erschien, machte mein Herz einen kleinen Hüpfer, manchmal verspürte ich ein zärtliches Gefühl, wenn ich seinen Namen las und lange Zeit war es einfach nur gut. Es war ein gutes Gefühl, einen geheimen Freund zu haben, der einen durch den Alltag begleitete.


Das Besondere an unserem SMS-Austausch war für mich dieses Gefühl, dass wir eigentlich mehr sein wollten, als platonische Freunde, diesem Gefühl aus Vernunftgründen jedoch nicht mehr nachgeben wollten. Hin und wieder liessen wir es ein wenig zwischen den Zeilen durchschimmern und wir nannten uns zärtlich (platonische) "Gschpusis“.

Wir genossen die gegenseitige Aufmerksamkeit und ich gab mir Mühe, mich auf die platonische Freundschaft zu besinnen, wenn ich auch sporadisch von einer Sehnsuchts-oder Wehmutsattacke, wie ich sie nannte, heimgesucht wurde. Ihm ging es eine Zeitlang ebenso. Er konnte aber besser damit umgehen, weil er ja auf seine glückliche Ehe zurückgreifen konnte. Ich hingegen war allein mit meinen Träumen. Das war ein weiterer Grund, der seiner Ansicht nach gegen die Fortsetzung des (gemeinsamen) Abenteuers sprach.

Wir hatten über Monate einen so intensiven Austausch, dass ich mich gedanklich den ganzen Tag hindurch immer wieder mit ihm befasste. Ich habe unzählige Erinnerungen an eingehende SMS und weiss noch, wo ich war, als ich sie gelesen habe und wie es sich angefühlt hat. Dieses eine Wort, das er mir an einem Sommerabend simste, nachdem ich ihm geschrieben hatte, dass ich mich nach der Gartenarbeit jeweils aufs Schaukelbrett setze und durch die Lüfte schwinge: "Effi". Es lag so viel Zärtlichkeit in diesem einen Wort. Ich werde es nie vergessen.


Es gab Zeiten, da war er der erste Mensch, an den ich morgens nach dem Aufstehen dachte und abends der letzte, mit dem ich "sprach", bevor ich schlafen ging.


Aber die Medaille hatte auch eine Kehrseite: Ich war zuhause und teilweise auch am Arbeitsplatz gedanklich oft nicht mehr richtig präsent. Einerseits war da mein Blog und die geheime Mailbox, die meine Gedanken in Anspruch nahmen und anderseits natürlich mein Zweithandy, das meine Aufmerksamkeit erforderte resp. die Person, die es mit Nachrichten versorgte. Zudem musste ich immer Acht geben, dass die Kinder und vor allem mein Mann nichts davon mitkriegten und dass ich nicht versehentlich den Silentmodus deaktiviert hatte. Ich konnte mir kein neues Handy kaufen, das wäre zu auffällig gewesen und die Kinder hätten es garantiert entdeckt. So nutzte ich mein altes iPhone, dessen müder Akku alle paar Stunden aufgeladen werden musste. Eine ziemlich stressige Angelegenheit.

Solange mein Freund mir das Gefühl gegeben hatte, dass er mich begehrenswert fand, kam ich mit der Rolle der platonischen Freundin gut zurecht. Mein Selbstwertgefühl war in einem Hoch und unsere Beziehung verlieh mir positive Energie. Aber es war auch ein Balanceakt, weil diese Vertrautheit bei mir doch immer mal wieder den Wunsch nach noch mehr Nähe auslöste und so haderte ich manchmal damit, dass mein Freund so unglaublich vernünftig war...

Vor ein paar Monaten begann sich etwas zu verändern. Unser Umgang war vertraut und freundschaftlich und er war für mich da,  wenn ich seinen Rat brauchte. Aber diese spezielle "Essenz", die für unseren Austausch so wichtig gewesen war, das "Salz in der Suppe", hatte sich bei ihm irgendwie verflüchtigt. Das Wort "Gschpusi" verschwand fast gänzlich aus seinem Repertoire und ich hatte den Eindruck, dass meine ;-)-SMS immer öfter ins Leere stiessen...


(Fortsetzung folgt)

Freitag, 3. August 2012

1er août 2012

Den Schweizer Nationalfeiertag haben wir auf dem See verbracht. Zusammen mit Freunden. Das andere Paar ist in einer ähnlichen Situation wie wir und versucht, gute Miene zum "bösen" Spiel zu machen bzw. er versucht so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Meine Freundin fühlt sich ähnlich wie ich zur Zeit. Traurig und müde. Sie kennt meine Geschichte und ich die ihre. Zwischendurch lese ich auf meinem Handy, was die Bloggemeinschaft zum Thema "Andern weh tun" schreibt.

Ich bin froh, dass unsere Freunde an Bord sind. Ich bin nicht sehr gesprächig zur Zeit, aber mit meiner Freundin mag ich mich austauschen. Sie versteht mich. Wir sitzen zu zweit vorn am Bug auf dem Deck und reden, die Männer unterhalten sich am anderen Ende des Schiffs. Die vier Kinder sind beschäftigt und verbringen die meiste Zeit im Wasser, springen rein und raus, haben Spass.

Abendstimmung auf dem See
Mein Mann lässt mich in Ruhe. Wir haben vor ein paar Tagen über uns geredet und es läuft darauf hinaus, dass wir so lange es geht zusammen unter einem Dach wohnen werden, um den Kindern ein möglichst normales Familienleben zu ermöglichen und wir beide werden uns gewisse Freiheiten einräumen.

Sozusagen eine "offene" Beziehung light. Jeder hat einen bis zwei Abende für sich pro Woche und der andere stellt keine Fragen. Man kann erzählen oder nicht. Es wird sich zeigen, ob es funktioniert. Und parallel dazu eine Paartherapie.

So war mein 1. August. Den Abend haben wir im Hafen verbracht und vom Schiff aus zugesehen, wie die Gemeinde ein paar Zehntausend Franken in die Luft geschosssen hat und uns darüber moquiert, dass wir das farbige Schauspiel mit den überteuerten Hafengebühren wohl mitfinanziert haben. Die Stimmung war melancholisch. Die ganze Umgebung macht mich ohnehin immer noch sehr traurig. Zu viele Erinnerungen an früher, an meinen Vater. Die zweite Nacht auf dem Schiff.

In meinem Kopf kreisen die Gedanken. Ich versuche zu verstehen, was passiert ist, weshalb ich mich so traurig fühle und wieso alles so gekommen ist und werde hier bald darüber schreiben.


Feu d'artifice sur le lac