Sonntag, 12. August 2012

Ein seltsames Jahr

Dieses 2012 ist ein sehr seltsames Jahr. A year of changes. Ich habe den Eindruck, dass in diesem Jahr überdurchschnittliche viele Menschen vorzeitig sterben oder an Krebs erkranken. Und  noch nie sind in meinem Umfeld so viele langjährige Ehen und Partnerschaften auseinandergegangen oder im Scheitern begriffen wie in den letzten Monaten. Ich kenne eigentlich kaum ein Paar, das sich nicht entweder in einer Krise befindet oder bei dem einer der beiden Partner (heimlich) fremd geht.


Gestern waren wir mit einer befreundeten Familie auf dem See. Die Männer kennen sich seit Jugendzeiten. Wir sehen uns zwei, dreimal pro Jahr und gestern bot sich die Gelegenheit, mit der Frau ein sehr persönliches, fast schon philosophisches Gespräch zu führen. Wir sind uns vertraut, sprechen aber selten über sehr Persönliches, weil wir uns selten ungestört unterhalten können. Unser Segelschiff ist dazu ideal geeignet, weil es relativ gross ist. Die Männer sitzen im Heck, übernehmen abwechselnd das Steuer, die Kinder vergnügen sich unter Deck und wir Frauen haben einen Moment Ruhe und können uns auf dem Vorderdeck ungestört unterhalten. Das heisst natürlich nicht, dass wir nicht auch hin und wieder das Steuer übernehmen (im wahrsten Sinne des Wortes ;-)) aber es ist auch ganz angenehm, einmal die Verantwortung abgeben zu können und einfach nur zu sein, zu geniessen...




Irgendwie kann man gar nicht anders, als über das Leben nachdenken, wenn das Schiff über das glitzernde Wasser gleitet und man das Auge über die wunderschönen Landschaften am Horizont schweifen lässt. Wenn der warme Wind über Gesicht und Haare streift und man die Sonne auf der Haut spürt und das Plätschern des Seewassers am Rumpf des Schiffes einem irgendwie zur Ruhe kommen lässt. Man entspannt sich und die Gedanken beginnen zu fliessen.



Sie hat mir erzählt von einem Freund, mit dem sie oft solche Gespräche geführt hat. Sie seien sich ähnlich gewesen. Hätten beide viel über das Leben nachgedacht, vieles hinterfragt. Vielleicht deswegen, weil sie beide das selbe Sternzeichen gehabt hätten. Und dann habe er sich das Leben genommen. Einfach so. Das habe sie nachhaltig erschüttert. Ich frage sie nach ihrem Sternzeichen. "Zwilling!"  - "Ach! Du auch?!".  Ich lächelte. Ach so, deshalb. Zwillinge denken einfach zu viel nach...

Und dann hat sie mir erzählt, dass ihr Schwager seine Familie verlassen hat. Knall auf Fall. Er ist einfach ausgezogen und hat sich im selben Ort eine eigene Wohnung genommen. Hat die beiden Kinder im Schulalter, den Familienhund, das Einfamilienhaus und die konsternierte Ehefrau einfach zurückgelassen. Seine Frau sei aus allen Wolken gefallen und könne seit Monaten nur noch mit Medikamenten schlafen und ihren Alltag bewältigen. Ich bin sprachlos. Ich kenne die Familie. Er ist ein Ausbund an Pflichtbewusstsein und der Letzte, dem ich sowas zugetraut hätte.



Wieder eine Musterfamilie, die zerbrochen ist. Wieder ein Paar, von dem man es nie gedacht hätte, dass so etwas passieren kann. Eine sogenannte "Vorzeigefamilie". Man hätte sie für eine Bausparwerbung einsetzen können... Ihn hatte ich immer für einen besonders korrekten, eher "kleinkarierten" Familienvater gehalten, sie für die adrette Familienfrau, die Teilzeitbürojob, Kinder, Hund und Haushalt gekonnt unter einen Hut bringt. Vermutlich war es auch so, bis er die Idylle nicht mehr ausgehalten hat und ausgezogen ist. Er weiss anscheinend selbst nicht genau, weshalb er plötzlich dieses Gefühl verspürt hat, dass er keinen Tag länger so weitermachen kann...


Angeblich ist keine andere Frau ist Spiel. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht daran. Ich weiss ja aus eigener Erfahrung (und auch aus meinem Freundeskreis), dass eigentlich nur eine Begegnung mit einem anderen Menschen einen solchen Impact auf das eigene Leben haben kann, dass man Dinge, die jahre- und jahrzehntelang gut oder zumindest ok waren und funktioniert haben, einfach so in Frage stellt und aufgeben will. Bei mir war es mein "Magic Moment" mit Mr. Charming, der alles ins Rollen gebracht hat und ich bin mir sicher, auch dieser Mann hatte sein "Augenöffner"-Erlebnis.


Meine Freundin meinte, es wäre für die verlassene Ehefrau einfacher gewesen, wenn eine andere Frau im Spiel gewesen wäre bzw. er ihr davon erzählt hätte. So, wie sie die Trennung erlebt hat und aus allen Wolken gefallen ist, wird sie die "Schuld" am Scheitern ihrer Ehe zwangsläufig bei sich suchen. Sie wird sich fragen, was habe ich falsch gemacht, was hätte ich anders machen können. Aber vielleicht lag es gar nicht an ihr. Er hat einfach gemerkt, dass er so nicht mehr weitermachen kann.

Heute Morgen habe ich meinen Mann gefragt, ob er es wisse, dass X und Y sich getrennt haben. Sein Freund hat es ihm gestern auch erzählt. Ich habe ihn gefragt, ob er den Grund für die Trennung kenne... Er meinte, angeblich habe X genug davon gehabt, dass seine Frau ein "Huscheli" sei, das zu allem Ja und Amen sage. Er hätte sich eine starke Frau gewünscht. Eine, die ihm die Stirn bieten kann, die ihn herausfordert. Hmm... Ich bin erstaunt. Ich hätte sie anders eingeschätzt. Wobei... ja, sie hatte so was Liebes, Nettes. Aber durchaus auch selbstbewusst und emanzipiert. Eine attraktive Frau, stets gut angezogen. 

Seltsam, wie das Leben manchmal spielt. Vielleicht fand er es jahrelang gut, eine nette, pflegeleichte Frau zu haben. Und auf einmal ist alles anders... Ob sie wohl darüber gesprochen haben? Oder hat er geschwiegen, bis zu dem Tag, als er gemerkt hat, dass er sie nicht länger erträgt? Wie kam es, dass er auf einmal das Gefühl hatte, dass ihm nett und gut zu wenig ist? Eine typische Midlife Crisis vermutlich. Und sie hat ihn mit voller Wucht getroffen...



6 Kommentare:

  1. Uff, ja, das erschüttert. Aber es gibt die Fälle, in denen man ganz ohne anderen Mann (oder wie in diesem Fall andere Frau) gehen möchte. Bei mir war es so. Auch wenn das mein Exmann bis heute nicht glaubt.. ich hatte zu dem Zeitpunkt niemanden kennengelernt, sondern es einfach nicht mehr ausgehalten. Und auch ich bin sicher, dass niemand außer meinen beiden besten Freundinnen das überhaupt geahnt hat. Auch der Exmann nicht.. obwohl wir drei Jahre lang über unsere Ehe gesprochen hatten.. sich nichts geändert hatte.. Es kam für ihn genauso überraschend. In deinem geschilderten Fall finde ich es nur merkwürdig, dass der Mann einfach so gegangen ist, ohne zu versuchen, an der Situation etwas zu ändern. Oder hat diesmal einfach die Frau nichts ändern wollen? Und nichts wahrgenommen? Auch das soll ja vorkommen, wenn es auch ungewöhnlich ist.
    In meinem Umfeld gab es ein paar Ehen, die ich für absolut perfekt hielt. Nur eine davon hält das Versprechen noch (wobei ich dazu eine durchaus eigene Meinung habe, hoffentlich irre ich mich!). Eine zweite wird hoffentlich weiter halten, zumindest solange die Kinder noch im Haus sind. Was dann ist..? Mal sehen, ich bin sehr gespannt!
    Eine dritte schien mir absolut perfekt.. und eines Tages stand der Mann vor meiner Tür, absolut fassungslos, und erzählte, dass seine Frau mit Kindern und allen Möbeln über Nacht ausgezogen und verschwunden war. Später stellte sich dann heraus, dass der Mann psychisch ziemlich instabil war und die Frau immer mehr Angst vor ihm bekam - und die Notbremse gezogen hat.
    So kann es gehen.. und das Umfeld sieht nur, was es sehen möchte!
    Wahrscheinlich würde auch in deinem Umfeld absolut niemand ahnen, was hinter der perfekten Fassade so passiert.... oder?
    Wahrscheinlich bekommen wir aber erst einen Blick für so etwas, wenn wir selbst bereit für Veränderungen sind.
    Liebe Grüße!

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  2. Irgendwie verliert man ein bisschen den Glauben daran, dass eine Ehe wirklich ein Leben lang halten kann. Von aussen sieht immer alles toll aus. Interessant war, dass die verlassene Frau ihrer Schwägerin den Eindruck vermittelt hat, dass sie nicht weiss, weshalb ihr Mann sie verlassen hat und dass sie aus allen Wolken gefallen ist, während er seinem Bruder gesagt hat, dass er mit ihrer Art bzw. ihrem Charakter nicht mehr klar gekommen ist. Wie so oft ist wohl auch diese Beziehung an fehlender Kommunikation gescheitert und irgendwann ist es dann einfach zu spät... Oder vielleicht hat sie die Botschaft einfach nicht gehört bzw. hören wollen.

    Unsere Fassade ist gegen aussen auch intakt, wobei enge Freunde wissen, wie es um unsere Ehe bestellt ist und auch mein Mann hat inzwischen mit zwei Freunden darüber gesprochen. So ein Segeltörn unter Männern ist eine feine Sache... Da beginnen selbst erfolgreiche Manager plötzlich über persönliche Dinge zu sprechen, die sie sonst unter dem Deckel halten...

    Liebe Grüsse und guten Wochenstart!

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  3. Liebe Rosalie,

    du hast das Foto noch ein Stück weiter anonymisiert ;-) Vorher wars auch schön! (mir entgeht nix)
    So einen Tages-Segelausflug stelle ich mir wunderbar erholsam vor. Ich kenne es nur 7-10 Tage am Stück, wo die Crew irgendwann explodiert (Streit!!!)

    Mit dem Reden im Freundeskreis ist das so eine Sache – alle sind untereinander befreundet, das heißt wenn ich mit einer Freundin von einem befreundeten Pärchen rede, dann redet sie mit ihrem Mann und der dann mit meinem Mann ... deshalb glaube ich wird unter bekannten Freunden/Pärchen oft nicht geredet.
    Meine beste Freundin war schon erschüttert, als ich ihr einige wenig Details aus dem Beziehungsleben gestand, ein paar Verhaltensweisen meines Partners die mich kränken. Sie wusste im ersten Moment gar nicht damit umzugehen.

    Eine Freundin wurde Mann mit den Worten überrascht "Ich möchte die Scheidung". Sie: "Warum?!" Er: "Ich liebe dich nicht mehr"
    Sie hat sich daran zermartert, zu verstehen, warum, wie, was ...
    Ja und was war: 6 Monate nach der Trennung wurde er Vater. Mit einer anderen.

    Wenn ich eines einem Mann NIE glauben werde, dann die Worte
    "Weil ich dich nicht mehr liebe".

    Das finde ich sehr, sehr ehrlich:
    "Ehrlich gesagt, glaube ich nicht daran. Ich weiss ja aus eigener Erfahrung (und auch aus meinem Freundeskreis), dass eigentlich nur eine Begegnung mit einem anderen Menschen einen solchen Impact auf das eigene Leben haben kann, dass man Dinge, die jahre- und jahrzehntelang gut oder zumindest ok waren und funktioniert haben, einfach so in Frage stellt und aufgeben will."

    Ich hätte gerne, das es nicht so wäre, wenn es bei mir mal zur Trennung kommt. Weil ich finde, dass es anders rum einfach nobler ist. Ich will nicht zur breiten Masse der A****löcher zählen, die es anders nicht geschafft haben, vom Partner loszukommen.
    Wie gesagt: ich finde das sehr ehrlich von dir. Und ich glaube, dass du Recht hast!

    Dein Blog ist so einladend, ich bin froh, dass du schreibst!

    liebe Grüße,
    Daniela

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  4. Liebe Daniela

    Dass Du das bemerkt hast mit dem Foto! I'm impressed!

    Ja, wenn man herausfinden will, ob man mit dem Partner harmoniert, dann sollte man gemeinsam einen Segeltörn unternehmen! :))

    Amazing, was Du schreibst! Dass Du es einem Mann nie glauben würdest, wenn er sagt: "Ich liebe Dich nicht mehr!". Aber ich denke, Du hast recht. Männer tun sich schwer damit, eine Frau zu verlassen, solange das "Nest" in Ordnung gehalten und die Wäsche gemacht wird. Auch wenn keine Liebesgefühle mehr da sind, sind die meisten Männer doch loyal, vor allem wenn gemeinsame Kinder im Spiel sind. Und es ist ja so viel bequemer, sich eine Geliebte zu suchen, als einen Schlussstrich zu ziehen und einen eigenen Haushalt zu führen, wenn Mann nicht mehr zufrieden ist.

    Wobei das für beide Geschlechter gilt. Ich denke schon, dass es in den meisten Fällen einen Impact von aussen gibt (Frau Vau ist vielleicht die Ausnahme, welche die Regel bestätigt), wobei das nicht heisst, dass man den Partner wegen dieser anderen Person verlässt. Diese andere Person ist oft nur ein Augenöffner und steht nicht zur Verfügung für eine neue Alltagsbeziehung. Man realisiert aber durch eine solche Begegnung, was in der eigenen Partnerschaft nicht mehr stimmt oder vielleicht sogar nie gestimmt hat, was man eigentlich möchte und was nicht mehr und irgendwann trennt man sich. Nicht für einen neuen Partner, sondern für sich selbst!

    Es berührt mich, dass Du meinen Blog einladend findest und ich danke Dir sehr für Deine Treue! Deine Kommentare sind immer wieder ein Aufsteller für mich! Das motiviert mich, weiterzumachen!

    Alles Liebe,
    Rosalie

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  5. Warum nur reden die Menschen nicht mehr miteinander? Wenn man sich "ganz plötzlich" aus einer langjährigen Beziehung verabschiedet, bedeutet das doch ganz klar: eine echte Vertrautheit, eine wahre, aufrichtige Freundschaft hat da schon lange nicht bestanden - falls überhaupt jemals.

    Und dann das von "Anonym" angesprochene Thema gemeinsamer Freunde, die im Grunde verhindert, dass man überhaupt noch mit jemandem ernsthaft spricht. Ist das nicht ein Elend? Warum so viele Paare dazu neigen, über kurz oder lang nurmehr "als Paar" zu existieren, werde ich nie verstehen! Mein Liebster hat eigene Freunde, genau wie ich die meinen habe - EINZELNE Freunde (mit und ohne Beziehung/Ehe), nicht "Paare", die alles nur zusammen machen. Allein die Tatsache, dass ein Freund eine Frau hat, macht mir diese ja nicht automatisch zur Freundin. Und mit meinem Liebsten kann er auch nicht unbedingt was anfangen - nur so als Beispiel.

    Würden sich Paare mehr Eigenleben zugestehen, wäre das Loch nicht so tief, in das man bei Trennung dann fällt.

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    1. Hallo Claudia!
      das war wohl missverständlich von mir formuliert: ich meinte nicht, dass man keine "eigenen" Freunde hat, sondern dass Paare gegenseitig oft nicht wissen, wie es um die Ehe der anderen bestellt ist, weil man als Paar sich über kurz oder lang mit dem anderen Paar anfreundet, sprich auch wenn die Frau zuerste meine Freundin war, wurde ich über die Jahre mit ihrem Mann befreundet und mein Mann, der weder die Frau noch den Mann kannte, freundet sich über die Jahre auch mit ihnen an. Vor allem: man ist sich gegenseitig wohl gesonnen und würde die Freundin zwischen Stühle setzen, wenn man ihr anvertraute, dass man fremdgegangen ist. Oder sonst Probleme hat. Weil was macht sie dann mit dem Wissen? Sie sieht das nächste Mal wieder mich und meinen Mann und darf nix sagen ...
      Das möchte ich den Freunden/befreundeten Paaren doch ersparen.
      Am Ende endet alles wie bei der Ehe in Caché. Hoffentlich nicht!

      liebe Grüße, Daniela

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