Samstag, 22. September 2012

Gedanken über virtuelle Freundschaft und heimliche Liebe



Beim nächtlichen Surfen bin ich vor ein paar Tagen bei der  Schattentänzerin über eine grossartige Post-Trilogie gestolpert, die mich sehr bewegt hat.

Es hat mich in Teilen an meine eigene Geschichte erinnert und gewisse Gefühle wieder an die Oberfläche befördert. Gefühle, die ich in letzter Zeit sorgsam unter dem Deckel gehalten habe und von denen ich gehofft hatte, dass sie sich nun endlich still halten und Ruhe geben würden. Aber es ist noch einmal vieles hoch gekommen und ich habe es mir von der Seele geschrieben und neue Erkenntnisse gewonnen. Im schriftlichen Austausch aber auch durch das niederschreiben selbst. Ich habe dieses Post verfasst, es in den Entwürfen belassen und immer wieder darüber nachgedacht. Ich habe es x-mal geändert und vieles gelöscht und nun meine neusten Erkenntnisse, die ich durch die Vorkommnisse der letzten Tage gewonnen habe, einfliessen lassen. 

Was die Schattentänzerin in ihrer Trilogie beschreibt und die schonungslose Analyse und die Art und Weise, wie sie das Geschehene reflektiert, hat mich tief beeindruckt. Es geht um eine Partnerschaft, die in Schieflage geraten war, um die heimliche virtuell-platonische Liebe zu einem verheirateten Mann  und um einen Verehrer, der zunächst virtuell und schliesslich auch im realen Leben die Funktion des Seelentrösters bzw. "Sinnfinders" übernommen und schlussendlich das Ende der Partnerschaft besiegelt hat. Es geht um all diese Themen, die uns so beschäftigen: um langjährige Partnerschaften, die nicht mehr erfüllend sind, um heimliche Lieben, unerfüllte Sehnsüchte, Moral, Treue, Konventionen, offene Beziehungen und alles, was damit zusammen hängt. 

Die Schattentänzerin wirft viele Fragen auf, die ich mir auch gestellt habe und teilweise immer noch stelle. Fragen, auf die ich keine Antwort gefunden habe, die mich haben zweifeln (und zeitweise auch verzweifeln) lassen. 

Regelmässige Leser meines Blogs wissen, dass es in meinem Leben bis vor ein paar Wochen auch eine heimliche "Liebe" gab. Ich setze das Wort in Anführungszeichen, weil ich nicht wirklich weiss, ob es eine Liebe war, obwohl es nie eine hätte sein dürfen. Oder ob es einfach eine zeitlich begrenzte besondere Freundschaft war. Ich habe meine eigene Geschichte zum Thema "virtuelle Freundschaft und heimliche Liebe" vor ein paar Wochen in meinen beiden Posts Life Lessons aufgeschrieben. 

Vielleicht ist dieses Post hier der Versuch einer Nachbetrachtung. Aber ich tue mich sehr schwer damit. Weil ich vieles bis heute nicht genau verstehe. All die Fragen, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe und wohl auch nie eine finden werde, weil ich diese Beziehung bis heute nicht richtig einordnen kann. Ich weiss, dass sie mich seit nunmehr 15 Monaten beschäftigt und dass diese Beziehung bzw. dieser Mann über viele Monate ein fester Bestandteil meines Alltags war, wenn auch die meiste Zeit davon nur in virtueller Form! 

Aber was war er eigentlich für mich? Was war ich für ihn? Was war das eigentlich für eine seltsame Beziehung? War es Liebe? Wenn ja: einseitig oder gegenseitig?  Oder habe ich mich einer Illusion hingegeben und all meine Sehnsüchte auf eine Person projiziert, die in der Realität so gar nie existiert hat? Und wieso konnte ich diese Beziehung so lange nicht beenden, obwohl ich doch gemerkt habe, dass sie mir längst nicht mehr gut tat und dass ich das, was ich gesucht und ersehnt hatte, nicht bekommen würde? Und weshalb hat das so weh getan, als es zu Ende war? Weshalb hat mich das Ende und die Art und Weise wie die Beziehung geendet hat, so tief erschüttert? Wieso ist mir das alles derart nahe gegangen, dass mein Herz im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Takt geraten ist? So viele Fragen...

In der  Zwischenzeit hat die Schattentänzerin ein weiteres Posting über die heimliche Liebe aufgeschaltet und ihre persönliche Nachbetrachtung und die Post-Trilogie über die heimliche Liebe ist etwas vom besten und hilfreichsten, was ich zu diesem Thema bisher gelesen habe.  Sie erwähnt in ihren Texten auch zwei Bücher, deren Lektüre  ihre Handlungsweise beeinflusst und damit den weiteren Verlauf des "Dramas" mitbestimmt  haben.



Eines davon ist das Buch  

"Die heimliche Liebe" von Wolfgang Schmidbauer 

Der Autor schreibt unter anderem folgendes: 

„Die heimliche Liebe kann gelingen, das ist weder unmoralisch noch unmöglich. Aber eine Einschränkung gilt doch: Die heimliche Liebe setzt, nicht anders als der konstruktiv gelebte Ehealltag, ein Mindestmaß an Reife, an Vernunft, an Bereitschaft voraus, Grenzen zu akzeptieren und sich in menschliche Belastungen einzufühlen. Sie wird riskant, wenn sie versucht, sich wichtiger zu machen als die Hauptbeziehung, und nur zustande kommt, indem diese entwertet wird.“
„Die heimliche Liebe ist weder ganz gut noch ganz böse, sondern eine gemischte Erfahrung für das Paar – aufgedeckt wie nicht aufgedeckt. Nicht aufgedeckt, bietet sie dem einen Partner seinen ersehnten Freiraum, eine Möglichkeit, Neues zu erleben oder alte Erlebnisse aufzufrischen, die (gemessen an der Realität des Paares) nur ihm gehören. Er kehrt erfrischt, entspannt, bereichert an den gemeinsamen Tisch und in das gemeinsame Bett zurück, um so ausgeprägter, je weniger ihn Schuldgefühle plagen und je mehr er von Herzen überzeugt ist, dass das, was er tut, zwar von ihm verantwortet werden muss, aber allein in seiner Verantwortung liegt.

Andererseits geht dem ‚öffentlichen‘ Partner Zeit verloren, wird ihm Libido entzogen, wird ihm vielleicht eine erotische Steigerung vorenthalten, die in der heimlichen Liebe besser gelingt, weil in ihr kein Alltag beschwert. Die Fluchtmöglichkeit kann dazu führen, dass der heimlich Liebende mit mehr Stabilität und Ausdauer seine feste Beziehung führt, als es ihm sonst möglich wäre; sie kann aber auch dieser Beziehung so viel Energie entziehen, dass zu wenig davon übrig bleibt. Gerade die Unsicherheit, ob die nützlichen oder schädlichen Aspekte für die öffentliche Beziehung überwiegen, ist in der heimlichen Liebe groß.“
Der Autor spricht hier explizit von Liebe. Es geht also um eine heimliche (Neben-)Liebe ausserhalb der Ehe oder Partnerschaft und nicht um eine unverbindliche Bettgeschichte, die man ohne Herzschmerz wieder beenden kann. Aber gilt das auch für platonische Beziehungen in der virtuellen Welt? 

Ich habe mich in der Vergangenheit oft gefragt, ob man für einen virtuell-platonischen Schreibfreund genauso starke Gefühle empfinden kann wie für einen realen Geliebten. Und ob ein intensiver schriftlicher Gedankenaustausch nicht zwangsläufig darauf hinausläuft, dass sich irgendwann eine Zuneigung entwickelt in deren Verlauf sich eine Sehnsucht nach körperlicher Nähe einstellt. Und ob eine intensive platonisch-virtuelle Beziehung wirklich nicht den selben Stellenwert hat wie ein realer Seitensprung, wenn der Sex nicht real stattfindet, sondern  "nur" in virtueller Form ausgelebt wird. 

Ich bin zum Schluss gekommen, dass es letztlich gar nicht relevant ist, ob es sich um eine virtuell-platonische Liebe oder Beziehung handelt, die von der grossen emotionalen Nähe lebt, die durch den intensiven Gedankenaustausch  entsteht, oder um eine Affäre im "klassischen" Sinne. Die Reaktion des Lebenspartners der Schattentänzerin auf die Offenlegung der virtuell-platonischen Beziehung zu ihrem "Geschichtenerzähler" zeigt, dass der Vertrauensmissbrauch  genauso stark empfunden wird wie bei einem realen Seitensprung. In gewisser Weise vielleicht sogar noch stärker, weil es nicht bloss um die Befriedigung des Sexualtriebs geht.

Die Schattentänzerin schreibt dazu folgendes:


"Ich hatte zwar keine sexuelle Affäre, sondern nur eine virtuell-platonische, doch in ihrem emotionalen Gehalt und ihrer Bedeutung stand diese einem echten Seitensprung in nichts nach, zumal mir vollkommen klar war, dass mein Partner niemals damit einverstanden gewesen wäre, dass ich den Kontakt zu jenem anderen Mann nach unserem Abschied im Frühjahr heimlich wieder aufgenommen hatte."


Aufgrund meiner eigenen (schmerzhaften) Erfahrungen habe ich grossen Respekt vor solchen virtuell-platonischen Affären, bei denen Sex ein Thema ist. Man kann sich gefühlsmässig weit stärker darin verstricken als einem lieb ist.

Gefährlich wird es dann, wenn eine solche Beziehung nicht von beiden aus der selben Motivation heraus eingegangen wird und vor allem wenn die beiden Beteiligten letztlich nicht das Gleiche suchen und/oder wenn einer der beiden Partner nicht wirklich "frei" ist. 

Wenn der schriftliche Austausch in Form von Mails, SMS oder Chat auf gleicher Augenhöhe stattfindet und man auf ein Gegenüber trifft, das einem intellektuell herausfordert, entsteht eine "trügerische" Nähe. Ich habe es gerade wieder in den letzten Tagen erlebt im Chat mit Paul, den ich ja seit 23 Jahren nicht mehr gesehen habe und auf der Strasse vielleicht sogar auf Anhieb nicht mehr erkennen würde und auch im Austausch mit einem Mann, über den ich noch sehr wenig weiss. 

Im schriftlichen Austausch neigt man dazu, viel von sich preiszugeben und Einblick in sein Seelenleben zu gewähren. Tiefer als man das in der Regel im Gespräch mit einer Affäre zu tun pflegt, die man im realen Leben kennenlernt und die von einer metaphysischen Anziehung lebt. 

Wenn man das Pferd jedoch von hinten aufzäumt, sich also in der virtuellen Welt kennenlernt, sich schreibend nahe kommt und dann erst im real life zusammen im Bett landet, dann hat das eine ganz andere Qualität und einen anderen Impact als ein unverbindliches Sexabenteuer. So habe ich es empfunden.

Wenn der schriftliche Austausch täglich stattfindet und man sich gedanklich so intensiv mit seinem Gegenüber beschäftigt, läuft es meines Erachtens quasi unweigerlich darauf hinaus, dass man sich verliebt, denn eine gewisse Anziehung oder eine Faszination oder sowas wie eine Seelenverwandtschaft ist in einer solchen virtuellen Beziehung immer vorhanden, sonst würde man die Lust am intensiven Austausch bald einmal verlieren. Und wenn eine solche Affäre über viele Monate hinweg Bestand hat, verliert man irgendwann sein Herz an das virtuelle Gegenüber und man empfindet Liebe, auch wenn man das Gefühl lieber als Zuneigung, Sympathie oder Freundschaft bezeichnet. Das geschieht unmerklich und schleichend und plötzlich ist es zu spät. Dann macht sich Sehnsucht breit und es wird immer schwieriger, sich abzugrenzen. 

Aber letztlich projiziert man diese ganzen unerfüllten Sehnsüchte und sexuellen Phantasien auf ein virtuelles Gegenüber, das man nicht wirklich richtig kennt. Das Gegenüber mutiert zu einem Avatar-Partner, der in einer Scheinwelt existiert, ist aber in Tat und Wahrheit ein Mensch aus Fleisch und Blut, der  irgendwo geografisch mehr oder weniger weit entfernt auf der Erde ein Doppelleben führt und vielleicht gerade mit seiner Ehefrau und den Kindern am Frühstückstisch sitzt. 

Diese starke emotionale Nähe und Vertrautheit kann so trügerisch sein! Man geht automatisch davon aus, dass das Gegenüber genauso empfindet. Genauso stark empfinden muss! Und zeitweise hat man sogar das Gefühl, dass man mit ihm sprechen kann wie mit sich selbst. Und das kann sich irgendwann als schmerzvoller Trugschluss herausstellen... Denn eines sollte man sich bewusst sein: man kennt diesen anderen Menschen nicht wirklich! Man kennt zwar seine innersten Gedanken, seine Träume und Phantasien - aber sein Alltagsgesicht bleibt einem verborgen. Oder man kennt es viel zu wenig. Und das führt dazu, dass man sein Gegenüber auf seine Gedankenwelt "reduziert" und idealisiert! Es entsteht ein Idealbild, das dem realen Menschen nicht standhält, nicht standhalten kann!

Vielleicht empfindet man deshalb unbedachte und unachtsame Bemerkungen so stark, weil man dieses abgeklärte Idealbild im Kopf hat und nicht wirklich weiss, in welcher Alltagssituation oder in welcher seelischen oder körperlichen Verfassung sich das Gegenüber gerade befindet? 

Man interpretiert oft falsch. Wie soll man denn wissen, dass das Gegenüber gerade total im Stress ist oder sich krank fühlt, wenn nichts davon in den schriftlichen Austausch einfliesst?

In meinem Fall führten kurze persönliche Treffen, die jeweils kaum länger als ein, zwei Stunden dauerten insbesondere in den Anfängen unserer Beziehung zu einer gewissen Irritation! Mein reales Gegenüber strahlte nicht die selbe Vertrautheit aus, die mir seine Nachrichten auf meinem Handydisplay vermittelte. Vielleicht schenkte ich diesem Gefühl zu wenig Beachtung... aber die Irritation hielt sich jeweils nur so lange, bis das nächste SMS eintraf: und dann war sie wieder zurück: Die alte Vertrautheit, die mir im Rückblick so trügerisch erscheint. Erst ganz am Schluss unserer Beziehung fühlte ich diese Vertrautheit auch dann, als wir physisch Zeit miteinander verbrachten.

Eine solche Beziehung zu unterhalten, erfordert von beiden Partnern ein hohes Mass an Verantwortungsbewusstsein, Aufmerksamkeit und vor allem Achtsamkeit. Und letztlich ist dies wohl eine Überforderung für alle Beteiligten. In der Realität ist es allzu oft so, dass diese Beziehungen in Schieflage geraten, weil ein Ungleichgewicht entsteht und einer der beiden Partner sich überlegen fühlt und das ist in der Regel derjenige, der in einer stabilen Partnerschaft lebt und ein geringeres Liebesbedürfnis hat. Und diese vermeintlich stärkere Position wird gerne (bewusst oder allenfalls auch unbewusst) ausgenutzt und der schwächere Partner wird verletzt oder brüskiert. Und gerade weil es in diesen virtuellen Beziehungen eine so starke emotionale Nähe gibt, sind solche Verletzungen besonders schmerzhaft und gehen an die Substanz.

Ich habe in meinem Leben sexuelle Beziehungen bzw. Partnerschaften geführt, die mehrere Monate gedauert haben und die ich nicht annähernd so intensiv erlebt habe wie diese virtuell-platonische Beziehung, die kürzlich zu Ende gegangen ist. Und die Gefühle nach dem Ende der virtuellen Beziehung sind so viel stärker als diejenigen, die ich nach dem Zerbrechen gewisser realer "Liebesbeziehungen" empfunden habe. Das hat mir sehr zu denken gegeben.


Der intensive tägliche Austausch mit meiner heimlichen "Liebe" hat bei mir dazu geführt, dass ich mich noch mehr von meinem Ehemann entfernt habe. Sie hat meiner Ehe wohl den Todesstoss versetzt. Nicht nur deshalb, weil mich meine heimliche Beziehung viel Zeit gekostet  und mich gedanklich absorbiert hat, sondern weil ich erkannt habe, dass es zwischen Mann und Frau eine emotionale Nähe geben kann, die ich so noch nie erlebt hatte. Ausser vielleicht damals in meinen jungen Jahren mit Paul, mit dem mich die  Leidenschaft für das Schreiben verband. 

Man sollte sich bewusst sein, worauf man sich einlässt, wenn man eine virtuelle Beziehung eingeht. Anfangs ist man cool und steht über den Dingen. Frei nach dem Motto "alles kann, nichts muss"... und überhaupt ist doch alles ganz "unverbindlich"! Aber es wäre naiv zu glauben, dass man sich der Faszination einer solchen Beziehung längerfristig mit der notwendigen Distanz widmen kann. Und irgendwann wird aus Faszination ein Gefühl von Zuneigung. Aber diese Liebe projiziert man auf einen Menschen, den man nur oder zumindest hauptsächlich im virtuellen Alltag erlebt... und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass diese Verbundenheit den Herausforderungen des echten Lebens gewachsen sein wird. 


Und eines ist klar: Der Ehepartner des glücklich verheirateten Gegenübers wird immer an erster Stelle stehen und im Ernstfall wird eine heimliche Liebe von heute auf morgen beendet und man besinnt sich einseitig auf die anfängliche Unverbindlichkeit zurück. Die Person, die alleine zurückbleibt, fühlt sich im Stich gelassen und diese ganze innige Verbundenheit ist mit einem Schlag nichts mehr wert und es entsteht eine innere Leere und ein Schmerz, der einen in den Grundfesten erschüttert. 

Von einem virtuellen Idealbild Abschied zu nehmen ist genauso schwierig, wie sich von einem realen Partner zu trennen. Vielleicht sogar noch schwieriger... Denn selbst wenn die nüchterne Betrachtung der Umstände es einem leichter machen müsste, die Vergangenheit loszulassen, neigt man doch immer wieder dazu, das Idealbild aufrecht erhalten zu wollen. Täte man dies nicht, müsste man sich eingestehen, dass man sich in seinem Gegenüber getäuscht hat und seiner eigenen Wahrnehmung nicht länger vertrauen kann. Und diese Erkenntnis ist so schmerzhaft, dass man sie lieber verdrängt, weil sie nur schwer auszuhalten ist. 

Vielleicht hinkt der Mensch mit seiner Wahrnehmungsfähigkeit diesen blitzschnellen modernen Kommunikationsmitteln (Mail, SMS, Chat) hintendrein und ist letztlich mit der virtuellen Welt überfordert, wenn es um uralte menschliche Grundbedürfnisse wie die Sehnsucht nach Nähe und Liebe geht...



Freitag, 21. September 2012

Das volle Leben


Der vergangene Mittwoch war mal wieder so ein Tag, der in die Kategorie "das volles Leben" fällt! Intensiv, anstrengend und aufregend!

Nach einer kurzen Nacht mit Kopfschmerzen aufgewacht. Kaffee, Joghurt, Dafalgan.

Kinder geweckt, beim Frühstück den Inhalt der Schultheks kontrolliert, diverse Blätter signiert, (ja, ja ich weiss, das könnte man theoretisch am Vorabend erledigen...), zwischen Tür und Angel schnell noch Strubbelhaare notdürftig gebürstet, beim rausgehen die „Milchschnäuze“ abgewischt und die Kinder auf den Schulweg geschickt. Frühstück weg- und Küche aufgeräumt, Geschirrspüler angeworfen, dies und das noch weggeräumt.

Fussballschuhe und Tibia-Schoner für das Fussballturnier vom Abend zusammengesucht, Indoor-Sportsachen für den Kindergeburtstag vom Nachmittag (findet in der Turnhalle statt) und das am Vorabend last-minute besorgte Geschenk für das Geburtstagskind in die Fussballtasche gepackt.

Geduscht, Haare gebürstet, Gesicht eingecremt, Schmuck angelegt, 2-3 mal umgezogen, mich angezogen und alle „lebensnotwendigen“ Utensilien inkl. Airbooklein und iPhone-Ladekabel in die Handtasche geschmissen (böse Zungen würden sie als "Weekender" bezeichnen). Aus dem Haus gestürmt und losgefahren. Unterwegs die Fussballtasche bei der Schwiegermama deponiert und während diversen Rote-Ampel-Stopps das Augenmakeup vervollständigt.

Mit 8 Minuten Verspätung im Büro angekommen und damit begonnen, das Dringendste zu erledigen. Nebenbei Telefonate mit drei verschiedenen Müttern geführt, um den „freien“ Mittwochnachmittag der Kids aufzugleisen und Schwiegermama zu briefen. (Kindergeburtstag kollidiert terminmässig mit Juniors privatem Französischunterricht, beginnt jedoch erfreulicherweise um die gleiche Zeit und findet in der gleichen Ortschaft statt wie der Klavierunterricht der Tochter. Genauen Zeitpunkt und Austragungsort des ausnahmsweise an einem Mittwochabend angesetzten Fussballturniers in Erfahrung bringen und Schwiegermama das Feintuning delegieren (wer fährt welche Kinder wann von A nach B und holt sie wieder ab).

Kurz vor dem Mittag noch ins Büro von Freundin M. reingeschaut und länger als beabsichtigt hängengeblieben. Spannendes Gespräch!

Mit ÖV zum Termin beim Therapeuten gefahren und 5 Minuten zu spät just in time dort eingetroffen. Einmal mehr ein sehr gutes, sehr entspanntes Gespräch. Der Therapeut scheint sich regelrecht auf meine Besuche (und meine neusten Erlebnisberichte...) zu freuen! Es geht doch nichts über Selbstironie und Galgenhumor... Wir haben viel gelacht. Er ist sympa und macht einen kompetenten Eindruck. Schade, dass die Sitzung nur 45 Minuten dauert!

Keine Zeit für Lunch und auf dem Rückweg ins Büro auf dem Handy die Mailaccounts gecheckt. Das Date vom Abend ist geplatzt, was ich mit Bedauern aber auch mit Erleichterung zur Kenntnis nehme. 

Kurzfristig umdisponiert und nach Arbeitsschluss mit Freundin M. ins Apéro gegangen. In einer urchigen Quartierbeiz gelandet und gut gegessen. Zum Kaffee ist Freundin S. dazu gestossen und wir haben über Männer und das Leben philosophiert! Ein richtig guter Frauenabend!

Kurz vor Mitternacht nach Hause gekommen, ein paar Worte mit dem Gatten gewechselt, erleichtert festgestellt, dass das Ehebett voll besetzt ist, zwei (auf meiner Betthälfte) schlummernde Kinder geküsst und mich ins Mädchenzimmer zurückgezogen.

iPhone ans Ladekabel gesteckt und beinahe schon auf Flugbetrieb umgestellt.... Oh!   Eine Chatanfrage!


23.59 h: online?

Es ist Paul! Er hängt mit seinen Studentinnen in einer Bar an der spanischen Küste rum, trinkt Mojitos und hat Lust auf Chat. Moi aussi!


Paul spricht französisch und hat mich kürzlich auf FB angeschrieben. Vor ein paar Tagen haben wir zum ersten mal gechattet. Paul ist eine verflossene Liebe aus meinem real life...

Ich setze mich mit meinem Airbooklein auf Piccolinas rosarotes Himmelbett und wir schwelgen ein wenig in alten Erinnerungen... 


00:36 h:  Rauchst Du eigentlich? (er spricht etwas deutsch)

00.37 h:   Je n'embrasse pas les filles qui fument...

Haben wir damals eigentlich geraucht? Oder habe ich erst später damit begonnen? Bin mir nicht mehr ganz sicher. Aber wir haben beide geraucht. Und im Jahr 2000 beide damit aufgehört. Er am 1. Januar und ich an Weihnachten. 

Nach zwei oder drei Mojitos:


01:13 h:     Je me 
demande pourquoi je n'ai pas fait 
                    l'amour avec toi...


Oh! Diese Frage habe ich mir auch oft gestellt! Warum habe ich damals eigentlich nicht mit ihm geschlafen? Was hat mich davon abgehalten, den ersten Schritt zu tun? Und wieso hat er gewartet, dass ich ihn tue? Ich werde darüber schreiben. Bald! Über die Geschichte von Rosalie und Paul.


Ich werde meine alten Tagebücher zu Rate ziehen. Und seine Briefe lesen! Ich hab sie alle aufbewahrt (und weiss sogar noch wo!;-)) Ich erinnere mich an seinen Abschiedsbrief. Es hat weh getan, als er gegangen ist. Und ich habe den Glauben an die Liebe verloren.




Er hat mir wunderschöne Briefe geschrieben, damals, vor vielen Jahren. Briefe aus seiner Heimatstadt und aus der Karibik. Dünne Luftpostumschläge mit exotischen Marken, abgestempelt irgendwann 1988/89...

Er hat sie alle aufbewahrt, meine Briefe. Wir werden sie beide mitnehmen und sie uns zusammen anschauen, wenn wir uns treffen. Ich werde lesen, was ich damals gefühlt habe und umgekehrt! Es wird eine Reise in die eigene Vergangenheit! Und in unsere gemeinsame Vergangenheit...


Ich habe ihm verraten, dass ich blogge... Und ich habe ihn gefragt, wie ich ihn nennen soll, wenn ich über ihn schreibe... Er will "Paul" sein. Nach seinem Lieblingsdichter: Paul Eluard.

Paul ist ein verrückter Kerl. Unkonventionell. Ein Rebell. Und er schreibt Gedichte...

Bald gibt's hier mehr von Paul... Aber zuerst werde ich ein anderes Post aufschalten. Ich musste mir noch etwas von der Seele schreiben. Aber es ist noch nicht reif. Es geht um virtuelle Freundschaft und heimliche Liebe. Vielleicht werde ich es am Ende doch für mich behalten. On verra...


Irgendwann nach zwei Uhr hat die Bar geschlossen. Ich hab das Licht gelöscht und bin eingeschlafen. Im rosaroten Himmelbett. Um 07.06 bin ich aufgewacht. Um 08.58 war ich im Büro. Zwei Minuten zu früh! :-)

Und wer jetzt verzweifelt nach dem roten Faden auf Rosalies Blog sucht, ist bestimmt in guter Gesellschaft! ;-)



Samstag, 15. September 2012

Wie findet man den passenden Seelentröster?

Inzwischen bin ich soweit, dass ich jedes mal denke "Oje, nicht schon wieder!", wenn ich meinen Mail-Account öffne und die Mitteilung angezeigt wird, dass eine neue Nachricht auf mich wartet! Oder zwei, drei oder mehr neue Nachrichten... 

Der 11. September war bisher rekordverdächtig! Weiss der Geier, was an diesem Tag für eine seltsame Planetenkonstellation geherrscht  hat. Oder vielleicht hatte es etwas mit "9/11"  zu tun und die Herren haben sich gedacht, dass man ja schliesslich nie weiss, was noch alles passieren kann und wie viel Zeit einem noch bleibt, und dass man besser in jeder Hinsicht Vollgas geben sollte, bevor man von der Bühne "abtreten" muss...

However, und ich möchte ja zu gerne wissen, ob es normal ist, dass man als Frau so viele Anfragen kriegt... Oder ob es daran liegt, dass überproportional viele  Männer bei langhaarigen blonden Frauen mit sinnlichen Rundungen ein Kribbeln verspüren...? ;-) Und da ich zwei Sprachregionen angekreuzt habe, kriege ich jede Menge Anfragen aus der französischen Schweiz. 

Trotzdem bin ich ein bisschen "ernüchtert", was die Qualität der Anfragen angeht. Es bleibt gerade mal eine Handvoll Kandidaten übrig, bei denen ich Lust auf ein persönliches Treffen (casual coffee...) verspüre. Der überwiegende Teil der Männer schreibt auf einem Niveau, das mich einfach nicht anspricht. Wobei...  manchmal gerate ich in ein Dilemma und stelle mir die Frage, ob ich damit nicht vielleicht einen liebevollen, zärtlichen und begabten Liebhaber "verpasse" oder vorschnell "ausmustere", bloss weil er nicht schreibt wie ein "Philosophieprofessor"... In einem Fall habe ich auf meinen Bauch gehört und eine Ausnahme gemacht. ;-)

Das bringt mich auf eine Idee! Ich könnte eigentlich hier spontan eine Umfrage starten: 



Liebe Leserinnen! 

Wenn Ihr Euer Liebesleben Revue passieren lässt... welche Männer waren die begabtesten Liebhaber? 


a) Typ Kopfmensch. Hat eine höhere Bildung, weiss sich schriftlich gut auszudrücken und denkt viel nach.

b) Typ  Handwerker. Weiss seine Hände geschickt einzusetzen, ist eher unkompliziert und hat wenig Berührungsängste.

c) Typ Ingenieur. Ein intellektueller Handwerker.

d) Typ Künstler. Chaotisch, zuweilen egozentrisch.

e) Alles Quatsch. Bildung und Beruf sind irrelevant. Es ist der Charakter, der zählt!

f) .... ?


Und nun bin ich sehr gespannt, ob sich jemand traut, ein Votum abzugeben! Für einmal gerne auch anonym! :-))



Hach! Wer so aussieht, kann unmöglich
ein schlechter Liebhaber sein!
Welche Frau könnte ihm widerstehen...?


P.S. Der Post-Titel "Begabter Liebhaber gesucht" war irreführend und ich habe ihn deshalb angepasst. Gesucht wird in erster Linie ein Seelentröster und wenn er in der Lage ist, mir das zu geben, was ich suche und das von mir anzunehmen, was ich zu geben habe, kann er gar kein "unbegabter" Liebhaber sein... 


Donnerstag, 13. September 2012

Experiment "unverbindliche Verabredung" (1)

Das Experiment, einen passenden "Seelentröster" zu finden, ist aus den Fugen geraten! 

Innerhalb von drei Wochen sind mehr als 60 (!) Kontaktanfragen eingegangen! Und es  nimmt kein Ende!  Das ist echt zuviel des Guten!

Nun, es sind zum Glück ein paar Anfragen darunter, die ich ohne Skrupel unbeantwortet löschen kann... Ein paar Beispiele gefällig? Originalgetreu zitiert!
 

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1. Kandidat: Zwilling, Ende 40, gebunden: auf der Suche nach einem knisternden Abenteuer

"mmhh verheiratet, melde Dich doch, was Du gerne möchtest"

 Mein Faible für Zwillinge endet dort, wo der schriftliche Austausch an gewisse Grenzen stösst... Delete.

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2. Kandidat: Widder, Anfang 40, single: auf der Suche nach einem knisternden Abenteuer, möchte sich über Erotik und andere Themen austauschen und seinen Horizont erweitern, Erotischer Austausch per E-Mail

"Ficken?"

Der Mann hat sich den sinnigen Nickname "MalSchauen" gegeben. Sehr subtile Anfrage, wenn auch etwas wortkarg... Ich überlege noch, ob ich ihm eine ebenso subtile Antwort senden soll.


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3. Kandidat: Stier, Mitte 30, single: auf der Suche nach einem knisternden Abenteuer
"bonjour puis-je vous écrire pour pouvoir faire connaissance avec vous ?"

Sorry, guter Mann, aber wenn mein Französisch besser ist als deins, habe ich kein Interesse... Delete.

 * * * * * * * * * * * * * *
4. Kandidat: Stier, Mitte 40, gebunden: auf der Suche nach einem knisternden Abenteuer, möchte sich über Erotik und andere Themen austauschen und seinen Horizont erweitern, Erotischer Austausch per E-Mail

"Hallo
bist du eine Wildkatze
viele Grüsse x"

  Désolée, aber ich bin etwas old fashioned und lege Wert auf Satzzeichen. Und "Wildkatzen- und Schmusekaterjargon" löst bei mir eine virtuelle Katzenallergie aus... Delete.


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5. Kandidat: Waage, Ende 40, single: auf der Suche nach einem knisternden Abenteuer, möchte sich über Erotik und andere Themen austauschen und seinen Horizont erweitern.

"Hallo, ich bin xyz. Ich habe ein Foto für Dich freigeschaltet. Möchtest Du auch ein Foto für mich freischalten?
(Standard-Anfrage mit drei Antwortmöglichkeiten: Ja, Nein, Vielleicht.) Und dann gleich noch ein individueller Nachschlag:

"Hoi., wenn ich dir gefälle..;)..möchte ich mit dir auf..


xy.Z(at)xyz.ch

Weiter schreiben... MfG xyz"


"Tolles" Foto... Schade, dass ich es hier nicht posten kann. Und wenn ich den Bildschirm nach rechts kippe, sitzt der Mann im grün-weiss-gestreiften Strandkorb aufrecht, aber das macht die Sache leider nicht besser! Immerhin ist er angezogen. Keine Ahnung, wie er wirklich aussiehst. Verwackelte Weitwinkelaufnahmen sind als Profilfoto nur bedingt geeignet... Die Antwort lautet: Nein! Ich möchte mein Foto nicht freischalten! Delete.

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6. Kandidat: Fisch, Anfang 50, single: auf der Suche nach einem knisternden Abenteuer, möchte sich über Erotik und andere Themen austauschen und seinen Horizont erweitern, Erotischer Austausch per E-Mail

"Hoi! du wirkst spannend....! Ich reize gerne das Gefährliche....es würde mich deshalb freuen, wenn wir uns etwas näher kennenlernen könnten. Ich bin gerne in der Natur wo ich mich bei Gelegenheit auch zeige und schaue ;-) Ausserdem bin ich zärtlich, verwöhne gerne und bin sehr lustvoll.....was machst du gerne?

Herzliche und freche Grüsse

xyz"

 Der Mann nennt sich "Nature-Man" und hat durchaus attraktive Gesichtszüge. Aber wenn ich richtig interpretiere, ist er ein bekennender Exhibitionist und ein Voyeur obendrein! Nicht mein Fall! No, thanks.Delete.

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Das war eine kleine Auswahl aus dem Sammelsurium der eingegangenen Kontaktanfragen...

Glücklicherweise gibt es auch andere! ;-)
 
Ich habe heute den Kundendienst des Kontaktportals per Mail gebeten, die Weiterleitung meiner Kontaktdaten an neue Kandidaten zu unterbrechen. Die Antwort kam postwendend:

Vielen Dank für Ihre Nachricht.

Das ist ein automatischer Vorgang, den wir nicht stoppen können.
 

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen

Ihr X-date Team


Dann werde ich mal versuchen, die Spreu vom Weizen zu trennen und meinen Account wieder zu löschen!




Montag, 10. September 2012

Casual dating

Wenn man sich damit auseinandersetzt, gängige Moralvorstellungen über Bord zu werfen und nicht länger eine brave Ehefrau zu sein, die auf ihren (guten) Ruf achtet, und schicksalhafte Begegnungen im "real life" nicht ausgelebt werden können, stolpert man zwangsläufig früher oder später über den Begriff "casual dating".

Ja, was heisst denn nun eigentlich casual genau?  Im Englischen hat dieses Wort folgende Bedeutungen:  zufällig, gelegentlich, gleichgültig, beiläufig, zwanglos, flüchtig, leger, ungezwungen, lässig, salopp, beiläufig.

Im Spanischen gibt's das Wort ebenfalls und es bedeutet: zufällig oder gelegentlich.

Im Deutschen wird das englische Wort oft im Zusammenhang mit einem Modestil verwendet  (Dresscode: casual) aber weitaus häufiger wird es umschrieben mit: "Alles kann, nichts muss...!" und das bezieht sich natürlich auf eine Tätigkeit, die wir als "Casual Dating" bezeichnen.  "Dating"... wieder so ein englisches Wort, das sich in unseren Sprachgebrauch eingeschlichen hat und das wir immer selbstverständlicher verwenden, wenn wir von einer Verabredung oder (wie sich unsere Grosseltern auszudrücken pflegten) von einem "Rendez-vous" sprechen.

Womit wir beim Thema wären. Es geht um unverbindliche Verabredungen. Casual Dates. Eines der einschlägigen Portale umschreibt seine Existenzberechtigung wie folgt:


"Casual Dating könnte man mit "Alles kann, nichts Muss" oder noch besser mit "Beziehung ohne Verpflichtung" erklären. Millionen von Menschen praktizieren intuitiv "Casual Dating" - schon seit Jahren. Sie führen eine innige Beziehung und sind sich doch im Klaren darüber, dass diese auch nur für kurze Zeit sein kann. Frei nach dem Motto: Alles Kann, nichts Muss."

Aha. Millionen von Menschen! Echt?! Das wusste ich nicht! Und wie kann denn eine Beziehung gleichzeitig "innig" und dennoch "unverbindlich" sein? Erstaunlich! Oder ist nur das Kennenlernen unverbindlich? Ach so, ja: Auch innige Beziehungen haben anscheinend ein Ablaufdatum und werden irgendwann "entsorgt". Und das natürlich im gegenseitigen Einvernehmen, war ja schliesslich alles ganz unverbindlich und wer was anderes erwartet hat, ist ein Narr. Schöne, neue Beziehungswelt...

"Das Singledasein ist für viele eine Lebenseinstellung geworden und wird auch gesellschaftlich akzeptiert! Das bedeutet nicht, dass ein Single kein erotisches Verlangen hat. Im Gegenteil, der Single sucht gezielt und öfter als Paare nach diesen Momenten. Was er sucht ist ein Casual Date und genau das liefert C-Date."

"Auch für Paare kann ein Casual Date genau das Richtige sein. Wenn die Beziehung etwas "eingeschlafen" ist, sorgt ein kleines Abenteuer in Form eines Casual Dates für ein neues Aufflammen und für eine lang anhaltende und erfüllte Partnerschaft."


Aber sicher doch! Nichts belebt eine langjährige Beziehung nachhaltiger als ein kleiner Seitensprung. Vor allem wenn er auffliegt... Und das war's dann mit der langjährigen "erfüllten" Partnerschaft... Wenn sie sich wieder einstellt, ist das wohl die Ausnahme, welche die Regel bestätigt... 

"Ein One-Night-Stand ist abgedroschen und hat speziell für Frauen einen sehr negativen Beigeschmack. Casual Dating auf der anderen Seite ist frei vom zeitlichen Horizont, denn beim Casual Dating kann ein "One-Night-Stand" so oft wiederholt werden wie Mann/Frau mag. Der negative Beigeschmack und das oft "schuldige" Gefühl danach treten nicht auf, denn jeder weiss vorher, dass es sich um eine lockere Beziehung handelt."


Ok, das lass ich gelten! 

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Nach dieser Beschreibung kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass eigentlich Krethi und Plethi auf der Suche nach einem casual date ist  und wer in diesem Zirkus nicht mitmacht, verpasst was und ist selber schuld. Also nichts wie hin...


Es ist ganz einfach: Man surft ein wenig im Internet, landet auf einem der bekannten Portale und eröffnet aus einer Laune heraus ein Profil. Man beschreibt sich mehr oder weniger wahrheitsgetreu  (Statur, Haarfarbe, Haarlänge, Augenfarbe, sexuelle Vorlieben, etc.), schummelt je nach dem etwas bei der Grösse, bei der Statur oder beim Alter und erstellt den Steckbrief des Wunschpartners. Und der grosse Computer im Hintergrund mischt dann die Karten und spielt Schicksal und unterbreitet den Suchenden gegenseitig geeignete Kontaktvorschläge.


Während man früher im realen Leben morgens beim Brötchen holen noch darauf hoffen musste, dass der attraktive Junggeselle aus dem Nachbarhaus auf dem Velo zufällig zur selben Zeit in der selben Strasse unterwegs war, um ihm ein vieldeutiges sehnsüchtiges Lächeln zu schenken, geht das heute unglaublich einfach und man bekommt die geeigneten Kandidaten auf dem Präsentierteller serviert. Jeder und jede weiss, worum es eigentlich geht: Um Sex. Kein langes um den heissen Brei herumreden wie im real life. Nein, das Ziel ist klar. Eigentlich.


Und weil ja alles so schön unverbindlich ist, kommt man "zwanglos" ins Gespräch, schickt einander zum Teil bereits vordefinierte Nachrichten (ein Vorteil für Menschen, die sich schriftlich nicht ausdzudrücken wissen oder mit der Orthografie auf Kriegsfuss stehen) und wenn der auserwählte Kandidat die ersten Hürden erfolgreich genommen hat (schriftlicher Ausdruck, Orthografie, Originalität...), verrät man ihm in der Regel die geheime Mailadresse, die man extra zu diesem Zweck angelegt hat und tauscht persönliche Informationen und bald einmal auch geheime Wünsche und Sehnsüchte aus, von denen meist nicht einmal der langjährige Lebenspartner eine Ahnung hat. Eigentlich komplett crazy, wenn man es sich recht überlegt...


Und eigentlich weiss man von diesem anderen Menschen gar nichts und muss darauf vertrauen, dass das Bild, das er von sich selber zeichnet, authentisch ist. Man könnte theoretisch mit einem vorbestraften Kinderschänder korrespondieren oder dem berüchtigten Dorfcasanova oder einem Betrüger auf den Leim gehen. Es könnte sein, dass der charmante Mann in Wahrheit eine Frau ist, die einen an der Nase herumführt oder dass es dem Gegenüber nur darum geht, seine Neugierde zu befriedigen. Das ist der Nachteil in der virtuellen Welt. Es gibt keine "Referenzen" und kein Ruf, der einem voraus eilt und man weiss letztlich nicht, mit was für einer Person man es wirklich zu tun hat. In der Regel findet man es mit der Zeit heraus.  Aber nicht immer rechtzeitig.


Und wenn wir den Gedanken weiterspinnen, so sind die Begriffe "zwanglos" und "unverbindlich" zwar sehr verlockend im Zusammenhang mit Dating, aber im Grund der Dinge sind sie für das, was viele Menschen (und insbesondere Frauen!) auf diesen Portalen suchen, doch irgendwie komplett untauglich. Sicher gibt es Männer, denen es nur darum geht, wieder einmal Sex zu haben, ohne dafür bezahlen zu müssen und Frauen, die sich vernachlässigt fühlen und es einfach wieder einmal brauchen.  Aber ich bin sicher, es gibt auch eine nicht zu unterschätzende Zahl von Menschen, die insgeheim Sehnsüchte haben und trotz aller Unverbindlichkeit doch irgendwo (vielleicht sogar unbewusst) die Hoffnung hegen, auf diesem Weg den einen Menschen zu finden, der zu ihnen passt und der sie glücklich macht. Und wenn sich sowas abzeichnet, ist Schluss mit unverbindlich und casual, weil dann Gefühle ins Spiel kommen. Gefühle, die man eine gewisse Zeitlang "under control" halten kann, und die dann plötzlich eine Eigendynamik entwickeln, die sich nicht länger steuern lässt. Und dann wird es plötzlich kompliziert und nicht selten endet eine solche "Beziehung" in einem Desaster aus Herzschmerz, Enttäuschung und Desillusionierung.


Es ist und bleibt ein Spiel mit dem Feuer, dieses "unverbindliche" daten. Und wenn man nicht aufpasst, kann man sich ganz schön die Finger verbrennen. Und  ehe man sich's versieht, rutscht man im englischen Wörterbuch zwei Zeilen nach unten und landet beim Begriff "Casualty". Auf deutsch: "Opfer"! 

Aber wir wollen den Teufel mal nicht an die Wand malen. Ich vertraue mal auf mein Bauchgefühl und darauf, dass mir das Universum wohlgesinnt ist, denn die Abenteuerlust ist stärker als die Vernunft. Und es gibt hier auch keinen charmanten Nachbarn, dem ich beim Brötchen holen "zufällig" über den Weg laufen könnte... 

To be continued... ;-)



Ist er der, der er vorgibt zu sein?


















Sonntag, 9. September 2012

Spätsommermelancholie



Gestern habe ich endlich wieder einmal im Garten gearbeitet. Er ist ziemlich verwildert und ich habe lange nichts mehr gemacht. Mit der Gartenarbeit ist es so eine Sache... Man hat Zeit zum Nachdenken. Viel Zeit. Und nachdenken macht mich zur Zeit nur melancholisch und traurig.

Vorher...


Es ist einfacher, sich in Aktivismus zu stürzen. Ablenkung zu suchen...

Ich habe ein Profil eröffnet auf einer Kontaktplattform. Das geht ja ganz leicht. Als Frau hat man es da einfach und muss nichts bezahlen. Ein paar Klicks und 10 Minuten später eröffnet sich eine neue Welt. 

Nach einer Woche hatte ich so viele Anfragen von einsamen Männern, dass ich gerade etwas überfordert bin und alles in Frage stelle. Was will ich eigentlich? Was suche ich genau? Nun, es gibt sicher etliche Männer, denen es so geht wie mir. Sie sind lange verheiratet und irgendwie einsam. Suchen ein wenig Zuwendung, Zärtlichkeit und Leidenschaft. Aber es gibt auch erstaunlich viele Singlemänner, die anscheinend kein Problem damit haben, sich auf eine verheiratete Frau einzulassen. 

Wie soll ich da bloss die Spreu vom Weizen trennen? Viele haben mir aus der französischen Schweiz geschrieben und diese Sprache ist so charmant und kennt so viele wunderbare Ausdrücke, so dass es schwer ist, sich als deutschsprachige Frau diesem Charme zu entziehen und zu beurteilen, ob es sich lohnt, sich darauf einzulassen.



Nachher...

Eigentlich suche ich ja gar kein oberflächliches Abenteuer. Anderseits sehne ich mich nach intensiven Gefühlen, die alles überdecken und die Vergangenheit "übermalen" und mir doch nicht so nahe gehen, dass es weh tut, wenn es vorbei ist... 


Und da sind ja noch diese realen Kontakte, die in den letzten Wochen plötzlich wieder in mein Leben getreten sind und mich dazu gebracht haben, meine vernachlässigte FB-Seite etwas zu aktualisieren resp. zu reaktivieren.

Aber irgendwie bin ich nur halbherzig dabei. Keine Ahnung, wo das hinführen wird und ob ich diesen Weg weiterverfolgen soll.  Heute überwiegt Melancholie.


Freitag, 7. September 2012

Highlights der Woche

Es gab verschiedene Highlights in der vergangenen Woche und dazu gehörten unter anderem ein langes philosophisches Telefongespräch und die folgende Bemerkung: 

"Also, falls Sie ein Buch schreiben, würde ich es mir ganz bestimmt kaufen. Also ein Exemplar hätten Sie dann schon mal verkauft bzw. einen ersten Leser haben Sie schon mal auf sicher..."


Das sagte der Mann zu mir, der mir von berufswegen zuhört, wenn ich mein Herz ausschütte, als er mich nach dem 45-minütigen Gespräch zur Tür hinaus begleitete! Ich hatte ihm erzählt, dass ich am liebsten den ganzen Tag schreiben würde, wenn ich es mir leisten könnte.

Ich habe ihm kürzlich ein paar meiner Blogposts  gemailt  (nur den Text, ohne die URL oder den Namen meines Blogs zu verraten), damit ich gewisse Dinge nicht erzählen muss. Zum Beispiel den Text vom Tag, als mein Vater starb. Und ich habe ihm so einiges aus meinem Leben erzählt und ich musste schmunzeln, als er grosse Augen machte... Und zwischendurch mussten wir beide herzhaft lachen.  Ich über mich (Galgenhumor...) und er über meine grenzenlose Gutmütigkeit.


Und wenn ich es mir recht überlege, habe ich doch schon ziemlich viel erlebt in meinen 43 Jahren Lebenszeit!  

Seltsamerweise melden sich in letzter Zeit resp. in den letzten paar Wochen plötzlich "Geister" aus meiner Vergangenheit zurück! Menschen (Männer!), die in meinem Leben irgendwann eine Rolle gespielt haben und mit denen ich seit 25 resp. 30 Jahren quasi keinen Kontakt mehr hatte. Plötzlich schreiben sie mir (FB...) oder laufen mir zufällig in der Stadt über den Weg. Was das wohl zu bedeuten hat? 


Ich werde darüber berichten, sobald ich Zeit und Musse finde...

Ob sich gewisse Kreise wieder schliessen? Läuft vielleicht mein "Lebensührchen" demnächst  ab? 
Seltsame Zufälle. Viellleicht sollte ich damit beginnen, meine Autobiografie zu schreiben... ;-)





Mittwoch, 5. September 2012

Ein abgelegter Ehering

Heute morgen vor Schulbeginn das Wohnzimmer hektisch nach einem funktionstauglichen Kugelschreiber abgesucht, nachdem Junior in letzter Minute ein Formular aus dem Schulrucksack gezaubert hatte, das es kurz vor Schulstart noch auszufüllen galt. Und schliesslich im Bürozimmer des Gatten fündig geworden.

Und neben dem Schreibzeug zwischen allerlei Quittungen und Papier folgendes Objekt gesichtet: Ein schlichter Platinring.

Ich habe ihm den Ring vor gefühlten zwanzig Jahren einmal an den Finger gesteckt. Ihr erinnert Euch? Habe unlängst darüber berichtet. OK, es war vor dreizehn Jahren. Hmmm... Sollte mir das zu denken geben?

Ich war etwas erstaunt. Kurz irritiert und... das war's. Kein Stich ins Herz. Statt dessen meldete sich meine innere Stimme: "Nun gut. Du hast es ja darauf angelegt. Du hast es so gewollt. Hat er heute Nachmittag nicht diese gesellschaftliche Veranstaltung?..."

Jep. Ich habe es so gewollt. Ich beklage mich ja gar nicht. Wie lange der wohl schon dort liegt? Ich habe gar nicht bemerkt, dass er ihn nicht (mehr?) trägt. Nun ja, vielleicht hat er zugenommen und der Ring ist zu eng. Oder hat er abgenommen - und er ist zu weit? Schwer zu sagen...

Ich sollte mich mal wieder achten. Ich war (bin) sehr mit mir selbst beschäftigt in letzter Zeit...

Vielleicht will er testen, wie die Damenwelt auf einen erfolgreichen Geschäftsmann reagiert, der kein "Fangeisen" trägt...  Auf jeden Fall hat er den Ring nicht abgelegt, weil er böse auf mich ist. Er fordert den abendlichen Kuss (ein flüchtiges Lippenberühren) nach dem Nachhausekommen seiner- oder meinerseits nach wie vor ein. Soviel "Normalität" muss sein.



Dienstag, 4. September 2012

Beste Freundinnen


Es geht doch nichts über ein gutes Gespräch mit der besten Freundin! 

Ich habe vier "beste" Freundinnen! Und wenn ich sie brauche, sind sie für mich da. Und vice versa. :-)

Manchmal kommt man in einer Sache mit dem Verstand einfach nicht weiter und das gilt es zu akzeptieren. Manches lässt sich erst rückblickend verstehen. Mit der notwendigen Distanz.

Ich habe so viel Potential und ich kann alles erreichen, was ich will. Ich muss es nur wollen und ich muss daran glauben. Ich muss an MICH glauben. 

Wenn ich es mir recht überlege, bin ich keine Pechmarie. Nein, M. hat recht: Ich bin ein Glückskind! 

Danke für dieses Gespräch! :-)

Und jetzt werde ich vorwärts schauen und aus dem Vollen schöpfen!







P.S. Ich freue mich über neue LeserInnen! 
Herzlich willkommen!