Freitag, 26. Oktober 2012

Back home im Nebel

Wieder zu Hause! Unglaublich, wie sich die Natur innerhalb von wenigen Tagen verändert hat. Die Blätter der Gehölze und Stauden haben sich verfärbt und beginnen zu fallen. Auf dem Nachbargrundstück steht neuerdings ein Baukran, der daran erinnert, dass die idyllische Aussicht gen Westen in den kommenden Wochen verbaut werden wird. Der hartnäckige Nebel passt zu der melancholischen Szenerie...


Ich habe ein lästiges Urlaubssouvenir mit nach Hause gebracht, das mich gleich nach der Ankunft ausser Gefecht gesetzt bzw. ins Bett befördert hat. Ägpytische Bazillen stehen auf Kriegsfuss mit der einheimischen Darmflora und obwohl ich das lokale Wundermedi eingesetzt habe, hat mein Körper mit Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen reagiert. Husten, Hals- und Lungenschmerzen inklusive. Aber die homöopathischen Mittel haben Wunder gewirkt und heute geht es mir schon wieder so gut, dass ich zur Arbeit fahren konnte.


Das war wohl meine letzte Reise in das Land am Nil. Überhaupt habe ich die Nase voll von Flugreisen. Diese ganze Warterei, die trockene Luft im Flugzeug, das ungute Gefühl, wenn ein komisches Geräusch ertönt oder irgendwas rattert oder die Maschine in Turbulenzen gerät und nicht zuletzt diese ganzen Sicherheitsbestimmungen, die wohl notwendig aber letztlich vor allem mühsam sind - nein, das kann mir alles einstweilen gestohlen bleiben.




Viel lieber packe ich meine Reisetaschen ins Auto und fahre nach Südfrankreich.


Aber vorerst gilt es die kalte Jahreszeit zu überstehen. Die kommenden Wochen und Monate werden nicht einfach sein und den Feiertagen sehe ich mit einem mulmigen Gefühl entgegen...



Ich trage mich mit dem Gedanken, mich nach einer Wohnung umzusehen, obwohl ich mir immer noch nicht sicher bin, ob ich es bereuen werde, wenn ich das Haus aufgebe oder ob es eine Befreiung sein wird. Aus dem gemeinsamen Haus auszuziehen ist zwar ein ungeheuerlicher Gedanke, aber auf Dauer kann es so nicht weitergehen.


Die Ehetherapie steht auch noch immer im Raum und einige meiner Kommentatorinnen sind ja der Ansicht, dass eine solche Therapie auch dann (oder besonders dann?) Sinn macht, wenn man sich trennen will. Wobei mein Mann kaum gewillt sein wird, Geld für Therapiestunden auszugeben, wenn keine Hoffnung auf ein Revival der Ehe besteht. Ich werde  ihn bei Gelegenheit darauf ansprechen...

Freitag, 19. Oktober 2012

Déjà-vus am Roten Meer

Tag sechs in Egypt. Vieles ist seltsam vertraut. Das selbe Zimmer wie im Vorjahr, teilweise die selben Kellner, der selbe freundliche Gärtner, der die Sträucher vor der Terrasse in Form schneidet und natürlich Ali, unser Golflehrer vom letzten Jahr. Er hat sich gleich an uns erinnert und wir haben wieder ein "six-hours-family-package" gebucht und schmunzeln über das vertraute "wooonderfuuul", wenn mal wieder ein Schlag gelingt und der Golfball in die gewünschte Richtung fliegt und noch dazu in der Nähe des avisierten Lochs liegen bleibt... Ich habe vor einem Jahr ein Post über mein "Golfdebüt" geschrieben.

Selbst die Gesichter der Ladenbesitzer sind ein déjà-vu. Zweimal war ich vor einem Jahr im Kipling-Shop in der Marina von El Gouna und habe mir die Nylontaschen des belgischen Labels angesehen, mich fünf Minuten lang mit dem Verkäufer unterhalten und letzlich nichts gekauft. Alle Taschen und Accessoires waren mit Fixpreisen angeschrieben. Ziemlich teuer für Taschen aus Nylon wie ich fand. Der Verkäufer war mir schon damals (positiv) aufgefallen durch seine freundliche, respektvolle und zurückhaltende Art und weil er gut englisch sprach. Ein liebenswürdiger Mann Mitte dreissig mit einem ehrlichen Gesicht. Einmal hatte ich ihn noch gesehen, als ich am Strand nach Muscheln gesucht habe und er dort vollständig bekleidet auf einem Stein sass und eine Pause machte. Wir haben uns freundlich zugenickt und ich erinnere mich noch an seinen Blick. Es war eine Mischung aus Interesse und Melancholie, respektvoll und unaufdringlich. Er hat mich gleich wiedererkannt, obwohl wir uns nur dreimal kurz gesehen haben! Nun ja - ich ihn ja auch... Auf meine erstaunte Bemerkung hin meinte er lächelnd, dass Swiss people eben etwas Besonderes seien. However... :-)

Der Zufall wollte es, dass ich eine Woche vor der Abreise nach Ägypten in einem Schweizer Warenhaus über eine grosse Kipling-Handtasche "gestolpert" bin, die ich einfach haben musste! Meine Tochter meinte anerkennend, dass diese Tasche (vor allem auch von der Farbe her) sehr gut zu mir passen würde und so fühlte es sich an. Als ob sie schon immer zu mir gehört hätte. Praktisch, gross genug für mein Mäcli (my tiny MacBook Air) und eine ganze Menge anderer nützlicher Dinge, die ich im Alltag so mit mir herumtrage, casual und dennoch chic (die metallische Farbe macht's aus!) und bequem. Sie lässt sich über der Schulter tragen, ohne dass die Henkel ständig abrutschen. 125 Franken habe ich in der Schweiz dafür bezahlt. In Ägypten kostet sie umgerechnet um die 166 Franken! Und so werde ich dem freundlichen Ladenbesitzer wohl auch dieses Jahr leider nichts abkaufen...

Das Begrüssungsapéro mit dem Hotelchef fand am zweiten Abend statt und was er erzählte, stimmte uns nachdenklich und traurig. Er sieht keine rosige Zukunft für Sawiris Lebenswerk "El Gouna". Die Lage der Kopten in Ägypten wird zunehmend schwieriger und El Gouna wirkt wie eine pittoreske leblose Kulisse... Man sieht Taxi- und Tuktuk-Fahrer, Männer in Arbeitskleidung, Uniformierte, hin- und wieder Geschäftsmänner aber keine "normalen" Menschen, die hier dauerhaft wohnen und leben und nur wenige Touristen. Überall wird Werbung gemacht für den Erwerb von Wohneigentum... Die meisten Tische in den hübschen Restaurants am Yachthafen bleiben abends leer. Die Hotels sind nur zur Hälfte ausgelastet und die Shopbesitzer langweilen sich...

Diese Reise musste bekanntlich verdient sein. Ich habe ja darüber berichtet. Wie nicht anders zu erwarten war, sind die vermissten Identitätskarten am Tag vor der Abreise wieder zum Vorschein gekommen. Sie waren in den Reiseunterlagen vom letzten Jahr und mein Mann hat sie in seinem Büro gefunden, als er die Zertifikate vom Golfkurs gesucht hat... Zweimal hatte ich ihn gefragt, ob er wirklich GRÜNDLICH in seinem Büro gesucht habe! Es hat mich wütend gemacht... Diese ganze ID-Suche und die Konsequenzen der erfolglosen Suche haben mich so viel Zeit und Energie gekostet...

Es wird wohl unsere letzte Reise nach Ägypten sein. Vielleicht sogar die letzte gemeinsame Reise als Familie und Ehepaar. Ich hatte lange gezögert, ob wir diese Reise zusammen nochmals machen sollten und ich habe ja erst vor etwa vier Wochen meine Meinung geändert und kurzfristig eingewilligt... Der Grund für mein Zögern liegt auf der Hand: Im Alltag kann man sich in die Arbeit flüchten und sich ziemlich gut aus dem Weg gehen. Es gibt Tage, da sehen wir uns kaum. Aber in den Ferien sind wir fast ständig zusammen und in dieser schönen Umgebung wird mir der ganze brach liegende Bereich meines Lebens noch schmerzlicher bewusst. Ich ertappe mich dabei, wie ich mir vorstelle, wie schön es wäre, hier mit einem Partner Urlaub zu machen, den ich liebe und/oder begehre... Händchen haltend mit einem Cocktail oder mit einem Gläschen Sherazade-Weisswein den Sonnenuntergang zu bewundern und sich auf einem bequemen Loungesofa aneinanderzukuscheln. Und dann Hand in Hand durch die Marina zu schlendern, zusammen ein Tuk-Tuk zu besteigen, auf der rasanten Rückfahrt ins Hotel den fürsorglich um meine Taille gelegten Arm zu spüren, seine Wärme, seine Nähe zu fühlen und die wachsende Lust... und sich darauf freuen zu können, sie im Hotelzimmer gemeinsam auszuleben! Ja, ich gebe es zu... Ich sehne mich nach einer Schulter zum Anlehnen, nach Geborgenheit, Nähe und Leidenschaft.

Wie lange ist das her, dass ich das letztmals erlebt und gefühlt habe... Zwölf Jahre? Mindestens! Vermutlich länger. Mit meinem Mann geht das nicht mehr. Wir sind längst schon kein Liebespaar mehr und daran wird sich nichts mehr ändern. Ich sehne mich nach einem anderen Mann. Ich muss handeln. Bald! Ich will nicht mehr länger nur davon träumen, während ich auf der Rückbank des Tuk-Tuk den Arm um die Tochter oder den Sohn lege.

Vor einem Jahr habe ich mir hier diese Gedanken schon gemacht. Es ist viel passiert in der Zwischenzeit. Es gibt nun diese Vorher-Nachher Zeitrechnung. Das Ereignis, das am 16. April mein Leben und das meiner ganzen Familie in den Grundfesten erschüttert hat. Als ich vor einem Jahr hier in Ägypten gewesen bin, hat er noch gelebt, mein Vater. Vorgestern wäre er 69 geworden. Ich hätte ihm ein Geburtstags-SMS geschrieben und vermutlich hätten wir ihn angerufen und er hätte am Handy mit den Kindern herumgealbert... Statt dessen habe ich meine Mutter am Telefon getröstet, meiner Schwester ein SMS geschickt und nachts im Badezimmer lautlose Tränen heruntergeschluckt.

Mein Leben hat sich verändert. Ich bin nicht mehr die Rosalie vom letzten Jahr. Ich bin an den Herausforderungen dieses Jahres gewachsen und es wird Zeit, dass ich reinen Tisch mache. Mein Mann leidet auch unter dieser Situation. Und ich vertrage seine Präsenz immer weniger. Sein Lachen, seine Art zu sprechen, die kräftige Stimme lösen in mir abweisende Gefühle aus. Alles in mir schreit nach Trennung. So kann es wirklich nicht mehr lange weitergehen.

Einen dritten Familienurlaub am Roten Meer wird es in dieser Form nicht mehr geben.

Ich versuche, das Beste daraus zu machen und mich trotz allem zu entspannen. Das erste Buch habe ich fertig gelesen. "Die Dienstagsfrauen" von Monika Peetz. Ein unterhaltsamer Roman über fünf ganz unterschiedliche Freundinnen, die auf dem Jakobsweg zu sich selber finden... Ganz mein Thema! :-)

Als nächstes steht "Die Raffinesse einer Frau - werden Sie Männerflüsterin!" von Regina Swoboda auf dem Programm. Es ist schon eine Weile her, dass ich das Buch gekauft habe! Ein Jahr vielleicht? Es wird Zeit, es endlich zu lesen!! ;-)





Die wifi-Lounge mit dem sinnigen Namen "Moods"...


Eines von vielen Restaurants in der Marina von El Gouna
Stress gibt's hier wirklich nicht... nur den "hausgemachten"... ;-)

Dienstag, 9. Oktober 2012

Der ganz normale Wahnsinn...

Mein Blog macht einen etwas verwaisten Eindruck, ich weiss...  Aber Rosalie ist gerade sehr beschäftigt! Nein, nicht was Ihr denkt.... Tssssss!

Ok, das auch! ;-)  Aber vor allem hat sie sich vom Gatten dazu überreden lassen, kurzfristig doch noch in den  Herbstschulferien ans Rote Meer zu reisen. Der Herbstnebel, der Umstand, dass eine befreundete Familie gleichzeitig am selben Ort ihre Ferien verbringt und erwartungsvoll hoffende Kinderaugen ("Biiiittte Mama, sag jaaa...!") haben sie leichtsinnigerweise dazu bewogen, ihr ok zu geben und bevor ihr so richtig bewusst geworden ist, was noch alles auf sie zukommt, waren die letzten verfügbaren Flugtickets auch schon online gebucht...



Wir fliegen mit Easy Jet. Ohne speedy boarding. Das war schon ausverkauft. Hoffe mal, wir ergattern wenigstens je zwei nebeneinanderliegende  Sitzplätze, so dass keines der Kinder alleine sitzen muss... Das Familienzimmer haben wir  per Mail direkt beim Hoteldirektor reserviert. Er ist ein Landsmann und stammt aus der selben Gegend wie mein Mann. Das verbindet. Er ist ein unkonventioneller Hoteldirektor. Einer, der auch mal beim vorbeigehen ein verwaistes Kaffeegedeck abräumt... Très sympa! 


Die Reisepässe habe ich auf Anhieb gefunden, die ID's der Kinder sind hingegen verschollen. Ich bin ratlos.

Der Pass von Piccolina ist vor zwei Monaten abgelaufen. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn alles so einfach ginge... Ich habe die Passbeschaffungsaktion kurzerhand an den Gatten delegiert, mit dem Ergebnis, dass er zwar einen Termin mit dem kantonalen Passbüro vereinbart hat, letztlich aber natürlich selbst keine Zeit gehabt hat, mit der Kleinen hinzufahren und so blieb mir nicht anderes übrig, als Montag vor einer Woche mit Piccolina nach Schulschluss beim 35 Autominuten entfernten Passbüro vorzusprechen. Die Dame am Schalter hat mich überredet, Pass und ID-Karte gleichzeitig zu beantragen. Das ginge in einem Arbeitsgang und sei günstiger, als beides separat zu beantragen. Die verschollene ID ist nämlich ebenfalls abgelaufen. Falls die alte  ID nicht mehr auffindbar sei, müsse eine Verlustbestätigung der Polizei vorgelegt werden.


Ich entschied mich leichtsinnigerweise für diese Variante und nahm mir vor, nochmals überall gründlich nach den ID's der Kinder zu suchen. Die umfangreiche Suchaktion vom Wochenende ist leider erfolglos gebieben. Wenigstens habe ich nun wieder die Übersicht, was alles auf meinem Pult (unbearbeitet) herumliegt und sämtliche Handtaschen sind entrümpelt und die Kleiderkammer ist auch wieder begehbar... "hüstel"... 


Heute Vormittag wollte ich nun  - optimistisch wie ich bin - , kurz beim nächsten Polizeiposten vorbeigehen und mir diese Verlustbestätigung ausstellen lassen, um den Pass und die ID-Karte anschliessend auf dem Passbüro abzuholen. Der Polizeiposten im Ort ist zwar selten besetzt, aber man weiss ja nie... Fehlanzeige. Er war verwaist.  Next one. Diesmal in einer nahegelegenen Kleinstadt. Ich stehe vor verschlossener Tür. Im Notfall sei die 117 anzurufen. Hmm... Gilt die Beantragung einer Verlustbestätigung für eine verschollene ID-Karte, die noch dazu abgelaufen ist,  als Notfall? Wohl eher nicht...  Ich beschliesse, an die Arbeit zu fahren und unterwegs einen Polizeiposten aufzusuchen. Es ist eine sehr grosse Gemeinde und ich bin zuversichtlich, dass ich dort eine Person der Kategorie "Freund und Helfer" antreffen werde! Bingo! Extrem kundenfreundliche Öffnungszeiten! Täglich geöffnet, vormittags sogar bis um 12.00 Uhr!


Es ist 11.30 Uhr. Ich treffe zwei eher gelangweilte Ordnunsgshüter an und trage mein Anliegen vor...


"Ach, die ID ist abgelaufen? Dann brauchen Sie keine Verlustbestätigung!" ich pflichte ihm bei, dass dies nach meinem gesunden Menschenverstand auch durchaus Sinn machen würde, dass die Dame vom Passbüro des Kantons X die neue ID-Karte aber dennoch nur herausrücken wolle, wenn ich die abgelaufene Karte oder aber eine Verlustbestätigung vorweisen könne... "

"Ach so! Hmm... ja vielleicht ist das im Kanton X ja anders. Auf jeden Fall müssen Sie die Verlustbestätigung sowieso in Ihrem Wohnkanton beantragen...".

Ok... dann werde ich halt wohl oder übel mein "Glück" nochmals in meinem Wohnkanton versuchen. Es lebe der Föderalismus! Es dauert ja noch ganze vier Tage, bis wir fliegen... Also "plenty of time"... ;-)


Nachmittag am Büroarbeitsplatz google ich die kantonalen Polizeistellen und versuche telefonisch in Erfahrung zu bringen, wann welcher Polizeiposten für die Anliegen der Bevölkerung zugänglich ist, wenn nicht gerade ein Notfall vorliegt... Wobei sich diese meine Angelegenheit mit fortschreitender Zeitdauer durchaus noch zu einem "Notfall" entwickeln könnte! Ich erinnere mich an das Schild an der antiken Holztür des Polizeipostens mit der Aufschrift: "Dieser Posten verfügt über einen Defibrillator". Nice to know...

1. tel. Versuch (Polizeiposten am Wohnort): "Bonjour! Guten Tag! Der Posten der bürgernahen Polizei ist zur Zeit nicht besetzt. Bitte wählen Sie die Nummer 117!" lässt eine Frauenstimme ab Band verlauten.  

2. tel. Versuch (Polizeiposten in der nahen Stadt): "Bonjour! Guten Tag! Der Posten der bürgernahen Polizei ist nur Zeit nicht.... "

3. - 5. tel. Versuch: same procedure....

6. Versuch: "Kantonspolizei x, Wachtmeister xy am Apparat!!"  Ich juble innerlich! Es rauscht in der Leitung - der Ordnungshüter ist unterwegs. Ich so: "Seit zwei Tagen versuche ich, eine Verlustbestätigung für eine ID zu kriegen..." er unterbricht mich: "Halb sieben!" - Ich so: "Heute um halb sieben kann ich vorbei kommen?! Ok!!! Danke!!!" :-)

Ich bin vorsichtig zuversichtlich... Und wehe, er sagt mir, dass es für eine abgelaufene ID-Karte keine Verlustbestätigung braucht! Dann kriegt Rosalie morgen früh auf dem Passbüro einen "Tobsuchtsanfall", den die junge Dame am Schalter so schnell nicht vergessen wird... Ich hätte mir die Dokumente nämlich auch ganz bequem nach Hause schicken lassen können, wenn die Sache mit der Verlustbestätigung nicht gewesen wäre und das Passbüro liegt nun wirklich nicht auf meinem Arbeitsweg...

Aber ich werde es auf Anhieb wieder finden, denn seit Samstag habe ich endlich wieder ein Navi! Das im Volvo eingebaute Gerät hat vor zwei Jahren den Geist aufgegeben und es zu ersetzen wäre viermal teurer gewesen als ein neues TomTom, das noch dazu viel moderner ist und über eine Freisprecheinrichtung verfügt!  Heute morgen bin ich losgefahren, habe mein neues TomTom gleich angeschlossen und in der Eile auf den Beifahrersitz gelegt. Als ich es an der Ampel in die Hand nahm, erschien folgende Anzeige:




Dieses Original-iPhone-Foto hat sich
erfolgreich gegen sämtliche Drehversuche
zur Wehr gesetzt... Sorry...


Ach, irgendwas ist immer! Ungarisch? Tschechisch? Es war polnisch! Und ein netter Arbeitskollege konnte mir mit seiner Sprachkompetenz aushelfen und das Navi wird mich jetzt nach Arbeitsschluss in deutscher Sprache auf direktem Weg zum auserwählten Polizeiposten leiten! Hopefully... und zur Not kenne ich ja den Weg dorthin par coeur! :-)

Am Samstag fliegen wir. Bis dahin steht noch die Schiffsauswasserung auf dem Programm, ein Elternabend, ein Termin beim Therapeuten (den ich wohl gleich noch um drei Wochen verschieben werde), ein "Ausflug" aufs Passbüro, anderthalb Arbeitstage, um im Büro zahlreiche Pendenzen aufzuarbeiten, und natürlich möchte ich noch ein Blogpost schreiben, mindestens fünf private Mails beantworten, meinen x-Date Account löschen und  ein paar Anfragen (anstandshalber) absagen, private Post erledigen, die Familienfotos noch alle auf eine externe Harddisk speichern und den Schwiegereltern in Obhut geben, Koffer packen und... irgendwas war doch noch? Hmm... es wird mir schon noch einfallen!
Ich bin un petit peu gestresst und diese Ferien müssen echt verdient sein...


Aber ich habe mich "trotzdem" sehr gefreut, als ich gestern in meiner Mailbox gelesen habe, dass mir Claudia aus Berlin einen Award verliehen hat!! :-)


Und ich werde in den Ferien in aller Ruhe darüber nachdenken, wie ich die 11 Fragen beantworten werde, welche 11 Dinge ich noch über mich preisgeben könnte (ihr wisst ja schon so viel über mich!!), an wen ich den Award weiterverleihen werde und welche 11 Fragen die drei Auserwählten beantworten sollen.


Bis dahin... au revoir! Et à bientôt!


Eure Rosalie





Mittwoch, 3. Oktober 2012

Schatten der Vergangenheit

Mein letztes Post "Gedanken über virtuelle Freundschaft und heimliche Liebe" hat unglaublich viel Resonanz ausgelöst und ich habe mich sehr darüber gefreut! Es ist das Post mit den zweitmeisten Seitenaufrufen und dasjenige, das die meisten Kommentare ausgelöst hat:  48 Wortmeldungen!!!


Ich habe mit dem Schreiben dieses Posts meine erste virtuelle Beziehung abschliessen und loslassen können und ich bin sehr dankbar, dass so viele Leserinnen und Leser sich angesprochen gefühlt haben und vielleicht den einen oder anderen Gedankenanstoss mitnehmen konnten.

In den letzten Tagen und Wochen gab es in meinem Leben ein paar spezielle Vorkommnisse. Wie ich ja bereits berichtet habe, hat sich meine "alte" Liebe Paul wieder bei mir gemeldet. Wir haben intensiv kommuniziert, bis dato  "nur" auf schriftlicher Basis und ich habe meine alten Tagebücher und die Briefe hervorgeholt und ein wenig darin geblättert... Es war sehr aufschlussreich und ich habe realisiert, dass ich vieles verdrängt hatte. Es war mir nicht mehr so richtig bewusst, wie ich mich damals gefühlt habe. 


Vanessa Paradis im Jahr 1987.
 So ähnlich sah Rosalie damals aus. 
Gemäss Paul. Nur ohne Zahnlücke
und nicht ganz so dünn...

 

Die Tagebucheinträge sind sehr destruktiv. Ich habe mich selbst gehasst und ich habe meinen Körper gehasst. Ich fühlte mich einsam und unattraktiv. Viel zu dick mit meinen 52 kg. Ich wollte 48 kg sein. Ich habe gehungert und mich gequält und habe es doch nie geschafft, mein Wunschgewicht zu erreichen und ich habe mich dafür gehasst. Ich wollte perfekt sein. Weil ich geglaubt habe, dass nur geliebt wird, wer perfekt ist. Ich war zu diesem Zeitpunkt zweimal unglücklich verliebt gewesen. Hatte jahrelang meine ganze Sehnsucht auf diese zwei Jungs proijziert und es ist nichts daraus geworden. Nichts als enttäuschte Hoffnungen und nächtliche Tränen. Und dann kam Paul.


Von aussen betrachtet war ich eine intelligente hübsche junge Frau. Die angepasste, wohlgeratene Tochter. Aber in mir drin sah es düster aus... Ich war einsam, unglücklich und spielte mit dem Gedanken, meinem Leben ein Ende zu setzen.


Wenn ich mir vorstelle, eines meiner Kinder würde in sechs bzw. acht Jahren solch destruktive Gedanken in sein Tagebuch eintragen, wird mir Angst und Bange...


Ich habe in Paul in gewisser Weise einen "Rettungsanker" gesehen. Ich habe ihn gebraucht und er mich. Aber das konnte auf Dauer nicht gut gehen und das Ende unserer Beziehung war nicht schön. Es hat dazu geführt, dass ich den Glauben an die Liebe (endgültig) verloren und dem hartnäckigen Werben eines Verehrers nachgegeben habe, den ich nicht liebte und der mir letztlich nicht gut getan hat. Ich war länger als zwei Jahre mit ihm zusammen und was ich irgendwann für Liebe hielt, war im Grunde genommen Co-Abhängigkeit.


Vielleicht müssen Paul und ich das Ende von damals zusammen irgendwie "aufarbeiten", um es endgültig abschliessen zu können. Ich spreche nicht von einem Revival der damaligen Liebesbeziehung!  Aber vielleicht können wir etwas klären und es entsteht eine Freundschaft. Das wäre schön!



Und als ob das nicht schon "schicksalshaft" genug wäre, ist in den letzten Wochen ein neuer Mann in mein Leben getreten, der mich von seinem Vornamen und vom Jahrgang her an meine erste ganz grosse (unerfüllte!) Liebe erinnert... Er hat sich "klammheimlich" in meine Gedanken geschlichen bzw. geschrieben und ich geniesse die Aufmerksamkeit und das Spiel mit dem Feuer! Und ich bin zuversichtlich, dass ich mir diesmal nicht die Finger verbrennen werde!


Ich habe das Gefühl, dass ich bald die notwendige Stärke haben werde, um einen weiteren Schritt in Richtung Unabhängigkeit zu gehen und mit meinem Mann ein nächstes klärendes Gespräch zu führen. Die Paartherapie schieben wir noch immer vor uns her... Weil wir instinktiv wissen, dass sie vermutlich das endgültige Ende unserer Ehe besiegeln wird.