Montag, 31. Dezember 2012

Ein Schicksalsjahr geht zu Ende

2012 war für mich ein Schicksalsjahr! Ein Jahr, geprägt von Abschied, Trauer und Herzschmerz. Aber es gab 2012 trotz allem auch unbeschwerte Stunden. Kleine Fluchten aus dem Alltag, kurze Glücksmomente. 

Meine Reise nach Belgien war so ein Highlight.  Ein ganz spezieller Tagesausflug mit einem Freund. Das Wochenende, das ich bei meiner Freundin aus Kindertagen verbracht habe. Die gemeinsamen Mittagessen mit meiner Freundin M. Die Telefongespräche und Treffen mit meinen Freundinnen N. und S., die auch immer für mich da sind, wenn es mir nicht gut geht. Das Lachen meiner Kinder. Der Mailaustausch mit Menschen, die ich im realen Leben noch nie getroffen habe! Der Kontakt mit Paul. Das Treffen und die guten Telefongespräche mit SMS-Leo, dem Freund aus Jugendzeiten. Und dass eine Freundschaft einen Härtetest überstanden hat, ohne daran zu zerbrechen. Dafür bin ich dankbar.  Und nicht zuletzt für die überwältigende Anteilnahme, die meine Familie und ich  nach dem Tod meines Vaters erfahren durften.

2012 war ein schwieriges und anstrengendes Jahr. Ein Jahr voller Herausforderungen und ein Jahr mit starken Emotionen. Aber letztlich waren es Lebenserfahrungen, die mich haben reifen lassen. Ich bin daran gewachsen und es hat mich stärker gemacht.

Ich freue mich auf 2013! Auf neue Herausforderungen und auf einen neuen Lebensabschnitt!

Meiner geschätzten Leserschaft wünsche ich einen guten Rutsch und viel Glück im 2013!

Eure Rosalie

Abendstimmung am 31.12.2012 im Berner Oberland



Donnerstag, 27. Dezember 2012

Über Weihnachtsdeko, Improvisationstalent und so weiter...

Ich hatte ein mulmiges Gefühl im Hinblick auf  das diesjährige Weihnachtsfest. Die letzten 17 Jahre haben wir immer im Haus meiner Eltern gefeiert und zuvor im Haus meiner Grosseltern mütterlicherseits. Und dieses Jahr nun zum ersten Mal bei uns. Und vielleicht auch gleich zum letzten Mal. Was nächstes Jahr sein wird, steht in den Sternen...

Wie immer (bei mir) ist alles in letzter Minute fertig geworden. Ich funktioniere einfach so und wenn ich zu viel Zeit habe, kann ich nicht kreativ sein. Ich brauche den Adrenalin-Kick kurz vor Ablauf der Dead-Line. Das war am Weihnachtstag der angekündigte Besuch der Patentante und bald darauf das Eintreffen  meiner Schwester mit Mama und Family. Es galt also den Tisch und die Tanne bis zum Eintreffen der Gäste einigermassen dekoriert zu haben. Die Weihnachtstanne stammt heuer aus der Gegend und war ein Geschenk aus der Nachbarschaft. Sie ist ca. eine Viertelstunde vor Eintreffen der Visite "fertig" geworden. Wir haben sie erst am Weihnachtsmorgen geschmückt, da wir an Heilig Abend bei den Schwiegereltern feierten und irgendwie blieb keine Zeit, den Baum schon früher zu schmücken, obwohl er seit einer Woche auf der Terrasse stand. Könnte auch damit zusammenhängen, dass ich jeweils am 24.12. traditionellerweise noch die letzten Weihnachtsgeschenke besorge und ein paar Stunden in irgendwelchen Shoppingzentren vertrödle verbringe. Ich brauche das. Same procedure as every year.  So auch in diesem Jahr. Noch nie war mein dreistündiger Shoppingausflug so entspannt wie heuer, weil ich instinktiv wusste, dass der entnervte, vorwurfsvolle Telefonanruf "Wo bist Du und wann kommst Du endlich nach Hause? Du bist unmöglich!"  dieses Jahr ausbleiben würde! Ich fühle mich befreit! 

Die Kinder konnten beim Schmücken aus dem Vollen schöpfen, denn mein Fundus an Weihnachtsdeko ist beachtlich. Irgendwie musste ich meinen Frust meine latente Unzufriedenheit in all den Jahren ja kompensieren und so habe ich oft und gerne hübsche, glänzende und selbstverständlich auch kitschige Dinge gekauft, die keinen andern Zweck erfüllen, als das Auge des weiblichen Betrachters zu erfreuen. Und so habe ich stets leidenschaftlich gerne eingekauft, ganz besonders zur Weihnachtszeit und noch lieber in der Altjahrswoche, wenn es die ganze Pracht zum halben Preis gab. 


Dieses Jahr habe ich übrigens keinen Baumschmuck gekauft. :-)




Und während ich mir Gedanken zur Tischdekoration machte, schmückten die Kinder den Baum und ich wischte mit einem milden Lächeln die Scherben von mindestens zwei Weihnachtskugeln vom Boden auf. Sohnemann ist ein wenig ungeschickt und die wertvollen Tierskulpturen habe ich in weiser Voraussicht im Keller gelassen... 

Und ich habe mich in diesem Jahr gar nicht erst darüber geärgert, dass ich es wieder verpasst habe, rechtzeitig Weihnachtskarten zu schreiben. Ich bin immer gerührt, dass wir trotzdem noch jedes Jahr welche bekommen. Unsere Freunde sind wirklich sehr gutmütig und nachsichtig mit uns. Nächstes Jahr wird alles besser! Ich werde Karten schreiben! Das habe ich mir fest vorgenommen! Und zwar solche, die noch vor Heilig Abend ankommen! Ich bin zuversichtlich, dass Weihnachten nicht wieder so überraschend ins Haus fallen wird wie all die Jahre zuvor!  ;-)

Und während die Kinder bzw. Piccolina (Junior hat sich relativ schnell klammheimlich verdrückt) sich dem Schmücken des Tannenbaums  widmeten, fand ich im Keller noch eine angefangene Rolle mit eierschalenfarbigem Tischvlies, um den edlen neuen Kirschbaumholztisch vor den Fettspritzern des Tischgrills zu schützen. Nicht dass Gatte noch einen Herzinfarkt kriegt - den winzigen Pinselstrich mit blauer Acrylfarbe hat er zum Glück (noch) nicht entdeckt. Das war ziemlich mutig von Schwiegermama, Piccolina das Vogelhaus für den Götti auf dem viereinhalbtausendfränkigen Tisch bemalen zu lassen. Die Zeitungsunterlage ist natürlich verrutscht... However, ein Tisch ist ein Gebrauchsgegenstand und die blaue Farbe erzählt eine Geschichte und irgendwann arbeitet sich das raus und wenn's denn sein muss mit Schleifpapier...

Es waren noch genau 2,8 Meter Tischvlies übrig für den drei Meter langen Tisch.  No worry. Es geht doch nichts über meinen Fundus. Ich habe keine Ahnung, was ich alles habe, aber meistens fällt mir was Passendes in die Hände und so auch diesmal. In einer Kiste mit Weihnachtstextilien fand sich ein Stück transparenter Goldstoff, den ich vor Jahren einmal irgendwo zum halben Preis erworben hatte. Drei Laufmeter in der ungeöffneten Originalpackung. Perfekt. Der Stoff kaschierte das zu kurze Vlies und verpasste dem Tisch einen festlichen Touch. Die zwölf goldfarbenen wiederverwendbaren (weil abwaschbaren) Tischsets aus PVC (oder so)  hatte ich schon vor einem Monat gekauft. Ein "Coup de Coeur" und eine kleine Investition in die Zukunft. Ich habe sie für meine neue Wohnung erworben. Für besondere Anlässe. Lange bevor ich die Zusage für das Appartement erhalten habe. :-)

Auf meinen Fundus ist Verlass. Ich kaufe etwas aus einer Laune heraus oder weil es ein Ausverkaufs-Schnäppchen ist, ohne dass ich es im Moment brauche oder exakt weiss, was ich damit anfange und irgendwann - manchmal erst Jahre später - kommt es zum Einsatz. Nun habe ich mir aus aktuellem Anlass vorgenommen, meinen Fundus ein wenig abzubauen. Ich will mich von Dingen befreien und deshalb habe ich bewusst auf den Kauf von neuen Weihnachtsservietten verzichtet. Naja, es ist ein Anfang... Ich habe mich daran erinnert, dass ich doch mal diese Bastelphase hatte! Und dass ich damals Servietten mit hübschen Motiven gesammelt habe, die es dann doch nicht auf irgendwelche Blumentöpfe oder Zeitschriftensammler aus Sperrholz geschafft haben und seither im Keller auf ihren Einsatz warten... Piccolina hatte die Qual der Wahl. Es kamen mindestens 8 jungfräuliche Päckchen mit je 20 Weihnachtsservietten zum Vorschein. Alles hat seine Zeit. Serviettentechnik interessiert mich nicht mehr so sehr. Heute verbringe ich meine "Freizeit" lieber mit Schreiben! Damals hatte ich noch keinen eigenen Computer... ;-)


Als die Patentante mit ihrem Freund zum Apéro eintraf (freundlicherweise mit angekündigter  45-minütiger Verspätung) und sich mit meinem Mann unterhielt, huschte ich schnell mit der Gartenschere nach draussen und schnitt ein paar dekorative Efeuranken, die ich in der Mitte des Tischs der Länge nach verteilte.  Später ergänzte ich sie mit roten Äpfelchen aus glänzendem Kunstmaterial, die es aus Zeitgründen nicht mehr auf (an?) den Weihnachtsbaum geschafft hatten und die roten Torino-Pralinen, die ich eigentlich für einen anderen Zweck gekauft und dann doch nicht verschenkt hatte, vervollständigten die improvisierte Tischdeko zu meiner vollsten Zufriedenheit. Das ist typisch für mich. Langwierige Planung ist nicht so mein Ding - meine wahre Begabung liegt in der Improvisation!

Für das Portrait meines Vaters fand sich in der Eile ein Bilderrahmen mit einem geschnitzten Ornament,  den ich irgendwann mal gekauft oder bekommen hatte und der seither in einer Schublade ein unbeachtetes Dasein fristete. Er hat auf das Foto von meinem Vater gewartet. Nun schlug seine Stunde und ich arrangierte das Bild auf einem kleinen Tischchen neben dem Sofa und darum herum ein Stilleben aus meinem Fundus. Auf wundersame Weise kam die passende Deko auf Anhieb zum Vorschein bzw. ich habe irgendeine Schachtel geöffnet  und was ich erblickte, war genau das Richtige: Waldtiere aus Holz, Tannenbäume, Blockhäuser. Ich habe ja längst den Überblick verloren, was ich alles habe und was wo schlummert. Ich öffne dann jeweils einen der vielen kleinen "Schuhkartons" aus dem Weihnachtsschrank und lasse mich überraschen... :-)

Und so war mein Vater an unserem Weihnachtsfest auch irgendwie mit dabei. Es gab zweimal Tränen bei meiner Mutter und sie bat mich, die Kerzen vor seinem Bild zu löschen, als ich sie ausgewechselt und erneut angezündet hatte. Es erinnert sie zu sehr an den Friedhof. Sie hat es nicht so mit Kerzen. Ich blies sie aus und es war ok. 

Zum Essen gab es Raclette und edle Fleischstückchen und kleine Würstchen, die auf der oberen Etage des Raclette-Rechauds gebraten wurden. Zum Dessert frischen Fruchtsalat, den meine Schwester mitgebracht hatte. Ich musste mich nur um die Deko kümmern. Dafür hatte ich im Vorfeld die meisten Geschenke besorgt, darunter diejenigen für meine Schwiegermama, das Patenkind meines Gatten, das Buch für seinen Bruder und ein Hörbuch von Louise Hay für seine Frau. 

Es gab nur kurz eine etwas gehässige bilaterale eheliche Diskussion, weil Junior die 4. Nerf gekriegt hat. Fällt nicht in die Kategorie "pädagogisch wertvoll", ich weiss... Aber er hat sich das Teil schon so lange gewünscht. Und irgendwie finde ich es doch gescheiter, wenn er im Haus und im Garten rumtollt und mit Schaumgummi-Stöpsel auf Gegenstände und die Barbiepuppen der Schwester zielt  (lebende Objekte sind natürlich tabu und Junior hält sich daran), als wenn er stundenlang nur rumsitzt, in einen Bildschirm starrt und das Einzige, was sich bewegt, die rechte Hand an der Maus ist...

Die drei Jungs und Piccolina sind nach dem Essen im oberen Stockwerk rumgerannt, bis sie total verschwitzt waren und ich erinnerte mich wehmütig an eine ähnliche Szenerie vor genau einem Jahr. Die Kinder tollten damals mit dem Grossvater im Spielzimmer meines Elternhauses herum und als ich nachschaute, weil es so laut und übermütig zu und her ging, sah ich meinen Vater rücklings auf dem Teppichboden liegen mit einem Bein halb unter dem Bett und zwei wilde Jungs rittlings auf seinem Bauch und ein drittes Kind auf dem Bett über ihm und alle Kinder riefen aufgeregt seinen Vornamen bzw. seinen Nickname und rangelten miteinander zwischen Kuscheltieren, Legoteilen und anderen Spielsachen, die wild im ganzen Zimmer herum verstreut lagen.  Ich habe damals den Kopf geschüttelt und die Kinder ein bisschen zur Mässigung gemahnt, als ich meinen Vater so sah und ich habe mir gedacht, dass er schon ein bisschen crazy ist, mit 68 mit den Enkeln auf dem Teppichboden herumzutollen... Nun ja, er war immer schon ein wenig unkonventionell. Das Bild werde ich nie mehr vergessen und so werden ihn wohl auch seine Enkelkinder in Erinnerung behalten. Als den Grossvater, den sie mit der Kurzform seines Vornamens riefen und mit dem man herumtollen und Pferde stehen konnte.


Und so verliefen diese Weihnachtstage relativ 
stressfrei und in erstaunlich entspannter Atmosphäre. 

Mein Mann scheint sich mit dem Unabänderlichen  abgefunden zu haben und er hat den Wunsch geäussert, dass wir bis Ende Jahr nicht mehr darüber sprechen. So sind die Kinder noch immer ahnungslos und die Verwandtschaft ebenfalls.

Gestern Nachmittag sind wir en famille in die Ferienwohnung gereist und mein Mann hat den Eigentümern die Kündigung überreicht. Und ich habe mich heute morgen ins Auto gesetzt und bin ins Büro gefahren. Mein Ferienguthaben ist längst aufgebraucht.  In drei Monaten räumen wir die Ferienwohnung. Vielleicht werde ich den alten IKEA-Tisch doch übernehmen, bis ich einen neuen Tisch finde, der richtig zu mir passt. 

Und das schmiedeeiserne Bett werde ich ebenfalls mitnehmen. Und das kleine Tischchen im  Landhausstil mit dem passenden Stuhl, das ich in die Ehe eingebracht habe und noch so einiges mehr. Den Staubsauger zum Beispiel. Und die ganzen Küchenutensilien. Vieles habe ich erst vor anderthalb Jahren im schwedischen Möbelhaus gekauft. 

Ach ja, und heute Mittag habe ich bei Tchibo einen Bügeltisch, einen Raumspar-Wäscheständer und noch  ein paar nützliche Haushalts-Utensilien bestellt.  Das Dampfbügeleisen war leider bereits ausverkauft. Oder vielleicht glücklicherweise? Keine Ahnung, ob es etwas taugt. Es ist extrem günstig. 89 Franken! Kann jemand einen Erfahrungsbericht beisteuern? Nun ja, es muss ja nicht gleich wieder eine Laurastar-Dampfstation sein... Die darf der Gatte natürlich behalten. Schliesslich bügelt seine Mutter ihm damit seine Hemden! 


Freitag, 21. Dezember 2012

Tag 1 der neuen Zeitrechnung!

Heute beginnt eine neue Zeitrechnung! Nicht das Ende der Welt! Der Anfang einer neuen Epoche!

Ich habe die Zusage für meine erste eigene Wohnung gekriegt!!! :-)))

Herzlichen Dank fürs Daumen drücken!!!

Ich werde in wenigen Wochen damit beginnen, meine Traumwohnung einzurichten! Unglaublich! Es ist der Beginn eines neuen Lebensabschnitts! 

Und ich habe mit meinem Mann gesprochen! Wir konnten grundlegende Missverständnisse aus dem Weg räumen. Er ist davon ausgegangen, dass ICH mich möglichst schnell scheiden lassen will! Das Schreiben und das Auftreten der Anwältin haben ihm diesen Eindruck vermittelt... Und ich hatte seine Hektik ganz anders interpretiert. Und letztlich steht über allem wie so oft ein riesengrosses KOMMUNIKATIONSPROBLEM!

Alles, was ich im Moment will, ist meine eigene Wohnung, genügend Unterhalt um sie mir leisten zu können und etwas Geld, um sie einzurichten. Einfach meinen Frieden. Und wenn das hinhaut, können wir von mir aus noch länger so leben, ohne uns scheiden zu lassen und ohne dass er mir meinen Anteil am Haus ausbezahlen muss. Das Haus und das Land verlieren ja nicht an Wert. On verra...

Ich bin wieder zuversichtlich, dass wir eine gute Lösung finden werden, wie wir als Familie weiter funktionieren können - einfach in getrennten Wohnungen. Und ich mag nicht mehr über Geld streiten. Ich vertraue jetzt einfach darauf, dass es schon gut kommt und zur Not habe ich ja die Belege. Wenigstens habe ich jetzt wieder den Überblick... Und wenn dereinst eine andere Frau in unser Haus einzieht, wird  sie mir Miete zahlen müssen! :-) Dann  wird die Zeit reif dafür sein, wieder über eine Scheidung zu sprechen.

Das Cabrio ist mir Wurst und wenn er mehr Geld zur Verfügung hat als ich, dann sollte mich das eigentlich nicht kümmern, so lange ich meine Ruhe und meinen Frieden habe und selbst nicht jeden Rappen umdrehen muss. 

Ich will jetzt zur Ruhe kommen. Heute Mittag war ich an einem Kraftort und habe mit einer interessanten Gruppe von zusammengewürfelten Menschen an einer Meditation teilgenommen. Weil heute ein ganz spezieller Tag war und ganz viel positive Energie in der Luft lag. Habt Ihr es auch gespürt? 


Mittagsstimmung am 21.12.2012 an meinem Lieblingssee


Alles wird gut! Frohe Festtage! :-)


Dienstag, 18. Dezember 2012

Ungeduld!

Die Dame macht es spannend mit der Entscheidung! 

Ich habe mein Interesse gestern nochmals handschriftlich mit einer Karte bekräftigt (die Dame ist 70+) und ihr eine Christrose geschenkt. Mehr kann ich nicht tun. Mein Mann hat sich sogar anerboten, sie anzurufen, aber irgendwie möchte ich das alleine auf die Reihe kriegen! 


Und so beruhige ich meine Nerven weiterhin mit Schokolade und fiebere bange dem Entscheid entgegen.

Gestern Abend habe ich ein Budget zusammengestellt und mein Mann hatte heute sein erstes Treffen mit meiner Anwältin! Nun ja, was soll ich sagen.... er findet sie nett! Das Treffen ist gut verlaufen und wir sind uns in vielen Punkten schon ziemlich einig. Allerdings will er möglichst ruck zuck die Scheidung durchziehen, was mich gerade ein wenig überrumpelt. Es darf spekuliert werden...

Ansonsten verhält er sich wie immer. Ganz normal, als wäre alles in Ordnung, nur dass wir jetzt nicht über ein neues Gartenprojekt sprechen, sondern über die Aufteilung der gemeinsamen Errungenschaft und welche Möbel ich mitnehmen will. 

Ganz sachlich, ohne grosse Emotionen. Es gibt keine Tränen, keine Wutausbrüche, kaum Vorwürfe. Ich bin zuversichtlich, dass wir nach der Trennung oder Scheidung weiterhin normal miteinander umgehen können.

Allerdings habe ich kurz nach Luft geschnappt, als er mich gefragt hat, ob ich den zehnjährigen Familientisch mit den Lackschäden aus der Kleinkinderzeit übernehmen will, der inzwischen in der Ferienwohnung steht! Den neuen Tisch aus Kirschbaumholz möchte er gerne behalten...  

Ich habe ihm geantwortet, dass ich keinen von beiden will. Team7 entspricht mir nicht mehr - der alte IKEA-Tisch allerdings auch nicht. Wenn ich die Wohnung kriege, wird meine Wahl eher auf einen Tisch wie diesen fallen. Ich muss nämlich zugeben, dass dieser olle IKEA-Tisch einen grossen Vorteil hat: er ist echt bequem, weil man die Füsse so "gäbig" (auf hochdeutsch: praktisch)  auf den Querverstrebungen abstützen kann... 


Und dann habe ich heute noch ein paar schöne Dinge gekauft, die das Herz erfreuen. Für meine erste eigene Wohnung! Fühlt sich gut an! :-)


Samstag, 15. Dezember 2012

Warten

Samstag Morgen, 10.00 Uhr. Ich sitze mit meinem kleinen Mäc im Bett und kann mich zu nichts aufraffen. Fühle mich irgendwie ausgepowert, obwohl ich für einmal länger als viereinhalb Stunden am Stück geschlafen habe.

Mann und Tochter sind einkaufen gegangen, Sohn spricht im Zimmer nebenan abwechselnd deutsch und französisch mit seinem Notebook und es hört sich an, als ob sich eine ganze Bande Jungs in seinem Zimmer tummeln würde. Aber es sind nur deren Stimmen. Jeder sitzt in seinem eigenen Zimmer irgendwo in einem der Nachbardörfer. "Willkommen im Jahr 2012!" pflege ich dazu jeweils zu sagen und dieser Ausspruch hat sich zwischen mir und Junior längst zu einem Running Gag entwickelt.

Die Woche war emotional anstrengend. Am Dienstag Nachmittag habe ich mir die Wohnung noch einmal angeschaut. Diesmal mit der Besitzerin. Eine aparte Frau um die 70 mit einem interessanten Gesicht und wachen grünbraunen Augen. Sie hat ihr Leben lang allein gelebt und schwimmt jeden Tag im See, ausser wenn eine Eisschicht sie daran hindert. Letzten Dienstag war sie 10 Minuten im Wasser. 

Ich war eine Viertelstunde zu früh dran. Habe das Auto auf "meinen" Parkplatz gestellt und bin auf die Terrasse gegangen und habe die Umgebung auf mich wirken lassen. Die Sonne schien, der Himmel war stahlblau und der Schnee glitzerte auf dem Gras und auf den alten Obstbäumen. Im Hintergrund der See und die Berge. Wunderschön. Und alles strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. Mein Blick fiel auf den Nachbarsgarten. Er gehört einem alten Mann, der dort 70 verschiedene Rosensorten pflegt! Passt doch! Wir würden viel Gesprächsstoff haben...

Beim letzten Besuch war das Wetter trüb, aber ich habe mich trotzdem in die Wohnung verliebt. Diesmal kommt sie mir einfach unwiderstehlich vor. Ich blicke auf die lange, zwei Meter hohe Natursteinmauer, die den Garten seit vielen Jahrzehnten von der Strasse abschirmt. Zwischen der Mauer und dem Kieselweg, der vom Autounterstand zum Haus führt, liegt ein langes, schmales Staudenbeet. Zwei dunkelrote Rosenblüten trotzen dem Schnee und viele Meter sind mit Iris bepflanzt.  



Irgendwo liegt ein verwitterter, behauener Stein in der Rabatte mit einer Einbuchtung, in der sich Wasser gesammelt hat. Ein Vogelbad? "C'est joli" (gefällt mir) sage ich später zu der Besitzerin. "C'est une pierre tombale - j'ai pensé qu'elle pourrait rendre service comme bain pour les oiseaux"... (Ein alter Grabstein. Ich fand, er würde sich als Vogelbad ganz gut machen) sagt die Dame mit einem verschmitzten Lächeln. Vielleicht ist es der Grabstein ihrer Eltern? Ihr frage nicht nach. Die Iris stehen zu dicht und müssten umgepflanzt werden. Ich sage ihr, dass ich mich sehr gerne darum kümmern würde. Sie nickt und meint, das wäre kein Problem. Im Geiste sehe ich mich dort schon Helleboren (Lenzrosen) und allerlei Lieblingsstauden pflanzen, die ich zum Teil aus meinem Garten mitnehmen würde.


Im Rasen steht ein alter Zwetschenbaum und es gibt nichts, was mir in dieser Umgebung nicht gefällt. Eigentlich ist es genau das, was ich mir immer gewünscht habe. Ich wollte nie in einem neuen Haus wohnen. Ich habe von einem alten Haus mit Geschichte geträumt, das mit Geschmack renoviert worden ist. Genauso wie diese Wohnung auf zwei Etagen, die moderne Elemente mit alten Mauern verbindet. 

Wir haben uns gut unterhalten, Madame und ich,  und ich habe ihr meine Situation erklärt und dass ich zur Ruhe kommen müsse und dass diese Wohnung einfach perfekt wäre für einen Neubeginn. Auch für die Kinder.

Dann versuchte ich herauszuspüren, ob die Höhe des Mietpreises diskutabel wäre, wenn ich mehr als nur den Rasen mähen würde. Sie ging nicht darauf ein und ich wünschte, ich hätte nichts gesagt. Zum Schluss füllte ich das Bewerbungsformular aus und versicherte ihr, dass ich mir die Wohnung leisten könne, und dass ich auch mehr als zwei Monatsmieten als Kaution hinterlegen könnte, wenn sie Zweifel habe. "Non, non, deux mois, c'est suffisant", meint sie. Zwei Monatsmieten würden genügen. Dann äussert sie ihre Bedenken, dass den Kindern etwas zustossen könnte, weil sie doch die Hauptstrasse überqueren müssten. Der Gedanke beschäftigt sie. Ich beschwichtige und versichere ihr, dass ich mir deswegen auch Gedanken gemacht habe, und dass die Kinder alt genug seien, um damit umgehen zu können. 

Und ich biete ihr an, dass sie Referenzen über mich einholen könne. Es stellte sich im Gespräch heraus, dass sie die Grosstante des besten Schulfreundes unseres Sohnes ist. Die Mutter des Schulfreundes ist eine Deutschschweizerin und wir haben einen sehr guten Draht und kennen uns schon mindestens zehn Jahre. Ich sagte der Dame, dass ich mich der Frau ihres Neffen anvertrauen werde und dass sie sich dort nach unserer Familie erkundigen könne. Und dass sie das, was ich ihr anvertraut habe, noch für sich behalten solle. Sie meinte, dass ich mich auf ihre Diskretion verlassen könne...

Sie fragte, ob ich es mir noch überlegen wolle wegen der Wohnung und ich entgegnete, dass ich überzeugt sei und dass ich mich sehr darüber freuen würde, wenn ich den Zuschlag erhalten würde. Ich erfuhr, dass es noch zwei interessierte Paare gibt und sie versprach, mir nächsten Woche Bescheid zu geben!

Dann folgten zwei Tage Büro. Viel Arbeit, aber ich konnte mich schlecht darauf konzentrieren, weil meine Gedanken anderswo sind. Telefonate und Mails mit meiner Anwältin und mit dem Notar wegen dem Nachlass meines Vaters. Damit muss ich mich auch noch herumschlagen... Alles ein bisschen viel im Moment und die Gedanken schweifen noch immer viel zu oft zu einem Mann, der sich in Schweigen hüllt.


Und am 12.12.12 hat mein Mann Post von meiner Anwältin gekriegt... Ich habe ihn per Mail vorgewarnt. Er hat mir  geantwortet, dass er diese Trennung nicht wolle, dass er mir aber keine Steine in den Weg legen werde. Er habe sich damit abgefunden. Er wolle nur das Beste für mich und für die Kinder. Das stimmt mich natürlich sehr zuversichtlich! 

Und gestern hat er spontan für 2000 Franken einen neuen Fernseher gekauft, weil derjenige in der Ferienwohnung nicht mehr ein supertolles Bild hat. Und letzte Woche hat er einem Freund für 990 Franken Wein abgekauft. Ich habe nichts dazu gesagt. Er hat mich auch nicht gefragt... Nun ja - dann wird in meiner zukünftigen Wohnung eben einer der beiden 3D-TV-Screens an einer Wand hängen und guten Wein trinke ich ja auch gerne...


Ich will diese Wohnung unbedingt und wenn es nicht anders geht, werde ich halt mein Arbeitspensum aufstocken. Ich bange dem Entscheid entgegen, ob ich die Wohnung bekomme. Getraue mich gar nicht, mich mental zu sehr darauf einzulassen, obwohl ich im Geiste längst damit begonnen habe, sie zu möblieren... 

Am Freitag habe ich beschlossen, Vitamin B einzusetzen. Ich habe mit der Mutter des besten Freundes meines Sohnes gesprochen. Sie kennt auch meinen Mann gut und wir sind schon lange per Du. Zuerst war sie ein bisschen schockiert, aber dann hat sie gesagt, dass sie es ja eigentlich schon gemerkt habe. Sie habe ein Gespür und fühle solche Dinge. Und dass ich noch zu jung sei, um mich in einer unglücklichen Ehe zu "arrangieren". Ich bin in Tränen ausgebrochen... Sie hat mich umarmt und mir versichert, dass sie mit der Tante sprechen werde! Ich hätte den ganzen Nachmittag heulen können... 

Und als ob er es gespürt hätte, schickte mir ein Freund ein SMS. Ein kleines "Coucou", über das ich mich gefreut habe. 


Ich bin froh, wenn ich Gewissheit habe, wie es weitergeht und ich hoffe inständig, dass im Januar 2013 ein neues Leben beginnt!