Donnerstag, 24. Januar 2013

Blue Monday is over!

Schluss mit der Melancholie! Heute geht es mir schon wieder viel besser. Das lag bestimmt an diesem vermaledeiten Blue Monday! The Telegraph wartet praktischerweise gleich mit sieben guten Tipps auf, wie man da wieder raus kommt und ratz fatz wieder in der Lage ist, sich den Widrigkeiten des Alltags erfolgreich zu stellen:


1. Bring the winter to the summer!
Snow on the ground causing transport havoc and panic buying? Silver lining: Collect up enough for a snowball to be secreted in the depths of the shared office fridge freezer compartment. Then plan who you're going to throw it at for unexpected jollity come July!


Schneebälle formen und ins Gefrierfach legen?!  Und sie dann im Sommer irgendwem an den Kopf schmeissen? Was für eine originelle Idee! Ich wüsste da auch bereits einen passenden Kandidaten! 


2. Try a new hobby!
If your New Year's resolutions have gone a bit stale, or if you've given up on them before they even started, picking up new habits later in the year can be just as rewarding and socially exciting. Consider smoking, Scientology, or Zumba - popular pastimes all.

Die guten Vorsätze zum neuen Jahr?  Uiiii, schlechtes Thema…

Aber deswegen wieder mit dem Rauchen anfangen? Wohl kaum! Hat mich Jahre gekostet, damit aufzuhören… Scientology? Wie war das noch mal mit "die Wahl haben zwischen Pest oder Cholera"? Zumba? Ach ja, das sind doch diese frischgepressten Fruchtsäfte! Kann nicht schaden! ;-)


3. Get spirituality!
Religious holidays are all so commercialised these days, and the vast gulf between the True Meaning of Christmas and the shop-a-thon it's become is bound to induce some level post-consumption dissatisfaction. So step off the mainstream track: with a few Deepak Chopra DVDs, a copy of Chicken Soup for the Soul, some crystals, copper bands, telephone consultations with planetary harmonics and neuro-biological resonance experts and the like - all yours for the knockdown price of £599.99 - you'll be well on your way to spiritual fulfilment… and chasing those winter blues away guaranteed! (NB: this does not constitute any sort of legally binding guarantee.)

Hmm... Ob ich mal Mike Shiva anrufen sollte? ;-)


4. Consult a debt consolidation firm!
One worry that weighs heavily on us in January is having to face up to accumulated debt from seasonal overspend… and spirituality don't come cheap either.

Die Festtagsausgaben bewegten sich für einmal in einem durchaus vernünftigen Rahmen. Aber der January-Sale in den Nile-Boutiquen wird mich wohl irgendwann noch in den Ruin treiben…

Sorry Mike, no money left. Muss leider auf Deine Dienste verzichten.


5. Pump up your feel-good chemicals!
The "cuddle hormone" oxytocin, released during sex and orgasm, helps us feel more cared for, can help soothe relationship spats, and can make people act with more caring and generosity. So treat yourself to some loving this January – especially today - 'Blue Monday'...

Ob intensives Knuddeln mit dem Lieblingskuschelkissen auch Oxytocin freisetzt?


6. Explore treatments for Seasonal Affective Disorder!
It's estimated that up to a third of British adults feel the depressing effects of 'Seasonal Affective Disorder,' which may be connected to the lack of sunlight during the winter months. The added beneficial effects of gardening are also-well known. However, a UV lightbox is pretty hard to come by on the NHS...

UV Lichtbox? Ich bin doch kein Reptil! Hmm, ich hab doch da noch irgendwo Melatonintabletten...  Wo habe ich die bloss hingetan? Hilft das nicht auch bei Lichtmangel bedingten depressiven Verstimmungen? Oder nur bei Jetlag, Schlafstörunngen und Haarausfall?
7. Get a puppy!
The post-Christmas season means animal shelters receive an influx of unwanted pets, especially so in this prolonged economic turndown. But please remember, a dog is for life, not just for mild depression-like symptoms!


Vielleicht sollte ich mich mal an Susi wenden? Ach nein, fast vergessen - im neuen Mietvertrag steht: Haustiere nicht erwünscht. :-(

Yes, with the help of some good loving, a small mammal, and a relaxing self-massage sesh, you'll be back to fighting fit in no time. And who said lifestyle columny never changed the world for the better? You're welcome.

Thanks! Und was tut man, wenn „good loving“ gerade ein Reizthema ist, kein kleines Säugetier verfügbar und  eine „self-massage sesh“ (ist es das, was ich denke?!) irgendwie aktuell auch nicht das Gelbe vom Ei ist, weil es die Gedanken in eine Richtung lenkt, die ein Melancholie-Revival begünstigen könnte?  

Na, was wohl... Knuddeln mit den Kiddies! Jedenfalls so lange sie noch im Knuddelalter sind.  Und was noch?

Shopping! Man kauft sich hübsche Dinge für die neue Wohnung und freut sich auf den Frühling! :-)


Das ist ein Zauberspiegel!
Er zaubert mindestens eine Kleidergrösse weg und
weil man sich so attraktiv fühlt, wirkt man auch so.
Und dekorativ ist er auch.
Zwei Fliegen mit einer Klappe... ;-)




Sonntag, 20. Januar 2013

Augenflimmern

Eigentlich wollte ich nur kurz nachlesen, wie alles begann... Im Bett. Auf dem iPhone. Das erste WhatsApp, das er mir geschickt hat. Am 20. September 2012 Mittags um 12.01h. Dann konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Und all die Erinnerungen kamen wieder hoch. Wo ich war und was ich gefühlt habe, als ich eine bestimmte Nachricht las. Im Bett, in der Küche, im Auto, im Büro, draussen im Garten, in Ägypten... Und ich erinnere mich an die letzte Nachricht. Ich war zuhause, als ich las, dass er versuchen werde, seine Gedanken in einem Mail festzuhalten. Was er gleichentags tat. Es war der 20. November 2012. Nie hätte ich gedacht, dass nichts mehr kommen würde.

Wie lange hab ich gelesen? Zwei Stunden? Keine Ahnung. Meine  Augen flimmern noch immer. Unser WhatsApp-Austausch war soooo gut! Einfach super! Witzig, prickelnd, frech und... so vertraut.  Und dann:  Ende. Aus. Schweigen.

Heute wird es zwei Monate alt, sein Schweigen. Es hält nun schon genau so lange an, wie unser Austausch gedauert hat. Und ich bin nicht wirklich darüber hinweg. Es ist schlimmer geworden mit der Zeit. Weil die Hoffnung stirbt. Aber es hilft alles nichts. Er hat für uns entschieden. Schwer zu akzeptieren. Sehr schwer. Es ist so schade.

Ich blicke nach vorn. Meistens. Aber manchmal leiste ich mir eine Schwäche und blicke zurück. In Wehmut.

Sorry, Daniela! Kommt nicht wieder vor... 










Freitag, 18. Januar 2013

La tête en air

Dienstag Abend hat mich mein Sohn nach der Schule gebeten, seinen Lehrer anzurufen und ihm zu erklären, weshalb er momentan "la tête en air" habe. "Den Kopf in der Luft" haben bedeutet: unaufmerksam sein, in Gedanken sein. 

Die Neuigkeit von der Trennung der Eltern hat ihn durcheinandergebracht und er sagt, dass er sich nicht mehr so gut konzentrieren kann. Er ist ohnehin ein Träumer und vergisst hin und wieder Dinge, aber er ist auch sehr gewissenhaft und darauf bedacht, die Hausaufgaben zu machen, pünktlich in der Schule zu sein und nichts zu vergessen. Nun hat er Montag und Dienstag bereits zwei "Oubli" erhalten. "Oubli" bedeutet "Vergessenheit" und in der Klasse gibt es dafür ein "Strichli" auf einer Liste und nach drei Strichli kriegt das zerstreute Kind Strafaufgaben aufgebrummt.

Dienstag Mittag hat er an der Bushaltestelle seinen Turnbeutel liegen lassen und konnte deshalb am Nachmittag nicht am Turnunterricht teilnehmen. Dafür gab es natürlich einen weiteren "Oubli". Der Rucksack mit dem Turnzeug war nach Schulschluss noch dort, wo er ihn liegen gelassen hatte. Das ist einer der Vorteile, wenn man in einem Dorf wohnt... 

Weil Sohnemann mangels Turnkleidung und Indoor-Turnschuhen nicht mitmachen konnte, musste er sich mit einem Buch auf den Hallenboden setzen und beim Turnunterricht zuschauen. Nach einer Weile gesellte sich eine Schulkameradin zu ihm, die sich gerade den Fuss verknackst hatte. Es war die Enkeltochter der Freundin meiner neuen Vermieterin und sie wusste die Neuigkeit schon! Sie hat ihn diskret darauf angesprochen! Gott sei Dank habe ich es meinen Kindern am Samstag gesagt!!! 

Als ich meinen Sohn von der Schule abholte, sah ich die Eltern des Mädchens und grüsste sie aus dem fahrenden Auto. Man kennt sich seit Jahren, man ist per Du, weil man im selben Alter ist und sich regelmässig an Schulanlässen, Kindergeburtstagen und Dorffesten sieht. Ich war mir sicher, dass sie es wussten. Irgendetwas an ihrem Gesichtsausdruck hat es mir verraten. Ich weiss noch nicht genau, wie ich es deuten soll...

Juniors Schulfreund weiss ebenfalls Bescheid, da er ja der Sohn des Neffen der Vermieterin ist. Ein ganz herziger Bub und sehr wohlerzogen. Er hat Sohnemann darauf angesprochen und ihm gesagt, dass es ihm sehr leid tue für ihn... Das hat mich berührt.

Ich habe den Lehrer telefonisch nicht erreicht und schrieb ihm deshalb einen Brief, den ihm mein Sohn am nächsten Morgen vor Schulbeginn in die Hand drückte. Und bei dieser Gelegenheit fand er auch den Mut, ihm die Neuigkeit auch noch mündlich mitzuteilen. Der Lehrer reagierte sehr verständnisvoll. Es ist ein ganz toller Lehrer. Noch jung, so  Ende zwanzig, aber einer, der seinen Beruf sehr ernst nimmt und sich für die  Kinder interessiert und sich einsetzt und engagiert. Streng und fordernd, aber gerecht und mit der notwendigen Portion Sozialkompetenz. 

Sohnemann hat dennoch Strafaufgaben erhalten. Aber er musste die acht französischen Verben, die er in allen bereits gelernten Zeiten schriftlich konjugieren muss, (inkl. passé simple) nicht bis zum nächsten Tag aufschreiben, sondern kann dies übers Wochenende erledigen, wegen der "situation familiale". Meiner Meinung nach ein faires Entgegenkommen. Inzwischen hat die Nachricht schon ein bisschen von ihrem Schrecken verloren und Junior lässt sich nichts mehr anmerken.

Die Nachricht von unserer Trennung macht nun die Runde im Dorf. Die Vermieterin ist zwar eine diskrete Frau, aber nachdem ich den Mietvertrag unterzeichnet habe, darf sie es natürlich kommunizieren. Die Freundin der Vermieterin ist nicht ganz so diskret und erzählte es im Dorfladen einer Bekannten und zufällig stand die Mutter der Schulfreundin meiner Tochter in der Nähe und schnappte die Worte "Appartement", "loué" (vermietet) und "Madame Rosalie" auf. Sie ist eine von drei Frauen, alles Mütter von Schulfreunden und -freundinnen meiner Kinder, die ich im Vorfeld eingeweiht hatte, bzw. die wussten, dass ich in der Ehe nicht mehr happy war. 

Und da die "breaking Lokalnews" jetzt im Dorf zirkuliert, habe ich heute gegen 17.00 Uhr eine Flasche einheimischen "Pinot Gris" aus dem Keller geholt und  bin damit zu den Nachbarn rübergegangen, mit denen wir seit vielen Jahren eng befreundet sind, um ihnen die Neuigkeit persönlich mitzuteilen. 

Ich bin allein hingegangen, weil mein Mann heute Abend direkt nach der Arbeit in die Ferienwohnung gefahren ist.

Es war ein sehr gutes Gespräch!  Wir haben den Wein getrunken und ich habe ihnen alles erzählt. Sie war gar nicht mal so überrascht, er schon. Aber beide reagierten verständnisvoll und fanden, dass wir eine tolle Lösung gefunden haben! Es war ganz entspannt und mein Optimismus wirkte ansteckend und sie freuen sich schon, mich am neuen Ort zu besuchen. Sie haben mich ein bisschen damit "aufgezogen", dass ich jetzt kochen lernen müsse, da bei uns ja immer mein Mann gekocht hat, wenn wir Gäste hatten. 

Ich nehme das sportlich. Ich könnte nämlich schon, wenn ich wollte. Aber bisher hatte ich keine grosse Lust und vor allem musste ich nicht und mein Mann durfte sich jeweils mit seinen Kochkünsten profilieren... 

Die Kochbücher von Jamie Oliver werde ich mal mitnehmen! Ich habe sie ihm zwar vor Jahren geschenkt, aber er hat sie nie angeschaut und vermutlich weiss er gar nicht mehr, dass es sie gibt. :-)

Ach ja, apropos Küche: gestern habe ich zwei Sets Gläser gekauft! Weisswein-, Rotwein- und Sektgläser für 8 Personen! Ein Musthave! Der Vormieter überlässt mir sein Weingestell im Keller. Ebenfalls ein Musthave! Schliesslich wohne ich in einem Weinbaugebiet und wenn Besuch kommt, trinkt man zusammen ein Glas Wein. Das gehört hier zur Kultur und diese Tradition werde ich auch alleine weiterführen. 

Ich sehe mich schon abends auf der Terrasse sitzen, all by myself, mit meinem kleinen Laptop und/oder einem Buch, einem Glas Wein und einem Teller mit dunklem Brot und Käse. Ich werde den Abend in Ruhe geniessen, dem Kreischen der Möwen vom nahegelegenen See lauschen und einfach sein...  

Und weit und breit kein Mann, der nach zehn Minuten ruft:  "Wo ist eigentlich die Mama?!!"   




Dienstag, 15. Januar 2013

Life changing moments (2)


Eigentlich wollte ich es den Kindern schon am Freitag Abend sagen. Mein Mann war dagegen. Er plädierte für Samstag Abend. Die Idee war, dass wir Eltern mit den Kindern gemeinsam und mit beiden gleichzeitig sprechen würden. Allerdings haben wir uns nie konkret über den Ablauf des Gesprächs unterhalten. Je näher Samstag Abend rückte, umso grösser wurden meine Zweifel... 

Letztlich bin ich ja diejenige, die den Schlussstrich zieht und ausziehen will und die Kinder stehen mir emotional näher, und irgendwie hatte ich plötzlich das Gefühl, dass es vielleicht doch besser wäre, wenn sie es aus meinem Mund erfahren. Ich beschloss, auf meinen Bauch zu hören. 

Erstmal war Skifahren angesagt. Das Wetter entwickelte sich vielversprechend und so eine Ferienwohnung und das Saisonabonnement wollen schliesslich  "amortisiert" werden... Eine von vier Personen betrachtete begeistert den blauen Himmel, der an gewissen Stellen die Wolken durchbrach. Die drei andern hätten lieber ausgeschlafen... Skifahren en famille: einmal Kür und dreimal "Pflichtübung". Er ging vorab mit Sohnemann. Ich folgte zwei Stunden später mit Piccolina, nachdem ich mein arthrotisches Kniegelenk und den schmerzenden grossen Zeh mit Medikamenten soweit betäubt hatte, dass ich wieder einigermassen normal gehen konnte. Keine Ahnung, was das mit dem Zeh soll. Seit zehn Tagen habe ich Schmerzen, kann mich aber nicht erinnern, den Zeh irgendwo angestossen zu haben. Aber das nur am Rande.

Ich bin also trotzdem hochgefahren. Contre coeur, dem "Familienfrieden" zu liebe. Oder besser gesagt, um den Gatten bei Laune zu halten...

Die Pisten waren bedeckt mit viel lockerem Neuschnee und ich quälte mich etwa zwei Stunden damit ab und dann hatte ich die Nase gestrichen voll. Es ist eine feine Sache, über eine gut präparierte Piste zu wedeln. Über lockeren Neuschnee zu fahren, ist eine ganz andere Geschichte. Es ist in erster Linie anstrengend und mir persönlich macht das gar keinen Spass. Schneeverhältnisse "Pulver: gut"? Paahhh! Ich mag es lieber hart und plattgewalzt. Nach einem späten Mittagessen hatten die Kinder und ich genug vom Skifahren - das Letzte, was ich jetzt gebrauchen könnte, wäre ein gebrochenes Bein...

So fuhr ich zurück ins Tal und Junior schloss sich mir an. 
Aussicht vom Balkon der Ferienwohnung am 12.1.2013

Mein Mann konnte Piccolina irgendwie überreden, nochmals mit ihm hochzufahren. 

Als ich alleine mit meinem Sohn in der Wohnung war, fasste ich spontan den Entschluss, es ihm endlich zu sagen. Nicht ohne vorher per WhatsApp das OK seines Vaters eingeholt zu haben. Ich war überrascht, dass er keine Einwände hatte und einverstanden war...

Ich bat Junior, das  iPad zur Seite zu legen und ins Gästezimmer zu kommen. Wir kuschelten uns nebeneinander aufs Bett und ich sagte ihm, dass ich etwas mit ihm besprechen wolle. Er schaute mich ängstlich und erwartungsvoll an und für einen kurzen Moment hatten wir beide ein Déjà-vu: vor neun Monaten gab es eine ähnliche Situation und damals musste ich meinen Kindern vom plötzlichen Tod des geliebten Grossvaters berichten. Ich nahm vorweg, dass niemand gestorben sei, vermied es jedoch zu sagen, dass es nichts Schlimmes sei... 

Ich war auf alles gefasst. Mein Sohn (11) ist ein sehr sensibles Kind. Es besteht eine starke Verbindung zwischen uns und das geht so weit, dass er Bauchschmerzen kriegt, wenn ich mich schlecht fühle. Er spürt und sieht mehr als andere Kinder in seinem Alter.  Er war irgendwie immer schon ein "kleiner Erwachsener" und macht sich (zu) viele Gedanken über alles. Ihr ahnt, von wem er das hat...

Ich legte meine Hand auf seinen Arm und begann ihm zu erklären, dass Mama und Papa bald in zwei verschiedenen Wohnungen leben werden, dass wir aber trotzdem weiterhin eine Familie bleiben. Seine grossen hellblauen Augen füllten sich augenblicklich mit Tränen und er unterbrach mich nach wenigen Worten: "Ihr wollt Euch scheiden lassen?!!"... 

Ich sagte ihm, dass das für mich vorderhand kein Thema sei. Dass Papas Tempo mir einfach zu anstrengend sei und ich zur Ruhe kommen müsse und dass sein Vater und ich kein Liebespaar mehr sind. Dass wir beide aber immer für ihn da sein werden und wir die Absicht hätten, weiterhin hie und da am Wochenende als Familie gewisse Dinge zusammen zu unternehmen:  Badeausflüge mit dem Segelschiff,  gemeinsame Skitage, Freunde einladen...

Er kämpfte mit den Tränen und versuchte sich zu beherrschen, so wie ich es jeweils zu tun pflege, wenn ich traurig bin. Lautlose Tränen, die man runterschluckt und zu verbergen versucht. Ich nahm ihn in die Arme und versuchte, ihn zu trösten und ihn zu beruhigen. 

Ich erzählte ihm auch, dass wir die Ferienwohnung per Ende März räumen werden und er nahm es ohne Bedauern bzw. mit Erleichterung zur Kenntnis. 

Als ich ihm auf dem Handy die Bilder der neuen Wohnung zeigte, entspannte er sich etwas. Ein Glück, dass es eine so schöne Wohnung ist! Das macht es einfacher. Er stellte Fragen und interessierte sich. Aber die Traurigkeit in seinem Augen  blieb. Es lässt sich nicht schön reden oder leugnen: erneut ist ihm in seinem jungen Leben ein Stück Unbeschwertheit abhanden gekommen. 

Spätabends beim Einschlafen lagen wir nebeneinander im Bett und er sagte, dass er hofft, dass dies alles nur ein böser Traum sei...

* * * * * *

Als mein Mann nach dem Skifahren mit  Piccolina (9) nach Hause kam, sprach er noch alleine mit seinem Sohn und ich nahm die Kleine beiseite, schloss die Zimmertür und setzte mich mit ihr aufs Gästebett. Sie schaute mich interessiert und erwartungsvoll an und ich sagte ihr das Gleiche, das ich eine gute Stunde vorher ihrem Bruder gesagt hatte. Ihre Reaktion war unglaublich! Sie riss die Augen auf, strahlte über das ganze Gesicht, hüpfte auf dem Bett auf und ab und rief: "Cool! Ich kriege ein neues Zimmer! Yuhuu! Endlich habe ich genügend Platz für all meine Spielsachen!"

Und dann wollte sie die Fotos sehen und ihre Freude verstärkte sich noch: "Wow!  So schön! Ein eigener Balkon! Ich wollte immer schon einen Balkon haben!"... Und dann begann sie im Geiste das Zimmer einzurichten, sinnierte, welche Möbel und Spielsachen sie ins neue Zimmer zügeln will und wollte wissen, ob sie ihre Freundinnen jeweils am Samstag am neuen Ort zum Spielen einladen darf und ob sie dann auch zwischen dem Haus und der Wohnung hin- und her wechseln könnten. Wie lang der Schulweg sei und wann sie die Wohnung besichtigen könne. 

Als wir aus dem Zimmer kamen, sahen uns zwei Augenpaare ziemlich fassungslos an! Sie hatten den Jubel der Kleinen gehört und diese strahlte immer noch wie ein Marienkäfer... Mit dieser Reaktion hatte nun wirklich niemand gerechnet! 

Es ist keine Frage des Alters. Junior hätte vor zwei Jahren kaum anders reagiert als heute. Aber ich bin froh, dass Piccolina so gestrickt ist. Sie ist ein kluges Kind und sehr dezidiert und pragmatisch. Sie nimmt die Dinge, wie sie sind und macht das Beste daraus. Sie wird ihren Weg machen und sie wird es ziemlich sicher leichter haben im Leben als ihr Bruder... 

Auf jeden Fall hat Piccolina die Stimmung gerettet und wir haben uns dann alle an den Tisch gesetzt, Wein und Kinderschaumwein getrunken und über die neue Situation geredet. Erstaunlich entspannt.


Als ich später mit beiden Kindern im Gästebett kuschelte während Papa vor dem TV sass und wir über die Zukunft sprachen und dem Jungen wieder die Tränen in die Augen schossen, erklärte Piccolina: "Gell, Mama, ich sehe halt nur die positiven Aspekte. Und mein Bruder nur das Negative." O-Ton einer Neunjährigen! 


Inzwischen sind zwei Tage vergangen und Junior sieht es ein wenig gelassener. Er freundet sich langsam mit dem Gedanken an das zweite Zuhause an und er spricht auch öfters von der neuen Wohnung. Allerdings hat er auch verlauten lassen, dass er hofft, dass ich nach einem Jahr ins Haus zurückkehre... Piccolinas Freude ist ungetrübt. Auf die Reaktion seiner Schwester angesprochen sagt er: "Sie ist eine Optimistin! Ich bin Realist!" 

Und die kleine Optimistin spricht andauernd von der Wohnung und kann es kaum erwarten, sie endlich zu besichtigen.

A propos Wohnung: Am Freitag Vormittag hatte ich mich mit der Hauseigentümerin getroffen und wir haben den Mietvertrag unterzeichnet! Das war MEIN life changing moment! Ich werde mich immer an diesen besonderen Moment und an das nette Gespräch erinnern. Und wie ich mich gefühlt habe, als ich auf dem "Louis-Toujours"-Sofa in der mit Stilmöbeln, Liebhaberstücken und  afrikanischem Kunsthandwerk überstellten Wohnung der alten Dame sass und aus einer kleinen Porzellantasse Kaffe getrunken habe: Es war ein Gefühl von Befreiung, Freude und Dankbarkeit.




Montag, 14. Januar 2013

Life changing moments (1)

Es gibt Momente, die sich für eine lange Zeit oder vielleicht sogar für immer im Gedächtnis eines Menschen einprägen. Nie wird man vergessen, wo man sich befand und was man gefühlt hat, als man arglos den Telefonanruf entgegen nahm, der den Tod eines lieben Menschen verkündet hat. Es ist, als würden Raum und Zeit einen kurzen Moment stehen bleiben und die Szene sich in Ton und Bild ins Gedächtnis einbrennen. 

Ich weiss noch genau, dass ich am 11. September 2001 bewusst auf Radio und TV verzichtet habe, weil mein Baby so aufgedreht war und ich erinnere mich an die Szene, als ich mit dem Kinderwagen im Dorf unterwegs war und eine Frau aus der Nachbarschaft mich auf die Ereignisse in New York angesprochen hat. Auch der Moment, als ich vom Unfalltod von Lady Di erfahren habe, blieb im Gedächtnis haften. Ich sehe mich noch heute im Badezimmer in meinem Elternhaus stehen. Oder wie ich im Schlafzimmer gerade das Bett machte, als der Radiosprecher am Stefanstag 2004 von einem Tsunami im indischen Ozean sprach, der mehrere hundert Menschenleben gefordert hätte und ich instinktiv wusste, dass diese Opferbilanz noch weit höher steigen wird und dies die erste Meldung einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses war, die mich (und die Medien) noch für eine sehr lange Zeit beschäftigen würde.


Und diese Woche war es an mir, meinen Lieben eine Mitteilung zu machen, die ihr Leben für immer verändern wird. Nichts Spontanes, das man gleich loswerden muss, sondern einen Entscheid, der schon vor Wochen gefällt worden und wohl überlegt ist und der bei den Empfängern der Nachricht keine Freude auslösen wird. Wie überbringt man eine solche Message und wann ist der richtige Zeitpunkt? Wahrlich eine Herausforderung! 

Der richtige Zeitpunkt liess auf sich warten bzw. kam nie wirklich und schliesslich habe ich es am Dienstag Nachmittag der Schwiegermama gesagt. Am Tag nach ihrem 70. Geburtstag. Ich mochte einfach nicht mehr länger warten. Ich habe uns einen Kaffee gemacht und sie gebeten, sich mit mir aufs Sofa zu setzen. Dann habe ich tief Luft geholt und die Hiobsbotschaft überbracht. Es war schwierig. Sie war schockiert, sass auf dem Sofa wie ein Häufchen Elend und es gab Tränen auf beiden Seiten. Aber auch ein bisschen Verständnis. Ich habe sie umarmt und mich bei ihr bedankt, für alles was sie in den letzten 11 Jahren für uns getan hat und dafür, dass sie für die Kinder eine so wunderbare Grossmutter ist und so viel Struktur und Ruhe in unseren chaotischen Haushalt bringt. Und ich habe ihr gesagt, dass sich für sie im Umgang mit den Kindern nichts ändern wird. Und dass sie sich davor hüten muss, dass ihr Sohn sie noch stärker vereinnahmt. Sie kann so schlecht nein sagen und es geht ihr nicht gut. Sie ist körperlich geschwächt und hat Symptome eines Burnouts. 

Ihre Hauptsorge gilt natürlich den Kindern. Sie befürchtet, dass die beiden sich schwer damit tun werden, drei Tage wöchentlich mit dem  Vater zu verbringen, weil sie doch so an mir hängen. Und dann sagte sie etwas, was mich erstaunt und auch ein wenig schockiert hat: "Är hett ne halt nie viel drnah gfragt.". Wie übersetzt man das am Besten? Er hat sich nie viel aus ihnen gemacht? Nein, das trifft es nicht richtig und ich empfinde es auch nicht so. Das würde ihm nicht gerecht. Was sie wohl damit aussagen wollte, war, dass ihr Sohn nicht in der Lage ist, sich so richtig in andere Menschen hineinzufühlen. Er liebt seine Kinder über alles, no doubt! Aber seine Liebe äussert sich so, dass er aus ihnen erfolgreiche und anständige Mitglieder der Gesellschaft machen will. Sie sollen es zu was bringen und einen gesunden Ehrgeiz entwickeln. Zeit mit ihnen zu verbringen heisst, gemeinsam eine DVD anzuschauen, aufs Schiff zu gehen, über Skipisten zu wedeln, ... oder einfach irgendetwas tun, das Papa gefällt oder bei dem sie etwas lernen können. Sie müssen sich seine Zuwendung gewissermassen verdienen. Was ihm ziemlich bzw. gänzlich abgeht, ist das, was man gemeinhin als Achtsamkeit oder Aufmerksamkeit bezeichnet. Ein Gespür, wie es dem Gegenüber wirklich geht. Er kann das irgendwie nicht. Bleibt immer an der Oberfläche. Er fragt "Wie geht es Dir?" und schiebt gleich ein "Geht es Dir gut?" nach und läuft davon oder spricht weiter, ohne die Antwort des Gegenübers abzuwarten. Es interessiert ihn schlicht nicht und er möchte gar nicht, dass man ehrlich antwortet. "Er ist der Ich-bezogenste Mensch, den ich kenne!" sagt meine Freundin N. 

"Das hat er von seinem Vater! Der ist auch so." sagt seine Mutter resigniert. Am Vortag ist sie siebzig geworden. Von ihrem Mann hat sie auch dieses Jahr wieder nichts geschenkt gekriegt. Keine Pralinen, keine Blumen, nichts. "Ach, mittlerweile tut es nicht mehr so weh." sagt sie. Sie war 17 als sie ihn traf. Mit 18 musste sie heiraten. 52 Jahre hat sie mit ihm verbracht. "Weisst Du, ich hatte auch meine Krisen, aber wir hätten es uns schon finanziell nicht leisten können, uns zu trennen." sagt sie mir. Sie hat sich in ihr Schicksal geschickt. Obwohl sie erwerbstätig war und weitaus erfolgreicher als ihr Mann, hat sie ihn nie verlassen. Er hat ein unglaubliches Glück. Sie ist der liebste und gutmütigste Mensch, den ich kenne und sie hat sich ein Leben lang zum Wohle ihrer Familie aufgeopfert. Nun ist sie müde und ausgebrannt. Das Zusammenleben mit ihrem Mann zehrt an ihren Kräften. Noch immer mischt er sich ein und das neue Sofa ist aus Leder, obwohl sie viel lieber eines aus Stoff gekauft hätte.

Inzwischen hat sie es ihm gesagt. Er habe einen Weinkrampf erlitten und es gehe ihm nicht gut, habe ich erfahren. Er ist 86. Es tut mir leid für ihn. Aber ich kann es nicht ändern und wenn ich ehrlich bin, hat seine Präsenz in unserem Leben meinen Entscheid mit beeinflusst. Ich habe schon länger Mühe mit ihm, weil er so bestimmend ist und so wenig Feingefühl hat. Ich habe bei meinem Mann in den letzten Jahren immer mehr Parallelen zu seinem Vater entdeckt. Die Art, wie er durchs Haus "schlurft", das Lachen, die (zu) laute Stimme, die Sprüche, diese Oberflächlichkeiten. Ich ertrage sie nicht länger. 

Und gestern war der Tag, als die Kinder die Nachricht von unserer Trennung erfuhren. Er könne mir keine Empfehlung abgeben, wie man dies am besten tue, sagte mir der Psychologe am Donnerstag. Vielleicht sei es besser, wenn ich alleine mit ihnen reden würde, einzeln oder zu zweit, weil sie mir näher stehen als meinem Mann, vielleicht auch nicht. Er könne mir keinen Tipp geben, ich würde es schon richtig machen...


(Fortsetzung folgt...)

Sonntag, 6. Januar 2013

Melancholie am Dreikönigstag

Seit gestern Abend sind wir wieder zu Hause. Daheim im Haus, das bald nicht mehr mein Zuhause sein wird. Irgendwie schon ein sehr seltsamer Gedanke, der mir auch Angst macht, jetzt wo es konkret wird. Ich tue mich so schwer mit Veränderungen -  aber es gibt kein Zurück mehr. Ich kann einfach nicht mehr bleiben, auch wenn mein Mann das nach wie vor möchte. Es geht einfach nicht. Ich kann so nicht mehr weitermachen. Heute ist kein guter Tag. Ich habe ein emotionales Tief. Fühle mich sehr allein und möchte den ganzen Tag im Bett bleiben, mir die Decke über den Kopf ziehen und weinen. Hoffe, morgen wird es besser.

Ich muss da jetzt einfach durch. So sehr ich mich auf die Wohnung freue - es ist mir bewusst, dass es kein Spaziergang werden wird. Es wird Momente geben, in denen ich alles anzweifeln und mich fragen werde, weshalb ich so vieles aufgegeben habe. Sicherheit, Bequemlichkeit, die vertraute Umgebung. Für eine unbestimmte Sehnsucht, für ein Gefühl, von dem ich nicht weiss, ob ich es jemals finden werde.

Aber da muss man wohl durch, wenn man sich aus einem vertrauten und bequemen Kokon schält, weil es zu eng gewordenen ist und man sich nicht weiter entwickeln kann. Die Metapher gefällt mir. Ich stelle mir vor, dass ich ein Schmetterling bin, der die Metamorphose im Kokon bzw. einen Lebensabschnitt abgeschlossen hat und sich nun von seiner Hülle befreit, seine zerknitterten Flügel ausstreckt, sie an der Sonne trocknen lässt und schliesslich abhebt und über Blumenwiesen fliegt. Wenn er Glück hat. Wenn er Pech hat, endet sein Flug relativ unsanft an der Windschutzscheibe eines fahrenden Autos oder er wird von einem Vogel gefressen... C'est la vie. 


Der Vertrag für die Wohnung ist da! Im Briefkasten lag ein weisser Briefumschlag für mich. Ohne Briefmarke. Persönlich eingeworfen und mit der Schreibmaschine adressiert! Irgendwie rührend! Im Couvert fand ich ein nettes Schreiben und den Vertrag samt Beilagen. Alles fein säuberlich mit Schreibmaschine getippt! Ich werde den Brief wohl irgendwann einrahmen! Er dokumentiert eine Wende in meinem Leben. Und es wird vielleicht der letzte mit Maschine geschriebene an mich adressierte Brief sein, den ich erhalte. Ein Relikt aus einer fast schon vergangenen Zeit! 


Der Vertrag enthält zwei Klauseln, die mir ein wenig Sorgen machen. Er ist befristet auf ein Jahr und muss jährlich erneuert werden... Muss ich mir nun jedes Jahr Gedanken machen, ob ich die Wohnung behalten kann oder ob die Eigentümerin die Miete erhöhen wird? Oder möchte sie sich einfach absichern, weil sie nicht genau weiss, worauf sie sich (mit mir) einlässt? Ob ich die Erwartungen als Mieterin erfülle? Ich werde den Rasen mähen müssen. Kein Problem, das ist ja kein Neuland für mich. Allerdings fällt der Unterhalt des Rasenmähertraktors in die Zuständigkeit der Mieter. Damit habe ich nicht gerechnet. Was, wenn das Ding altersschwach ist und eine teure Reparatur anfällt? 

Ach, was soll's. Ich mag mir darüber jetzt keine Gedanken machen und wer weiss schon, was in einem Jahr sein wird. Im schlimmsten Fall ziehe ich halt wieder aus, lagere meine Möbel ein und suche mir ein neues Zuhause.   
Der Vertrag beginnt am 1. Februar. Die Wohnung im Dachgeschoss ist zufällig auch gerade frei und ich werde vorerst alleine im Haus wohnen. Ich habe mir die Frage gestellt, wer wohl dort einziehen wird. Es ist eine spezielle Wohnung, geeignet für einen (gut verdienenden) Single oder für ein kinderloses Paar. Ein interessanter schwuler Mann wäre cool! Oder eine alleinstehende Frau mit einer ähnlichen Wellenlänge. Jemand, mit dem ich hin und wieder gerne im Garten ein Glas Wein trinken und über das Leben philosophieren könnte. On verra. 

Morgen beginnt wieder der Alltag und eine Reihe von Herausforderungen erwarten mich. Und zu allem Überfluss habe ich noch mein Portemonnaie in der Ferienwohnung liegen lassen und werde eine Woche lang ohne Maestro- und Kreditkarte auskommen müssen. Ein blödes Gefühl. Ich bin es gewohnt, bargeldlos einzukaufen. Mein Mann hat mir freundlicherweise ein paar Scheine in die Hand gedrückt. 

Ach ja, und die Krone ging dieses Jahr wieder einmal an Junior. Wie meistens. :-)


Freitag, 4. Januar 2013

Start ins 2013



Der siebte Tag in den Bergen. Gestern Morgen sind wir wieder zeitig aufgestanden, um vor dem grossen Ansturm an der Gondelbahnstation zu sein. Früh heisst für mich, um 8.00 Uhr, spätestens jedoch um  8.30 Uhr "pistenfertig" zu sein. Es hatte sich gelohnt. Zunächst sah es nach schlechtem Wetter aus aber dann klärte es auf und wir hatten drei Stunden lang Sonne, blauen Himmel und wunderbare Pistenverhältnisse. Gegen 13.00 Uhr kam das trübe  Wetter zurück und wir fuhren ins Tal, zurück in die Wohnung. 

Die Familie, mit der wir Sylvester gefeiert haben, ist vorgestern abgereist. Ganz enge, langjährige Freunde. Viel Freud und Leid haben wir schon geteilt. Unzählige Feste zusammen gefeiert, gemeinsam Ferien verbracht, Ausflüge unternommen, an Hochzeiten gelacht und an Trauerfeiern geweint. Wir kennen uns seit zwanzig Jahren. Mindestens. Das Jahr 2012 war für beide Familien ein annus horribilis. Der Freund verlor seinen Bruder und er und seine Frau stecken in einer schweren Ehekrise. Sie haben gerade noch die Kurve gekriegt... Sie wissen von meiner neuen Wohnung. Es war ein spezieller Jahreswechsel. Nicht so unbeschwert wie früher. Wir haben das alte Jahr mit "Galgenhumor" verabschiedet und darauf angestossen, dass es endlich vorüber ist und dass es 2013 eigentlich fast nur besser werden kann! 

Das Wetter hat sich schon mal nicht daran gehalten... Wir haben viel Zeit in der Wohnung verbracht, uns ausgeruht, gelesen, gegessen, Wein getrunken, Karten gespielt und geredet. Und ich habe immer mal wieder auf mein Handy  geschielt...  

Ich hatte es natürlich nicht lassen können, Monsieur Silence am 31.12. nachmittags einen guten Rutsch zu wünschen... Und - oh Wunder! - am 1. Januar 2013 kurz vor Mittag kam tatsächlich ein kurzer Neujahrsgruss von ihm! Eine halbe Stunde nachdem ich mich bei meiner Freundin N. per WhatsApp beklagt hatte, dass ich es schwach und unanständig fände, dass er noch nicht einmal auf "unverbindliche" Neujahrswünsche  reagiert! Er hat mir ein "ganz gutes neues Jahr" gewünscht. Mit Ausrufezeichen! Hach... Ich bin ja mit so wenig zufrieden! 

Naja, alles, was ich wollte, war endlich wieder mal seinen Namen auf dem Handy-Display zu sehen! Endlich, nach 41 Tagen Sendepause! Das "Beschissen" vom 30. November 2012 zählt irgendwie nicht! Danke, Universum! Das ist ein guter Anfang. Das können wir noch steigern, n'est-ce pas?! Wie wär's mit einem "vermisse Dich" in den nächsten drei Wochen? Besten Dank im voraus! :-) 

However, ich bin froh, dass er überhaupt reagiert hat.  Keine Antwort wäre wirklich bitter gewesen... Das war sozusagen ein Test! Und ich konnte der Versuchung widerstehen, zurückzuschreiben.  Der WhatsApp-Dialog endet nun mit einer positiven Message am 1.1.2013. Das ist sehr gut! Nun kann ich mich in Würde getrost zurückziehen. Wobei... ich würde ihm zu gerne sein Jahreshoroskop aus der letzten Sonntagszeitung zukommen lassen!  Das passt nämlich wie die Faust aufs Auge. Meins übrigens auch. Ich werde es nächstens posten, sobald ich wieder W-Lan habe! Ich weiss es wirklich nicht, ob bzw. wie lange ich das mit der Sendepause wirklich durchziehen kann. Ich vermisse ihn immer noch. Dumm gelaufen. Das war so nicht geplant. Sollte doch nur eine "unverbindliche" Affäre werden... Tja, ich bin wohl doch nicht der Typ für unverbindliche Affären. Aber rückblickend betrachtet war dieses Erlebnis mit Monsieur Silence genau das, was es noch gebraucht hat, damit ich einen Schlussstrich unter meine Ehe ziehen konnte! 

Heute ist lazy day. Während die Kinder vor dem TV-Gerät klebten, habe ich mit mit meinem Mann das Mobiliar aufgeteilt. Wir sassen im Esszimmer am alten Tisch, tranken Weisswein und gingen in Gedanken jedes Zimmer durch. Zuerst die Ferienwohnung, dann das Haus und schliesslich das Gartenmobiliar. Wir haben nicht weniger als sieben Gartenbänke, wenn  man die runde Baumbank mitzählt! Eine war ein Hochzeitsgeschenk.  Sie werden alle im Garten bleiben und ich kaufe mir im Frühjahr neues Gartenmobiliar. Ich habe gesagt, was ich alles mitnehmen will und er, was er gerne behalten möchte und wir haben den Wert für das Mobiliar und die Elektronik ausgehandelt. Nun ist er noch rasch Skifahren gegangen und ich nutze die Zeit, um dieses Post zu schreiben. Die Kinder hatten keine Lust und mir geht es genauso. Ich muss mein lädiertes Knie etwas schonen.

Gestern Abend hatte ich ein emotionales Zwischentief. Ich sass alleine vor dem TV, trank eine halbe Flasche Weisswein, habe mir einen Familienfilm angeschaut und hin und wieder ein paar Tränen weggewischt. Hängt vielleicht auch damit zusammen, dass mir hier in der Ferienwohnung langsam die Decke auf den Kopf fällt und ich 24 Stunden um meinen Mann herum bin, was zur Folge hat, dass ich zu viel esse... Seit Weihnachten habe ich eine Familienpackung After Eight vernichtet. Fast im Alleingang.  Was musste mir meine Mutter aber auch eine 300g-Packung schenken! :-(  Überhaupt habe ich viel zu viel Süsses gegessen. Und seit Weihnachten zweimal Raclette (vollfett aus der Bergkäserei - wenn schon, dann schon!!), einen  Sechsgänger im Restaurant und jeden Tag Alkohol in nicht ganz unerheblichen Mengen! Figurtechnisch der Supergau. Ab 7. Januar ist Schluss damit! 

Aufgrund langjähriger  Erfahrung weiss ich, dass es ungünstig ist, gute Vorsätze im Zusammenhang mit  Gewichtsreduktion per 1.1. umsetzen zu wollen,  weil da noch zu viele Köstlichkeiten im Kühlschrank und in der Küche herumstehen und überhaupt, am 6. Januar ist Dreikönigstag und ich liebe Dreikönigskuchen! Man muss sich ja nicht noch unnötigerweise Steine in den Weg legen. Das Einhalten guter Vorsätze ist ohnehin eine delikate Angelegenheit. Und deshalb beginnt die Zucker-Entwöhnungskur erst am 7. Januar! Und die N-Walking Stöcke werde ich dann auch wieder aus dem Keller bzw. aus dem Kofferraum meines Autos holen! Und wenn ich zwei Wochen lang diszipliniert gelebt habe, werde ich mich erstmals wieder getrauen, auf die Waage zu stehen. Bald beginnt ein neues Leben! In vielerlei Hinsicht!! Ich werde Ballast abwerfen. Sprichwörtlich und im übertragenen Sinn.

Meine Traumwohnung wird erst Ende Januar frei. Der Mieter wird seine restlichen Möbel Mitte Januar räumen und dann muss noch geputzt werden. Ich habe mit der Besitzerin telefoniert und es war ein sehr nettes Gespräch. Der Vertrag sollte inzwischen daheim im Briefkasten liegen.  Hin und wieder habe ich zwar einen kurzen Anflug von Panik - schliesslich werde ich zum ersten Mal in meinem Leben eine eigene Wohnung haben und ganz auf mich alleine gestellt sein bzw. die Verantwortung mit niemandem teilen können - aber die Freude über die bevorstehende Unabhängigkeit und Freiheit überwiegt extrem und ich habe meinen Entschluss seitdem ich ihn kommuniziert habe nicht ein einziges Mal angezweifelt oder in Frage gestellt! Ich habe eine innere Überzeugung, dass ich das Richtige tue. 

Bloss die Kinder wissen es noch immer nicht! Ich wollte es ihnen gestern Abend oder in den kommenden Tagen sagen. Aber mein Mann ist dagegen. Er fürchtet sich sehr vor dem Gespräch und will es bis Mitte Januar hinausschieben. Das ist mir zu lange. Ich muss schon ständig aufpassen, dass ich mich nicht verspreche, weil ich gedanklich schon beim Einrichten meiner Wohnung bin und jeden Gegenstand auf seine "Rosalies Wohnung-Tauglichkeit" scanne...

Aber in einem Punkt hat er recht: Ich muss es zuerst seiner Mutter sagen! Weil sie es sonst von den Kindern erfahren würde und das wäre ein Faux-Pas! Taktisch nicht geschickt. Und am 7. Januar hat sie auch noch Geburtstag... Ach, irgendwie ist der richtige Zeitpunkt einfach noch nicht gekommen. Aber lange können wir es nicht mehr hinauszögern. Ich werde am 8. Januar noch mit dem Psychologen sprechen. Wie bringt  man seinen Kindern möglichst schonend bei, dass die Eltern bald nicht mehr unter dem selben Dach wohnen werden? Es sind diese Momente, die sich im Gedächtnis eines Menschen einbrennen. Neuigkeiten, die von einer solchen Tragweite sind, vergisst man nie mehr und man erinnert sich ein Leben lang an die Situation, in der man sich befand, als man es erfahren hat. 

Das wird wohl die zweite grosse Herausforderung im neuen Jahr werden. Die Erste wird das Gespräch mit der Schwiegermutter sein. Und die Dritte, das definitive Aushandeln der Trennungsvereinbarung.

Aber ich habe ein sehr gutes Gefühl für 2013! Die 13 ist schon lange meine Glückszahl. Ich bin an einem 13. auf die Welt gekommen. Es war ein Freitag. :-)