Sonntag, 30. Juni 2013

Vierzehn Tage im Leben von Rosalie...

Meine Tochter hat mich heute Morgen gefragt, weshalb im Wohnzimmer eigentlich eine solche Unordnung herrsche... Sie meinte den Esstisch, der mit meiner Buchhaltung, Notebook und ziemlich viel Papier belegt ist, zwei Stapel Zeitungen und Post, die auf zwei Stühlen darauf wartet, endlich "erlesen" zu werden. Vielleicht auch die beiden transparenten Boxen mit Farbe und Bastelzeugs und den halb fertigen Kartonschrank für die Monster High Girls, und das Chaos in der offenen Küche... Da steht gerade ziemlich viel herum, da der Geschirrspüler sich noch nicht von selbst ausgeräumt hat und überhaupt... Verflixt, ich hab die Küche doch gerade erst gemacht?! Und nun herrscht schon wieder Chaos...  Und da war da noch der volle  Wäscheständer, den ich inzwischen nach draussen gestellt habe, bevor die Sonne (!) sich schon wieder verzieht!  Bevor ich etwas erwidern konnte, hat sie ihre Frage gleich selbst beantwortet:  "Ach, ich weiss ja, Mama, Du hast viel um die Ohren!"... 

Stimmt! Und deshalb komme ich einfach nicht zum Schreiben und wenn ich alles aufschreiben würde, was in den letzten 14 Tagen passiert ist, dann würde dieses Post mal wieder rekordverdächtig lang. Also mache ich es kurz! Naja, ich versuch's! Ach was - es wird mir eh nicht gelingen. Ihr kennt mich ja. ;-)

Also...


Meine Geburtstagseinladung vom 16. Juni war ein voller Erfolg. Ich hatte zum einen meine übersichtlich kleine Verwandtschaft eingeladen (Mama, meine Schwester mit Kids und Gatte und meine Cousine, die Patentante meiner Tochter) sowie zwei befreundete Familien und zwei Ehepaare, die ich zu meinem engsten Freundeskreis zähle. Und meinen Mann, der nach dem Segeln am späteren Nachmittag auch noch auf ein Glas Wein vorbeigekommen ist, was ich geschätzt habe. Eines der Ehepaare und die eine Familie hat er seit unserer Trennung schon mehrmals getroffen und auch schon eingeladen, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass mir gegenüber irgendwelche "Ressentiments" vorhanden sind. Das ist eine gute Erfahrung und ich bin zuversichtlich, dass wir nach der Trennung so miteinander umgehen können,  wie wir uns das vorgestellt haben und dies gilt auch für den Umgang mit unserem Freundeskreis.

Ich werde den zweiten Teil meiner engsten Freunde  zu einem späteren Zeitpunkt einladen, denn 13 Erwachsene und 8 Kinder schienen mir fürs Erste genug auf einmal... Das Wetter war zum Glück perfekt, so dass man auch draussen sitzen konnte und die Ambiance an diesem Sonntag Nachmittag war angenehm und entspannt und meine Freundinnen waren begeistert von der Wohnung und nicht zuletzt von meiner Einrichtung... ;-)

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Am Vortag meiner Einladung war ich übrigens von morgens 08.15 Uhr bis abends um 18.00 Uhr auf Gartenexkursion mit meinem Verein und habe drei sehr schöne Gärten besichtigt und den Abend habe ich dann spontan mit alten Freunden und meinem Mann bei ihm auf der Terrasse verbracht und um 23.00 Uhr bin ich mit den Kindern in meine Wohnung gefahren. Ich spreche von Haus und Wohnung, aber eigentlich wohne ich hier am neuen Ort auch wie in einem Einfamilienhaus. Die Wohnung erstreckt sich über zwei Stockwerke und vom Erdgeschoss blicke ich gegen Osten und Süden auf eine Rasenfläche und es gibt Bäume und Blumen. Der Mann in der Dachwohnung ist selten zu Hause und sehr unkompliziert, so dass ich Waschmaschine und Tumbler benutzen kann, wann immer es mir in den Sinn kommt. Wie früher im eigenen Haus. 

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Zum nächsten Punkt: Der Urlaub von meinem Schatz! Nachdem unsere ursprünglichen Urlaubspläne in südlicheren Gefilden nicht realisiert werden konnten, schienen zwei Wochen Balkonien in Berlin nicht wirklich eine verlockende Option, zumal das Wetter.... Ihr wisst schon. Ich habe lange hin und her überlegt und schliesslich haben wir kurzfristig - as usual - (um)disponiert. Eine Woche Ferien in der Schweiz! Und obwohl klar war, dass wir nicht die ganze Zeit würden zusammen sein können, war die Aussicht auf ein paar gemeinsame Tage, zwischendurch kurze Treffen und aller Voraussicht nach ein paar gemeinsame Nächte doch sehr verlockend. Ich bin froh, dass mein Schatz ebenso spontan und unkompliziert ist wie ich, sonst würde das mit uns überhaupt nicht funktionieren! Kurz nachdem er die Flüge und das Hotel für die Zeit, in der die Kinder bei mir schlafen, gebucht hatte, stellte sich heraus, dass mein Sohn sich innert Wochenfrist einer Operation unterziehen muss... 

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Der Kinderarzt hatte mich bei einer Routineuntersuchung nach einem kurzen Blick auf das "Zizi" meines Sohnes an den Kinderchirurgen überwiesen und nachdem es mit der Überweisung nicht auf Anhieb geklappt hatte (unters Eis geraten!) und viele Wochen vergangen waren, hatten wir am Mittwoch vor einer Woche endlich einen Termin beim Spezialisten. Er schaute sich das Problem gefühlte fünf Sekunden lang an und bestätigte, was ich geahnt und verdrängt hatte. Es ist eine seltene Hautkrankheit, welche die Phimose verursacht bzw. akzentuiert hat! Wir mussten gleich einen OP-Termin vereinbaren.  Es war mir schon bewusst gewesen, dass er eine Phimose hatte, aber eine Zeitlang dachte ich, das sei in diesem Alter noch normal... Und ich habe meinen Sohn immer wieder gefragt, ob er denn keine Beschwerden hätte und er betonte jedes Mal und noch bis zum Tag der Operation, dass alles in Ordnung sei... Er wird bald 12 und geht virtuos mit dem Computer um, richtet sich Server ein auf Minecraft, dreht Videos, die er auf Youtube hochlädt -  das alles hat er autodidaktisch bzw. anhand von youtube-Tutorials gelernt - und er weiss über so vieles Bescheid und erscheint ganz altklug und manchmal richtig "erwachsen"... - aber er hat mir nie gesagt, dass er bald nicht mehr pinkeln kann, weil die Vorhaut immer mehr zugewachsen ist! Und beim Duschen und Baden hat er die Türe hinter sich zugemacht und gleich nach der Unterhose gegriffen, noch bevor ich einen Blick auf seinen kleinen Freund hätte erhaschen können. Sein Vater hat sich auch nie darum gekümmert und als ich ihn vor ein paar Monaten mal darauf angesprochen habe, wie "das" denn bei ihm gewesen sei in jungen Jahren, hat er nur gemeint, dass er sich nicht daran erinnern könne... 

However... es war allerhöchste Eisenbahn und von der Erstkonsultation beim Kinderchirurgen bis zur Operation sind sechseinhalb Tage vergangen... Ich habe mit mir gehadert, mir Vorwürfe gemacht, dass ich es nicht früher bemerkt habe, weil ich viel zu sehr mit mir selber und meinen Problemen beschäftigt gewesen bin und es tut mir so leid für ihn, dass er sich nun einer totalen Beschneidung unterziehen musste. Ich hätte ihm das niemals zugemutet, wenn es nicht aus medizinischen Gründen unumgänglich gewesen wäre. Der Chirurg sprach von rund 30 Fällen jährlich, die er aufgrund dieser Diagnose operiert. Ich habe ihn nicht gefragt, wie viele Operationen er im Jahr durchführt, aber allein am letzten Mittwoch Vormittag hat er mindestens sechs Kinder operiert... Und er hat ein sehr grosses Einzugsgebiet, weil er für diese Art von Eingriffen die Koryphäe ist, und alle Kinder in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, von denen ich weiss, dass sie einen Eingriff hatten, sind von ihm operiert worden.

So habe ich den ganzen Mittwoch in einem kleinen privaten Spital verbracht. Mein Sohn war sehr tapfer und wir mussten lange Warten - vor und nach dem Eingriff - aber die Betreuung durch die Pflegefachfrau war ausgezeichnet und der deutsche Anästhesist und auch der Chirurg waren sehr nett. Ich durfte mit in den Operationsraum und konnte bei meinem Sohn sein, bis er eingeschlafen ist. Es war ein seltsames Gefühl und mir wurde ein wenig mulmig und am liebsten hätte ich geheult.  Dieses Gefühl, dass sein Leben jetzt für immer anders sein wird, weil man ihm seine Vorhaut wegschneidet, das hat mir sehr zugesetzt. Am Morgen noch hatte ich im Bett auf dem iPhone einen wiki-Artikel über die Beschneidung gelesen und ein Gefühl der Ohnmacht überkam mich... 

Ich habe mit Einwilligung meines Sohnes ein Foto von seinem Zizi gemacht, damit ich es ihm irgendwann zeigen kann, falls er später mit dem Eingriff hadert, wenn er älter ist. Das Bild spricht für sich...

Ich habe alles alleine durchgestanden, wie üblich. Konnte mich mit meinem Mann nicht austauschen über meine Ängste und Sorgen und er hat nicht viel dazu gesagt ausser dass er froh sei, dass ich mich darum kümmere... Wir waren in einem Zweierzimmer und im anderen Bett war eine Frau mit einem halbjährigen Bübchen, dessen Hodenhochstand operativ behoben werden musste und der Ehemann/Vater kam dreimal vorbei um nach seiner Frau und dem Baby zu schauen und sie haben sich liebevoll ausgetauscht. Wieder einmal ist mir bewusst geworden, wie anders unser ehelicher Austausch immer gewesen ist. Mein Mann wäre wohl mitgekommen, wenn unser Sohn  im Babyalter hätte operiert werden müssen,  hätte dann aber bald gesagt, dass er ja doch nichts tun könne und wäre ins Büro gegangen. Und ich hätte bejaht...

Natürlich hat er sich per WhatsApp mehrmals erkundigt und ich habe ihm geschrieben, wie es gelaufen ist und wann er Daumen drücken soll, aber es wäre meinem Mann nicht in den Sinn gekommen, vorbeizuschauen, obwohl das Spital in 15 Autominuten erreichbar gewesen wäre. Weder hat er sich das Problem vorher angeschaut noch wäre er in der Lage gewesen, die postoperative Nachsorge zu machen. Kein schöner Anblick, fürwahr... 

Die Operation ist zum Glück komplikationslos verlaufen! Mein Junge war ausserordentlich tapfer und hat keine einzige Träne vergossen und nach einem Tag hat er den "Verband" bereits selber gewechselt. Es war geplant, dass er die erste Nacht bei der Schwiegermama verbringen wird, da ich am Donnerstag Morgen ins Büro musste. Gemusst hätte... Ich habe meinem Sohn versprochen, ihn sofort zu mir zu holen, wenn er sich nicht gut fühlt, da er natürlich Vorrang vor meiner Arbeit hat. Und obwohl er betont hat, dass es ihm gut geht, habe ich doch gespürt, dass es anders kommen wird und meinen Schatz gebeten, sich in der Nähe ein Hotelzimmer zu suchen. Und am Abend war ja noch unser Bloggertreffen abgemacht! Es hat alles geklappt mit meiner Planung und wir haben einen gemütlichen Abend mit Boelleli verbracht. Um 21.00 Uhr hat mir mein Sohn am Telefon bestätigt, dass es ihm gut gehe und als ich mit meinem Schatz um 23.00 Uhr ins Auto gestiegen bin, kam der zweite Anruf... "Mama, bitte hol mich ab!"... Und so habe ich meinen Berliner Schatz  vor seinem Hotel abgesetzt und meinen Jungen abgeholt. Er hat dann in meinem Bett geschlafen und  wir haben zweimal in der Nacht das Gazetuch gewechselt und die Wunde versorgt und so konnte er doch ein paar Stunden schlafen. Irgendwie hat es mich auch ein bisschen gefreut, dass Mama halt doch unentbehrlich ist und - so lieb er seine Grossmama hat und so nahe sie sich stehen -  er sie trotzdem  nicht an seine Wunde lassen wollte. Mama ist eben nicht zu ersetzen... :-)

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Um 08.30 Uhr schrieb ich ein Email ins Büro und ich hoffte insgeheim, dass in meiner Abwesenheit keine weitere Rechtsverzögerungsbeschwerde angedroht würde... Letzte Woche konnte ich dies in zwei Fällen gerade noch abwenden. Das ist mir in den letzten 15 Jahren nie passiert, dass es so weit gekommen ist... Wenn ich nicht im Büro bin, bleibt meine Arbeit liegen. Und ich musste dieses Jahr schon so oft frei nehmen, so dass vieles liegengeblieben ist.  Mein Chef hat nicht auf das Mail geantwortet, hat sich aber am Freitag Nachmittag, als ich dann endlich ins Büro gehen konnte, sehr nett verhalten. 

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In den Tagen vor der Operation habe ich meinem Berliner Schatz die Berge gezeigt und wir haben ein paar sehr schöne Tage zusammen verbracht. Vorsichtshalber haben wir spontan eine weitere Nacht in einem sehr speziellen Hotel gebucht, die wir letztendlich dann sogar gemeinsam verbringen konnten. Die Auswahl an Hotelzimmern war nicht mehr gross - aber ich wollte schon lange gerne mal in diesem besonderen Hotel übernachten, was ich unter "normalen" Umständen aber nie gemacht hätte, da meine Wohnung ja nur wenige Kilometer entfernt liegt... ;-)

Ausflug nach Interlaken: Dinner mit Blick auf die Jungfrau! 


Am Freitag Morgen habe ich meinen Schatz an den Bahnhof gebracht und er hat seine Heimreise angetreten. Was für eine Woche! Auch für ihn. Ganz viele Eindrücke. Wir haben beide viel erlebt und er hat sieben Nächte in vier verschiedenen Betten an drei verschiedenen Orten verbracht... Aber immerhin vier davon gemeinsam mit mir! :-)
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Ach ja, Donnerstag Nacht um 21.30 kam ein Anruf von meiner Büro-Freundin - aber ich hatte gerade keine Lust ihr zu antworten... ;-) So erfuhr ich dann per SMS, in welcher Organisationseinheit ich ab September arbeiten werde, wer meine Vorgesetzten sein werden und wer sonst noch in meinem Team ist. Es ist ok.  Es hätte schlimmer kommen können... Schade nur, dass sie und ich in verschiedenen Teams sein werden. 

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Und - man glaubt es kaum -  ich habe es  in der letzten Woche sogar noch geschafft, meine Buchhaltung endlich ajour zu bringen und eine verschollene Zahlung an die Cablecom dank Nachforschungsbegehren bei der Bank, drei E-Mails und drei Telefonaten mit der Cablecom zum Vorschein zu bringen, bevor sie mir den Internet- und TV-Empfang abgeschaltet haben... Unglaublich, was für ein Chaos entsteht, wenn man beim eBanking versehentlich zwei Ziffern bei der Referenznummer auf dem Einzahlungsschein verdreht... Ich muss sagen, der Kundendienst war super, auch wenn ich für eine Firma wenig Sympathie aufbringe, die in den AGB festhält, dass eine falsche Rechnung ohne Beanstandung nach 10 Tagen als genehmigt gilt und bei Zahlungsverzug umgehend 25 Franken Mahngebühr fällig werden...

Mein Schatz sass derweil auf meinem Sofa und hat in einem der beiden Bücher gelesen, die ich ihm zum Geburtstag geschenkt habe und zwischendurch hat er mir was vorgelesen und wir haben herzhaft gelacht. Ein witziges, unterhaltsames Buch! :-)

Und am Abend vor der Operation habe ich mich abgelenkt und Blumenkistchen bepflanzt. Für die Fenster im ersten Stock. Gehört sich doch so. Hängegeranien in rosa und weiss. Der Fenstersims ist etwas schmal und ich habe mit Schnüren an einer Sicherung gebastelt und den Kasten am Geländer festgezurrt. Mein Sohn meinte nur, dass er hoffe, dass nichts runterfalle und zwei Sekunden später kippte der Kunststoffkasten nach vorn und vier Geranien und ein paar Liter Erde landeten drei Meter weiter unten auf dem Terrassenboden... Tja... Der leere Kasten ist übrigens oben geblieben. Eine Stunde später war der Schaden weggeputzt und Sohnemann hat tatkräftig mitgeholfen. Wir haben es cool genommen. Es war nicht der richtige Zeitpunkt. Das Projekt Blumenkisten ist vorerst vertagt - an der Befestigungslösung muss ich noch arbeiten. Es wird mir schon noch was einfallen. ;-)

Mein Auto ist vielseitig nutzbar! :-) 

Alles wird gut! Und nun muss ich aufräumen! Bevor meine Tochter nach Hause kommt! Die ist an einem Kindergeburtstag und mir bleiben noch zwei Stunden! 



Mittwoch, 12. Juni 2013

Sitting on my patio, drinking...

a glass of wine or two...

So habe ich mir das vorgestellt, als ich die Wohnung zum ersten Mal gesehen und mein Herz verloren habe. Nun sitze ich alleine auf der Terrasse auf der Akazienholzbank und geniesse die Aussicht. 

Das selbe Modell bzw. die selbe Bank, die ich vor ein paar Jahren schon mal bestellt und zusammengebaut habe und die noch immer "drüben" vor dem Haus steht, das bis vor kurzem mein Zuhause war. Schön, dass der Kaffeeröster seinem Sortiment treu bleibt und jedes Jahr wieder die selben Gartenmöbel im Angebot hat. 

Die Vögel zwitschern, die Grillen zirpen, die Möwen kreischen und die Wasservögel machen diese seltsamen Geräusche, die ich so liebe. Und dazwischen der Lärm der Zivilisation. Motorengeräusche vorbeifahrender Autos und Motorräder, hin und wieder das Tuckern eines Boots vom nahen See und das Gewirr von Stimmen von Menschen, die irgendwo in der Nachbarschaft im Garten sitzen. Ich kann sie nicht sehen und sie sind so weit weg, dass ich nicht genau höre, welche Sprache sie sprechen. Deutsch oder Französisch wird es wohl sein. Dazwischen Kinderlachen und über allem das Konzert der Grillen. Und hin und wieder ist sogar der Kuckuck zu hören!  Was für eine Idylle! Und vor mir glitzert der See in der Abendsonne, nur wenige hundert Meter entfernt zwischen Bäumen und Hausdächern und ich sitze noch immer auf meiner Bank und komme langsam zur Ruhe. Schenke mir das Weinglas nach und lasse "les amours", die letzten Tropfen des Pinot Gris in mein Weinglas fallen und habe plötzlich Lust, dieses Post zu schreiben, obwohl ich so viel wichtigeres und dringenderes zu tun hätte... 

Die Moral ist noch immer etwas "en bas", das heisst die Gemütslage ist etwas gedrückt, was aber vermutlich nicht nur auf Trennungsmelancholie zurückzuführen ist, sondern auch etwas mit PMS und den aktuellen Entwicklungen im Büro zu tun hat. Jedenfalls habe ich heute bei der Heimfahrt vom Büro im Auto ein paar Tränchen vergossen. Das muss wohl einfach ein, aber eigentlich habe ich doch allen Grund, dankbar zu sein. Ich habe die Wohnung meiner Träume gefunden und mein Mann verhält sich trotz allem doch recht fair. Unser  Umgang ist zwar distanziert aber nicht gehässig. Eigentlich ist seit unserer Trennung noch nie ein böses Wort gefallen. Auch nicht selbstverständlich! Vorher eigentlich auch nicht...






Und ich blicke zurück auf ein wundervolles Wochenende mit meinem Schatz. Unser Umgang ist jetzt viel entspannter und unbeschwerter und es gelingt uns, den Moment zu geniessen, im Hier und Jetzt zu leben ohne allzu weit in die Zukunft zu blicken und zu planen. Wir haben unglaublich intensive, leidenschaftliche  Momente zusammen erlebt, herzhaft zusammen gelacht und jede der 56 gemeinsamen Stunden ganz bewusst genossen. Es hat diesen Knall im April wohl leider gebraucht, damit wir uns neu finden und unsere Beziehung auf eine andere Ebene bringen konnten... Seltsam, wie das Leben manchmal spielt! 

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Und am Montag ist meine Kleine zehn Jahre alt geworden und ich habe die Grosseltern, meinen Mann und meine Schwester mit Familie zum Abendessen eingeladen!  Première!! Mama war verhindert. Kochen ist für mich Stress pur, aber ich denke, ich habe die Feuertaufe bestanden. Sie haben  die Tortillas auf jeden Fall tapfer gegessen und mein Schwiegervater hat mich am meisten überrascht! Er hat das Essen gerühmt und war begeistert von der Wohnung  - dabei hatte ich schon befürchtet, dass er gar nicht erst kommen würde! Schwiegermama hingegen ist noch immer ziemlich reserviert...


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Morgen ist ein spezieller Tag... Aber ich werde wie gewohnt arbeiten, an einer Sitzung teilnehmen, mich über Mittag mit dem Psychologen treffen und  abends nach der Arbeit mit meiner Schwester auf ihrer Terrasse ein Glas Wein trinken und auf meinen Geburtstag anstossen! 

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Und am Sonntag habe ich zum ersten Mal enge Freunde eingeladen! Und meine Schwester, meine Mutter und... meinen Mann! Damit unsere Freunde sehen, wie und wo ich nun lebe und sich ein Bild machen können von der neuen Situation, der neuen Umgebung  und vom Umgang zwischen meinem Mann und mir. Die Schwiegereltern habe ich (noch) nicht eingeladen. Bin etwas im Zwiespalt. War vielleicht ein Fehler. Aber irgendwie war mir nicht so danach. Ich überlege noch... Vielleicht lade ich sie noch kurzfristig ein. Aber es sind schon so viele Leute! 16 Erwachsene und 8 Kinder. Eigentlich gäbe es noch mehr liebe Freunde, die ich gerne dabei haben möchte. Aber die lade ich wohl lieber später mal ein, weil mich so viele Gäste doch etwas nervös machen, selbst wenn es Freunde sind, die mir nahe stehen! Denn diesmal muss ich alles alleine machen, trage die Verantwortung für das Gelingen des Apéros alleine! Ich sollte mir wohl langsam überlegen, was ich in kulinarischer Hinsicht aufstellen will. Etwas mehr als Chips und Apérogebäck sollte es schon sein... ;-) Am Freitag werde ich beim Weinbauern noch ein paar Flaschen besorgen! 

Am Samstag werde ich dazu keine Zeit haben. Da bin ich den ganzen Tag mit meinen Gartenfreunden unterwegs und am Abend übernehme ich die Kinder! Das wird ein eher  "stressiges" Wochenende! 

Drückt mir die Daumen, dass alles gut gehen wird und vor allem, dass das Wetter mitspielt und wir draussen sitzen und stehen und die Kinder auf dem Rasen herumtollen und Fussball spielen können! Ich werde berichten... :-)

Donnerstag, 6. Juni 2013

Von Monstern, Bankern, Sozialkompetenz und so

Die Zeit rast und und ich versuche irgendwie, alles unter einen Hut zu bringen und erledige dies und das und finde kaum Zeit zum Schreiben. Zudem habe ich in letzter Zeit immer mal wieder emotionale Tiefs und ich mag die hier nicht ausbreiten. Will ja keiner lesen, sowas. Und bevor ich beginne, über mein Mobiliar zu schreiben (schöner Wohnen mit shabby Chic), besinne  ich mich mal auf ein paar "Highlights" der letzen Wochen.

Das Gespräch mit Mam und ihrem Bankberater zum Beispiel. Also primär war es ein Gespräch zwischen dem Banker und mir und Mam war dabei. Das ganze Alterskapital (2. Säule) ist in einem Portfolio aus Obligationen und Aktien angelegt und mir graut schon länger vor einem neuen Börsencrash...  Das Kapital muss schliesslich noch zwanzig Jahre reichen. Seit Wochen und Monaten sprach sie bei jedem Rencontre mit mir davon, dass sie sich jetzt "dann mal" darum kümmern müsse, weil das Ersparte langsam zur Neige geht und die Altersrente (1. Säule) zum Leben nicht ausreicht. Und jedesmal habe ich ihr gesagt: "Mama, die Bank schickt Dir doch monatlich einen aktuellen Bericht über getätigte Transaktionen und da steht doch oben links der Name von einem Herrn, der sich um Dein Kapital kümmert. Den rufst Du an und fragst, ob er Dir eine Überweisung auf Dein Konto machen kann. Und dann vereinbarst Du ein Treffen, um mal grundsätzlich über das weitere Vorgehen zu diskutieren und ich begleite Dich". Und oh Wunder, letzten Freitag war es endlich soweit!

Das Treffen war der Hammer! Der nette Herr von der Privatbank (!) hat ein 35seitiges Dokument ausgedruckt mit Titelblatt und Ringheftung und hat uns in verständlichen Worten alles genau erklärt. Jede Obligation und wie die Risiken berechnet sind, weshalb er denkt, dass norwegische Kronen und australische Dollars eine gute Anlage sind, was es mit der Geldmarktpolitik der Schweizer Nationalbank auf sich hat, wohin uns die künstliche Fixierung des Eurokurses und die exorbitant gestiegenen Fremdwährungsreserven wohl noch bringen werden und dass die Hypothekarzinsen aller Voraussicht nach wieder ansteigen werden und all sowas! Und ich habe ein paar Fragen gestellt, unter anderem die, was denn die Verwaltung des Portfolios überhaupt kostet! Er hat geschmunzelt und geantwortet: "Ein Prozent des Kapitals. Pro Jahr." - Ich so: "Wow! Das ist ganz schön viel! - Naja, so lange die Nettorendite höher als ein Prozent liegt, ist es wohl ok!". Er hat gelacht und dann ziemlich überzeugend dargelegt, dass ein Prozent gar nicht so viel sei im Vergleich mit andern Banken und er hat die Vorzüge seiner (alt eingesessenen) kleinen aber sehr feinen Bank betont und ich habe ihm jedes Wort geglaubt und bin jetzt beruhigt! Ich habe das Gefühl, wirklich Bescheid zu wissen und was gelernt zu haben! Und Mama weiss jetzt, wer der Mann ist und er war so sympathisch und freundlich, dass ich zuversichtlich bin, dass sie ihn nun direkt anrufen wird, wenn sie was braucht. Ein Punkt weniger auf der Todo-Liste!

Zur Belohnung gab's dann ein Thaicurry und ein hübsches Leinenjäckchen von meinem Lieblingslabel! :-)


Und dann habe ich mir in den letzten Tagen trotz Chaos im Haushalt die Zeit genommen, mit meiner Tochter die Möbelkartons zu verbasteln. Sie ist gerade in einem totalen "Monster High" Hype und schaut sich auf Youtube alles über die angesagten Puppen an und es gibt dort coole Tutorials einer amerikanischen Mom, die aus allem, was so im Haushalt an Verpackungsmaterial anfällt, hübsche Möbel und ganze Zimmer für die Puppen ihrer Tochter bastelt! Viel schöner und charmanter als die total überteuerten Plastikmöbel von Mattel. Da kann ich mich als "Supermom" natürlich nicht "Lumpen lassen", wie wir auf Schweizerdeutsch sagen. Hier ist das Ergebnis aus Karton, Polsterfolie, rosa Satin und einem alten Gurt: tadaaaa! Unsere erste Couch!


Die neue Couch von Lagoona Blue und Robecca Steam!
Ich kann sie inzwischen alle namentlich aufzählen, die zahlreichen Monster High Girls. Am Anfang fand ich sie schrecklich aber inzwischen hab ich mich von der Begeisterung meiner Tochter anstecken lassen. Die Kollektion wird bald beträchtlich wachsen, denn nächste Woche hat sie Geburtstag!

Ja und was kann ich sonst noch berichten? Ich hatte ein gutes Gespräch mit meinem neuen Anwalt und der Papierkram macht Fortschritte. Das Jungenzimmer ist jetzt endlich "entrümpelt" und fast leer, denn es sind nur noch seine Sachen drin. Ziemlich wenig Möbel. Eine Wohltat! Er ist begeistert und findet es cool. Und nun bin ich daran, das, was ich aus dem Zimmer rausgenommen habe, irgendwie optisch ansprechend in der ganzen Wohnung unterzubringen, da ich momentan keine Zeit finde, alles durchzuschauen und auszusortieren und abzulegen. Papier ohne Ende...

Die Arbeit geht mir nicht aus. Ach ja, Stichwort Arbeit. Im Büro spitzt ich alles zu. Aber ich sitze nicht allein im Boot. Ein schwacher Trost, aber immerhin. Zum Glück bin ich vor einem Jahr der Gewerkschaft beigetreten, um mir im worst case Rechtsbeistand zu sichern... Das könnte sich noch bezahlt machen! Mein alter und vermutlich auch neuer Chef hat sich diese Woche zur Bemerkung hinreissen lassen, was eigentlich genau Sozialkompetenz sei. Das werde doch überwertet. Ich habe nichts dazu gesagt. Nur gedacht, dass er das nicht weiss, weil er sie nicht wirklich hat. Weil das etwas mit dem Charakter zu tun hat und man es wahrscheinlich nur bedingt lernen kann. Man hat sie oder man hat sie eben nicht. So wie es mehr oder weniger empathische Menschen gibt. Ein cooles Schild hab ich heute in seinem Büro entdeckt! Spricht mir aus dem Herzen:



Fundstück aus dem Büro meines Chefs!



Jep! So true!! Passt gerade sehr gut! ;-)

A bientôt!