"Die Meldung vom Tod von Carsten Schloter hat zahlreiche Reaktionen aus Politik und Wirtschaft ausgelöst. Bundesrätin Doris Leuthard würdigte ihn als eine prägende Figur...." tönte es gestern Abend aus dem Autoradio, als ich nach dem Büro in der Dämmerung über die Autobahn heimwärts fuhr. Ich horchte auf.
"Was??! Swisscom-Chef Carsten Schloter ist tot?!" durchfuhr es mich. "Der war doch noch jung? Sicher ein Bergunfall...". Schon gingen mir Gedanken über solche Männer durch den Kopf. Männer, die ihr Leben der Arbeit und dem Extremsport unterordnen. Diese Erfolgsmenschen, die höchste Kaderstellen in der Wirtschaft bekleiden, nebenbei noch Familie haben und trotzdem noch die Zeit finden, jährlich Tausende Kilometer auf dem Rennrad abzustrampeln und/oder frühmorgens zu joggen und die knappe "freie" Zeit am Wochenende damit verbringen, auf irgendwelche Berggipfel raufzurennen oder Marathons zu laufen. Selbstdisziplin bis zum geht nicht mehr. Oder eben bis zum bitteren Ende...
So scheint es im Fall von Carsten Schloter gewesen zu sein. Er ist nicht mehr zur Ruhe gekommen und hat diesem Wahnsinn ein Ende gesetzt. Kein Unfall! Er hat sich selbst das Leben genommen. Vermutlich eine Verzweiflungstat, eine Kurzschlusshandlung.
Es berührt mich. Ich habe ihn persönlich nicht gekannt, aber was man so gelesen hat, war er einer der Guten. Er hat bei der Swisscom die Kultur des Dutzens bis auf die höchste Führungesebene eingeführt. Er hatte keinen Dünkel. Und das als Deutscher! ;-) Die legen ja viel mehr Wert auf Titel und sind viel Obrigkeitsgläubiger als wir Schweizer. Er war wohl einer der beliebtesten und meist geachteten Deutschen im Land. Sein Suizid erschüttert die Menschen.
Es sind selten die abgebrühten Manager, die am Leben und an den Anforderungen, die sie an sich selber stellen, zerbrechen. Sie können mit dem Scheitern schlecht umgehen. Wollen alles perfekt machen,alles im Griff haben. Wenn sie zu emotional, zu empathisch sind, zu sensibel sind, wird es schwierig. Entweder werden sie krank, sterben an Herzversagen oder sie bringen sich um.
Ich frage mich, welche Rolle das Scheitern seiner Ehe gespielt hat. Seine Frau und die drei Kinder im Alter von acht bis vierzehn Jahren leben seit 2009 getrennt von ihm. Er hat in einem Interview einmal gesagt, dass er seine Kinder nur alle zwei Wochen sehen kann und dass er deswege Schuldgefühle habe. Angeblich habe er die Trennung nie ganz verkraftet.
Das ist vielleicht der einzige Bereich des Lebens, an dem Männer wie C. S. letztlich wirklich scheitern. Im Job hat er alles erreicht, was er erreichen wollte und wenn nicht, so konnte er sich neue Ziele setzen und darauf hin arbeiten. Seinen Körper hatte er im Griff, trainierte ihn hart und verlangte ihm alles ab. Aber im familiären Bereich ist er gescheitert. Ausgerechnet.
Ich bin mir sicher, dass Männer wie C. S. diesen ganzen Aufwand nicht nur für sich selber betreiben, um sich etwas zu beweisen, sondern weil sie denken, dass sie es irgendwie auch für die Familie bzw. für ihre Kinder tun. Wäre es anders, hätten sie sich bewusst gegen Kinder entschieden. Und wenn die Familie sich dann abwendet, verlieren diese Männer die Bodenhaftung und plötzlich macht alles keinen Sinn mehr. Die Folge wäre eigentlich ein emotionaler Absturz. Aber viel häufiger flüchten sie sich dann noch mehr in die Arbeit und lassen es nicht mehr zu, einen Moment zur Ruhe zu kommen. Sie verdrängen. Sie haben eine Heidenangst davor, zur Ruhe zu kommen. Manche können ihr ganzes Leben lang kompensieren und verdrängen und werden trotzdem alt. Manche scheitern daran und halten den Druck nicht mehr aus.
Wieso hat er nicht einfach die Reissleine gezogen und einen Sabbatical eingelegt? Ab ins Kloster, in die Wildnis nach Kanada oder wohin auch immer. Er hätte es sich ja sicher leisten können. Wieso kam nur noch der Suizid als ultima ratio in Frage?
Und wieso konnte er die Kinder nicht öfters sehen? Hatte er keine Zeit für sie oder wollte es seine Frau so? Wieso nicht einmal pro Woche ein gemeinsames Abendessen? Muss es denn immer die Extremlösung sein? Anscheinend schon...
Seine Ex-Frau und die Kinder tun mir leid. Ich kenne die Umstände, die zur Trennung geführt haben nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass SIE mit den Kindern gegangen ist. Und ich kann mir auch gut vorstellen, weshalb. Sie wird sich grosse Vorwürfe machen. Einfach nur tragisch, diese Geschichte.
Mein Mann ist auch so ein erfolgsorientierter Mensch und arbeitet seit Jahren 50, 60 Stunden pro Woche. Eher noch mehr. Aber die Familie, insbesondere die Kinder sind ihm sehr wichtig, auch wenn er lange nur sehr wenig Zeit mit ihnen verbracht hat. Hauptsache sie waren da, wenn er nach Hause kommt. In ein leeres Haus heimzukehren ist für ihn der Horror. Er hat einmal gesagt, es würde ihn BRECHEN, wenn er die Kinder nur noch alle 14 Tage einmal am Wochenende sehen könnte. Dieser Satz ist mir damals sehr eingefahren. Das war noch bevor ich die Wohnung in Aussicht hatte und die Trennung konkret wurde. Ich habe es nie vergessen und es ist vielleicht der Hauptgrund, dass ich mich für das Modell der geteilten Obhut entschieden habe.
Die Betreuung der Kinder aufzuteilen ist immer noch die grosse Ausnahme in der Schweiz. Mein Anwalt - selbst Vater eines Jungen im Schulalter - hat mir gesagt, wir sollten dieses Betreuungsmodell unbedingt wählen, wenn es der persönliche Umgang erlaube und wir auch nach der Trennung noch "normal" miteinander kommunizieren könnten. Schon nur im Interesse der Kinder.
Er hat recht. Es ist ein Glück, dass wir nicht zerstritten sind und ich hoffe, es bleibt so. Ich könnte damit nicht umgehen, wenn er in eine Lebenskrise stürzen würde, weil ich ihm - aus welchen Gründen auch immer - die Kinder vorenthalten und sein Besuchsrecht auf das gesetzliche Minimum beschränken würde, wie das so viele Frauen nach der Trennung tun. Es sind immer die Kinder, die am meisten darunter leiden.
Ich möchte nicht in der Haut von Frau Schloter stecken. Das ist keine Schuldzuweisung. Es braucht immer zwei, damit eine Ehe scheitert. Aber die Kinder werden ihr wahrscheinlich unbewusst immer ein bisschen eine Mitschuld am Suizid ihres Vaters geben und sie wird sich auch immer fragen, ob es soweit gekommen wäre, wenn sie geblieben wäre oder ob sie es hätte merken müssen und es hätte verhindern können. Nun muss sie mit dem Unabänderlichen leben. Kein leichter Weg, den sie und die Kinder vor sich haben.
Möge C. S. seinen Frieden finden. Mehr dazu hier.
Und hier.
"Was??! Swisscom-Chef Carsten Schloter ist tot?!" durchfuhr es mich. "Der war doch noch jung? Sicher ein Bergunfall...". Schon gingen mir Gedanken über solche Männer durch den Kopf. Männer, die ihr Leben der Arbeit und dem Extremsport unterordnen. Diese Erfolgsmenschen, die höchste Kaderstellen in der Wirtschaft bekleiden, nebenbei noch Familie haben und trotzdem noch die Zeit finden, jährlich Tausende Kilometer auf dem Rennrad abzustrampeln und/oder frühmorgens zu joggen und die knappe "freie" Zeit am Wochenende damit verbringen, auf irgendwelche Berggipfel raufzurennen oder Marathons zu laufen. Selbstdisziplin bis zum geht nicht mehr. Oder eben bis zum bitteren Ende...
So scheint es im Fall von Carsten Schloter gewesen zu sein. Er ist nicht mehr zur Ruhe gekommen und hat diesem Wahnsinn ein Ende gesetzt. Kein Unfall! Er hat sich selbst das Leben genommen. Vermutlich eine Verzweiflungstat, eine Kurzschlusshandlung.
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| Carsten Schloter. 1963 - 2013 |
Es berührt mich. Ich habe ihn persönlich nicht gekannt, aber was man so gelesen hat, war er einer der Guten. Er hat bei der Swisscom die Kultur des Dutzens bis auf die höchste Führungesebene eingeführt. Er hatte keinen Dünkel. Und das als Deutscher! ;-) Die legen ja viel mehr Wert auf Titel und sind viel Obrigkeitsgläubiger als wir Schweizer. Er war wohl einer der beliebtesten und meist geachteten Deutschen im Land. Sein Suizid erschüttert die Menschen.
Es sind selten die abgebrühten Manager, die am Leben und an den Anforderungen, die sie an sich selber stellen, zerbrechen. Sie können mit dem Scheitern schlecht umgehen. Wollen alles perfekt machen,alles im Griff haben. Wenn sie zu emotional, zu empathisch sind, zu sensibel sind, wird es schwierig. Entweder werden sie krank, sterben an Herzversagen oder sie bringen sich um.
Ich frage mich, welche Rolle das Scheitern seiner Ehe gespielt hat. Seine Frau und die drei Kinder im Alter von acht bis vierzehn Jahren leben seit 2009 getrennt von ihm. Er hat in einem Interview einmal gesagt, dass er seine Kinder nur alle zwei Wochen sehen kann und dass er deswege Schuldgefühle habe. Angeblich habe er die Trennung nie ganz verkraftet.
Das ist vielleicht der einzige Bereich des Lebens, an dem Männer wie C. S. letztlich wirklich scheitern. Im Job hat er alles erreicht, was er erreichen wollte und wenn nicht, so konnte er sich neue Ziele setzen und darauf hin arbeiten. Seinen Körper hatte er im Griff, trainierte ihn hart und verlangte ihm alles ab. Aber im familiären Bereich ist er gescheitert. Ausgerechnet.
Ich bin mir sicher, dass Männer wie C. S. diesen ganzen Aufwand nicht nur für sich selber betreiben, um sich etwas zu beweisen, sondern weil sie denken, dass sie es irgendwie auch für die Familie bzw. für ihre Kinder tun. Wäre es anders, hätten sie sich bewusst gegen Kinder entschieden. Und wenn die Familie sich dann abwendet, verlieren diese Männer die Bodenhaftung und plötzlich macht alles keinen Sinn mehr. Die Folge wäre eigentlich ein emotionaler Absturz. Aber viel häufiger flüchten sie sich dann noch mehr in die Arbeit und lassen es nicht mehr zu, einen Moment zur Ruhe zu kommen. Sie verdrängen. Sie haben eine Heidenangst davor, zur Ruhe zu kommen. Manche können ihr ganzes Leben lang kompensieren und verdrängen und werden trotzdem alt. Manche scheitern daran und halten den Druck nicht mehr aus.
Wieso hat er nicht einfach die Reissleine gezogen und einen Sabbatical eingelegt? Ab ins Kloster, in die Wildnis nach Kanada oder wohin auch immer. Er hätte es sich ja sicher leisten können. Wieso kam nur noch der Suizid als ultima ratio in Frage?
Und wieso konnte er die Kinder nicht öfters sehen? Hatte er keine Zeit für sie oder wollte es seine Frau so? Wieso nicht einmal pro Woche ein gemeinsames Abendessen? Muss es denn immer die Extremlösung sein? Anscheinend schon...
Seine Ex-Frau und die Kinder tun mir leid. Ich kenne die Umstände, die zur Trennung geführt haben nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass SIE mit den Kindern gegangen ist. Und ich kann mir auch gut vorstellen, weshalb. Sie wird sich grosse Vorwürfe machen. Einfach nur tragisch, diese Geschichte.
* * * *
Mein Mann ist auch so ein erfolgsorientierter Mensch und arbeitet seit Jahren 50, 60 Stunden pro Woche. Eher noch mehr. Aber die Familie, insbesondere die Kinder sind ihm sehr wichtig, auch wenn er lange nur sehr wenig Zeit mit ihnen verbracht hat. Hauptsache sie waren da, wenn er nach Hause kommt. In ein leeres Haus heimzukehren ist für ihn der Horror. Er hat einmal gesagt, es würde ihn BRECHEN, wenn er die Kinder nur noch alle 14 Tage einmal am Wochenende sehen könnte. Dieser Satz ist mir damals sehr eingefahren. Das war noch bevor ich die Wohnung in Aussicht hatte und die Trennung konkret wurde. Ich habe es nie vergessen und es ist vielleicht der Hauptgrund, dass ich mich für das Modell der geteilten Obhut entschieden habe.
Die Betreuung der Kinder aufzuteilen ist immer noch die grosse Ausnahme in der Schweiz. Mein Anwalt - selbst Vater eines Jungen im Schulalter - hat mir gesagt, wir sollten dieses Betreuungsmodell unbedingt wählen, wenn es der persönliche Umgang erlaube und wir auch nach der Trennung noch "normal" miteinander kommunizieren könnten. Schon nur im Interesse der Kinder.
Er hat recht. Es ist ein Glück, dass wir nicht zerstritten sind und ich hoffe, es bleibt so. Ich könnte damit nicht umgehen, wenn er in eine Lebenskrise stürzen würde, weil ich ihm - aus welchen Gründen auch immer - die Kinder vorenthalten und sein Besuchsrecht auf das gesetzliche Minimum beschränken würde, wie das so viele Frauen nach der Trennung tun. Es sind immer die Kinder, die am meisten darunter leiden.
Ich möchte nicht in der Haut von Frau Schloter stecken. Das ist keine Schuldzuweisung. Es braucht immer zwei, damit eine Ehe scheitert. Aber die Kinder werden ihr wahrscheinlich unbewusst immer ein bisschen eine Mitschuld am Suizid ihres Vaters geben und sie wird sich auch immer fragen, ob es soweit gekommen wäre, wenn sie geblieben wäre oder ob sie es hätte merken müssen und es hätte verhindern können. Nun muss sie mit dem Unabänderlichen leben. Kein leichter Weg, den sie und die Kinder vor sich haben.
Möge C. S. seinen Frieden finden. Mehr dazu hier.
Und hier.

Ich persönlich empfinde es als total ungerecht gegenüber den Kindern, sich mit der Freitodlösung aus der Verantwortung zu entfernen.
AntwortenLöschenSowas geht überhaupt nicht. Überhaupt nicht.
Da gibt es andere Lösungen, wenn man vom Ehrgeiz und Gier nach Erfolg schier aufgefressen wird.
Und die Gier nach Macht und Geld.
Unmöglich!!!
Natürlich. Für uns von aussen ist alles unmöglich. Und das Verurteilen und Besserwissen geht immer ganz einfach.
AntwortenLöschenAuch ich bin sehr traurig und bestürzt über den Freitot von Carsten Schloter.
Aber. Freitot. Es war seine Entscheidung.
Er konnte nicht anders. Können wir das verstehen? Können wir das akzeptieren?
Er wollte nicht aussteigen. Er konnte nicht aussteigen. Zu schwer sein persönlicher Rucksack.
Wir wissen gar nichts. Wir wissen nichts über seine traurige Seele.
Nur er weiss alles. Nur er weiss warum.
Ruhe in Frieden lieber Carsten.
Es war deine letzte Entscheidung.
Er war ganz sicher ein sehr verantwortungsbewusster Mensch. Wie verzweifelt muss er gewesen sein, seiner Familie so etwas anzutun. Ich vermute, dass es eine Affekthandlung war und er an einer Depression litt. Menschen wie er suchen selten aus eigenem Antrieb Hilfe, weil sie denken, dass eine Depression keine Krankheit ist sondern eine Schwäche, ein seelisches Tief, das sich mit genügend Selbstdisziplin überwinden lässt. Ein Trugschluss mit tragischen Folgen.
AntwortenLöschenJa. Das sehe ich auch so liebe Rosalie.
LöschenSie denken wohl es ist eine Schwäche und damit umzugehn würde wohl zuviel
neue und angstbesetzte Kraft kosten.
Alles Liebe für dich liebe Rosalie.
Ich freue mich für dich dass du so glücklich bist mit deinem Schatz.
blinzel,blinzel...
Das hat mit Verurteilen und Besserwissen überhaupt nichts zu tun. Der Freitod trägt diesen Namen zu Unrecht, denn er stellt nur die Frage an den sich Tötenden, und nicht an die Verantwortung, die für Andere auf der Strecke bleibt.
AntwortenLöschenAber auf der anderen Seite sehe ich sehr wohl, daß tiefste Depressionen einen Menschen in diese Entscheidung stürzen können, aber diese Entscheidung ist gerade deshalb nicht frei, sondern wird von der Krankheit impliziert.
Sartre spricht von der Freiheit zu leben und der Last, die damit verbunden ist. Ja, und diese Last kann leider auch tödlich sein. Aber auch dann ist man nicht frei, sondern tot.
Den Tod als Freiheit zu bezeichnen, ist eine Notlüge.
Der Tod beendet lediglich das Leben, sonst nichts.
Die Diskussion über den Freitod als Lösung einer unheilbar schweren Erkrankung hat damit nichts zu tun.
Der Begriff "Freitod" meint lediglich, dass jeder Mensch frei ist, seinem Leben ein Ende zu setzen. Wir sind nicht zur Weiterexistenz gezwungen, wenn wir das Leben unerträglich finden. Das unterscheidet uns vom Tier und ist Teil der Menschenwürde.
LöschenJa lieber leiser lauter und auch du hast für dich recht mit deiner Meinung.
AntwortenLöschenDas Leben ist manchmal laut und manchmal leise. Und manchmal muss es gaaaanz leise sein oder leise werden. Das ist das Leben.
Und irgendwo erblüht eine neue Kraft.
Danke, Du hast mit Deiner Interpretation den Nagel auf den Kopf getroffen.
AntwortenLöschenIch blinzel mal vorsichtig zurück.
Wo bin ich da nur hingeraten? Seltsam - aber gut!
Hahahaha, seltsam ist meistens etwas Neues und somit immer gut! Lach
AntwortenLöschenGanz viel Liebe geschickt. Für deine Antwort.
Sehr gut, sehr gut! Dafür bekommst du Seelenapplaus.
Da wäre mir doch fast die Bolognese angebrannt...
AntwortenLöschenAber ist nicht weiter schlimm, je länger die köchelt, umso besser wird sie dann.
Wörtermalerei, fehlt nur noch der Bodensee im Hintergrund, morgens um Halbsechs, wenn die Nebel langsam hochsteigen.
Und ich komme in Friedrichshafen an, trete vor den Bahnhof und halte einfach nur noch inne.
Dieser Freitod wird vor allem für die Kinder schlimm.. aber irgendwann werden sie ihrem Vater verzeihen, das weiß ich. Trotzdem unfassbar und tragisch.
AntwortenLöschenAber.. hust.. ich muss jetzt auch mal auf den Verallgemeinerungsgaul springen.. das mit der Obrigkeitshörigkeit und den "wichtigen" Titeln.. das waren doch die Österreicher, nicht die Deutschen ;-)
Mit freundlichen Grüßen, Oberhofrätin Frau Professor Doktor h.c. Vau *grins*
Da bin ich mir nicht so sicher, Frau Oberhofrat Vau, ob die Kinder ihm verzeihen werden. Schließlich richtet sich seine Handlung auch gegen sie und ihre Mutter.
LöschenÄndern können sie es eh nicht mehr, sie müssen damit leben, er nicht!
@Frau Professor Dr. mult. h. c. Vau
LöschenDie Österreicher? Ist das nicht einerlei? "grins"
Stimmt, die sind noch schlimmer! ;-)
* * * *
Schwierige Frage, ob die Kinder ihrem Vater werden verzeihen können. Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind ja an sich schon ein traumatisches Erlebnis - aber noch dazu durch Suizid? Verheimlichen kann man es ihnen in diesem prominenten Fall nicht - sie werden es überall lesen können. Die Presse wird wohl noch länger über die Gründe spekulieren. Ich wage mir gar nicht vorzustellen, wie sehr dies ihr weiteres Leben beeinflussen wird. Sie tun mir unendlich leid. Sind noch so jung...
Genau so sehe ich das auch: Die Kinder gehen durch die Hölle. Es ist einfach nur furchtbar.
LöschenFür die Ex und für die Kinder.
In jedem Fall. Eine Strafe gegen die Kinder und die Ex. Und auch noch feige.
Ich weiß das.. ich bin so ein Kind. Darum.
LöschenEs hat 30 Jahre gedauert, aber inzwischen weiß ich mehr vom Leben und bin nicht mehr wütend, nur noch traurig über die verlorene Zeit - und weiß um vermeintliche Schuld und Unschuld und Ursachen.. mehr als ich gerne hätte wissen wollen.
Und ich kann euch versichern - mit Feigheit hatte das, zumindest im Fall meiner Mutter, nichts zu tun. Darum verurteile ich niemals, denn ich weiß nichts darüber. Aber ich erlaube mir eine Meinung, weil ich eben selbst als Kind betroffen war.
@Frau Vau
LöschenDanke, dass Du hier darüber schreibst!
Drück Dich!:-*
Du schreibst, dass Du mehr über Ursachen und vermeintliche Schuld/Unschuld erfahren hast, als Du wissen wolltest... Denkst Du, es ist wichtig, dass man eine Antwort auf die Frage nach dem "Warum?" findet? Hilft es bei der Verarbeitung des Traumas? Oder akzeptiert man es einfach mit der Zeit, so wie man einen Unfalltod oder einen plötzlichen Herztod akzeptieren muss?
Weiß ich nicht wirklich... einerseits weiß ich zuwenig, andererseits zuviel. Ich habe viel durch mein eigenes Leben und das Kennenlernen der beteiligten Personen gelernt. Und ich kann nur von mir ausgehen. Für die beiden Kinder von C.S. ist es sicher ganz anders, denn die Umstände sind ja auch total verschieden. Und ich denke, dass es sich um den Vater und nicht die Mutter handelt, spielt auch eine große Rolle.
LöschenNaja... da finde ich jetzt, du lehnst dich mit deinen Mutmassungen etwas zu weit zum Fenster raus, indem du schreibst, dass die Ex ein schlechtes Gewissen hat. Wer weiss, vielleicht wohnt die Ex mit Kindern wieder in Deutschland und die Möglichkeit die Kinder mal schnell an einem Abend zu sehen besteht einfach nicht weil die Distanz zu gross ist. Vielleicht hatte er als Workaholic schlicht nicht mehr Zeit um die Kinder zu treffen? Vielleicht machte er Selbstmord weil ihm die Arbeit über den Kopf wuchs? Zu viel Verantwortung im Job? Solange man es nicht weiss und man wird es auch nie wissen, finde ich es anmassend der Ex eine "Mitschuld" zu geben.
AntwortenLöschen@Ursina
LöschenWo gebe ich der Ex-Frau denn eine Mitschuld? Lies doch bitte den zweitletzten Absatz nochmal genau durch.
Irgendwo habe ich gelesen, dass seine Familie in der Schweiz wohnt, ich glaube sogar im selben Kanton.
Es wird nicht nur einen Grund geben. Aber vermutlich ein Ereignis, dass das Fass zum Überlaufen gebracht hat und ihn zu dieser Kurzschlusshandlung veranlasst hat.
Du hast im letzten Abschnitt dies geschrieben:
AntwortenLöschen-------
Ich kenne die Umstände, die zur Trennung geführt haben nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass SIE mit den Kindern gegangen ist. Und ich kann mir auch gut vorstellen, weshalb. Sie wird sich grosse Vorwürfe machen. Einfach nur tragisch, diese Geschichte.
-------
"Mitschuld" habe ich bewusst in Anführungszeichen geschrieben und ich bezog es auf deine Mutmassung, dass sich die Exfrau grosse Vorwürfe mache.
Bei mir war es ähnlich; meine Eltern liessen sich scheiden als ich 8-jährig war, mein Vater beging sechs Jahre später Selbstmord. Er litt an Depressionen (mutmasslich wegen seiner Kindheit, die er in einem lieblos geführten Heim verbringen musste)wollte oder konnte sich nicht helfen lassen. Er wählte diesen Weg bewusst, hatte zuvor alles exakt geplant und organisiert. Aber wie ich oben schon geschrieben habe, man wird bei einem Suizid nie mit Gewissheit sagen können, weshalb.
Verzeihen konnte ich gut, vermissen werde ich ihn mein Leben lang.
Danke für deinen letzten Satz. So geht es mir auch.
Löschen@Ursina
AntwortenLöschenAch so. Sorry! Ich habe Dich falsch verstanden.
Ich habe den Abschnitt, den Du zitierst, aus meiner sehr persönlichen Sicht geschrieben und mich aufgrund meiner eigenen Erfahrung in die Lage der Ex-Frau versetzt. Ich hätte in der selben Situation wohl Schuldgefühle, obwohl sie objektiv gesehen nicht angebracht wären und im Fall von Frau Schloter ja ziemlich sicher auch nicht. Als Frau eines Topmanagers ist man allein erziehend. Für die Kinder bleibt nur sehr wenig Zeit, für die Ehe meist noch weniger. Der Tag hat ja nur 24 Stunden.
Du hast es selber erlebt? ... Vielleicht ist es "einfacher" zu verzeihen, wenn man weiss, dass Depressionen den Suizid ausgelöst haben. Das mit dem Vermissen kann ich sehr gut nachfühlen. Ich empfinde den plötzlichen Tod meines Vaters immer noch als surreal. Es ist jetzt fünfzehn Monate her und er fehlt sehr.
Schön, dass Du verzeihen konntest.
Offtopic:
AntwortenLöschenMusste mich ganz schnell verdünnisieren und blogge jetzt hier weiter:
http://lillyafterdecision.blogspot.de/
Gruß
Lilly
Ich melde mich bei dir ;-)
@Lilly
AntwortenLöschenAlles klar! Merci!! :-)
Ich lasse das hier mal so stehen - es wird sicher manch eine(r) dankbar dafür sein! Du kannst es ja selber löschen, falls nowendig. ;-)
Bonne nuit!
P.S. Ich freu mich drauf!
So, dann stelle ich hier die Frage, auch aus sehr persönlichen Gründen, die einfach gestellt werden muß:
AntwortenLöschenWaren wir, die Kinder, es nicht wert, für UNS am Leben zu bleiben?
Dieser Frage hat sich der Vater entzogen.
Das kann man verstehen, verzeihen muß man das nicht.
@Lautleise
LöschenGenau diese Frage beschäftigt mich auch sehr. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!
Was hat diese Tat für eine Auswirkung auf das Selbstwertgefühl der drei Kinder?
Das Älteste ist 14 Jahre alt! Sicher hat es seinen Vater bewundert, war stolz auf ihn. Es ist etwas Besonderes, einen prominenten Vater zu haben, der in den Medien auftaucht und eine geachtete Persönlichkeit ist. Und dann nimmt sich dieser starke Mann, der ein so positives, gewinnendes Auftreten hatte, das Leben. Er war ja nicht augenscheinlich krank bzw. depressiv. Das macht es irgendwie noch schwieriger. Wie soll das Kind nun damit umgehen? Die Frage "War ich denn nicht Grund genug, dass Papa am Leben bleiben wollte?" kommt irgendwann unweigerlich auf. Und irgendwann wird wohl auch eine Phase der Wut auftreten. Dieses Gefühl, vom Vater im Stich gelassen worden zu sein... Immer dann, wenn sie seinen Rat gebraucht hätten, ihm etwas erzählen wollten, seine Anerkennung gesucht hätten. Sie hätten ihn doch noch so sehr gebraucht.
Bleibt die Hoffnung, dass er seiner Familie wenigstens einen Abschiedsbrief hinterlassen hat...
@lautleise
AntwortenLöschenIn all der Zeit (über 30 Jahre) die mein Vater nun tod ist, habe ich mir die Frage nie gestellt, ob ich es nicht wert wart, dass er für mich am Leben blieb. Er war so tief drin in seinen Problemen, dass er wohl nicht mehr an sein Umfeld denken konnte, oder eventuell dachte er, besser er "geht", als, dass er seine Familie weiter mit seinen Problemen "belästigt". Keiner kann in einen Menschen reinsehen und genau das beweisst auch C.S. Alle dachten, was für ein toller Mann, beruflicher top, sportlich pipapo. Aber ob etwas seit Jahren tief in ihm drin nagt, wusste niemand, rsp. nur er selber und er kam dagegen leider nicht an.
Ursina, ich möchte Dich nicht verletzen oder Dir zu nahe treten. Dies ist mir ganz wichtig, denn meine Gefühle sind ganz bei Dir.
AntwortenLöschenAber: Ein Vater mit Verantwortung für seine Kinder muss sich diese Frage immer wieder stellen: Was sind mir meine Frau und meine Kinder wert?
Und danach, Ursina, danach fragen ihn auch seine Kinder, wenn er diesen Weg, den er niemanden erklärt hat, gewählt hat.
Mein Urteil in dieser Sache ist eindeutig:
Dieser Schritt war unmöglich und schuldhaft.
Für die Frau, die Kinder, die Freunde, Kollegen und den entsetzten Rest.
Selbstötung ist in letzter Konsequenz feige.
Dieser Todesfall beschäftigt mich wirklich sehr und mir ist heute morgen auch so durch den Kopf gegangen, was seine Frau nach der ersten grossen Trauer und Verzweiflung wohl empfinden wird... Die Wut, dass er sich - subjektiv betrachtet - aus der Verantwortung gestohlen hat, wird kommen.
LöschenUnglaublich, was nun alles auf sie zukommt. Seinen ganzen Nachlass zu ordnen, das Haus zu räumen, all diese Erinnerungen und dazu das Gefühl, nun ganz alleine für drei Kinder verantwortlich zu sein, Pubertät, Berufswahl und was da noch alles auf sie zukommmt...
Das alles ist ungleich schwieriger zu bewältigen und zu verarbeiten, wenn die verstorbene Person freiwillig aus dem Leben geschieden ist.
Rosalie, dies ist eine der schmerzhaftetsten Diskussionen überhaupt. Alle fragen sich: Warum haben wir versagt?
AntwortenLöschenDie Ehefrau, die Kinder, die Eltern, die Freunde und Kollegen, einfach alle.
Ich habe Eltern erlebt, die an dieser Frage zerbrochen sind.
Und Kinder, die Vertrauen nicht wieder aufbauen konnten.
Schwerst traumatisiert und einsam.
Daher auch mein hartes Urteil.
Aber: UNSER Leben geht weiter.
Ich folge jetzt der Liebsten in den Garten, streichele Blumen und Bäume und küsse sie heimlich hinter der Hecke...
Ich finde, die Rolle fragwürdig, welche die Medien hier in der Schweiz in Bezug auf Herrn Schloter eingenommen haben. Jahrelang wurden CEO's wie Popstars gefeiert, bis dann die Krise zuschlug. Da waren die "Wirtschaftskapitäne" dann plötzlich ganz ganz böse Abzocker. Herrn Schloter ist es irgendwie gelungen, ein positives Image zu behalten. Er kam mehr als "Chrampfer" (emsiger Arbeiter) rüber. Und als netter Kerl. Dabei hat er nur eines vorgelebt: Leistung, Leistung, über alles (und damit spiele ich NICHT auf seine Nationalität an, das ist leider eine internationale Seuche).
AntwortenLöschenIch wurde auf Herrn Schloter aufmerksam, als bekannt wurde, dass er in der Firma, der er vorstand, die Du-Kultur verordnete. Alle sagen DU zueinander, von der Putzequipe bis zur Chefetage mit "Carsten". Eine fragwürdige Vermischung von Privatem und Beruflichem, wie ich finde. Und eine Verwischung der Tatsachen. Ein Chef bleibt Chef. Und als Chef sei Herr Schloter sehr fordernd gewesen und dürfte auch die Firmenkultur entsprechend geprägt haben. Mit allem Segen und den entsprechenden Kollateralschäden. Am Schluss bei ihm selber.
Zwei Dinge wünsche ich mir, sollten in den Medien im Nachgang zum Tod von Herrn Schloter übrigbleiben:
1. Der Selbstmord war n i c h t die einzige Lösung. Auch Herr Schloter hätte einen anderen Weg gehen können, nämlich den, Hilfe zu suchen und Hilfe anzunehmen. DAS wäre eine Leistung gewesen, auf die er hätte stolz sein können. Und darauf sollten die Medien fokussieren, damit nicht noch andere in Not glauben, es gäbe nur eine Lösung.
2. Ich wünsche mir Vorbilder, die wirkliche Vorbilder sind. Keine CEO's, die in einer Parallelwelt leben, sondern gerne Kleinunternehmer. Solche, die Arbeitsplätze schaffen und auch das Wohl ihrer Mitarbeitenden im Auge haben. Weil sie auch ihr eigenes Wohl und das ihrer Lieben nicht aus den Augen verlieren. Und die Lehrlinge ausbilden, auch solche, die nicht mit Spitzennoten aufwarten oder deren Name hinten ein -ic hat.
@Castorp
AntwortenLöschenIch finde, die Medien haben sich bisher zurückhaltend geäussert und respektieren die Privatsphäre der Familie Schloter. Sie haben ihn vorher auch nicht zu Unrecht "hochgejubelt". Er war ja überall geschätzt und respektiert.
Diese "Seuche", dass Leistung über alles geht, ist halt einfach eine Zeiterscheinung und niemand kann sich dem entziehen. Als Topmanager kannst Du keine 45-Stunden-Woche haben, noch nicht mal eine 60-Stunden-Woche! Das gilt auch für die Mitarbeiter. Wenn ein Grosskonzern konkurrenzfähig bleiben soll, muss er was dafür tun! Ohne überdurchschnittliche Leistung geht das nun mal nicht und die Mitarbeiter sind ja auch gut bezahlt. Wenn man 100'000 und mehr verdient - und das tun viele Swisscom-Mitarbeiter - wird halt einfach viel verlangt. Auch anderswo. Eine gesunde Work-Life-Balance zu halten ist auch für Kleinunternehmer heute schwierig.
Das mit dem Duzen finde ich übrigens super. Das ist inzwischen auch bei vielen Bundesämtern so und wenn ein Chef zu Recht auf seinem Posten ist, verliert er durch die Du-Kultur nichts an Autorität, aber die Zusammenarbeit wird angenehmer. Es ist auch eine Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden, welche die weniger prestigeträchtigeren Arbeiten ausüben, wie z. B. das Reinigungspersonal. Ich kann dem nichts Negatives abgewinnen.
Was mich im Fall von C. S. jedoch stört, ist dass er einen beträchtlichen Teil seiner Freizeit mit Extremsport zugebracht hat, anstatt sie seiner Familie zu widmen! Siebentausend Kilometer jährlich mit dem Rad müssen erst mal abgestrampelt werden! Die Zeit hätte er gescheiter mit seinen Kindern verbracht! Oder aber er hätte besser auf eine eigene Familie verzichtet und sein Ego-Programm alleine durchgezogen.
Rosalie, ich finds toll wie du einfach Klartext sprichst. Die Herzensfrauen und Herzensmänner sind halt in der Stressbewältigung meist ein bisschen weiter und mutig voraus. Das Zauberwort heisst Selbstliebe. Weil dann reisst man die Stoppleine. Für sich. Und wohl auch für die Familie.
AntwortenLöschenGuten Tag. Das war mein Wort zum Nachmittag.
@Anonym
LöschenHerzlichen Dank, liebe Herzensfrau! Auch für Deine Kommentare von gestern! :-)
Seelengrüsse ins Bün****land und einen wunderschönen Nachmittag wünsch ich Dir! ;-)
Danke dir!
AntwortenLöschenEinen wunderbaren Nachmittag auch für dich!
Ich zitiere:
AntwortenLöschen"Wenn ein Grosskonzern konkurrenzfähig bleiben soll, muss er was dafür tun! Ohne überdurchschnittliche Leistung geht das nun mal nicht und die Mitarbeiter sind ja auch gut bezahlt. Wenn man 100'000 und mehr verdient - und das tun viele Swisscom-Mitarbeiter - wird halt einfach viel verlangt."
Genau darum geht es ja: An den Glauben, dass es keinen anderen Weg gibt. Dass etwas einfach so sein muss. Dass man nichts machen kann.... und und und. Die Löhne von 100'000 und mehr sind dann eher als Schweigegeld zu sehen. Es ist eine kranke Welt. Schlimm, dass so viele von uns sie als einzig mögliche akzeptiert haben.
Und das meine ich mit dem fatalen Vorbildcharakter, den die Medienberichte in der Vergangenheit von Herrn Schloter transportiert haben und weiterhin transportieren - auch nach seinem Tod. Lobeshymnen auf einen "Visionär". Auf seine "Leistungen". Frau Leuthard würdigt eine "prägende Figur der Schweizer Wirtschaft". Fast könnte man meinen, Herr Schloter sei einen Heldentod gestorben.
Gegen berufliches Engagement ist ja nichts einzuwenden, auch nicht ein Engagement, das überdurchschnittlich ist. In der Arbeitspsychologie geht man davon aus, dass man auch viel Arbeit gut ertragen kann, wenn diese Arbeit als sinnvoll erlebt wird. Da frage ich mich angesichts des Selbstmordes schon: War es für diesen Mann ein sinnvoller Lebensinhalt, auf dem Mobiltelefonmarkt bessere "Produkte" als Orange und Sunrise anzubieten? Offenbar nicht.
Ich mag einfach nicht in diese Ehrfurchtshaltung vor diesen Schloter und Konsorten mit einstimmen. Aus der Distanz betrachtet erscheint mir sein Leben als vergeudet. Und dass so ein Leben auch noch medial abgefeiert wird, halte ich für pervers. Und sehr, sehr schädlich. Genauso schädlich, wie wenn man photogeshopte Skelettmodels jungen Mädchen als Vorbild vor die Nase setzt.
Die Welt ist von mir aus gesehen nicht krank lieber Herr Castorp. Aber solange wir denken, dass sie krank ist und wir so über andere reden, machen wir sie vielleicht immer kränker....
AntwortenLöschenEinen gesunden Nachmittag für Sie.
Nicht die Welt als ganzes ist krank. Aber eine Welt, in welcher stetiges Wachstum, Leistung und Selbstverleugnung zu Grössen werden, die nicht hinterfragbar sind.
LöschenEine Welt, in denen Medien dieses Spiel dumpf mitspielen.
Nach jedem prominenten Selbstmord haben insbesondere die Medien eine grosse Verantwortung. Informationen über Burnout und Depressionen sollten hier Eingang finden, Telefonnummern und Stellen, an die sich Menschen in Not wenden können. Das wäre nötig, um Nachfolgetaten zu verhindern. Stattdessen salbungsvolles Gesäusel.
Ihnen dasselbe, Herr oder Frau Anonym.
Werter Herr Castorp, als der Ältere von uns beiden werde ich nun zum Du übergehen und dabei erstmal feststellen:
AntwortenLöschenAlle Achtung! Deine scharfe Analyse teile ich in vielen Punkten. Aber ich möchte nicht, daß man dem Verstorbenem zu nahe tritt. De mortuis nihil nisi bene.
@Anonyma: Grüße ins Bündnerland!
@Rosalie: Leistung ist ja schön und gut, und wird auch gut bezahlt. Als CEO ging ich auch am Samstag und am Sonntag ins Büro. Der Dank des Mitinhabers nach einer schweren Herzattacke von mir:
Würdest du dich nicht auch noch soviel sozial engagieren, dann wäre das bestimmt nicht passiert.
Daraufhin habe ich den Krempel von Heute auf Morgen hingeschmissen.
Und bereue es nicht!
Danke für die Grüsse lieber leiser lauter Mann.
LöschenIch hoffe deine Liebste hat viele Küsse abgekriegt!
Because.....Kissing reduce anxiety and stops the "noise" in your mind. It increases the levels of oxytocin, an extremly calming hormone that produces a feeling of peace.
Und dazu kommt, dass die Hecke mit der Farbe grün auch noch zur Entspannung beiträgt...lach
So nun denn...viel Spass im Leben!
Mir geht es auch nicht darum, dem Verstorbenen zu nahe zu treten. Schliesslich wissen wir nicht, was ihn den Selbstmord begehen liess. Es geht uns auch nichts an.
LöschenMir geht es mehr um die Berichterstattung in den Medien. Es gibt viele Leute, die in Not sind. Für sie wäre es wichtig, wenn in den Medien klar gesagt würde: Es gibt einen Ausweg. Mit prominenten Suiziden journalistisch richtig umzugehen ist eine Frage der Ethik.
Was macht dich so sicher, dass du älter bist als ich? Das DU nehme ich aber so oder so gerne an. Und den Krempel hinzuschmeissen war eine tolle Leistung. Solche Leistungen gehören in den Medien gefeiert, nicht CEO's, die gute Quartalszahlen verkünden.
Das bezieht sich auf eine abgründige Bemerkung von Karl Valentin:
LöschenSagt jemand zu ihm: Ich war auch mal jung!
Antwortet er: Und ich war jünger als sie!!!
Anonyma: Oxytocin ist verantwortlich für den Milcheinschuß. Danke. ^^
Roslie, es ist sehr tragisch, was geschehen ist Ob er sich nun von seiner Frau getrennt hat oder sie sich von ihm, sie hatten Kinder, ja, er war ausgebrannt von seinem Managerjob, hat einiges wohl nicht verkraftet. Zieh aber um Gottes Willen keine Parallelen zu deiner Situation. Der mann scheint Depressiv gewesen zu sein
AntwortenLöschenlies hier:
http://www.blick.ch/news/wirtschaft/es-ist-wahrscheinlich-dass-er-depressiv-war-id2382818.html
@Marie
LöschenNein, nein, es ist nicht so, dass ich befürchten würde, dass mein Mann diesen Weg gehen könnte. Es berührt mich einfach, dass ein so starker Mann eine solche Entscheidung trifft und keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat und ich empfinde grosses Mitgefühl für die Familie. Ich finde es einfach tragisch, wenn eine solche Persönlichkeit ihr Leben einfach so wegwirft.
Geht es hier wirklich um CS und nicht vielmehr um dich, dein Gewissen, deine Angst "Ich könnte damit nicht umgehen, wenn er in eine Lebenskrise stürzen würde".
AntwortenLöschenHast du dir während der letzten Tage einmal ausgemalt, was wäre, wenn ...
Paula, Du hast einen sehr schönen Blog!
LöschenDie Frage, die Du hier stellst, sollte jeder einmal für sich beantworten, damit man wenigstens ein wenig mit seinen Ängsten und Befürchtungen umgeht und sie andenkt.
Zum Beispiel fährt die Liebste jeden Tag mit dem Zug, und dann kommen diese Bilder aus Spanien...
Das möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen.
@Paula & lautleise
LöschenWenn uns ein solches Ereignis wie dieser Freitod oder das schreckliche Zugunglück sehr nahe gehen, so hat das wohl immer etwas mit uns selber zu tun. Mit Erfahrungen, die wir gemacht haben, mit Ängsten, die uns insgeheim plagen oder einfach weil wir denken, dass es uns auch hätte passieren können - weil es unvorhersehbar ist und aus heiterem Himmel eintrifft. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn ein Familienmitglied plötzlich stirbt. Wie schwierig es ist, es den Kindern zu sagen und für sie stark zu sein. Es sind wohl gewisse Resonanzen, die eine solche Nachricht in uns auslöst oder eben nicht. Hätte sich irgend ein Fussballstar umgebracht, hätte mich das vermutlich weniger betroffen gemacht. Mit einer Frau Schloter kann ich mich nun mal besser identifizieren als mit einer Fussballerfrau und zudem sind die Kinder in einem ähnlichen Alter wie meine.
Liebe Rosalie
LöschenFußballstars sind auch Menschen. 2009 hat sich der Torwart Robert Enke
https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Enke
nach jehrelanger Depression vor einen Zug geworfen. Seine Frau Teresa ist eine sehr starke Persönlichkeit. Sie als "Fußballerfrau" abzuqualifizieren hat sie nicht verdient.
@ Castorp. Ein sehr guter Beitrag.
Liebe Grüße
@schlafmütze
LöschenIch hab es hier nicht als Wertung verstanden, sondern als Frage der Identifikation aufgrund persönlicher Lebensumstände und Erfahrungen.
Es gibt immer Schicksale, die einem besonders nah gehen, weil man selbst in einer ähnlichen Situation ist oder sich aus anderen Gründen mit den beteiligten Personen verbunden fühlt.
Aber natürlich ist jede dieser Tragödien furchtbar, egal, um wen es dabei geht und ob sie in den Medien Erwähnung finden oder nicht. Da gibt es sicherlich keine zwei Meinungen.
@ Hallo Anonym
LöschenEs klang für mich etwas abwertend, wird wohl so sein, wie du schreibst. Ich mache bei solchen Tragödien keine Unterschiede. Wenn sich ein Mensch zum Freitod entschließt, so empfinde ich das immer als tragisch, nicht nur für den Toten, sondern besonders auch für die Familie.
Ich treffe öfter einen Bekannten auf dem Friedhof. Vor einem halben Jahr hat sich sein 19 jähriger Sohn das Leben genommen. Die Mutter schafft es nicht einmal bis zum Grab.
Und ich weiß noch von 5 anderen jungen Menschen in den vergangenen 3 Jahren, 3 unter 20, zwei etwas über 30 J., von denen ich Familienangehörige kenne.
Was für ein Leid.
Und da stelle ich mir die Frage, was läuft eigentlich in unserer Gesellschaft falsch, dass sich so viele blutjunge Menschen selber töten.
Liebe Grüße
@Schlafmütze
LöschenDanke für Deine Statements. Ja, ich erinnere mich an den Suizid von Robert Enke. Er hat damals in der Schweiz auch grosse Betroffenheit ausgelöst.
Jeder Suizid ist für das ganze persönliche Umfeld eine Tragödie, egal ob es sich um einen Topmanager oder um einen Fussballstar handelt. Dieser Tod hat mich besonders betroffen gemacht, weil mir dieses Umfeld einfach näher steht als die Fussballwelt. War vielleicht ein blöder Vergleich, aber nicht abwertend gemeint.
Kürzlich habe ich gelesen, dass sich in der kleinen Schweiz täglich vier Menschen das Leben nehmen! Im Vergleich dazu: Im Strassenverkehr stirbt ein Mensch täglich. Von den 1400 Suiziden sind 300 assistierte Suizide, also Sterbehilfe. Dazu kommen ca. 20'000 Menschen jährlich, die einen Suizid überleben!
In Deutschland sieht es offenbar ähnlich aus. Jeder kennt mindestens eine Person, die sich das Leben genommen hat. Ich bin ohne langes Nachdenken auf neun Suizide in meinem näheren Bekanntenkreis gekommen. Sieben Männer und zwei Frauen. Davon fünf Suizide von jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren! Alles vielversprechende, wohlgeratene, gebildete Töchter und Söhne aus gut situiertem Elternhaus. Ein schrecklicher Albtraum für die betroffenen Familien.
Während mit allen möglichen Mitteln versucht wird, die Zahl der Verkehrstoten weiter zu reduzieren, steht die Politik der hohen Zahl von Suiziden scheinbar rat- und tatenlos gegenüber. Ja, irgendwas läuft hier falsch.
Liebe Grüsse,
Rosalie
@Anonym
LöschenDanke! Genauso war es gemeint! :-)
Liebe Grüsse,
Rosalie
Vielleicht mal eine Anmerkung zu den vielen Toten, die keinen Großkonzern geleitet haben und mehr Angst vor dem Leben, als vor dem Tod hatten.
AntwortenLöschen1981 haben sich noch im geteilten Deutschland, der BRD, stündlich 2 Menschen das Leben genommen. 18.825 im Jahr.
2011 waren es Gottseidank nur noch 10.144, und das bei einer größeren Bevölkerung der gesamten BRD.
Das macht im positiven Sinn nachdenklich.
Schuld und Verantwortung - Werkzeuge der Machtkämpfe.
Was immer war. Ruhe auch er, wie die vielen Anderen, in FRIEDEN.
@Menachem
LöschenDiese Zahlen geben schon zu denken! Wenigstens sind sie rückläufig. Aber trotzdem.
R.I.P. Ja - für alle, die diesen Weg begehen mussten.
AntwortenLöschenEs ist einfach zu traurig, aber das Entsetzen trifft einen immer wieder.
Liebe Rosalie, danke für diese Diskussion.
@lautleise
AntwortenLöschenIch danke DIR für Dein Engagement in dieser Diskussion!
@alle
AntwortenLöschenNachtrag: Über die Motive für den Freitod von C. S. ist nach wie vor nichts bekannt und es wird in alle Richtungen spekuliert. In der Presse war heute zu lesen, dass Frau Schloter an der Trauerfeier das Wort ergriffen hat! Sie sagte, dass C. S. die Familie 2009 ganz unerwartet verlassen habe und die Frage nach dem "warum" mit der Zeit verblasst sei. Es sei eine tiefe Freundschaft entstanden und sie hätten versucht, den Kindern die Trennung so verträglich wie möglich zu gestalten. Nun sei die Familie zum zweiten Mal unerwartet verlassen worden. Die Frage nach dem Warum stelle sich abermals - aber sie werde wohl auch irgendwann verblassen...
Rosalie, diese Frage wird nie verblassen.
AntwortenLöschenWoher auch? Ein solcher Schnitt verheilt leider nicht...