Mittwoch, 30. Oktober 2013

Die unheimliche Eigendynamik des G**glemonsters

Ich weiss nicht, wie es Euch geht, aber mir ist diese zunehmende Dominanz von G**ogle langsam aber sicher unheimlich. Einerseits finde diese ganzen G**lge-Funktionen von der Suchmaschine bis zu den Mailadressen zwar praktisch in der Anwendung und ich habe den G**gle-Blogger der Wordpress-Plattform vorgezogen, weil er so einfach bedienbar ist. Und ja - ich finde es super, dass Mail- und Postentwürfe ständig zwischengespeichert werden, so dass kein Text mehr verloren geht... Das war bei gmx anders! Aber neuerdings habe ich den Eindruck, dass nicht ICH es bin, die bestimmt, welche G**glefunktionen ich wie (be)nutze, sondern dass ich zum Spielball geworden bin und G**gle selbstherrlich das Zepter übernommen hat.  Das wäre an sich nicht ganz so tragisch, wenn ich keine anonyme Bloggerin wäre! Anonym insofern, dass nicht jede Person, die im Web über meinen Blog stolpert, gleich herausfinden kann bzw. soll, wer ich im Real Life bin, wie ich heisse, wo ich wohne und wie ich aussehe. Und umgekehrt sollen weder mein Mann noch meine Verwandtschaft und Bekanntschaft von meiner geheimen Freizeittätigkeit etwas erfahren...

Nun hat mein Mann, der bekanntlich mit den Kindern gerade in der Südtürkei im Urlaub weilt, seine Ferienföteli auf G**gle-Drive hochgeladen und mir einen Link geschickt. An meine private Mailadresse, die da lautet: VornameName(ät)gmail.com... Ihr ahnt was kommt.... Natürlich habe ich neugierig wie ich bin gleich auf diesen Link geklickt. Dummerweise war ich aber noch auf irgendeinem meiner Geräte als Rosalie eingeloggt... Und so erschien auf dem iPh*one oder auf dem kleinen Mäc - ich weiss es nicht mehr so genau - eine Mitteilung von G**gle Drive: 

You Need permission! 
Want in? Ask the owner for Access, or Switch to an account with permission. You are signed in as rosaliesblog(at)gmail.com

Request Access

Switch accounts

An sich eine ziemlich klare Message. Aber... wenn ich nun aus Versehen überhastet den blauen Button angeklickt hätte, tja... dann hätte mein Mann eine Mail von mir gekriegt mit der Mitteilung, dass rosaliesblog(ät)gmail.com gerne die Erlaubnis möchte, die Familienfotos anzuschauen!!! So einfach geht das... Ein Klick entfernt von einem kleinen privaten "Supergau"...

Ich habe geklickt. Auf den grauen Button. Möglicherweise aber auch auf den Blauen!!!! Ich kann es nicht hundertprozentig ausschliessen, dass ich auf diesen blöden blauen Button geklickt habe!!! Ich Schussel! Mein Mann hat nichts gesagt...  Das will aber noch nichts heissen! Ich habe deshalb meinen Blog in einem Anflug von Panik sofort auf "privat" geschaltet und falls er das Mail gekriegt hat und nach dieser Mailadresse gesucht hat und trotz deaktivierter G**glesuche durch Verlinkungen in anderen Blogs auf Rosalies M. C. gestossen wäre, so hätte er zumindest nichts lesen können.

Inzwischen sind ein paar Tage vergangen und ich denke, ich kann es nun wieder verantworten, online zu gehen. Ich hatte noch nicht die Zeit, meinen Blog zu "überarbeiten"...  Sobald die Trennungsvereinbarung steht und ich den Kopf wieder frei habe, werde ich mich darum kümmern. Steht ganz weit oben auf der
To-Do-Liste...


Was hat G**lge sich bloss dabei gedacht? Ich bin doch nicht die Einzige, die geheime Mailkonti hat? Und dann ist da noch diese Sache mit G**gle+. Ein Klick und ich bin in Kreisen von Menschen, die ich aus der virtuellen Welt kenne. Aber was, wenn ich dummerweise nicht als Rosalie eingeloggt bin sondern unter meinem richtigen Namen? Und wenn ich private Fotos in Picasa bzw. G**gle-Drive abgelegt habe? Kann die dann jeder aus meinen Kreisen sehen, weil ich vergessen habe, irgendwo in einem versteckten Untermenü ein "Häkchen" ins Feld "privat" zu setzen?

Das ist im übrigen kein so abwegiges Szenario. Ich habe vor Monaten eine G**gle+ Einladung von jemandem erhalten, den ich nicht persönlich kenne. Ich habe mich gewundert, weil mir der Name nichts gesagt hat und ich den attraktiven Mann auf dem Foto noch nie vorher gesehen habe.  Ein kleines Symbolbild (Gravatar...) in seinem Profil hat dazu geführt, dass ich realisiert habe, um welchen Blogger es sich handelt. Ich denke nicht, dass dieser Mann sich wissentlich geoutet hat und ich habe den Mantel des Schweigens darüber gehüllt und die Anfrage ignoriert. Und bis heute habe ich ein tiefes Misstrauen gegenüber G**gle+ und ich hoffe, dass es mir niemand übel genommen hat, dass ich solche Anfragen aus der Bloggergemeinschaft bisher ignoriert habe. Vermutlich aus gutem Grund. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ihr Leben auf FB ausbreiten. Mein Account ist schon länger verwaist und enthält nur wenige persönliche Angaben. Aber ich habe seit neustem ein LinkedIn-Profil. Allerdings habe ich es nicht wissentlich erstellt. Ich habe es entdeckt, als ich meinen Namen geg**gelt habe! Wie das kommt? Ich kann nur spekulieren. Ich habe kürzlich in Büro eine Mail-Anfrage von einem Arbeitskollegen geöffnet, der mir sein LinkedIn-Profil geschickt hat. Vermutlich hat sein Browser die Anfrage selbständig an alle seine Kontakte geschickt, denn ich habe schon seit Jahren nichts mehr von ihm gehört. Irgendwie (Stichwort: Büromailadresse...) hat LinkedIn nun herausgekriegt, wo ich arbeite und nun kann jeder, der meinen Namen g**gelt , lesen, wie mein Arbeitgeber heisst und welche Funktion ich ausübe. Ich sollte das mal löschen. Steht auf der To-Do-Liste!

Irgendwie war das Leben früher einfacher!

 

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Für kurze Zeit Offline (Anzeige: privat)

Ich muss Rosalies Blog kurz vom Netz nehmen!  
Don't worry - ich komme wieder!

Google ist schuld... :-(

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Von Ampelmännchen und Emotionen


Am Sonntag vor zwei Wochen habe ich meine Kinder nach dem Mittagessen bei ihrem Vater abgeholt und als wir vor dem Haus standen, erzählte ich ihnen, dass ich Besuch aus Berlin hätte! Es war ein spontaner Entscheid. Ich hätte die Kinder auch erst am Abend abholen können - aber es hat sich so ergeben und die Zeit war reif.  Es war mir ein Anliegen, dass sie eine Vorstellung davon haben, wer der Freund ist, den ich besuche, wenn ich nach Berlin reise. Ich hatte nach meiner Reise an die Ostsee  schon ein paar mal von ihm gesprochen und ich hatte ihnen die Geschichte von den Berliner Ampelmännchen erzählt...   Sie haben positiv reagiert und waren ganz unbefangen und offen! Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf dieser ersten Begegnung! Natürlich ist er vorerst "nur" ein Freund. Als wir dann zweieinhalb Stunden später zusammen zum nahen Flughafen oder besser gesagt Flugplatz  gefahren sind, hat sich alles ganz vertraut angefühlt und sie haben ihm zum Abschied zugewinkt, als das Flugzeug an uns vorbeigerollt und in den Wolken entschwunden ist. Und mein Sohn hat gemeint, der Mann aus Berlin dürfe ruhig wieder mal in die Schweiz kommen und ich solle ihm ausrichten, dass er doch wieder Ampelmänner aus Fruchtgummi mitbringen möchte.  ;-)







Am Montag nach der Schule war Französisch pauken angesagt. Eval. de Français. Ein grosser Franztest! Einer vor vier Tests, die es nicht zu vermasseln gilt. Wir haben nochmals zwei Stunden zusammen gelernt...

Dienstag dann volles Programm! Drei Termine an meinem "arbeitsfreien" Tag.  Morgens ein Arzttermin mit auffälligen Leberwerten und einem stirnrunzelnden Arzt... "Nein! - Ich trinke nicht! Nur im ortsüblichen Rahmen! Und Medis nehme ich auch keine! Nur ganz selten."  Das Resultat eines Bluttests hat mich ein wenig durcheinandergebracht, aber inzwischen bin ich mir sicher, dass es ein Sturm im Wasserglas war.  Es war wohl alles ein bisschen viel in den vergangenen Wochen und meine Leber hat Protest eingelegt. Inzwischen ist alles wieder im grünen Bereich. 

Am späteren Nachmittag  dann "Privataudienz" beim Klassenlehrer von Sohnemann. Wir Rabeneltern hatten beide den Elternabend vergessen! Unglaublich! In meinem Kopf hatte sich der jeudi (Donnerstag) festgesetzt - der Orientierungsabend für den Übertritt in die Oberstufe fand aber schon am mercredi (Mittwoch) statt! Um 19.30! Um die Zeit sass ich noch im Büro. Ahnungslos. Realisiert habe ich es am nächsten Morgen, als Sohnemann mich ganz aufgelöst kurz vor acht Uhr angerufen hat: "Papa hat den Elternabend vergessen! Bist Du wenigstens hingegangen...?" Oh my god! ... Mir wurde kurz anders! Das durfte doch wohl nicht wahr sein!  Ich war konsterniert! Sohnemann auch... er war  richtig aufgelöst, das arme Kind! Ein paar WhatsApp und zwei Telefongespräche später hatten wir einen Termin mit dem Lehrer.  Er hat uns nach dem Unterricht eine Stunde seiner Zeit gewidmet und uns alles genau erklärt! Er ist ein ganz toller Lehrer!  Die Kinder liegen ihm wirklich am Herz. Nun bin ich beruhigt! Alles wird gut. Aber es hat mir sehr zu denken gegeben... Wie konnte mir das nur passieren?! Und ich war mir noch nicht einmal mehr sicher, ob ich meinem Mann die Info überhaupt kopiert hatte, die an meinem Kühlschrank klebte... Zu viel im Kopf, zu viel um die Ohren. 

Abends stand dann noch der Besuch eines Vortrags auf dem Programm. Ein Lerncouch erzählte aus dem Nähkästchen. Ich musste mich überwinden, hinzugehen. Aber es hat sich gelohnt! Ein genialer Vortrag.  Um 21.45 der Anruf aus der Wohnung: "Mama, wo bleibst Du denn?..."   Mama: "Der Vortrag hat so lange gedauert! Jetzt aber subito Pijama anziehen, Zähne putzen und ab ins Bett! Ich fahre jetzt los!"  22.00 Uhr war  Lichterlöschen. 22.15 sind wir alle eingeschlafen. Naja, vielleicht war es auch schon 22.30...

Dann ein langer Arbeitstag. Fast zwölf Stunden im Büro. Abzüglich die zwei Stunden Mittagslunch mit meiner Freundin M. Die Gespräche mit ihr sind immer wieder eine Bereicherung.  Ich bin so dankbar für diese Freundschaft!

Und dann kam der Donnerstag. Ich habe schon berichtet. Manchmal passieren seltsame Dinge...  Sohnemann hatte abends einen Fussballmatch. Ausnahmsweise an einem Donnerstag. Ausgerechnet im Heimatort meines Vaters, ausgerechnet an diesem Tag.  Was für ein seltsamer Zufall! Ich habe keinen Bezug zu dem Ort, der auch auf meiner  ID-Karte als Bürgerort eingetragen ist. Es ist das erste Mal, dass Junior dort einen Match hatte. Ich sah es als Zeichen und so bin ich nach der Arbeit hingefahren. Kurz vor Schluss der ersten Halbzeit. Als ich das Auto parkiert hatte und aussteigen wollte, fuhr mein Mann vor.  Wir sind also zufällig ohne uns abzusprechen zur gleichen Zeit aus der 20 km entfernten  Stadt losgefahren und haben den Fussballplatz gleichzeitig gefunden. Schon sehr speziell. Mein Vater hat Fussball geliebt. Er hat am TV jeden Match verfolgt und jahrelang selber Fussball gespielt und Junioren trainiert. Es hätte ihm gefallen. Die Mannschaft meines Sohnes hat gewonnen. Es war ein schöner Abend mit einem spektakulären Abendrot.  Ein sehr spezieller Abschluss für einen speziellen Tag. 




Am späten Abend habe ich dann die Kinder übernommen. Sie durften das ganze Wochenende nach Herzenslust spielen und die ersten beiden Ferientage geniessen. Am Sonntag haben wir Koffer gepackt... und am Montag sind sie mit ihrem Vater in den Urlaub geflogen! Für 12 Tage! Zum ersten Mal im Ausland ohne mich! Er war noch nie so lange mit ihnen alleine... Ich meine richtig alleine! Ohne seine Mutter! Es fühlt sich schräg an. Gestern Abend befiel mich kurz Panik! Wird alles gut gehen? Hat er es wirklich im Griff? Zum Glück gibt es Skype... Die ersten Abenteuer haben sie schon überstanden. Am Zielflughafen warteten sie vergeblich auf den privaten Transfer zum Hotel. Man hat sie einfach vergessen. Sie nahmen ein Taxi und auf der Fahrt hat die Kleine Nasenbluten gekriegt... Der Bungalow war nicht verfügbar und sie wurden statt dessen im Haupthaus einquartiert. Das Zimmer ist ok. Das Essen lässt zu wünschen übrig. Suboptimal, wenn man all inclusive gebucht hat. Fünf Sterne auf dem Papier, drei in der Realität...   Hoffentlich lesen sie nichts auf...! Ich darf gar nicht daran denken. Habe schon gecheckt, ob es noch freie Flüge in die Südtürkei gibt... Der Gedanke, dass sie so weit weg sind, ist ziemlich unerträglich. Wird Papa es auf die Reihe kriegen? Wenn Piccolina die 50 cm langen Haare drei Tage lang nicht kämmt, kriegt sie Rastas... Und er darf sie im Restaurant nicht alleine auf die Toilette lassen. Nur wenn er die Türe im Auge behalten kann. Sohnemann eigentlich auch nicht... Und dann der Pool... Und das Meer! Ach Mensch! Das ist richtig schwierig für mich. Ich muss loslassen, vertrauen und mich ablenken...  Morgen kriege ich Besuch aus Berlin. Zum Glück! Er wird mich auf andere Gedanken bringen und das ist gut so!

Donnerstag, 17. Oktober 2013

70


Nun ist er also da, dieser Donnerstag, 17. Oktober 2013, vor dem ich mich insgeheim schon lange gefürchtet habe. Ich habe jeden Gedanken daran verdrängt, weil es ein so bitterer Tag ist. 

Mick Jagger hat ihn erlebt, seinen Siebzigsten! Obwohl er alles getan hat, was Gott verboten hat. Allen ungesunden Exzessen zum Trotz ist er dieses Jahr 70 geworden. Wieso Du nicht? Du hast in Deinem ganzen Leben nicht eine einzige Zigarette geraucht! Verdammt, das ist so ungerecht! 

Was wäre gewesen, wenn alles anders gekommen wäre? Wir hätten Dich heute besucht und Du hättest mit den Enkelkindern herumgealbert. Du bist so stolz auf sie gewesen. Wir hätten Wein getrunken, gelacht und diskutiert. Und Du hättest SMS und Telefonanrufe gekriegt und spontane Besuche.
 
Zehn Jahre ist es her, seit wir mit Freunden und Verwandten in einer Waldhütte gefeiert haben. Ich habe nächtelang an einer Multimedia-Darbietung gearbeitet. Mein ganz persönliches Geschenk zu Deinem 60. Geburtstag. Ein Panoptikum aus Deinem Leben – aus unserem Leben - mit Videosequenzen und  Fotos und untermalt mit Anekdoten und Musik. Es hat unzählige Stunden gedauert, all das zusammenzuschneiden und mit der passenden Musik zu unterlegen und mein alter Freund und ich sind fast verzweifelt, weil der Computer sich an den grossen Mediadateien ständig verschluckt hat… Wenige Stunden vor dem grossen Fest sind wir fertig geworden. Ich hatte nur zwei Stunden geschlafen, aber das war es wert! Es war ein Highlight!
 
Unvergessen die Videosequenz, als Du in Coral Bay mit der Angelrute im T-Shirt bis zum Bauchnabel im türkisblauen Meer standest und plötzlich in Zeitlupe samt Rute komplett im Wasser verschwunden bist. Der Angelhaken hatte sich am Meeresboden verheddert und Du wolltest ihn wieder lösen! Und kurz darauf hast Du diesen komischen dünnen Sägefisch an Land gezogen! Was haben wir gelacht! Ich habe die Szene mit  Men at Work untermalt.  "Land down under" erinnert mich noch heute an diese geniale Reise, als wir zum letzten Mal en famille unterwegs gewesen  und  mit dem Mobilhome durch Westaustralien gefahren sind. Du, Sis und ich  abwechselnd am Steuer, draussen vierzig Grad, endlose schnurgerade Strassen, orangerote Erde und stahlblauer Himmel. Und im CD-Player lief diese Best-of-CD mit Schweizer Mundartsongs. Sis und ich haben lauthals mitgesungen mit  „Züri West“, Polo Hofer, Patent Ochsner und Co. Und abends haben wir in den Caravan Parks australischen Roten getrunken. Aus dem Tetrapak!  Unvergessliche Erinnerungen!
 
Du hattest Dich sehr über mein Geschenk gefreut. Es wäre schwierig geworden, das zu toppen. Vermutlich hätten wir das Werk  dieses Jahr noch einmal abgespielt. Sehr wahrscheinlich ergänzt mit den Highlights der letzten Dekade. Aber es sollte nicht sein…
 
Manchmal denke ich, dass es Dir ganz recht war, auf dem Höhepunkt abzutreten. Du hast immer gesagt, dass Du nicht alt werden wirst und wir haben immer gehofft, dass es nicht stimmt… Du hast ein tolles Leben gehabt. So viele schöne Orte bereist, so viele liebe Freunde gehabt und Du hast Dir bis zum letzten Tag viel Zeit für Dein liebstes Hobby genommen. In gewisser Weise warst Du ein Egoist. Aber ich kann Dich so gut verstehen. Du hast diese Zeit für Dich gebraucht und ich glaube, ich weiss warum... 
 
Auf den letzten Fotos, die ich von Dir gemacht habe, hast Du gelächelt. Du hattest diese Ausstrahlung, die nur  Menschen haben, die ein glückliches Leben hatten und mit sich selbst im Reinen sind. Menschen, die ihre Träume gelebt und nicht aufgeschoben haben.  Du bist glücklich gegangen und ich bin froh, dass Dir ein Ende als pflegebedürftiger Mensch erspart geblieben ist. Das hätte so gar nicht zu Dir gepasst und wäre noch viel schwerer zu ertragen gewesen als Dein früher Tod. Aber trotzdem tut es unheimlich weh und ich denke jeden Tag daran, was Du noch alles mit Deinen Enkelkindern  hättest unternehmen können. Du hättest ihnen noch so viel beibringen können! Du warst der beste Fischer von allen und all die Tricks hast Du mit ins Grab genommen, bevor Du sie an die Jungs weitergeben konntest. Und die Pfifferlinge im Wald werden andere sammeln. So vieles erinnert uns an Dich und wenn im Radio ein Stück von Peter, Sue und Marc gespielt wird, breche ich in Tränen aus. Und manchmal ertrage ich kaum die Fischerboote auf dem See...  und manchmal kann ich es immer noch nicht richtig fassen, dass es Dich nicht mehr gibt! 

Bitte nimm es mir nicht übel, dass ich so selten an Dein Grab gehe. Ich tue mich so schwer damit. Ach, ich weiss, Du würdest es verstehen. Ist ja nur ein Platz auf einem Friedhof. Du bist eh schon längst wo anders und ich hoffe, dass wir uns eines Tages wiedersehen. 
 
Happy Birthday, Vater! Du fehlst! 

 
 

 

Freitag, 4. Oktober 2013

Liebe Anna,

Heute morgen habe ich an Dich gedacht und plötzlich hatte ich das Bedürfnis, eines Deiner letzten Posts zu kommentieren, das ich in einer nächtlichen Wachphase gelesen habe und nun ist Dein Blog nicht mehr zugänglich. Ich hatte gehofft, dass das Goodbye sich nur auf "das Schweigen" bezieht, denn Dein Blog ist so viel mehr als nur das Schreiben über ihn.

Was ich Dir noch sagen wollte, als ich über Deine Geschichte mit dem Schweizer nachgedacht habe:  

Bei allen Zweifeln, die einen nach einer solchen Erfahrung plagen, darf man doch nie vergessen,  dass man niemals, wirklich niemals  in einen anderen Menschen hineinsehen kann. Wenn es so endet wie Du das erlebt hast, quält man sich mit Interpretationen, Mutmassungen und Selbstzweifeln. Aber die wahren Beweggründe können wir nur erahnen und in der Regel können wir uns auf unser Bauchgefühl verlassen, auch wenn die Realität oder das, was wir dafür halten, ein anderes Bild zeichnet. 

Vielleicht wirst Du nie erfahren, was er wirklich empfunden hat. Aber Du hast geliebt und er hat Dich tief berührt und es kommt überhaupt nicht darauf an,  ob er Dich genauso geliebt hat wie Du ihn! Alles was zählt, sind Deine eigenen Empfindungen und Gefühle! Und diese  Gefühle waren echt, die waren authentisch und die Erinnerungen kann Dir niemand nehmen, auch wenn sie noch eine Weile lang bittersüss schmecken werden. 

Das gilt übrigens auch für die Frau Doktor... und für so viele von uns, die solche Erfahrungen gemacht haben.

Auch wenn es Phasen der Wut, der Enttäuschung und vielleicht sogar des Hasses gibt - wenn man geliebt hat, wird man verzeihen. Er wird seine Gründe haben, dass er sich so verhalten hat, so wie Du Deine Gründe hattest, dass Du getan hast, was Du tun musstest. Diese Begegnung hat Euch sicher beide weitergebracht und das alles hatte einen Sinn. 

Kannst Du Dich an meine Geschichte mit Monsieur Silence erinnern? Und wie ich gehadert habe, als er sich zwei Wochen nach einem wundervollen Treffen Knall auf Fall zurückgezogen hat? Als er meine WhatsApp unbeantwortet liess, obwohl er immer wieder online war? Es war ein Auf und Ab der Gefühle. Enttäuschung, manchmal Wut, dann wieder Trauer, Zweifel, Mitgefühl, die Sorge, wie es ihm wohl gehen mag, Gefühle der Einsamkeit und ein ganz gemeines, sehr schmerzhaftes Ziehen in der Herzgegend. Ein verschüttetes Gefühl, das plötzlich aus der Tiefe meiner Seele wieder an die Oberfläche gespült worden ist: Das Gefühl, ganz viel für jemanden zu empfinden und nicht im selben Masse zurückgeliebt zu werden... So wie ich das bei meiner ersten grossen Liebe erlebt habe. Und auch später. Ein Déjà-Vu. Und darin verstrickt, das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Nicht attraktiv genug. Nicht liebenswert genug... 

Und dann sind da diese Zweifel, ob es wirklich sein kann, dass man sich so sehr in einem Menschen getäuscht hat. Die Verunsicherung, ob man seinem Buchgefühl, seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr vertrauen kann. Ob man sich am Ende nur einer Illusion hingegeben hat...

Ich war lange hin- und her gerissen zwischen all diesen Gefühlen. Tief drinnen habe ich geahnt, dass ich mich nicht im ihm getäuscht habe. Dass er authentisch gewesen ist und nichts vorgespielt hat. Und ich habe ihm gute Gedanken geschickt und mich bemüht, ihn loszulassen.

Und dann hat mir das Universum Herrn B. geschickt! Er war beim Lesen meines Blogs über die beiden Posts "gestolpert", die ich über meine Zeit mit Monsieur S. verfasst hatte und es hat ihn so berührt, dass er mir geschrieben hat... Und so hat unsere Geschichte ihren Anfang genommen!

Nun hat sich der Kreis mit Monsieur Silence geschlossen! Er hat sich wieder bei mir gemeldet. Fast ein Jahr nach seinem Rückzug. Er hat mir geschrieben, dass es ihm wieder gut geht, und dass er oft an die Zeit mit mir zurückdenkt. 

Ich habe mich gefreut, wieder von ihm zu hören, denn ich mag es nicht, wenn Menschen, die mein Herz berührt haben, für immer aus meinem Leben verschwinden. Ich verdanke ihm einiges. Ich habe sehr viel gelernt durch diese Begegnung. Vor allem über mich selbst. Und ein bisschen auch über Männer. Und diese Begegnung war es, die mich schliesslich dazu veranlasst hat, den Mut aufzubringen, mich von meinem Mann zu trennen und ein neues, selbstbestimmteres Leben zu beginnen!

Ich habe ihm zurückgeschrieben, dass alles, was ich ihm anbieten könne, eine platonische Freundschaft sei. Und er hat geantwortet, dass das in seinem Sinne sei.

Und dann hat er mir gestanden, dass er Angst gehabt habe vor einem zweiten Treffen...


Und dass diese Stunden, in denen wir uns so nah gekommen sind, zu den schönsten Momenten zählen, die er je mit einer Frau erlebt hat! Dass er oft davon träume und dass es Erinnerungen seien, die ihm niemand mehr nehmen könne... 

Das ist vielleicht eines der schönsten Komplimente, das ich in meinem Leben je erhalten habe...  DANKE, Universum!!


In diesem Sinne... Vertraue auf Dein Bauchgefühl und lass ihn los ohne Groll - wenn es sein soll, wirst Du eines Tages die Wahrheit erfahren. Du hast durch diese Begegnung so viel gelernt über Dich und so viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen! Ich bin dankbar, dass Du uns daran hast teilhaben lassen.

Alles Liebe,

Rosalie