Sonntag, 5. März 2017

Ein Woche im Februar (II)

Mittwoch, 22. Februar 2017

Gleiches Morgenritual wie Montag und Dienstag. Ich fahre die Kinder in die Schule und wir verabschieden uns bis Freitagabend. Ich fahre weiter ins Büro. Wie immer vor den Ferien nehme ich mir vor, im Büro noch möglichst viele Pendenzen abzubauen bzw.  ältere Fälle zu erledigen. Die unerledigten Eingaben stapeln sich im Regal. Die Arbeit ist physisch sichtbar in Form von Aktenbergen. Das macht die Sache nicht einfacher. Jeden Posteingang innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt zu beantworten und jeden Fall innerhalb von drei Monaten abzuschliessen, gestaltet sich bei Teilzeitarbeit schwierig und ich hatte deswegen schon Ärger mit meinem Chef. Im Büro angekommen sichte ich die neuen Posteingänge, für die ich zuständig bin. Und prompt ist eine dringende Anfrage dabei, die unmöglich anderthalb Wochen unbearbeitet bleiben kann. Die Anfrage ist kompliziert und arbeitsaufwändig. Ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt. Mache nur 30 Minuten Pause über Mittag, um mir kurz ein Sandwich zu holen. Von wegen, alte Pendenzen abbauen...

Um 19 Uhr stemple ich trotzdem aus und beginne, an einer privaten Stellungnahme zu schreiben bzw. Beweismittel (Fotos) in Worddateien zu packen und auszudrucken, da ich zuhause keinen farbigen Laserprinter habe. Um 21:15 Uhr komme ich endlich nach Hause, wo mich mein Schatz schon sehnsüchtig erwartet. Die Kinder sind bis Freitagabend bei ihrem Vater.

Donnerstag, 23. Februar 2017

06:45 Uhr. Der Liebste bringt mir den Kaffee ans Bett und fährt kurz darauf an die Arbeit. Ich bin allein zu Hause. Bin sooooo müde. Hatte wie immer eine Wachphase irgendwann zwischen drei und vier Uhr in der Nacht. So gegen 07:30 Uhr raffe ich mich auf und gehe ins Bad... Komme kurz nach neun Uhr im Büro an und arbeite mit einer 30minütigen Mittagspause bis abends um 20 Uhr. Habe nicht die Hälfte von all den Pendenzen erledigt, die ich vor den Ferien noch abschliessen wollte und beschliesse, am Freitagnachmittag nochmals ins Büro zu fahren. Ich widme mich noch kurz meiner privaten Eingabe - einer Stellungnahme an die zweite Instanz in Sachen  Bauvorhaben in der Nachbarschaft - und fahre so gegen 20:45 Uhr heimwärts. Mein Schatz hat schon alles vorbereitet und wir essen "Café complet", wie man bei uns sagt, oder "Stulle", wie der Berliner sagt. Will heissen: Brot, Trockenfleisch, Aufschnitt, Käse. Und statt Kaffee gibt es Rotwein.

Freitag, 24. Februar 2017

06:45 Uhr. Kaffee trinken mit meinem Schatz. Ich bin erneut mitten aus eine wirren Traum erwacht. Mein Schatz fährt ins Büro und kurz vor 08:00 Uhr kommt ein SMS von meinem Ex. Ich erkenne es am Tonfall. Obwohl jedes SMS auf meinem iPhone den gleichen Klang hat, merke ich es sofort, wenn es von meinem Ex kommt. Es klingt irgendwie drängend, fordernd, herausfordernd. Ich kann es mir auch nicht erklären, aber irgendwie klingt es anders als alle anderen SMS, die ich kriege. Was er schreibt, lässt meinen Puls gleich in die Höhe schnellen...

"Hallo Rosalie, die Kinder werde ich heute Nachmittag zu dir bringen, zw. 17.00 - 17.30h. Könntest Du sie dann am morgen Samstag nach dem Mittag zu mir bringen? Wir wollen dann zusammen in die Ferien fahren. Gruss Ex"

Mein Liebster hatte Recht. Wir hatten "gewettet", ob die Kinder sich durchsetzen können oder nicht. Eigentlich haben wir beide damit gerechnet, dass er sie rumkriegt. Wie immer. Sie wollten bekanntlich bis Sonntagmittag bei mir bleiben. Sie haben überhaupt keine Lust auf Skifahren. Möchten viel lieber noch ein wenig bei mir sein, ihre Ruhe haben und chillen.

Er kriegt sie immer rum. Indem er ihnen ein schlechtes Gewissen macht. Im Stil von "Aber ich möchte doch sooooooo gerne schon am Freitagnachmittag in die Berge. Allerallerspätestens aber Samstagmittag! Wir wollen doch zusammen skifahren gehen! Ich habe mich soooooo darauf gefreut! Ich habe doch schon alles eingekauft! ... Schon letztes Wochenden konnten wir nicht Skifahren, weil ich krank war, weil das Wetter schlecht war, etc. Ich bin soooo traurig (wahlweise auch enttäuscht), wenn ihr erst am Sonntag hochfahren wollt. Die Skisaison ist doch bald zu Ende und wir müssen doch noch profitieren, jetzt wo es endlich genug Schnee hat, und überhaupt - meine Liebste kann erst am Montag kommen und sonst bin ich am Samstag/Sonntag ja ganz allein!" .... etc., etc.  So läuft das in der Regel ab. Und die Kinder lenken ein, weil sie den Papa nicht enttäuschen wollen. Oder aus Bequemlichkeit. Der Weg des geringsten Widerstands. Dass sie die Mama enttäuschen, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Weil die Mama ja so lieb ist und alles verzeiht und sie nicht unter Druck setzt. Weil die Mama immer für sie die Kartoffeln aus dem Feuer holt und jede Feuerwehrübung mitmacht. Und Mama hat ja schliesslich ihren Herrn Beh und ist nicht alleine, während der "arme" Papa seine Freundin nicht so oft sieht, obwohl sie nur 35 Autominuten entfernt ist. Aber sie ist halt immer so beschäftigt ...

Ich habe mich geärgert, als ich das SMS gelesen habe. Wieder ist er mit seiner "Tränendrüsen-Tour" durchgekommen. Wieder hat er die Kinder manipuliert und wieder haben sie eingelenkt.

( Die Kinder werden bald von der Gerichtspräsidentin befragt werden. Es geht um die alternierende Obhut. Mir graut vor diesem Termin. Was sollen die Kinder denn sagen? Sie möchten, dass alles so weitergeht wie bisher. Aber das ist nicht möglich, weil ihr Vater mir nicht mehr den vollen Unterhaltsbeitrag für die Kinder bezahlen will. Letzlich wird er die Kinder genauso häufig sehen können wie bisher, wenn es so kommt, wie ich möchte. Aber es wird ein erweitertes Besuchsrecht sein und keine alternierende Obhut.  Letztere existiert eh nur auf dem Papier. Es ist eine alternierende Obhut zwischen der Mutter und der Grossmutter ... Aber das ist eine Geschichte für sich.)

Ich schicke meinem Liebsten einen Screenshot von der SMS und er ärgert sich sehr und wir schreiben hin und her bis ich aus dem Haus muss. Er meint, dass ich wegen der Kinderbefragung auf alles gefasst sein müsse... Die ganzen 45 Autominuten bis zu meinem Termin studiere ich daran herum und überlege, was ich tun soll. Ich fasse den Entschluss, dass ich diesmal nicht einfach so mitspielen werde. Ich werde die Kinder nicht übernehmen, damit wir bloss zusammen z'Nacht essen und sie danach in ihren Zimmern verschwinden, samstags bis elf Uhr schlafen und ich sie dann nach dem Frühstück auch noch zum Ex fahren soll, obwohl er danach in die Berge fährt und sie bei der Gelegenheit bei mir abholen könnte...

Auf dem Weg zum Termin erhalte ich noch einen Anruf von meinem Anwalt. Es geht um die Klage in Sachen Baumängel. Die Gegenpartei will offenbar doch verhandeln. Es geht um ein Thema, das mich sehr belastet. Kurz vor meinem Termin kriege ich stechende Kopfschmerzen. Aus dem Nichts... Ich nehme eine Kopfschmerztablette und nach dem Termin schreibe ich dem Ex eine kurze Nachricht. Ich lasse ihn wissen, dass diese Übernachtung der Kinder bei mir eine Alibiübung sei. Dass ich nicht mitspielen werde und er die Kinder unter diesen Umständen gleich das ganze Wochenende behalten könne und ich sie erst am Sonntag, dem 6. März,  nach meiner Rückkehr aus Berlin übernehmen könne. Und dass ich das verlorene Wochenende mit den Kindern  nachholen werde. Er beklagt sich über meinen Tonfall und kann nicht verstehen, dass ich verärgert bin. Ich sehe davon ab, darauf zu reagieren.

Ich beschliesse, trotz anhaltender Kopfschmerzen noch eine Besorgung zu machen. Ich will meiner Tochter ein neues Silberkettchen kaufen. Das wollten wir eigentlich am Abend zusammen machen. Sie trägt seit mehr als einem Jahr einen kleinen Anhänger an einer Silberkette um den Hals. Es ist ihr Glücksbringer. Nun ist das Kettchen gerissen. Ich möchte, dass sie ihren Glücksbringer in den Skiferien dabei hat. Während ich mit der Verkäuferin spreche und versuche, mich für ein Modell zu entscheiden, wird mir übel. Ich kriege Herzklopfen, spüre kalten Schweiss und mein Kreislauf spielt verrückt. Ich bezahle rasch das Kettchen und suche die nächste Toilette auf. Und warte, dass entweder etwas passiert, was Erleichterung bringt oder dass sich mein Kreislauf wieder so weit normalisiert, dass ich mich ins Auto setzen und weiterfahren kann... Nach zehn Minuten verlasse ich die Toilette und beschliesse, nach Hause zu fahren. Auf dem Heimweg ist mir himmelelend. Die Kopfschmerztablette hat nicht geholfen und ich habe Schmerzen im Oberbauch und wie oft in solchen Situationen habe ich das Gefühl, dass ich links in der Herzgegend ein Brennen und einen Druck verspüre, der in den linken Oberarm ausstrahlt. Zehn Minuten von meinem Wohnort entfernt, fahre ich rechts ran in einem Wohnquartier und überlege, was ich tun soll... Ich sitze im Auto. Fünf Minuten vergehen. Zehn Minuten. Was soll ich bloss tun? Schaffe ich es bis nach Hause? Und dann? Meine Kollegin kommt mir in den Sinn. Sie hat mir neulich den Link zu einem Artikel geschickt. Es ging um Herzinfarktsymptome bei Frauen. Diese zeigen sich oft nicht so deutlich wie bei Männern... Möglicherweise ist diese Tatsache darauf zurückzuführen, dass die bei Frauen auftretenden Symptome oft untypisch sind: So löst ein Herzinfarkt bei einer Frau oft Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen aus.  In vielen Fällen deuten sowohl Betroffene als auch Ärzte die Symptome falsch und erkennen den Herzinfarkt zu spät.

Und immer muss ich in solchen Situationen an meinen Vater denken. Hätte er seine Symptome Ernst genommen (Kurzatmigkeit, Schwindel, ...) und wäre zum Arzt gegangen, würde er heute vielleicht noch leben.

Ich denke an meine Kinder. An meinen Liebsten. Was ist, wenn es doch was Ernstes ist? Früher hätte ich in solchen Situationen meine "Frau für alle Fälle" angerufen. Eine Frau mit besonderen Fähigkeiten. Sie hat mir so oft geholfen und mir auch überflüssige Arztbesuche erspart. Und dann stirbt sie einfach weg... Letzten Sommer. Plötzlich lag da diese Todesanzeige im Briefkasten. Ich war geschockt und stand eine ganze Woche neben mir. Sie war mir eine so wichtige Stütze, auch wenn wir manchmal ein halbes Jahr oder länger keinen Kontakt hatten und unser Verhältnis ein Geschäftliches war. Aber da war auch immer so viel Herzlichkeit am Telefon und sie hat mich so gut gekannt, dass wir die Probleme telefonisch lösen konnten. Sie kannte meine familiäre Situation. Fast vierzehn Jahre lang hat sie mich begleitet und ich konnte sie immer anrufen, wenn ich einen Rat gebraucht habe. Sie fehlt mir sehr.

So sitze ich also im Auto auf dem Parkplatz vor dem Spital und bin hin- und hergerissen. Mein Hausarzt ist in den Ferien. Schliesslich schreibe ich meinem Schatz ein WhatsApp und er meint, ich solle besser in die nahe Notaufnahme fahren.  Als ich das lese, beginnen mir die Tränen übers Gesicht zu laufen und ich verliere kurz die Fassung.  Ich versuche mich wieder zu beruhigen und laufe die 200 Meter zum Eingang der Klinik, ohne mich um die Parkuhr zu kümmern. Als ich vor dem Empfang stehe, verliere ich wieder die Fassung. Ich bringe nur heraus,  dass ich nicht wisse, ob ich einen Migräneanfall oder einen Herzinfarkt hätte. Ob ich heimfahren und mich ins Bett legen oder untersuchen lassen solle. Dass ich mich wegen meinem Ex-Mann so aufgeregt hätte und gerade eine schwierige Zeit durchmachen würde. Die Dame am Empfang ist sehr verständnisvoll und meint,  dass es doch besser sei, wenn ich erst mal hier bleibe.

Zwei Minuten später kommt eine Pflegefachfrau und ich werde in ein Untersuchungszimmer gebeten. Sie verabreicht mir ein Schmerzmittel gegen die pulsierenden Kopfschmerzen und das flüssige Medikament dreht mir drei Minuten später den Magen um. Zum Glück reicht die Zeit noch aus, damit sie mir ein Behältnis aushändigen kann. Ich laufe zum Lavabo und der Schaden hält sich in Grenzen. Mein Magen ist leer. Nur Galle. Es ist halb zwei Uhr und ich habe noch nichts gegessen. Eine Magenverstimmung konnte es nicht sein.

Die Pflegefachfrau fragt mich, ob ich gut versichert sei... Ich bejahe und sie meint, dass sie das "ganze Programm" durchführen werde. Sie legt eine Infusion und verabreicht mir ein Schmerzmittel. Intravenös. Es folgte ein EKG und sie nimmt mir Blut ab und natürlich wird auch der Blutdruck und die Sauerstoffsättigung gemessen. Irgendwann hört mein kleiner Finger mit der Sauerstoffmessklemme auf zu Zittern und obwohl der Monitor ständig piepst, fühle ich mich etwas besser.

Nach einer halben Stunde kommt ein freundlicher junger Assistenzarzt und stellt mir viele Fragen, prüft meine Reflexe und meint, dass organisch alles in Ordnung sei. Dass ich mir keine Sorgen wegen meinem Herz machen solle. Das EKG sei unauffällig und auch das Blut sei in Ordnung. Er nimmt sich Zeit und verschreibt mir am Schluss ein Psychopharmaka, das bei Schlafstörungen helfen soll, weil es müde macht, ohne abhängig zu machen. Er frage mich, ob ich schon mal mit dem Gedanken gepielt hätte, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich bejahe...

Er war wirklich empathisch und hat sich viel Zeit genommen. Letztlich wäre der Besuch in der Notaufnahme nicht notwendig gewesen. Aber er hat mich beruhigt und mir gezeigt, dass ich ziemlich am Limit bin und dass meine Schwachstelle  - das vegetative Nervensystem - einmal mehr reagiert hat.

Ich bin dann nach Hause gefahren und habe mich ausgeruht. Ich fühlte mich nur noch leer. Trotzdem habe ich mich nochmals aufgerafft und die Beschwerde fertig geschrieben und bin auf die Post gefahren, die zehn Autominuten entfernt ist. Fünf Minuten vor der Schliessung der Post habe ich das Einschreiben am Schalter aufgegeben. Danach war die Luft endgültig raus.

Vorher hatte ich noch mit den Kindern telefoniert. Wir haben vereinbart, dass sie am Samstagvormittag vorbeikommen und alles abholen, was sie für die Ferienwoche in den Bergen noch benötigen.

Am Samstag habe ich vier Stunden im Garten gearbeitet. Lavendel und verblühte Stauden zurückgeschnitten. Zur Entspannung. Es hat mir gut getan. Und ich habe mich sehr auf Berlin gefreut. Auf ein paar Tage weit weg von den Alltagssorgen. Zeit für meinen Liebsten, Zeit für mich.

Dass ich mich noch freuen kann, ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass ich nicht depressiv bin, auch wenn ich manchmal trübe Gedanken habe. Vielleicht sollte ich meinen Psychologen von früher wieder kontaktieren. Es ist so viel passiert seit der Trennung und es sind einige Dinge vorgefallen, die ich nicht so ohne weiteres wegstecken kann, obwohl ich daran arbeite. Das Antidepressivum, das mir der Arzt wegen der Schlafstörung verschrieben hat, habe ich nicht besorgt. Ich hoffe, dass ich es auch so schaffen werde. Ohne Medikamente. Wir werden sehen.


Mittwoch, 1. März 2017

Der ganz normale Wahnsinn. Eine Woche im Februar 2017 (I)

Eine (fast) ganz normale Woche im Rückblick...

Montag, 20. Februar 2017

08.00 Uhr: Kinder in die Schule gefahren. (Das geht mit öV nicht, weil die Schule in einem anderen Schulkreis liegt. Ist eine Geschichte für sich... ).  Kurz ein paar Lebensmittel eingekauft und nach Hause zurückgefahren. Wäsche in die Maschine geschmissen. Mit meiner Freundin eine Dreiviertelstunde lang telefoniert und über ihren Scheidungskrieg gesprochen. Und über meinen. Währenddessen die Küche aufgeräumt und geputzt. (Ihr Ex verhält sich genauso beschissen wie meiner. Hat seiner zwanzig Jahre jüngeren ehemaligen Praktikantin ein Kind gemacht und die langjährige Ehefrau soll sich nun gefälligst unverzüglich aus seinem Leben entfernen und das neue Familienglück nicht auch noch finanziell beeinträchtigen. Er macht in seinem Budget drei Parkplätze für ein  einziges Auto an zwei verschiedenen Domizilen geltend und will ihr die (bescheidenen) Ausgaben für den Familienhund streichen. Er findet es schamlos von ihr, dass sie von ihm Unterhalt verlangt und "nur" 50 % arbeitet. Schliesslich hatte sie all die Jahre ein "Flohnerleben" als zweifache Mutter mit Haus und Hund und Nebenjob, während er hart für die Brötchen der Familie arbeiten musste...  Die Kinder sind 10 und 14 Jahre alt, der Hund gehört seit 9 Jahren zur Familie ...  Da bin ich mit meinem Ex und seiner essgestörten Astrologin ja noch ganz gut bedient. (Ironie aus).  Aber ich komme vom Thema ab ...)

11.35 Uhr: Der Mann, der den Rasenmäher für den Service abholen soll, ruft an und will gleich vorbeikommen. Sehr gut. Das Reminder-Mail meines Liebsten hat Wirkung gezeigt. Ich sitze in der Küche vor dem Lappie und schreibe halbherzig an einer Einsprache gegen ein  Bauvorhaben in der Nachbarschaft. Die Vierte seit Anfang 2015. Ist ebenfalls eine Geschichte für sich.

14.00 Uhr: Ich diskutiere mit einer anderen Freundin per WhatsApp, wie wir das Problem lösen könnten, dass unsere beiden Jungs in das Gymnasium ihrer Wahl gehen dürfen und trotzdem die zweisprachige Option wählen können und nicht auf deutsch wechseln zu müssen. Beide Jungs sind bilingue. Die Chancen stehen schlecht. Mein Ausnahmegesuch ist bereits abgelehnt worden, ihres noch hängig. Sie hat sich gleich an die nächste Instanz gewendet. Zur Wahl steht prozessieren oder umziehen oder dem Kind klarmachen, dass man im Leben  Kompromisse machen muss. Und akzeptieren, dass mein Sohn aus politischen Gründen nicht die Ausbildung machen kann, die ihm am besten entspricht und die er sich wünscht. Auf jeden Fall nicht in der gewünschten Stadt,  sondern in einem Kaff in the middle of nowhere. Einige seiner Schulkollegen haben freie Wahl. Weil sie im Nachbarort wohnen. Mag mich mit dieser Ungerechtigkeit nicht abfinden und sinniere weiter über Lösungsmöglichkeiten nach.

15.00 Uhr: Der Rasenmähermann ist immer noch nicht da. 15.20 Uhr: Endlich! Mache in letzter Minute  ein Foto von unserem Rasenmäher, damit ich das Ding wiedererkenne, wenn es nach dem Service wieder zurückgebracht wird. Sehen doch alle irgendwie gleich aus... 

15.40 Uhr: Fahre los, um die Tochter abzuholen. Besorge mit ihr im nahen Supermarkt einen Convenience-Salat ihrer Wahl aus dem Kühlregal für den Dienstagmittag in der Schule. Danach holen wir den Sohn ab, der am Montagnachmittag eine Dreiviertelstunde später Schulschluss hat. Bringe den Sohn nach Hause und fahre mit Tochter zehn Minuten weiter in die andere Richtung in ein kleines Einkaufszentrum mit Kleiderläden, weil sie dringend eine neue Hose braucht. Wir finden eine coole Jeans. Tochter will sie knalleng. Schlage eine Nummer grösser vor. Wäre vorteilhafter. Aber Tochter setzt sich durch. Habe keine Energie mehr für schmollende Töchter und kaufe ihr die enge Jeans für 59 Franken. Wir kommen um 18.15 Uhr nach Hause und mein Liebster hat schon damit begonnen, das Abendessen vorzubereiten. <3 Nach dem Essen fahren wir ohne die Kinder an die Gemeindeversammlung. Früher war dafür ein fünfminütiger Spaziergang nötig, heute eine 15-minütige Autofahrt. Was für ein Schwachsinn, diese Gemeindefusionen... Teilnahme ist aber wichtig. Aus Gründen... Schicke den Kindern um 22 Uhr ein WhatsApp, dass sie schon mal ins Bett gehen sollen, da noch kein Ende der Versammlung in Sicht ist. 
22.40 Uhr: Endlich zurück. Beide Kinder sind noch auf. Muss kurzfristig noch zwei Formulare für die Schule ausfüllen, die sie am Vortag hätten dem Klassenlehrer abgeben sollen und entscheiden, ob ich an einer Infoveranstaltung teilnehmen will bzw. soll. Bin unschlüssig. Werde am Dienstagmorgen entscheiden. Die letzte Wäsche liegt noch in der Wäschetrommel. Noch schnell im Schlafzimmer den kleinen Wäscheständer aufstellen. Die Luft ist eh viel zu trocken. LF unter 40 %.
23.45 Uhr: Ich falle ins Bett. Der Liebste schläft schon. Schlafe ebenfalls innert Sekunden ein. Gegen 4 Uhr längere Wachphase.

Dienstag, 21. Februar 2017

06.45 Uhr: Mein Liebster bringt mir den Kaffee ans Bett. Und ein Mon Chéri. Wie jeden Morgen! (Auch am Montag, hab's nur vergessen zu erwähnen). Er ist ein Goldstück! Wache auf und bin noch mitten in einem Traum. Wie immer Action und Verfolgung. Bin ständig gehetzt, auch nachts. Er fährt los, ich lese News und Blogposts auf dem iPhone. Mag nicht aufstehen. Bin noch sooooo müde. Um 7 Uhr 15 tue ich es trotzdem. Duschen, Kinder wecken, Frühstück hinstellen, Makeup auflegen und kurz vor 8 Uhr aus dem Fenster schauen und checken, ob die Autoscheiben vereist sind...  Kinder anfeuern oder mich von den Kindern anfeuern lassen... "Mama! Es ist acht Uhr! Wir müssen los.....".  Outfit der Tochter checken... Oh man! Mich ärgern. Wieder kein Unterleibchen! Nur ein loses T-Shirt, das knapp den Bauchnabel bedeckt. Und wieder diese furchtbaren Leggins! Verlange von der Tochter, dass sie ein Unterleibchen anzieht. Es ist zwei Grad draussen! Tochter ist wütend und schmollt. Bin auch verärgert. Nerve mich über ihren Kleiderstil. Das sieht so billig aus. Diese verfluchten amerikanischen High-School-Soaps sind schuld, die sie immer auf Youtube schaut. Oder die essgestörte Astrologin? Who knows. Sie will sich immer so betont sexy anziehen. Aber wir sind hier nicht in Kalifornien, es ist Winter und sie ist erst 13! Ich möchte, dass sie die neue Jeans anzieht. Sie will nicht. Gebe Forfait. Braucht alles so viel Energie...

08.17 Uhr: Liefere die Kinder vor der Schule ab (drei Minuten vor Schulbeginn) und fahre anschliessend weiter ins Büro.  Meine Freundin schickt ein Whatsapp. Wir telefonieren auf der Fahrt ins Büro. Es geht um ihre Scheidung. Sie hat Panik vor der ersten Gerichtsverhandlung im März. Ich habe schon zwei davon hinter mir...

12.30 Uhr: Tochter meldet sich per Facetime, dass ich sie vom Volleyball abmelden soll. Gründe sind fadenscheinig. Nach einigen SMS schreibe ich doch das Mail an den Trainer... Versuche mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Fällt schwer. Um 13.30 Uhr hole ich mir rasch im nahen Supermarkt etwas zu Essen. Bastle den ganzen Nachmittag an einer Verfügung herum und suche Argumente. Muss mich in die Materie einlesen. Habe Mühe, mich auf die Arbeit zu konzentrieren.

16.00 Uhr Kinder nehmen den Zug nach Hause. Sehe auf der SBB-App, dass der Zug Verspätung hat und die Busverbindung zu unserem Wohnort ev. nicht klappt... Auch das noch! Verfolge auf dem iPhone, wo Tochter sich gerade befindet. (Danke Apple für die Erfindung der Freunde-App! Ein Segen für gestresste Mütter von Teenagertöchtern! Sohnemann hat auf Android umgestellt... ;-/ ) GPS-Standort der Tochter bewegt sich auf der Buslinie vorwärts. Schwein gehabt. Uns trennen 35 Autominuten und der nächste Bus fährt erst eine Stunde später. Der Bahnhof liegt "in the middle of nowhere".

Arbeite bis ca. 18.15 Uhr und fahre dann heimwärts. Bin gegen 19 Uhr zu Hause. Abendessen kochen, mit Kindern besprechen, wie es am nächsten Wochenende laufen wird. Es ist mein Wochenende mit den Kindern. Aber gleichzeitig beginnen die Skiferien und Ex will mit ihnen in die Ferienwohnung. Am liebsten gleich am Freitag nach der Schule. Sie möchten gerne schon am Freitagabend zu mir kommen und bis Sonntagmorgen bleiben. Finde ich gut. Kann die Kinder überzeugen, dass sie alles einpacken (Kleider, Lappies, Toilettensachen, etc.) und mit in die Schule nehmen, was sie für die nächsten drei Tage bei ihrem Vater brauchen, damit Ex die Sachen nicht am Abend bei mir abholen muss, weil Oma ausfällt. Sie muss sich um den Opa kümmern. Er ist im Spital. Die Kinder machen sich grosse Sorgen. Das erfahre ich so nebenbei und per Zufall. Gegen 23 Uhr sind wir alle im Bett.

Das waren die ersten beiden Wochentage. Und das war noch längst nicht alles, was an diesen beiden Tagen gelaufen ist. Der ganz normale Wahnsinn... To be continued.

(P.S. Die Schweiz ist ein Dorf und wer glaubt, einige der Protagonisten zu erkennen, soll bitte schweigen wie ein Grab, sonst muss ich dieses Blog auf privat stellen.  Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig, etc.)