Mittwoch, 1. März 2017

Der ganz normale Wahnsinn. Eine Woche im Februar 2017 (I)

Eine (fast) ganz normale Woche im Rückblick...

Montag, 20. Februar 2017

08.00 Uhr: Kinder in die Schule gefahren. (Das geht mit öV nicht, weil die Schule in einem anderen Schulkreis liegt. Ist eine Geschichte für sich... ).  Kurz ein paar Lebensmittel eingekauft und nach Hause zurückgefahren. Wäsche in die Maschine geschmissen. Mit meiner Freundin eine Dreiviertelstunde lang telefoniert und über ihren Scheidungskrieg gesprochen. Und über meinen. Währenddessen die Küche aufgeräumt und geputzt. (Ihr Ex verhält sich genauso beschissen wie meiner. Hat seiner zwanzig Jahre jüngeren ehemaligen Praktikantin ein Kind gemacht und die langjährige Ehefrau soll sich nun gefälligst unverzüglich aus seinem Leben entfernen und das neue Familienglück nicht auch noch finanziell beeinträchtigen. Er macht in seinem Budget drei Parkplätze für ein  einziges Auto an zwei verschiedenen Domizilen geltend und will ihr die (bescheidenen) Ausgaben für den Familienhund streichen. Er findet es schamlos von ihr, dass sie von ihm Unterhalt verlangt und "nur" 50 % arbeitet. Schliesslich hatte sie all die Jahre ein "Flohnerleben" als zweifache Mutter mit Haus und Hund und Nebenjob, während er hart für die Brötchen der Familie arbeiten musste...  Die Kinder sind 10 und 14 Jahre alt, der Hund gehört seit 9 Jahren zur Familie ...  Da bin ich mit meinem Ex und seiner essgestörten Astrologin ja noch ganz gut bedient. (Ironie aus).  Aber ich komme vom Thema ab ...)

11.35 Uhr: Der Mann, der den Rasenmäher für den Service abholen soll, ruft an und will gleich vorbeikommen. Sehr gut. Das Reminder-Mail meines Liebsten hat Wirkung gezeigt. Ich sitze in der Küche vor dem Lappie und schreibe halbherzig an einer Einsprache gegen ein  Bauvorhaben in der Nachbarschaft. Die Vierte seit Anfang 2015. Ist ebenfalls eine Geschichte für sich.

14.00 Uhr: Ich diskutiere mit einer anderen Freundin per WhatsApp, wie wir das Problem lösen könnten, dass unsere beiden Jungs in das Gymnasium ihrer Wahl gehen dürfen und trotzdem die zweisprachige Option wählen können und nicht auf deutsch wechseln zu müssen. Beide Jungs sind bilingue. Die Chancen stehen schlecht. Mein Ausnahmegesuch ist bereits abgelehnt worden, ihres noch hängig. Sie hat sich gleich an die nächste Instanz gewendet. Zur Wahl steht prozessieren oder umziehen oder dem Kind klarmachen, dass man im Leben  Kompromisse machen muss. Und akzeptieren, dass mein Sohn aus politischen Gründen nicht die Ausbildung machen kann, die ihm am besten entspricht und die er sich wünscht. Auf jeden Fall nicht in der gewünschten Stadt,  sondern in einem Kaff in the middle of nowhere. Einige seiner Schulkollegen haben freie Wahl. Weil sie im Nachbarort wohnen. Mag mich mit dieser Ungerechtigkeit nicht abfinden und sinniere weiter über Lösungsmöglichkeiten nach.

15.00 Uhr: Der Rasenmähermann ist immer noch nicht da. 15.20 Uhr: Endlich! Mache in letzter Minute  ein Foto von unserem Rasenmäher, damit ich das Ding wiedererkenne, wenn es nach dem Service wieder zurückgebracht wird. Sehen doch alle irgendwie gleich aus... 

15.40 Uhr: Fahre los, um die Tochter abzuholen. Besorge mit ihr im nahen Supermarkt einen Convenience-Salat ihrer Wahl aus dem Kühlregal für den Dienstagmittag in der Schule. Danach holen wir den Sohn ab, der am Montagnachmittag eine Dreiviertelstunde später Schulschluss hat. Bringe den Sohn nach Hause und fahre mit Tochter zehn Minuten weiter in die andere Richtung in ein kleines Einkaufszentrum mit Kleiderläden, weil sie dringend eine neue Hose braucht. Wir finden eine coole Jeans. Tochter will sie knalleng. Schlage eine Nummer grösser vor. Wäre vorteilhafter. Aber Tochter setzt sich durch. Habe keine Energie mehr für schmollende Töchter und kaufe ihr die enge Jeans für 59 Franken. Wir kommen um 18.15 Uhr nach Hause und mein Liebster hat schon damit begonnen, das Abendessen vorzubereiten. <3 Nach dem Essen fahren wir ohne die Kinder an die Gemeindeversammlung. Früher war dafür ein fünfminütiger Spaziergang nötig, heute eine 15-minütige Autofahrt. Was für ein Schwachsinn, diese Gemeindefusionen... Teilnahme ist aber wichtig. Aus Gründen... Schicke den Kindern um 22 Uhr ein WhatsApp, dass sie schon mal ins Bett gehen sollen, da noch kein Ende der Versammlung in Sicht ist. 
22.40 Uhr: Endlich zurück. Beide Kinder sind noch auf. Muss kurzfristig noch zwei Formulare für die Schule ausfüllen, die sie am Vortag hätten dem Klassenlehrer abgeben sollen und entscheiden, ob ich an einer Infoveranstaltung teilnehmen will bzw. soll. Bin unschlüssig. Werde am Dienstagmorgen entscheiden. Die letzte Wäsche liegt noch in der Wäschetrommel. Noch schnell im Schlafzimmer den kleinen Wäscheständer aufstellen. Die Luft ist eh viel zu trocken. LF unter 40 %.
23.45 Uhr: Ich falle ins Bett. Der Liebste schläft schon. Schlafe ebenfalls innert Sekunden ein. Gegen 4 Uhr längere Wachphase.

Dienstag, 21. Februar 2017

06.45 Uhr: Mein Liebster bringt mir den Kaffee ans Bett. Und ein Mon Chéri. Wie jeden Morgen! (Auch am Montag, hab's nur vergessen zu erwähnen). Er ist ein Goldstück! Wache auf und bin noch mitten in einem Traum. Wie immer Action und Verfolgung. Bin ständig gehetzt, auch nachts. Er fährt los, ich lese News und Blogposts auf dem iPhone. Mag nicht aufstehen. Bin noch sooooo müde. Um 7 Uhr 15 tue ich es trotzdem. Duschen, Kinder wecken, Frühstück hinstellen, Makeup auflegen und kurz vor 8 Uhr aus dem Fenster schauen und checken, ob die Autoscheiben vereist sind...  Kinder anfeuern oder mich von den Kindern anfeuern lassen... "Mama! Es ist acht Uhr! Wir müssen los.....".  Outfit der Tochter checken... Oh man! Mich ärgern. Wieder kein Unterleibchen! Nur ein loses T-Shirt, das knapp den Bauchnabel bedeckt. Und wieder diese furchtbaren Leggins! Verlange von der Tochter, dass sie ein Unterleibchen anzieht. Es ist zwei Grad draussen! Tochter ist wütend und schmollt. Bin auch verärgert. Nerve mich über ihren Kleiderstil. Das sieht so billig aus. Diese verfluchten amerikanischen High-School-Soaps sind schuld, die sie immer auf Youtube schaut. Oder die essgestörte Astrologin? Who knows. Sie will sich immer so betont sexy anziehen. Aber wir sind hier nicht in Kalifornien, es ist Winter und sie ist erst 13! Ich möchte, dass sie die neue Jeans anzieht. Sie will nicht. Gebe Forfait. Braucht alles so viel Energie...

08.17 Uhr: Liefere die Kinder vor der Schule ab (drei Minuten vor Schulbeginn) und fahre anschliessend weiter ins Büro.  Meine Freundin schickt ein Whatsapp. Wir telefonieren auf der Fahrt ins Büro. Es geht um ihre Scheidung. Sie hat Panik vor der ersten Gerichtsverhandlung im März. Ich habe schon zwei davon hinter mir...

12.30 Uhr: Tochter meldet sich per Facetime, dass ich sie vom Volleyball abmelden soll. Gründe sind fadenscheinig. Nach einigen SMS schreibe ich doch das Mail an den Trainer... Versuche mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Fällt schwer. Um 13.30 Uhr hole ich mir rasch im nahen Supermarkt etwas zu Essen. Bastle den ganzen Nachmittag an einer Verfügung herum und suche Argumente. Muss mich in die Materie einlesen. Habe Mühe, mich auf die Arbeit zu konzentrieren.

16.00 Uhr Kinder nehmen den Zug nach Hause. Sehe auf der SBB-App, dass der Zug Verspätung hat und die Busverbindung zu unserem Wohnort ev. nicht klappt... Auch das noch! Verfolge auf dem iPhone, wo Tochter sich gerade befindet. (Danke Apple für die Erfindung der Freunde-App! Ein Segen für gestresste Mütter von Teenagertöchtern! Sohnemann hat auf Android umgestellt... ;-/ ) GPS-Standort der Tochter bewegt sich auf der Buslinie vorwärts. Schwein gehabt. Uns trennen 35 Autominuten und der nächste Bus fährt erst eine Stunde später. Der Bahnhof liegt "in the middle of nowhere".

Arbeite bis ca. 18.15 Uhr und fahre dann heimwärts. Bin gegen 19 Uhr zu Hause. Abendessen kochen, mit Kindern besprechen, wie es am nächsten Wochenende laufen wird. Es ist mein Wochenende mit den Kindern. Aber gleichzeitig beginnen die Skiferien und Ex will mit ihnen in die Ferienwohnung. Am liebsten gleich am Freitag nach der Schule. Sie möchten gerne schon am Freitagabend zu mir kommen und bis Sonntagmorgen bleiben. Finde ich gut. Kann die Kinder überzeugen, dass sie alles einpacken (Kleider, Lappies, Toilettensachen, etc.) und mit in die Schule nehmen, was sie für die nächsten drei Tage bei ihrem Vater brauchen, damit Ex die Sachen nicht am Abend bei mir abholen muss, weil Oma ausfällt. Sie muss sich um den Opa kümmern. Er ist im Spital. Die Kinder machen sich grosse Sorgen. Das erfahre ich so nebenbei und per Zufall. Gegen 23 Uhr sind wir alle im Bett.

Das waren die ersten beiden Wochentage. Und das war noch längst nicht alles, was an diesen beiden Tagen gelaufen ist. Der ganz normale Wahnsinn... To be continued.

(P.S. Die Schweiz ist ein Dorf und wer glaubt, einige der Protagonisten zu erkennen, soll bitte schweigen wie ein Grab, sonst muss ich dieses Blog auf privat stellen.  Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig, etc.)

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