Das Gefühl, das letzten Sommer von mir Besitz ergriffen hat, bäumte sich noch einmal so richtig auf. Es schwoll an und krallte sich stärker denn je in mein Herz und in meine Brust und liess mich nicht mehr los. Es tat so weh, dass ich es mit dem Verstand nicht mehr vertreiben konnte.
Ich konnte den Schmerz nicht genau lokalisieren, wusste aber, dass es keine Magenschmerzen waren. Ich spielte ernsthaft mit dem Gedanken, einen Arzt aufzusuchen und begann Informationen zu Leberstau, Leberentzündung und Herzinfarktsymptomen zu googeln. Der Schmerz war so eindringlich, dass er einfach eine körperliche Ursache haben MUSSTE... In der Not wandte ich mich an eine Frau, die in solchen Fällen weiterhelfen kann und mir und den Kindern schon manchen (überflüssigen) Arztbesuch erspart hat. Ihr Urteil schockierte mich.
"Sie haben einen Krampf im Herzchakra!" meinte sie und verordnete mir homöopatische Arzneimittel und SOS-Bachblütentropfen. Herzchakra?? Damit habe ich mich bisher wirklich noch nicht befasst. Aber das mit dem Krampf, das haute hin. Genauso fühlte es sich an. Es dauerte etwa zwei Tage bis der Schmerz nachliess. Danach war auch dieses spezielle Gefühl weg...
Was folgte, war ein anderes Gefühl. Ein Gefühl von Leere. Resignation. Desillusionierung. Traurigkeit. Rückkehr zu alten Mustern. Ich hatte wieder das Bedürfnis, Schokolade zu essen. Dann kam die Erkältung. Anschliessend der Husten, der bis heute andauert. Und vor einer Woche dann die Stirnhöhlenentzündung. Als es so schlimm wurde, dass ich das Bett hüten musste und zu schlapp zum Lesen war, hatte ich die Eingebung, mir "Gut gegen Nordwind" als Hörbuch zu Gemüte zu führen. Ich habe das Buch schon mehrmals gelesen und meine Schwester hatte mir von der gelungenen akustischen Interpretation mit Andrea Sawatzki und Christian Berkel vorgeschwärmt. In einem Zug hörte ich mir den wunderbaren Emailverkehr zwischen Emmi und Leo an. Und gleich im Anschluss "Alle sieben Wellen" - Gott sei Dank gibt es diese Fortsetzung!
Glattauers Werk hat mich erneut sehr berührt. Ich kann mich mit Emmi so gut identifizieren. Es fehlt mir bloss der Leo...
Heute geht es mir ein wenig besser. Und das Beste daran: das Gefühl hat sich zurückgemeldet!
Zuerst hat es sich nur ganz fein angekündigt, wie eine zarte, aus dem Nichts aufkommende Brise am Ufer eines soeben noch windstillen Sees. Nun kann ich es wieder spüren, dieses Gefühl... Es ist ein ziehendes, wehmütiges Gefühl in der Herzgegend. Es ist nicht angenehm. Aber ich bin froh, dass es wieder da ist! Es gibt mir das Gefühl zu LEBEN und nicht bloss zu FUNKTIONIEREN!
Ich nenne das Gefühl unerfüllte Sehnsucht...

eine unerfüllte sehnsucht, die dich krank macht... ich weiß nicht genau, was in diesem sommer passiert ist, du wirst davon sicher noch erzählen, nehme ich an, aber du lebst ein leben gegen deine gefühle. ich habe etwas ähnliches bis zum seelischen zusammenbruch getrieben und kann dich nur warnen...du hast nur dieses eine leben, opfere es nicht irgendwelchen scheinbar vernünftigen gründen. aber noch kenne ich die hintergründe nicht und bin gespannt, sie zu lesen... alles liebe
AntwortenLöschenIch kenne diese Gefühle sehr gut und kann sie nachempfinden. Schön das Du mich gefunden hast und ich deshalb die Chance habe Deinen Blog zu lesen.
AntwortenLöschenGruß Julian
@Julian: Ähm... - Du hast mich gefunden! Jedenfalls hast Du am 20. April 2011 einen Kommentar zu "Salz auf unserer Haut" hinterlassen. Wobei Du vermutlich nur dieses eine Post gelesen hast ;-)
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