Rosalie hat beschlossen, die geistige Welt zu Rate zu ziehen…
Ich bin eigentlich selten bis nie krank. Aber seit diesem Jahr ist alles anders. Diese Stirnhöhlenentzündung geht einfach nicht weg. Antibiotika haben nichts genützt und seit ein paar Tagen habe ich wieder ein stärkeres Druckgefühl und leichte Schmerzen in der Stirne und ein seltsames Brennen an den Schläfen. Und die Lunge fühlt sich auch nicht gesund an. Und meine (an sich vertrauten) Ohrgeräusche melden sich zur Zeit ganz besonders ausgeprägt. Es rauscht in meinem Kopf… Die Schulmedizin kann mir offensichtlich (wieder einmal) nicht weiterhelfen. Jetzt reicht’s!
Habe deshalb am Mittwoch spontan meine „Naturärztin“ angerufen. Sie will mich sehen und hat am Donnerstag Nachmittag Zeit für mich. Es ist dringend und mein Chef ist verständnisvoll und so kann ich kurzfristig frei nehmen. Meine Ultima-Ratio-Fachfrau in Gesundheitsangelegenheiten ist keine Ärztin im eigentlichen Sinne. Es ist eine sehr bodenständige Frau im Rentenalter, die mit Homöopathie und Bachblüten arbeitet und über besondere (spirituelle) Fähigkeiten verfügt. Sie hat Kontakt zur geistigen Welt und kommuniziert mit Engeln. Kein esoterischer „Firlefanz“. Sie ist authentisch und spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist.
Ich bin eine durchaus kritische Frau und konnte mich in der Vergangenheit schon mehrfach von ihren Fähigkeiten überzeugen – vor allem auch in Zusammenhang mit unseren Kindern. Für mich ist es inzwischen klar, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde als uns die moderne Wissenschaft glaubhaft machen will und ich habe sozusagen mein Weltbild erweitert.
Und wenn ich von den Fähigkeiten dieser Frau nicht überzeugt wäre, würde ich nicht die 260 km bzw. drei Stunden Autofahrt in Kauf nehmen und 280 Franken für 75 Minuten Gespräch, drei Röhrchen Globuli und ein Fläschchen Bachblüten ausgeben.
Habe mich also gestern Mittag bei wunderbarem Frühsommerwetter auf den Weg gemacht und bin nach einer angenehmen Fahrt auf staufreien Autobahnen zehn Minuten vor dem Termin in X. eingetroffen. Habe den ganzen Weg Katie Melua gehört, ein bisschen mitgesungen, über meine verfahrene Situation nachgedacht und ein paar Tränchen verdrückt…
Das Gespräch mit Frau S. war wie immer sehr offen und herzlich. Ich habe sie vor acht Jahren zum ersten Mal kontaktiert und sie hat auch schon die Kinder behandelt und kennt auch meinen Ehemann.
Fazit nach dem Gespräch:
Rosalie hat eine Entzündung – nicht nur im Kopf, nein im ganzen Körper. Und die Ursache ist weder der wurzelbehandelte Zahn, noch ein fieses Virus… nein, es ist die momentane Lebenssituation und die damit verbundene seelische Befindlichkeit, die sie krank gemacht hat und am Gesundwerden hindert.
Das hatte ich schon befürchtet.
Sie sieht meinen Weg in der Trennung vom Ehemann. Sie fühlt, dass ich danach wie befreit wäre und es auch den Kindern besser gehen würde. Aber zuerst muss ich wieder gesund werden, damit ich überhaupt die Kraft habe, etwas zu verändern. Und sie meint, ich werde das Haus behalten.
Aber ich kann ihn doch nicht einfach so wegschicken? Er ist ja nicht böse. Er gibt sich Mühe, hat halt seine Fehler. Die hatte er schon früher. Ich hatte schon Sinn- und Beziehungskrisen, bevor wir das Haus gebaut haben, bevor wir geheiratet haben und bevor die Kinder gekommen sind… und bin den Weg trotzdem mit ihm gegangen. Eigentlich wusste ich tief in meinem Herzen schon immer, dass ich irgendeinmal in meinem Leben an diesem Punkt angelangen würde. Ich habe es nur verdrängt und es hat 17 Jahre gedauert. Und nun klappt es einfach nicht mehr mit der Selbsttäuschung und der Ablenkung. Es ist unendlich schwierig.
Und sie hat noch was gesehen: Eine schicksalshafte Zufallsbegegnung mit einem Mann, den ich noch nicht kenne. Noch in diesem Jahr! Keine Liebe auf den ersten Blick. Aber auf den zweiten oder dritten… (das sei sowieso viel besser – Liebe auf den ersten Blick sei in der Regel nur ein Strohfeuer). Er sei ca. 2 Jahre älter als ich und der Richtige!
Ich habe das zur Kenntnis genommen… soll ich das wirklich glauben?
Einerseits wäre es ja wunderschön, jemanden kennenzulernen, der meine Sehnsucht stillen könnte und mich so nimmt und liebt wie ich bin, andererseits macht es mir natürlich auch Angst. Es liegt noch ein weiter Weg vor mir.
Zum Schluss forderte sie mich auf, blind drei Kärtchen aus einer kleinen Schachtel herauszufischen. Auf den Kärtchen stand je ein Wort. Das kam dabei heraus:
1. Bereitschaft
2. Macht
3. Vertrauen
Die Bereitschaft, etwas zu verändern…
Es liegt in meiner Macht, es zu verändern…
Und Vertrauen, dass alles gut kommt, dass sich alles zum Guten wendet – für alle Beteiligten.
Das macht alles durchaus Sinn… aber es ist ein weiter, steiniger Weg.