Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus an einen besonderen Ort. Ein ehemaliges Kloster mit weitläufigen Gartenanlagen. Es folgte eine interessante Besichtigung bei hochsommerlichen Temperaturen. Das Mittagessen nahmen wir an diesem speziellen Ort in einem Gartenrestaurant ein. Wir warteten ziemlich lange auf das vorbestellte Essen und weil es so heiss war, trank ich - ganz entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten – ein kühles Bierchen. Ich unterhielt mich mit meinen Tischnachbarinnen und irgendwann schweiften meine Gedanken ab. Während ich so gedankenverloren an diesem Tisch sass, trafen sich plötzlich unsere Augen… Ich hatte seinen Blick nicht gesucht. Es ist einfach so passiert…
Es war ein magischer Moment, den ich mein Leben lang nie mehr vergessen werde. Ich hatte das Gefühl, geradewegs in seine Seele zu blicken. Ich sah goldene Sprenkel in seinen braunen Augen und es war, als ob sich unsere Gesichter fast berührten - obwohl er anderthalb Meter entfernt am Nebentisch sass. Das Universum blieb stehen und der hohe Geräuschpegel im Restaurant verstummte augenblicklich. Es gab nur noch uns zwei und diesen tiefen magischen Blick und ich fühlte eine starke Verbundenheit mit diesem Mann und gleichzeitig überfiel mich eine tiefe Sehnsucht, die mich nicht mehr losliess. Ich weiss nicht, wie lange wir uns in die Augen geschaut haben und ich weiss auch nicht mehr, wer den Blick als erstes abgewandt hat. Ich denke, wir haben uns angelächelt. Ich habe dann versucht, wieder „normal“ zu funktionieren. Mein Appetit war wie weggeblasen und ich fühlte mich wie in Trance. Nach dem Essen setzten wir die Besichtigung fort und als er später zu unserer Gruppe stiess, war es mir, als würden elektrische Blitze oder Lichtbögen zwischen uns sprühen, wenn er in meine Nähe kam. Ich hätte die Augen schliessen können und trotzdem genau gefühlt, wo er gerade steht - so stark war diese Verbindung zwischen uns. Mein ganzer Körper rauschte und ich bemühte mich, ihm aus dem Weg zu gehen, um wieder „klar“ denken und funktionieren zu können. Ich vermied jeden weiteren Blickkontakt. Aus Angst, dass man mir alles ansehen könnte und die andern Reiseteilnehmer etwas merken könnten. Und ich fragte mich die ganze Zeit, ob er es auch gefühlt hat - oder ob es möglich ist, dass ein derart intensives Gefühl einseitig empfunden werden kann...
Dieser (Augen-)Blick hat mein Leben verändert. Dornröschen ist aufgewacht... und hat erkannt, dass etwas elementar Wichtiges in ihrem Leben fehlt. Etwas, was sie lange Zeit erfolgreich verdrängt hat. Und das sich nun mit dieser starken, unerfüllten Sehnsucht bemerkbar macht. Was auch immer es ist – es lässt sich nicht vertreiben und besetzt mein Herz – bis heute.
(Fortsetzung folgt...)
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