Schlummertrunk
Nach dem Abendessen, das ich an einem Tisch mit zwei netten Damen im Rentenalter eingenommen hatte, die sich zeitig verabschiedet und sich in ihre Zimmer zurückgezogen hatten, setzte ich mich zunächst an einen Tisch mit ein paar sehr illustren Persönlichkeiten. Es war lustig und ich amüsierte mich gut. ER war mit einer anderen Gruppe nach draussen gegangen...
Einerseits versuchte ich mir einzureden, dass da nichts sei - weil nichts sein d u r f t e - anderseits hielt ich verstohlen nach ihm Ausschau.
Ich nehme an, es erging ihm ähnlich - jedenfalls trafen wir uns zu vorgerückter Stunde "zufällig" in der Hotellobby zu einem Schlummertrunk... Zwar nicht alleine - das wäre auch zu auffällig gewesen - aber nachdem einige Gäste sich zurückgezogen hatten, rückten wir näher und sassen zum Schluss nebeneinander in zwei plüschigen Sesseln und tranken Rotwein. Nachdem wir unsere anfängliche Verlegenheit überwunden hatten, erzählten wir uns ziemlich viel aus unseren Leben, sprachen über unsere Reisen und unterhielten uns wie alte Freunde...
Diese ganz starke Anziehungskraft, die ich bei unserer ersten Begegnung gespürt hatte, war nicht mehr so präsent. Stattdessen gab es nun eine seltsame, unerklärliche Vertrautheit zwischen uns...
Es stellte sich heraus, dass er privat in einer ähnlichen Situation lebt wie ich. Einfach noch wesentlich komplexer, da er der Hauptversorger der Familie ist und Eltern und Schwiegereltern in nächster Umgebung leben. Er lebt das Leben, das von ihm erwartet worden ist. Aber er ist im Grunde genommen ein Abenteurer und liebt es, fremde Länder zu erkunden und neue Menschen kennenzulernen. Und die Reisegäste lieben ihn, weil er immer die Ruhe bewahrt, stets freundlich bleibt und noch dazu ein interessierter und aufmerksamer Zuhörer ist.
Er liebt seine Arbeit und übt seinen Traumjob aus - wenn auch mit "schlechtem" Gewissen, weil er so viel unterwegs ist und seine Familie deshalb zu kurz kommt. Wobei seine Frau diese Reiselust nicht teilt und es abgelehnt hat, ihn auf einer seiner Reisen zu begleiten. Ich hatte deshalb den Eindruck, dass seine Ehe eher eine Zweckgemeinschaft ist, obwohl er das so natürlich nicht gesagt hat.
Er liebt seine Arbeit und übt seinen Traumjob aus - wenn auch mit "schlechtem" Gewissen, weil er so viel unterwegs ist und seine Familie deshalb zu kurz kommt. Wobei seine Frau diese Reiselust nicht teilt und es abgelehnt hat, ihn auf einer seiner Reisen zu begleiten. Ich hatte deshalb den Eindruck, dass seine Ehe eher eine Zweckgemeinschaft ist, obwohl er das so natürlich nicht gesagt hat.
Vielleicht ist es das, was ich instinktiv gefühlt habe, als sich unsere Blicke damals trafen. Die Verbundenheit zweier Menschen, die in einer ähnlichen Lebenssituation "gefangen" sind und aus Pflichtbewusstsein ein Leben leben, das ihnen nur bedingt oder nicht mehr ganz entspricht und nicht den Mut haben auszubrechen und gewisse unerfüllte Sehnsüchte auszuleben...
Der lange Tag und der schwere Rotwein hatten uns müde gemacht und kurz vor Mitternacht standen wir (und die letzten beiden Gäste) auf und wir verabschiedeten uns.
Der lange Tag und der schwere Rotwein hatten uns müde gemacht und kurz vor Mitternacht standen wir (und die letzten beiden Gäste) auf und wir verabschiedeten uns.
Er stand noch einen kurzen Augenblick lang ein wenig verloren vor dem Hoteltresen und ich war hin- und hergerissen, was ich von ihm halten sollte. War er der charmante Womanizer, den ich in ihm sah bzw. vermutete oder eventuell doch der brave, treue Ehemann, der sich den Appetit auswärts holt aber zu Hause isst?
Ich ging in mein Hotelzimmer und lag lange wach. Dann tat ich etwas, was ich mir selbst nie zugetraut hätte...
(Fortsetzung folgt)
(Fortsetzung folgt)
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