Kürzlich hat mich ein Freund gefragt, ob ich das Interview mit der israelischen Soziologin im Magazin vom 7. Januar 2012 gelesen hätte. 39 Fragen und Antworten zum Thema Liebe. Ich solle das unbedingt lesen! Nun - wenn ihn das so beeindruckt hat, will ich natürlich wissen, was es damit auf sich hat.
Das Magazin gibt's als Wochenendbeilage zur abonnierten Tageszeitung. Und diese Tageszeitung haben wir in die Ferienwohnung umleiten lassen und ich bin nicht dazu gekommen, Zeitung und Magazin zu lesen. Und das Magazin ist natürlich dort geblieben. Aber er hat meine Neugier geweckt und ich will das gleich lesen. Jetzt gleich.
Versuche also mein Glück mit der Onlineausgabe des Magazins. Auf unsere Abo-Nummer gibt es schon einen Onlinezugang. Aber nicht auf meine E-Mailadresse. Muss bei Gelegenheit mal den Gatten darauf ansprechen. Also rufe ich meine Mutter an und frage sie nach ihrer Abo-Nummer, da meine Eltern wohl kaum online lesen. Mama klärt mich auf, dass die Abo-Nummer auf Ihrer Zeitung nicht aufgedruckt sei, weil die Zeitung direkt ausgeliefert wird. Die Nummer steht aber auf der Abo-Rechnung und diese ist... tja, wie soll ich sagen... so auf Anhieb vermutlich gerade spontan nicht ohne weiteres auffindbar. Sicher in einem Stapel Rechnungen, der darauf wartet, dereinst in einen Ordner abgelegt zu werden. Kann ihr nicht böse sein. Hab das Gen schliesslich geerbt...
Frage sie also, ob die Printausgabe zufällig noch irgendwo bei ihr rumliegt. (Das war eine Frage fürs Protokoll... sehe vor meinem geistigen Auge die Zeitungs- und Reklamestapel der letzten vierzehn Tage im elterlichen Wohnzimmer auf der Kaminbank rumliegen...).
Mama: "Ach ja, Du hast Glück. Wollte eigentlich heute Altpapier entsorgen". (ich unterdrücke ein Grinsen) - "Aber sag bloss, Du liest das! Also, ich lese das Magazin nicht mehr. Das ist ein unmögliches Blatt! Auf der letzten Ausgabe war ein Dildo vorne drauf!" (Ich bin sprachlos und mein Interesse an der Ausgabe steigert sich gerade extrem). "Die schreiben, in jedem Haushalt gäbe es einen Dildo - so ein Quatsch!" (Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus! Meine Mutter weiss nicht nur, was ein Dildo ist - sie hat sogar den Artikel gelesen... oder zumindest den Header. Ich schmunzle und erkläre hastig, dass ich die Ausgabe bloss haben möchte, weil mich das Interview mit der brillanten Eva Illouz interessiert...)
Mama: "Wir fahren morgen bei Euch vorbei. Ich habe begonnen, den Estrich auszumisten (uups, was soll das denn?!) und eine alte Kiste mit Schulsachen von Dir gefunden. Ich bringe sie Dir vorbei und dann kann ich das Magazin dazulegen." (Meine Eltern sind wirklich lieb. Mist, wo soll ich bloss mit dem Schulzeug hin - hab ja selber keinen Platz mehr. Ich bin ja erblich vorbelastet. Sammelwut und mangelnder Ordnungssinn ist eine saublöde Kombination.)
Am nächsten Abend komme ich von der Arbeit nach Hause und finde im Hauseingang eine grosse Tasche mit meinen alten Schulsachen, die fast dreissig Jahre lang auf dem Dachboden meines Elternhauses geschlummert haben. Und obendrauf das Magazin der Begierde! Fein säuberlich zusammengerollt mit Gummiband drum. Titelblatt nach innen.
Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Schnappe mir das Heft und ab auf die ...ähm... aufs Bett! Interessante Lektüre! Wirklich eine ganz kluge Frau, diese israelische Soziologin. Mehr darüber bald auf diesem Blog!
Hm ... Davon abgesehen, dass ich natürlich auch wissen möchte, was wir von der Soziologin noch über die Liebe lernen können, habe ich noch eine weitere Frage bzw. Anmerkung.
AntwortenLöschenHier im Land ist der Estrich die bauliche Voraussetzng für das Aufbringen von Teppich, Parkett oder was auch immer, also sozusagen der Fußbodenunterbelag. In einem anderen Zusammenhang kenne ich dieses Wort nicht.
Bei Dir klingt es jedoch eher wie "Dachboden" oder "Keller". Ich bin nun verwirrt und stelle mir vor,wie jemand seinen Fußboden aufräumt. :-) Kannst Du mich aufklären?
LG aus dem Norden, wo es tatsächlich seit drei Tagen Frost gibt.
Liebe Rostkopp
LöschenDas ist ja interessant mit dem Estrich. Wieder was gelernt! Also in der deutschsprachigen Schweiz wird der Dachboden gemeinhin als "Estrich" bezeichnet. Was bei Euch Estrich heisst, nennen wir Unterlagsboden.
Liebe Grüsse aus der ebenfalls frostigen Schweiz!
Da bin ich ja mal auf einen spannenden Diskurs gespannt. Ich habe in der "Zeit" ein Interview mit Eva Illouz gelesen und später in Teilen ihr neues Buch.
AntwortenLöschenSie hat ein paar sehr interessante Aussagen gemacht...
LöschenDas neue Buch habe ich auch auf der Wunschliste. Der Titel tönt vielversprechend. ;-)
Wir sind so multikulti! ;-)
AntwortenLöschenDer Begriff "tönen" wird bei uns übrigens eher im Zusammenhang mit
"eine dicke Lippe riskieren" verwandt. Also z.B. "XYZ hat herumgetönt, dass ..". So wie Ihr ihn verwendet, würden wir eher sagen: "Das klingt vielversprechend."
Einen guten Start in die Woche! Der Frost und das schöne Wetter sind hier schon wieder vorbei (eine Schneeflocke habe ich in Hamburg in diesem Winter übrigens auch noch nicht gesehen).
Multikulti ist gut! :-)
LöschenEs war mir gar nicht bewusst, dass es so viele Helvetismen gibt, die in Deutschland eine andere Bedeutung haben! Bloggen bildet! :-)
Mehr davon gibts hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Helvetismus
Liebe Grüsse aus dem Süden. (Im Flachland ist es auch immer noch grün...)
Ja, was stand denn jetzt drin in dem Artikel?
AntwortenLöschenHallo Hans!
LöschenDas Post ist in Vorbereitung! Ich muss den Artikel noch aufarbeiten und die Rosinen rauspicken. :-)
Aha...eine Rosinenpickerin.....!
LöschenWow .. ich hätte auch nicht gedacht, dass es sooooo eine lange Liste von Wörtern gibt, die eine unterschiedliche oder zusätzliche Bedeutung haben. Spannend. Danke für den Link!
AntwortenLöschen