Sonntag, 5. Februar 2012

Ist Liebe teilbar?


Viele von uns beschäftigen sich mit der Frage, ob die erotische Liebe gleichzeitig auf mehrere Partner verteilt werden kann und ob es legitim und/oder erstrebenswert ist, in einer festen Partnerschaft oder in einer Ehe zu leben und gleichzeitig eine Nebenbeziehung (oder auch mehrere) zu führen.

Die Paare, die sich von Anfang an für eine solche Form der Partnerschaft entscheiden, möchte ich jetzt einmal ausklammern. 

Das Thema beschäftigt vor allem Menschen, die in langjährigen Ehen und Partnerschaften leben. Es ist wohl unvermeidlich, dass sich nach zehn oder zwanzig gemeinsamen Jahren  eine gewisse Routine einschleicht und die Leidenschaft irgendwann im anstrengenden Alltagsleben auf der Strecke bleibt. Das muss nicht überall so sein - aber oft wird das Sexleben nicht mehr als Bereicherung der Beziehung erlebt und Frustration macht sich breit. Geheime Sehnsüchte beginnen sich zu entwickeln, die früher oder später ausgelebt werden wollen.  
So kann es geschehen, dass man mit dieser inneren Einstellung zufällig über eine Person stolpert und sich "Hals über Kopf" verliebt und gar nicht anders kann, als diese neue Liebe auszuleben. Parallel zur Alltagsbeziehung - zumindest zu Beginn. Das Gefühl ist zu stark, um es zu ignorieren oder zu verdrängen.


Wenn man nicht auf diesen "Magic Moment" warten mag, beginnt man mehr oder weniger bewusst in den Weiten des Internets bzw. auf entsprechenden Portalen nach gleichgesinnten Menschen zu suchen, mit dem Ziel, ein  passendes Pendant zu finden, um diese Sehnsucht nach Schmetterlingen im Bauch auszuleben. 




Doch was passiert, wenn man sich in eine Affäre stürzt? Kann man die Alltagsbeziehung trotzdem weiterführen und seine Liebe - oder nennen wir es Zuneigung - auf zwei oder mehrere Partner aufteilen? Zieht man sich dann nicht unweigerlich vom Ehepartner zurück, weil man sich gedanklich (zumindest in der Anfangsphase) so stark mit der Nebenbeziehung befasst?

Eigentlich wollte ich ja nur Castorps Post  "Love unlimited"  vom 2. Februar 2012 kommentieren bzw. seine Antwort auf den Kommentar von Nouniouce.


Castorp schreibt in seinem Post unter anderem folgendes:

"Warum, wenn wir doch angeblich unbegrenzt oder zumindest nicht auf einen Menschen begrenzt lieben können, warum leben wir nicht schon längst in transparenten, offiziellen Beziehungen, die aus drei, vier oder mehr Menschen bestehen?

Für mich liegt eine Antwort auf der Hand: Weil wir das im Grunde nicht wollen. Solche Arrangements können funktionieren, ja. Nämlich dann, wenn sich das Verhältnis zwischen zwei Liebenden so abgekühlt und zum freundschaftlichen Miteinander entwickelt hat, dass Eifersucht kein Thema mehr ist. Man gönnt dann dem Ehemann oder der Ehefrau die neue Liebschaft wie man sie einem guten Freund oder einer guten Freundin gönnt. Die Liebe verlagert sich dann auf einen anderen Menschen. Sie bleibt aber unteilbar.

Wer jemanden liebt - und ich meine wirklich liebt - und beginnt, ähnliche Gefühle für einen anderen Menschen zu entwickeln, gerät in grosse Not. Ich weiss, wovon ich spreche."



Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass eine sogenannte "offene" Ehe  erst dann eine Option ist, wenn das Ehepaar kein Liebespaar mehr ist und aus der leidenschaftlichen Liebe ein freundschaftliches Miteinander geworden ist, um mit Castorps Worten zu sprechen.  Doch stimmt das wirklich? 

Wenn ich mich so durch gewisse Blogs lese und mit Männern aus dem Bekanntenkreis darüber spreche bzw. schreibe, stelle ich mit Verwunderung fest, dass diese Männer vorgeben, dass sie ihre Ehefrauen nach wie vor lieben und (teilweise) auch noch begehren - und trotzdem dieses Bedürfnis nach fremder Haut verspüren und sich eine Affäre wünschen.  Die bestehende Situation "optimieren", nannte es ein Betroffener. Die meisten Männer  können dieses Bedürfnis aber nur heimlich ausleben, da sie davon ausgehen, dass die Ehefrauen eine  Affäre niemals tolerieren würden. Und es gibt eine kleine Minderheit von Ehemännern, die sich eine "offene" Ehe wünschen und davon träumen,  ihre Sehnsüchte mit dem Einverständnis der Ehefrau ausleben zu dürfen. Und wenn es denn sein muss - der Ehefrau (wohl oder übel!) das selbe Recht zubilligen. 

Ich frage mich: Können diese Männer ihre Liebe teilen? Oder ist es so, dass sie Liebe anders definieren und ihre
Ehen idealisieren? Dass sie Loyalität mit Liebe gleichsetzen? Dass sie in dieser Hinsicht weniger objektiv, weniger anspruchsvoll sind als wir Frauen? Und kann es sein, dass ich meinen Mann noch liebe, obwohl ich ihn gar nicht mehr begehre und an das Wort "Liebe" einfach  zu hohe Ansprüche stelle?

Diese Männer, die ihre Ehefrauen noch lieben und sich trotzdem nach einer anderen Frau sehnen, gehen also davon aus, dass sie ihre Liebe auf verschiedene Partnerinnen aufteilen können. Ich unterstelle ihnen jetzt mal, dass es nicht nur um Sex geht. Sex ohne Liebe und emotionale Nähe ist ja eigentlich eine oberflächliche und auf Dauer unbefriedigende Angelegenheit. Nicht das, was man sich unter Erfüllung der Sehnsucht vorstellt. Man sehnt sich ja nach intensiven Gefühlen, nach Schmetterlingen im Bauch. Und Schmetterlinge im Bauch stellen sich nur ein (jedenfalls bei mir), wenn es knistert. Und knistern tut es nur, wenn mich mit dieser Person etwas verbindet. Emotionale Nähe. Zuneigung. Respekt. Bewunderung. Und eine gewisse Vertrautheit, die sich im Verlauf von Gesprächen und im schriftlichen Gedankenaustausch einstellt.  

Ich frage mich, ob es auch Frauen gibt, die ihre Männer noch lieben und (noch) begehren und trotzdem eine Aussenbeziehung leben möchten? Oder ist diese Ausgangslage den Männern vorbehalten?


Und dann gibt es Männer wie Castorp, die die erotische Liebe für unteilbar halten. Die ihre Ehefrauen „richtig“ lieben und in seelische Not geraten, wenn sie für eine andere Frau plötzlich ähnliche Gefühle empfinden.

Aber...  wenn man jemanden liebt und ich meine „richtig“ liebt - wie kann es dann überhaupt passieren, dass man sich trotzdem in eine andere Person verliebt? 

Und wenn man davon überzeugt ist, seine Ehefrau zu lieben - wieso sollte diese Liebe weniger werden oder in Gefahr geraten, nur weil man ähnliche Gefühle für einen anderen Menschen empfindet? Ist diese Art von Liebe wirklich unteilbar? 

Sollte man eine solche „Nebenliebe“ nicht einfach als eine Bereicherung empfinden? Sie einfach als ein Geschenk annehmen und ausleben. Positive Energie daraus schöpfen, ohne das Bestehende in Frage zu stellen?  Oder gibt es in dieser Angelegenheit tatsächlich nur schwarz oder weiss, alles oder nichts?

Ich weiss, die Menschen sind verschieden. Aber kann man auf Dauer glücklich leben, wenn man seine Gefühle immer und mit aller Macht der Vernunft unterordnet?


.
Ich denke, dass sich Gefühle auf lange Sicht nicht unterdrücken lassen und dass das Verdrängen solcher Emotionen nicht gesund ist.  Und ich glaube auch nicht, dass solche Gefühle „einfach so“ von alleine wieder verschwinden, ohne dass sie ausgelebt worden sind. Liebe will gelebt werden. Sie kann wohl in den Hintergrund rücken - aber so einfach sterben tut sie kaum, so lange die geliebte Person diese Liebe verdient und dieser Liebe würdig ist.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Ich glaube daran, dass man die erotische Liebe auf verschiedene Menschen aufteilen kann! Wenn auch nicht auf jeden Einzelnen mit der selben Intensität.






33 Kommentare:

  1. liebe Rosalie,

    auf deinen Schlußsatz bezogen:

    echte Liebe muss man sich nicht verdienen, sie ist bedingungslos!......dafür muss man sich nicht als würdig erweisen.....sie wird einem geschenkt ohne wenn und aber.....

    meint

    Uli W.

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    1. Liebe Uli

      Ich habe mein Post noch mit einem neuen Schlusssatz ergänzt. Ich stimme mit Dir überein, dass echte Liebe an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Sie ist ein Geschenk, das man sich nicht verdienen muss.

      Was ich eigentlich damit gemeint habe, ist folgendes: Die ungelebte Liebe stirbt nicht einfach so - ausser die liebende Person wird von der geliebten Person so sehr verletzt oder enttäuscht, dass sie erkennt, dass diese ihrer Liebe nicht würdig ist. Dann denke ich, dass die Vernunft stärker ist und die Liebe irgendwann verglüht.

      LG, Rosalie

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  2. zu Deine Kernfrage:
    sollte man eine solche „Nebenliebe“ nicht einfach als eine Bereicherung empfinden? Sie einfach als ein Geschenk annehmen und ausleben. Positive Energie daraus schöpfen, ohne das Bestehende in Frage zu stellen? Oder gibt es in dieser Angelegenheit tatsächlich nur schwarz oder weiss, alles oder nichts?
    rufe ich Dir zu: JA, nimm sie entgegen als Bereicherung und als Zeichen dafür, dass Du lebst und ganz Mensch bist. Dieses krankhafte entweder-oder macht die Menschen bloss krank. In diesem Sinne wünsche ich allen den Mut, Ja zu sagen zu ihren Gefühlen und ihr Leben endlich zu leben statt bloss im stillen Kämmerlein darüber zu sinnieren, wie es denn sein könnte wenn....

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    1. Lieber Peter,

      Ich nehme mir Deinen Rat zu Herzen! ;-)

      Es tut so gut, wieder einmal Komplimente zu hören und begehrt zu werden. Das ist Balsam fürs Ego und plötzlich zeigen die Mundwinkel wieder nach oben und die Augen funkeln vor Lebensfreude. Ich habe nur dieses eine Leben. Wenn ich verzichte und frustriert in meiner aktuellen Situation ausharre, ist niemandem geholfen und ich wäre meinen Kindern auch kein Vorbild. Niemand würde es mir danken.

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  3. Gerade wollte ich auch etwas kommentieren, da rief der IF an und ich habe meinen Gedanken vergessen ...

    Aber noch unter dem Eindruck des Telefonats stehend muss auch ich im Sinne von Peter sagen: Ja, greif zu und bereichere Dein Leben. Genieß die Anerkennung und das Neue.

    Ich denke, wenn man das nicht tut, richtet sich in vielen Fällen der Frust darüber gegen den eigentlichen Partner. Das ist kontraproduktiv.

    Ergänzen möchte ich: Erotik kann auch ohne (romantische) Liebe sehr gut funktionieren. Ja, Sympathie, Anziehungskraft usw. müssen schon stimmen. Aber ich bin der Meinung, selbst wenn zwei (oder mehr?) Sexualpartner nicht die große Liebe verbindet, haben sie bei erfüllender Erotik in der Regel doch noch mehr, als ohne einander.

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    1. Liebe Rostkopp

      Als ich mein Post geschreiben habe, ist mir dein IF in den Sinn gekommen! Ich habe mich gefragt, zu welcher Kategorie von Fremdgängern er wohl gehört. Liebt und begehrt er seine Frau noch oder sieht er in ihr vor allem noch die Mutter seiner Kinder und die Frau, die er früher mal geliebt hat?

      Ich denke auch, dass Sex ohne Liebe funktioniert, wenn eine starke erotische Anziehungskraft da ist. Aber es besteht halt auch die Gefahr, dass es bloss "nett" ist und Frau fragt sich dann, ob sich der ganze "Aufwand" gelohnt hat. Singlefrauen mit eigener Wohnung haben es einfacher... ;-)

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  4. In Deinem speziellen Fall denke ich auch - nimm und genieß es.. im Übrigen muss das Jeder für sich selbst entscheiden, das kann man einfach nicht pauschal beantworten. Ich zum Beispiel könnte es nicht, konnte es nie, habe aber Verständnis für alle, die es nicht anders können und wollen.
    Das Wichtigste ist nur, dass man niemandem damit wehtut.. nur Du kennst Deinen Mann so gut um entscheiden zu können, ob Du ihm davon erzählen möchtest (offene Beziehung) oder nicht. Beim Zweitpartner gilt von Vorneherein: mit offenen Karten spielen.
    Wenn Du es Deinem Mann nicht erzählen möchtest, denk daran: große Lügen sind schwer durchzuhalten. Eine einfache Geschichte genügt und ist glaubwürdiger. Wenn Dein Mann auch nichts wissen möchte ist es noch einfacher.
    Nur Du wirst dann irgendwann merken, ob es so funktionieren kann oder nicht.

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    1. Liebe Frau Vau

      Ich habe das Gefühl, mein Mann ahnt etwas, will es aber lieber gar nicht so genau wissen. Er verwirklicht sich in seiner Arbeit und in der übrigen Zeit pflegen wir unsere gemeinsamen Hobbies und den Freundeskreis. Und dann sind da ja noch die Kinder, die auch noch was von Papa wollen und irgendwann will er sich noch ausruhen und am TV Fussball schauen... und so bleibt für die Partnerschaft ohnehin keine Zeit mehr übrig. Ich glaube eigentlich, dass er damit nicht unglücklich ist. Solange ich "funktioniere" und einigermassen zufrieden bin, stimmt es wohl für ihn. Aber natürlich wäre er verletzt, wenn er alles wüsste...

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  5. Der Begriff der "Nebenliebe" sagt eigentlich schon deutlich, warum die Rechnung nicht aufgehen kann. Was passiert nämlich, wenn die Hauptliebe zur Nebenliebe wird. Oder wenn man von der Hautliebe zur Nebenliebe degradiert wird? Oder wenn man eine Nebenliebe ist, aber Hauptliebe wünscht? Oder wenn man die Hauptliebe ist, diese aber gar nicht sein will, sondern nur nur die Nebenliebe, weil man schon eine Hauptliebe hat?

    Ich bin nicht sicher, ob ich alle möglichen Komplikationen aufgezählt habe. Ich glaube aber, auf einem solchen Minenfeld kann noch viel mehr passieren.

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    1. So ist das Leben: grundsätzlich nicht berechenbar und demzufolge etwas schwieriger als das Lösen mathematischer Probleme. Leben heisst nun mal, mit Komplikationen rechnen zu müssen. Wer das lieber nicht möchte, macht am besten dicht und schottet sich ab.

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    2. @Castorp

      Die Liebe ist unberechenbar und nichts im Leben bleibt statisch. Eine Hauptliebe kann erkalten - die absolute Sicherheit gibt es nicht. Und aus einer Nebenliebe kann eine grosse, erfüllende Liebe werden, die ein Leben lang hält.

      Den Vergleich mit dem Minenfeld finde ich krass. Es geht ja nicht um Leben und Tod...

      Letztlich handle ich in meiner aktuellen Situation lieber nach dem Motto "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt" als "Wer nicht wagt, der nichts verliert...".

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  6. Wenn die Hauptliebe wirklich die Hauptliebe ist, hätte ich kein Bedürfnis nach einer Nebenliebe. Vielmehr ist doch zu erwarten, dass die als Nebenliebe gedachte Liebe sich zur Hauptliebe entwickelt.

    Wobei ich für mich persönlich bei solchen Entwicklungen erst gar nicht von Liebe sprechen würde. Wenn ich jemanden wirklich liebe, dann verletze ich ihn nicht. Und Betrügen läuft für mich unter Verletzen. Ich möchte nicht, dass mir das angetan wird also tue ich es auch niemandem an. Und wenn mein Partner nichts davon weiß, ist es nun mal ein Betrug.

    Ich verstehe immer noch nicht, warum man dann nicht einfach einen Cut macht, mit dem Partner offen über seine Gefühle spricht und sich dann eben erst auf die Suche nach etwas Neuem macht. Kinder usw. sind für mich kein Argument, denn wie fühlen sich Kinder wohl, wenn sie entdecken, dass Mutter oder Vater eine "Nebenliebe" haben? Oder wenn eben die "Nebenliebe" ans Tageslicht kommt und die Eltern sich dann deswegen ständig streiten?

    Nein, ich bin da eher für offene Karten und denke, offene Beziehungen gehen nur dann gut, wenn alle Betroffenen damit einverstanden sind und wissen, was Fakt ist. Ob irgendeine dieser Beziehungen dann überhaupt eine echte Liebe ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Für mich wäre es auf jeden Fall nichts und ich wüsste, wenn ich heimlich neben meinem Partner noch jemanden hätte, hätte ich so ein schlechtes Gewissen, dass ich ohnehin nichts genießen könnte.

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    1. Bevor ich Kinder hatte, habe ich auch diese Meinung vertreten. Und ich war überzeugt, dass ich niemals fremdgehen könnte, weil ich a) ein schlechtes Gewissen hätte und b) nicht lügen kann.

      Heute sehe ich das anders. Ich denke die Kinder sind glücklicher, wenn sie in ihrem vertrauten Umfeld bleiben dürfen, in dem sie sich sehr wohl fühlen, und sich nicht ständig zwischen zwei Elternteilen entscheiden müssen, so lange - und jetzt kommt's - die Eltern respektvoll miteinander umgehen und sich nicht ständig streiten. Manchmal ist es besser, eine Situation zu "optimieren", als einen Scherbenhaufen anzurichten... Ich denke nicht, dass ich meinen Kindern ein besseres Vorbild bin, wenn ich mich mit meiner Situation abfinden würde, tugendhaft auf Leidenschaft verzichte und meinen Frust mit Schokolade und Alkohol bekämpfe, die Wohnung mit Bastelarbeiten vollstopfe, und meine Unzufriedenheit an den Kindern und am Ehemann auslasse, als wenn ich ausgeglichen und glücklich bin, weil ich heimlich eine erfüllende Nebenbeziehung lebe.

      Soweit die Theorie. ;-)

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  7. Mir fiel neulich noch ein:

    Auch wenn ich ja immer dafür plädiere, sich selber wichtig zu nehmen und es sich gut gehen zu lassen und auch, wenn es mir vollkommen egal ist, dass der IF verheiratet ist, ICH könnte umgekehrt - also in einer festen Beziehung lebend - vermutlich nicht auch noch eine "Zweitbeziehung" führen.

    Das wäre mir viel zu anstrengend.

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    1. Schmetterlinge im Bauch verleihen Flügel - und setzen ungeahnte Kräfte und Energien frei ;-))

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  8. Liebe Rosalie,
    von was reden wir denn jetzt hier...Liebe oder erotische Liebe? Das sind doch zwei Paar Schuhe.
    Grundsätzlich gehe ich mal davon aus, dass man mehrere Menschen gleichzeitig lieben kann, kann man dann aber auch die erotische Liebe mit allen gleichzeitig leben?....aber darum geht es hier, glaube ich gar nicht....
    Wenn man in einer unglücklichen Ehe ist oder einfach nur in einer leidenschaftslosen...dann wird es langweilig und anstrengend...aus einer alten Liebe was Neues, aufregendes zu machen, ist anstrengend und bedarf viel Energie....ich schließe mich da nicht aus...
    Und ich glaube auch, Anwesende ausgenommen, dass Männer damit besser/einfacher umgehen können. Die nehmen sich, was sie wollen und machen sich da, glaube ich, nicht so viele Gedanken, weil es anders ja anstrengend wäre.
    Da wird sich dann eingeredet, dass es ja um Liebe geht, meistens geht es um aufregenden Sex...halt, nicht dass irgendjemand denkt, ich will verurteilen, aber ich denke wirklich, dass es dann nicht um "die Liebe" geht...

    Meistens ist es dann ja auch so, dass da jemand Neues "vorbeikommt", wenn man innerlich auch dafür bereit ist...
    Offene Ehen halte ich für Krampf...die wenigsten schaffen das, meistens ist doch einer von beiden fürchterlich verletzt...

    Andererseits ist es schrecklich, wenn man merkt, dass man mit seinem Innersten brach liegt....ich kenne das.
    Mach es dir nicht so schwer....Genieße, aber es muss nicht unter dem Deckmäntelchen von "Liebe" sein...

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    1. Liebe Frau Karfunkel

      Die verschiedenen Definitionen der Liebe… Darüber habe ich kürzlich einen interessanten Artikel gelesen, den ich in kürze posten werde. :-)

      Als ich dieses Post hier geschrieben habe, stellte ich mir dir Frage, ob ich eine Nebenbeziehung ohne Liebe führen könnte. Ich habe für mich herausgefunden, dass Sex ohne Liebe oder zumindest "Verliebtheit" mir zu wenig ist. Es ist nett und "nett" genügt mir nicht. Es muss nicht die grosse Liebe sein, aber je intensiver die Gefühle sind, die man für sein Gegenüber empfindet, umso aufregender ist der Sex. Eigentlich möchte ich "Liebe machen" mit Berührung der Seelen und nicht bloss "Sex haben"…

      Und ich nehme das Risiko in Kauf, mir die Finger zu verbrennen, weil ich mich einseitig verlieben könnte... Aber wenn da keine Spur von "Verliebtheit" ist, verliere ich das Interesse.

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  9. Liebe und erotische Liebe... ich würde die erotische Liebe einfach in "Sex" umbenennen. Von mir aus auch "Verlangen", "Begehren", was weiß ich. Und wenn man da wirklich knallhart zwischen beidem unterscheiden kann und nicht zu Grübeleien und Schuldgefühlen neigt, dann mag das funktionieren. Und ja, natürlich kann man das auf verschiedene Menschen aufteilen. Denke ich. ;)

    Erotische "Liebe" ist für mich die körperliche Anziehungskraft, die nunmal gelegentlich zwei Menschen zueinander hinzieht - ungeachtet dessen, ob das nun so sein sollte oder nicht. Und es ist eine Kraft, der man sich nur schwer entziehen kann.Das heißt aber nicht, dass ich mit jemandem, von dem ich mich körperlich angezogen fühle, auch eine Beziehung eingehen möchte oder ihn gar lieben würde. Davon abgesehen ist das, was man sich im Geiste vorstellt, möglicherweise besser als das, was hinterher dabei rauskommt.

    Liebe selbst beinhaltet für mich mehr als nur die körperliche Anziehungskraft. Es geht um Seele, Herz und Körper. Andere können das so viel poetischer formulieren als ich, darum versuch ich's hier gar nicht erst. ;)

    Für mich gilt: Wenn ich wirklich liebe, dann gibt mir das die Kraft, der körperlichen Anziehungskraft zu widerstehen. Weil ich weiß, wie sehr es den Mann am meiner Seite verletzen würde. Weil ich weiß, dass mein schlechtes Gewissen alles überlagern würde und der Preis für die erotische Liebe zu hoch ist, als dass ich ihn zahlen wollte. So sehe ich das derzeit, weil mich mit meinem Mann mehr verbindet als "Freundschaft" und weil die körperliche Anziehungskraft zwischen uns nach wie vor vorhanden ist.

    Ich denke, da gibt es keine pauschale Antwort. Das muss jeder für sich selbst entscheiden und in diesem Fall musst du für dich die Prioritäten setzen.

    P.S: Dem Eingangskommentar von Uli stimme ich voll zu. Liebe muss man sich nicht verdienen. Allerdings denke ich, dass man dieses Geschenk verspielen kann.

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    1. Anna, Du hast das wunderbar ausgedrückt!!

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    2. Da gehe ich mit Frau Vau mit....

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    3. @Anna

      Ich denke, dass die erotische Liebe weit mehr als "nur Sex" ist und dass eine starke erotische Anziehungskraft zwischen zwei Menschen immer auch die Seele und das Herz mit einschliesst. Wie sonst liesse sich erklären, dass man daran leidet, wenn die Sehnsucht nach körperlicher Nähe nicht erfüllt werden kann? Ginge es nur um Sex, könnte man sich doch ohne weiteres dem nächsten Objekt der Begierde zuwenden?

      Aber ich gehe mit Dir einig, dass eine starke erotische Anziehung nicht zwangsläufig bedeutet, dass man mit diesem Menschen eine Beziehung eingehen möchte. Selbst dann nicht, wenn man Liebe empfindet.

      Es ist schwierig, einer starken erotischen Anziehungskraft zu widerstehen - aber es ist definitiv "einfacher" stark zu sein, wenn man glücklich und leidenschaftlich verheiratet ist.

      Und Deinem P.S. stimme ich voll und ganz zu. Das hast Du schön ausgedrückt: man kann das Geschenk der Liebe auch "verspielen"!

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  10. Ui, ich wollte schon am Sonntag (5.2.) etwas schreiben. Inzwischen hat sich hier ja eine spannende Diskussion entwickelt ... Ein paar Gedanken möchte ich zur Diskussion beitragen:
    These zum Thema Haupt- und Nebenbeziehung: Beziehung ist Beziehung. Sie existieren unterschiedlich lang. Jede Beziehung braucht ihre Pflege. Jede Beziehung ist etwas besonderes. Jede Beziehung braucht ihre Zeit. Jede Beziehung hat etwas mit Liebe zu tun. Ich würde Neben- oder Hauptbeziehung lieber nicht verwenden.
    These zum Thema Liebe: Es gibt mehrere Arten von Liebe. Eros, Philia und Agape werden philosophisch unterschieden. Erotische Liebe, die nicht mit Sex gleichzusetzen ist, da Sex auch ohne Liebe möglich ist, freundschaftliche Liebe und bedingungslose Liebe, wie etwa die Vater-/Mutter-Liebe zum Kind.
    These zum Thema Männer machen sich keine Gedanken (außer Anwesende *grins*): Tsts
    These zum Thema "Offene Beziehung": Ist ein ganz schlechter Begriff. Die Beziehungen sind nicht offen. Wir sind offen Liebe zu geben und zu nehmen, offen dafür, dass es mehrere Menschen gibt, die uns berühren, offen dafür zu leben, treu zu uns selbst und verantwortlich im Umgang mit anderen Menschen.
    ... mehr demnächst in meinem Blog (Julian/Nouniouce)

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    1. Danke für Deinen Kommentar, lieber Nouniouce!

      Du hast inzwischen ein sehr interessantes Post zum Thema geschrieben, auf das ich hier gerne verweisen möchte:

      http://nouniouce.wordpress.com/2012/02/14/besitzsanspruch/

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  11. wenn die menschen in ihren beziehungen keine besitzansprüche hätten, wäre es doch sehr gut möglich mehrere menschen zu lieben und zu begehren...

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  12. @Anonym: Ja, die Besitzansprüche. ;) Aber mal generell gefragt und nicht (!) auf Rosalies Situation bezogen: Wie wäre es denn, wenn "Besitzanspruch" gleichbedeutend wäre mit "sich zueinander bekennen". Sich verbindlich auf seine(n) Partner(in) einzulassen, solange die Beziehung eben dauert? Besitzanspruch hat für mich einen negativen Beiklang, ich kann ein Objekt besitzen. Aber keinen Menschen.

    Eine Beziehung, die nicht rein erotisch gelagert ist, lebt für mich auch von der Verbindlichkeit. Wenn ich es lieber unverbindlich mag, gehe ich keine Beziehung ein, sondern spiele mit offenen Karten, habe wechselnde Partner und bin lediglich darauf auf, meine (nicht nur körperlichen) Bedürfnisse zu befriedigen.

    Es mag ja kindisch klingen, aber: Die Vorstellung, dass der Mann an meiner Seite seine wie auch immer geartete Liebe großzügig an weitere Damen aus meinem persönlichen Umfeld verteilt, ist nicht wirklich prickelnd. ;)

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    1. @anna gebe dir recht mit deinen worten. aber wenn ich doch jemanden liebe, dann wünsche ich mir persönlich, dass die person glücklich ist ich kann nicht über das glück des anderen bestimmen... und sich zueinander bekennen sich verbindlich darauf einzulassen ist doch trotzdem möglich auch wenn man mit mehreren menschen intim ist oder findest du etwa nicht?

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    2. @ Anonym: Theoretisch hast du wohl recht. ;) Praktisch verweise ich jedoch auf folgendes Filmzitat:

      „Ich liebe dich. Aber ich liebe mich mehr.“

      Will sagen: Das Glück meines Partners in allen Ehren. Aber wenn mich sein Glück unglücklich macht, dann passen wir einfach nicht zusammen. Diesen Egoismus gönne ich mir. ;)

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    3. @anna muss dir nochmals schreiben:) ja bin einverstanden mit dem zitat aber sein glück muss dich ja nicht unglücklich machen (wenn du eben keine besitzansprüche hast) und du bist für dein glück selber verantwortlich...

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  13. @all

    Ich bin überwältigt vom Echo, das mein Post ausgelöst hat und ich brenne darauf, mich in die Diskussion einzuklinken. Aber ich habe gerade so viel um die Ohren, dass ich noch keine Zeit gefunden habe, auf die einzelnen Kommentare einzugehen. Aber ich freue mich extrem über Euer Engagement und melde mich as soon as possible zu Wort!

    Liebe Grüsse und ein grossen MERCI!

    Rosalie

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  14. Liebe Rosalie,

    Du hast da ein Thema angesprochen, mit dem ich persönlich mich nun schon seit längerer Zeit herumschlage. Ich kann Deine Fragen auch nicht beantworten und stelle sich mir auch immer wieder so oder so ähnlich. Ich finde auch irgendwie, dass alle Kommentatoren auf ihre Art recht haben. Gefühle sind halt menschlich und wie alle Menschen, auch sehr verschieden. Was für den einen undenkbar ist, ist für den anderen durchaus nachvollziehbar.

    Ich kann Dir nur sagen, nach langer auch leidvoller Erfahrung, dass man tatsächlich zwei Menschen leidenschaftlich lieben kann. Auch wenn man eindeutig weiblich ist ;-)

    Ich bin verheiratet und mit meinem Mann sehr glücklich, auch die erotische Seite stimmt. Aber ich bin trotzdem (mittlerweile schon seit ein paar Jahren), in jemand anderen verliebt. Dieser andere Mann ist auch verheiratet. Es ist überaus kompliziert. Wir haben (noch) keine "richtige" Affäre, aber die Anziehungskraft ist definitiv da und wird auch nicht weniger.

    Es ist zwar eine Qual, aber andererseits auch ein großes Geschenk.

    "Wenn die Hauptliebe wirklich die Hauptliebe ist, hätte ich kein Bedürfnis nach einer Nebenliebe. Vielmehr ist doch zu erwarten, dass die als Nebenliebe gedachte Liebe sich zur Hauptliebe entwickelt"
    Das habe ich zum Beispiel einfach anders erlebt...Ich hab oft nachgedacht, ob ich mir vielleicht nur einrede, meinen Mann zu lieben. Aber das ist nicht so. Ich hatte überhaupt kein „Bedürfnis“ nach einer Nebenliebe. Es ist einfach so passiert bzw. hat sich so entwickelt.

    Ich wünsche mir auch gar nicht, dass sich meine Nebenliebe zur Hauptliebe entwickelt. Deshalb ist es aber trotzdem eine Art "Liebe". Verrückt, das alles, ich weiß...

    Ich denke da jetzt schon so lange drüber nach und habe einfach keine Lösung. Manchmal denke ich auch, dass ich aufgeben muss, eine Lösung zu suchen und einfach mein Leben leben sollte.

    In Deinem speziellen Fall (ich lese ja schon länger mehr oder weniger still mit) denke ich aber eher, dass Deine Ehe doch mit der Zeit leidenschaftslos geworden ist und Du eher noch nach einem Ausweg suchst, der Dich zu einem neuen, freieren Leben führt, der aber nicht mit allzu vielen Schmerzen für alle Beteiligten verbunden ist (vor allem für Eure Kinder). Ich hoffe für Dich, dass Du diesen Weg findest (der ja vielleicht auch gar kein AUSweg sein muss)!

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    1. Liebe Anni

      Ich freue mich sehr über Deinen Kommentar und dass Du Deine Geschichte mit uns teilst. Das ist ein wertvoller Diskussionsbeitrag und zeigt, dass es möglich ist, dass man sich verlieben kann, obwohl man glücklich verheiratet ist und den Ehepartner noch begehrt.

      Interessant wäre es zu wissen, was mit der Nebenliebe passiert, wenn man dem Begehren nachgibt und die Zuneigung auslebt. Wird die Liebe dann weniger, wenn das erste Prickeln vorüber ist und einer gewissen Vertrautheit Platz macht, oder wird die Liebe tiefer? Und wenn Letzteres der Fall ist - wie wirkt sich das auf die Hauptliebe aus? Es ist eine Herausforderung, wie man es auch dreht und wendet.

      Manchmal frage ich mich, ob der Umstand, dass die Nebenliebe "verboten" ist bzw. nicht ohne weiteres ausgelebt werden kann, das Begehren intensiviert. Diese unerfüllte Sehnsucht nach körperlicher Nähe lässt sich nur schlecht verdrängen und manchmal empfindet man eine solche Nebenliebe als Bereicherung und manchmal verzweifelt man fast daran und hadert mit dem Schicksal.

      Lass es uns wissen, wenn Du eine "Lösung" gefunden bzw. neue Erkenntnisse gewonnen hast!

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

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  15. Liebe Rosalie,

    das werde ich auf jeden Fall tun. Es bleibt spannend, das steht fest. Hab meine "Nebenliebe" (doofes Wort) am Wochenende gesehen (nur gesehen, nicht berührt ;-) und mal wieder festgestellt, dass ich ihn wirklich sehr gern habe.

    Wir haben uns auch über genau das hier besprochene Problem unterhalten, natürlich bezogen auf uns persönlich. Er meinte, dass wir ganz schön viel riskieren für etwas, das wir noch nicht einmal benennen können. Ist es Liebe? Ist es eine Affäre? Eine Dummheit?

    Natürlich ist das "Verbotene" auch ein Teil des Reizes. Auch wenn es vielleicht nur unbewusst ist. Bei mir persönlich kommt noch hinzu, dass ich vor meinem Ehemann keinen anderen Partner hatte (ich war noch sehr jung, als ich ihn kennengelernt habe). Das ist vielleicht auch ein Teil des Problems, ich bin mir nicht sicher...

    Vielleicht schreibe ich Dir auch einmal eine E-Mail.

    Liebe Grüße zurück in die ferne Schweiz,
    Anni

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    1. Ich würde mich über eine E-Mail von Dir freuen und natürlich auch über weitere Kommentare von Dir!

      Liebe Grüsse, Rosalie

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