Donnerstag, 23. Februar 2012

Liebesbilanz (1)

Wenn ich gewisse Blogs lese und erfahre, wie gewisse Männer von ihren Ehefrauen schreiben und von der grossen Liebe, die sie für ihre Partnerinnen empfinden, wird mir eines schmerzlich bewusst: Ich kenne das nicht. Ich habe das nie erlebt oder ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Ich habe nie länger als ein paar wenige Wochen das Gefühl gehabt, richtig geliebt zu werden.


Früher oder später kam immer der Moment, als die rosaroten Wolken sich verzogen hatten und ein grauweisser Himmel zum Vorschein kam.  Ich kann mich noch ganz genau an die Situation erinnern, als dieses Gefühl in mir letztmals mit einem leisen Plopp zerplatzt ist. Es war im März 1994. Wir waren gerade mal zwei, drei Wochen zusammen. Ich hatte bei ihm übernachtet und er schrieb an seiner Diplomarbeit. Ich ging derweil in die Stadt und besuchte die Brocante, die an diesem Wochenende stattfand. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Trödel-, Floh- und  Antiquitätenmärkte gehabt. Als ich zurückkam, zeigte ich ihm freudig erregt meine Trouvaillen. Zwei winzig kleine kolorierte Bleistiftradierungen vom Berner Zytglogge, vermutlich aus den Vierzigerjahren. Originalradierungen eines unbekannten Künstlers mit vergoldeten Rahmen, kaum grösser als ein iPhone. Und ein antikes Stoffreh von Steiff, das nicht mehr so ganz taufrisch aussah... Er schaute mich entgeistert an und sagte: "Für diesen Junk hast Du Geld ausgegeben??!"...


Antike Stofftiere von Steiff
Dieser Moment und seine Aussage haben sich irgendwo in meine Seele eingebrannt. Ich hab dann seine Diplomarbeit lektoriert, redaktionell überarbeitet und mir eingeredet, dass es halt die "perfekte" Beziehung nicht gibt. Und alle haben gesagt, er sei ein toller Mann... Und so bin ich geblieben. Bis heute. Die Freude an  Brocantes ist mir dann irgendwann ein paar Jahre später definitiv abhanden gekommen.



Heute weiss ich, dass ich hätte gehen müssen. Es war nicht der Umstand, dass er mit Brocantes nichts anfangen konnte. Es war die Art und Weise wie er es gesagt hatte. Irgendwie respektlos. Irgendwie lieblos. Es hat ihn nicht interessiert, was ich fühle und er hat nicht verstanden, was mich an diesen Gegenständen fasziniert hat. Er hat sich auch nicht die Mühe gemacht, mich danach zu fragen oder es herauszufinden.

Eigentlich kennt er mich bis heute nicht. Und mir wird wieder einmal schmerzlich bewusst: Ich bin allein. Eigentlich schon fast mein ganzes Leben lang.








25 Kommentare:

  1. Oh Rosalie, das erklärt vieles....Ich wünsche dir alles Liebe und drück dich....

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    1. Danke, liebe Karfunkel! Ich drück Dich auch! Du kannst es auch gebrauchen! Alles Liebe!

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  2. Erst einmmal "Danke" für dein herzliches Willkommen!
    Ich lese gerne bei Dir und fühle, so gut ich kann, mit.

    Und als ich gerade dein Post gelesen habe, da ist mir etwas eingefallen...Vor Jahrzehnten, in einem anderen Leben ;-)...Mein Liebster brachte mir ein Eis mit. Ich guckte die zwei Kugeln an und brach in Tränen aus: Schokolade! Ich liebe Eis, aber ich mag kein Schokoladeneis. Und ich wusste, dass er es eigentlich wissen musste. Das meine Tränen auf wenig Verständnis stießen ist ja bestimmt klar ;-).
    Diese Kleinigkeiten, diese "Lieblosigkeiten", die ja keine sein sollen, die nur aus einer unüberlegten Äußerung oder Handlung bestehen, die können manchmal sehr weh tun.
    Aber mir sind damals die Tränen gekommen, weil ich sowieso unsicher war, mich ungeliebt gefühlt habe, in allem nur etwas Falsches gesucht habe.
    Wenn ich damals an mich geglaubt hätte und daran, dass ich auch liebenswert bin, dann hätte ich über das Schokoladeneis gelacht und ihn von oben bis unten damit eingeschmiert.

    Wenn dein Mann dich nicht kennt, dann sollte er dich endlich kennenlernen. Nur dann weißt auch du, wie es weitergeht
    Ups, mein erster Kommentar und dann so lang.

    Ganz liebe Grüße

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    1. Danke für Deinen ersten Kommentar! :-)

      Ich hab damals nichts gesagt und meine Enttäuschung bzw. Ernüchterung runtergeschluckt. Aber jetzt wo Du die Geschichte mit dem Eis erzählst, kommt mir auch so eine Geschichte in den Sinn! Er hat mir vor ca. 7 Jahren Blumen nach Hause gebracht. Etwas, das relativ selten geschieht... Vermutlich am Jahrestag. Ich habe das Papier von der Geschenkpackung entfernt und meinen Augen nicht getraut... Dunkelrot-gelb gesprenkelte Spinnenorchideen! So ziemlich die scheusslichste Pflanze, die ich jemals gesehen habe. Er hat sie gekauft, weil sie IHM gefallen hat und weil er sich keine Gedanken darüber gemacht hat, was denn mir gefallen könnte. Ich hab zuerst versucht, an meinem Pokerface zu arbeiten... mit zweifelhaftem Erfolg. Ich hab ihm dann ehrlich gesagt, was ich von grausligen Spinnenorchideen halte, und dass es mir schon zu denken gäbe, dass er nach zehn Jahren noch immer keine Ahnung hätte, welche Blumen mir gefallen würden! Er hat dann mal nachgefragt... Wenn ich heute so einmal pro Jahr Blumen bekomme, kriegt er es besser hin. Dabei bin ich nicht einmal besonders anspruchsvoll. Ich mag einfach keine knalligen Farben ausser farbige Tulpen im Winter. Die können auch durchaus vom Grossverteiler sein.

      Ich befürchte, fürs besser Kennenlernen ist es zu spät...

      Herzliche Grüsse!

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    2. "Ich möchte nicht mehr, dass er mich besser kennenlernt."
      Deine Aussage haut mich gerade um.
      Du lebst mit einem Mann zusammen und willst dich ihm nicht zu erkennen geben?
      Du willst Dich trennen (so habe ich das verstanden) und das, ohne das er Dich wirklich kennt und versteht?
      Du öffnest Dich hier beim bloggen doch sehr.
      Zeigst viel von Dir und bist wahrscheinlich sehr froh, dass du Menschen "kennenlernst", wenn auch nur virtuell. Und der, der Dir am nächsten ist, dem verschließt du dich? Was hast du denn zu verlieren, wenn du dich doch sowieso trennen willst. Zeig ihm wer du bist! Sag ihm endlich was Dir fehlt und was Du willst!
      Das schaffst Du hier im Blog doch auch!
      Sei mutig und wenn er dich endlich erkennt und es doch nicht reicht, dann wisst ihr wenigstens beide, warum ihr nicht mehr zusammenleben wollt.
      Alle, wirklich ALLES Liebe!!!

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    3. Ich glaube einfach, er hat sein Potential ausgeschöpft. Wenn er sich all die Jahre nicht mehr bemüht hat, mich besser kennenzulernen - wieso sollte er es heute tun? Ich hab mich nicht verschlossen. Ich habe mich nach und nach zurückgezogen. Ich glaube einfach, er kann es nicht besser und er hat mir das gegeben, was in seinem Bereich des Möglichen war. Ich sehne mich nach einer Nähe, die er mir nicht geben kann. Wir sind wohl einfach nicht aus dem selben Holz geschnitzt... und ich bin nicht mehr das Mädchen, das ich so lange war.

      Paradoxerweise fällt es mir leichter, mich einem Mann zu öffnen, den ich kaum kenne, als meinem eigenen. Ich habe so viel Leidenschaft in mir. Aber ich kann sie nicht mit meinem Mann ausleben. Ich kann es einfach nicht...

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    4. Ich finde das gar nicht paradox, dass Du Dich in neuen Begegnungen mehr öffnen kannst. Das ist auch viel leichter. Man hat keine Altlasten, ist ohne Vorurteile sich selbst und dem anderen gegenüber. Dich deinem Mann zu öffnen, gerade mit den negativen Erfahrungen und der Angst, wieder auf Kälte oder sogar Ablehnung zu stoßen, das ist eine harte Nummer.
      Du schreibst, du hast so viel Leidenschaft in Dir...(dieses Wort hat alleine durch seinen Wortstamm eine sehr tiefe Bedeutung)...
      dann lebe sie! IN Dir, wird sie verkümmern.
      Und du fragts, warum er sich heute bemühen sollte Dich besser kennenzulernen...
      Weil er sonst nicht weiß, warum Du ihn verlässt. Weil ihr beiden sonst mit vielen Fragezeichen einer langjährige Beziehung beendet. Weil wir alle aus Erfahrungen lernen. Weil zu einem Kennenlernen immer zwei gehören: Einer der sich zeigt und einer der entdeckt.
      Leider hatte ich noch keine Zeit dein Blog komplett zu lesen, also entschuldige, wenn ich manches nur "zwischen den Zeilen" verstehe.
      Aber ich hatte eine ähnliche Situation vor Jahren mit meinem Mann und wenn wir damals beide nicht ALLES! zur Sprache gebracht hätten, dann wären wir uns weiter in vielen Dingen fremd geblieben und auch bestimmt nicht mehr zusammen.
      Liebe Grüße von Herzen!

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  3. Ach Süße, das ist ja erschreckend. Schon nach drei Wochen wusstest Du, dass es DAS bzw. ER eigentlich nicht ist? Und Du hast ihn geheiratet und ein gemeinsames Leen gestrickt. Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Was für eine Not.

    Es muss schrecklich sein, so lange auszuharren. Seit 20 Jahren fast. Gute Zeiten hin oder her. Ich habe mich in diesen 20 Jahren auch oft allein gefühlt, weil es niemanden "Richtigen" in meinem Leben gab. Aber zum Glück habe ich das meistens erkannt und mich allein wohler gefühlt, als mit jemandem "Falschen". Wenn schon sonst niemand zu mir gehörte, gehörte ich mir wenigstens irgendwie selbst.

    Ach Mensch, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Du scheinst so eine kluge, gebildete, vielseitig interessierte, eloquente, herzenswarme Frau zu sein. So musst Du nicht leben.

    Ich finde den Satz "Dein Mann sollte Dich kennenlernen" aus dem vorherigen Kommentar genau richtig. Entweder er kann mithalten oder eben nicht. Das wird dann die Zeit zeigen. Aber lass diese kleinen und doch so zermürbenden Verletzungen nicht mehr zu!

    Ich drücke Dich!

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    1. Weisst Du, meine liebe Rostkopp... ich hab das damals nicht so klar erkannt! Dieses Erlebnis hat sich eingebrannt, weil es die erste grosse Ernüchterung war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich an den Lottosechser geglaubt und dann musste ich feststellen, dass es halt doch wieder nur ein Fünfer war. Aber wenn man nicht an den Sechser glaubt, begnügt man sich gerne mit dem Fünfer... So habe ich das damals gesehen. Und ich habe mich halt angepasst, meine Interessen etwas zurückgenommen oder für mich alleine weiterverfolgt.

      Im Verlauf der Jahre gab es immer wieder solche "Dämpfer" und ich war ein paar mal kurz davor, alles hinzuschmeissen. Aber ich hatte wohl auch "Torschlusspanik". Mit 25 habe ich ihn kennengelernt und mit 30 geheiratet...

      Nun bin ich an einem Punkt angekommen, wo all diese kleinen Unachtsamkeiten und Verletzungen hochkommen und meine Gefühle haben sich total verändert. Ich möchte nicht mehr, dass er mich besser kennenlernt. Ich getraue mich nur noch nicht, die Konsequenzen zu ziehen. Und ich lasse diese Verletzungen nicht mehr zu. Und ich nehme mir hin und wieder einen freien Tag für mich. So wie heute!

      Ich schicke Dir auch eine Umarmung und drücke die Daumen für den Wiedereinstieg!

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  4. Ach Du Liebe, lass Dich einfach mal aus der Entfernung umarmen
    Nouniouce

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  5. Irgendwie ist alles Kluge schon gesagt..
    Wahrscheinlich bleibt Dir wirklich nichts anderes übrig als zu gehen.... irgendwann, wenn Du soweit bist.
    Schade, dass es keine andere Lösung mehr zu geben scheint. Denn wenn Du nicht möchtest, dass er Dich besser kennen lernt, ist es zu spät.
    Sei nur bereit dafür, dass der Sechser vielleicht nicht gleich vor der Tür steht.. Aus der Angst heraus, lang allein zu bleiben, bin ich noch so lange geblieben. Aber ich hatte dann Glück. Auch wenn unsere Situation noch nicht mal ein guter Vierer ist, ER ist ein Sechser.. Aber wenn Du gehst, heißt das noch lange nicht, dass wirklich alles gut oder auch nur besser werden muss.
    Vertrackte Situation. Ich wünsch Dir Glück!

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    1. Danke, liebe Frau Vau. Ja, ich habe grossen Respekt davor, zu gehen. Weil da niemand ist, der ganz für mich da sein wird. Aber ich weiss auch nicht, wie lange ich noch in dieser Situation weiterleben kann. Ich warte wohl auf eine Fügung des Schicksals, die mir den Weg weisen wird. In welche Richtung auch immer...

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  6. Rosalie. Vielleicht hörst du die Frage nicht zum ersten Mal: Aber welcher Teufel hat dich geritten, einen Mann zu heiraten, den du nicht liebst????

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    1. Vielleicht wird mein nächstes Post die Antwort auf diese Frage liefern. Und "Torschlusspanik" war sicher auch ein Aspekt...

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    2. Nachtrag: Weil ich nicht gewusst habe, wie sich echte Liebe anfühlt, wenn sie erwidert wird und weil ich nicht mehr daran geglaubt habe, dass ich sie noch treffen könnte. Also habe ich mich mit Zuneigung ohne grosse Leidenschaft zufriedengegeben. Heute bereue ich es.

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    3. Rosalie, ich verstehe, dass du "ja" zu diesem Mann gesagt hast (ich vermute, er hat um deine Hand angehalten). Meine beste Freundin hätte zu einem Mann "ja" gesagt, den sie nicht liebte. Zu ihrem Glück kam es anders (sie besuchten eingie Hochzeiten im Freundeskreis und sie erkannte, dass sie mit ihm keine Familie gründen möchte und machte Schluss). Aber hätte er sie gefragt, sie hätte mitgespielt, bei dem Spiel, das alle ihre Freundinnen brav spielten. Nur sie, das schwarze Schaf, nicht.

      liebe Grüße, Daniela

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  7. Mal OT: Mir fällt gerade auf, dass ich bei meinem Zweitblog ähnliche Farben gewählt habe. Sollte keine Absicht sein! Sorry!

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    1. Kein Problem, meine Liebe. Ich habe das Gefühl, wir beide ticken ähnlich... Kein Wunder, dass Du in die selbe Farbpalette gegriffen hast! ;-)

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  8. In SWR1-Leute wurde letzten Sonntag ein Talk zu diesem Thema gesendet. 99% des Ehelebens ist Alltag - das ist das Problem. Von seinem Partner kennt man gerade vielleicht 10%. Ein Ausweg könnte sein, einen Teil der übrigen 90% gemeinsam zu entdecken. Ich habe allerdings nur oberflächlich deinen Blog überflogen. Vielleicht liege ich auch total daneben ....

    Gruß Dieter

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    1. Lieber Dieter

      Das ist sicher so und ich war lange bereit, an meiner Ehe zu arbeiten und habe vor sechs Jahren schon einmal einen Vorstoss für eine Paartherapie gemacht. Er wollte nicht. Er fand, dass wir uns nur mehr Mühe geben müssten und "es" alleine hinkriegen würden. Damals hätten wir das Schiff mit professioneller Hilfe wohl noch auf Kurs bringen können. Heute ist es gestrandet und ist wohl nicht mehr zu retten...

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  9. Liebe Rosalie,
    Ich bin seinerzeit auch so in die Beziehung gestartet - habe meine Bedürfnisse micht artikuliert und erwartet, dass sie hellseherisch erkannt werden. Wenn es dann nicht so war, war ich beleidigt.

    Passiv-aggressiv nannte mein Freund das Verhalten und er hat es mir ausgetrieben.

    Ja, ich musste lernen, Dinge auszusprechen, anzusprechen. Und ihm die Chance zu geben, es für mich richtig zu machen.

    Heute erkenne ich passiv-aggressive Menschen um mich herum. Sie stehen sich selbst im Weg, mit ihrem Stolz, den Mund aufzumachen. Nach dem Motto: "der andere muss das doch erkennen/wissen".

    Wenn mein Freund etwas sagt, was mich kränkt - klar sage ich es ihm. Ihm fehlt vielleicht in der Situation die Sensibilität, aber nur indem ich ihn darauf aufmerksam mache, kann er die Sensibilität entwickeln. Und ich bin ihm unendlich dankbar dafür, dass er bis heute nicht aufgehört hat, mich auf meine Grobheiten und Respektlosigkeiten, die ich ihm gegenüber an den Tag lege, hinzuweisen.

    Wir haben voneinander viel gelernt. Dafür musste ich meinen Stolz verabschieden.

    Es ist zu einfach zu sagen, Schuld ist der andere. Und genau das lese ich hier heraus.
    Du bist auch nicht schuld - daran, dass du ihn nicht verlassen hast oder die falsche Entscheidung getroffen hast indem du bei ihm geblieben bist.

    Tatsächlich ist die Hochmut und er Stolz die Wurzel vieler Übel.
    Nach dem Motto "es kann doch nicht sein, dass er nicht erkennt, was für Blumen mir gefallen" oder "es kann doch nicht sein, dass er so ein Prolet ist, dass er nicht erkennt, wie wertvoll das Stück Stoff vom Flohmarkt ist".

    Es gibt viele Menschen um mich herum, deren Verhalten ich ablehne. Die Kollegin z.B., die im Februar spanische Erdberen kauft. Sie ist mir egal, ich halte den Mund und denke mir meinen Teil, ich muss ja nicht alle zu besseren Menschen machen.
    Wenn mein Partner aber mit solchen Erdbeeren nach Hause kommen würde, dann würde ich ihm den Film "We feed the world" zeigen und mit ihm darüber reden, warum ich ein Problem damit habe. Und dann schauen wir weiter ...

    liebe Grüße,
    Daniela

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  10. Liebe Rosalie,
    was für eine schmerzliche Erkenntnis. Sie dann auch noch aufzuschreiben, ganz schön mutig. Für dich. Schockierend empfinde ich das nicht. Es stellt sich mir die Frage, wie du damit umgehst. Meine Frau und ich kennen uns sehr lang. Viel innig und tief haben wir nie geredet. Wir liebten uns einfach "so", ohne viel Worte. Irgendwann begann ich, mehr wissen zu wollen, über sie, über uns. Sie blockierte, will das nicht, kann das wohl auch nicht. Ich zerre nicht mehr, aber es bleibt so viel offen, für mich, für unsere Beziehung. Sie liebt mich, kann es mir aber nicht so zeigen, wie ich es mir wünsche. Eine bittere Erkenntnis. Wohl auch deshalb die Geliebte, die es mir zeigen kann/konnte. Eine wirklich Lösung ist das aber auch nicht, wie du weisst. Von daher frage ich mich, was denkst du, was willst du tun? Weiterkämpfen, resignieren, gehen?
    Liebe Grüße
    Notos

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  11. Lieber Notos

    Vieles hat Teil 2 meiner "Liebesbilanz" wohl schon beantwortet. Das, was ich suche, habe ich ansatzweise in den Armen eines Geliebten gefunden. Aber es ist ein geliehenes Gück, denn er ist nicht verfügbar. Es ist keine Lösung, wie Du richtig schreibst. Aber ich sehe auch keine Zukunft mehr in der Ehe. Mein Mann hat mir gestern nach einem Krisengespräch gesagt, dass er mich sehr, sehr gerne hat. Aber es prallt an mir ab. Mein Herz ist verschlossen. Ich glaube nicht mehr daran, dass ich mit ihm mein inneres Glück finden werde.

    Aber da ist auch kein anderer Mann, der auf mich wartet, der mir den Neuanfang erleichtern würde. Jedenfalls kein Mann, der den Alltag mit mir teilen könnte. Aber will ich das überhaupt? Einen Mann, der meinen Alltag teilt? Wäre es nicht viel einfacher, alleine zu leben und sich nicht mehr "verbiegen" zu müssen? Hin und wieder ein paar schöne Stunden oder Nächte mit dem Geliebten geniessen, ohne dass der Alltag diese kostbaren Momente "ruiniert"? Oder lässt sich wirklich beides zusammen leben? Eine alltagstaugliche Liebe mit emotionaler Nähe? Ach, ich weiss es doch auch nicht...

    Ich mag nicht mehr weiterkämpfen. Resignieren will ich auch nicht und gehen... Ja, ich sollte gehen. Aber es ist ein so verdammt steiniger Weg, der da vor mir liegt.

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  12. Liebe Rosalie,

    in ganz vielen Punkten erkenne ich mich in dem, was Du geschrieben hast, wieder. Ich wurde z. B. nach über zehn Jahren noch gefragt, ob ich auch einen Kaffee will - obwohl ich noch nie welchen getrunken habe.

    Ich hatte in meinen Beziehungen nach einige Zeit immer das Gefühl, dass ich diejenige bin, die mehr liebt. Es waren immer die Männer, die begonnen haben, sich gehen zu lassen. Nachlässig zu werden. Nach dem Motto, man hat die Frau ja jetzt sicher, was soll man sich noch groß anstrengen. Keine zehn Minuten mehr Redezeit am Tag und das auch nur um die nötigsten Dinge. Kein Zuhören. Kein Hinhören. Und auch immer weniger Sex und Leidenschaft.

    Manchmal denke ich, man sollte gar nicht zusammenziehen. Getrennte Wohnungen behalten und damit gleichzeitig die Freude aufeinander. Die Spannung. Manchmal denke ich, der Alltag macht alles kaputt.

    Andererseits gibt es zum Glück ja auch immer noch Gegenbeispiele dafür. Vielleicht treffen sich aber auch nur viel zu selten die wirklich richtigen Menschen. Vielleicht muss man wirklich auf einen Magic Moment warten, damit man erkennt, dass es da mehr geben muss?

    Ich weiss es auch alles nicht. Aber ich kann Dich so gut verstehen und Dir nachfühlen.

    Liebe Grüße,

    Träumerin

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