Mittwoch, 22. August 2012

13 years ago

Das heutige Datum sagt mir irgendwas... 21. August. Hmm... Was war da nochmal? Am 23.8. ist unser Sohn auf die Welt gekommen. Es war extrem heiss vor 11 Jahren. Genau wie in diesem Jahr.  Aber was war am 21.8.?

Ach ja! Jetzt ist es mir wieder in den Sinn gekommen! Es war ein Samstag, damals vor 13 Jahren! Ich war ziemlich nervös, trug in Weissgold gefasste Perlen im Ohr (selbst gekauft), ein Collier aus falschen Perlen um den Hals (Budget war ausgeschöpft) und ein langes Kleid aus elfenbeinfarbiger Rohseide mit Guipurestickerei... (Budget massiv überzogen...).  

Wir fuhren in einem geliehenen Jaguar zur Kirche und meine Schwester hätte um ein Haar die Zeremonie ruiniert, weil die Pasta vom Vorabend ihr das Leben schwer machte (offizielle Erklärung). Sie war die ganze Zeit damit beschäftigt, sich zusammenzunehmen, um ihren Mageninhalt nicht in der Kirche ans Tageslicht zu befördern und sie hielt permanent nach dem kürzesten Fluchtweg Ausschau...  

Wir hatten davon nichts mitgekriegt, weil unsere volle Aufmerksamkeit dem Pfarrer galt und wir uns darauf konzentrieren mussten, den Ja-Moment möglichst nicht zu verpassen. Der Platinring liess sich selbstverständlich nicht auf Anhieb über den Finger des Gatten stülpen und ich weiss nicht mehr so genau, was sonst noch alles nicht ganz perfekt gelaufen ist...





Ein weiterer Höhepunkt war das "Kuhfladenlotto" beim Nachmittagsapéro. Es geht doch nichts über kreative Brautführer mit "originellen" Ideen. Die Brautführerin lag zu der Zeit flach im B&B-Zimmer, während sich eine gute Seele um ihr Kleid kümmerte, derweil der Brautführer und seine Freundin sich alle Mühe gaben, das Rahmenprogramm doch noch einigermassen erfolgreich über die Bühne zu bringen. Es ist ihnen gelungen, wobei etwas weniger mehr gewesen wäre. Ich erinnere mich dunkel daran, dass wir im vollbesetzten Gartenrestaurant Kondome an die Gäste verteilen mussten, den Rest habe ich verdrängt...   

Irgendwann spät nach Mitternacht sind wir nach Hause gekommen und todmüde ins Bett gefallen. Die teuren Dessous hat ausser mir niemand gesehen und ich habe sie auch nie wieder angezogen... 

Der Fotograf war eine Enttäuschung und  Schwiegermama wartet leider bis heute vergeblich auf ein Album von diesem denkwürdigen Tag... (Pendenzenliste). Aber wenigstens durfte sie einmal an einem Familienfest einen Hut tragen.

Es kommt mir vor, als hätte das alles in einem früheren  Leben stattgefunden.


11 Kommentare:

  1. So so, die 16 Jahre alten Hochzeitsbilder wurden auch in meiner Ehe nie zu einem Album und sind in irgendwelchen Schubladen oder Kartons eingestaubt. So wichtig war uns dieser Tag...

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  2. Deshalb: OBACHT und Augen auf bei der Partnerwahl.

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  3. Wir waren zu diesem Zeitpunkt seit fünfeinhalb Jahren ein Paar und hatten zusammen ein Haus gebaut. Es gab eigentlich nur zwei Optionen. Trennung/Neubeginn oder Heirat/Kinder/Familie. Ich habe beide Optionen in Betracht gezogen. Es war nicht der schönste Tag in meinem Leben. Es hat sich eher angefühlt wie eine Prüfung, die bestanden werden muss.

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  4. "Es gab eigentlich nur zwei Optionen. Trennung/Neubeginn oder Heirat/Kinder/Familie. Ich habe beide Optionen in Betracht gezogen. "

    Warum denkt man ernsthaft ans Heiraten, wenn schon jetzt "Trennung" eine bedenkenswerte Option ist ???????

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    1. @ClaudiaBerlin

      Torschlusspanik?! Ich war 30. Und es ging um die entscheidende Frage: Will ich in meinem Leben Kinder haben oder spekuliere ich darauf, dass ich im Lotto gewinne und/oder irgendwann noch die grosse Liebe finde? Eine berufliche Karriere habe ich mir damals nicht zugetraut.

      Den Glauben an die grosse Liebe hatte ich längst verloren und ich habe mich nicht getraut, den unkonventionellen, kinderlosen Weg zu gehen.

      Mein Mann wollte unbedingt Kinder haben und die Schwiegereltern boten ihre Unterstützung an und so habe ich diesen Weg gewählt. Er war nicht falsch. Schliesslich haben wir heute zwei wunderbare Kinder. Aber die Ehe war ein Kompromiss. Aber ist nicht das ganze Leben doch eigentlich ein ständiger Kompromiss?

      Wer kann schon von sich behaupten, den Fünfer und das Brötchen zu haben? Und ich konnte ja nicht wissen, dass mein Mann zum Workaholic werden würde und mit Kleinkindern nichts anfangen kann, dass die Kleinen vom Grossvater herumgetragen werden würden, wenn ich eine Verschnaufpause brauchte, und dass für die Partnerschaft keine Zeit mehr übrig bleiben würde. Das war so wirklich nicht vorhersehbar.

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  5. ...ach liebe rosalie....:-(

    wieder so viele paralellen....
    pass auf dich auf...bitte
    verlier dich nicht in gedankenstricksocken
    was..wäre...wenn...aber...

    es ist verblüffend...in wie vielen deiner worte ich mich wiederfinde (um 8 jahre zurückversetzt und nun mit neuauflage mit welchsender sichtweise und standpunkten)

    ((umarm))

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    1. Ach Gitti...

      Ich denke viel an Dich und ich schicke Dir eine Umarmung und eine grosse Portion Zuversicht!

      Alles kann sich ändern! Gestern noch Tränen und Gedanken an den "easy way out" und heute schon ist das Leben plötzlich voller Optionen.

      Verliere nicht die Hoffung. Irgendwann geht es wieder aufwärts! Und glaub daran:

      The best is yet to come! Das Universum wird's schon richten...

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  6. @Rosalie, es gibt zwei Arten von Freunden. Die einen nehmen einen in den Arm, wenn man Trost braucht. Die anderen versuchen, auch manchmal durch unbequeme Diskussionen, an den Grund der Dinge zu gelangen. BEIDE brauchen wir. Zähle mich bitte zu den zweiten.

    "Und ich konnte ja nicht wissen, dass mein Mann zum Workaholic werden würde und mit Kleinkindern nichts anfangen kann, dass die Kleinen vom Grossvater herumgetragen werden würden,.."

    Mit dem Satz könntest du auch mich beschrieben habe. Doch ist es glaube ich nicht so, dass das nicht bereits ganz zu Anfang einer Beziehung erkannt ist.
    Ein workaholicer ist kein Hedonist. Bestätigung, berufliche Anerkennung, Streben nach sozialen Status, Macht, .... als dies wird wie ein gutes oder schlechtes Parfüm vom Partner wahrgenommen. Und dafür wird kein einziges Wort benötigt.

    Doch, und das sage ich heute zu mir, bin ich ein workaholicer. Das bin ICH, und ggf., mein Problem.

    Die Frage allerdings zu beantworten, warum meine geschiedene Frau sich ausgerechnet diesen Typ Mann als Lebensbegleiter und Vater ihrer Kinder ausgewählt hat, die könnte ich ggf. nur erahnen, aber beantworten, kann sie nur diese selber. Falls sie das möchte.

    Aber umgekehrt ist es nicht anders. Obwohl meine midlife crisis schon 15 Jahre zurück liegt, habe ich für mich nur einen kleinen Teil an Antworten gefunden, warum ich SIE für den fast 30-jährigen gemeinsamen Lebensweg erwählt habe. Auch unsere Ehe war keine tiefe Liebesbeziehung. Aber alles war gut und richtig, wie es war.

    Und vielleicht genau aus diesem Grund, habe ich nie den Glauben daran verloren, dass es unter den fast 6 Milliarden Menschen auf dieser Welt doch mindestens einen Menschen geben muss, den ich so lieben kann, wie es mich erfüllt.

    Allerdings, auch wo Liebe ist, hat man nicht den Fünfer mit Brötchen gewonnen. Aber es macht die Sache doch deutlich leichter :)








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    1. @Menachem

      Deine Aussagen über Workaholics finde ich hoch spannend, zumal Du ja selbst einer bist, und Du hast das extrem treffend formuliert mit diesem "Parfum", das man instinktiv wahrnimmt...

      Ja, ich habe es "geahnt", dass er es "zu etwas" bringen wird. Alles hat darauf hingedeutet. Er hatte Ziele und er war ehrgeizig. Er ist das, was man einen "Macher" nennt. Und wenn er sich für etwas entscheidet, dann richtig. Ich habe ihn zum Segeln gebracht und zwei Jahre nach unserem Kennenlernen hatte er den Binnensegelschein, das Motorbootbrevet und schliesslich den Hochseeschein in der Tasche, inkl. 1000 Seemeilen! Sicher hat dabei auch eine Rolle gespielt, dass er meinem Vater imponieren wollte. Er hat meinen Vater bewundert, weil er wie er aus bescheidenen Verhältnissen kam und sich in den "Mittelstand" hochgearbeitet hat. Und mein Vater schätzte meinen Mann sehr und gab ihm die gesuchte Anerkennung.

      Er war nie der Mann, der meine Sehnsüchte hätte stillen können und wenn ich mich recht erinnere, hatte ich immer welche... Aber sie hatten mir nichts als Herzschmerz beschert und ich war ernüchtert und hatte genug davon. Dann doch lieber eine Vernunftbeziehung.

      Aber wieso hat er mich ausgewählt? Er sagt zwar, dass er mich liebt, und das tut er wohl auch. Er hat wohl einfach nicht den selben "Anspruch" an die Liebe wie ich. Ihm genügte es, eine Frau zu haben, die ihm intellektuell ebenbürtig ist, nett aussieht, umgänglich und anpassungsfähig ist, ihm den Rücken frei hält und eine gute Mutter ist. Leidenschaft war nicht so wichtig.

      Damals hat es wohl für uns beide gestimmt und die Rechnung ist ja auch aufgegangen. Und heute, wo wir zwei wunderbare Kinder haben und im materiellen Sinne weit mehr erreicht haben, als wir uns je zu träumen gewagt hätten, stelle ich fest, dass ich nicht glücklich bin.

      Und nun sitze ich mit meinen unerfüllten Sehnsüchten in meinem goldenen Käfig und erlaube mir wieder den Luxus, von einer Liebe zu träumen, die mich erfüllt...

      Hast Du sie gefunden, diese Liebe?

      LG,
      Rosalie

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  7. @Rosalie, ich war so um die vierzig, die Kinder schon recht unabhängig und wir saßen vor dem Fernseher: „Kann ich mit diesem Partner in Würde und Zufriedenheit alt werden?“ ging mir durch den Kopf. Ich brauchte nicht lange für die Antwort.

    Doch, und das war ganz entscheidend für mich, wollte ich das meiner Frau nicht antun, im alter neben einem griesgrämigen alten Sack zu sitzen. Das, worauf sie sich freute, das alter gemeinsam zu genießen – ich hätte es ihr nicht geben können.

    So habe ich kurz vor meinem 45. Geburtstag die Koffer gepackt in der Hoffnung, dass wir beide noch jung genug sind, jeder für sich einen neuen Anfang zu finden.

    Es gab niemals physisch eine andere reale Frau, aber mein Glaube die Liebe zu finden, war riesig. Nach zwei Single-Jahren war ich dann endlich bereit für den Weg, auch alleine durch das Leben gehen zu wollen und darin meine eigene Zufriedenheit zu finden. Viele wertvolle Wegbegleiter hatte ich in dieser Zeit.

    Und dann war sie auf einmal da. Die Liebe. Die Liebe auf den zweiten Blick. Nun sind wir 12 Jahre zusammen und noch immer wenn ich nach Hause bekomme beschenkt sie mich: mit einem Lächeln - das Glanz in den Augen hat.

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    1. @Menachem

      WOW! Das war mutig von Dir, die Koffer zu packen und zu gehen und zum Schluss gab es doch ein Happy End! Wie so oft kommt die grosse Liebe erst dann, wenn man aufhört, nach ihr zu suchen.

      Danke für diese persönliche Antwort! Deine Geschichte stimmt mich zuversichtlich: alles ist möglich, wenn man nur daran glaubt.

      LG, Rosalie

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