Ich bin froh, dass unsere Freunde an Bord sind. Ich bin nicht sehr gesprächig zur Zeit, aber mit meiner Freundin mag ich mich austauschen. Sie versteht mich. Wir sitzen zu zweit vorn am Bug auf dem Deck und reden, die Männer unterhalten sich am anderen Ende des Schiffs. Die vier Kinder sind beschäftigt und verbringen die meiste Zeit im Wasser, springen rein und raus, haben Spass.
| Abendstimmung auf dem See |
Sozusagen eine "offene" Beziehung light. Jeder hat einen bis zwei Abende für sich pro Woche und der andere stellt keine Fragen. Man kann erzählen oder nicht. Es wird sich zeigen, ob es funktioniert. Und parallel dazu eine Paartherapie.
So war mein 1. August. Den Abend haben wir im Hafen verbracht und vom Schiff aus zugesehen, wie die Gemeinde ein paar Zehntausend Franken in die Luft geschosssen hat und uns darüber moquiert, dass wir das farbige Schauspiel mit den überteuerten Hafengebühren wohl mitfinanziert haben. Die Stimmung war melancholisch. Die ganze Umgebung macht mich ohnehin immer noch sehr traurig. Zu viele Erinnerungen an früher, an meinen Vater. Die zweite Nacht auf dem Schiff.
In meinem Kopf kreisen die Gedanken. Ich versuche zu verstehen, was passiert ist, weshalb ich mich so traurig fühle und wieso alles so gekommen ist und werde hier bald darüber schreiben.
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| Feu d'artifice sur le lac |

ein wichtiger Schritt den ihr geht. Es werden weitere kommen. Manche werden schmerzhaft sein, verletzend - von beiden. Es werden aber auch viele Fesseln von Dir abfallen. Das Atmen wird buchstäblich leichter werden. Kopf hoch die Nase in den Wind. Lebe, lebe, liebe dich, liebe andere, feiere, träume, lass es Dir gutgehen, denke zuerst an Dich!
AntwortenLöschenEs war nicht das erste Gespräch dieser Art, aber ich war überrascht, dass diese Lösung für meinen Mann inzwischen ein gangbarer Weg zu sein scheint. Sein Leidensdruck ist sicher gestiegen. Da die Leidenschaft schon länger erloschen ist, können wir relativ sachlich über alles sprechen. Ich schaue für mich und habe entschieden, dass ich mich nicht länger anpassen und verbiegen mag. Nach feiern ist mir gerade nicht zumute, aber das hat andere Gründe. LG, Rosalie
LöschenDas ist doch wenigstens ein Anfang!
AntwortenLöschenEin weiterer Schritt auf dem Weg in Richtung Trennung. Und vielleicht muss man sich manchmal trennen, um sich wieder neu finden zu können. Wer weiss.
LöschenLG und ein schönes Wochenende!
Wenn ich lese, was du da schreibst, habe ich ein gutes Gefühl. Etwas passiert, ist in Bewegung. Es fühlt sich nicht so starr und wie in einer Sackgasse befindlich an, wie so oft, sondern nach Aufbruch. Und möglicherweise kommt da auch ein wenig die Trauer her? Ein Aufbruch bedeutet, von bestimmten Dingen Abschied nehmen und davon wiederum hast Du leider ein wenig viel in letzter Zeit.
AntwortenLöschenDie ersten Schritte fallen möglicherweise schwer. Du wirst mit der Zeit entdecken, wie leicht so manches wird.
Liebe Grüße
Nouniouce
Ja, lieber Nouniouce, im Moment ist gerade sehr vieles in Bewegung. Die Trauer hat vielfältige Gründe. Ich werde noch darüber berichten. Das Eheproblem steht irgendwie gerade nicht im Mittelpunkt. Aber das mit dem Aufbruch stimmt schon.
LöschenLiebe Grüsse
Rosalie
Liebe Rosalie,
AntwortenLöschenschön, von dir zu lesen, habe die letzten Tage immer wieder vorbeigeschaut, was sich bei dir wohl tut.
Na ja, ich habe hier als (bislang) einzige kein gutes Gefühl angesichts eures "Deals". Das mit den 2 Tagen pro Woche klingt nicht so also ob ihr so glücklich miteinander werdet.
Ich bin gespannt, was eurer Paartherapeut dazu sagen wird. Ob er euch zuspricht. Dann liege ich wohl ganz daneben, mit meien Befürchtungen, dass diese zu kommenden Situationen alles nur noch schlimmer machen werden. Weil dann die Verletzungen passieren werden. Nicht Verletzungen im Sinn von "ich sage dir jetzt ins Gesicht dass ich die betrogen habe", sondern viel subtiler und zugleich brutaler. Nämlich die Verletzungen, wo man mitansehen muss, wie der andere sein Ding macht, sein Leben führt und dabei glücklich ist und einen selber zerfrisst es. Notos kann ein Lied davon singen. Überlegt euch den Schritt sehr gut! Weil ungeschehen machen kann man es nicht.
Letztlich würde ich euch eher zu einer Trennung denn zu so einem unglücklichen Nebeneinander raten.
Ich schreibe allerdings auch aus der Position einer Tochter, die in so einem Elternhaus wie ihr es aufziehen wollt die letzten Jahre zu Hause verbracht hat und das war einfach nur Mist und hat mich krank gemacht. Hauptsache die Eltern konnten lustvoll Leben und mussten nicht zum Scheidungsanwalt. Toll! :-(
Ich gebe ja zu, ich kommentiere deine Situation aus meiner persönlichen Warte, allerdings hört sich das, was ihr vorhabt verdammt nach dem an, was ich hinter mir habe als Kind solcher Eltern wie ihr es seid. Bürgerlich, wohlhabend, heile Welt ... nach außen.
In den letzte Postings von dir wurde deutlich, wie gut du innerhalb deines Familiensystems funktionieren kannst. Wie lange es gedauert hat, bis du dich wieder gespürt hast, als du dann geweint hast.
Das wiegt auch mit, bei meiner Reaktion auf euer Vorhaben: nämlich dass du vielleicht sehr lange etwas machen würdest, du du meinst es passt eh, und in Wirklichkeit machst du in dir ganz viel kaputt und verletzt dich Tag für Tag.
Geh doch ganz tief in dich rein, dort wo du gerade traurig bist, dann wirst du wissen, was du brauchst!
Ich fürchte dieses Modell wie ihr es entwickelt habt ist NICHT das, was du brauchst.
liebevolle Grüße, Daniela
Liebe Daniela, liebe Rosalie
Löschenich mische da jetzt einfach nochmal ein.
Es ist schon klar, dass es das noch nicht ist, aber es ist ein Schritt, es verändert sich etwas im aktuellen Gleichgewicht und im Stillstand. Und das ist wichtig für Dich. Die nächsten Schritte ergeben sich. Ob es im Nachhinein richtig ist, wird sich erst noch herausstellen. Das wissen wir nicht.
Was für die Kinder von Rosalie das beste ist, wissen wir auch nicht. Sie werden im Nachhinein sicher irgendwann einmal sagen, so war das nicht gut Mama und Papa. Und das wird passieren, egal, was Rosalie und ihr Mann jetzt tun. Es gibt keine perfekten Eltern, sie alle machen Fehler. Wir alle als Eltern machen Fehler und eines Tages werden wir uns das von unseren Kindern anhören müssen.
Also, Rosalie, es ist gut, dass sich etwas bewegt, es ist gut, dass ihr Entscheidungen getroffen habt, es ist vor allem sehr gut, dass ihr einen Paartherapeuten aufsuchen werdet.
Nochmal herzlichste Grüße
Nouniouce
nouniouce, für mich ist genau das der Stillstand, der jetzt geplant wird, nämlich wenn das Ehepaar weiter unglücklich miteinander und aneinander unter dem gemeinsamen Dach wohnen bleibt.
LöschenUnd Sätze wie dieser "Ich versuche zu verstehen, was passiert ist, weshalb ich mich so traurig fühle ..." machen mich eher skeptisch, denn froh.
Zumal Rosalies Wertesystem - das, das zutiefst in ihr drinnen ist - schon anders gestrickt scheint als das jener Leute, die offene Beziehungen lieben. Ich schätze Rosalie als Freundin der romantischen Liebe, der Zweierbeziehung, des "ich und du" ein, und nicht als Freundin des "er und ich und du".
Aber das wird Rosalie vermutlich am besten wissen. Derweil machen wir uns unsere Gedanken und nehmen jeer auf seine Art Anteil.
liebe Grüße, Daniela
@Daniela
LöschenIch muss da was klar stellen: Mein Leben ist leider noch komplizierter, als Du ahnst. Das "Ich versuche zu verstehen, was passiert ist, weshalb ich mich so traurig fühle..." hat gar nichts mit meinem Mann zu tun, sondern mit der Beziehung bzw. Trennung von meinem besten Freund...
ach so ... aber dann weißt du schon, warum du so traurig bist: wenn du dich von deinem besten Freund getrennt hast - ich meine, das ist doch traurig.
Löschen@Daniela und Nouniouce
AntwortenLöschenMein Mann und ich werden eine Ehetherapie machen, weil wir einen Coach benötigen, der uns hilft, mit der aktuellen Situation umzugehen. Was kann man tun, wenn man sich nicht trennen will, die romantische Liebe jedoch erloschen ist? Mein Mann sagt, dass er mit mir alt werden möchte. Aber ich spüre von ihm keine Leidenschaft. Und ich kann mir eine Liebesbeziehung mit ihm einfach nicht mehr vorstellen. Ich wünschte, es wäre anders aber ich kann weder Gefühle vorspielen noch welche herbeizaubern.
Weil zwischen uns keine leidenschaftliche Liebe mehr vorhanden ist, können wir relativ sachlich miteinander umgehen. Im Moment haben wir den Eindruck, dass es für die Kinder das Beste wäre, wenn wir unsere WG, die wir de facto ja schon haben, weiterführen. Ich habe mir ja schon länger gewisse Freiheiten herausgenommen und nehme mir einen Abend pro Woche "frei" von der Familie. Natürlich gehe ich öfters mit Freundinnen essen, aber eben nicht immer...
Er ahnt es wohl und fragt nicht gross nach. Ich fände es fair, wenn er seine Fühler auch ausstreckt und im Moment könnte ich mir nicht vorstellen, dass ich eifersüchtig wäre, wenn er sich mit einer anderen Frau trifft. Aber wir werden sehen, wie sich die Theorie in der Praxis anfühlt.
Es ist sicher keine dauerhafte Lösung aber ein erster Schritt in eine neue Richtung. Wohin der Weg führt, werden wir sehen. Wir hatten bisher nie gross Streit und ich denke nicht, dass sich das jetzt ändern wird.
Es würde mich interessieren, wie Du es als Kind erlebt hast? Haben sich Deine Eltern das fremde "Liebesglück" denn missgönnt, dass Du so schlechte Erfahrungen gemacht hast? Oder haben sie gegen aussen so getan, als wären sie noch ein Liebespaar?
Wie gesagt, es ist sicher keine perfekte Lösung. Bloss ein Schritt, der etwas in Bewegung bringen soll.
Danke für Eure Kommentare!
Herzlich,
Rosalie
Liebe Rosalie, du klingst anders, reflektierter als noch vor einigen Monaten, denn du schreibst heute, dass da keine leidenschaftliche Liebe mehr ist.
LöschenEs ist also noch Liebe da, halt die partnerschaftliche. Das ist sehr viel! Früher klang es bei dir so, also ob du nur Ablehnung gegenüber deinen Mann empfindest. Jetzt liest es sich so, als ob da positive Gefühle, vielleicht sogar eine Form von Liebe da ist, halt keine Leidenschaft.
Der Therapeut wird dir sicher viele aha Erlebnisse verschaffen, da bin ich zuversichtlich.
zum Thema als Kind: Eltern können nicht so tun, als wären sie noch eine Familie und mit anderen Partnern die Leidenschaft außer Haus ausleben und dann nach Hause kommen und alle an einem Tisch sitzen. Das ist einfach nicht die Wahrheit. Und Kinder haben Antennen und was machen sie? Sie werden krank! Weil sie als einzige in der Familie ausdrücken - halt durch die Krankheit - dass nichts mehr passt. Und vor allem weil die Krankheit die Eltern dazu zwingt, sich wieder gemeinsam um was zu kümmern, nämlich das kranke Kind und, noch wichtiger: solange das kranke Kind zu Hause ist, streiten sich die Eltern nicht, aus rücksicht und Sorge um das kranke Kind. Kann noch beliebig fortgesetzt werden, warum das Kind in so einem Elternhaus über kurz oder lang krank wird.
Wenn du die freien Abende auf Essen gehen mit Freundinnen beziehst, das finde ich absolut harmlos.
Zuerst als du es geschrieben hast, klang es nach offener Beziehung (der andere darf keine Fragen stellen).
Ich gehe seit Jahren schon wann ich will mit wem ich will aus, mein Partner macht es auch so. Diese Freiheit ist doch notwendig und normal, sonst erstickt man doch, oder? Ich mag auch mal alleine zu Hause sein, und das geht nur dann, wenn mein Partner nicht zu Hause ist.
liebe Grüße, Daniela
Liebe Daniela
AntwortenLöschenDein Kommentar gibt mir schon sehr zu denken. Ich weiss, dass wir den Kindern nichts vormachen können und ich würde mir nie verzeihen, wenn sie krank würden. Wir werden nicht umhin kommen, mit ihnen zu sprechen und ihnen die Situation zu erkären. Ich will kein Theater spielen. Aber sobald jemand von uns beiden eine neue Liebe findet, wird sich alles weitere ergeben.
Ich bin jahrelang nie allein ausgegangen. Und nun nehme ich mir gewisse Freiheiten und hole nach, was ich versäumt habe... ;-)
Ich denke nicht, dass es Liebe ist, was ich für meinen Mann noch empfinde. Es ist Loyalität. Aber ich bin gleichwohl gespannt darauf, was bzw. ob die Paartherapie neue Erkenntnisse bringen wird.
Lieben Gruss
Rosalie