Donnerstag, 9. August 2012

Herzrasen


Mein Herz hat Protest eingelegt und mir aufgezeigt, dass ich an meine Grenzen stosse!

Ich bin gestern um drei Uhr morgens nach anderthalb Stunden Schlaf aufgewacht, weil ich Herzschmerzen hatte. Ich weiss nicht, ob und was ich geträumt habe - aber ich erinnere mich an ein tieftrauriges Gefühl und an den Druck auf meiner  Brust. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Es raste und raste und wollte sich einfach nicht mehr beruhigen. Nach einer halben Stunde holte ich meine Pulsuhr aus der Sporttasche: 188 Schläge in der Minute.

Ich kriegte es mit der Angst zu tun und fragte mich, ob das Anzeichen eines Herzinfarkts waren. Ich dachte an meinen Schwager, der vor vier Monaten in einer solchen Situation gewesen ist und gerade noch rechtzeitig das nächste Spital aufgesucht hat.  Und ich dachte an meinen Vater, der sich in der Nacht vor seinem Tod wohl auch gefragt hat, ob der Schmerz in seinem Bein  schlimm genug ist, um mitten in der Nacht ärztliche Hilfe anzufordern. Er hat den Morgen abgewartet...


Mein Mann wollte mich beruhigen und meinte, es sei sicher nichts Schlimmes und ich legte mich wieder hin. Aber sämtliche Entspannungsübungen schlugen fehl und ich hatte kein gutes Gefühl. So stand ich wieder auf, kramte meine Versicherungskarte hervor und wählte die 24h-Telefonnummer meiner Krankenkasse. Die Person am andern Ende der Leitung riet mir, das nächste Spital aufzusuchen und sagte: "Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig!" . Wie wahr...

Ich nahm mein iPhone und schaute nach, ob das nächstgelegene Regionalspital überhaupt eine Notfallaufnahme hat. Dem war so. Mein Mann wollte mich hinfahren, aber ich entschied, dass er bei den schlafenden Kindern bleiben sollte. So stieg ich in mein Auto und fuhr los. Ich hatte ein mulmiges Gefühl und bat das Universum um Beistand und mein Schutzengel sorgte dafür, dass ich heil angekommen bin. Es waren nur 13 Autominuten  und der Noftalleingang der kleinen Klinik war dunkel. Ich bediente die Klingel und es ertönte eine männliche Stimme aus dem Lautsprecher. Ein Pfleger holte mich ab und wir fuhren mit dem Lift in den zweiten Stock, wo ich gebeten wurde, ein Formular auszufüllen...

In den nächsten vier Stunden wurde ich intensiv betreut von einer reizenden jungen Assistenzärztin und einer erfahrenen älteren Pflegefachfrau, deren sicheres Auftreten mich und die junge Ärztin gleichermassen beruhigte. Ich wurde verkabelt und die Ärztin machte ein besorgtes Gesicht. Mein Puls lag noch immer knapp unter 200, der Blutdruck bei 168/106. Sie blickte auf das EKG
und meinte, es sei gut, dass ich gekommen sei...


Mein EKG um am 08.08.2012/04.04 h
Die Pflegefachfrau legte mir eine Infusion an und zapfte mir Blut ab und sie unterstützte die Ärztin, die mit der EKG-Software auf dem Laptop noch nicht so recht vertraut schien.  Aber ich fühlte mich gut aufgehoben und es herrschte eine herzliche Atmosphäre und die beiden kümmerten sich gut um mich. Ich war der einzige Notfall.


Die Ärztin telefonierte mit dem Kardiologen, der ausser Haus war und dann führte sie mit mir ein sogenanntes Vagusmanöver durch  und mein Herz konnte nach gut zwei Stunden Sprint endlich einen Gang herunterschalten! Der Puls fiel auf 110... Zwei Stunden, eine weitere Blutentnahme (diesmal aus der Arterie...) und etliche EKGs später hatte sich mein Herzschlag und der Blutdruck wieder normalisiert und der Spuk hatte ein Ende.

Um acht Uhr traf die Oberärztin ein und erklärte mir, dass solche Tachykardien in Zeiten hoher emotionaler Belastung auftreten können und dass man einfach wissen müsse, wie man sie selbst beenden kann und dass man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss, wenn es nicht gelingt, den Puls wieder in den Normalbereich zu bringen.  Eine Untersuchung beim Kardiologen sei zur Zeit noch nicht angebracht. Ich hoffe, sie hat recht...

Ich setzte mich ins Auto, besorgte unterwegs frische Croissants und fuhr nach Hause, wo bereits meine Schwiegermama mit feuchten Augen auf mich wartete und mein Mann, der von seiner Mutter mit Vorwürfen eingedeckt worden war, weil er sie nicht geweckt hatte und seine Frau statt dessen allein ins Spital hatte fahren lassen. Wir konnten den Vorfall zum Glück vor den Kindern verheimlichen. Mein Sohn hat seit dem Tod meines Vaters eine Riesenangst, dass mir etwas zustossen könnte.


Und nichts desto trotz nahm ich um 12.00 Uhr in der Stadt einen Termin bei der Kosmetikerin wahr, da ich sonst fünf Wochen auf den nächsten hätte warten müssen. Wenn ich denn vorzeitig den Löffel abgeben muss, dann wenigstens mit dunklen Wimperchen und frisch gezupften Augenbrauen... ;-)


Nein, ich nehme die Sache schon nicht auf die leichte Schulter. Mein Herz hat in den letzten Monaten einiges aushalten müssen und ich habe ihm viel zugemutet, weil ich ihm zu wenig Ruhe gönne. Vielleicht war das jetzt ein Schuss vor den Bug...

Ich kenne die Ursache meiner Tachykardie sehr wohl. Das Rauchen habe ich vor mehr als zehn Jahren aufgegeben, mein Blutdruck ist in Ordnung, Cholesterinwerte ebenfalls...
Es ist dieser ganze emotionale Stress der letzten Monate und mein Schlafdefizit.  Fünf Stunden Nachtschlaf sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Das muss sich ändern


Und als ich im Notfallraum verkabelt und zerstochen von der Infusionskanüle und den Blutentnahmen auf bessere Zeiten wartete, hatte ich das dringende Bedürfnis, Platon eine SMS zu senden. Ein Rückfall in alte Gewohnheiten. Er hat sich dann im Verlauf des Tages nochmals nach meinem Befinden erkundigt, was mich gefreut hat.


Und dann hat er gegen Abend ein Post veröffentlicht, das mich wieder daran erinnert hat, weshalb ich mich zurückgezogen habe.


11 Kommentare:

  1. Hallo du schöner Stern

    Da hast du gut zu dir geschaut als du dich von Platon verabschiedet hast. Dieser Schritt musste kommen, denn du hast dich weiterentwickelt.

    P.S. Nimm Platon vom Sockel. Steig selber rauf. Du schreibst am Besten! Du schreibst die Seelenwahrheit.

    Ich wünsche dir tausende glückliche Herzlächeln.

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    1. DANKE!!!

      P.S. Wer auch immer Du bist, anonymer Engel: Ich verdanke Dir ein Lächeln, das noch immer anhält... :)))

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    2. Vom Schreibstil her, würde ich sagen, ich kenne diesen Engel ;)

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  2. Liebe Rosalie,

    gut, gut gut! dass du ins Spital gefahren bist. Ich hätte vermutlich eher ein Taxi gerufen, sicher ist sicher.

    Das Internet verbindet wirklich - im letzten Jahr sind mir 2 Menschen im Internet begegnet, die dasselbe hatten wie du. Allerdings haben die die Ursache im regelmäßigen Alkoholkonsum gefunden (2 Gläser/Tag sind für eine Frau schon zu viel, abgesehen davon, dass Regelmäßigkeit und Alkohol sich auf Dauer nicht gut vertragen). In dem USA ist das sehr gut erforscht, zumal das Symtpom nach Feiertagen verstärkt auftrat. Da wurde der Zusammenhang mit Alkohol entdeckt. Andererseits frage ich mich, ob die Feiertage emotional nicht doch auch sehr belastend sein können!

    Wie wirst du das Wochenende verbringen?
    liebe Grüße, Daniela

    PS: das was Anonym oben geschrieben hat, spricht mir aus der Seele. Wäre ich du, ich würde das ausdrucken und in meinen Badezimmerschrank kleben und jeden Tag mindestens 2x lesen. :-D

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    1. Liebe Daniela

      Ich war am Vorabend mit einer Freundin essen: Pouletschnitzel mit Salat und 2 Gläschen Pino Grigio... Aber ich denke nicht, dass es damit einen Zusammenhang hatte. ;-)

      Das Wochenende? Ich habe das Kinderzimmer der Tochter ausgeräumt und wir werden zusammen die Wände neu streichen... In weiss und lavendel. Da wartet noch eine Menge Arbeit auf mich...

      Und dann werden wir wohl wieder mit dem Segelschiff rausfahren und im See baden, so lange der Sommer noch aktuell ist.

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

      P.S. Gute Idee! :)

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  3. Oh, das kenne ich... bisher habe ich meinen Puls aber immer wieder unter Kontrolle bekommen, zum Glück.
    Gut, dass Du so kompetente und angenehme Hilfe im Krankenhaus hattest, das kenne ich auch anders. Ach ja, dein Mann hätte dich niemals alleine fahren lassen dürfen! Das ist fahrlässig!
    Danke übrigens für deinen lieben Kommentar! Mir geht es heute auch schon wieder etwas besser.

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  4. Du kennst das auch? Heute hat mir meine Bürokollegin erzählt, dass ihr dieses Phänomen auch sehr vertraut ist. Es ist mir früher auch schon passiert, allerdings nie so extrem und vor allem hat es nach einer Viertelstunde von selbst aufgehört...

    Mein Schutzengel ist verlässlich! Aber Du hast natürlich recht. Die Ärztin meinte, es sei mutig von mir gewesen, selbst zu fahren. Was wohl eine freundliche Umschreibung von "leichtsinnig" ist...

    Schön, dass es Dir wieder besser geht!

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  5. Du machst ja Sachen. Bitte nie (!!!!) mehr selbst in einer solchen Situation ans Steuer setzen. Lieber Taxi rufen oder irgendwen aus dem Bett klingeln. Aber schön, dass es dann doch nichts wirklich Schlimmes war. Du erwähntest das Essengehen am Vorabend, war da vielleicht ein Gericht besonders stark gewürzt? Auch davon kann man solche Tachykardien bekommen.

    Zu Platon: Du erwähnst seinen Post und dass dieser Dir quasi bestätigt, dass es richtig war, dass Du Dich zurückgezogen hast. Ich weiss nicht, ob ich es richtig verstehe, ist es die Tatsache, dass er eben durchaus noch andere Frauen (außer der eigenen) als attraktiv empfindet, sie ihm auffallen, er sogar so darüber schreibt, aber dass Du eben für ihn nicht mehr eine solche Frau bist? Dass Du wirklich "nur noch" die enge Vertraute, die beste Freundin bist, aber nichts mehr von der erotischen Spannung zwischen Euch zu spüren war?

    Und fragst Du Dich, wieso schafft diese fremde Frau es, doch wieder diese Komponente in ihm anzusprechen, aber Du nicht mehr?

    Dann kann ich es total verstehen... und dann ähnelt es wiederum geradezu erschreckend meiner eigenen Geschichte.

    Liebe Grüße,
    Träumerin

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  6. Liebe Träumerin

    Da wo ich wohne, gibt es keine Taxis um diese Zeit. Aber ich weiss schon, dass es leichtsinnig war.

    Ich möchte eigentlich nicht mehr über Platon schreiben, weil er ja mitliest. Aber Du spürst es schon richtig.

    Wir sind einfach zu verschieden. Er weiss ja genau, woran unsere Freundschaft letztlich gescheitert ist. Ich habe es ihm mehrfach in Mails zu erklären versucht und nun auch wieder in meinen beiden Posts über unsere Freundschaft. Es geht ja nicht darum, dass ich ihm andere Abenteuer nicht gönnen würde. Es tut einfach weh. Oder besser gesagt: es hat weh getan.

    Und dann verbringe ich eine Nacht im Spital, weil mir alles zuviel geworden ist (und an diesem Herzschmerz ist er massgeblich mitbeteiligt) und er weiss nichts Besseres zu tun, als ein Post zu veröffentlichen, das genau meinen wunden Punkt trifft. Da stellt sich mir die Frage: Macht er das mit Absicht? Will er mich noch weiter verletzen? Will er mir zeigen, wie wenig ich ihm noch bedeute? Oder ist es einmal mehr Unachtsamkeit und fehlendes Gespür für die Situation? Ich weiss es nicht und ehrlich gesagt habe ich genug davon, mir über solches Verhalten noch länger den Kopf zu zerbrechen...

    Alles Liebe,
    Rosalie

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  7. Mein Gedanke war, dass er damit sein angeknackstes Ego aufrecht erhalten will. So à la na warte Rosalie...dir zeige ich es...ich habe eine Ahnung von Erotik, ich kann Frauen aufreissen.... Ich meine, du bist eine tolle Frau, hast hier viele Anhänger....sein Blog ist eher erst ein bisschen wach geworden durch dich....

    Er findet dich schon toll als erotische Frau glaube mir das. Und jetzt spürt er den Verlust.
    Und ja, es ist wohl auch wieder sein fehlendes Gespür du lieber Schatz. Du brauchst aber keine Männer die dir aus Unachtsamkeit oder fehlender Empathie weh tun. Und dann noch dann wenn dein Herz eh schon strampelt vor lauter Selbstliebe.

    Aber he, sieh es positiv. Mit diesem Post gibt er dir recht den richtigen Schritt getan zu haben. Also ist sein Post ein Geschenk an dein Herz.

    Guck guck....strahle in den Tag! Du hast soviele Freunde, du hast soviel Seelenschätze und dein Leben entwickelt sich in eine so gute Richtung. Habe Vertrauen.

    Nimm den nächsten Sonnenstrahl. Du darfst auf ihm schaukeln.

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  8. Und wieder bringst Du mich zum Lächeln! :))

    Wahrscheinlich hast Du recht, mit Deiner These. Und als ich Deinen Kommentar vorhin gelesen habe, ist mir der Gedanke gekommen, dass ich vielleicht einfach nicht als Geliebte tauge. Ich will nicht die Nummer zwei sein. Und schon gar nicht die Nummer drei oder vier. Und wenn ich mich auf einen verheirateten Mann einlasse, dann muss er mir das Gefühl geben können, dass ich ausserhalb seines Alltags seine Nummer eins bin! Und dass er mich sogar am liebsten ganz allein für sich hätte und die Zeit mit mir als ein Geschenk betrachtet. Et vice versa. So kann es funktionieren. Weil dann beide positive Energie daraus ziehen können.

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