Dienstag, 7. August 2012

Life Lessons: Mein bester Freund (2)

Unsere Beziehung zeichnete sich dadurch aus, dass wir uns gegenseitig immer wieder herausforderten. Obwohl wir uns so vertraut waren und ich manchmal ein Gefühl von Seelenverwandtschaft hatte, waren wir uns doch irgendwie auch ein Rätsel und was gewisse Bereiche unseres Lebens betraf, so prallten Welten aufeinander. Unsere Freundschaft verlief denn auch selten längere Zeit harmonisch und linear. Es gab immer wieder kleinere und grössere Wellen...


Unsere emotionale Nähe löste bei mir den Wunsch aus, hin und wieder einen Schritt weiterzugehen und von den verbotenen Früchten zu naschen... Bei meinem Freund hatte sie den gegenteiligen Effekt: die verbotenen Früchte waren in weite Ferne gerückt.  Irgendwann war ich einfach "nur" noch seine beste Freundin und die Anfänge unserer Beziehung waren für ihn endgültig Geschichte.


Dass sich diese besondere Essenz gegenseitiger Anziehung aus unserem Dialog verflüchtigt hatte, betrübte mich. Ich wollte es lange nicht wahrhaben und versuchte immer mal wieder unseren schriftlichen Dialog auf dieses Thema zu lenken, in der Hoffnung, ihm doch noch ein Geständnis über sporadisch auftretende Sehnsuchtsattacken zu entlocken oder wenigstens ein paar liebevolle Worte, die mein Selbstwertgefühl wieder etwas besänftigt hätten...


Aber er konnte oder wollte einfach nicht über seinen (rationalen) Schatten springen und seine Analysen des Istzustands waren nicht das, was ich lesen wollte. Es befremdete mich, dass er so undiplomatisch geradeheraus sagte, was er dachte, ohne Rücksicht auf meine Befindlichkeit zu nehmen. Wohlgemerkt: Ich würde ihm nie unterstellen, dass er mich mit Absicht verletzt hat. Er war einfach nur ehrlich. Aber wenn er mir schrieb, dass wir halt "unterschiedlich" empfinden würden, fühlte sich das nicht gut an. Es war nicht so, dass mein Ego gekränkt gewesen wäre. Es war einfach ein sehr schmerzliches Gefühl, das sich tief in meiner Brust manifestierte.


Es gab Zeiten, da hielt ich dieses Gefühl für Liebe. Aber Liebe durfte es nicht sein. Eine Liebesbeziehung stand nie zur Debatte. Natürlich war da viel Zuneigung, aber es war nicht die grosse Leidenschaft. Es gab kein Knistern, wenn wir uns hie und da sahen. Unser Umgang war freundschaftlich. Aber sobald ich wieder im Auto sass und auf das nächste SMS wartete, spürte ich wieder dieses unbestimmte Gefühl, diese Wehmut.


Ich denke, er hat lange nicht verstanden, worum es mir ging und dass es mir weh tat, dass er mir den "Sexappeal" abgesprochen hatte. Und ich habe nicht verstanden, wieso sich seine Gefühle verändert hatten und begann an meiner Attraktivität zu zweifeln. Es war ein Dilemma und ich ärgerte mich über mich selbst bzw. dass ich nicht besser damit umgehen konnte! Ich wollte ja seine Freundschaft! Ich wollte ihn nicht verlieren! Weshalb konnte ich denn nicht einfach über der Sache stehen? Ich versuchte, dieses elende Gefühl in der Herzgegend so gut wie möglich zu ignorieren und mich von einer Illusion zu verabschieden.


Aber als diese besondere Essenz gegenseitiger Anziehung nicht mehr funktionierte, begann ich mich "needy" zu fühlen und das wollte ich nicht sein. Ihm ging es gut, denn er hatte seine glückliche Ehe, Rosalie als beste Freundin und Vertraute, die ihn noch dazu begehrte! Balsam für sein Selbstwertgefühl! Mein Selbstwertgefühl hingegen hatte einen Knacks erlitten...


Diese besondere Beziehung, die so lange eine Bereicherung meines Alltags gewesen war, begann mich immer mehr zu belasten und machte mich immer trauriger. In den letzten Wochen und Monaten hatte ich das Gefühl, dass er sich gedanklich von mir entfernte und die Pausen zwischen den SMS wurden grösser und ich begann zu interpretieren. Ich ahnte, was der Grund war. Er beruhigte mich und meinte, es sei bloss eine Phase...


Wieso bloss tat ich mich so schwer damit, dass wir endgültig "nur" noch platonische Freunde waren? Wieso konnte er denn nicht einfach nur mein bester Freund sein? Aber war er das wirklich? Sollten beste Freunde nicht auch mal emotional sein können und Trost spenden, wenn er gebraucht wird? Er war mein Mr. Ratio. Der klugste Mann, den ich kenne, aber auch der Vernünftigste. Und dieses Rationale, das mich an ihm so fasziniert hatte, begann mich zu stören. Konnte er denn wirklich niemals über seinen Schatten springen? Mir einfach mal etwas Liebes schreiben, mich trösten, wenn es mir schlecht ging, anstatt nur sachlich zu beraten?


Ich konnte es selber nicht nachvollziehen, weshalb ich so fühlte, denn schliesslich hatte das Universum ja in der Zwischenzeit ein Einsehen gehabt und mir Mr. Charmings Zuwendung und seine Leidenschaft geschenkt! Unser Wiedersehen im Juni hat mir unendlich gut getan und ich habe eine Zeitlang davon "zehren" können, aber Mr. Charming war (bzw. ist) im Alltag kaum verfügbar. Mein Freund jedoch war präsent. Jeden Tag.


Ich begann immer häufiger zu zweifeln und fragte mich, ob es sinnvoll war, so viel Zeit und Energie für eine Freundschaft aufzuwenden, die mich immer mehr emotionale Substanz kostete. Die neusten Entwicklungen machten mich einfach nur noch traurig und Traurigkeit gab es weiss Gott schon genug in meinem Leben.


Und irgendwann stand die Frage: „Wo soll denn das eigentlich hinführen?“ immer aufdringlicher im Raum und die Antwort lag auf der Hand: „Nirgendwo. Das führt nirgendwo hin, weil es nirgends hinführen darf. Es wird so lange weitergehen, wie es sich für uns beide gut anfühlt.“


Und für mich fühlte es sich nicht länger gut an. Unsere Reise in die Vergangenheit war zwar für uns beide ein sehr schönes Erlebnis gewesen und ich hatte den Tag mit ihm genossen. Aber dann kam eins zum andern und ein unbedachtes SMS brachte unsere Beziehung (einmal mehr) vollends aus der Balance. Es fühlte sich an wie ein Vulkanausbruch. Der ganze Mix aus Trauer um meinen Vater, Trauer um unsere spezielle Beziehung, enttäuschte Erwartungen, zerplatzte Illusionen, das Gefühl, nicht mehr begehrt zu werden, emotional allein zu sein, Ärger im Job... kurzum die ganze Misere entlud sich an jenem denkwürdigen Abend im Juli und als es vorüber war, wusste ich, dass sich etwas ändern musste.


Ich beendete den SMS-Austausch und legte mein Zweithandy in eine Schublade. Cold turkey. Von 20 SMS pro Tag auf Null. Es folgte ein Mailaustausch, in dessen Verlauf ich den Eindruck gewann, dass ich gar keine Wahl hatte. Ich kam mit der veränderten Situation nicht länger zurecht und er schrieb, dass er dafür zwar Verständnis habe, daran aber nichts ändern könne. Er hatte sich entschieden, einen neuen Weg zu gehen und ich konnte ihn auf diesem Weg nicht länger begleiten, weil ich das Gefühl, das ich für Herzschmerz hielt, nicht länger ertragen konnte. So blieb mir keine andere Wahl, als mich aus dieser Beziehung zurückzuziehen. Auch wenn es mir sehr schwer gefallen ist.


Inzwischen weiss ich, woher dieser Schmerz kam, den ich für Liebeskummer hielt:

Es ist das SELBSTWERTGEFÜHL, das verletzt ist! Es ist das Gefühl, nicht mehr geliebt zu werden! Zu lieben oder zu begehren und nicht zurückgeliebt bzw. zurückbegehrt zu werden. NICHT ZU GENÜGEN. Es ist das innere Kind, das doch einfach nur in den Arm genommen werden möchte, das nicht begreifen kann, dass es nicht länger im Mittelpunkt steht. Dieser Schmerz ist so schwer fassbar und mit dem Verstand kaum zu beherrschen. Es sind Gefühle, die ganz tief in der Seele verankert sind und sie stammen aus der Kindheit. Möglicherweise werden sie einem sogar in die Wiege gelegt. Ein verletztes Selbstwertgefühl tut unglaublich weh.


Mein Verstand weiss ja, dass es nie um Liebe ging und dass ich meinem Freund viel bedeutet habe. Dass Freundschaft beständiger und wertvoller ist als eine Affäre. Und dennoch konnte ich dieses Gefühl nicht verscheuchen. Ich habe es in meiner Jugend intensiv gespürt, jahrelang, und es war ein schmerzvolles Déjà-Vu. Oder anders ausgedrückt: ein Flashback. Es hat mich immer mehr beherrscht und mein Freund hat ohne es zu ahnen mit seinem Verhalten immer wieder meine Triggerpunkte aktiviert und diese schmerzlichen Gefühle in mir ausgelöst.



Das alles ist mir in den letzten Tagen bewusst geworden. Vielleicht kann es jetzt endlich heilen, dieses angeknackste Selbstwertgefühl...


Ich weiss ja, dass ich liebenswert bin. Dass ich eine begehrenswerte Frau bin. Dass ich einzigartig und etwas Besonderes bin. Dass ich das alles auch für meinen Freund war, auch nachdem sich seine Gefühle verändert hatten. Es ist ja nicht so, dass ich keine Bestätigung von aussen hätte oder unbedingt darauf angewiesen bin, um mich gut zu fühlen. Aber dieses Bewusstsein ist irgendwie immer noch nicht richtig verankert. Und die Beziehung zu meinem Freund hat mir diesbezüglich doch sehr viel abverlangt. Ich denke und hoffe, dass ich daran gewachsen bin.


Es war eine aufregende Zeit mit ihm und ich habe viel über mich gelernt. Ich möchte unsere Geschichte keinesfalls missen und ich blicke zurück ohne Bitterkeit. Vielleicht musste ich diese Freundschaft opfern, um mich weiterentwickeln zu können. Vielleicht mussten wir beide sie opfern, denn er hat nicht versucht, mich umzustimmen. Das ist traurig, denn unsere Beziehung hat mir viel bedeutet. Aber irgendwie fühle ich mich auch befreit. Es konnte so einfach nicht mehr weitergehen.




Am meisten bedaure ich, dass ich meinen Freund verletzt habe. Er fühlt sich von mir „abgesägt“. Er hat mir alles gegeben, was er mir geben konnte - bis auf das Eine. Und es war mir nicht genug... So ist meine Reaktion wohl bei ihm angekommen. Ich habe ihn enttäuscht und verletzt und das wollte ich nicht. Es war einfach eine Kurzschlusshandlung. Meine Seele hat dieses Wechselbad der Gefühle nicht mehr ausgehalten. Ich habe für einmal ganz egoistisch nur an mich gedacht.




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Ich weiss, dass Du das hier liest...

Du hast geschrieben, dass Du Dich nicht dafür entschuldigen kannst, dass Du nicht perfekt bist. So do I. Wir alle sind nicht perfekt. Aber wir sollten lernen, achtsamer miteinander umzugehen.

 
Es tut mir leid, dass ich uns nicht zugetraut habe, dass wir GEMEINSAM einen Weg finden, diese neue Welle zu überstehen. Letztlich ist unsere Beziehung wohl an der Kommunikation gescheitert. Es ist mir nicht gelungen, Dir verständlich zu machen, worum es mir eigentlich ging. Und das passiert ausgerechnet uns.



Ich bedaure es, dass wir unsere Freundschaft in den Sand gesetzt haben. Vielleicht kriegen wir nochmals eine Welle, die stark genug ist, uns beide mitzunehmen und an einen neuen Ort zu tragen. Wenn wir beide das wollen. Und ich spreche nicht von einer Insel! ;-)


Bisous platoniques!

Rosalie


 



23 Kommentare:

  1. Dazu könnte ich sehr viel schreiben, deine Geschichte ist so exemplarisch für die Art, wie Frauen leiden - bzw. auch an ihrem Leiden festhalten.

    Aber nicht mehr heut Nacht, nur eben mal der (für mich!) zentrale Punkt: Du kennst das "innere Kind" mit seinen Bedürftigkeiten. Diese werden ab dem Moment dein Leben nicht mehr bestimmen, wenn du dich dazu bereit findest, es SELBST in den Arm zu nehmen!

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    1. Hallo Claudia

      Ich würde mich freuen, wenn Du mir schreiben würdest, wie Du meine Geschichte interpretierst. Ich werde nämlich immer noch nicht restlos schlau daraus. Ist es wirklich nur das Selbstwertgefühl? Als ich mir das alles von der Seele geschrieben habe, ist mir der Gedanke gekommen, dass vielleicht doch mehr dahinter stecken könnte... Dass ich mehr für ihn empfinde, als ich mir eingestehen will? Und dass es deshalb so weh tat bzw. tut, weil es nicht in der selben Qualität erwidert wird?

      Und das innere Kind... man kann es nur SELBST in den Arm nehmen, nicht wahr? Oder kann das auch jemand anderes tun? Ich kenne mich damit noch nicht so richtig aus.

      Herzliche Grüsse nach Berlin,
      Rosalie

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    2. Liebe Rosalie,

      für mich klingt es tatsächlich so, als ob das Hauptproblem ein Ungleichgewicht der Gefühle gewesen sei. Zumindest im Fortgang der Geschichte scheinst du deutlich mehr für ihn empfunden zu haben als er für dich, und so etwas tut natürlich weh. Sich in einer solchen Situation zurückzuziehen, die Gefühle abzukühlen und sich zu entlieben, um dann zu sehen, ob von einer etwas neutraleren Warte eine freundschaftliche Wiederannäherung möglich ist, ist nicht das Schlechteste. Allerdings musst du sehen, ob dir mit dem Entlieben nicht auch etwas von dem Kostbaren verloren geht, das du bislang in dieser Beziehung gefunden hast.

      Und ich glaube, dass dein inneres Kind in deinen eigenen Armen am allerbesten aufgehoben ist.

      Alles Liebe,
      Schattentänzerin

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    3. Liebe Schattentänzerin

      Danke für diesen Kommentar! Wir können diese Freundschaft nur fortsetzen, wenn es mich gänzlich kalt lässt, ob sich mein platonischer Freund mit anderen Frauen trifft oder solche Posts (http://placetexperiri.blogspot.ch/2012/08/erotik.html) aufschaltet.

      Aber so lange es das nicht tut, können wir nicht mehr 20 SMS pro Tag austauschen und beste Freunde sein. Ich muss mich schützen.

      Und wenn sich meine Gefühle abgekühlt haben und ich so cool werde wie er, dann wird sich zeigen, was von dieser Freundschaft übrig bleibt...

      Herzlich,
      Rosalie

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    4. Liebe Rosalie,

      ob es dich "gänzlich kalt" lassen muss, wenn du solche Beiträge liest, sei mal dahingestellt. Auch ich liebe einen verheirateten Mann, und manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass dadurch Schmerz entsteht. Aber zumindest sollte dieser Schmerz genug Gegengewicht in beglückenden Erfahrungen finden - und er sollte keinesfalls zu Herzrasen oder anderen psychosomatischen Beschwerden führen. Bei dir ist der Punkt, an dem Selbstschutz oberste Priorität hat, offenbar erreicht. Sei gut zu deinem Herzen, sei sanft und liebevoll zu dir selbst, das ist wahrscheinlich das Beste, was du jetzt tun kannst.

      Herzliche Grüße,
      Schattentänzerin

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  2. Und noch etwas: es geht nicht immer um ein Kommunikationsproblem - sondern oft genug eher darum, dass die Botschaft nicht gefällt.

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    1. Nachdem die Botschaft klar und deutlich schwarz auf weiss überbracht worden war und kein Spielraum mehr für optimistische Interpretationen übrig blieb, habe ich mich zurückgezogen. Weil mir die Botschaft nicht gefallen hat.

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  3. Unabhängig vom Selbstwert - den du als Ursache des Problems benennt, frage ich ich gerade, ob der Freud überhaupt der Empathie fähig war?

    "Es befremdete mich, dass er so undiplomatisch geradeheraus sagte, was er dachte, ohne Rücksicht auf meine Befindlichkeit zu nehmen."

    "Sollten beste Freunde nicht auch mal emotional sein können und Trost spenden, wenn er gebraucht wird? Er war mein Mr. Ratio."

    Ja, beste Freunde sollen, müssen sogar Trost spenden. Einen Mr Spock möchte ich nicht zum besten Freund haben, da würde ich auch innerlich verkümmern, angesichts der mangelnden Empathie.

    Wenn am Ende der Geschichte du denkst, dein angeknackstes Selbstwertgefühl ist Schuld, dann befreist du den Freund von einer nicht unerheblichen Teilschuld!

    liebe Grüße, Daniela, die Kirk und sogar Pille immer interessanter fand als Spock.

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    1. hihi, "der Freud", sollte "der Freund" heißen :-)

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    2. Liebe Daniela,

      Den Sigmund lassen wir jetzt mal aussen vor, obwohl der an meiner Geschichte sicherlich seine Freude gehabt hätte... ;-)

      Ich möchte nicht von Schuld sprechen. Niemand hat schuld, wenn zwei erwachsene Menschen aus freien Stücken eine Beziehung eingehen und sich gegenseitig herausfordern. Ich hätte den Bettel ja schon lange hinschmeissen können, aber das wollte ich nicht. Und er hat mir ja eigentlch nichts vorgemacht.

      Die Empathie würde ich ihm niemals absprechen. Sie zu zeigen, ist ein anderes Thema.

      Und ich muss gestehen, liebe Daniela, dass ich immer schon ein Faible für Mr. Spock hatte... Kirk und Pille waren mir irgendwie zu langweilig.

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

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    3. Es liest sich für mich so, als ob Planton Emotion und Erotik gleichsetzte, wenn du schreibst, dass du dir gewünscht hast, dass er emotional wäre und er partout nicht auf die erotische Ebene zurück wollte.

      Schuld - ja, das ist ein starkes Wort. Meinst du nicht, dass es oft einen stärkeren gibt, der das ganze in der Hand hat?
      Warum tröstet ein Freund den anderen nicht? Weil er der, ist der schuld ist, dass der Freund den Trost braucht?
      ok, ich hör schon auf ;-)

      Es kann gut sein, dass ich nicht mal die Hälfte von dem verstanden habe, was da abgelaufen ist.

      liebe Grüße, Daniela

      PS: schräg finde ich, dass du weißt, dass er mitliest. Ich bin beeindruckt, dass du da frei schreiben kannst, mit dem Wissen, dass er dich beobachtet. Ich würde unbewusst "für ihn" schreiben und in einem möglichst gutem Licht dastehen wollen.

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    4. @daniela: Mein Gegenüber, mein Freund liet auch bei mir mit. Und oft denke ich auch, warum ich alles immer so heraushaue. Mein Fühlen und seine wunden Punkte, wie ich sie wahrnehme statt harmonisch und pflegeleicht zu sein. Es gibt nur eine Antwort. Ein tiefes Vertrauen ineinander. Und @rosalie: ich lee deinen blog sehr intensiv. Unsere Freundschaften haben viele Ähnlichkeiten. Und es hat nicht mit Selbstwertgefühl zu tun. Es ist etwas anderes. Welchen Namen man dafür auch findet. Es ist schön. Mache es in dir selbst nicht klein. Etwas Wundervolles ginge verloren, denke ich. ganz liebe Grüße morgenrot

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    5. @Daniela

      Du schreibst, dass Du in erster Linie "für ihn" schreiben würdest, wenn Du in meiner Situation wärst. Weisst Du, ich habe vielleicht manchmal Rücksicht genommen, und nicht so frank und frei geschrieben oder Dinge weggelassen, von denen ich dachte, dass sie ihn vielleicht verletzen könnten.

      Aber in erster Linie schreibe ich für mich und ich will authentisch sein. Ich bin ok, so wie ich bin und mag mich nicht verbiegen, um jemandem zu gefallen.

      Er weiss ja auch, dass ich bei ihm mitlese und wir haben ja immer auch gegenseitig kommentiert. Und er hat NIE Rücksicht auf meine Befindlicheiten genommen. Wenn ich sein jüngstes Post anschaue (s. Blogroll: Erotik) und daran denke, was mir gestern passiert ist und dass er davon gewusst hat, kann ich nur leer schlucken.

      Ja, es gibt immer einen Stärkeren, wenn zwei unterschiedlich empfinden. Wer Herzschmerz hat, ist in der schwächeren Position...

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    6. @Lyrikundgedanken
      Ich bewundere Dich für Deine Stärke! Dieses Gefühl, dessen Namen wir nicht aussprechen mögen - was immer es ist - tut in erster Linie weh, wenn es nicht willkommen ist, nicht geschätzt wird.

      Im Moment kann ich ihm nichts Wundervolles abgewinnen, aber ich weiss schon, was Du meinst... :)

      Aber alles hat seine Grenzen und manchmal muss man einfach loslassen. Auch wenn man es tief drin eigentlich nicht möchte.

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  4. Zu diesem Post passt so wunderbar das Zitat aus "Eat,Pray,Love" - das habe ich mir gerade selbst in meinen Kalender geschrieben, weil meine platonischen Beziehungen erstaunlich oft so enden, wie du es beschrieben hast. ;)

    "Dann fühl dich eben einsam. Versuch, damit zurechtzukommen. Studier die Einsamkeit. Setz dich einmal im Leben damit auseinander. Aber missbrauche nie wieder den Körper oder die Gefühle eines anderen Menschen als Kratzbaum für deine unerfüllten Sehnsüchte."

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    1. Es wird Zeit, dass ich das Buch mal zu Ende lese. Ich bin vor geraumer Zeit im ersten Drittel steckengeblieben!

      Ein interessantes Zitat! Danke für Deinen Kommentar!

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  5. ...ich bin ein wenig sprachlos ob deiner geschichte....so viele gleiche emotionen und gedanken...nur anders situationsbezogen.....aber wie anderrorts schon festgestellt...gibt es sehr viele paralellen in unserem leben....ich bewundere dich für deinen umgang mit worten....wohl auch deshalb weil in mir gerade eine unendliche leere und wortlosigkeit herrscht....
    fühl dich einfach umarmt....

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    1. Danke für Deine lieben Worte Worte! Ich war auch ein paar Tage sprachlos und dann habe ich begonnen zu schreiben. Und die Worte sind geflossen, ganz von allein und während ich geschrieben habe, hat sich einiges geklärt und es sind auch wieder neue Fragen aufgetaucht. Mir hilft das Schreiben.

      Lass Dich von mir umarmen und trösten!
      Alles Liebe, Rosalie

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  6. Kleine Ergänzung in eigener Sache:

    Ich habe in meinem Zweiteiler "Life Lessons" zwischen den Zeilen angedeutet, dass ich als platonische Freundin an einen Punkt gelangt bin, an dem ich mich, mein Selbstwertgefühl und vor allem mein HERZ schützen musste.

    Ich habe meine Rolle noch ziemlich lange weitergespielt und mich trotz angeknackstem Selbstwertgefühl bemüht, eine gute platonische Freundin zu sein. Aber ich konnte einfach nicht mehr länger die Frau sein, die ihn den ganzen Tag heimlich durch den Alltag begleitet, als ich nicht mehr Mittelpunkt seines Doppellebens war...

    Ich habe es in meinen Posts nur angedeutet und ich bin froh, dass mein Freund in seinem Blog nun aufzeigt, in welche Richtung seine Gedanken gehen und was letzlich dazu geführt hat, dass ich die Balance verloren habe und mich aus dieser Beziehung befreien musste. Danke Castorp.

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  7. Manchmal ist das, was einem der andere geben kann, einfach nicht genug. Das heißt nicht, dass es schlecht ist und es ist womöglich auch alles, was er einem geben kann....aber einem selbst ist es eben einfach nicht genug.... man leidet mehr darunter, als dass es einem (noch) gut tut.

    Man sagt häufig, "es ist zwar nicht das, was ich mir wünsche, aber immerhin besser als nichts", aber manchmal ist nichts doch besser - für den eigenen Seelenfrieden und um zur Ruhe zu kommen.

    Deine Geschichte erinnert mich gerade sehr an meine Geschichte...

    Ganz liebe Grüße,
    Träumerin

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    1. Liebe Träumerin

      Das ist genau das, was ich empfinde. Das hast Du wunderbar auf den Punkt gebracht.

      Ich habe immer gesagt, unsere Beziehung passte in keine Schublade. Wir waren weder ein Liebespaar, noch konnten wir zusammen eine Affäre haben und das mit der platonischen Freundschaft hat im Endeffekt auch nicht funktioniert. Wir sind gescheitert. Das heisst aber nicht, dass es schlecht war. Wir hatten tolle Zeiten. Aber es hat mich einfach zuviel emotionale Substanz gekostet.

      Manchmal fühle ich mich, als wäre ich aus einem Traum aufgewacht und reibe mir verwundert die Augen und denke: "Was war das?". Was war das denn bloss für eine seltsame Beziehung, die mich ein ganzes Jahr lang so besetzt hat? Und wieso musste alles so enden? Ich kenne niemanden sonst, der so ist wie er. Aber er ist sich ja selbst ein Rätsel.

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  8. Liebe Rosalie

    Ich hatte auch mal eine solche Bekanntschaft und habe Ähnliches erlebt wie du. Von Anfang war eigentlich klar gewesen, dass diese Art von Beziehung keine Zukunft hat. Wir begegneten uns auf einer Ebene, wie ich es sonst noch nie mit einem Menschen erlebt hatte. Ich wollte an unsere Liebe glauben. Er aber wollte oder konnte nicht mehr geben. Nach zehn Monaten Kampf, qualvollen Wartens und vielen Tränen musste ich kapitulieren und die Beziehung beenden. Ich musste mir eingestehen, dass meine Kraft nicht ausreichte und vor allem: dass ich mich über mich selber getäuscht hatte. Ich hatte mir eingeredet, eine sexuelle Beziehung wäre das, was ich suchte und wollte. Nun musste ich einsehen, dass ich meine emotionalen und zwischenmenschlichen Bedürfnisse (in meiner Ehe lief es gerade nicht so gut) auf diese Beziehung übertragen und von meinem Freund erwartet hatte, dass er diese Bedürfnisse erfüllt. Ich meine, Bedürfnisse müssen nicht gerechtfertigt werden, sie sind einfach da und jeder Mensch hat sie. Aber man sollte sich dessen bewusst sein und auch der Erwartungen, die man an eine Beziehung stellt. Ich stellte fest: ich hatte mich vor allem über mich selber getäuscht und die Ent-Täuschung war sehr heilsam! Sie hat Raum geschaffen, um meine wirklichen Probleme anzupacken.

    Ich fühle mit dir!

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  9. Liebe Rosalie,
    es steckt so viel Wahres, Nachdenkenswertes, Selbsterlebtes in Deinem Eintrag, dass ich ihn wohl noch ein paar Mal lesen muss, bis ich ihn in Gänze erfassen kann. Ja, er wühlt Einiges von damals erneut an die Oberfläche, aber es tut nicht mehr weh. Es ist einfach nur noch DA und lässt sich von allen Seiten - und vielleicht auch in neuem Licht - betrachten. Aber ich denke, es lohnt sich.
    Erst einmal danke dafür ... und bis bald.

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