Mittwoch, 5. September 2012

Ein abgelegter Ehering

Heute morgen vor Schulbeginn das Wohnzimmer hektisch nach einem funktionstauglichen Kugelschreiber abgesucht, nachdem Junior in letzter Minute ein Formular aus dem Schulrucksack gezaubert hatte, das es kurz vor Schulstart noch auszufüllen galt. Und schliesslich im Bürozimmer des Gatten fündig geworden.

Und neben dem Schreibzeug zwischen allerlei Quittungen und Papier folgendes Objekt gesichtet: Ein schlichter Platinring.

Ich habe ihm den Ring vor gefühlten zwanzig Jahren einmal an den Finger gesteckt. Ihr erinnert Euch? Habe unlängst darüber berichtet. OK, es war vor dreizehn Jahren. Hmmm... Sollte mir das zu denken geben?

Ich war etwas erstaunt. Kurz irritiert und... das war's. Kein Stich ins Herz. Statt dessen meldete sich meine innere Stimme: "Nun gut. Du hast es ja darauf angelegt. Du hast es so gewollt. Hat er heute Nachmittag nicht diese gesellschaftliche Veranstaltung?..."

Jep. Ich habe es so gewollt. Ich beklage mich ja gar nicht. Wie lange der wohl schon dort liegt? Ich habe gar nicht bemerkt, dass er ihn nicht (mehr?) trägt. Nun ja, vielleicht hat er zugenommen und der Ring ist zu eng. Oder hat er abgenommen - und er ist zu weit? Schwer zu sagen...

Ich sollte mich mal wieder achten. Ich war (bin) sehr mit mir selbst beschäftigt in letzter Zeit...

Vielleicht will er testen, wie die Damenwelt auf einen erfolgreichen Geschäftsmann reagiert, der kein "Fangeisen" trägt...  Auf jeden Fall hat er den Ring nicht abgelegt, weil er böse auf mich ist. Er fordert den abendlichen Kuss (ein flüchtiges Lippenberühren) nach dem Nachhausekommen seiner- oder meinerseits nach wie vor ein. Soviel "Normalität" muss sein.



12 Kommentare:

  1. Ich würde das nicht überbewerten. Mein Mann trägt seinen Ring oft nicht oder vergisst ihn irgendwo. Wirst Du ihn darauf ansprechen? Hat es Dich irgendwie erleichtert, den Ring zu finden?

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    1. Ich werde ihn mal gelegentlich beiläufig darauf ansprechen, ob er seinen Ring "verloren" hat...

      Und ich war weder erleichtert noch betroffen. Ich habe irgendwie "nichts" gefühlt...

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  2. Sieh Dir seinen Finger an. Als ich meinen Ring abgelegt habe hat es Enya noch zwei Wochen später gesehen, dass ich an dem Finger mal einen Ring getragen habe.
    Und das Küsschen, zwei Jahre habe ich gebraucht um mich zu überwinden mit ihr zu reden. In der Zwischenzeit sind die Küsschen, die "Liebesantworten" immer weiter gegangen.
    Wenn Du Klarheit willst rede, wenn's Dich nicht kümmert beobachte nur. Du findest schnell heraus ob es ein Versehen oder geplant war.
    Es wird noch mal ein bisschen schmerzen wenn Du feststellen solltest, dass auch er sich innerlich verabschiedet - dann geh tanzen ;-)

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    1. Er hat sich innerlich schon ein wenig verabschiedet. Die Küsschen werden weniger. Und das ist gut so.

      Und ich "tanze" schon. Immer mal wieder! ;-)

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  3. Hahahaha, ich habe meinen Ehering schon vor Jahren abgelegt. Obwohl ich noch zufrieden verheiratet bin. Hahahahaha "zufrieden" tönt gut!

    Ich brauch den nicht. Für was? Ich hab mir aber dann von meinem Mann einen andern, viel schöneren Ring kaufen lassen:-) Aber meistens lauf ich ganz ohne Ring rum.

    Stella Blue.

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    1. Immer wieder erfrischend, Deine Kommentare! :-)

      Ich habe mir auch einen schönen Ring "kaufen" lassen! Nach dem Motto: "Jetzt sind wir schon 15 Jahre zusammen und ich habe von Dir noch nie Schmuckstück geschenkt bekommen und sogar die Eheringe habe ich selbst bezahlt...

      Er ist dann mit mir zu unserem Goldschmiedfreund gefahren und ich durfte mir etwas aussuchen. Und dieser Ring bedeutet mir viel - vor allem deshalb, weil ihn unser Freund extra für mich angefertigt hat.

      LG,
      Rosalie

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  4. liebe Rosalie,

    ich denke, es kommt dartauf an, was der "Ring" in Eurer Beziehung für Euch bedeutet.
    Mir persönlich bedeutet der Ring sehr viel.....und als ich ihn damals nach 20 (nicht immer unglücklichen) Ehejahren freiwillig (du kennst ja meine Geschichte!) abgelegt habe, tat es mir fast körperlich weh.......eigentlich verrückt, da ich ja diejenige war, die unsere Ehe beendet hat.
    Und beim Lesen deines Posts habe ich gerade wieder dieses
    Gefühl nachempfunden.....das symbolisieren könnte, dass deine Ehe dem Ende zusteuert.
    Überlege und fühle in dich hinein, ob du das wirklich willst!

    alles Liebe für dich....(du kannst mir auch gerne mailen)

    Marylou

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    1. Liebe Marylou

      Ich freue mich, dass Du wieder kommentierst und Dir zu schreiben, ist etwas, was ich schon lange tun möchte! Danke für Deine Geduld! ;-)

      Meine Beziehung zu meinem Ehering ist leider schrecklich unromantisch. Ich habe ihn glaube ich sogar selbst bezahlt... Mein Mann hat damals vermutlich gesagt: Ich habe jetzt gerade die Rechnung für die Umgebungsarbeiten (Garten) bezahlt, kannst Du die Ringe bezahlen...? Und mein Ring hatte einen mickrigen viereckigen Diamanten und ich war irgendwie nie restlos begeistert. Vor zwei Jahren ist ein Stückchen rausgesplittert (Gartenarbeit...) und ein Freund, der Goldschmied ist, hat mir einen etwas grösseren, runden Stein eingearbeitet. Jetzt gefällt er mir besser, mein Ehering...

      Ist irgendwie symptomatisch für meine Ehe, diese Geschichte mit dem Ring...

      Er bedeutet mir erschreckend wenig und ich fühle auch nichts, wenn ich den abgelegten Ehering meines Gatten auf seinem Pult liegen sehe.

      Liebe Grüsse und bis bald!

      Rosalie

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  5. Liebe Rosalie,

    ich bin wieder da!
    Und werde zum ersten Mal nicht schlau aus deinen Postings ... ich muss erst draufkommen, was es ist. Der rote Faden ist irgendwie weg. Statt dessen so viele lose Puzzle-Teile ... und über allem der Eindruck, dass du dich von deinen Gefühlen distanzierst. Oder vieleher getrieben bist? Verwirrend!

    Du schreibst, dass dir das mit dem Ring egal ist. Ich würde so gerne mit dir in einem Raum sein und dich erleben, wenn du darüber redest. Denn der Grundton klingt gar nicht "egal". Allerdings sind Emails und Postings ein schwieriger Kommunikationskanal, wo man viel missdeuten kann.

    Bevor du mit Schlaftabletten anfängst, versuche bitte bitte jeden erdenklichen alternativen Weg (ausgenommen Alkohol, der ist echt keine Alternative)
    Tablettensucht ist eine schreckliche Krankheit, die bei Frauen so weit verbreitet ist.
    Und bei Schlaftabletten bleibt es nicht bei der einen. Es werden mehr. Ein Teufelskreis! Tu es nicht!!!
    Das muss doch möglich sein, draufzukommen, was dir schlaflose Nächte bereitet und das Problem, also die Ursache zu lösen und nicht das Symptom mit Tabletten zu bekämpfen.

    Irgendwas fehlt dir, nur was ist es? Ist es vielleicht "nur" der Schlaf.

    liebe Grüße, eine verwirrte Daniela

    PS: Kaffee und Tee (Schwarz und Grün) würde ich alles mal komplett streichen. Wäre mal ein Anfang.

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  6. Liebe Daniela

    Schön, dass Du wieder zurück bist!

    Mit dem Schlafen geht es ein wenig besser. Es war der emotionale Stress (Schmerz), der mich um den Schlaf gebracht hat und es hin und wieder immer noch tut. So bin ich auch diese Nacht wieder um drei Uhr aufgewacht. Aber es gibt auch wieder Nächte, in denen ich sechs, sieben Stunden schlafen kann. Und das ohne Medikamente. Schlaftabletten wären schon die ultima Ratio...

    Bist Du schon dahinter gekommen, was Dich verwirrt an meinen letzten Postings?

    Ich persönlich habe ein bisschen das Gefühl, dass ich gerade ein wenig "neben" mir stehe und meine Freundin M. hat mir gefeedbackt, dass das Bild, dass sie von mir hat, anders (viel positiver) ist, als dasjenige, das ich in meinem Blog von mir zeichne.

    Liebe Grüsse!

    P.S. Tee trinke ich gar keinen und Kaffe nur so 1-3 Tassen pro Tag.

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    1. Liebe Rosalie,
      ich muss erst wieder den richtigen Ton finden - mein Kommentar klang ein wenig harsch. War aber nicht so gemeint!
      1-3 Tassen, das ist gar nicht mal so wenig :-o

      Interessant, was deine Freundin sagt. Andererseits, vielleicht kannst du dich hier mehr "gehen lassen".

      Vielleicht ist es ja das, dass du zur Zeit viel im "echten Leben" erlebst und dass sich da viel tut und der Blog einfach nicht mitkommt? Therapie, Ehe ... es sind kleine Nuancen, aber es ändert sich.
      Du müsstest vermutlich fulltime bloggen, um den roten Faden hier online durchziehen zu können.

      In jedem Fall mag ich deine Art und bin froh, dass du nicht notwendig hast, hier nach Anerkennung zu suchen wie es andere nur zu gut können und sich damit erniedrigen. Am peinlichsten sind die (vornehmlich männlichen Blogger) aus der Kategorie "ich höre auf zu bloggen" "nein, tu's nicht". "ah echt, bedeute ich euch also doch etwas? dann lasst es mich spüren, sonst bin ich weg".

      Gleich wie du drauf bist oder was du hier schreibst, ich muss dich einfach respektieren. Das mag ich an dir!

      liebe Grüße, Daniela

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    2. Danke, liebe Daniela! Und ich mag Deine Kommentare und Du darfst ruhig frisch von der Leber weg schreiben, was Du denkst!!

      Vielleicht komme ich im Blog etwas trauriger und pessimistischer rüber, als ich im real life bin. Gegen aussen hin habe ich mein Leben ja recht gut im Griff und ich kann die "Fassade" aufrecht erhalten...

      Und ich möchte so gerne mehr schreiben, habe aber einfach zu wenig Zeit. Und da sind da noch diese ganzen dating-Anfragen und die "Verehrer", die auf ein Feedback warten und solche, mit denen ich schon korrespondiert habe und die ich nun enttäuschen muss, weil mein Bauchgefühl nach Austausch der Fotos nicht stimmt... Gar nicht so einfach. Viele machen sich Hoffnungen. :-(

      Liebe Grüsse!

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