Samstag, 22. September 2012

Gedanken über virtuelle Freundschaft und heimliche Liebe



Beim nächtlichen Surfen bin ich vor ein paar Tagen bei der  Schattentänzerin über eine grossartige Post-Trilogie gestolpert, die mich sehr bewegt hat.

Es hat mich in Teilen an meine eigene Geschichte erinnert und gewisse Gefühle wieder an die Oberfläche befördert. Gefühle, die ich in letzter Zeit sorgsam unter dem Deckel gehalten habe und von denen ich gehofft hatte, dass sie sich nun endlich still halten und Ruhe geben würden. Aber es ist noch einmal vieles hoch gekommen und ich habe es mir von der Seele geschrieben und neue Erkenntnisse gewonnen. Im schriftlichen Austausch aber auch durch das niederschreiben selbst. Ich habe dieses Post verfasst, es in den Entwürfen belassen und immer wieder darüber nachgedacht. Ich habe es x-mal geändert und vieles gelöscht und nun meine neusten Erkenntnisse, die ich durch die Vorkommnisse der letzten Tage gewonnen habe, einfliessen lassen. 

Was die Schattentänzerin in ihrer Trilogie beschreibt und die schonungslose Analyse und die Art und Weise, wie sie das Geschehene reflektiert, hat mich tief beeindruckt. Es geht um eine Partnerschaft, die in Schieflage geraten war, um die heimliche virtuell-platonische Liebe zu einem verheirateten Mann  und um einen Verehrer, der zunächst virtuell und schliesslich auch im realen Leben die Funktion des Seelentrösters bzw. "Sinnfinders" übernommen und schlussendlich das Ende der Partnerschaft besiegelt hat. Es geht um all diese Themen, die uns so beschäftigen: um langjährige Partnerschaften, die nicht mehr erfüllend sind, um heimliche Lieben, unerfüllte Sehnsüchte, Moral, Treue, Konventionen, offene Beziehungen und alles, was damit zusammen hängt. 

Die Schattentänzerin wirft viele Fragen auf, die ich mir auch gestellt habe und teilweise immer noch stelle. Fragen, auf die ich keine Antwort gefunden habe, die mich haben zweifeln (und zeitweise auch verzweifeln) lassen. 

Regelmässige Leser meines Blogs wissen, dass es in meinem Leben bis vor ein paar Wochen auch eine heimliche "Liebe" gab. Ich setze das Wort in Anführungszeichen, weil ich nicht wirklich weiss, ob es eine Liebe war, obwohl es nie eine hätte sein dürfen. Oder ob es einfach eine zeitlich begrenzte besondere Freundschaft war. Ich habe meine eigene Geschichte zum Thema "virtuelle Freundschaft und heimliche Liebe" vor ein paar Wochen in meinen beiden Posts Life Lessons aufgeschrieben. 

Vielleicht ist dieses Post hier der Versuch einer Nachbetrachtung. Aber ich tue mich sehr schwer damit. Weil ich vieles bis heute nicht genau verstehe. All die Fragen, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe und wohl auch nie eine finden werde, weil ich diese Beziehung bis heute nicht richtig einordnen kann. Ich weiss, dass sie mich seit nunmehr 15 Monaten beschäftigt und dass diese Beziehung bzw. dieser Mann über viele Monate ein fester Bestandteil meines Alltags war, wenn auch die meiste Zeit davon nur in virtueller Form! 

Aber was war er eigentlich für mich? Was war ich für ihn? Was war das eigentlich für eine seltsame Beziehung? War es Liebe? Wenn ja: einseitig oder gegenseitig?  Oder habe ich mich einer Illusion hingegeben und all meine Sehnsüchte auf eine Person projiziert, die in der Realität so gar nie existiert hat? Und wieso konnte ich diese Beziehung so lange nicht beenden, obwohl ich doch gemerkt habe, dass sie mir längst nicht mehr gut tat und dass ich das, was ich gesucht und ersehnt hatte, nicht bekommen würde? Und weshalb hat das so weh getan, als es zu Ende war? Weshalb hat mich das Ende und die Art und Weise wie die Beziehung geendet hat, so tief erschüttert? Wieso ist mir das alles derart nahe gegangen, dass mein Herz im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Takt geraten ist? So viele Fragen...

In der  Zwischenzeit hat die Schattentänzerin ein weiteres Posting über die heimliche Liebe aufgeschaltet und ihre persönliche Nachbetrachtung und die Post-Trilogie über die heimliche Liebe ist etwas vom besten und hilfreichsten, was ich zu diesem Thema bisher gelesen habe.  Sie erwähnt in ihren Texten auch zwei Bücher, deren Lektüre  ihre Handlungsweise beeinflusst und damit den weiteren Verlauf des "Dramas" mitbestimmt  haben.



Eines davon ist das Buch  

"Die heimliche Liebe" von Wolfgang Schmidbauer 

Der Autor schreibt unter anderem folgendes: 

„Die heimliche Liebe kann gelingen, das ist weder unmoralisch noch unmöglich. Aber eine Einschränkung gilt doch: Die heimliche Liebe setzt, nicht anders als der konstruktiv gelebte Ehealltag, ein Mindestmaß an Reife, an Vernunft, an Bereitschaft voraus, Grenzen zu akzeptieren und sich in menschliche Belastungen einzufühlen. Sie wird riskant, wenn sie versucht, sich wichtiger zu machen als die Hauptbeziehung, und nur zustande kommt, indem diese entwertet wird.“
„Die heimliche Liebe ist weder ganz gut noch ganz böse, sondern eine gemischte Erfahrung für das Paar – aufgedeckt wie nicht aufgedeckt. Nicht aufgedeckt, bietet sie dem einen Partner seinen ersehnten Freiraum, eine Möglichkeit, Neues zu erleben oder alte Erlebnisse aufzufrischen, die (gemessen an der Realität des Paares) nur ihm gehören. Er kehrt erfrischt, entspannt, bereichert an den gemeinsamen Tisch und in das gemeinsame Bett zurück, um so ausgeprägter, je weniger ihn Schuldgefühle plagen und je mehr er von Herzen überzeugt ist, dass das, was er tut, zwar von ihm verantwortet werden muss, aber allein in seiner Verantwortung liegt.

Andererseits geht dem ‚öffentlichen‘ Partner Zeit verloren, wird ihm Libido entzogen, wird ihm vielleicht eine erotische Steigerung vorenthalten, die in der heimlichen Liebe besser gelingt, weil in ihr kein Alltag beschwert. Die Fluchtmöglichkeit kann dazu führen, dass der heimlich Liebende mit mehr Stabilität und Ausdauer seine feste Beziehung führt, als es ihm sonst möglich wäre; sie kann aber auch dieser Beziehung so viel Energie entziehen, dass zu wenig davon übrig bleibt. Gerade die Unsicherheit, ob die nützlichen oder schädlichen Aspekte für die öffentliche Beziehung überwiegen, ist in der heimlichen Liebe groß.“
Der Autor spricht hier explizit von Liebe. Es geht also um eine heimliche (Neben-)Liebe ausserhalb der Ehe oder Partnerschaft und nicht um eine unverbindliche Bettgeschichte, die man ohne Herzschmerz wieder beenden kann. Aber gilt das auch für platonische Beziehungen in der virtuellen Welt? 

Ich habe mich in der Vergangenheit oft gefragt, ob man für einen virtuell-platonischen Schreibfreund genauso starke Gefühle empfinden kann wie für einen realen Geliebten. Und ob ein intensiver schriftlicher Gedankenaustausch nicht zwangsläufig darauf hinausläuft, dass sich irgendwann eine Zuneigung entwickelt in deren Verlauf sich eine Sehnsucht nach körperlicher Nähe einstellt. Und ob eine intensive platonisch-virtuelle Beziehung wirklich nicht den selben Stellenwert hat wie ein realer Seitensprung, wenn der Sex nicht real stattfindet, sondern  "nur" in virtueller Form ausgelebt wird. 

Ich bin zum Schluss gekommen, dass es letztlich gar nicht relevant ist, ob es sich um eine virtuell-platonische Liebe oder Beziehung handelt, die von der grossen emotionalen Nähe lebt, die durch den intensiven Gedankenaustausch  entsteht, oder um eine Affäre im "klassischen" Sinne. Die Reaktion des Lebenspartners der Schattentänzerin auf die Offenlegung der virtuell-platonischen Beziehung zu ihrem "Geschichtenerzähler" zeigt, dass der Vertrauensmissbrauch  genauso stark empfunden wird wie bei einem realen Seitensprung. In gewisser Weise vielleicht sogar noch stärker, weil es nicht bloss um die Befriedigung des Sexualtriebs geht.

Die Schattentänzerin schreibt dazu folgendes:


"Ich hatte zwar keine sexuelle Affäre, sondern nur eine virtuell-platonische, doch in ihrem emotionalen Gehalt und ihrer Bedeutung stand diese einem echten Seitensprung in nichts nach, zumal mir vollkommen klar war, dass mein Partner niemals damit einverstanden gewesen wäre, dass ich den Kontakt zu jenem anderen Mann nach unserem Abschied im Frühjahr heimlich wieder aufgenommen hatte."


Aufgrund meiner eigenen (schmerzhaften) Erfahrungen habe ich grossen Respekt vor solchen virtuell-platonischen Affären, bei denen Sex ein Thema ist. Man kann sich gefühlsmässig weit stärker darin verstricken als einem lieb ist.

Gefährlich wird es dann, wenn eine solche Beziehung nicht von beiden aus der selben Motivation heraus eingegangen wird und vor allem wenn die beiden Beteiligten letztlich nicht das Gleiche suchen und/oder wenn einer der beiden Partner nicht wirklich "frei" ist. 

Wenn der schriftliche Austausch in Form von Mails, SMS oder Chat auf gleicher Augenhöhe stattfindet und man auf ein Gegenüber trifft, das einem intellektuell herausfordert, entsteht eine "trügerische" Nähe. Ich habe es gerade wieder in den letzten Tagen erlebt im Chat mit Paul, den ich ja seit 23 Jahren nicht mehr gesehen habe und auf der Strasse vielleicht sogar auf Anhieb nicht mehr erkennen würde und auch im Austausch mit einem Mann, über den ich noch sehr wenig weiss. 

Im schriftlichen Austausch neigt man dazu, viel von sich preiszugeben und Einblick in sein Seelenleben zu gewähren. Tiefer als man das in der Regel im Gespräch mit einer Affäre zu tun pflegt, die man im realen Leben kennenlernt und die von einer metaphysischen Anziehung lebt. 

Wenn man das Pferd jedoch von hinten aufzäumt, sich also in der virtuellen Welt kennenlernt, sich schreibend nahe kommt und dann erst im real life zusammen im Bett landet, dann hat das eine ganz andere Qualität und einen anderen Impact als ein unverbindliches Sexabenteuer. So habe ich es empfunden.

Wenn der schriftliche Austausch täglich stattfindet und man sich gedanklich so intensiv mit seinem Gegenüber beschäftigt, läuft es meines Erachtens quasi unweigerlich darauf hinaus, dass man sich verliebt, denn eine gewisse Anziehung oder eine Faszination oder sowas wie eine Seelenverwandtschaft ist in einer solchen virtuellen Beziehung immer vorhanden, sonst würde man die Lust am intensiven Austausch bald einmal verlieren. Und wenn eine solche Affäre über viele Monate hinweg Bestand hat, verliert man irgendwann sein Herz an das virtuelle Gegenüber und man empfindet Liebe, auch wenn man das Gefühl lieber als Zuneigung, Sympathie oder Freundschaft bezeichnet. Das geschieht unmerklich und schleichend und plötzlich ist es zu spät. Dann macht sich Sehnsucht breit und es wird immer schwieriger, sich abzugrenzen. 

Aber letztlich projiziert man diese ganzen unerfüllten Sehnsüchte und sexuellen Phantasien auf ein virtuelles Gegenüber, das man nicht wirklich richtig kennt. Das Gegenüber mutiert zu einem Avatar-Partner, der in einer Scheinwelt existiert, ist aber in Tat und Wahrheit ein Mensch aus Fleisch und Blut, der  irgendwo geografisch mehr oder weniger weit entfernt auf der Erde ein Doppelleben führt und vielleicht gerade mit seiner Ehefrau und den Kindern am Frühstückstisch sitzt. 

Diese starke emotionale Nähe und Vertrautheit kann so trügerisch sein! Man geht automatisch davon aus, dass das Gegenüber genauso empfindet. Genauso stark empfinden muss! Und zeitweise hat man sogar das Gefühl, dass man mit ihm sprechen kann wie mit sich selbst. Und das kann sich irgendwann als schmerzvoller Trugschluss herausstellen... Denn eines sollte man sich bewusst sein: man kennt diesen anderen Menschen nicht wirklich! Man kennt zwar seine innersten Gedanken, seine Träume und Phantasien - aber sein Alltagsgesicht bleibt einem verborgen. Oder man kennt es viel zu wenig. Und das führt dazu, dass man sein Gegenüber auf seine Gedankenwelt "reduziert" und idealisiert! Es entsteht ein Idealbild, das dem realen Menschen nicht standhält, nicht standhalten kann!

Vielleicht empfindet man deshalb unbedachte und unachtsame Bemerkungen so stark, weil man dieses abgeklärte Idealbild im Kopf hat und nicht wirklich weiss, in welcher Alltagssituation oder in welcher seelischen oder körperlichen Verfassung sich das Gegenüber gerade befindet? 

Man interpretiert oft falsch. Wie soll man denn wissen, dass das Gegenüber gerade total im Stress ist oder sich krank fühlt, wenn nichts davon in den schriftlichen Austausch einfliesst?

In meinem Fall führten kurze persönliche Treffen, die jeweils kaum länger als ein, zwei Stunden dauerten insbesondere in den Anfängen unserer Beziehung zu einer gewissen Irritation! Mein reales Gegenüber strahlte nicht die selbe Vertrautheit aus, die mir seine Nachrichten auf meinem Handydisplay vermittelte. Vielleicht schenkte ich diesem Gefühl zu wenig Beachtung... aber die Irritation hielt sich jeweils nur so lange, bis das nächste SMS eintraf: und dann war sie wieder zurück: Die alte Vertrautheit, die mir im Rückblick so trügerisch erscheint. Erst ganz am Schluss unserer Beziehung fühlte ich diese Vertrautheit auch dann, als wir physisch Zeit miteinander verbrachten.

Eine solche Beziehung zu unterhalten, erfordert von beiden Partnern ein hohes Mass an Verantwortungsbewusstsein, Aufmerksamkeit und vor allem Achtsamkeit. Und letztlich ist dies wohl eine Überforderung für alle Beteiligten. In der Realität ist es allzu oft so, dass diese Beziehungen in Schieflage geraten, weil ein Ungleichgewicht entsteht und einer der beiden Partner sich überlegen fühlt und das ist in der Regel derjenige, der in einer stabilen Partnerschaft lebt und ein geringeres Liebesbedürfnis hat. Und diese vermeintlich stärkere Position wird gerne (bewusst oder allenfalls auch unbewusst) ausgenutzt und der schwächere Partner wird verletzt oder brüskiert. Und gerade weil es in diesen virtuellen Beziehungen eine so starke emotionale Nähe gibt, sind solche Verletzungen besonders schmerzhaft und gehen an die Substanz.

Ich habe in meinem Leben sexuelle Beziehungen bzw. Partnerschaften geführt, die mehrere Monate gedauert haben und die ich nicht annähernd so intensiv erlebt habe wie diese virtuell-platonische Beziehung, die kürzlich zu Ende gegangen ist. Und die Gefühle nach dem Ende der virtuellen Beziehung sind so viel stärker als diejenigen, die ich nach dem Zerbrechen gewisser realer "Liebesbeziehungen" empfunden habe. Das hat mir sehr zu denken gegeben.


Der intensive tägliche Austausch mit meiner heimlichen "Liebe" hat bei mir dazu geführt, dass ich mich noch mehr von meinem Ehemann entfernt habe. Sie hat meiner Ehe wohl den Todesstoss versetzt. Nicht nur deshalb, weil mich meine heimliche Beziehung viel Zeit gekostet  und mich gedanklich absorbiert hat, sondern weil ich erkannt habe, dass es zwischen Mann und Frau eine emotionale Nähe geben kann, die ich so noch nie erlebt hatte. Ausser vielleicht damals in meinen jungen Jahren mit Paul, mit dem mich die  Leidenschaft für das Schreiben verband. 

Man sollte sich bewusst sein, worauf man sich einlässt, wenn man eine virtuelle Beziehung eingeht. Anfangs ist man cool und steht über den Dingen. Frei nach dem Motto "alles kann, nichts muss"... und überhaupt ist doch alles ganz "unverbindlich"! Aber es wäre naiv zu glauben, dass man sich der Faszination einer solchen Beziehung längerfristig mit der notwendigen Distanz widmen kann. Und irgendwann wird aus Faszination ein Gefühl von Zuneigung. Aber diese Liebe projiziert man auf einen Menschen, den man nur oder zumindest hauptsächlich im virtuellen Alltag erlebt... und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass diese Verbundenheit den Herausforderungen des echten Lebens gewachsen sein wird. 


Und eines ist klar: Der Ehepartner des glücklich verheirateten Gegenübers wird immer an erster Stelle stehen und im Ernstfall wird eine heimliche Liebe von heute auf morgen beendet und man besinnt sich einseitig auf die anfängliche Unverbindlichkeit zurück. Die Person, die alleine zurückbleibt, fühlt sich im Stich gelassen und diese ganze innige Verbundenheit ist mit einem Schlag nichts mehr wert und es entsteht eine innere Leere und ein Schmerz, der einen in den Grundfesten erschüttert. 

Von einem virtuellen Idealbild Abschied zu nehmen ist genauso schwierig, wie sich von einem realen Partner zu trennen. Vielleicht sogar noch schwieriger... Denn selbst wenn die nüchterne Betrachtung der Umstände es einem leichter machen müsste, die Vergangenheit loszulassen, neigt man doch immer wieder dazu, das Idealbild aufrecht erhalten zu wollen. Täte man dies nicht, müsste man sich eingestehen, dass man sich in seinem Gegenüber getäuscht hat und seiner eigenen Wahrnehmung nicht länger vertrauen kann. Und diese Erkenntnis ist so schmerzhaft, dass man sie lieber verdrängt, weil sie nur schwer auszuhalten ist. 

Vielleicht hinkt der Mensch mit seiner Wahrnehmungsfähigkeit diesen blitzschnellen modernen Kommunikationsmitteln (Mail, SMS, Chat) hintendrein und ist letztlich mit der virtuellen Welt überfordert, wenn es um uralte menschliche Grundbedürfnisse wie die Sehnsucht nach Nähe und Liebe geht...



50 Kommentare:

  1. Liebe Rosalie, es gibt einen Grund, warum man sich per SMS und Email so "befeuert" fühlt. Ich glaube ich habe es früher schon mal kommentiert: co-abhängiges Verhalten liegt dem Zugrunde: man fühlt sich in der Nähe in der Distanz geborgen und verstanden.

    Hat dich nicht irritiert, dass der Mann, der in Mails so glänzte im echten Leben ein Schatten dessen war, was er im Netz vorgab zu sein? Er hat dich doch enttäuscht. Ich finde es interessant, dass du ihm "eine Chance" eingeräumt hast und dich an ihn gewöhnt hast.

    Ich misstraue jeglicher Form von Email, SMS etc Beziehungsanbahnung und Beziehungsführt. Manmuss nicht lange suchen, um das immer wieder zu finden im Netz - auch bei Blogs die du abonniert hast: wie zwei sich in eine Projektion verlieben und das echte Leben einfach nicht erfüllt was der Schein vorgespiegelt hat. Womit wir wieder beim Narzismus wären. Hat dir das Buch, von dem du vor nicht allzulanger Zeit begeistert berichtet hast weitergeholfen?

    Ah ja, du hast unlängst geschrieben, dass du das Gefühl hast, dass sich dein Therapeut auf die Sitzungen freut. Ich hatte das auch mal - das Gefühl, dass der Therapeut "gespannt ist wie es weiter geht". Da habe ich die Therapie abgebrochen. Ich empfand das Verhalten nicht professionell. Vielleicht weil man sich als Patient unbewusst dazu bemüßigt fühlt, "Stories" abzuliefern? Entwicklungen und Verbesserungen zu bringen?! Ihn zu unterhalten?!?!

    zurück zu deinem heutigen Thema: ich mag Enttäuschungen. Wenn die Täuschung der Erkenntnis weicht.
    liebe Grüße, Daniela

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    1. Liebe Daniela

      Ich halte es nach wie vor für eine grosse Chance, einen Mann über das Schreiben kennenzulernen und es wäre ja auch durchaus möglich, dass diese Nähe, die beim Schreiben entsteht, beim ersten persönlichen Treffen spürbar ist. Dass man aufeinander zugeht und sich umarmt und nicht "fremdelt". Aber das hängt wohl vom Charakter der jeweiligen Person ab. Manche Menschen sind da sehr offen, andere eher schüchtern und zurückhaltend.

      Ich habe nie den Eindruck gehabt, dass meine heimliche Liebe mir etwas vormacht. Er war bzw. ist halt einfach eine komplexe Persönlichkeit mit vielen, teilweise auch gegensätzlichen Facetten. Ich habe das als Herausforderung betrachtet. Ich bin ja auch nicht 0/8/15... ;-)

      Aber er wusste natürlich schon, wie er mich bei der Stange halten konnte, damit ich das Interesse an unserer Beziehung nicht verliere und es war auch lange Zeit nicht so klar, dass ich das, was er mir vorenthielt und was ich eigentlich gesucht und ersehnt hatte, nicht bekommen würde... Er war hin- und hergerissen bzw. hat mir diesen Eindruck vermittelt. Mein Interesse an ihm beflügelte sein Selbstwertgefühl, während er mein eigenes Selbstwertgefühl durch sein Verhalten auf eine harte Probe stellte...

      Der Austausch war dennoch lange Zeit auf Augenhöhe und das Ungleichgewicht hat sich erst in den letzten Monaten eingestellt, insofern habe ich es nie als Abhängigkeit oder Co-Abhängigkeit empfunden.

      Als ich Deinen Kommentar gelesen habe, ist mir der Gedanke gekommen, dass man sich ja eigentlich auch in eine Projektion verlieben kann, wenn man jemanden im realen Leben kennenlernt! Eigentlich ist es doch oft so, dass man nach dem ersten Kontakt erst mal begeistert ist und ganz viele Sehnsüchte auf diese Person projiziert, und wenn man sich dann besser kennenlernt, weicht die anfängliche Begeisterung oft einer gewissen Ernüchterung und die rosaroten Wolken verpuffen allmählich...

      Das virtuelle Kennenlernen bietet auch die Chance, einen Menschen näher kennenzulernen (hinter die Kulissen zu blicken), den man im echten Leben sonst vielleicht "übersehen" hätte. Ich werde mich allerdings davor hüten, mich auf diese Weise noch einmal mit einem Mann einzulassen, der glücklich verheiratet bzw. nicht erhältlich ist!

      Über das Buch zum Thema weiblicher Narzissmus werde ich berichten, sobald ich es fertig gelesen bzw. gehört habe... ;-)

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

      P.S. Deine Bemerkung zur Therapie bezieht sich auf mein vorheriges Post (das volle Leben) und ich habe Deinen Kommentar dort beantwortet. :-)

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  2. PS: der Mensch ist in seiner Natur ein imitierendes Wesen. Vielleicht stiften Blogs, wo man über Untreue und Affairen liest dazu an, es den anderen gleichzutun?

    liebe Grüße, Daniela

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    1. Für mich war es eher eine Entlastung zu sehen, dass es, nachdem mir meine heimliche Liebe nun schon einmal wiederfahren war (und sie hatte mich wirklich kalt erwischt, ich hatte es keinesfalls darauf angelegt), auch andere Menschen gab, die sich mit ähnlichen Erfahrungen herumschlugen.

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    2. @Daniela

      Ich habe es auch so empfunden wie die Schattentänzerin und was ich auf den anderen Blogs darüber gelesen habe, hat mich letztlich dazu motiviert, mein Geheimnis zu lüften und darüber zu schreiben. Ich habe ja lange Zeit nur vage Andeutungen und kryptische Bemerkungen gemacht...

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  3. Liebe Rosalie, das ist ein wunderbarer Blogeintrag!
    So viele Wahrheiten.. und ein paar Dinge, die mich auch wieder in meiner Beziehung bestärken und beruhigen. Denn bei mir ist es momentan genau umgekehrt.. das Virtuelle, das tägliche Telefonieren, die SMSen und Emails, die reichen mir nicht, ich habe Trennungsgedanken, denke, ich bin nicht gut genug, er aber noch schlechter für mich.. mache mich fertig, steigere mich da hinein - bis wir uns wiedersehen und alles gut ist! Wenn es umgekehrt wäre - klares Zeichen - dann wäre unsere Beziehung nicht so lange gutgegangen.
    Aber ich habe auch meine beste Freundin in deiner Schilderung wiedererkannt.. eine langjährige (viele, viele Jahre) platonische Emailbeziehung zu einem Mann, den sie zwar persönlich kannte, sie haben sich sogar ab und zu gesehen, aber meist in Begleitung der jeweiligen Ehepartner, aber der Kontakt fand ansonsten nur per Mail statt, viele Mails, mehrere täglich, Gedankenaustausch bis ins Innerste, jeder wusste alles vom Gegenüber, es entstand eine tiefe, überlebenswichtige Beziehung, denn beide Personen waren im echten Leben gefangen in einer Ehe, die -sagen wir es nett- unbefriedigend war (im Fall meiner Freundin für mein Empfinden sogar unerträglich), diese Mails haben beide überleben lassen. Dann irgendwann nach langer Zeit kam es endlich auch einmal zu einem gemeinsamen Wochenendausflug, ein romantisches Hotel, schöne Umgebung, endlich auch Sex, der wohl wirklich außergewöhnlich erfüllend gewesen sein muss, beide haben diese Zeit mehr als genossen, auch die Zeit danach - es gab kein Fremdeln, gar nichts. Irgendwann aber hat die Ehefrau aber davon erfahren, es kam zu häßlichen Szenen, meine Freundin hat sich zurückgezogen - und jetzt kommt der Clou: sie und ihr Ehemann haben wieder zueinander gefunden! Das hat zwar nach der Affäre noch ungefähr ein Jahr gedauert, aber sie haben doch festgestellt, dass sie zusammen sein WOLLEN und nicht nur müssen. Wobei er allerdings angeblich nichts von der Affäre weiß (was ich nicht glaube - ich denke, der Schubs hat oder hätte ihm auf jeden Fall nicht geschadet).
    Letztendlich denke ich, dass die Beziehung, die Du geführt hast (und die Beziehung meiner Freundin zähle ich auch zu dieser Art) auch eine Sucht ist. Und Projektion. Das Gegenüber kann sich ja auch gar nicht wehren gegen die tollen Dinge, die man in ihm sehen will. Unfair dem Anderen gegenüber, sicher, aber auch eine gute Art für einen selbst, den Alltag zu überstehen. Und natürlich eine harte Nuss für den Ehemann (eigene Erfahrung, aber das führt jetzt zu weit..).
    Daniela muss ich aber auf jeden Fall zustimmen, was die Beziehung zum Therapeuten angeht. Auch wenn es noch so angenehm scheint - das führt in die falsche Richtung.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

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    1. "Letztendlich denke ich, dass die Beziehung, die Du geführt hast (und die Beziehung meiner Freundin zähle ich auch zu dieser Art) auch eine Sucht ist. Und Projektion. Das Gegenüber kann sich ja auch gar nicht wehren gegen die tollen Dinge, die man in ihm sehen will. Unfair dem Anderen gegenüber, sicher, aber auch eine gute Art für einen selbst, den Alltag zu überstehen. Und natürlich eine harte Nuss für den Ehemann (eigene Erfahrung, aber das führt jetzt zu weit..)."

      Liebe Frau Vau, das ist ein wahrlich sehr wichtiger Absatz.
      Die Lösung wird nicht mitgliefert, aber das Problem sehr gut beschrieben.
      Immer diese Projektionen!

      liebe Grüße, Daniela - die zur Zeit unglaublich tolle Dinge in einen Mann sieht, der sich vermutlich bald nicht mehr zu helfen weiß. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihm meine SMS gefallen, ich sollte mich weniger oft melden.

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    2. @Frau Vau

      Danke! Ich freue mich, dass mein Posting Dich angesprochen hat! :-))

      Es ist sicher so, dass diese virtuelle Beziehung mich eine gewisse Zeit lang von meinen Alltagsproblemen abgelenkt und mich auch beflügelt hat. Ich habe diese Aufmerksamkeit sehr genossen und vor allem auch den intellektuellen Austausch und ich habe viel gelernt. Anderseits war diese Beziehung für uns beide manchmal auch eine Belastung, weil wir ja wussten, dass sie letztlich nirgends hinführt und irgendwie war sie weder Fisch noch Vogel... Keine richtige Affäre, aber auch keine unbeschwerte Freundschaft.

      Das Ganze hatte natürlich auch einen Suchtaspekt! Dieses x-mal täglich das Zweithandy checken, dieses ungeduldig auf die nächste Nachricht warten, der kleine "Herzhüpfer", wenn auf dem Display eine neue Nachricht (oder sogar 2 oder 3!) angezeigt wurden, das alles war schon sehr spannend. Und die anschliessende Leere, als die Nachrichten ausblieben, hatte was von einem Entzug.... cold turkey...

      Unglaublich, was Deine Freundin da erlebt hat. Ein so intensiver Austausch über Jahre hinweg! Und letztlich ist diese Beziehung doch zerbrochen und ihre Geschichte hat eine überraschende Wendung genommen! Verrückt, wie das Leben manchmal spielt!

      Dir wünsche ich, dass Deine Fernbeziehung weiterhin gelingt und ihr Euch öfters sehen könnt! Ich stelle mir vor, dass die persönlichen Treffen dafür sehr intensiv sind - aber diese Sehnsucht nach körperlicher Nähe, wenn er geografisch so weit entfernt ist, ist sicher manchmal nur schwer auszuhalten und dieses ewige Warten und Wochen zählen ist vermutlich oft auch zermürbend, nicht wahr?

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

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    3. Sehr.. und ganz oft denke ich auch, ich schaffe es nicht.. aber irgendwie geht es doch! Wir haben ein gemeinsames Ziel, bis dahin müssen wir durchhalten - und vielleicht ergibt sich alles schon schneller als geplant, vielleicht geht alles schief, wer weiß, aber bis dahin sind wir zusammen und alles ist gut! Solange es uns beiden mehr gut tut als schadet..

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  4. Ein hervorragender Beitrag, sehr sachlich. Mein Kompliment, @Rosalie.

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    1. @Menachem

      Danke!! Ich freue mich sehr über dieses wertschätzende Feedback! :-))

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  5. Liebe Rosalie,

    ich glaube dir, dass du lange an dem Posting gesessen bist. Wohlüberlegte Worte.
    es gibt diese eine Stelle im heutigen Posting, die mir aufstösst:

    "Und eines ist klar: Der Ehepartner des glücklich verheirateten Gegenübers wird immer an erster Stelle stehen und im Ernstfall wird eine heimliche Liebe von heute auf morgen beendet"

    Wenn zwei Menschen sich aufrichtig aufeinander einlassen, ist am Ende nichts mehr wie es vorher war. Wieso konntest du dir so sicher sein, dass er sich nicht in dich verlieben kann und seine Ehefrau immer Nr 1 sein wird.
    Bei dir hat die Affaira ja viel in Bewegung gebracht.
    Es liest sich, als wärt ihr nicht auf Augenhöhe, gleichauf, gewesen, obwohl ihr beide als verheiratete Menschen - also gleichwertig - die Affäre begonnen habt.

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    1. Liebe Paula

      Ich wollte damit eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass man sich bewusst sein muss, dass man ein Doppelleben führt und dass das Alltagsleben immer Vorrang hat.

      Die Rahmenbedingungen waren immer klar und ich wusste ja, dass er seine Frau nie verlassen wird. Damit konnte ich leben. Und ja... er hatte Angst, sich in mich zu verlieben und das war ja auch der Grund, dass unsere Beziehung nur noch platonisch sein durfte...

      Und damit habe ich gehadert... weil ich diese Sehnsucht hatte. Für ihn war es viel einfacher. Er hatte zu Hause ein "emotionales Auffangbecken". Das hat mir in meiner Ehe gefehlt. Ich war allein. Und aus diesem Grund werde ich mich nie mehr auf eine virtuelle Affäre mit einem glücklich verheirateten Mann einlassen... ;-)

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  6. Ganz ganz toller Post, Rosalie......ich kann mich total darin wiederfinden. Ausser dass meine virtuelle Liebe nicht gebunden war, er war frei, und trotzdem kam es zu dem hässlichen Ende.

    Womit ich Dir u. a. auch uneingeschränkt Recht geben muss ist die Tatsache, dass auch mich dieses Ende härter getroffen hat als manches Ende einer echten Beziehung oder Affäre. Und das erschreckt mich heute noch.... wie einem ein Mensch dermaßen ans Herz wachsen kann, nur durch Worte im Chat, in Mails und am Telefon (wir haben auch sehr viel telefoniert). Wir haben uns nur einmal gesehen, aber dieses eine Mal, die Umarmungen, sein Geruch, sie haben sich eingebrannt in meinem Herzen, in meiner Seele, wie ich es zuvor nicht kannte. Manchmal denke ich, das Gefühl kann nie mehr getopt werden. Und wir hatten keinen Sex, wir haben uns an einem öffentlichen Ort getroffen, ganz unschuldig. Wie es gewesen wäre, wäre wir uns körperlich noch näher gekommen, mag ich mir gar nicht vorstellen, fühlte es sich jetzt ja schon so an, als wäre mir ein Teil meines Herzens amputiert worden.

    Liegt es vielleicht am Alter? Daran, dass wir jetzt so genau wissen, was wir nicht (mehr) wollen, dass es dann, wenn einem (wie wir denken) der richtige begegnet, es dermaßen reinhaut? Oder dass man bislang einfach nie den richtigen Partner hatte? Weil man so etwas in einer realen Beziehung noch nie empfunden hat, diese geistige und seelische Nähe, diese Sehnsucht nach dem anderen? Noch nie zu jemandem, der dicht neben einem saß, aber eben zu diesem jemand am anderen Ende der Leitung (Internet/Telefon)?

    Fragen über Fragen, die ich mir auch nach wie vor immer wieder stelle.

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    1. @ Somedreamsareforever

      Danke für Deine anerkennenden Worte und für diesen wertvollen Kommentar! Ich habe mich oft gefragt, ob ich überreagiert habe, ob meine Reaktionen im Zusammenhang mit dem Ende meiner virtuellen Beziehung der Situation nicht angemessen gewesen sind... aber Deine Worte bestärken mich darin, dass ich mit meinen Empfindungen nicht total daneben lag, weil es Dir ähnlich ergangen ist.

      Ganz offensichtlich gehen einem solche Schreibfreundschaften sehr nahe, selbst dann, wenn es nicht zu einem sexuellen Kontakt kommt! Und was daraus wird bzw. wie es endet, hat offensichtlich nicht nur damit zu tun, ob das Gegenüber in einer Beziehung lebt oder nicht. Es ist natürlich besonders bitter, wenn die andere Person eigentlich "frei" wäre und sich trotzdem zurückzieht und noch dazu auf eine so unschöne Art, wie Du es erlebt hast.

      Du fragst Dich, ob es mit unserem Alter zu tun hat. Das ist gut möglich. Vor 20 Jahren wusste ich persönlich noch viel weniger als heute, wer ich bin und was ich will. Heute habe ich auch andere Ansprüche an einen Seelentröster oder an einen Partner als damals. Es hat wohl mit Lebenserfahrung und persönlicher Reife zu tun. Aber ich denke, es ist auch eine Frage der Möglichkeiten, die sich uns heute bieten! Man kann sich auf diesen Portalen den geeigneten Kandidaten herauspicken... oder aber das Schicksal entscheidet (so war es bei mir) und man wird "gefunden".

      Aber weisst Du, was die gute Nachricht ist? Auch wenn man das im Moment der Trauer und der Enttäuschung nicht glauben mag und es vielleicht ein bisschen oberflächlich klingt... aber ich denke, es lässt sich wiederholen!

      Es gibt noch mehr Männer, die schreiben können, die sensibel und tiefgründig sind und mit denen man eine emotionale Nähe aufbauen kann! Man muss einfach eine Weile Geduld haben, bis man auf den Richtigen trifft! Und man muss wählerisch sein! Man muss unter Umständen viele Männer enttäuschen ("aussortieren"), auch solche, die schreiben können... aber man merkt rasch, ob sich eine Faszination entwickelt oder ob einem nach drei, vier Mails der Text ausgeht. Und man wird beim nächsten Mal gewisse "Fehler" vielleicht nicht mehr machen und vorsichtiger und aufmerksamer sein...

      Ich habe mir einfach die Frage gestellt: Soll ich dieser für mich so wertvollen Beziehung jetzt einfach noch monatelang nachtrauern, leiden und hadern? Oder versuche ich, das Ende zu akzeptieren (es bleibt mir letztlich auch nichts anderes übrig...), die schönen Momente in Erinnerung zu behalten und mich neu zu orientieren? Mir einen neuen "Seelentröster" zu suchen und mich auf ein neues Abenteuer einzulassen, das vielleicht ebenso prickelnd aber letztlich auch erfüllend sein wird? Ich war lange genug traurig und nun habe ich mich für Variante 2 entschieden und es zeichnet sich etwas ab, was mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert und mich vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken lässt. Hast Du auch schon einmal darüber nachgedacht, diesen Weg zu gehen?

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    2. Rosalie, ich freue mich über dein Lächeln auf deinem Gesicht. Bei mir ist nach meiner Enttäuschung auch ein viel glücklicheres Herz nachgerutscht. Ja. Wenn man nach der Trennung traurig ist, kann man es fast nicht glauben, dass ein noch besser passendes Gegenüber auf dem Planeten Erde ist. Es ist aber so. Auch bei mir. Wobei ich meinen Freund im realen Leben kennengelernt habe. Zudem ist es mir wichtig, dass wir - wenn etwas schwierig ist - niemals schreiben sondern mindestens telefonieren.

      Alles Liebe für dich.

      Stella Blue.

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    3. Danke, liebe Stella Blue!

      Ich freue mich über diesen Kommentar und dass Du hier mitliest und Dich an der Diskussion beteiligst!

      Alles Liebe auch Dir,
      Rosalie

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    4. Liebe Rosalie

      Wenn die Texte zu lang sind, reicht mein Atem nicht aus....ich mags gerne auf den Punkt gebracht. Ich bin sehr interessiert an dem was dich bewegt, aber wenn die Kommentare bei dir sooooooo lang sind, dass ich soooooo lange brauche bis ich die Message erfasse, kann ich mich aus Zeitgründen nicht beteiligen.
      Irgendwie würde es mich reizen irgendwann mal mit dir zu telefonieren. Muss aber auch nicht sein. Lassen wir alles mal fliessen.

      Hey, eine liebe Umarmung.
      Stella Blue.

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    5. @Stella Blue

      Ja, das kann ich verstehen. Es erfordert viel Zeit, sich in die langen Kommentare einzulesen.

      Aber ich freue mich extrem über diese konstruktive Diskussion und die gehaltvollen Kommentare. Ich empfinde es als eine grosse Wertschätzung, dass sich meine Leser/innen die Zeit nehmen, sich so intensiv mit meinen Texten auseinanderzusetzen und dies auch in den Kommentaren so zum Ausdruck bringen.

      Und ich freue mich, dass du wieder regelmässig bei mir reinschaust und wer weiss, eines Tages können wir mal telefonieren. Why not! ;-)

      Ganz liebe Grüsse,
      Rosalie

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  7. Liebe Rosalie,

    ich freue mich sehr, dass meine Selbstkonfrontation dich zu so einem wundervollen Beitrag inspiriert hat, der viele Aspekte aufgreift, mit denen ich mich auch auseinandergesetzt habe, und dennoch weit darüber hinausführt und gänzlich neue Gedanken und Erfahrungen hinzufügt. Allerdings gibt es einen Punkt in deinen Ausführungen, denen ich mich nicht ganz anschließen kann.

    Du schreibst: "Denn eines sollte man sich bewusst sein: man kennt diesen anderen Menschen nicht wirklich! Man kennt zwar seine innersten Gedanken, seine Träume und Phantasien - aber sein Alltagsgesicht bleibt einem verborgen. Oder man kennt es viel zu wenig."

    Ich würde es eher so formulieren: Man kennt nur einen bestimmten Teil jenes Menschen, nämlich seine innersten Gedanken, seine Träume und Phantasien, aber eben nicht sein Alltagsgesicht. Das allerdings ist für mich nicht gleichbedeutend damit, einen Menschen "nicht wirklich" zu kennen. Man kann auch mit dem Alltagsgesicht eines Menschen außerordentlich vertraut sein und es in allen Facetten kennen - wenn man keinen Zugang zu seinen inneren Welten, seinen Träumen und Phantasien hat, dann kennt man ihn genauso wenig "wirklich" und "vollständig". Und vielleicht ist es sogar unmöglich, einen Menschen ganz und gar zu kennen.

    Ganz generell tue ich mich etwas schwer mit den Kommentaren hier auf deinem Blog, welche die virtuelle Liebe nur allzu schnell pathologisieren und in die Ecke von Beziehungssucht, Narzissmus und Nähe-Distanz-Problemen abschieben wollen. Warum immer diese defizitären Zuschreibungen? Die virtuelle Liebe hat, wie jede andere Beziehungsform auch, ihre Stärken und ihre Schwächen, ihre positiven und ihre negativen Seiten. Welche davon stärker zum tragen kommen und welche weniger stark, hängt meiner Ansicht nach sehr viel mehr von den beteiligten Personen ab als von der Art der Kommunikation - auch wenn es sicherlich Gefühls- und Verhaltensmuster gibt, welche durch die virtuelle Kommunikation begünstigt werden.

    Was deine Ehe angeht, so glaube ich, dass deine virtuelle Liebe dich auf die eine oder andere Art sehr unmittelbar mit deiner eigenen Sehnsucht in Berührung gebracht hat. Auch ich habe es so erlebt: Meine Begegnung mit dem Geschichtenerzähler war wie ein Scheinwerfer, der all das, was ich in meiner Partnerschaft vermisste, in ein schmerzhaft grelles Licht gerückt hat. Für mich war dies Anlass, sorgsam zu prüfen, ob diese ungelebte Sehnsucht meine Seele langsam, aber sicher aushungern lässt, oder ob es sich nur um übermütige Ich-will-alles-auf-einmal-Wünsche handelt. Nach langer Selbstprüfung kam ich zu dem Schluss, dass ersteres der Fall war: Ich sah einfach keinen Weg mehr, wie ich mit meinem alten Partner auf Dauer hätte glücklich werden können.

    Falls deine virtuelle Liebe diese Funktion in deinem Leben hatte, war sie auf jeden Fall nicht umsonst. Sie hat etwas in dir angestoßen, einen Prozess, der nun nicht mehr aufzuhalten ist - und das ist vollkommen unabhängig davon, ob das virtuelle Gegenüber deine Sehnsucht tatsächlich hätte erfüllen können oder nicht.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass dir das Trauern hilft, dich aus der allzu engen Bindung an dein virtuelles Gegenüber zu lösen, ohne gleichzeitig die Dankbarkeit für all das Schöne, das ihr trotz allem miteinander geteilt habt, zu verlieren. Denn ich glaube nicht, dass das alles nur Illusion war.

    Im Übrigen hat mich dein Beitrag, aber mehr noch die Kommentare hier im Blog bzw. auch die Gedanken, die Claudia dazu formuliert hat, wiederum dazu inspiriert, eine "Verteidigung der virtuellen Liebe" zu verfassen. Da ich darin allerdings wiederum einige sehr persönliche Dinge offenlege, muss ich wohl noch ein wenig in mich gehen, ob es wirklich so klug ist, ihn in dieser Form zu veröffentlichen.

    Herzliche Grüße,
    Schattentänzerin

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    1. Liebe Schattentänzerin, deinen Blog habe ich noch nicht gelesen, das werde ich nachholen.. ich hoffe, du hast dich nicht persönlich angegriffen gefühlt, als ich von einer Art Sucht geschrieben habe - so aber habe ich es selbst im Nachhinein empfunden, als ich in dieser Situation war. Aber Sucht muss ja nicht immer gleich etwas nur negatives haben? Mir hat diese Sucht jedenfalls geholfen und hatte sicher weniger Nebenwirkungen als z.B. Alkohol oder sonstige Drogen. Verletzt habe ich trotzdem, und zwar alle Beteiligten, auch meinen damaligen Mann.
      In einem stimme ich dir aber auch hundertprozentig zu: ich denke auch, dass man ein virtuelles Gegenüber durchaus besser kennen kann als zum Beispiel den eigenen Ehepartner. Vielleicht widerspreche ich mir da auch selbst ein bisschen, aber ich kenne beide Arten: die Projektion, bei der ich alle möglichen mir zweckdienlichen Dinge in das virtuelle Gegenüber projiziert habe - und den Mann, den ich zuerst nur über den Computer, in Chats und Mails, kennenlernte, wir uns beide absolut geöffnet haben - und wir uns dann auch persönlich getroffen haben. Mittlerweile sind wir seit mehr als 5 Jahren zusammen, immer noch aber findet ein großer Teil unserer Beziehung "virtuell" statt, da er in Spanien lebt, ich in Deutschland.
      Mir hat mein Gegenüber im ersten Fall im Nachhinein leid getan.. er konnte das nicht erfüllen. Im zweiten Fall war ich dann schlauer- oder ich hatte einfach den richtigen Mann gefunden?
      Das Problem ist wohl eher, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, was ihm/ihr gut tut. Dass das nicht immer mit den Vorstellungen des Gegenübers zusammenpasst gehört zur Natur der Sache. Die Problematik in Beziehungen ist immer noch vorhanden, manchmal passt es, manchmal nicht.
      Im Übrigen bin auch ich einmal virtuell betrogen worden, und ja, es hat fast noch mehr wehgetan als eine körperliche Beziehung.

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    2. Liebe Frau Vau, oh nein, ich habe mich keineswegs angegriffen gefühlt. Natürlich hat eine virtuelle Verliebtheit etwas von einer Sucht - das ist bei einer realen Verliebtheit allerdings nicht anders. Wenn wir uns verlieben, dann flippen unsere Hormone völlig aus und wir sind eine Zeitlang für nüchterne, rationale Betrachtungen und vernünftige Handlungen nur bedingt zu gebrauchen. Eine leidenschaftliche Verliebtheit hat, biologisch gesehen, tatsächlich etwas von einer Sucht, vielleicht auch von einer Manie. Und dennoch ist sie ein ganz normales, allgemein menschliches Phänomen, und als solches würde ich sie auch gerne verstanden wissen.

      Die besondere Intensität, die man bei einer virtuellen Liebe spürt, liegt meines Erachtens an der Art der Kommunikation. Der Nähe zu einem Geliebten aus der realen Alltagswelt sind von Natur aus zeitliche und räumliche Grenzen gesetzt, auf die ich mich innerlich einstellen kann. Bei einer virtuellen Liebe ist es theoretisch jederzeit möglich, in jeder Sekunde, dass eine Nachricht von ihm kommt. Das lässt einem kaum eine echte Verschnaufpause, kaum einen inneren Abstand.

      Als ich mich vor vielen, vielen Jahren während meines Studiums einmal in einen Mann verliebte, der weit entfernt lebte, da war es anfangs nur der morgendliche Gang zum Briefkasten, der mich bangen ließ, ob womöglich Post von ihm gekommen war. War keine da, dann wusste ich, dass sich dieser Zustand bis zum nächsten Vormittag nicht mehr ändern würde. Irgendwann gab er mir seine E-Mail-Adresse, und von da an rannte ich mehrfach täglich in den Uni-Serverraum (privates Internet hatte ich damals noch nicht), um nachzuschauen, ob er geschrieben hatte. Meine irrationale Fixierung auf den geliebten Menschen hatte nun einfach mehr Angriffsfläche als vorher.

      Dass eine heimliche Liebe - sei sie virtuell oder physisch - ungemein verletzen kann, steht außer Frage. Vielleicht ist das besonders Verletzende an der virtuellen Liebe, dass sie ja quasi unter den Augen des Partners in der gemeinsamen Wohnung stattfindet. Man flirtet und schäkert mit dem Geliebten, während der eigene Partner nebenan im Wohnzimmer auf dem Sofa sitzt. Und eben auch, weil einen das virtuelle Gegenüber quasi rund um die Uhr in Anspruch nimmt. Da bleibt kaum noch Raum, sich dem eigenen Partner mit der nötigen Aufmerksamkeit zuzuwenden.

      Die virtuelle Liebe hat Wolfgang Schmidbauer in seinem Buch übrigens gar nicht erwähnt. Man merkt, dass er schon über siebzig und diesbezüglich vielleicht nicht mehr ganz up-to-date ist.

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    3. Hallo Schattentänzerin!
      Ich bin eine klare Verfechterin der Skepsis wenn es um "virtuelle Liebe" geht. Aus einem einfachen Grund: Kommunikation zwischen zwei Menschen läuft über viele Kanäle - zu Beginn gab es die Mimik, Gestik, Tonlaged, Rhythmus (Pausen bei Reden etc). Dann gab es das geschrieben Wort (=Brief), einparfumiert, die Handschrift gab Aufschluss über die Verfassung des anderen. Und es bedeutete warten, warten und dann antworten. Selten immer wieder ins Blaue, so wie wir SMSs und Mails schreiben.
      Dann kam die Stimme mit den Pausen (=Telefon) und jetzt - jetzt haben wir Nullen und Einsen und glauben, damit den anderen verstehen zu können. Mir fehlen einfach viel zu viele Aspekte der menschlichen Kommunikation um dir zustimmen zu können, dss man so jemanden wirklich kennenlernt. Für mich ist jegliche Form der digitalen Kommunikation - ausgenommen Skype - eine einzige Projektionsfläche, die beziehungsgestörten Menschen SEHR entgegen kommt.
      Da ich selber nicht immum bin da hineinzukippen, bin ich eben sehr skeptisch, auch wenn ich mich selber dabei ertappe. Das inkludiert diesen Austausch hier ebenso!!
      Wie leicht etstheen Missverständnisse per Email z.B. wenn wo ein Zwinkersmiley gefehlt hat. Ich rede da von beruflichem, in der Regel nicht so emotionalen Austausch per Email. Wenn das schon zu Irrtümern führt, wie mag es dann erst zugehen, wenn zwei sich begehren.
      Wenn ich die Person, die ich begehre treffe, rutschen zwangsläufig Bemerkungen raus, die die Person per Email oder SMS unterdrückt hätte. Dinge, die für das Gegenüber nicht unbedingt fein sind. Aber sie gehören zum Menschen. Und man lernt den Menschen wirklich kennen. In der benachbarten Blogwelt hat eine Frau einen Mann nach intensivstem Mail- und SMS-Kontakt dann im echten Leben kennengelernt. Und woran scheiterte es? Da kamen auf einmal Ansichten und Charakterzüge zu Tage, die der Mann im Emailverkehr bestens ausgeklammert hat. Im echten Leben hatte er sich nicht so im Griff - was auch gut und normal ist - da kam dann das wahre Gesicht zum Vorschein.

      Wichtig finde ich hier auch zu betonen, dass Frauen ud Männer (in der Regel) da unterschiedlich agieren: Der Mann wusste worauf er sich bei der Frau einlässt, da kamen nicht viele Überraschungen. Die Frau hingegen entdeckte Seiten, die bislang "verborgen" geblieben waren. Ich bin also zu alledem nochdazu der Meinung, dass Männer diese digitalen Medien dazu nutzen, um sich besser darzustellen als sie wirklich sind. Puh!!

      liebe Grüße, Daniela

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    4. Liebe Daniela

      Ich umarme dich und unterstütze deine Worte.

      Stella Blue.

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    5. Hoi, Danke, liebe Wesensverwandte. Möchtest du dich nicht am Austausch hier beteiligen?

      liebe Grüße, Daniela

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    6. Liebe Schattentänzerin

      Endlich komme ich dazu, mich in diese spannende Diskussion einzuklinken und Deinen ausführlichen Kommentar zu beantworten! :-)

      Ich habe über meine Aussage: "Denn eines sollte man sich bewusst sein: man kennt diesen anderen Menschen nicht wirklich!..." nachgedacht.

      Du würdest es so formulieren: man kennt nur einen bestimmten Teil jenes Menschen, nämlich seine innersten Gedanken, seine Träume, seine Phantasien, aber eben nicht sein Alltagsgesicht. Das allerdings ist für mich nicht gleichbedeutend damit, einen Menschen "nicht wirklich" zu kennen. ... " und Du schreibst am Schluss Deiner Ausführungen: "Und vielleicht ist es sogar unmöglich, einen Menschen ganz und gar zu kennen."

      Ich denke, das bringt es auf den Punkt. Wir sollten uns nicht anmassen zu denken, dass wir unser Gegenüber wirklich ganz und gar kennen. Das gilt sowohl für eine virtuelle Liebe wie auch für einen Partner, mit dem wir im Alltag zusammenleben. Das gilt noch nicht einmal für die eigenen Kinder!

      Ich bin das beste Beispiel: Mein Mann würde aus allen Wolken fallen, wenn er wüsste, dass seine langjährige Lebenspartnerin heimlich mit andern Männern korrespondiert und beim Frühstück an einem neuen Blogpost oder an einem Mailtext herumstudiert... Und wie viele Ehefrauen gibt es wohl, die nichts davon ahnen, dass der Gatte die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nimmt oder heimlich mit einer andern Frau im Internet chattet?

      Wobei... - wenn mein Mann ein aufmerksamer Partner wäre, würde er sich Gedanken darüber machen, weshalb seine Ehefrau immer weniger spricht, oft in Gedanken abwesend ist, viel Zeit im oberen Stockwerk und in den Kinderzimmern verbringt (wo sie so tut, als würde sie aufräumen, in Tat und Wahrheit jedoch mit ihrem kleinen Laptop mit der Aussenwelt kommuniziert), weshalb sie nie mehr TV schaut (noch nicht einmal mehr ihre Lieblingsserie) und neue sexy Unterwäsche kauft... und all diese Dinge, die einem im normalen Alltag auffallen müssten.

      Wir sind noch nicht einmal in der realen Welt in der Lage, unser Gegenüber "richtig" zu kennen und in der virtuellen Welt ist es noch schwieriger, sein Gegenüber einzuschätzen, weil man es nicht mit all seinen Sinnen erfassen kann. Die Mimik des Gesichts bleibt einem verborgen, der Tonfall der Stimme, die Körpersprache und so vieles mehr. Deshalb kann man das Bild, welches das Gegenüber von sich zeichnet und das man sich im Kopf macht, nicht relativieren bzw. mit anderen Eindrücken abstimmen. Das macht es schwierig. Aber es ist durchaus auch möglich, dass das virtuelle Gegenüber ein sehr authentisches Bild von sich zeichnet! Was wir damit in unseren eigenen Gedanken anstellen, welcher Film in unserem Kopfkino abläuft, hat weniger mit ihm als mit unserer eigenen Geschichte zu tun...

      Letztlich kommt es wohl gar nicht so sehr darauf an, ob eine Beziehung vorwiegend virtuell oder im realen Leben stattfindet, sondern vielmehr auf das Wesen und den Charakter der beteiligten Personen! Es kommt darauf an, wie authentisch eine Person ist, ob sie sich genau so zeigt und gibt, wie sie ist oder ob sie etwas vormacht und sich nur mit ihrem "Sonntagsgesicht" zeigt, ob sie aufmerksam ist oder nicht, ob sie ehrlich ist oder nicht. Das alles spielt eine Rolle.

      Ich bin nach wie vor sehr angetan von der Möglichkeit, jemanden in der virtuellen Welt kennenzulernen. Ich halte es auch für eine Chance, einen Menschen näher kennenzulernen, den man im real life vielleicht zu Unrecht übersehen hätte, weil er nicht dem üblichen "Beuteschema" entspricht.

      Und auch wenn ich mir mit meiner virtuellen Liebe die Finger verbrannt habe (was ich im übrigen schon ganz zu Beginn dieser Beziehung in einem Blogpost vorweg genommen hatte!), bin ich doch weit davon entfernt, diese Beziehung nur negativ zu sehen! Ich habe viel gelernt und ich möchte sie nicht missen. Und ich werde weiterhin mit dem Feuer spielen!

      Liebe Grüsse
      Rosalie

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  8. Liebe Daniela,

    ob jemand einen Brief mit der Schreibmaschine schreibt (= analog, nicht jede Handschrift ist leserlich genug) oder mit dem PC (= digital), macht für mich überhaupt keinen Unterschied, ausgenommen vielleicht die Tatsache, dass es mit dem PC leichter ist, Dinge zu korrigieren. (Früher landeten dafür vielleicht diverse Entwürfe eines Briefes im Papierkorb.) Natürlich fehlen bei der schriftlichen Kommunikation alle nonverbalen Aspekte, die Smileys einmal ausgenommen. Und natürlich hat man mehr Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, was man sagen möchte. Das alles muss aber nicht per se der Beziehung zum Nachteil gereichen.

    Missverständnisse entstehen auch in der direkten Kommunikation. Die Kommunikation mit meinem früheren Partner, die zuletzt ausschließlich im direkten Austausch von Angesicht zu Angesicht stattfand, war derart verkorkst, dass ich mir oft gewünscht hätte, wir könnten uns stattdessen lieber schreiben, um aus dem entsetzlichen Teufelskreis überschießender emotionaler Reaktionen herauszukommen. Und auch im realen Leben stellen sich Menschen zu Beginn einer Beziehung, wenn man sich vielleicht nur mal zum Essen oder auf einen Kaffee trifft, oftmals anders dar, als sie tatsächlich sind. Wir alle zeigen uns am Beginn einer Liebesbeziehung gerne von unserer Schokoladenseite, das ist nicht einmal als bewusste Täuschung zu verstehen. Ich habe auch schon erlebt, dass Menschen im realen Leben sich verliebten, anfangs ganz hin und weg und begeistert waren und nach wenigen Monaten ernüchtert feststellen mussten, dass der Traumprinz doch nicht ganz so traumhaft war wie anfangs angenommen.

    Ich bleibe dabei: Die Qualitäten und auch die Risiken einer virtuellen Liebe hängen sehr viel mehr von der Persönlichkeit (und womöglich auch den Motiven und Absichten) der beteiligten Personen ab als von der Art der Kommunikation per se. Ich denke auch nicht, dass Männer und Frauen sich an dieser Stelle derart fundamental unterscheiden.

    Ansonsten bin ich generell sehr vorsichtig damit, das Etikett "beziehungsgestört" zu verteilen. Menachem hat es in seinem jüngsten Post sehr schön beschrieben: Wir alle haben einen gewissen Nachholbedarf, wenn es um die Gestaltung von engen Beziehungen geht. Und manche gehen eben mit einem größeren Handicap als andere an den Start. Ich finde es jedenfalls nicht besonders hilfreich, Menschen, die mit ihrem Beziehungsverhalten ringen, gleich als "beziehungsgestört" abzustempeln.

    Liebe Grüße,
    Schattentänzerin

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    1. Liebe Schattentänzerin!
      Danke für die Reaktion - und entschuldigt bitte die vielen Tippfehler in meinem obigen Kommentar, ich schreibe heute an einer anderen Tastatur, die sind die Finger nicht gewöhnt.

      Ich glaube ein wichtiger Aspekt fehlt hier: die Tatsache, dass wir hier uns über Blogs und Kommentare austauschen eint uns auf eine gewisse Weise. Ichhabe viele Freunde, die nur "im echten Leben" unterwegs sind, für die das gar nichts wäre.
      Und wenn ich diese Freunde mir gegenüber stelle, bzw. uns - dann sind die weniger verkorkst.

      Das Wort beziehungsgestört ist für mich kein Stigma oder eine Kritik, sondern eine Tatsache ;-)
      Ich kenne den Begriff aus Selbsthilfegruppen, so wie essgestört oder alkoholabhängig Tatsachen beschreiben die einfach sind.

      Ich denke wir vertreten unterschiedliche Ansichten, das ist nach den letzten Kommentaren nicht zu leugnen.

      Du schreibst ein Mensch kann sich auch im echten Leben verstellen. Da habe ich ein andere Erfahrung gemacht. Verbringe ausreichend Zeit mit einem Menschen - in der Regel beginnt es bereits nach eineinhalb Stunden - dass das wahre Ich immer mehr zum Vorschein kommt. Eine Stunde kann sich jeder verstellen, aber irgendwann lässt dann die Konzentration nach und die Ausrutscher passieren. Am meisten passieren solche Ausrutscher wenn Dritte im Spiel sind und die verheerendsten sind die, wenn es Servicepersonal ist! (Kellner etc) Da sieht man nämlich, wie die begehrte Person mit vermeintlich nicht gleichwertigen Menschen umgeht.
      Und je älter wir werden, desto klarer sehen wir das, was uns missfällt. Wenn wir ehrlich mit uns sind.

      Ein Zusammenleben bzw. eine Beziehung mit einem Partner, dem ich lieber schreiben würde als ihn zu sehen ist für mich unvorstellbar. Es gibt zwei Gründe, warum ich jemandem schreibe: ich kann die Person nicht sehen und möchte mich ihr mitteilen und zweitens: die Person ist ein schlechter Zuhörer, ich fürchte im Gespräch nicht gehört zu werden und schreibe lieber was ich sagen möchte. Mit so einer Person könnte ich allerdings keine Beziehung führen.

      Ich habe übrigens bewusst den handgeschriebenen Brief als Beispiel hergezogen, weil es um "Sehnsuchts-Kommunikation" geht, ich hätte da zumindest nicht zur Schreibmaschine gegriffen, außer ich hätte was zu verbergen. ;-)

      liebe Grüße, Daniela

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    2. Liebe Daniela,

      Du schreibst:

      "Ich glaube ein wichtiger Aspekt fehlt hier: die Tatsache, dass wir hier uns über Blogs und Kommentare austauschen eint uns auf eine gewisse Weise. Ichhabe viele Freunde, die nur "im echten Leben" unterwegs sind, für die das gar nichts wäre.
      Und wenn ich diese Freunde mir gegenüber stelle, bzw. uns - dann sind die weniger verkorkst."

      Glaubst du das oder weißt Du das? Vielleicht ist es tatsächlich so. Vielleicht ist der Knackpunkt aber genau der, dass Du Deine realen Freunde nicht so gut kennst wie bestimmte Blogger, obwohl Du sie sehen und anfassen kannst. Kehren Deine realen Freunde Dir gegenüber ihre innersten Gefühle, Gedanken, Sehnsüchte denn so nach außen, wie viele von uns Bloggern es tun?

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    3. Hallo somedreamsareforver,
      also wenn ich nur hernehme, wieviel Stunden wir am Computer verbringen um Postings zu lesen und Kommentare zu schreiben während die "anderen" einfach spazieren gehen, das Leben mit der Natur genießen, Freunde treffen, sich entspannen, lachen, das Leben SPÜREN denke ich schon, dass sie weniger verkorkst sind, sondern das bessere Leben leben.
      Ich mag vielleicht auch mal Lachen wenn ich was lustiges im Internet lese aber in Summe bin ich nach der Anwesenheit am Computer doch vorwiegend erschöpft und finde es nicht so gescheit, am Computer zu sitzen.
      Ich habe nicht den Anspruch, das Innerste vom Inneren meiner Freunde zu kennen. Das muss doch nicht sein, um Freunde Freunde nennen zu können.

      liebe Grüße, Daniela

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  9. Liebe Daniela,

    soeben bin ich in Gedanken mal die Liste meiner Freunde durchgegangen und ich kann mich deiner Beobachtung nicht anschließen. Das Beziehungsleben jener Freunde, die nicht im Internet aktiv sind, ist genauso kompliziert oder umkompliziert wie das derjenigen, dich sich in Blogs oder Foren zu Wort melden. Ich kann da überhaupt keinen Zusammenhang feststellen. Es sind einfach nur unterschiedliche Vorlieben und Eigenarten, die da zum Tragen kommen.

    Und es ist so eine Sache mit den "Tatsachen". Ich bin eine Freundin des Konstruktivismus, glaube also, dass wir uns unsere Wirklichkeit mehr oder weniger selbst konstruieren. Wir tun dies auch und insbesondere über unsere Sprache. Die Begriffe, die wir verwenden, und die Gedankenkonstrukte, die dahinter stehen, prägen unsere Sicht auf die Wirklichkeit. Und es bleibt nun einmal nicht ohne Wirkung, wenn ich mich selbst oder einen anderen Menschen als "beziehungsgestört" tituliere - umso mehr wenn ich diesen Begriff in einem Atemzug mit Alkoholsucht oder Essstörungen benutze.

    Auch bei den klassischen psychologischen Diagnosen ist meines Erachtens kritische Zurückhaltung angebracht, ihnen liegt aber zumindest eine gewisse Funktion zugrunde: Sie sollen Störungsbilder mit Krankheitswert von "normalen" Verhaltensvarianten abgrenzen. Daran knüpfen sich dann auch allerlei bürokratische Konsequenzen an, z.B. Kostenübernahme einer Psychotherapie durch die Krankenkasse oder die Möglichkeit, sich krank schreiben zu lassen. Warum ich es aber darauf anlegen sollte, dem ohnehin schon beachtlichen Kanon an psychischen Diagnosen nach Lust und Laune noch weitere hinzuzufügen, erschließt sich mir nicht so recht.

    Im Übrigen habe ich nirgendwo davon gesprochen, dass Menschen sich im realen Leben verstellen. Es handelt sich hierbei nicht um eine bewusste Täuschung des Gegenübers, sondern um ein alltägliches Phänomen, das damit zusammenhängt, dass wir alle uns als Objekt sozialer Bewertung wahrnehmen. Manches davon ist vielleicht auch nur aus der Situation geboren. Wenn ich frisch verliebt bin oder einem Mann gegenüber sitze, den ich attraktiv finde, bin ich generell charmanter, heiterer, witziger und sprühender, als ich es vielleicht sechs Monate später sein werde, wenn die erste Verliebtheit bereits nachgelassen hat und ich nach einem miesen Tag im Büro abends frustriert nach Hause komme.

    Nicht zuletzt habe ich auch nicht behauptet, ich würde meinem Partner lieber schreiben als ihn zu sehen. Das eine schließt das andere nicht aus. Bei mir ist es so, dass zu den zwei von dir genannten Gründen noch ein weiterer hinzukommt. Ich liebe es zu schreiben. Das Schreiben ist mein Element. Im Schreiben fällt es mir oft leichter, meine Gedanken zu ordnen und meine Gefühle prägnant auf den Punkt zu bringen. Auch hilft mir das Schreiben mitunter, die nötige Distanz zu den Ereignissen zu wahren und mich nicht zu sehr in die emotionale Dynamik zu verstricken, die zwischen mir und meinem Partner womöglich herrscht. Es mag also durchaus Situationen geben, in denen ich es vorziehen würde, ihm zunächst einmal zu schreiben und ihm Gelegenheit zu geben, das Geschriebene zu lesen, ehe wir uns zusammensetzen, um über all das zu reden.

    Was nun handgeschriebene Brief angeht, so kann die Handschrift die Qualitäten eines Menschen bisweilen eher verschleiern als hervorheben, und ich kenne Menschen, die es hassen, mit der Hand schreiben zu müssen, die ganz sicher auch Liebesbriefe lieber an der Schreibmaschine oder am PC verfassen würden, einfach weil sie ihre Handschrift hässlich finden oder es unendlich mühsam finden, Buchstaben aufs Papier zu krakeln. Auch hier wäre ich mit allgemeingültigen Aussagen lieber vorsichtig.

    Im Übrigen finde ich unsere Diskussion sehr erfrischend! :-)

    Liebe Grüße,
    Schattentänzerin

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    1. Liebe Schattentänzerin,

      zu dem "Diagnosen" möchte ich noch anfügen, dass ich mich da gar nicht so sehr auf Krankenkasse oder bezogen habe, sondern dass das sich selbst eingestehen einer Sucht der erste Schritt in Selbsthilfegruppen ist, so wie "Hallo, ich heiße Daniela und ich bin ... ".
      Sich die Wahrheit einzugestehen ist alleine schon sehr befreiend. Letztlich sind wir hier wohl auch eine Art Selbsthilfegruppe, halt eine die verdammt viel Rückmeldung gibt :-))

      Ich werde mir Rosalies Posting und die Diskussion sicher noch einige Male durchlesen. Danke für den Diskurs!

      liebe Grüße, Daniela

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    2. PS: Liebe Schattentänzerin, jetzt verstehe ich, wieso du meinen Ansichten nicht zustimmen konntest - du empfindest die Grausamkeiten eines Mannes als Glücksmoment. (Ich erlaube mir hier auf deinen Blog Bezug zu nehmen, da Rosalie oben hinverlinkt. Ich verstehe jetzt, wieso du ein wenig allergisch auf den Begriff beziehungsgestört bzw. Störungen im Allgemeinen reagiert hast. Vermutlich hast du dir schon öfter sagen lassen müssen, dass das "krank" ist, wenn du jemandem von deinem Glück erzählt.
      Wir zwei wurden ziemlich sicher auf unterschiedlichen Planeten gestrickt. Trotzdem schön, dass wir uns austauschen können!

      liebe Grüße,
      Daniela

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    3. Nein, liebe Daniela, meine Vorbehalte gegen pathologisierende Etikettierungen haben nichts mit meiner Neigung zu tun. Mich hat noch nie jemand als krank bezeichnet, wenn ich davon erzählt habe, wobei mir natürlich bewusst ist, dass meine Lust an der Unterwerfung auf manche Menschen sicher befremdlich wirkt.

      Im Übrigen empfinde ich männliche Grausamkeit ausschließlich in einem erotischen Kontext als beglückend, eingebettet in eine ansonsten liebevolle und innige Beziehung. Nicht dass du jetzt denkst, ich würde es generell begrüßen, wenn ein Mann sich mir gegenüber wie ein Vollpfosten benimmt... ;-)

      Liebe Grüße
      Schattentänzerin

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  10. Liebe Rosalie,

    du hast einen sehr gelungenen und interessanten post geschrieben, der eine für mich spannende Diskussion auslöste, auch wenn ich meinen Freund und Gegenüber nicht im Netz kennenlernte, sonder wir uns im realen Leben schon Jahrzehnte kennen und wir uns nur vor vier Jahren in einem Netzwerk wiederfanden, und seitdem mehr als eng verbunden sind. Rosalie, danke für deine Gedanken. Ich umarme dich. morgenrot

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  11. Liebe Rosalie,

    nun hab ich mich doch getraut und meine "Verteidigung der virtuellen Liebe" in meinem Blog veröffentlicht.

    Liebe Grüße,
    Schattentänzerin

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    1. @Schattentänzerin

      Ich freue mich drauf! Und ich freue mich sehr darüber, dass Du hier auf meinem Blog diese spannende Diskussion mitgeführt hast! Danke! :-)

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

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  12. "Von einem virtuellen Idealbild Abschied zu nehmen ist genauso schwierig, wie sich von einem realen Partner zu trennen. " schrieb Rosalie.

    Zu meinem Glück endete meine erste "virtuelle Liebe" in den 90gern schon beim ersten Treffen - nicht die Freundschaft, aber das aufgebaute Begehren verschwand angesichts des realen Menschen. Er war halt so gar nicht mein Typ (obwohl ich ihn von Fotos "kannte")- und seine Körpersprache entsprach bei weitem nicht der Selbstsicherheit und Souveränität, die er per Text ausgestrahlt hatte.

    Das ergab ein ganz eigenartigens Gefühl von Leere und Verlust. Der, den ich begehrt hatte, hatte mich ja nicht verlassen, sondern ES HATTE IHN NIE GEGEBEN! Mir kam das viel schlimmer vor - für kurze Zeit.

    Damit war ich für alles Kommende belehrt, zumindest insoweit, nicht allzu viel zu erwarten VOR einem Treffen "von Angesicht zu Angesicht".

    Ein andermal verliebte sich ein ferner Schreib-Partner nach einigen Wochen gemeinsamen Story-Schreibens in mich - das war einerseits schön, andrerseits glaubte ich nicht daran, sah es klar als "Projektion" an. Und ja, diese Verliebtheit verschwand nach ein paar Wochen wieder - dennoch traf ich ihn später, wir gaben uns auch der Erotik hin, jedoch mehr so "in aller Freundschaft". Die erstaunlicherweise bis heute lebt - und zwischenzeitlich hatte er sogar meinen Partner und mich für einen Urlaub im fernen Land, in dem er arbeitete, eingeladen - das waren richtige Sternstunden zu dritt! (Die beiden waren altersmäßig soweit auseinander, dass Eifersucht einfach nicht aufkam).

    Dann gab es da noch einen Mann, glücklich verheiratet, dessen "heimliche Geliebte" ich gut zwei Jahre lang war - meist virtuell, mit insgesamt nur wenigen Treffen. Während dieser Treffen schwebte ich im 7.Himmel - es gab kein "fremdeln", bzw. ich ignorierte kleine Anzeichen, dass er doch nicht ganz DER war, den ich mir erträumte. Er war halt mega-attraktiv und so wurde das locker mittels "endlich Sex" überdeckt. Diese Liebe ist dann einfach "ausgeklungen" - auch hier bin ich dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben. Sie half mir, in meiner damaligen Partnerschaft konsequent sein zu können und endlich auseinander zu ziehen. Was eigentlich schon länger angestanden hätte, hätten wir gewagt, aus den Routinen, die uns nicht mehr viel gaben, auch auszusteigen. Aber die ganze Zeit war klar: mit dem "Fernen" würde ich mich nicht zusammen tun, nicht mal, wenn er gewollt hätte. Die "Frau an seiner Seite" führte ein Leben mit ihm, auf das ich definitiv nicht neidisch war... und mit mir und meiner realen Welt hätte auch er gar nicht viel anfangen können.

    Mittlerweile scheine ich immun zu sein gegen "virtuelle Liebe". Eloquente Männer mit interessanten Gedanken erwecken per Mail keine Faszination mehr, weshalb sich da auch nichts mehr vertieft.
    Abgelöst wurde das von gelegentlichem Austausch mit Menschen, die ein Problem haben - da verweigere ich mich nicht und freue mich, wenn ich mit meiner Lebenserfahrung hilfreich sein kann.

    Dass virtuelle Liebe etwas von "Sucht" hat, hab' ich auch phasenweise sehr heftig erlebt - aber deshalb würde ich niemandem davon abraten oder das als krank/beziehungsgestört bezeichnen. Letztlich ist es ein Lernfeld, bei dem man sich selber besser kennen lernt - und eben auf Dauer auch deutlicher spürt, was man will und was nicht.

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    1. Hallo Claudia! Das lese ich immer wieder: die Schere zwischen dem, was ein Mann per Email und SMS vorgibt und die wahre Natur des Mannes. Ich wüsste nur zu gerne, ob Männer dasgleiche über "uns Frauen" denken: nämlich dass die Frau im echten Leben weniger attraktiv ist als bei den Texten die sie schreibt.

      Ob das umgekehrt auch so wahrgenommen wird?
      Wo sind die Männer, die hier mitlesen?!

      liebe Grüße, Daniela

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    2. Liebe Claudia

      Du ahnst nicht, wie wertvoll Dein Kommentar für mich ist! DANKE!!!

      Ein Satz hat mich besonders zum Schmunzeln gebracht:

      "Mittlerweile scheine ich immun zu sein gegen "virtuelle Liebe". Eloquente Männer mit interessanten Gedanken erwecken per Mail keine Faszination mehr, weshalb sich da auch nichts mehr vertieft."

      Interessantes Statement! Ich selbst bin noch nicht ganz so weit... Noch üben eloquente Männer, deren Eloquenz sich auch im schriftlichen Austausch niederschlägt, eine sonderbare Faszination auf mich aus. Aber ich werde Deinen Kommentar im Hinterkopf behalten und in Zukunft etwas vorsichtiger sein.

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  13. Genau so ist es :)

    Merkwürdigerweise ist es bei mir ein Frau und kein Mann. Wobei ich diejenige bin, die mit dem Gatten und den Kindern am Frühstückstisch sitzt.

    LG Liane

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    1. @Liane

      Ein neuer Name! :-) Ich freue mich ! Danke für Dein interessantes Statement!

      Und es erstaunt mich noch nicht einmal! Es zeigt eindrücklich, dass diese emotionale Nähe, die durch den schriftlichen Austausch entstehen kann, und die Verbundenheit, die daraus resultiert, sogar mit Menschen des eigenen Geschlechts möglich ist und - so nehme ich an - selbst dann, wenn Bisexualität bis dato kein Thema war! Faszinierend!

      Vielleicht ist es so, dass eine Verbindung zweier Seelen stattfindet und das Geschlecht dabei gar keine Rolle spielt?

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

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    2. Stimmt! Ich habe noch nie auch nur eine einzige diesbezügliche Phantasie an eine Frau verschwendet, könnte mir aber jetzt nichts schöneres vorstellen, als in ihren Armen zu liegen und ihren weiblichen Körper zu spüren.

      Das ist total verrückt!

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    3. @Liane

      Das habe ich mir gedacht! Und ich würde nie behaupten, dass mir sowas nicht auch passieren könnte! :-)

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  14. sehr interessanter post....sehr durchdachte worte...positive und negative gedanken lösen sie (bei mir)aus...bin erst vom urlaub zurück...aber dieser post und die quellen dazu (z.b. schattentänzerin) erfordern einige zeit fürs lesen ...reflektieren und antworten...(ich arbeite daran ;-))
    danke für den gedankenschubbs

    lg

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    1. @Gitti

      Danke! Ich freue mich, dass es Dir besser geht!! (Hab Dein neues Post gelesen).

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

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  15. wow ...
    Seit dem ich Blogs lese und selbst blogge, weiß ich, dass es Menschen gibt, die unglaublich ernsthaft ehrlich und offen schreiben, ob in eigenen Posts oder bei Kommentaren.
    Ich bin fasziniert. Auch wieder hier von diesem Post und den Posts bei Schattentänzerin und den Kommentaren. Sicher ist dies auch bei Claudia so, aber ich bin leider noch nicht dazu gekommen dort zu lesen.

    Wie ich im Internet kommuniziere, wie ich andere erlebe, in Chat-Rooms, in Foren, auf Twitter oder Facebook oder in Blogs, liegt an mir. Wenn ich mich verstelle, mich ausprobiere, weil ich es kann, weil mich keiner kennt, weil es anonym ist (jedenfalls scheint es so) und wie ich das mache und wie ich mich offenbare, wenn es doch zu einem Kontakt kommt, liegt ja nur und einzig und alleine an mir. Und letztendlich ist es im realen Leben nicht anders. Auch da zeige ich mich bei ersten Begegnungen von meiner besten Seite und die Person zu der eine Beziehung entsteht tut das auch und beide setzen sich in der Regel auch noch rosa Brillen auf.
    Ob real oder virtuell, auf einmal ist da jemand, auf dem man seine Sehnsüchte, seine Hoffnungen (auf Liebe und uneingeschränkte Annahme) projiziert. Ich glaube schon, dass es in der direkten Begegnung leichter ist "unpassende Projektionsflächen" erkennen zu glauben, als in Begegnungen aus der Ferne, also per Brief, Mail, Chat, SMS oder Telefonat, es sind immer gewisse Sinne (schmecken, riechen, sehen, hören ...), also Möglichkeiten zu projizieren ausgenommen.
    Ist es aber nicht so, dass es in Wirklichkeit alles in einem selbst ist? Die Sehnsüchte, wer kann die erfüllen, wenn man es nicht selbst tut? Die Päckchen, die man mit sich herumträgt, wer kann diese aufschnüren, heilen und loslassen, wenn man es nicht selbst tut?
    Es sind Fragen, die ich mir selbst stelle. Ich habe viel zu lernen und machte in den letzten Monate viele unglaubliche Fehler. Fehlende Offenheit, zugefügte Traumata in meinem Leben, haben aus mir jemanden gemacht, der spät erkennt und viel zu lernen hat. Freudig lese ich in den tollen Blogs, lese wunderbare Kommentare, lese auch Bücher, schreibe ja auch selbst, aber lebe auch, gehe Tanzen, mache Sport, arbeite, bin viel unterwegs, treffe wunderbare Menschen ... und freue mich darauf auch auf Menschen aus dieser Blog-Welt. Ihr seit toll ;)

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    1. @Nouniouce

      Danke für diesen wertvollen und konstruktiven Beitrag!! Ich freue mich sehr darüber!

      Beim Lesen Deines Kommentars ist mir ein Gespräch in den Sinn gekommen, das ich kürzlich mit meiner Freundin M. geführt habe:

      Wenn wir mit einem virtuellen Gegenüber kommunizieren, läuft in unserem Kopf gewisser-massen ein Film ab. Es entstehen Bilder, ganz ähnlich wie bei der Lektüre eines Romans! Diese Bilder sind höchst individuell und werden von der Lebenserfahrung der betroffenen Person beeinflusst. Es entsteht eine Art Phantasiewelt und man projiziert seine ureigenen Sehnsüchte und Wünsche auf ein virtuelles Gegenüber, das so in der realen Welt nicht existiert. Das muss man sich einfach bewusst sein! Und deshalb sind reale Begegnungen mit dem virtuellen Gegenüber manchmal sehr heilsam. :-)

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

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  16. ".. liegt an mir".
    So ist es, nounicouce. Für was steht eigentlich "nounicouce"?
    und..
    "treffe wunderbare Menschen..", Was woll`n wir noch mehr? Manche nennen es Zufall. Ich nicht.

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