Dienstag, 9. Oktober 2012

Der ganz normale Wahnsinn...

Mein Blog macht einen etwas verwaisten Eindruck, ich weiss...  Aber Rosalie ist gerade sehr beschäftigt! Nein, nicht was Ihr denkt.... Tssssss!

Ok, das auch! ;-)  Aber vor allem hat sie sich vom Gatten dazu überreden lassen, kurzfristig doch noch in den  Herbstschulferien ans Rote Meer zu reisen. Der Herbstnebel, der Umstand, dass eine befreundete Familie gleichzeitig am selben Ort ihre Ferien verbringt und erwartungsvoll hoffende Kinderaugen ("Biiiittte Mama, sag jaaa...!") haben sie leichtsinnigerweise dazu bewogen, ihr ok zu geben und bevor ihr so richtig bewusst geworden ist, was noch alles auf sie zukommt, waren die letzten verfügbaren Flugtickets auch schon online gebucht...



Wir fliegen mit Easy Jet. Ohne speedy boarding. Das war schon ausverkauft. Hoffe mal, wir ergattern wenigstens je zwei nebeneinanderliegende  Sitzplätze, so dass keines der Kinder alleine sitzen muss... Das Familienzimmer haben wir  per Mail direkt beim Hoteldirektor reserviert. Er ist ein Landsmann und stammt aus der selben Gegend wie mein Mann. Das verbindet. Er ist ein unkonventioneller Hoteldirektor. Einer, der auch mal beim vorbeigehen ein verwaistes Kaffeegedeck abräumt... Très sympa! 


Die Reisepässe habe ich auf Anhieb gefunden, die ID's der Kinder sind hingegen verschollen. Ich bin ratlos.

Der Pass von Piccolina ist vor zwei Monaten abgelaufen. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn alles so einfach ginge... Ich habe die Passbeschaffungsaktion kurzerhand an den Gatten delegiert, mit dem Ergebnis, dass er zwar einen Termin mit dem kantonalen Passbüro vereinbart hat, letztlich aber natürlich selbst keine Zeit gehabt hat, mit der Kleinen hinzufahren und so blieb mir nicht anderes übrig, als Montag vor einer Woche mit Piccolina nach Schulschluss beim 35 Autominuten entfernten Passbüro vorzusprechen. Die Dame am Schalter hat mich überredet, Pass und ID-Karte gleichzeitig zu beantragen. Das ginge in einem Arbeitsgang und sei günstiger, als beides separat zu beantragen. Die verschollene ID ist nämlich ebenfalls abgelaufen. Falls die alte  ID nicht mehr auffindbar sei, müsse eine Verlustbestätigung der Polizei vorgelegt werden.


Ich entschied mich leichtsinnigerweise für diese Variante und nahm mir vor, nochmals überall gründlich nach den ID's der Kinder zu suchen. Die umfangreiche Suchaktion vom Wochenende ist leider erfolglos gebieben. Wenigstens habe ich nun wieder die Übersicht, was alles auf meinem Pult (unbearbeitet) herumliegt und sämtliche Handtaschen sind entrümpelt und die Kleiderkammer ist auch wieder begehbar... "hüstel"... 


Heute Vormittag wollte ich nun  - optimistisch wie ich bin - , kurz beim nächsten Polizeiposten vorbeigehen und mir diese Verlustbestätigung ausstellen lassen, um den Pass und die ID-Karte anschliessend auf dem Passbüro abzuholen. Der Polizeiposten im Ort ist zwar selten besetzt, aber man weiss ja nie... Fehlanzeige. Er war verwaist.  Next one. Diesmal in einer nahegelegenen Kleinstadt. Ich stehe vor verschlossener Tür. Im Notfall sei die 117 anzurufen. Hmm... Gilt die Beantragung einer Verlustbestätigung für eine verschollene ID-Karte, die noch dazu abgelaufen ist,  als Notfall? Wohl eher nicht...  Ich beschliesse, an die Arbeit zu fahren und unterwegs einen Polizeiposten aufzusuchen. Es ist eine sehr grosse Gemeinde und ich bin zuversichtlich, dass ich dort eine Person der Kategorie "Freund und Helfer" antreffen werde! Bingo! Extrem kundenfreundliche Öffnungszeiten! Täglich geöffnet, vormittags sogar bis um 12.00 Uhr!


Es ist 11.30 Uhr. Ich treffe zwei eher gelangweilte Ordnunsgshüter an und trage mein Anliegen vor...


"Ach, die ID ist abgelaufen? Dann brauchen Sie keine Verlustbestätigung!" ich pflichte ihm bei, dass dies nach meinem gesunden Menschenverstand auch durchaus Sinn machen würde, dass die Dame vom Passbüro des Kantons X die neue ID-Karte aber dennoch nur herausrücken wolle, wenn ich die abgelaufene Karte oder aber eine Verlustbestätigung vorweisen könne... "

"Ach so! Hmm... ja vielleicht ist das im Kanton X ja anders. Auf jeden Fall müssen Sie die Verlustbestätigung sowieso in Ihrem Wohnkanton beantragen...".

Ok... dann werde ich halt wohl oder übel mein "Glück" nochmals in meinem Wohnkanton versuchen. Es lebe der Föderalismus! Es dauert ja noch ganze vier Tage, bis wir fliegen... Also "plenty of time"... ;-)


Nachmittag am Büroarbeitsplatz google ich die kantonalen Polizeistellen und versuche telefonisch in Erfahrung zu bringen, wann welcher Polizeiposten für die Anliegen der Bevölkerung zugänglich ist, wenn nicht gerade ein Notfall vorliegt... Wobei sich diese meine Angelegenheit mit fortschreitender Zeitdauer durchaus noch zu einem "Notfall" entwickeln könnte! Ich erinnere mich an das Schild an der antiken Holztür des Polizeipostens mit der Aufschrift: "Dieser Posten verfügt über einen Defibrillator". Nice to know...

1. tel. Versuch (Polizeiposten am Wohnort): "Bonjour! Guten Tag! Der Posten der bürgernahen Polizei ist zur Zeit nicht besetzt. Bitte wählen Sie die Nummer 117!" lässt eine Frauenstimme ab Band verlauten.  

2. tel. Versuch (Polizeiposten in der nahen Stadt): "Bonjour! Guten Tag! Der Posten der bürgernahen Polizei ist nur Zeit nicht.... "

3. - 5. tel. Versuch: same procedure....

6. Versuch: "Kantonspolizei x, Wachtmeister xy am Apparat!!"  Ich juble innerlich! Es rauscht in der Leitung - der Ordnungshüter ist unterwegs. Ich so: "Seit zwei Tagen versuche ich, eine Verlustbestätigung für eine ID zu kriegen..." er unterbricht mich: "Halb sieben!" - Ich so: "Heute um halb sieben kann ich vorbei kommen?! Ok!!! Danke!!!" :-)

Ich bin vorsichtig zuversichtlich... Und wehe, er sagt mir, dass es für eine abgelaufene ID-Karte keine Verlustbestätigung braucht! Dann kriegt Rosalie morgen früh auf dem Passbüro einen "Tobsuchtsanfall", den die junge Dame am Schalter so schnell nicht vergessen wird... Ich hätte mir die Dokumente nämlich auch ganz bequem nach Hause schicken lassen können, wenn die Sache mit der Verlustbestätigung nicht gewesen wäre und das Passbüro liegt nun wirklich nicht auf meinem Arbeitsweg...

Aber ich werde es auf Anhieb wieder finden, denn seit Samstag habe ich endlich wieder ein Navi! Das im Volvo eingebaute Gerät hat vor zwei Jahren den Geist aufgegeben und es zu ersetzen wäre viermal teurer gewesen als ein neues TomTom, das noch dazu viel moderner ist und über eine Freisprecheinrichtung verfügt!  Heute morgen bin ich losgefahren, habe mein neues TomTom gleich angeschlossen und in der Eile auf den Beifahrersitz gelegt. Als ich es an der Ampel in die Hand nahm, erschien folgende Anzeige:




Dieses Original-iPhone-Foto hat sich
erfolgreich gegen sämtliche Drehversuche
zur Wehr gesetzt... Sorry...


Ach, irgendwas ist immer! Ungarisch? Tschechisch? Es war polnisch! Und ein netter Arbeitskollege konnte mir mit seiner Sprachkompetenz aushelfen und das Navi wird mich jetzt nach Arbeitsschluss in deutscher Sprache auf direktem Weg zum auserwählten Polizeiposten leiten! Hopefully... und zur Not kenne ich ja den Weg dorthin par coeur! :-)

Am Samstag fliegen wir. Bis dahin steht noch die Schiffsauswasserung auf dem Programm, ein Elternabend, ein Termin beim Therapeuten (den ich wohl gleich noch um drei Wochen verschieben werde), ein "Ausflug" aufs Passbüro, anderthalb Arbeitstage, um im Büro zahlreiche Pendenzen aufzuarbeiten, und natürlich möchte ich noch ein Blogpost schreiben, mindestens fünf private Mails beantworten, meinen x-Date Account löschen und  ein paar Anfragen (anstandshalber) absagen, private Post erledigen, die Familienfotos noch alle auf eine externe Harddisk speichern und den Schwiegereltern in Obhut geben, Koffer packen und... irgendwas war doch noch? Hmm... es wird mir schon noch einfallen!
Ich bin un petit peu gestresst und diese Ferien müssen echt verdient sein...


Aber ich habe mich "trotzdem" sehr gefreut, als ich gestern in meiner Mailbox gelesen habe, dass mir Claudia aus Berlin einen Award verliehen hat!! :-)


Und ich werde in den Ferien in aller Ruhe darüber nachdenken, wie ich die 11 Fragen beantworten werde, welche 11 Dinge ich noch über mich preisgeben könnte (ihr wisst ja schon so viel über mich!!), an wen ich den Award weiterverleihen werde und welche 11 Fragen die drei Auserwählten beantworten sollen.


Bis dahin... au revoir! Et à bientôt!


Eure Rosalie





6 Kommentare:

  1. Nachtrag in eigener Sache:

    Manche Leser schütteln vermutlich den Kopf und denken, dass ich nicht richtig ticke, dass ich mich nicht uneingeschränkt darüber freuen kann, 10 Tage in einem tollen Hotel am Roten Meer zu verbringen...

    Dazu muss man wissen, dass ich sehr, sehr ungern fliege. Und Koffer packen stresst mich, insbesondere für Flugreisen. Ich habe Mühe damit, mich auf wenige Dinge zu beschränken, weil ich mich schlecht entscheiden kann.

    Zudem sind meine Ferien bereits restlos aufgebraucht und ich werde die Zeit nacharbeiten müssen.

    Kommt hinzu, dass ich die Herbstferien eigentlich dazu nutzen wollte, endlich gewisse Dinge zu erledigen und mein Bürozimmer zu einem Gästezimmer mit Bett umzufunktionieren. Wobei ich dann primär dort schlafen werde, bis wir eine definitive Lösung finden. Ich wollte die Familie eigentlich alleine in die Berge schicken, um in den arbeitsfreien Tagen in Ruhe und ungestört aufräumen zu können. Ich kann die Familie aber nicht alleine nach Ägypten schicken. Wenn eines der Kinder krank würde, will ich in der Nähe sein und sie würden auch nicht ohne mich so weit weg reisen wollen.

    Diese Ferien werden vermutlich schön und ich hoffe, dass ich sogar Zeit haben werde, mich auszuruhen und ein paar Bücher zu lesen. Aber das ganze drumherum generiert wieder viel Arbeit und davon habe ich schon mehr als genug...


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  2. Ich kann dich da völlig verstehen.
    So eine Reise vorzubereiten ist Stress, Stress pur.
    Und das schon ohne den ganzen Pass-Mist den du auch noch am Hals hast.
    Drücke die Daumen, dass du noch die Verlustbestätigung bekommst und der Urlaub dann auch wirklich Erholung bringt!

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    1. Tut gut, das zu lesen! Manchmal frage ich mich wirklich, ob es nur mir so geht... Aber anscheinend nicht! Danke!!

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  3. Na da bin ich aber mal froh, dass ich keine schweizer Staatsbürgerin bin. Kommt das am Ende daher, dass so wenig vorfällt, dass die Polizeistellen nicht besetzt sind?!
    Ich wusste gar nicht, dass ihr so entlegen wohnt. Klingt wirklich anstrengend.
    Wirst sehen, das wird ein richtig schöner Erholungsurlaub, die Sonne magst du ja auch!

    liebe Grüße und alles gute für die kommenden Tage und Danke für das Update!
    Daniela

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    1. Liebe Daniela

      Ich war auch erstaunt, dass es verschiedene je nach Kanton abweichende Bestimmungen darüber gibt, wann der Verlust eines eidgenössischen Identitätsdokuments bei der Polizei angezeigt werden muss und wann es sich erübrigt, weil das Dokument eh nicht mehr gültig ist... Mein Wohnkanton will in jedem Fall eine Verlustbestätigung und gestern Abend hat mir eine freundliche Polizistin endlich das gewünschte Dokument ausgestellt. Und erst noch ohne Kostenfolge... :-) Und heute Mittag konnte ich schliesslich Piccolinas neuen Pass und die neue ID abholen. Und Du wirst es nicht glauben: Ich wohne überhaupt nicht abgelegen! ;-)

      Aber die Polizei ist personell unterdotiert und hat viel zu tun und aus Kostengründen wird der Service Public seit Jahren reduziert, was dazu führt, dass die Polizeiwachen nur unregelmässig besetzt sind... Das selbe gilt für Poststellen. Früher gab es quasi in jedem Ort eine bediente Poststelle. Tempi passati...

      Liebe Grüsse und bis bald! :-)

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    2. Du wirst mir fehlen! Bis bald ... liebe Grüße, Daniela

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