Donnerstag, 26. Dezember 2013

Glücklich getrennt …

… lasse ich das alte Jahr ausklingen! 

"Schon verrückt, wie sich Dinge innerhalb von nur einem Jahr ändern können!" sagte meine Schwägerin an Heilig Abend zu mir. "Ja! Unglaublich, nicht wahr?!" antwortete ich.  

Letztes Jahr waren wir noch eine  so genannt "normale" Familie und heuer erzählt mein Mann am Weihnachtsabend seinem Bruder und der Schwägerin von seiner tollen neuen Freundin und man fragt mich nach meinem Freund aus Berlin! Und trotzdem feiern wir wie in den vergangenen zehn Jahren Weihnachten in der Wohnung meiner Schwiegereltern, essen Fondue Chinoise, singen Lieder im Kerzenschein des Weihnachtsbaums und der 87jährige Schwiegervater fragt die vegetarisch lebende Schwägerin einmal mehr, ob Sie denn das feine Fleisch vom besten Metzger im Bezirk wirklich nicht probieren wolle! Und die Tischrunde rollt mit den Augen und alle sagen leicht enerviert  "Vaaaaater!! …" und insgeheim fragt sich jeder, ob das nun schon die sich langsam bemerkbar machende Altersdemenz ist oder ob er nicht doch schon immer so gewesen ist…

Same procedure as every year. Alles in allem ein netter Heilig Abend. Das  bestimmende Auftreten meines Ehegatten lässt mich zwar noch immer nicht kalt, aber deutlich kühler als auch schon. Und als er gegen halb elf auf dem Sofa einnickt, fühle ich mich seltsam unbeteiligt und ich bin so dankbar, dass ich gegen Mitternacht mit den Kindern in MEINE Wohnung fahren kann! Alles ist gut!

Ich liebe meine Wohnung! Am 25. Dezember haben wir zum ersten Mal bei mir gefeiert! Ich habe mit meiner Tochter den Weihnachtsbaum geschmückt und wir haben den Tisch für elf Personen gedeckt. Mein Mann hat sich dann später um das Raclette gekümmert.  Es war ein gemütlicher Abend im Kreise meiner Familie. Nur zwei Menschen haben gefehlt. Der eine hat uns vielleicht von oben zugeschaut, der andere hat 1000 km entfernt ein Glas Wein getrunken und war in Gedanken ganz nah bei mir.



Nun bin ich alleine. Mama ist heute Mittag nach Hause gefahren und meine Kinder mit ihrem Vater in die  Ferienwohnung! Das geräumige Auto war mal wieder voll bis unters Dach. Ich habe ihm geholfen, die ganze Ware einzuladen, die es braucht, um eine Woche in einer Ferienwohnung zu verbringen, die erst spärlich eingerichtet ist! Küchenartikel, Lebensmittel, Skibekleidung, Spiele, eine Tasche mit Monster High Puppen,  elektronische Geräte, … und ich habe die Kleider für die Kinder eingepackt! Meinen Kindern zu Liebe.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Es gibt wieder eine Ferienwohnung. Neun Monate, nachdem wir die letzte aufgelöst haben. 

Vor ein paar Tagen meinte mein Mann zu  mir: "Nach dieser Trennungsvereinbarung kann ich nur noch Cervelats essen!" … Worauf ich mit einem Lächeln konterte:  "Solange Du sie in einer 5-Zimmer-Ferienwohnung im Berner Oberland essen kannst, geht es ja noch… !"  ;-)

Am Freitag, den 13. haben wir sie unterschrieben, unsere  Trennungsvereinbarung!!!! Endlich! Und ich bin hart geblieben! Habe nicht mit mir feilschen lassen! Ich bin stolz auf mich. Dass er zwei Wochen vorher einen Mietvertrag für eine Ferienwohnung in den Bergen unterzeichnet hat, machte es mir einfacher! Für einmal habe ich nicht aus Gutmütigkeit zurückgesteckt und eingelenkt. Er hat sich damit abgefunden. Das Ganze hat sich angefühlt wie ein Geschäftstermin. Als er gemerkt hat, dass ich nicht mit mir feilschen lasse, hat er rasch eingelenkt und eine Viertelstunde später haben wir die druckfrische Trennungsvereinbarung unterschrieben!! Es blieb keine Zeit für einen Kaffee danach. Er musste gleich weiter zum nächsten Termin.

Der Anwalt hat uns viel Glück gewünscht und uns ermuntert, diesen anständigen Umgang miteinander beizubehalten. Nun ja, … mein Gatte konnte sich eine abfällige Bemerkung in Richtung "haushälterische Qualitäten" meinerseits nicht verkneifen und er hat mich damit so getroffen, dass ich den ganzen Tag wie neben mir gestanden bin und nach einem Einkaufsmarathon in verschiedenen Möbelhäusern auf der Rückfahrt im Auto nur noch geheult habe. Vielleicht war es auch die Erkenntnis, dass mein Mann unsere Ehe eben wie ein "Business" geführt hat, wie ein Freund von mir einmal treffend bemerkt hat. 

Mein Anwalt hatte die unpassende Bemerkung galant mit  "Die Wahrnehmungen gehen hier offensichtlich sehr auseinander, aber das ist ja auch der Grund, weshalb Sie hier sind." quittiert. Ja, er hat es auf den Punkt gebracht.  Es hat mir einmal mehr bestätigt, dass meine Entscheidung richtig gewesen ist. Im Nachhinein frage ich mich, weshalb ich so lange damit gezögert habe.

Nein, mein Gatte wird keine Cervelats essen müssen. Es reicht immer noch für ein Lammfilet einmal die Woche und er wird auf seine älteren Tage auch nicht damit beginnen, billigen Wein zu trinken. Und ich bin auch zufrieden. Win-Win!

Nun sitze ich ganz relaxed in meiner Wohnung und geniesse den freien Abend! Wäre ich noch mit ihm zusammen, würde ich jetzt stundenlang Schränke einräumen, Betten beziehen, nach dem Essen die Küche machen, während er mit einem Glas Wein in der Hand mit den Kindern eine DVD schaut und morgens um sieben Uhr "contre coeur"  aufstehen, um rechtzeitig an der Talstation der Gondelbahn zu sein,  bevor die ganzen Tagestouristen aus dem Flachland anreisen.

Statt dessen kann ich jetzt in aller Ruhe dieses Post schreiben, längst überfällige Mails beantworten, ein wenig haushalten, ohne dass jemand ständig etwas von mir will, meinen Koffer packen und online einchecken! Morgen Abend fliege ich nämlich nach Berlin!! :-)

Ach ja, … -  mein Liebster hat inzwischen meinen Mann kennengelernt! Sie haben sich ganz gut unterhalten! Jedenfalls so lange bis mein Mann ein SMS erhalten hat und wieder in seinen gewohnt gehetzten Modus verfallen ist und überstürzt  ein Haus weiter musste. 

Und mein Schatz hat mich darauf aufmerksam gemacht, wie sehr ich mich von der Hektik meines Nochgatten anstecken lasse! Ich habe ihm nämlich für die  Einrichtung seiner neuen Ferienwohnung ein paar Möbel überlassen, die ich aus der letzten Ferienwohnung übernommen hatte und für die ich keine Verwendung mehr habe. Vor allem mein grosses Eisenbett, das zwar wunderschön ist, mich jedoch aus unerfindlichen Gründen keine Nacht durchschlafen lässt. Ich habe mir nun mein Traumbett geleistet, das allerdings erst Ende Januar geliefert wird. Bis dahin werde ich - gutmütig wie ich bin -  mit dem  Bettsofa vorlieb nehmen. Das Eisenbett zügelt im übrigen zum dritten Mal innert fünf Jahren in besagtes Bergdorf!

Schon crazy! Ich habe mit meinem Mann in den letzten sechs Jahren dreimal eine Ferienwohnung eingerichtet und wieder aufgelöst! Nun reicht's! Er braucht den Stress offensichtlich und ich bin so froh, dass ich diesen Zirkus nicht mehr mitmachen muss! 

Als mein Mann durch meine Wohnung gewirbelt ist und Kommandos verteilt hat ("KINDER!!!" - "Zieht Eure Schuhe an und helft beim Tragen!" - "ROSALIE!!!" - Du kannst schon mal dieses und jenes zum Transporter tragen …" etc. ), war ich ständig in erhöhter "Alarmbereitschaft". Mein Mann verbreitet Hektik und Unruhe ohne Ende. Nachdem ich die Wohnungstür hinter ihm geschlossen hatte, konnte ich endlich durchatmen und der Adrenalinspiegel näherte sich wieder einem gesunden Niveau. Ich habe meinen Liebsten umarmt, wir haben uns geküsst und gelacht. Es war ein Gefühl wie die Ruhe nach dem Sturm! Wie habe ich das bloss all die Jahre mit diesem Mann ausgehalten? Er ist sowas von anstrengend! 

Mit meinem Liebsten kann ich zur Ruhe kommen. Ich geniesse das so sehr. Ich bin glücklich! :-)

Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch und   ganz viel Glück, gute Gesundheit und dass sich Eure geheimen Wünsche und Sehnsüchte im 2014 erfüllen mögen! 

Eure Rosalie



Freitag, 6. Dezember 2013

Ausser Spesen nüscht jewesen!


Gestern Nachmittag waren wir noch guter Dinge… 

Ich habe mich in Zweckoptimismus geübt, obwohl mir meine Freundin D. schon am frühen Morgen laufend ihre äusserst pessimistische Einschätzung der Lage in Bezug auf die weitere Entwicklung des Sturmtiefs Xaver aufs Handy geschickt hat. Inkl. Grafik-Updates und Links zu den Medienberichten! Sie sprach schon am Morgen davon, dass es obsolet sei, zum Flughafen zu fahren, da der Abendflug nach Berlin sicher nicht stattfinden würde.

Wir wollten es nicht wahrhaben. Wir hatten uns so sehr auf meinen Berlinbesuch gefreut. Zusammen über die Weihnachtsmärkte schlendern, Glühwein trinken, kuscheln, …

Alles hatte so perfekt gepasst, als wir Ende Oktober ein Zeitfenster gefunden und die Flüge gebucht hatten. Nein, das wollten wir uns von einem dämlichen Sturmtief nicht verderben lassen. Noch bestand Hoffnung: 






Als ich um 17.16 h den Zug nach Genf bestieg, hatte ich schon ein mulmiges Gefühl… Aber meine German-Wings-App meinte, dass der Flug planmässig stattfinden würde und mein Schatz war sehr zuversichtlich! 

Und dann das:




Sooooo schade! Wir hatten uns so auf die zwei gemeinsamen Tage in Berlin gefreut. :-(

Ein Donnerstag zum Abschreiben. Mal abgesehen vom Lunch mit meiner Freundin M. Ich hatte in der Nacht zuvor nur wenig geschlafen, am Morgen gab's ein Gespräch mit dem Chef, am Nachmittag eine bemühende Ausbildungsveranstaltung, die ich früher verlassen musste, um nach Hause zu fahren, die Schotten dicht zu machen und rechtzeitig am Bahnhof zu sein, um noch ein Zugticket zu lösen. 

Und um 22.00 Uhr bin ich müde und enttäuscht wieder nach Hause gekommen,  anstatt in Berlin aus dem Flieger zu steigen und meinen Schatz in die Arme zu schliessen. 63 Franken für die Zugfahrt und die Parkgebühr zum Fenster rausgeworfen und die Kosten für den Rückflug mit Easyjet kann ich auch abschreiben. Und nun müssen wir uns weitere zwei (!!) Wochen gedulden. Eine lange Zeit, wenn man Sehnsucht hat. :-( 

Manchmal sind 1000 km Entfernung schlicht nicht zu überbrücken. Die nächste Möglichkeit, um nach Berlin zu fliegen, wäre am Donnerstag Abend. Sagt meine Agenda. Aber weit und breit kein günstiges Angebot.  440 Franken für anderthalb Tage Zweisamkeit sind leider ein zu hoher Preis.  Und so müssen wir uns in Geduld üben und sehnen den 19. Dezember herbei.






Montag, 2. Dezember 2013

Happy Patchwork (2)

"Ziemlich schräg! Wirklich crazy! Aber warum nicht?" quittierte mein zwölfjähriger Sohn meine Frage, was er denn von einem gemeinsamen Sylvester in Patchwork-Formation halten würde.

Ich entgegnete, dass er im Himmel bei der Elternverteilung  ein ziemlich spezielles Paar abgekriegt hätte… Wir haben beide herzhaft darüber gelacht. Überhaupt lachen wir viel in letzter Zeit. :-)

Piccolina findet es cool: "Weisst Du, Mama… -  Papas Freundin  ist eine Nette und Dein Herr B. ist auch ein Lieber. Also - wo ist das Problem?!" zog Schultern und Augenbrauen hoch, machte eine theatralische Geste und verschwand in ihrem Zimmer, um neue Möbel für ihre Monster High Girls zu basteln. Seit den Herbstferien ihre absolute Lieblingsbeschäftigung.

Okay! Grünes Licht von Seiten der Kinder. Sieht sehr nach einem gemeinsamen Sylvester im erweiterten Kreis aus!

Zur Vorgeschichte:

Mein Mann hat sich anlässlich der "Kinderübergabe" vor zwei Wochen nach meinem Liebsten erkundigt und wollte wissen, ob denn "mit Berlin" noch alles in Ordnung sei. Ich konnte die Frage bejahen, was er wohlwollend zur Kenntnis nahm. Dann verkündete er mir die frohe Botschaft, dass er jetzt auch eine Freundin habe! 

Er machte ein paar Andeutungen und platzte dann mit dem ersten "Highlight" heraus: "Weisst Du, es ist ein wenig speziell… Nun ja. Es ist wirklich speziell! Du glaubst es nicht, aber… -  sie heisst gleich wie Du!!" 

Ich prustete los: "Ist jetzt nicht Dein Ernst, oder?" 

Die Sache ist nämlich die: mein Schatz trägt den gleichen Vornamen wie mein Mann!!  ...
Wir haben es also beide fertig gebracht, einen neuen Partner bzw. eine neue Partnerin zu finden, der/die  den selben Vornamen trägt wie sein Vorgänger bzw. seine Vorgängerin!! Doch damit nicht genug: Seine Freundin hat eine Tochter. Das Mädchen ist 15 und hat den selben Vornamen wie unser Sohn!  Schreibt sich nicht genau gleich, klingt akustisch aber identisch! 

Was sich das Universum wohl dabei gedacht hat?! 

Als er mir Anfang November erstmals von ihr erzählt hatte, erwähnte er, dass sie ihn und die Kinder am 21. Dezember zu sich zum Essen eingeladen hat. "Ziemlich nah an Weihnachten…"  hab ich mir gedacht. Dann erzählte er mir, dass sie ebenfalls in Trennung lebe und sich mit ihrem Mann gut verstehe. Er werde ihn bald kennenlernen. Und sie möchte mich auch gerne kennenlernen. Happy Patchwork all over the place! 

Meine Vision von gemeinsamen Ausflügen mit dem Segelschiff zusammen mit unseren neuen Partnern und unseren Kindern scheint sich ja vielversprechend zu entwickeln! 

Eine Woche später, als ich die Kinder am Sonntag bei ihm abholte, habe ich vorsichtig nachgefragt, ob mit der neuen Liebe noch alles in Ordnung sei… Er bejahte und liess verlauten, dass er sie vor zwei Tagen mitsamt Teenie-Tochter zum Abendessen eingeladen hätte! Um sie unseren Kindern vorzustellen: als seine neue Freundin!! Und dann zeigte er mir auf dem iPad flugs die Fotos der drei Kinder, wie sie Blondschopf an Blondschopf  auf dem Sofa sassen. Piccolina hatte ganz rote Wangen vor Aufregung. 

Unser Sohn hat sich dann am nächsten Tag erkundigt, ob sie (Papa und Kinder) denn jetzt zu ihr ziehen müssten oder ob sie (die neue Freundin und deren Tochter) zu ihnen ins Haus kämen… Die Dame scheint ja einen ziemlichen Eindruck hinterlassen zu haben! Papa hat gesagt, dass das noch kein Thema sei. Sie wohnt selber in einem Haus. Gott sei Dank.

Eine Woche später: Einladung beim Patenonkel unserer Tochter. En Familie!  Ich erzählte ein wenig von Berlin und von meinem Liebsten und mein Mann plauderte aus dem Nähkästchen. Er konnte es gar nicht erwarten, mir auf seinem iPhone Fotos von seiner Neuen zu zeigen! 

Bild Nr. 1: Madame im Abendkleid vor einem Cheminéefeuer. Eine grosse Frau mit sportlicher Figur, attraktiven Gesichtszügen und langen Haaren. 

"Attraktiv! Empfängt sie Dich immer in Abendrobe, wenn Du sie besuchst?" Ich konnte mir die Bemerkung nicht verkneifen... ;-)

Er erklärte mir dann, dass sie sich ein festliches Kleid für einen bestimmten Anlass gekauft habe und es ihm vorführen wollte. Ganz schön selbstbewusst. Und später erzählte er noch, dass die Teenie-Tochter sich beklagt hätte, dass sie beide wie Teenager auf dem Sofa rumknutschen würden, sobald sie kurz den Raum verlasse…. 

Foto Nr. 2: Brustbild von der Seite. Ziemlich muskulöse Oberarme. Sieht aus, als ob sie viel Sport treibt. Ich sehe ihn im Geiste schon mit seiner Neuen joggen. Er hasst joggen.

Nebenbei erfuhr ich, dass er sich neuerdings im Kino Musikfilme anschaut. Anschauen muss, wie er einräumte. Was macht man nicht alles, um einer attraktiven Frau zu gefallen...

Ich blickte ihn mit weit aufgerissenen Augen an und erinnere ihn an das Fiasko, als wir uns vor ein paar Jahren auf meine Bitte hin endlich alle zusammen auf dem heimischen Sofa eingefunden hatten, um uns (als vermutlich letzte Familie in Mitteleuropa) die DVD von "Mamma Mia" anzuschauen!  Und wie er sich darüber lustig gemacht hatte, dass die in dem Film ja alle singen ("So blöd - ein Musikfilm….!")  und dass in dem Film ja überhaupt keine "Sternenzerstörer" vorkämen... Und unser Sohn ist damals gleich auf den Zug aufgesprungen und hat ins selbe Horn geblasen.  Piccolina und ich haben die beiden Jungs dann aus dem Wohnzimmer verbannt, weil wir den schönen Film geniessen wollten, ohne uns blöde Bemerkungen anhören zu müssen. 

Und dann kam die Rede  auf Sylvester. Ich erwähnte, dass ich mir den Tag frei gehalten hätte, da ich gerne mit den Kindern feiern würde:  "Ich komme extra deshalb am 30. Dezember aus Berlin zurück!"  

Er will auch mit den Kindern feiern. Aber seine Neue möchte er auch gerne dabei haben: "Ich möchte eigentlich gerne mit Euch beiden feiern und natürlich mit den Kindern. Sie hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn Du auch dabei bist!" Das musste ich erst mal sacken lassen…

"Spinnst Du? Womöglich noch in Deinem Haus? Willst Du Dir das wirklich antun?" Das war die Reaktion meiner Freundin N., als ich ihr am nächsten Tag auf Skype davon erzählte.

Am selben Abend griff ich zum Telefon und fragte meinen Mann, ob er denn etwas dagegen einzuwenden hätte, wenn mein Schatz aus Berlin auch mit dabei wäre? "Aber nein. Wieso denn? Ich dachte nur, er hätte schon etwas los, weil Du alleine von Berlin heimfliegst, deshalb hab ich nichts gesagt…"

Eine knappe Stunde später waren zwei Flüge gebucht! Mein Liebster und ich werden nun also am 30. Dezember zum ersten Mal zusammen ein Flugzeug besteigen und in die Schweiz fliegen!

Das wird vermutlich ein denkwürdiger Jahreswechsel. Mal schauen, wen wir sonst noch so alles einladen könnten. Vielleicht ihren Noch-Gatten mit weiblicher Begleitung (Trennungsgrund)? Ein befreundetes Paar, das dieses Jahr eine handfeste Ehekrise überstanden hat? Quasi als ruhender Pol? ;-)




Wie dem auch sei... Hoffentlich hält seine Beziehung bis Ende Dezember! Das Fest soll übrigens auf neutralem Terrain stattfinden. In einer Ferienwohnung in den Bergen.

Ziemlich schräg das alles, n'est-ce pas? 

Und da ist noch was:  Die neue Freundin hat einen FB-Account. Mein Mann jetzt auch. Ihr zuliebe. Ein wenig contre coeur, wie ich herausgespürt habe. Es war ein Deal. Sie muss in einem anderen Bereich über ihren Schatten springen…

Ich habe natürlich bei ihr reingeschaut. Die Freunde sind öffentlich und der Chronologie ist zu entnehmen, dass sie am 2. November ihren Status wie folgt geändert hat: "In einer Beziehung mit X.Y".  Ein gutes Dutzend Freunde fanden das toll und haben in den folgenden Tagen gratuliert. Und seit kurzem können sie nun auf seinen Namen klicken und landen auf seinem FB-Account und unter seinem Portrait steht… - na was wohl?  "In einer Beziehung mit "A.B.".  

Was mich an der Sache ein klein wenig irritiert: Das Datum der Statusänderung. Es  ist identisch mit dem Tag ihres ersten Treffens! 

Zwei Tage vorher wusste er noch gar nicht, dass sie existiert. So hat er es mir jedenfalls erzählt. Die Dame scheint sich ihrer Sache sehr sicher zu sein! Muss ja der Hammer gewesen sein, das erste Treffen… Er hat immerhin noch gute zwei Wochen gewartet, bis er sein neues Glück (vermutlich nicht aus eigenem Antrieb...) publik gemacht hat.


Nun, ich hoffe, er wird nicht enttäuscht!  Ich mag ihm das neue Liebesglück wirklich gönnen und wenn er happy ist, geht es uns allen gut.  Und ganz ehrlich - ich verspüre nicht die Spur von Eifersucht!

Ich bin sehr gespannt auf Sylvester! ;-) 







Sonntag, 24. November 2013

Happy Patchwork (1)



Es wird langsam Zeit, dass ich mal wieder ein Lebenszeichen veröffentliche! Nun, Zeit ist leider immer noch knapp, aber ich habe gerade das Bedürfnis zu schreiben... Es gibt da etwas, was mich aktuell sehr beschäftigt und es würde mich interessieren, was die Bloggemeinschaft darüber denkt.  Aber mehr dazu später. Zunächst werde ich Euch von den aktuellen Ereignissen berichten, damit das nächste Post im richtigen Kontext steht.

Also...

Ich bin nach wie vor glücklich liiert mit meinem Berliner Schatz und wir sehen uns zwei- bis dreimal pro Monat. So eine Fernbeziehung hat Vor- und Nachteile. Es gibt Gründe, die für seinen Umzug in die Schweiz sprechen würden und solche, die eher dagegen sprechen. Das Pro- und Contra werden wir sorgfältig abwägen und es ist wichtig, dass gegenseitige Erwartungen und Vorstellungen geklärt werden, bevor eine derart lebensverändernde Entscheidung getroffen wird. Soviel für den Moment zu meinem Liebesleben, das in jeder Beziehung sehr erfüllend ist! :-)

Was die Trennung von meinem Mann angeht, so gestaltet sich der Umgang erstaunlich freundschaftlich. Dass die Leidenschaft sich vor Jahren schon aus unserer Beziehung verabschiedet hat, macht den Umgang sicher einfacher.  Er hat mir ganz offen von seiner Suche auf "Neueliebe.org" (Den Begriff habe ich bei Juliane geklaut, weil ich ihn so originell fand! Hoffe, das ist ok! ;-))  erzählt und von der Dame, die ich bei einem spontanen Besuch im Haus (zusammen mit unserer Tochter) ja schon persönlich kennengelernt hatte. Sie hat sich in der Zwischenzeit zurückgezogen, weil die beiden Kinder nicht in ihr Lebenskonzept gepasst haben. Mein Mann sucht derweil munter weiter nach einer neuen Partnerin, vorzugsweise nach einer Frau mit akademischem Hintergrund und langen blonden Haaren. Davon scheint es auf dem Portal doch etliche zu geben und darunter viele interessante Frauen meines Alters, die sich beruflich verwirklicht haben... und darunter so einige, die gerne eine eigene Familie gehabt hätten, wenn es sich denn ergeben hätte. Ich konnte mir einen kleinen Tipp in Richtung "pass bloss auf, dass Dir keine ein Kind unterjubelt!!" nicht verkneifen...


Mein Mann hat mich auch nach meiner Beziehung zu Berlin gefragt und ich habe von meinem Liebsten erzählt. Wir haben sogar über seine Berufsaussichten in der Schweiz gesprochen und er hat mir den einen oder anderen Tipp gegeben. Würde mich nicht wundern, wenn er mir irgendwann den Vorschlag machen würde, ihm einen Job zu vermitteln oder ihn gleich selbst anzustellen. Sie arbeiten in der selben Branche. Happy Patchworkfamily... ;-)

However. Mein Mann freut sich für mich und ich kann nun offen darüber sprechen, wenn ich Besuch aus Berlin erwarte oder selber nach Berlin fliege. Das  fühlt sich gut an und macht alles einfacher.  Und ich habe meinem Mann erzählt, dass die Kinder meinen Freund kennengelernt haben, und dass ich ihn als "meinen Freund aus Berlin" vorgestellt habe. Wie sich diese Freundschaft genau gestaltet, werden sie selber merken und ich gehe davon aus, dass sie Fragen stellen werden, wenn die Zeit reif ist. Ich will sie nicht überfordern und sie haben sehr gut auf meinen Schatz reagiert. Sehr offen und unvoreingenommen. Ich bin sehr erleichtert. Das war ein Meilenstein!

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass sich die Kinder mit der neuen Situation gut arrangiert haben. Sie machen einen glücklichen Eindruck und fühlen sich in meiner Wohnung wohl. Das Verhältnis zum Vater ist seit den gemeinsamen Ferien noch enger geworden. Ich habe damit kein Problem. Im Gegenteil. Ich denke, für die Entwicklung der Kinder ist es ein grosser Vorteil, wenn sie den Vater nicht bloss als Erzeuger und Ernährer erleben und mein Sohn hat sich emotional ein bisschen von mir abgelöst und kann sich nun auf sein eigenes Leben konzentrieren. Das älteste Kind einer Familie übernimmt ja leider oft (unbewusst) die Verantwortung für einen unglücklichen Elternteil. Das war bei meinem Sohn so und ich habe es in meiner Kindheit auch so erlebt. Es geht mir heute besser denn je und das wirkt sich auch auf meinen Sohn aus.

Wenn ich mir vorstelle, was alles passiert ist in den letzten Monaten! Unglaublich, wie sich mein Leben zum Positiven verändert hat! Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich das Inserat meiner Wohnung im Internet entdeckt - und heute lebe ich darin und schaue jeden Morgen nach dem Erwachen aus dem Fenster und freue mich über diese Aussicht (Foto) und bin froh,  dass ich so mutig war, den Schritt zu wagen und dankbar, dass sich alles so gut entwickelt hat! 

 



Nun gilt es noch eine letzte Hürde zu nehmen. Ein weiterer Meilenstein ist in Griffnähe! Ich werde demnächst etwas abschliessen können, was mich seit Monaten belastet. Es war eine Zangengeburt! Nachdem ich das Vertrauen in meine Anwältin verloren hatte, blieb die Angelegenheit ein paar Monate in der Luft hängen. Aber nun ist Bewegung in die Sache gekommen. Ich habe einen neuen Anwalt gefunden und der macht seine Sache ausgezeichnet. Ich bin sehr zuversichtlich, dass er meine Interessen gut vertritt und dass wir eine faire Einigung finden werden. Wenn alles klappt wie vorgesehen, werden wir in den nächsten zwei Wochen die Trennungsvereinbarung unterzeichnen! 

Ich will es nicht verschreien... - aber mein Anwalt hat gesagt, dass er in dreissig Jahren Berufspraxis noch kein Paar erlebt hätte, das nach der Trennung so freundschaftlich bzw. anständig miteinander habe umgehen können. Das scheint genauso exotisch zu sein, wie ein geteiltes Obhutsrecht für die Kinder! Wobei ein respektvoller Umgang der getrennt lebenden Eltern untereinander ein solches ja eben erst möglich macht. 

Er meinte, wir sollten unbedingt versuchen,  diesen Umgang weiterhin beizubehalten. Dieses Statement meines Anwalts hat mich sehr gefreut. Mein Mann hat in letzter Zeit wiederholt betont, dass er sich nie vorhalten lassen möchte, mir Geld und Güter vorenthalten zu haben. Er wolle eine faire Regelung. Ich hatte bekanntlich meine Zweifel... Aber ich habe  beschlossen, ihm zu glauben und meinem Anwalt zu vertrauen. 

In kürze wird sich zeigen, ob er es damit wirklich ernst meint. Nächste Woche wird er nämlich voraussichtlich die Höhe der berechneten Unterhaltszahlungen erfahren... Es ist eine transparente Rechnung. Die Einkommen werden zusammengelegt, die laufenden Kosten beiderseits abgezogen, der Überschuss geteilt. Wir sind in der komfortablen Situation, dass die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, so dass wir beide unseren Lebensstandard mit geringfügigen Abstrichen werden weiterführen können.  

Ich bin zuversichtlich, dass wir uns einigen können und dass der Umgang freundschaftlich bleibt, so lange wir uns selber treu bleiben...

Wobei der Einfluss neuer Lebenspartner ein Umstand ist, der nur schwer einzuschätzen ist. Das führt mich zum nächsten Post! 

Stay tuned... ;-)





Mittwoch, 30. Oktober 2013

Die unheimliche Eigendynamik des G**glemonsters

Ich weiss nicht, wie es Euch geht, aber mir ist diese zunehmende Dominanz von G**ogle langsam aber sicher unheimlich. Einerseits finde diese ganzen G**lge-Funktionen von der Suchmaschine bis zu den Mailadressen zwar praktisch in der Anwendung und ich habe den G**gle-Blogger der Wordpress-Plattform vorgezogen, weil er so einfach bedienbar ist. Und ja - ich finde es super, dass Mail- und Postentwürfe ständig zwischengespeichert werden, so dass kein Text mehr verloren geht... Das war bei gmx anders! Aber neuerdings habe ich den Eindruck, dass nicht ICH es bin, die bestimmt, welche G**glefunktionen ich wie (be)nutze, sondern dass ich zum Spielball geworden bin und G**gle selbstherrlich das Zepter übernommen hat.  Das wäre an sich nicht ganz so tragisch, wenn ich keine anonyme Bloggerin wäre! Anonym insofern, dass nicht jede Person, die im Web über meinen Blog stolpert, gleich herausfinden kann bzw. soll, wer ich im Real Life bin, wie ich heisse, wo ich wohne und wie ich aussehe. Und umgekehrt sollen weder mein Mann noch meine Verwandtschaft und Bekanntschaft von meiner geheimen Freizeittätigkeit etwas erfahren...

Nun hat mein Mann, der bekanntlich mit den Kindern gerade in der Südtürkei im Urlaub weilt, seine Ferienföteli auf G**gle-Drive hochgeladen und mir einen Link geschickt. An meine private Mailadresse, die da lautet: VornameName(ät)gmail.com... Ihr ahnt was kommt.... Natürlich habe ich neugierig wie ich bin gleich auf diesen Link geklickt. Dummerweise war ich aber noch auf irgendeinem meiner Geräte als Rosalie eingeloggt... Und so erschien auf dem iPh*one oder auf dem kleinen Mäc - ich weiss es nicht mehr so genau - eine Mitteilung von G**gle Drive: 

You Need permission! 
Want in? Ask the owner for Access, or Switch to an account with permission. You are signed in as rosaliesblog(at)gmail.com

Request Access

Switch accounts

An sich eine ziemlich klare Message. Aber... wenn ich nun aus Versehen überhastet den blauen Button angeklickt hätte, tja... dann hätte mein Mann eine Mail von mir gekriegt mit der Mitteilung, dass rosaliesblog(ät)gmail.com gerne die Erlaubnis möchte, die Familienfotos anzuschauen!!! So einfach geht das... Ein Klick entfernt von einem kleinen privaten "Supergau"...

Ich habe geklickt. Auf den grauen Button. Möglicherweise aber auch auf den Blauen!!!! Ich kann es nicht hundertprozentig ausschliessen, dass ich auf diesen blöden blauen Button geklickt habe!!! Ich Schussel! Mein Mann hat nichts gesagt...  Das will aber noch nichts heissen! Ich habe deshalb meinen Blog in einem Anflug von Panik sofort auf "privat" geschaltet und falls er das Mail gekriegt hat und nach dieser Mailadresse gesucht hat und trotz deaktivierter G**glesuche durch Verlinkungen in anderen Blogs auf Rosalies M. C. gestossen wäre, so hätte er zumindest nichts lesen können.

Inzwischen sind ein paar Tage vergangen und ich denke, ich kann es nun wieder verantworten, online zu gehen. Ich hatte noch nicht die Zeit, meinen Blog zu "überarbeiten"...  Sobald die Trennungsvereinbarung steht und ich den Kopf wieder frei habe, werde ich mich darum kümmern. Steht ganz weit oben auf der
To-Do-Liste...


Was hat G**lge sich bloss dabei gedacht? Ich bin doch nicht die Einzige, die geheime Mailkonti hat? Und dann ist da noch diese Sache mit G**gle+. Ein Klick und ich bin in Kreisen von Menschen, die ich aus der virtuellen Welt kenne. Aber was, wenn ich dummerweise nicht als Rosalie eingeloggt bin sondern unter meinem richtigen Namen? Und wenn ich private Fotos in Picasa bzw. G**gle-Drive abgelegt habe? Kann die dann jeder aus meinen Kreisen sehen, weil ich vergessen habe, irgendwo in einem versteckten Untermenü ein "Häkchen" ins Feld "privat" zu setzen?

Das ist im übrigen kein so abwegiges Szenario. Ich habe vor Monaten eine G**gle+ Einladung von jemandem erhalten, den ich nicht persönlich kenne. Ich habe mich gewundert, weil mir der Name nichts gesagt hat und ich den attraktiven Mann auf dem Foto noch nie vorher gesehen habe.  Ein kleines Symbolbild (Gravatar...) in seinem Profil hat dazu geführt, dass ich realisiert habe, um welchen Blogger es sich handelt. Ich denke nicht, dass dieser Mann sich wissentlich geoutet hat und ich habe den Mantel des Schweigens darüber gehüllt und die Anfrage ignoriert. Und bis heute habe ich ein tiefes Misstrauen gegenüber G**gle+ und ich hoffe, dass es mir niemand übel genommen hat, dass ich solche Anfragen aus der Bloggergemeinschaft bisher ignoriert habe. Vermutlich aus gutem Grund. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ihr Leben auf FB ausbreiten. Mein Account ist schon länger verwaist und enthält nur wenige persönliche Angaben. Aber ich habe seit neustem ein LinkedIn-Profil. Allerdings habe ich es nicht wissentlich erstellt. Ich habe es entdeckt, als ich meinen Namen geg**gelt habe! Wie das kommt? Ich kann nur spekulieren. Ich habe kürzlich in Büro eine Mail-Anfrage von einem Arbeitskollegen geöffnet, der mir sein LinkedIn-Profil geschickt hat. Vermutlich hat sein Browser die Anfrage selbständig an alle seine Kontakte geschickt, denn ich habe schon seit Jahren nichts mehr von ihm gehört. Irgendwie (Stichwort: Büromailadresse...) hat LinkedIn nun herausgekriegt, wo ich arbeite und nun kann jeder, der meinen Namen g**gelt , lesen, wie mein Arbeitgeber heisst und welche Funktion ich ausübe. Ich sollte das mal löschen. Steht auf der To-Do-Liste!

Irgendwie war das Leben früher einfacher!

 

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Für kurze Zeit Offline (Anzeige: privat)

Ich muss Rosalies Blog kurz vom Netz nehmen!  
Don't worry - ich komme wieder!

Google ist schuld... :-(

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Von Ampelmännchen und Emotionen


Am Sonntag vor zwei Wochen habe ich meine Kinder nach dem Mittagessen bei ihrem Vater abgeholt und als wir vor dem Haus standen, erzählte ich ihnen, dass ich Besuch aus Berlin hätte! Es war ein spontaner Entscheid. Ich hätte die Kinder auch erst am Abend abholen können - aber es hat sich so ergeben und die Zeit war reif.  Es war mir ein Anliegen, dass sie eine Vorstellung davon haben, wer der Freund ist, den ich besuche, wenn ich nach Berlin reise. Ich hatte nach meiner Reise an die Ostsee  schon ein paar mal von ihm gesprochen und ich hatte ihnen die Geschichte von den Berliner Ampelmännchen erzählt...   Sie haben positiv reagiert und waren ganz unbefangen und offen! Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf dieser ersten Begegnung! Natürlich ist er vorerst "nur" ein Freund. Als wir dann zweieinhalb Stunden später zusammen zum nahen Flughafen oder besser gesagt Flugplatz  gefahren sind, hat sich alles ganz vertraut angefühlt und sie haben ihm zum Abschied zugewinkt, als das Flugzeug an uns vorbeigerollt und in den Wolken entschwunden ist. Und mein Sohn hat gemeint, der Mann aus Berlin dürfe ruhig wieder mal in die Schweiz kommen und ich solle ihm ausrichten, dass er doch wieder Ampelmänner aus Fruchtgummi mitbringen möchte.  ;-)







Am Montag nach der Schule war Französisch pauken angesagt. Eval. de Français. Ein grosser Franztest! Einer vor vier Tests, die es nicht zu vermasseln gilt. Wir haben nochmals zwei Stunden zusammen gelernt...

Dienstag dann volles Programm! Drei Termine an meinem "arbeitsfreien" Tag.  Morgens ein Arzttermin mit auffälligen Leberwerten und einem stirnrunzelnden Arzt... "Nein! - Ich trinke nicht! Nur im ortsüblichen Rahmen! Und Medis nehme ich auch keine! Nur ganz selten."  Das Resultat eines Bluttests hat mich ein wenig durcheinandergebracht, aber inzwischen bin ich mir sicher, dass es ein Sturm im Wasserglas war.  Es war wohl alles ein bisschen viel in den vergangenen Wochen und meine Leber hat Protest eingelegt. Inzwischen ist alles wieder im grünen Bereich. 

Am späteren Nachmittag  dann "Privataudienz" beim Klassenlehrer von Sohnemann. Wir Rabeneltern hatten beide den Elternabend vergessen! Unglaublich! In meinem Kopf hatte sich der jeudi (Donnerstag) festgesetzt - der Orientierungsabend für den Übertritt in die Oberstufe fand aber schon am mercredi (Mittwoch) statt! Um 19.30! Um die Zeit sass ich noch im Büro. Ahnungslos. Realisiert habe ich es am nächsten Morgen, als Sohnemann mich ganz aufgelöst kurz vor acht Uhr angerufen hat: "Papa hat den Elternabend vergessen! Bist Du wenigstens hingegangen...?" Oh my god! ... Mir wurde kurz anders! Das durfte doch wohl nicht wahr sein!  Ich war konsterniert! Sohnemann auch... er war  richtig aufgelöst, das arme Kind! Ein paar WhatsApp und zwei Telefongespräche später hatten wir einen Termin mit dem Lehrer.  Er hat uns nach dem Unterricht eine Stunde seiner Zeit gewidmet und uns alles genau erklärt! Er ist ein ganz toller Lehrer!  Die Kinder liegen ihm wirklich am Herz. Nun bin ich beruhigt! Alles wird gut. Aber es hat mir sehr zu denken gegeben... Wie konnte mir das nur passieren?! Und ich war mir noch nicht einmal mehr sicher, ob ich meinem Mann die Info überhaupt kopiert hatte, die an meinem Kühlschrank klebte... Zu viel im Kopf, zu viel um die Ohren. 

Abends stand dann noch der Besuch eines Vortrags auf dem Programm. Ein Lerncouch erzählte aus dem Nähkästchen. Ich musste mich überwinden, hinzugehen. Aber es hat sich gelohnt! Ein genialer Vortrag.  Um 21.45 der Anruf aus der Wohnung: "Mama, wo bleibst Du denn?..."   Mama: "Der Vortrag hat so lange gedauert! Jetzt aber subito Pijama anziehen, Zähne putzen und ab ins Bett! Ich fahre jetzt los!"  22.00 Uhr war  Lichterlöschen. 22.15 sind wir alle eingeschlafen. Naja, vielleicht war es auch schon 22.30...

Dann ein langer Arbeitstag. Fast zwölf Stunden im Büro. Abzüglich die zwei Stunden Mittagslunch mit meiner Freundin M. Die Gespräche mit ihr sind immer wieder eine Bereicherung.  Ich bin so dankbar für diese Freundschaft!

Und dann kam der Donnerstag. Ich habe schon berichtet. Manchmal passieren seltsame Dinge...  Sohnemann hatte abends einen Fussballmatch. Ausnahmsweise an einem Donnerstag. Ausgerechnet im Heimatort meines Vaters, ausgerechnet an diesem Tag.  Was für ein seltsamer Zufall! Ich habe keinen Bezug zu dem Ort, der auch auf meiner  ID-Karte als Bürgerort eingetragen ist. Es ist das erste Mal, dass Junior dort einen Match hatte. Ich sah es als Zeichen und so bin ich nach der Arbeit hingefahren. Kurz vor Schluss der ersten Halbzeit. Als ich das Auto parkiert hatte und aussteigen wollte, fuhr mein Mann vor.  Wir sind also zufällig ohne uns abzusprechen zur gleichen Zeit aus der 20 km entfernten  Stadt losgefahren und haben den Fussballplatz gleichzeitig gefunden. Schon sehr speziell. Mein Vater hat Fussball geliebt. Er hat am TV jeden Match verfolgt und jahrelang selber Fussball gespielt und Junioren trainiert. Es hätte ihm gefallen. Die Mannschaft meines Sohnes hat gewonnen. Es war ein schöner Abend mit einem spektakulären Abendrot.  Ein sehr spezieller Abschluss für einen speziellen Tag. 




Am späten Abend habe ich dann die Kinder übernommen. Sie durften das ganze Wochenende nach Herzenslust spielen und die ersten beiden Ferientage geniessen. Am Sonntag haben wir Koffer gepackt... und am Montag sind sie mit ihrem Vater in den Urlaub geflogen! Für 12 Tage! Zum ersten Mal im Ausland ohne mich! Er war noch nie so lange mit ihnen alleine... Ich meine richtig alleine! Ohne seine Mutter! Es fühlt sich schräg an. Gestern Abend befiel mich kurz Panik! Wird alles gut gehen? Hat er es wirklich im Griff? Zum Glück gibt es Skype... Die ersten Abenteuer haben sie schon überstanden. Am Zielflughafen warteten sie vergeblich auf den privaten Transfer zum Hotel. Man hat sie einfach vergessen. Sie nahmen ein Taxi und auf der Fahrt hat die Kleine Nasenbluten gekriegt... Der Bungalow war nicht verfügbar und sie wurden statt dessen im Haupthaus einquartiert. Das Zimmer ist ok. Das Essen lässt zu wünschen übrig. Suboptimal, wenn man all inclusive gebucht hat. Fünf Sterne auf dem Papier, drei in der Realität...   Hoffentlich lesen sie nichts auf...! Ich darf gar nicht daran denken. Habe schon gecheckt, ob es noch freie Flüge in die Südtürkei gibt... Der Gedanke, dass sie so weit weg sind, ist ziemlich unerträglich. Wird Papa es auf die Reihe kriegen? Wenn Piccolina die 50 cm langen Haare drei Tage lang nicht kämmt, kriegt sie Rastas... Und er darf sie im Restaurant nicht alleine auf die Toilette lassen. Nur wenn er die Türe im Auge behalten kann. Sohnemann eigentlich auch nicht... Und dann der Pool... Und das Meer! Ach Mensch! Das ist richtig schwierig für mich. Ich muss loslassen, vertrauen und mich ablenken...  Morgen kriege ich Besuch aus Berlin. Zum Glück! Er wird mich auf andere Gedanken bringen und das ist gut so!

Donnerstag, 17. Oktober 2013

70


Nun ist er also da, dieser Donnerstag, 17. Oktober 2013, vor dem ich mich insgeheim schon lange gefürchtet habe. Ich habe jeden Gedanken daran verdrängt, weil es ein so bitterer Tag ist. 

Mick Jagger hat ihn erlebt, seinen Siebzigsten! Obwohl er alles getan hat, was Gott verboten hat. Allen ungesunden Exzessen zum Trotz ist er dieses Jahr 70 geworden. Wieso Du nicht? Du hast in Deinem ganzen Leben nicht eine einzige Zigarette geraucht! Verdammt, das ist so ungerecht! 

Was wäre gewesen, wenn alles anders gekommen wäre? Wir hätten Dich heute besucht und Du hättest mit den Enkelkindern herumgealbert. Du bist so stolz auf sie gewesen. Wir hätten Wein getrunken, gelacht und diskutiert. Und Du hättest SMS und Telefonanrufe gekriegt und spontane Besuche.
 
Zehn Jahre ist es her, seit wir mit Freunden und Verwandten in einer Waldhütte gefeiert haben. Ich habe nächtelang an einer Multimedia-Darbietung gearbeitet. Mein ganz persönliches Geschenk zu Deinem 60. Geburtstag. Ein Panoptikum aus Deinem Leben – aus unserem Leben - mit Videosequenzen und  Fotos und untermalt mit Anekdoten und Musik. Es hat unzählige Stunden gedauert, all das zusammenzuschneiden und mit der passenden Musik zu unterlegen und mein alter Freund und ich sind fast verzweifelt, weil der Computer sich an den grossen Mediadateien ständig verschluckt hat… Wenige Stunden vor dem grossen Fest sind wir fertig geworden. Ich hatte nur zwei Stunden geschlafen, aber das war es wert! Es war ein Highlight!
 
Unvergessen die Videosequenz, als Du in Coral Bay mit der Angelrute im T-Shirt bis zum Bauchnabel im türkisblauen Meer standest und plötzlich in Zeitlupe samt Rute komplett im Wasser verschwunden bist. Der Angelhaken hatte sich am Meeresboden verheddert und Du wolltest ihn wieder lösen! Und kurz darauf hast Du diesen komischen dünnen Sägefisch an Land gezogen! Was haben wir gelacht! Ich habe die Szene mit  Men at Work untermalt.  "Land down under" erinnert mich noch heute an diese geniale Reise, als wir zum letzten Mal en famille unterwegs gewesen  und  mit dem Mobilhome durch Westaustralien gefahren sind. Du, Sis und ich  abwechselnd am Steuer, draussen vierzig Grad, endlose schnurgerade Strassen, orangerote Erde und stahlblauer Himmel. Und im CD-Player lief diese Best-of-CD mit Schweizer Mundartsongs. Sis und ich haben lauthals mitgesungen mit  „Züri West“, Polo Hofer, Patent Ochsner und Co. Und abends haben wir in den Caravan Parks australischen Roten getrunken. Aus dem Tetrapak!  Unvergessliche Erinnerungen!
 
Du hattest Dich sehr über mein Geschenk gefreut. Es wäre schwierig geworden, das zu toppen. Vermutlich hätten wir das Werk  dieses Jahr noch einmal abgespielt. Sehr wahrscheinlich ergänzt mit den Highlights der letzten Dekade. Aber es sollte nicht sein…
 
Manchmal denke ich, dass es Dir ganz recht war, auf dem Höhepunkt abzutreten. Du hast immer gesagt, dass Du nicht alt werden wirst und wir haben immer gehofft, dass es nicht stimmt… Du hast ein tolles Leben gehabt. So viele schöne Orte bereist, so viele liebe Freunde gehabt und Du hast Dir bis zum letzten Tag viel Zeit für Dein liebstes Hobby genommen. In gewisser Weise warst Du ein Egoist. Aber ich kann Dich so gut verstehen. Du hast diese Zeit für Dich gebraucht und ich glaube, ich weiss warum... 
 
Auf den letzten Fotos, die ich von Dir gemacht habe, hast Du gelächelt. Du hattest diese Ausstrahlung, die nur  Menschen haben, die ein glückliches Leben hatten und mit sich selbst im Reinen sind. Menschen, die ihre Träume gelebt und nicht aufgeschoben haben.  Du bist glücklich gegangen und ich bin froh, dass Dir ein Ende als pflegebedürftiger Mensch erspart geblieben ist. Das hätte so gar nicht zu Dir gepasst und wäre noch viel schwerer zu ertragen gewesen als Dein früher Tod. Aber trotzdem tut es unheimlich weh und ich denke jeden Tag daran, was Du noch alles mit Deinen Enkelkindern  hättest unternehmen können. Du hättest ihnen noch so viel beibringen können! Du warst der beste Fischer von allen und all die Tricks hast Du mit ins Grab genommen, bevor Du sie an die Jungs weitergeben konntest. Und die Pfifferlinge im Wald werden andere sammeln. So vieles erinnert uns an Dich und wenn im Radio ein Stück von Peter, Sue und Marc gespielt wird, breche ich in Tränen aus. Und manchmal ertrage ich kaum die Fischerboote auf dem See...  und manchmal kann ich es immer noch nicht richtig fassen, dass es Dich nicht mehr gibt! 

Bitte nimm es mir nicht übel, dass ich so selten an Dein Grab gehe. Ich tue mich so schwer damit. Ach, ich weiss, Du würdest es verstehen. Ist ja nur ein Platz auf einem Friedhof. Du bist eh schon längst wo anders und ich hoffe, dass wir uns eines Tages wiedersehen. 
 
Happy Birthday, Vater! Du fehlst! 

 
 

 

Freitag, 4. Oktober 2013

Liebe Anna,

Heute morgen habe ich an Dich gedacht und plötzlich hatte ich das Bedürfnis, eines Deiner letzten Posts zu kommentieren, das ich in einer nächtlichen Wachphase gelesen habe und nun ist Dein Blog nicht mehr zugänglich. Ich hatte gehofft, dass das Goodbye sich nur auf "das Schweigen" bezieht, denn Dein Blog ist so viel mehr als nur das Schreiben über ihn.

Was ich Dir noch sagen wollte, als ich über Deine Geschichte mit dem Schweizer nachgedacht habe:  

Bei allen Zweifeln, die einen nach einer solchen Erfahrung plagen, darf man doch nie vergessen,  dass man niemals, wirklich niemals  in einen anderen Menschen hineinsehen kann. Wenn es so endet wie Du das erlebt hast, quält man sich mit Interpretationen, Mutmassungen und Selbstzweifeln. Aber die wahren Beweggründe können wir nur erahnen und in der Regel können wir uns auf unser Bauchgefühl verlassen, auch wenn die Realität oder das, was wir dafür halten, ein anderes Bild zeichnet. 

Vielleicht wirst Du nie erfahren, was er wirklich empfunden hat. Aber Du hast geliebt und er hat Dich tief berührt und es kommt überhaupt nicht darauf an,  ob er Dich genauso geliebt hat wie Du ihn! Alles was zählt, sind Deine eigenen Empfindungen und Gefühle! Und diese  Gefühle waren echt, die waren authentisch und die Erinnerungen kann Dir niemand nehmen, auch wenn sie noch eine Weile lang bittersüss schmecken werden. 

Das gilt übrigens auch für die Frau Doktor... und für so viele von uns, die solche Erfahrungen gemacht haben.

Auch wenn es Phasen der Wut, der Enttäuschung und vielleicht sogar des Hasses gibt - wenn man geliebt hat, wird man verzeihen. Er wird seine Gründe haben, dass er sich so verhalten hat, so wie Du Deine Gründe hattest, dass Du getan hast, was Du tun musstest. Diese Begegnung hat Euch sicher beide weitergebracht und das alles hatte einen Sinn. 

Kannst Du Dich an meine Geschichte mit Monsieur Silence erinnern? Und wie ich gehadert habe, als er sich zwei Wochen nach einem wundervollen Treffen Knall auf Fall zurückgezogen hat? Als er meine WhatsApp unbeantwortet liess, obwohl er immer wieder online war? Es war ein Auf und Ab der Gefühle. Enttäuschung, manchmal Wut, dann wieder Trauer, Zweifel, Mitgefühl, die Sorge, wie es ihm wohl gehen mag, Gefühle der Einsamkeit und ein ganz gemeines, sehr schmerzhaftes Ziehen in der Herzgegend. Ein verschüttetes Gefühl, das plötzlich aus der Tiefe meiner Seele wieder an die Oberfläche gespült worden ist: Das Gefühl, ganz viel für jemanden zu empfinden und nicht im selben Masse zurückgeliebt zu werden... So wie ich das bei meiner ersten grossen Liebe erlebt habe. Und auch später. Ein Déjà-Vu. Und darin verstrickt, das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Nicht attraktiv genug. Nicht liebenswert genug... 

Und dann sind da diese Zweifel, ob es wirklich sein kann, dass man sich so sehr in einem Menschen getäuscht hat. Die Verunsicherung, ob man seinem Buchgefühl, seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr vertrauen kann. Ob man sich am Ende nur einer Illusion hingegeben hat...

Ich war lange hin- und her gerissen zwischen all diesen Gefühlen. Tief drinnen habe ich geahnt, dass ich mich nicht im ihm getäuscht habe. Dass er authentisch gewesen ist und nichts vorgespielt hat. Und ich habe ihm gute Gedanken geschickt und mich bemüht, ihn loszulassen.

Und dann hat mir das Universum Herrn B. geschickt! Er war beim Lesen meines Blogs über die beiden Posts "gestolpert", die ich über meine Zeit mit Monsieur S. verfasst hatte und es hat ihn so berührt, dass er mir geschrieben hat... Und so hat unsere Geschichte ihren Anfang genommen!

Nun hat sich der Kreis mit Monsieur Silence geschlossen! Er hat sich wieder bei mir gemeldet. Fast ein Jahr nach seinem Rückzug. Er hat mir geschrieben, dass es ihm wieder gut geht, und dass er oft an die Zeit mit mir zurückdenkt. 

Ich habe mich gefreut, wieder von ihm zu hören, denn ich mag es nicht, wenn Menschen, die mein Herz berührt haben, für immer aus meinem Leben verschwinden. Ich verdanke ihm einiges. Ich habe sehr viel gelernt durch diese Begegnung. Vor allem über mich selbst. Und ein bisschen auch über Männer. Und diese Begegnung war es, die mich schliesslich dazu veranlasst hat, den Mut aufzubringen, mich von meinem Mann zu trennen und ein neues, selbstbestimmteres Leben zu beginnen!

Ich habe ihm zurückgeschrieben, dass alles, was ich ihm anbieten könne, eine platonische Freundschaft sei. Und er hat geantwortet, dass das in seinem Sinne sei.

Und dann hat er mir gestanden, dass er Angst gehabt habe vor einem zweiten Treffen...


Und dass diese Stunden, in denen wir uns so nah gekommen sind, zu den schönsten Momenten zählen, die er je mit einer Frau erlebt hat! Dass er oft davon träume und dass es Erinnerungen seien, die ihm niemand mehr nehmen könne... 

Das ist vielleicht eines der schönsten Komplimente, das ich in meinem Leben je erhalten habe...  DANKE, Universum!!


In diesem Sinne... Vertraue auf Dein Bauchgefühl und lass ihn los ohne Groll - wenn es sein soll, wirst Du eines Tages die Wahrheit erfahren. Du hast durch diese Begegnung so viel gelernt über Dich und so viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen! Ich bin dankbar, dass Du uns daran hast teilhaben lassen.

Alles Liebe,

Rosalie




Dienstag, 24. September 2013

Bügeln oder bloggen?

Ich habe mich fürs Bloggen entschieden an diesem freundlichen Sonntagmorgen, obwohl der Wäscheberg langsam bedrohliche Ausmasse annimmt...

Und bevor ich mein Post fertig geschrieben hatte, kam Mama zu Besuch. Etwas früher als geplant. Und ist geblieben bis gestern Abend. 

Inzwischen ist es Dienstagmorgen. Der erste Nebel seit langem! Hatte mich doch schon so sehr an die rosaroten Sonnenaufgänge gewöhnt! :-(


Mein letztes Post ist schon wieder zwei Wochen alt und es gäbe so vieles zu erzählen, wenn ich bloss die Zeit hätte, regelmässig darüber zu berichten. Aber es gibt da ein paar Dinge, die ich unbedingt noch erledigen muss und wenn ich das abgehakt habe, mache ich ein Kreuz an die Decke und werde endlich wieder mehr Zeit zum Schreiben haben.

Ich habe lange darauf gewartet, dass der Counterstand  - ich spreche von den Anzahl Klicks...  ;-) -  die 100'000er Schranke erreicht und dann habe ich den magischen Moment doch glatt verpasst! Aber ich habe mit Genugtuung festgestellt, dass ich keine Leser mehr verloren habe. Es trifft mich immer etwas, wenn die Zahl der Abonnenten sich rückwärts entwickelt... Ein unangenehmes Gefühl.

Ein kurzer Rückblick auf die letzten vierzehn Tage:

Ich habe mich im Viererbüro gut eingelebt, sofern man das nach drei Arbeitstagen schon sagen kann... Den Vierten habe ich extern verbracht. An einem sogenannten Teambildungsevent. Glücklicherweise blieben uns Teambildungsaktivitäten à la "wir kraxeln gemeinsam in luftiger Höhe über wackelige Hängebrücken" erspart. Aus dem Alter sind wir raus! Ich bin nämlich die Zweitjüngste im Team und bekanntlich auch kein junges Häschen mehr.  Es war ganz nett.  Nicht mehr aber auch nicht weniger. Soviel zum Job!

Und endlich konnte ich etwas von meiner To-Do-Liste streichen, das ich seit Monaten vor mich hingeschoben habe: Das Update von meinem Iphone auf iOS6! Ja, genau 6. Dass nur Tage später die Version 7 auf den Markt kam, ist Ironie des Schicksals. Ich bin schon froh, dass meine Apps wieder laufen und von iOS7 will ich noch nichts wissen. Mein geliebtes iPhone mit seinen ca. 250 Apps von iOS 4 auf 6 upzudaten, war eine tagesfüllende Aufgabe! Nichts ist reibungslos gelaufen und es hat unglaublich viel Zeit in Anspruch genommen. Zuerst hat mir mein Laptop nach Stunden kurz vor Ende des Backups mitgeteilt,  dass er nicht mehr genügend freie Kapazität habe (!), so dass ich ein paar Tausend Fotos auf eine externe HD schaufeln musste. Das Reservebackup auf dem kleinen Mac verlief hingegen dermassen schnell, dass Zweifel an der Vollständigkeit aufkamen, die sich nachträglich bestätigt haben. Die Apps und deren Inhalt hat er nämlich ignoriert. Ein Mysterium. Hätte ich nicht mein privates Helpdesk an meiner Seite gehabt, hätte ich das nervlich nicht durchgestanden. Zu tief steckt mir mein Erlebnis vom Weihnachtstag 2010 noch in den Knochen! Damals habe ich beim Update auf iOS2 (oder 3 oder 4?) viele Daten verloren, bloss weil ich Backup und Update in einem Arbeitsgang erledigen wollte und nach vielen Stunden das blöde weisse Kabel zwischen meinem Laptop und dem Handy ZU  FRÜH  entfernt habe. Die Daten sind unwiederbringlich im Nirwana verschwunden und das letzte Backup war sieben Monate alt... Ich war regelrecht gelähmt vor Entsetzen und der Weihnachtstag war ruiniert.

Ich muss nämlich gestehen, dass ich ein "Junkie" bin. Mein iPhone ist mein erweitertes Gedächtnis und es hütet die Geheimnisse meines Lebens. Ich trage es immer bei mir und wenn ich es verlege, steigt mein Adrenalinpegel schlagartig in die Höhe.  Ich lese damit Blogs, News, Mails und speichere "Geheimes" in einer verschlüsselten App namens "Notebook" ab. Ich bin eigentlich immer am kommunizieren. Mehr als 15'000 WhatsApp Nachrichten habe ich in den letzten Jahren geschrieben und noch mehr gekriegt. Dazu geschätzte 4000 SMS. Dank dem schicken Lederetui  hat mein iPhone schon einige Stürze unbeschadet überstanden. Das Etui beherbergt unter anderem auch meinen Zutrittsbadge zum Büro, das Halbtax-Abo und meine ID-Karte und einen Not-Zwanziger. Weil ich daran hänge und es  behalten wollte, habe ich mir vor Monaten schon ein iPhone4S besorgt. Aus zweiter Hand, weil die 64er Modelle in den Shops schon ausverkauft waren. Das iPhone5 ist ja bekanntlich etwas grösser. Die Etuihersteller wollen ja auch gelebt haben...  Seit einer Woche ist das Neue nun in Betrieb! Nun kann ich endlich wieder Fotos machen! Mein iPhone4 war mit seinen 32GB nämlich am Anschlag!  Ok, 6500 Fotos sind viel... Ein Panoptikum der letzten beiden Jahre. Screenshots von speziellen Nachrichten, Fotos von Dingen, die mir gefallen oder an die ich mich erinnern wollte, Ferienfotos, Gartenfotos, Kinderfotos  und viele andere Fotos von Ereignissen, die mein Leben bereichert oder erschüttert haben. Unter anderem Fotos von meinem toten Vater... Ich musste sie  mir in gewissen Momenten anschauen, um das Unfassbare zu begreifen... Jedes Foto ist mit Erinnerungen und Gefühlen verbunden. Inzwischen habe ich sie extern  gesichert und vom Gerät gelöscht. Allein das Löschen hat eine Stunde gedauert!

Und dann ist da noch die Sache mit der Cloud... OMG!   Hab meine Cloud vorsorglich gleich wieder deaktiviert, nachdem ich meine Kontakte, sämtliche Kalendereinträge und die neusten Fotos von meinem Liebsten im Fotostream auf dem iPad meines Sohnes gefunden habe, das leider noch über meine AppleID läuft. Ursprünglich war es nämlich mal MEIN Geburtstagsgeschenk und auf der Rückseite ist sogar mein Name eingraviert. Er hat es längst annektiert und die gutmütige Mama hat es "abgeschrieben". Es pendelt jetzt zwischen unseren beiden Haushalten hin und her, da er es stets im Gepäck mit dabei hat. Ich werde mir wohl zu Weihnachten ein süsses mini iPädchen kaufen, damit ich mir nicht länger in schlaflosen Nächten im Bett beim Bloglesen auf dem iPhone meine Augen verderben muss. 

Es ist mir übrigens nicht auf Anhieb gelungen, die Cloud-ID, die mit meiner Apple-ID identisch ist, von Sohnemanns iPad zu löschen bzw. sie zu ändern. Man müsste dazu wohl den Account löschen und es ist nicht ganz klar, welche Daten alle mitgelöscht werden. Ich muss zuerst ein Backup machen, bevor ich damit experimentiere. Das Gerät ist inzwischen drei Jahre alt und mein Sohn würde die Krise kriegen, wenn seine Minecraft, Eden und ??-Daten plötzlich in einer gelöschten Cloud verpuffen würden... Irgendwie war das Leben früher doch einfacher, n'est-ce pas?! 

Und da war da noch ein spontaner Besuch in meinem ehemaligen Haus... Ich wollte mit der Tochter nur rasch etwas Vergessenes aus dem Kinderzimmer holen und als wir die Türe öffneten (selbstverständlich nach vorgängigem Klingeln meinerseits...), sahen wir uns mit Damenbesuch konfrontiert. Zum Glück war ich vorbereitet oder besser gesagt nicht gänzlich unvorbereitet, obwohl vor dem Haus kein fremdes Auto stand. Die Kinder haben die "Kollegin" von meinem Mann nämlich Tage vorher  schon kennengelernt und hatten mir von ihre Besuch erzählt.  Natürlich habe ich sie NICHT ausgefragt... "Hüstel". Höchstens ganz subtil.  Die spärlichen Infos die ich von Piccolina gekriegt habe, (Vorname, Haustiere, Hobby) haben ausgereicht, damit Miss Rosalie Marple mit Hilfe von Mr Stringer ähm Google nach wenigen Klicks informiert war, wie die Dame aussieht, wo sie wohnt, was und wo sie arbeitet und in welchen Vereinen sie aktiv ist. Bloss das Alter und die Schuhgrösse habe ich nicht herausgefunden... ;-)  Ich war also nicht über die Massen überrascht bzw. entsprechend "gefasst" und habe mich cool freundlich mit dem Vornamen vorgestellt, ihre Hand gedrückt und ihren Hund gekrault. Mein Mann hat auch ganz cool reagiert. Als ob das die selbstverständlichste Sache der Welt wäre. Er war am Kochen und sie trank an der Bar ein Bier. Hätte nur noch gefehlt, dass er mir ein Glas Wein angeboten hätte! War schon irgendwie seltsam...

Sie war übrigens nicht unsympathisch, wenn auch ein bisschen reserviert. Ich gehe mal davon aus, dass er inskünftig den Schlüssel von innen im Türschloss stecken lässt, wenn er nicht gestört werden will... ;-)  

Eh voila! Nun seid Ihr wieder ein bisschen upper to date. Inzwischen gibt es auch schon wieder neue Erkenntnisse zum Damenbesuch. Stay tuned. Werde bald mehr darüber schreiben.  Und nun gehe ich mal bügeln... ähm kochen. Bügeln muss warten.









Dienstag, 10. September 2013

Büroumzug

Büroumzug ist angesagt. Der Vierte innert dreier Jahre.  Der Fünfte in den letzten 15 Jahren. Seit unser "Laden"  ohne Ende reorganisiert und restrukturiert wird, fühle ich mich dort nicht mehr "zuhause". Inzwischen geht es gar nicht mehr darum, die Effizienz zu steigern. Man wäre schon zufrieden, wenn der "Laden" wieder so effizient laufen würde wie vor der vorletzten Reorganisation. Bittere Erkenntnis nachdem Millionen in den Sand gesetzt wurden, mehrere hundert Mitarbeiter umgezogen sind und externe Berater hunderte Seiten Papier produziert haben, die vermutlich in irgendwelchen Schubladen verschwunden sind. Zahlreiche  langjährige Mitarbeiter haben das sinkende Schiff inzwischen verlassen oder sind wegen Burnout und ähnlichen Leiden krank geschrieben. Erstaunlicherweise sind es nie die unfähigen Leute, die einer Reo zum Opfer fallen und noch erstaunlicher ist es, dass die Führungspositionen nach einer Reo stets exakt wieder  mit denjenigen Personen besetzt werden, die sich schon seit Jahren durch fehlende Sozialkompetenz und teilweise sogar durch mangelnde Sachkompetenz (dis)qualifiziert haben und dafür verantwortlich sind, dass etliche der wirklich guten Leute abgewandert sind. 

Aber ich darf mich nicht beklagen.  Die Chance, anderswo einen 40%-Job zu ergattern, der ähnlich gut bezahlt ist, ist gleich Null. Also muss ich Klappe halten und das Beste daraus machen. Schliesslich bin ich privilegiert. Heute würden keine Anstellungsverträge mehr für ein Arbeitspensum von 40 %  ausgestellt. 50 % ist das Minimum, lieber noch 60 %. Alles darunter ist angeblich ineffizient.

Also füge ich mich tapfer lächelnd in mein Schicksal und stelle mich darauf ein, zum ersten Mal in dreiundzwanzig Berufsjahren ein Viererbüro zu beziehen und ich versuche, meine aktuelle Bürokollegin zu trösten, die total demoralisiert ist,  mehrmals täglich mit den Tränen kämpft und nachts nicht mehr schlafen kann. 


Die letzten beiden Kartons vom letzten Büroumzug stehen seit einem Jahr verschlossen unter meinem Pult. Ich habe sie gar nie ausgepackt und auch nichts daraus vermisst. Trotzdem werde ich den Inhalt noch durchgehen, bevor ich ihn entsorge.  Ich geniesse die letzten Tage in meinem Zweierbüro mit Tageslicht und Fernsicht. Ab nächster Woche ist es vorbei mit Privatsphäre,  Aussicht und ausreichend Tageslicht am Arbeitsplatz.


 * * * * * * * * * 

Inzwischen habe ich ausgemistet und ungefähr 20 kg Papier entsorgt. Ich bin stolz auf mich. Ausmisten ist nicht gerade einer meiner Stärken. In diesem Fall ist es mir erstaunlich leicht gefallen.  Wenn es im privaten Bereich nur auch so wäre...

Die alten Organigramme habe ich behalten. Wer weiss, wozu die noch gut sein werden. Es ist immer gut, die alten Seilschaften zu kennen... Ich habe den Eindruck, dass es  in keine gute Richtung geht und es ist erstaunlich, wie die gleichen Fehler und Fehleinschätzungen wiederholt werden. Von Leuten, die es eigentlich besser wissen müssten! Man kann sich nur verwundert die Augen reiben... 

Wir werden zu wenig Leute im Team haben, um die anfallende Arbeit innert nützlicher Frist erledigen zu können. Das ist jetzt schon klar. Und meine Bürokollegin wird das nervlich nicht durchstehen. Und ich werde als unerschütterliche Optimistin das Beste daraus machen und mit Sarkasmus und Ironie in der Pause den einen oder andern Schmunzler provozieren. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass in drei Jahren wieder alles ändern wird. 

So werde ich nun diese Woche an meinem neuen Arbeitsplatz in einem neuen Gebäude mit neuen Bürokollegen in einem neuen Team von Einzelkämpfern meine Arbeit erledigen und  das Beste daraus machen. Die Arbeit selbst hat sich nicht gross verändert. Neu ist nur, dass der neue Chef gewisse Aufgabengebiete noch nicht kennt und teilweise weniger gut Bescheid weiss als seine Sachbearbeiter. Mit der Privatsphäre ist es vorerst vorbei. Nur mein Schubladenelement mit der Hängeregistratur trennt mein Pult von dem meiner neuen Büronachbarin. Sie  sitzt am Fenster und wird nun x-mal täglich hinter meinem Rücken vorbeigehen und auf meinen Bildschirm schauen. Daran werde ich mich erst gewöhnen müssen. Vis-à-vis sitzen zwei weitere Mitarbeiter und ich hoffe sehr, dass die Telefone nicht ständig klingeln. Sonst wird das nichts mit konzentriertem Arbeiten. 

Ich werde in den nächsten Tagen Zimmerpflanzen kaufen und sie links und rechts von meinem Pult aufstellen. Am besten solche, die weder Licht noch Wasser brauchen und ganz und gar anspruchslos sind... So ähnlich wie diese hier. Oder hat jemand eine bessere Idee?


Pflanzenregal? Why not....