Dienstag Abend hat mich mein Sohn nach der Schule gebeten, seinen Lehrer anzurufen und ihm zu erklären, weshalb er momentan "la tête en air" habe. "Den Kopf in der Luft" haben bedeutet: unaufmerksam sein, in Gedanken sein.
Die Neuigkeit von der Trennung der Eltern hat ihn durcheinandergebracht und er sagt, dass er sich nicht mehr so gut konzentrieren kann. Er ist ohnehin ein Träumer und vergisst hin und wieder Dinge, aber er ist auch sehr gewissenhaft und darauf bedacht, die Hausaufgaben zu machen, pünktlich in der Schule zu sein und nichts zu vergessen. Nun hat er Montag und Dienstag bereits zwei "Oubli" erhalten. "Oubli" bedeutet "Vergessenheit" und in der Klasse gibt es dafür ein "Strichli" auf einer Liste und nach drei Strichli kriegt das zerstreute Kind Strafaufgaben aufgebrummt.
Dienstag Mittag hat er an der Bushaltestelle seinen Turnbeutel liegen lassen und konnte deshalb am Nachmittag nicht am Turnunterricht teilnehmen. Dafür gab es natürlich einen weiteren "Oubli". Der Rucksack mit dem Turnzeug war nach Schulschluss noch dort, wo er ihn liegen gelassen hatte. Das ist einer der Vorteile, wenn man in einem Dorf wohnt...
Weil Sohnemann mangels Turnkleidung und Indoor-Turnschuhen nicht mitmachen konnte, musste er sich mit einem Buch auf den Hallenboden setzen und beim Turnunterricht zuschauen. Nach einer Weile gesellte sich eine Schulkameradin zu ihm, die sich gerade den Fuss verknackst hatte. Es war die Enkeltochter der Freundin meiner neuen Vermieterin und sie wusste die Neuigkeit schon! Sie hat ihn diskret darauf angesprochen! Gott sei Dank habe ich es meinen Kindern am Samstag gesagt!!!
Als ich meinen Sohn von der Schule abholte, sah ich die Eltern des Mädchens und grüsste sie aus dem fahrenden Auto. Man kennt sich seit Jahren, man ist per Du, weil man im selben Alter ist und sich regelmässig an Schulanlässen, Kindergeburtstagen und Dorffesten sieht. Ich war mir sicher, dass sie es wussten. Irgendetwas an ihrem Gesichtsausdruck hat es mir verraten. Ich weiss noch nicht genau, wie ich es deuten soll...
Juniors Schulfreund weiss ebenfalls Bescheid, da er ja der Sohn des Neffen der Vermieterin ist. Ein ganz herziger Bub und sehr wohlerzogen. Er hat Sohnemann darauf angesprochen und ihm gesagt, dass es ihm sehr leid tue für ihn... Das hat mich berührt.
Ich habe den Lehrer telefonisch nicht erreicht und schrieb ihm deshalb einen Brief, den ihm mein Sohn am nächsten Morgen vor Schulbeginn in die Hand drückte. Und bei dieser Gelegenheit fand er auch den Mut, ihm die Neuigkeit auch noch mündlich mitzuteilen. Der Lehrer reagierte sehr verständnisvoll. Es ist ein ganz toller Lehrer. Noch jung, so Ende zwanzig, aber einer, der seinen Beruf sehr ernst nimmt und sich für die Kinder interessiert und sich einsetzt und engagiert. Streng und fordernd, aber gerecht und mit der notwendigen Portion Sozialkompetenz.
Sohnemann hat dennoch Strafaufgaben erhalten. Aber er musste die acht französischen Verben, die er in allen bereits gelernten Zeiten schriftlich konjugieren muss, (inkl. passé simple) nicht bis zum nächsten Tag aufschreiben, sondern kann dies übers Wochenende erledigen, wegen der "situation familiale". Meiner Meinung nach ein faires Entgegenkommen. Inzwischen hat die Nachricht schon ein bisschen von ihrem Schrecken verloren und Junior lässt sich nichts mehr anmerken.
Die Nachricht von unserer Trennung macht nun die Runde im Dorf. Die Vermieterin ist zwar eine diskrete Frau, aber nachdem ich den Mietvertrag unterzeichnet habe, darf sie es natürlich kommunizieren. Die Freundin der Vermieterin ist nicht ganz so diskret und erzählte es im Dorfladen einer Bekannten und zufällig stand die Mutter der Schulfreundin meiner Tochter in der Nähe und schnappte die Worte "Appartement", "loué" (vermietet) und "Madame Rosalie" auf. Sie ist eine von drei Frauen, alles Mütter von Schulfreunden und -freundinnen meiner Kinder, die ich im Vorfeld eingeweiht hatte, bzw. die wussten, dass ich in der Ehe nicht mehr happy war.
Und da die "breaking Lokalnews" jetzt im Dorf zirkuliert, habe ich heute gegen 17.00 Uhr eine Flasche einheimischen "Pinot Gris" aus dem Keller geholt und bin damit zu den Nachbarn rübergegangen, mit denen wir seit vielen Jahren eng befreundet sind, um ihnen die Neuigkeit persönlich mitzuteilen.
Ich bin allein hingegangen, weil mein Mann heute Abend direkt nach der Arbeit in die Ferienwohnung gefahren ist.
Es war ein sehr gutes Gespräch! Wir haben den Wein getrunken und ich habe ihnen alles erzählt. Sie war gar nicht mal so überrascht, er schon. Aber beide reagierten verständnisvoll und fanden, dass wir eine tolle Lösung gefunden haben! Es war ganz entspannt und mein Optimismus wirkte ansteckend und sie freuen sich schon, mich am neuen Ort zu besuchen. Sie haben mich ein bisschen damit "aufgezogen", dass ich jetzt kochen lernen müsse, da bei uns ja immer mein Mann gekocht hat, wenn wir Gäste hatten.
Ich nehme das sportlich. Ich könnte nämlich schon, wenn ich wollte. Aber bisher hatte ich keine grosse Lust und vor allem musste ich nicht und mein Mann durfte sich jeweils mit seinen Kochkünsten profilieren...
Die Kochbücher von Jamie Oliver werde ich mal mitnehmen! Ich habe sie ihm zwar vor Jahren geschenkt, aber er hat sie nie angeschaut und vermutlich weiss er gar nicht mehr, dass es sie gibt. :-)
Ach ja, apropos Küche: gestern habe ich zwei Sets Gläser gekauft! Weisswein-, Rotwein- und Sektgläser für 8 Personen! Ein Musthave! Der Vormieter überlässt mir sein Weingestell im Keller. Ebenfalls ein Musthave! Schliesslich wohne ich in einem Weinbaugebiet und wenn Besuch kommt, trinkt man zusammen ein Glas Wein. Das gehört hier zur Kultur und diese Tradition werde ich auch alleine weiterführen.
Ich sehe mich schon abends auf der Terrasse sitzen, all by myself, mit meinem kleinen Laptop und/oder einem Buch, einem Glas Wein und einem Teller mit dunklem Brot und Käse. Ich werde den Abend in Ruhe geniessen, dem Kreischen der Möwen vom nahegelegenen See lauschen und einfach sein...
Und weit und breit kein Mann, der nach zehn Minuten ruft: "Wo ist eigentlich die Mama?!!"
Die Neuigkeit von der Trennung der Eltern hat ihn durcheinandergebracht und er sagt, dass er sich nicht mehr so gut konzentrieren kann. Er ist ohnehin ein Träumer und vergisst hin und wieder Dinge, aber er ist auch sehr gewissenhaft und darauf bedacht, die Hausaufgaben zu machen, pünktlich in der Schule zu sein und nichts zu vergessen. Nun hat er Montag und Dienstag bereits zwei "Oubli" erhalten. "Oubli" bedeutet "Vergessenheit" und in der Klasse gibt es dafür ein "Strichli" auf einer Liste und nach drei Strichli kriegt das zerstreute Kind Strafaufgaben aufgebrummt.
Dienstag Mittag hat er an der Bushaltestelle seinen Turnbeutel liegen lassen und konnte deshalb am Nachmittag nicht am Turnunterricht teilnehmen. Dafür gab es natürlich einen weiteren "Oubli". Der Rucksack mit dem Turnzeug war nach Schulschluss noch dort, wo er ihn liegen gelassen hatte. Das ist einer der Vorteile, wenn man in einem Dorf wohnt...
Weil Sohnemann mangels Turnkleidung und Indoor-Turnschuhen nicht mitmachen konnte, musste er sich mit einem Buch auf den Hallenboden setzen und beim Turnunterricht zuschauen. Nach einer Weile gesellte sich eine Schulkameradin zu ihm, die sich gerade den Fuss verknackst hatte. Es war die Enkeltochter der Freundin meiner neuen Vermieterin und sie wusste die Neuigkeit schon! Sie hat ihn diskret darauf angesprochen! Gott sei Dank habe ich es meinen Kindern am Samstag gesagt!!!
Als ich meinen Sohn von der Schule abholte, sah ich die Eltern des Mädchens und grüsste sie aus dem fahrenden Auto. Man kennt sich seit Jahren, man ist per Du, weil man im selben Alter ist und sich regelmässig an Schulanlässen, Kindergeburtstagen und Dorffesten sieht. Ich war mir sicher, dass sie es wussten. Irgendetwas an ihrem Gesichtsausdruck hat es mir verraten. Ich weiss noch nicht genau, wie ich es deuten soll...
Juniors Schulfreund weiss ebenfalls Bescheid, da er ja der Sohn des Neffen der Vermieterin ist. Ein ganz herziger Bub und sehr wohlerzogen. Er hat Sohnemann darauf angesprochen und ihm gesagt, dass es ihm sehr leid tue für ihn... Das hat mich berührt.
Ich habe den Lehrer telefonisch nicht erreicht und schrieb ihm deshalb einen Brief, den ihm mein Sohn am nächsten Morgen vor Schulbeginn in die Hand drückte. Und bei dieser Gelegenheit fand er auch den Mut, ihm die Neuigkeit auch noch mündlich mitzuteilen. Der Lehrer reagierte sehr verständnisvoll. Es ist ein ganz toller Lehrer. Noch jung, so Ende zwanzig, aber einer, der seinen Beruf sehr ernst nimmt und sich für die Kinder interessiert und sich einsetzt und engagiert. Streng und fordernd, aber gerecht und mit der notwendigen Portion Sozialkompetenz.
Sohnemann hat dennoch Strafaufgaben erhalten. Aber er musste die acht französischen Verben, die er in allen bereits gelernten Zeiten schriftlich konjugieren muss, (inkl. passé simple) nicht bis zum nächsten Tag aufschreiben, sondern kann dies übers Wochenende erledigen, wegen der "situation familiale". Meiner Meinung nach ein faires Entgegenkommen. Inzwischen hat die Nachricht schon ein bisschen von ihrem Schrecken verloren und Junior lässt sich nichts mehr anmerken.
Die Nachricht von unserer Trennung macht nun die Runde im Dorf. Die Vermieterin ist zwar eine diskrete Frau, aber nachdem ich den Mietvertrag unterzeichnet habe, darf sie es natürlich kommunizieren. Die Freundin der Vermieterin ist nicht ganz so diskret und erzählte es im Dorfladen einer Bekannten und zufällig stand die Mutter der Schulfreundin meiner Tochter in der Nähe und schnappte die Worte "Appartement", "loué" (vermietet) und "Madame Rosalie" auf. Sie ist eine von drei Frauen, alles Mütter von Schulfreunden und -freundinnen meiner Kinder, die ich im Vorfeld eingeweiht hatte, bzw. die wussten, dass ich in der Ehe nicht mehr happy war.
Und da die "breaking Lokalnews" jetzt im Dorf zirkuliert, habe ich heute gegen 17.00 Uhr eine Flasche einheimischen "Pinot Gris" aus dem Keller geholt und bin damit zu den Nachbarn rübergegangen, mit denen wir seit vielen Jahren eng befreundet sind, um ihnen die Neuigkeit persönlich mitzuteilen.
Ich bin allein hingegangen, weil mein Mann heute Abend direkt nach der Arbeit in die Ferienwohnung gefahren ist.
Es war ein sehr gutes Gespräch! Wir haben den Wein getrunken und ich habe ihnen alles erzählt. Sie war gar nicht mal so überrascht, er schon. Aber beide reagierten verständnisvoll und fanden, dass wir eine tolle Lösung gefunden haben! Es war ganz entspannt und mein Optimismus wirkte ansteckend und sie freuen sich schon, mich am neuen Ort zu besuchen. Sie haben mich ein bisschen damit "aufgezogen", dass ich jetzt kochen lernen müsse, da bei uns ja immer mein Mann gekocht hat, wenn wir Gäste hatten.
Ich nehme das sportlich. Ich könnte nämlich schon, wenn ich wollte. Aber bisher hatte ich keine grosse Lust und vor allem musste ich nicht und mein Mann durfte sich jeweils mit seinen Kochkünsten profilieren...
Die Kochbücher von Jamie Oliver werde ich mal mitnehmen! Ich habe sie ihm zwar vor Jahren geschenkt, aber er hat sie nie angeschaut und vermutlich weiss er gar nicht mehr, dass es sie gibt. :-)
Ach ja, apropos Küche: gestern habe ich zwei Sets Gläser gekauft! Weisswein-, Rotwein- und Sektgläser für 8 Personen! Ein Musthave! Der Vormieter überlässt mir sein Weingestell im Keller. Ebenfalls ein Musthave! Schliesslich wohne ich in einem Weinbaugebiet und wenn Besuch kommt, trinkt man zusammen ein Glas Wein. Das gehört hier zur Kultur und diese Tradition werde ich auch alleine weiterführen.
Ich sehe mich schon abends auf der Terrasse sitzen, all by myself, mit meinem kleinen Laptop und/oder einem Buch, einem Glas Wein und einem Teller mit dunklem Brot und Käse. Ich werde den Abend in Ruhe geniessen, dem Kreischen der Möwen vom nahegelegenen See lauschen und einfach sein...
Und weit und breit kein Mann, der nach zehn Minuten ruft: "Wo ist eigentlich die Mama?!!"
Hin und wieder haben wir uns schon mal auf @Claudia`s Seite über Monogamie Gedanken gemacht, und meistens betrachte ich es aus meinem Blickwinkel. Sieht man es aber mal mit Kinderaugen, so wie du es hier beschreibst, so scheint doch der Wunsch bestimmend zu sein, das Papa und Mama immer zusammen sein mögen. Selbst, wenn man schon 40 oder 50 ist und Eltern sich dann noch trennen – man akzeptiert es wohl und wünscht ihnen alles Gute für die Zukunft – doch, es trifft einen.
AntwortenLöschenDas spräche, zumindest aus Kinderaugen, für die monogame Natur in uns.
Doch eins weiß ich auch. Kindern kann man nichts vormachen. Sie merken am Augenaufschlag des Vaters oder der Mutter, ob was stimmt oder nicht. Ich muss an das rechnende Pferd denken. Im alten Russland stellte das Publikum einem Pferd eine einfache Additionsaufgabe. Das Pferd stampfte mit einem Huf das Ergebnis. Alle rätselten, bis einem auffiel, das mit einem fast unbemerkbaren Augenzucken des Herrn das Zeichen dem Pferd gegeben wurde, mit dem stampfen aufzuhören. Diese Feinheiten, so meine Meinung, sind wir nicht in der Lage, willentlich zu unterdrücken.
Also. Was will man Kindern für das Leben mitgeben?
Das Vater und Mutter immer zusammen bleiben werden, bei aller fehlenden Liebe zueinander und in Träumen nach einem anderen Leben versunken? „Double-bind“ nennt man das, glaube ich. Gegensätzliche Kommunikationsmuster, in deren Deutung Kinder sich verstricken und tiefe Unsicherheit empfinden. Nicht wissen, wie einzuschätzen und zu handeln.
Deshalb bin ich der Meinung, zumindest heute, das Kinder auch erfahren sollten, wie man zu falschen Einschätzungen steht, z.B. auch der, das der Lebenspartner nicht der ist, mit dem man dieses nur „eine“ lange und auch kurze Leben bis zum Ende der Tage teilen möchte. Es wird für ihr Leben prägend sein. Ob in gutem oder nicht so gutem, werden wir vielleicht als Eltern nie erfahren.
Ehrlich sich selbst gegenüber zu handeln ist meines Erachtens nach wichtiger, als unehrlich in Konventionen zu leben. Das eine braucht Mut, so, wie du ihn aufgebracht hast, das andere verstrickt sich in Angst vor Veränderungen. Beide unterschiedlichen Verhalten wiederrum selbst geboren, aus den frühen Lebenserfahrungen.
Wenn Kinder eine liebevolle Bezugsperson haben, ob Vater, Mutter, Opa oder Gott, werden sie ihren Lebensweg gehen. Das lehrt die „Resilienz“ und lässt uns die Schritte wagen, die wir vielleicht sonst nicht gehen würden.
Sicher, ob ich in meinem konsequenten handeln alles richtig gemacht habe, werde ich nie sein. Aber – ich kann es mir ganz gut einreden. Auch dafür wurde uns vielleicht Fantasie und Kreativität mit in die Wiege gelegt. Auch in die, unserer Kinder.
@Menachem
LöschenDanke für diesen wunderbaren Kommentar!
Eltern, die in Harmonie zusammen unter einem Dach leben, sind für ein Kind wohl einfach Sinnbild für eine heile Welt. Wenn diese Harmonie ins Bröckeln gerät, versuchen die Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit aller Kraft, sie wieder herzustellen oder sie idealisieren die Situation. Mein Sohn hat mich gefragt, ob es denn möglich wäre, dass ich nach einem Jahr wieder ins Haus zurückkehre...
Was meinem Sohn sicher auch zusetzt und die Trennung nicht leichter macht, ist der Umstand, dass es in seiner Klasse so viel ich weiss keine Kinder gibt, deren Eltern sich getrennt haben. Und er hat wohl irgendwie auch immer versucht, uns zusammenzuhalten und mich aufzumuntern, wenn ich traurig war. Eine Rolle, die ihm nicht zustand.
Ich habe mich gefragt, wie ich die Reaktion der Tochter deuten soll. Sie ist sicherlich vom Wesen her anders als ihr Bruder. Nicht unsensibel, das nicht. Aber sie grübelt und hadert nicht und nimmt die Dinge, wie sie sind. Und vielleicht hat sie uns Eltern ja schon lange als das gesehen, was wir waren: Als zwei Einzelkämpfer. Insofern macht es irgendwie Sinn, dass wir bald getrennt leben und für sie ist es nachvollziehbar, dass ich mir eine eigene Wohnung nehme.
Die Frage, die Du aufwirfst: "Was will man Kindern für das Leben mitgeben?" finde ich sehr wichtig!
Ihnen vorzuleben, dass man sich in der Ehe den Konventionen zu liebe zusammenraufen sollte, ist sicherlich falsch. Ich kann mich noch gut an die Midlife Crisis meiner Mutter erinnern. Sie gehört zu den Frauen, die sich in der Ehe "arrangiert" haben bzw. hatten. Und was haben wir unseren Kindern vorgelebt? Eltern, die sich einen flüchtigen "Pflichtkuss" auf die Lippen drücken, wenn sie nach Hause kommen, die neutral miteinander umgehen und keine Zärtlichkeiten austauschen. Kein Kuscheln auf dem Sofa, keine Umarmungen, nichts. Auch nicht gerade ein ideales Bild einer Partnerschaft/Ehe, das wir da vorgelebt haben und ich hoffe, es hat sie noch nicht zu sehr geprägt.
Ich habe als Kind darunter gelitten, dass meine Mutter unglücklich und frustriert war und den Mut nicht aufgebracht hat, etwas in ihrem Leben zu ändern. Ich habe mich irgendwie verantwortlich gefühlt. Ich hätte mir eine starke Mutter gewünscht. Und ich habe dieses Rollenbild unbewusst übernommen und es meinen Kindern vorgelebt. Eine (latent frustrierte) Mutter, die sich arrangiert und ein Vater, der nach aussen hin den Ton angibt. Auch bei den Schwiegereltern läuft es so.
Ich denke, es ist viel wichtiger, dass ich meinen Kindern eine Mutter sein kann, auf die sie stolz sind. Eine Mutter, die glücklich, selbstsicher und authentisch ist. Eine, die keinen Mann braucht, um die Kastanien aus dem Feuer zu holen und die Verantwortung übernehmen kann. Die Mutter, die ich mir als Kind immer gewünscht hätte.
Und letztlich lernen die Kinder, dass das Leben aus Veränderungen besteht und dass diese nicht a priori schlecht sind, sondern dass auch etwas Neues, Positiveres daraus resultieren kann.
oooh. Naja dein junior wird es packen, sensible seelen brauchen eben länger. Aber er klingt sehr gescheit und wiff ihr bekommt das hin und das getratsche hat man ja leider in nen dorf schneller als in der stadt.. kenn ich wohn ja selber hier bei 1000 einwohner ... leider werden gern kleine geschichten dazu gedichtet.. steh drüber alles geht vorbei
AntwortenLöschen@Lilastrapse
LöschenJa, ich bin auch zuversichtlich, dass er sich daran gewöhnen wird und er wird bald merken, dass es uns allen gut bzw. besser dabei geht. Und die Leute lasse ich tratschen. Das geht an mir vorbei. Von den Menschen, die mir wichtig sind, habe ich bisher nur positive und verständnisvolle Feedbacks erhalten!!
Ich z.B., @Rosalie, hatte eine Mutter und einen Vater, die beide sehr stark waren, schon allein tief geprägt durch die Jahre in den KZ`s. Man, sind bei uns zu Hause die Fetzen geflogen. War nicht immer leicht für uns Kinder, diesen lautstarken Zoff durchzuhalten und oft wünschte ich mir, einer von ihnen möge doch gehen damit Friede einzieht.
AntwortenLöschenIch weiß nicht wie sie das gemacht haben. Jedenfalls, sie sind immer zusammen geblieben. Und je älter sie wurden, ja, ich meine fast, je näher kamen sie sich.
Heute bewundere ich die beiden, wie sie das gemacht haben. So ändert sich manchmal die Sicht auf die Dinge.
Danke auch dir für deinen Kommentar. Es ist schön, in deiner angenehmen Art ein wenig zwischen dem gestern und dem heute plaudern zu können.
@Menachem
LöschenLieben Dank! :-) Die Freude ist ganz meinerseits!
Ich könnte mir vorstellen, dass die Jahre in den KZ's Deine Eltern so stark geprägt haben, dass selbst die schlimmsten Ehestreitereien ihnen nicht mehr an die Substanz gegangen sind. Vermutlich relativiert sich sehr vieles, wenn man das KZ überlebt hat...
Und solange gestritten wird, ist da noch Leidenschaft vorhanden. Und oft ist es das, was solche Paare dann trotz aller Meinungsverschiedenheiten zusammenhält. Erst wenn die Liebe stirbt, verglüht die Leidenschaft und dann mag man auch nicht mehr miteinander streiten... Man arrangiert sich oder trennt sich. Oder täusche ich mich?
Möwen, Wein, Meeresrauschen .... Eine schöne, romantische (nun gut, vielleicht ein ganz klein wenig kitschige) Vision, die ich auch hin und wieder gern einmal vor meinem geistigen Auge erscheinen lasse. Ich wünsche Dir, dass sie (inklusive des fehlenden Rufes vom Mann) in dieser oder ähnlicher Form Wirklichkeit werden wird!
AntwortenLöschenZu der Konstellation Mutter, Vater, Kind ist an dieser Stelle schon viel geschrieben worden, was ich genauso sehe und auch in meinem Blog so oder ähnlich aufgeschrieben habe. Bevor ich mich getrennt habe, vergingen Jahre des Zweifels und mit der Frage, ob es meinem Kind schaden wird. Aber schadet es ihm nicht genauso, in einer gestorbenen Partnerschaft zu leben? Auch wenn man sich als Paar einig sein mag und die Disharmonien vor dem Nachwuchs verbergen möchte - es wird nicht gelingen. Zu fein und sensibel sind die "Antennen" unserer Kinder.
Deinen Umgang mit dem "Problem" Nachbarn finde ich sehr mutig und vor allem richtig. In der Zeit meiner Ehe hab ich ebenfalls in einem kleinen Ort gewohnt, in dem sich jede wichtige und unwichtige Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet hat. Um unnötige und vor allem falsche Gerüchte zu vermeiden, ist es immer gut, in die Offensive zu gehen. Aber es ist nicht so einfach, das Scheitern einer Ehe vor mehr oder fremden Menschen einzugestehen, noch dazu, wenn es ohnehin gerade sehr emotional zugeht. Daher hab ich großen Respekt vor dem Weg, den Du dort gegangen bist!
@Herr B.
AntwortenLöschenDanke!! Ich bin zuversichtlich, dass meine Vision bald Wirklichkeit wird - bis auf das Meeresrauschen. ;-) Möwen gibt's in meiner Gegend und am Wein wird es nicht scheitern.
Die Kinder sind auch bei mir der Hauptgrund, dass ich mich mit der Trennung so schwer getan habe. Aber es ist wie Du schreibst: sie spüren es genau, ob die Eltern glücklich sind oder nicht! Und man darf nicht unterschätzen, dass man das Bild, das sie sich von einer Ehe machen, mitprägt. Und wir wollen doch alle, dass unsere Kinder es einmal besser machen und glücklich(er) werden! Und deshalb ist es gut, dass man ihnen auch aufzeigt, dass man sich aus einer Lebenssituation, die sich nicht mehr gut anfühlt, trotz Hindernissen befreien kann.
Ich bin sehr erleichtert, dass die einen Nachbarn es so gut aufgenommen haben und ich bin sicher, dass diese Freundschaft mir erhalten bleibt. Ein nachbarschaftlicher "Aufklärungsbesuch" steht noch aus...
Erstaunlich ist, dass bisher eigentlich noch niemand wirklich überrascht war! Das gibt mir schon zu denken und zeigt auch, dass es gut ist, dass ich meinen Weg gehe. Es ist nicht so, dass mein Mann nicht beliebt wäre. Ganz und gar nicht. Aber vielleicht haben gewisse Menschen mit einem etwas feineren Gespür es einfach gemerkt, dass wir nicht aus dem selben Holz gemacht sind. Er wirkt auf viele Menschen etwas oberflächlich.