Freitag, 4. Januar 2013

Start ins 2013



Der siebte Tag in den Bergen. Gestern Morgen sind wir wieder zeitig aufgestanden, um vor dem grossen Ansturm an der Gondelbahnstation zu sein. Früh heisst für mich, um 8.00 Uhr, spätestens jedoch um  8.30 Uhr "pistenfertig" zu sein. Es hatte sich gelohnt. Zunächst sah es nach schlechtem Wetter aus aber dann klärte es auf und wir hatten drei Stunden lang Sonne, blauen Himmel und wunderbare Pistenverhältnisse. Gegen 13.00 Uhr kam das trübe  Wetter zurück und wir fuhren ins Tal, zurück in die Wohnung. 

Die Familie, mit der wir Sylvester gefeiert haben, ist vorgestern abgereist. Ganz enge, langjährige Freunde. Viel Freud und Leid haben wir schon geteilt. Unzählige Feste zusammen gefeiert, gemeinsam Ferien verbracht, Ausflüge unternommen, an Hochzeiten gelacht und an Trauerfeiern geweint. Wir kennen uns seit zwanzig Jahren. Mindestens. Das Jahr 2012 war für beide Familien ein annus horribilis. Der Freund verlor seinen Bruder und er und seine Frau stecken in einer schweren Ehekrise. Sie haben gerade noch die Kurve gekriegt... Sie wissen von meiner neuen Wohnung. Es war ein spezieller Jahreswechsel. Nicht so unbeschwert wie früher. Wir haben das alte Jahr mit "Galgenhumor" verabschiedet und darauf angestossen, dass es endlich vorüber ist und dass es 2013 eigentlich fast nur besser werden kann! 

Das Wetter hat sich schon mal nicht daran gehalten... Wir haben viel Zeit in der Wohnung verbracht, uns ausgeruht, gelesen, gegessen, Wein getrunken, Karten gespielt und geredet. Und ich habe immer mal wieder auf mein Handy  geschielt...  

Ich hatte es natürlich nicht lassen können, Monsieur Silence am 31.12. nachmittags einen guten Rutsch zu wünschen... Und - oh Wunder! - am 1. Januar 2013 kurz vor Mittag kam tatsächlich ein kurzer Neujahrsgruss von ihm! Eine halbe Stunde nachdem ich mich bei meiner Freundin N. per WhatsApp beklagt hatte, dass ich es schwach und unanständig fände, dass er noch nicht einmal auf "unverbindliche" Neujahrswünsche  reagiert! Er hat mir ein "ganz gutes neues Jahr" gewünscht. Mit Ausrufezeichen! Hach... Ich bin ja mit so wenig zufrieden! 

Naja, alles, was ich wollte, war endlich wieder mal seinen Namen auf dem Handy-Display zu sehen! Endlich, nach 41 Tagen Sendepause! Das "Beschissen" vom 30. November 2012 zählt irgendwie nicht! Danke, Universum! Das ist ein guter Anfang. Das können wir noch steigern, n'est-ce pas?! Wie wär's mit einem "vermisse Dich" in den nächsten drei Wochen? Besten Dank im voraus! :-) 

However, ich bin froh, dass er überhaupt reagiert hat.  Keine Antwort wäre wirklich bitter gewesen... Das war sozusagen ein Test! Und ich konnte der Versuchung widerstehen, zurückzuschreiben.  Der WhatsApp-Dialog endet nun mit einer positiven Message am 1.1.2013. Das ist sehr gut! Nun kann ich mich in Würde getrost zurückziehen. Wobei... ich würde ihm zu gerne sein Jahreshoroskop aus der letzten Sonntagszeitung zukommen lassen!  Das passt nämlich wie die Faust aufs Auge. Meins übrigens auch. Ich werde es nächstens posten, sobald ich wieder W-Lan habe! Ich weiss es wirklich nicht, ob bzw. wie lange ich das mit der Sendepause wirklich durchziehen kann. Ich vermisse ihn immer noch. Dumm gelaufen. Das war so nicht geplant. Sollte doch nur eine "unverbindliche" Affäre werden... Tja, ich bin wohl doch nicht der Typ für unverbindliche Affären. Aber rückblickend betrachtet war dieses Erlebnis mit Monsieur Silence genau das, was es noch gebraucht hat, damit ich einen Schlussstrich unter meine Ehe ziehen konnte! 

Heute ist lazy day. Während die Kinder vor dem TV-Gerät klebten, habe ich mit mit meinem Mann das Mobiliar aufgeteilt. Wir sassen im Esszimmer am alten Tisch, tranken Weisswein und gingen in Gedanken jedes Zimmer durch. Zuerst die Ferienwohnung, dann das Haus und schliesslich das Gartenmobiliar. Wir haben nicht weniger als sieben Gartenbänke, wenn  man die runde Baumbank mitzählt! Eine war ein Hochzeitsgeschenk.  Sie werden alle im Garten bleiben und ich kaufe mir im Frühjahr neues Gartenmobiliar. Ich habe gesagt, was ich alles mitnehmen will und er, was er gerne behalten möchte und wir haben den Wert für das Mobiliar und die Elektronik ausgehandelt. Nun ist er noch rasch Skifahren gegangen und ich nutze die Zeit, um dieses Post zu schreiben. Die Kinder hatten keine Lust und mir geht es genauso. Ich muss mein lädiertes Knie etwas schonen.

Gestern Abend hatte ich ein emotionales Zwischentief. Ich sass alleine vor dem TV, trank eine halbe Flasche Weisswein, habe mir einen Familienfilm angeschaut und hin und wieder ein paar Tränen weggewischt. Hängt vielleicht auch damit zusammen, dass mir hier in der Ferienwohnung langsam die Decke auf den Kopf fällt und ich 24 Stunden um meinen Mann herum bin, was zur Folge hat, dass ich zu viel esse... Seit Weihnachten habe ich eine Familienpackung After Eight vernichtet. Fast im Alleingang.  Was musste mir meine Mutter aber auch eine 300g-Packung schenken! :-(  Überhaupt habe ich viel zu viel Süsses gegessen. Und seit Weihnachten zweimal Raclette (vollfett aus der Bergkäserei - wenn schon, dann schon!!), einen  Sechsgänger im Restaurant und jeden Tag Alkohol in nicht ganz unerheblichen Mengen! Figurtechnisch der Supergau. Ab 7. Januar ist Schluss damit! 

Aufgrund langjähriger  Erfahrung weiss ich, dass es ungünstig ist, gute Vorsätze im Zusammenhang mit  Gewichtsreduktion per 1.1. umsetzen zu wollen,  weil da noch zu viele Köstlichkeiten im Kühlschrank und in der Küche herumstehen und überhaupt, am 6. Januar ist Dreikönigstag und ich liebe Dreikönigskuchen! Man muss sich ja nicht noch unnötigerweise Steine in den Weg legen. Das Einhalten guter Vorsätze ist ohnehin eine delikate Angelegenheit. Und deshalb beginnt die Zucker-Entwöhnungskur erst am 7. Januar! Und die N-Walking Stöcke werde ich dann auch wieder aus dem Keller bzw. aus dem Kofferraum meines Autos holen! Und wenn ich zwei Wochen lang diszipliniert gelebt habe, werde ich mich erstmals wieder getrauen, auf die Waage zu stehen. Bald beginnt ein neues Leben! In vielerlei Hinsicht!! Ich werde Ballast abwerfen. Sprichwörtlich und im übertragenen Sinn.

Meine Traumwohnung wird erst Ende Januar frei. Der Mieter wird seine restlichen Möbel Mitte Januar räumen und dann muss noch geputzt werden. Ich habe mit der Besitzerin telefoniert und es war ein sehr nettes Gespräch. Der Vertrag sollte inzwischen daheim im Briefkasten liegen.  Hin und wieder habe ich zwar einen kurzen Anflug von Panik - schliesslich werde ich zum ersten Mal in meinem Leben eine eigene Wohnung haben und ganz auf mich alleine gestellt sein bzw. die Verantwortung mit niemandem teilen können - aber die Freude über die bevorstehende Unabhängigkeit und Freiheit überwiegt extrem und ich habe meinen Entschluss seitdem ich ihn kommuniziert habe nicht ein einziges Mal angezweifelt oder in Frage gestellt! Ich habe eine innere Überzeugung, dass ich das Richtige tue. 

Bloss die Kinder wissen es noch immer nicht! Ich wollte es ihnen gestern Abend oder in den kommenden Tagen sagen. Aber mein Mann ist dagegen. Er fürchtet sich sehr vor dem Gespräch und will es bis Mitte Januar hinausschieben. Das ist mir zu lange. Ich muss schon ständig aufpassen, dass ich mich nicht verspreche, weil ich gedanklich schon beim Einrichten meiner Wohnung bin und jeden Gegenstand auf seine "Rosalies Wohnung-Tauglichkeit" scanne...

Aber in einem Punkt hat er recht: Ich muss es zuerst seiner Mutter sagen! Weil sie es sonst von den Kindern erfahren würde und das wäre ein Faux-Pas! Taktisch nicht geschickt. Und am 7. Januar hat sie auch noch Geburtstag... Ach, irgendwie ist der richtige Zeitpunkt einfach noch nicht gekommen. Aber lange können wir es nicht mehr hinauszögern. Ich werde am 8. Januar noch mit dem Psychologen sprechen. Wie bringt  man seinen Kindern möglichst schonend bei, dass die Eltern bald nicht mehr unter dem selben Dach wohnen werden? Es sind diese Momente, die sich im Gedächtnis eines Menschen einbrennen. Neuigkeiten, die von einer solchen Tragweite sind, vergisst man nie mehr und man erinnert sich ein Leben lang an die Situation, in der man sich befand, als man es erfahren hat. 

Das wird wohl die zweite grosse Herausforderung im neuen Jahr werden. Die Erste wird das Gespräch mit der Schwiegermutter sein. Und die Dritte, das definitive Aushandeln der Trennungsvereinbarung.

Aber ich habe ein sehr gutes Gefühl für 2013! Die 13 ist schon lange meine Glückszahl. Ich bin an einem 13. auf die Welt gekommen. Es war ein Freitag. :-)







10 Kommentare:

  1. Ich wünsche dir das beste Jahr für deine Seele liebe Rosalie.

    Für mich ist die 13 auch meine Glückszahl und ich bin auch an einem 13. auf die Welt gekommen.

    ...uns verbindet also noch was:-))

    Alles Liebe

    Stella Blue

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    1. @Stella Blue

      Danke!! Lieb von Dir! :-)

      Und was für ein spezieller Zufall, das mit der 13! :-)

      Ich wünsche Dir von Herzen ein wunderbares 2013!

      Alles Liebe,
      Rosalie

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  2. Naja das gespräch mit den schwiegereltern fand gleich gar nicht statt, der vater findet das sowas nicht geht, nur beim sterbetot. Naja gut bei dem hat auch eine frau nicht zu arbeiten sondern in der küche zu sein .. und meine eltern stehen gott sei dank hinter mir und dja sag es baldmöglichst deinen kindern, nicht das sie sich villeicht auch noch hintergangen fühlen

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    1. @LilaStrapse

      Also, wenn ich das Verhältnis zu Deinen Schwiegereltern bzw. zum Schwiegervater richtig einschätze, wirst Du ihm wohl kaum nachtrauern. Ist doch irgendwie befreiend, wenn man gewisse Menschen bzw. Kontakte, die in die Kategorie "Pflicht" fallen, loslassen kann - oder nicht? Und wenn sie kein Bedürfnis haben, mit Dir zu sprechen - immerhin hat die Ehe ja ein paar Jahre gedauert und die Trennung war ja nicht DEIN Wunsch - dann hat es keinen Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, weil es nichts mit DIR zu tun hat.

      Hauptsache, Deine Eltern stehen hinter Dir! Das ist das Wichtigste und ich bin froh für Dich, dass es so ist. Meine Mutter ist sehr erschrocken, als ich es ihr erzählt habe, aber sie steht hinter mir. Alles, was sie will, ist das Beste für ihre Töchter. Mein Vater hätte mich wahrscheinlich auch verstanden - schliesslich habe ich dieses Bedürfnis, "Zeit für sich allein zu haben" und nach Unabhängigkeit von ihm geerbt. Aber er hätte sich wahrscheinlich Sorgen um meine (materielle) Zukunft gemacht.

      Ja, die Kinder werden es spätestens nächstes Wochenende erfahren.

      Liebe Grüsse und ganz viel Kraft für die Scheidung! Auf ein glückliches 2013!

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  3. Dass es die Kinder noch immer nicht wissen, obwohl die Sache schon so weit gediehen ist, finde ich auch problematisch. Wie die sich vorkommen müssen, wenn dann von der Mitteilung bis zur Umsetzung nurmehr 2 - 3 Wochen liegen.

    Irgendwie wundert mich auch, dass sie nix gemerkt haben sollten...

    Drücke dir die Daumen, dass trotzdem alles gut über die Bühne geht!

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    1. @Claudia

      Danke! Das hoffe ich auch!

      Ich wollte die Kinder einfach nicht einweihen, bevor ich die Zusage für die Wohnung hatte. Ich habe es ja erst am 21.12. erfahren! Und dann stand Weihnachten vor der Tür und der richtige Zeitpunkt hat sich irgendwie nicht ergeben.

      Ich wollte sie nicht verunsichern, bevor nicht klar ist, wie es genau weitergeht. Wir werden uns die Obhut voraussichtlich 50/50 teilen, d.h. sie werden 3-4 Tage die Woche bei mir wohnen und den Rest der Woche beim Vater im Haus. Sie werden einfach zwei Zimmer haben. Es wird sich nicht ALLES ändern.

      Und bevor sie das erste Mal in der neuen Wohnung schlafen, wird es wohl März werden. Viele Möbel, darunter die Betten, werde ich von der Ferienwohnung übernehmen und die wird erst Ende März geräumt.

      Ich werde als Erstes unser Schlafsofa in die neue Wohnung bringen und ab Februar an gewissen Tagen alleine dort übernachten und an den andern noch im Haus. Die Kinder werden am meisten Mühe damit haben, dass ich nicht mehr jede Nacht anwesend sein werde. Mein Sohn schläft noch immer nicht alleine in seinem Bett! Frag lieber nicht nach seinem Alter...

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  4. Hallo, hier ist die Maja aus Deutschland.
    so hat Mister Silence sich gemeldet, wenn auch nur kurz. An Sylvester und Neujahr kriechen sie anscheinend alle aus ihren Löchern und wollen ein gutes neues Jahr wünschen. Mir gings ebenso. Er schwört wieder daß er mich mag.
    Nun gut, aber davon weg, das ist nicht so wichtig, meiner Meinung nach gibt es Menschen, die keine unverbindliche Affaire haben können.
    vielleicht gehörst Du auch dazu.
    wie alt sind eigentlich Deine Kinder und wieso mußt DU es der Schwiegermutter sagen, kann doch der Sohn tun. Herrgottnochmal. Was ist das für ein Weich-Ei ?

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    1. Hallo Maja

      Mr. Silence ist ein Mann mit Niveau, sonst hätte ich mich nicht auf ihn eingelassen. Er wohnt auch nicht in einem Loch sondern in einer gepflegten 4,5-Zi-Wohnung. Dass er mir zurückschrieb, hat wohl etwas mit Anstand zu tun und vielleicht war es ihm sogar ein Bedürfnis.

      Mein Problem mit unverbindlichen Affären ist folgendes: wenn sie allzu unverbindlich bleiben, d. h. wenn mich der Mann nicht wirklich berührt (im übertragenen Sinn...), dann verliere ich das Interesse. Es gibt mir nichts bzw. zu wenig und der Aufwand lohnt sich nicht. Wenn mich ein Mann jedoch geistig herausfordert und er mich als Mensch in der Seele berührt, dann führt das zwangsläufig dazu, dass ich Gefühle für diesen Mann entwickle. Es muss nicht die grosse Liebe sein. Aber es ist dann einfach nicht länger gänzlich unverbindlich bzw. wenn es das bleiben soll, muss man sich etweder zurückziehen oder sehr achtsam miteinander umgehen.

      Es war mein Wunsch, es der Schwiegermutter persönlich zu sagen, da ich ja diejenige bin, die die Trennung anstrebt. Es wird Tränen geben, das ist klar.

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  5. wenn ich geschrieben habe ... kommen sie aus ihren Löchern.... war das allgemein, etwas burschikos vielleicht, ich hab damit nicht sagen wollen das monsieur silence in einem Loch wohnt, ich werde mich hüten.

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    1. @Maja

      Ich nehme Dir das auch nicht übel. Es ist bloss so, dass ich ihn nicht einfach als "Pissnelke" oder so abschreiben kann. Weil er das nicht ist. Er ist ein interessanter Mann, beruflich erfolgreich und sensibel. Sein Rückzug passt nicht zu dem, was vorher war und deshalb tue ich mich so schwer, mich damit abzufinden.

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