Donnerstag, 3. März 2011

Mein goldener Käfig…

Ich lebe in einem goldenen Käfig! Es ist nicht so, dass ich mir einen erfolgreichen Ehemann geangelt hätte, um ein bequemes Leben führen zu können. Nein, das ist nicht mein Stil. Wir haben beide klein angefangen und ihn langsam und stetig zusammen auf- und ausgebaut, diesen goldenen Käfig. Ich habe den Eindruck, dass wir uns in immer neue Projekte „geflüchtet“ haben, um uns abzulenken von Problemen, die wir scheinbar nicht lösen können oder für die wir keine Lösung sehen. So haben wir die Fassade unermüdlich verschönert, damit die Risse nicht sichtbar werden.  Und uns letztlich selber etwas vorgetäuscht. Und nun stecken wir emotional fest in diesem goldenen Käfig und es scheint undenkbar, ihn zu verlassen oder ihn aufzugeben. Weil es nicht  bloss ein Haus und ein 08/15 Garten ist. Nein - es steckt Herzblut drin. Viel Herzblut!
Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Mein Mann auch nicht.  Wir haben uns ein kleines Paradies erschaffen. Mittendrin die Kinder und wir, gleich dahinter die Schwiegereltern, die seit Geburt der Kinder Teil dieses Mikrokosmos sind, die wichtige Rollen übernommen haben. Die Rolle der fürsorglichen Grosseltern, die hingebungsvoll mit den Kindern spielen. Denen es ein echtes Bedürfnis ist, Zeit mit den Enkeln zu verbringen. Nicht weil das von ihnen erwartet wird, sondern weil es eine Herzensangelegenheit ist. Die ihnen wichtige Dinge beibringen. Dinge fürs Leben. All das, wofür die vielbeschäftigten und ständig müden Eltern weder Lust noch Energie haben. Die für die Kinder wichtige und wertvolle Bezugspersonen sind. Die einen Gegenpol setzen zu den Eltern, die zu viel Zeit mit ihren Notebooks und Smartphones verbringen. Die tatkräftig mitgeholfen haben, dieses Paradies aufzubauen. Die so stolz darauf sind und ihre Lebensenergie aus der Teilnahme an diesem Mikrokosmos ziehen. Weggehen scheint unmöglich. Ich kann die Kinder weder mitnehmen, noch zurücklassen. Sie lieben mich über alles. Rennen mir entgegen und fallen mir um den Hals, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Nennen mich die beste Mutter auf der ganzen Welt. Den Vater würde es brechen, wenn er ausziehen müsste. Seine Worte. Für die Schwiegereltern würde eine Welt zusammenstürzen, wenn diese Ehe scheitern würde.
Es ist unser goldener Käfig...
All das gibt man nicht leichtfertig auf, bloss weil die Leidenschaft weg ist. Bloss weil man sich in der Ehe einsam fühlt. Weil man dem Ehemann gegenüber "nichts" mehr zu empfinden scheint bzw. nicht mehr das zu empfinden scheint, was eine glückliche Ehefrau empfinden sollte. Weil er sich anfühlt wie ein WG-Partner... Vertraut, aber irgendwie doch fremd. Ist das der Preis, den man bezahlen muss, um eine langjährige Ehe am Leben zu erhalten? Der Verzicht auf Leidenschaft, auf Schmetterlinge im Bauch? Kann man diese unerfüllte Sehnsucht verdrängen, ohne krank zu werden?

Fortsetzung folgt... 

3 Kommentare:

  1. Ach Rosalie!
    Ich weiß nicht, ob man diese unerfüllte Sehnsucht verdrängen kann.
    Ich konntes damals nicht und hab den Schritt gewagt. Allerdings hatten wir uns auch noch nichts weiter aufgebaut, als 2 wunderbare Kinder in die Welt zu setzen. Trotzdem finde ich nicht, daß das etwas ändert. Ob man viel oder wenig teilt.
    Ich kann nicht sagen, daß ich die Sehnsucht seitdem erfüllt bekommen habe. So rosarot und leicht ist die Freiheit nicht. Nur eins...schonungslos ehrlich zu sich selbst und seinen Bedürfnissen. Und wenn Dein Mann dich liebt, wie er sagt...gibts nicht auch eine andere Lösung, als Hop oder Top?
    Liebe Grüße
    Nicole
    (und nicht vom Strick-Blog ablenken lassen...den Zugang zum Privat-Blog gibts gerne per mail)

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  2. Liebe Nicole
    Herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Du sprichst etwas ganz Wichtiges an: Es gibt auch bei einer Trennung keine Gewähr, dass danach alles besser wird und diese Sehnsucht gestillt werden kann... das ist genau der Punkt. Es ist und bleibt ein Dilemma. Bin gespannt auf Deinen Blog.
    Liebe Grüsse,
    Rosalie

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  3. Liebe Rosalie,
    nichts oder wenig, dem ich etwas hinzuzufügen hätte. Alles wie bei mir, nur aus der männlichen Sicht. Auch kann es nicht aufgeben, die Sehnsucht drängt, das Neue zieht, meine Hoffnung ist eine Art Polyamourie, für die ich noch kein Outing gefunden habe, noch keinen wirklichen Gegenpart. Vor kurzem zeigte das ZDF einen interessanten Beitrag dazu. Wozu all das Bewährte aufgeben? Nicolchen deutete es an.

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