Offener Brief an Rea
Liebe Rea
Eigentlich wollte ich bloss einen Kommentar zu Deinem Artikel abgeben... aber ich war noch nie gut darin, mich kurz zu fassen. ;-)
Eigentlich wollte ich bloss einen Kommentar zu Deinem Artikel abgeben... aber ich war noch nie gut darin, mich kurz zu fassen. ;-)
Danke für Deinen ehrlichen Beitrag! Ich kann Dich gut verstehen! Es ärgert mich auch extrem, wenn sogenannt „Schlanke“ – und insbesondere solche, die sich nach dem Lustprinzip ernähren und dank genetischen Vorteilen trotzdem nicht zunehmen – sich anmassen, über „dicke“ Frauen zu urteilen. Männer werden diesbezüglich weit weniger kritisiert. Und wenn sie wirtschaftlich erfolgreich sind, spielt die Körperfülle eh keine Rolle mehr…
Ich kenne viele übergewichtige Frauen, die sich gesund und vernünftig ernähren und schon ein halbes Leben lang mit ihrem Körper auf Kriegsfuss stehen und es trotz aller Anstrengungen nicht schaffen, dauerhaft abzunehmen. In der Regel sind es intelligente, sensible Frauen, die in ihrem Leben etwas erreicht haben - und trotzdem immer wieder von der Gesellschaft auf ihre Körperfülle reduziert und mit Vorurteilen (mangelnde Disziplin etc.) konfrontiert werden. Es gibt einfach genetisch bedingt verschiedene Typen Menschen und nicht immer liegt es nur an der Lebensweise. Die seelische Befindlichkeit spielt gemäss meiner Lebenserfahrung eine enorm wichtige Rolle. Solange die Seele diesen „Schutzpanzer“ benötigt, ist es schier unmöglich, abzunehmen. Wenn man sich dann verliebt oder es schafft, alten Ballast zu verarbeiten und über Bord zu werfen, purzeln die Kilos oft wie von selbst.
Deine Anstrengungen sind bewundernswert! Dass Du es bei Deinem strengen Arbeitspensum überhaupt schaffst, abends regelmässig Workouts zu machen und noch vernünftig zu essen, verdient grossen Respekt.
Manchmal denke ich, schlanke Frauen wissen gar nicht, wieviel einfacher sie es im Leben haben. Frau kann dumm sein, arrogant, egoistisch, hässlich… was auch immer - Hauptsache, sie hat eine gute Figur… Dann wird ihr anscheinend alles verziehen. Echt ätzend!
Ich selbst war nie dünn und habe mich zeitlebens zu dick gefühlt – auch als ich noch 53 kg wog. Ich dachte damals, mit 49 kg wäre mein Leben perfekt. Ich habe gehungert und mit Joggen begonnen, aber glücklicher wurde ich deswegen nicht. Leider gab es damals noch kaum kurvige Idole und Whitney Houston war das weibliche Schönheitsideal... Mein erster Freund erkannte meinen Schwachpunkt. Damals war ich eine 19jährige hübsche zierliche Frau, absolut normalgewichtig und meinem damaligen Freund in allen Bereichen überlegen. Trotzdem gab er mir das Gefühl, nicht gut genug bzw. nicht dünn genug zu sein. Mich packt heute noch eine Wut, wenn ich daran denke, wie lange ich mir das habe gefallen lassen… bis die Seele streikte und ich krank wurde.
Rückblickend muss ich sagen, dass ich viel zu viel Zeit und Energie damit verschwendet habe, mich mit meinem Körpergewicht zu beschäftigen. Heute denke ich, wenn ein Mann mich wirklich liebt, sollte es keine Rolle spielen, ob ich ein paar Kilos mehr oder weniger wiege. Solange ich mich selbst wohl fühle und mich pflege und mir Mühe gebe, das Beste aus mir zu machen, ist es ok. Ich habe so viel mehr zu bieten als nur mein Erscheinungsbild. Wer das nicht erkennt, hat mich nicht verdient... Umgekehrt gilt das natürlich auch. Wenn ich nämlich einen Mann richtig liebe, weil ich etwas in ihm sehe, das meine Seele und mein Herz berührt, dann stört es mich auch nicht, wenn er ein Bäuchlein hat, schütteres Haar oder eine markante Nase.
Und wenn ich abnehmen will – so wie grad im Moment – so tue ich das für mich selbst und für niemanden sonst. Aber der gesellschaftliche Druck, schlank zu sein, ist schon riesengross und und ich stehe auch nicht gänzlich über der Sache. Seit ich letzten Herbst ein paar Kilos verloren habe, schauen mir die Männer wieder (mehr) nach. Das gibt mir schon zu denken...
Und noch ein kleiner Tipp: Bewege und verhalte Dich heute schon so, als wärst Du schlank! Denk Dich einfach schlank, sei selbstbewusst und Du wirst anders auf Deine Mitmenschen wirken. Sie werden den Menschen sehen und nicht die Körperfülle. Lass Dich nicht unterkriegen!
Herzliche Grüsse, Rosalie


Liebe Rosalie,
AntwortenLöschenüber Rea bin ich zu dir gekommen. War neugierig, was du zu sagen hattest. Du hast ja so Recht. Und besonders Dein Tipp ist goldwert. Den werde ich mir auch zu eigen machen. Danke dafür.
Übrigens: hier gefällt es mir. Ich komme wieder.
Liebe Grüße
Irmi
Liebe Rosalie,
AntwortenLöschendanke für die lieben, aufmunternden Worte. Als ich heute meinen eigenen Beitrag nochmal gelesen habe, fand ich ihn streckenweise sehr hart und negtiv geschrieben - aber ich stehe dazu.
Meine Vorgesetzten sehen zum Glück weniger auf das Gewicht und mehr auf Leistung und Erfahrung - aber was ich vor diesem Job an kuriosen Absagen erhalten habe, war sagenhaft (weil ich z.B. nicht ins Ambiente gepaßt habe...)
Männern sieht man Übergewicht eher nach, da gibt es ja auch den schlauen Spruch vom Mann ohne Bauch, der eigentlich keiner ist... traurig aber wahr - sogar bei Körperlichkeiten wird in zweierlei Maß gedacht.
Aber ich werde jetzt auch versuchen mich schlank zu denken - vielleicht hilft es ja *zwinker*
Ich lasse dir auf jeden Fall ganz liebe Grüße da :)
Rea
@Irmi
AntwortenLöschenHerzlich willkommen auf meinem Blog! Der Tipp stammt übrigens von einer echten Fachfrau, die sich professionell mit dem Thema Abnehmen auseinandersetzt und sich damit gut auskennt!
Viel Erfolg ;-))
@Rea
Gern geschehen. Du siehst, ich habe mich auch ein bisschen in Rage geschrieben...
Meine Gewichtsprobleme sind gottseidank noch nicht dermassen offensichtlich, dass ich mit negativen Reaktionen konfrontiert werde - aber ich kann mir gut vorstellen, wie erniedrigend das sein muss, trotz entsprechender Qualifikationen einen Job aus "ästhetischen Gründen" nicht zu erhalten. Wobei... ehrlich gesagt, möchte ich niemals an einem Ort arbeiten, wo ich ins "Ambiente" passen muss...
Sei froh, dass Du diesen Job nicht gekriegt hast ;-)
Liebe Grüsse aus der Schweiz