Montag, 18. April 2011

Salz auf unserer Haut (2)

„Salz auf unserer Haut“ von Benoîte Groult

1988 erschien dieses Buch von Benoîte Groult, das mich unglaublich berührt hat. Ich war Anfang zwanzig, als ich es las, in einer unglücklichen Beziehung "gefangen" und hatte nicht den Mut, ihn zu verlassen und aus der ersten gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Das Buch fesselte mich und ich konnte mich mit dieser unkonventionellen, starken Hauptdarstellerin identifizieren. Instinktiv hatte ich das Gefühl, dass diese Geschichte mit meinem eigenen Leben etwas zu tun hat. 

Das Buch wurde später verfilmt. Ich mag den Film jedoch nicht und habe ihn nie ganz gesehen, da ich mit den Hauptdarstellern nicht warm wurde und mir meine eigenen Bilder bewahren wollte.

Es ist die Geschichte einer im Grunde unmöglichen, einzigartigen Liebe: George, die Pariser Intellektuelle, und Gauvin, der bretonische Fischer - Welten trennen die beiden, die Barrieren von Erziehung und Bildung, von Weltanschauung und Geschmack stehen zwischen ihnen. Ein Leben miteinander halten beide für unmöglich. Und doch zieht sie ein Verlangen zueinander, das stärker ist als Vernunft und Konvention, eine Leidenschaft, die, auch als die Liebenden älter und reifer werden, nicht erlischt. Ein Roman voll Zärtlichkeit und Sinnlichkeit, zugleich das Porträt einer freien, selbstständigen Frau, die zu ihren Gefühlen steht.

Benoîte Groult hat diesen teilweise autobiografischen Roman im Alter von 65 Jahren geschrieben. Das hat  mich beeindruckt und gibt mir Hoffnung. Ich habe also noch fast ein Vierteljahrhundert Zeit, diesen Lebenstraum zu verwirklichen und einen Bestseller zu schreiben ;-)
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Irgendwie ist es in meinem Leben immer so gelaufen, dass ich diejenigen Männer, die ich wirklich geliebt habe, nicht bekommen habe oder sie mir nicht zugetraut habe. Statt dessen habe ich mich von Männern „erobern“ lassen, die zwar vorgaben, mich zu lieben, deren Gefühle ich jedoch nicht mit derselben Intensität erwiderte. Also entweder unerfüllte tiefe Liebe und Liebeskummer und/oder Beziehungen, die zwar auf Sympathie und Respekt basierten, jedoch ohne Feuer waren. Und dann war da noch S. Zwischen uns gab es immer eine sehr starke erotische Anziehungskraft. Er war ein Freund meines ersten Lebenspartners. Zwei, drei Jahre waren wir beste (platonische) Freunde, bis wir endlich der Leidenschaft freien Lauf lassen konnten. Es war toll mit ihm – als Liebhaber vermisse ich ihn, aber leider war diese Beziehung auch nicht alltagstauglich. Ich befürchte, dass ich ihm damals das Herz gebrochen habe und ich bedaure, ihn als Freund verloren zu haben. Er hat soviel ich weiss nie geheiratet. Meine erste grosse Liebe übrigens auch nicht.
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Als ich letzten Sommer die geplante Themenreise kurzfristig alleine antreten musste, dachte ich mir, dass ich vielleicht abends im Hotelzimmer Zeit zum Lesen hätte. Ich nahm mir vor, wieder einmal dieses Buch von Benoîte Groult zu lesen… Doch leider ist es aus meiner Bibliothek verschwunden… irgendwann verliehen und nie zurückerhalten.
So kam es, dass ich in der ersten Nacht im Hotelzimmer nicht las, sondern mit der Fernbedienung durch die TV-Programme zappte und schliesslich bei einem Film hängenblieb. Es dauerte gut zehn Minuten, bis ich realisierte, dass es die Verfilmung von „Salz auf unserer Haut“ war…
Es stellte sich heraus, dass der Film auf dem DVD-Kanal des Hotels in Endlosschlaufe lief – auch noch in der zweiten Nacht. Zufall? Wohl eher ein Wink des Schicksals…
Es sollte in diesem Sinne weitergehen mit dieser schicksalshaften Reise.

6 Kommentare:

  1. Hey, bin zufällig auf Deinen Blog gestoßen und als ich nach den kleinen Hinweisen hier und da in Deinem Profil stöbern wollte, wie alt Du bist, habe ich zwar das nicht gefunden, aber dafür die Erkenntnis gewonnen, dass wir die gleichen Filme lieben.

    Spannend, wie unterschiedlich man leben und doch die gleichen Vorlieben haben kann....

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  2. Hey Rostkopp :-)
    Freut mich, dass Du über meinen Blog gestolpert bist. Deiner sieht auch sehr interessant aus und ich werde gerne darin herumstöbern. Vielleicht finden wir ausser unseren cineastischen Vorlieben noch weitere Gemeinsamkeiten. Ich habe übrigens die Angaben zu meiner Person ergänzt (und etwas diskreter platziert). Liebe Grüsse aus der Schweiz!

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  3. Dann mal viel Spaß beim Stöbern ;-) Und sag mir Bescheid, falls Du noch mehr Gemeinsamkeiten findest ;-)

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  4. Das Buch habe ich auch gelesen und es hat mich ähnlich tief berührt wie Dich ... manches Salzkorn spüre ich noch auf meiner Haut ...
    Liebe Grüße Julian

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  5. Hallo Julian

    Das ist schön! Freut mich für Dich :-)

    Liebe Grüsse aus der Schweiz.

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  6. Du liest schon so lange meinen Blog und auch den davor, aber ich selbst bin nicht wirklich dazu gekomemn, deine Geschichte in Ruhe zu lesen, nun weiss ich warum. Weil ich heute deinen Blog lesen kann, wie in einem Roman. Die Sicht der Frau in wunderbarer Weise geschrieben. Ohne Allüren und so. Chapeau...

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