Montag, 30. Mai 2011

Francine und Flöru

Der aktuellen Schweizer Boulevardpresse ist heute Morgen zu entnehmen, dass  das helvetische „Schlagerschätzchen“ Francine Jordi sich frisch verliebt hat. Dabei hat sie doch erst vor zwei Jahren ihren langjährigen Freund, den 16 Jahre älteren ehemaligen Radrennprofi Tony R. geheiratet. Mit Titelfoto auf der „Schweizer Illustrierten“ und mehrseitiger Hochzeitsreportage. Ich habe mich damals schon gewundert, dass sie ihn tatsächlich geheiratet hat, diesen viel älteren Mann, mit dem sie ja schon ein paar Jahre zusammengelebt hatte, der eher medienscheu ist und einen etwas langweiligen Eindruck macht. Und nun das!

Sie hat sich in den Musiker Florian "Flöru" Ast verliebt.  Vor neun Jahren landeten die beiden mit dem Duett „Träne“ einen Riesenhit in der Schweiz. Das Lied und vor allem auch der Text ist wirklich grosse Klasse! Nun haben sie ein neues Gesangsprojekt lanciert – und es hat gefunkt… und wie! Die Zeit war wohl einfach reif. Beide sind noch verheiratet. Und betonen, dass sie ihre Ehepartner nicht hintergangen haben. Sie haben reinen Tisch gemacht und ihre Partner über die neue Liebe informiert, bevor etwas passiert sei! Francine ist schon aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Sie sagt, dass sich ihre Gefühle für ihren Ehemann in den letzten Monaten verändert haben… und ihre Empfindungen für Florian seien nichts, was sie vorsätzlich geplant habe… und Florian meint, dass er nie damit gerechnet habe, dass er für Francine solche Gefühle entwickelt würde…  und dass es ihm unheimlich leid tue für seine Frau und ihre Familie.

Bemerkenswert! Die beiden scheinen sich ihrer Sache sehr sicher zu sein. Es wäre ja eigentlich auf den ersten Blick „einfacher“ gewesen, diese neue Liebe zuerst heimlich zu „testen“, um zu schauen, ob es sich nicht nur um ein Strohfeuer handelt. Wobei diese beiden ja sehr in der Öffentlichkeit stehen und die Boulevardpresse bereits Verdacht geschöpft hatte, dass da mehr als bloss Sympathie sein könnte. Und das Image einer Ehebrecherin würde der perfekten Sauberfrau Francine schlecht anstehen und vielleicht der Karriere schaden. Florians Karriere würde es hingegen vermutlich sogar Auftrieb geben. Dem Mundartsänger würde ein bisschen Verwegenheit gut anstehen und eine kleine Affäre würde von seinen Fans sicher toleriert - während Ehefrauen, die sich auf eine Affäre einlassen, eher stigmatisiert werden – und so wie ich das „Musikantenstadl-Publikum“ einschätze, würde das im Falle von Francine nicht wirklich goutiert.

Jedenfalls finde ich es beeindruckend, dass die beiden so konsequent handeln – sie müssen sich ihrer Liebe wirklich sehr sicher sein. Wobei  -  beide haben keine Kinder und sind finanziell unabhängig. Das macht es schon ein ganzes Stück einfacher, den Neuanfang zu wagen. Trotzdem. Was ist, wenn es „nur“ eine grosse erotische Anziehungskraft ist? Ein Strohfeuer eben?


Ich kann mir gut vorstellen, wie es Francine geht. Schmetterlinge im Bauch, Lust auf fremde Haut, ein Gefühl, als ob einem alle Türen und Tore der Welt offen stehen würden. Und dass dieses „frisch verliebt sein“, die Gefühle dem Ehemann gegenüber verändert, liegt auf der Hand. Das Erschreckende dabei ist, dass sie die Liebe zu ihrem Ehemann vorher vermutlich nicht hinterfragt hat und diese Ehe auch weiterhin bestehen würde, wäre nicht diese neue Liebe über sie hereingebrochen! Und plötzlich ist alles anders. Was lange gut war, genügt nicht mehr. Eine Sehnsucht stellt sich ein, die keine Ruhe mehr gibt und ausgelebt werden will…

Das kann ich alles sehr gut nachvollziehen… Ein coup de foudre – und plötzlich ist alles anders. Meine Ehe war und ist nicht perfekt – aber auch nicht so schlecht. Und plötzlich sehe ich alles nur noch negativ… die Gefühle dem Ehemann gegenüber haben sich verändert und da ist diese Sehnsucht, die gerne ausgelebt werden möchte – aber nicht ausgelebt werden darf. Weil es nur ein Strohfeuer wäre und der Preis dafür einfach zu hoch ist…




(Youtube-Nutzer weiskopfseadler hat das Lied mit eigenen Bildern untermalt und die berndeutschen Songtexte teilweise ins Hochdeutsche übersetzt. Das möchte ich Euch nicht vorenthalten...)


Refrain
Säg mr Herrgott – bruchsch e Brüue, bruchsch äs Hörgrät, merksch Du nid
(Sag mir Hergott - brauchst Du eine Brille, brauchst Du ein Hörgerät, merkst Du nicht...)
mir rede nüm, säg mr Herrgott – isch’s di Wiue, isch’s mi Troum – sis jüngschte Gricht.
(wir reden nicht mehr - sag mir Herrgott - ist das Dein Wille, ist das mein Traum (träume ich)  - sein jüngstes Gericht) 
Säg mr bitte – was isch grächt u schlächt säg mr bitte – han i äch Rächt u was isch – d Ewigkeit (sag mir bitte - was ist gerecht und schlecht sag mir bitte - hab ich vielleicht recht und was ist - die Ewigkeit)

Schluss
Säg mir Herrgott – bruchsch e Brüue, Herrgott no mal au – bruchsch es Hörgrät
(Sag mir Hergott - brauchst Du eine Brille, Herrgott nocheinmal, brauchst Du ein Hörgerät...)
ghörsch mi nid, säg mir Herrgott – isch’s di Wiue, ghörsch Du nid – was i z säge ha,
(hörst Du mich nicht, sag mir Herrgott - ist es Dein Wille, hörst Du nicht, was ich zu sagen habe)
 merksch Du nid – was i gärn hät gha.
(merkst Du nicht - was ich gern gehabt hätte bzw. wie ich es gern gehabt hätte)

3 Kommentare:

  1. "Weil es nur ein Strohfeuer wäre und der Preis dafür einfach zu hoch ist".....
    Ich denke, dass Dein Leidensdruck halt noch nicht so gross ist, deshalb lebst Du Deine Sehnsucht nicht aus. Aus einem Strohfeuer kann noch manch Anderes, Schönes und Heisses entstehen, es kommt darauf an, wie man das beginnende Feuer alimentiert und pflegt.

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  2. Liebe Rosalie, wahrscheinlich hat sich Francine vorher abgenabelt. Aber eine optimale Lösung bzw. Trennung gibt es bestimmt nicht. Vielleicht kennst Du David Schnarch, dieses Zitat stammt von ihm:
    "Die Flucht zu ergreifen, ist etwas anderes, als sich vorher abzunabeln und erst dann zu gehen."
    http://www.dr-mueck.de/HM_Denkhilfen/Denkanstoesse-David-Schnarch.htm

    Liebe Grüße
    Luisa

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  3. der text des liedes ist doch sehr banal, ich rege mich daher jedesmal wenn s läuft über dieses lied auf, und wenn ich deine mit sorgfalt ausgewählte worte lese, kann ich mir nicht vorstellen, findest du dies poetisch.

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