Vielleicht habe ich mit dem ersten Teil meiner Liebesbilanz gewisse Leserinnen und Leser ein wenig geschockt. Aber es ist wie es ist. Meine Liebes- bzw. Ehebilanz aus heutiger Sicht. Nichts mehr schön geredet.
Vor zehn Jahren hätte sie anders ausgesehen, meine Bilanz. Nein - objektiv gesehen wohl nicht - aber ich hätte es niemals so formuliert, weil es mir selber nicht in dieser Klarheit bewusst war. Vor sechs Jahren wäre die Bilanz auch noch positiver ausgefallen. Weniger resigniert. Damals habe ich einen Versuch unternommen, ihn für eine Ehetherapie zu gewinnen. Ich wollte das Eheschiff wieder auf Kurs bringen. Ich bin ein paar Mal alleine hingegangen und der Therapeut meinte dann, dass er mich schon weiter stärken könne, dass dies meiner Ehe jedoch wahrscheinlich nicht zuträglich wäre (!) und dass es wichtig sei, gemeinsam mit meinem Mann weiterzumachen. Mein Mann lehnte es aber ab, einen Fragebogen auszufüllen und meinte, dass wir uns nur mehr bemühen müssten und "es" schon alleine wieder hinkriegen würden. Er hat dann mehr im Haushalt geholfen und abends öfters gekocht und sich ein bisschen mehr Zeit für die Kinder genommen...
Wenn wir zusammen einem gemeinsamen Hobby nachgegangen sind und einmal pro Jahr im benachbarten Ausland einen Tageskurs besucht haben, wollte er am Abend lieber zwei Stunden mit dem Auto nach Hause zurückfahren als dort in einem hübschen Landhotel zu übernachten... Weil er die Kinder vermisst hätte! Ich habe es nicht verstanden und die Schwiegermama, die den Vorschlag unterstützt und die Kinderbetreuung übernommen hätte, auch nicht...
Er hat mir das gegeben, was er in der Lage war bzw. ist, zu geben. Er ist einfach so wie er ist. Und das ist nicht wertend gemeint. Es sind nunmal nicht alle Menschen aus dem selben Holz geschnitzt. Wir haben viele gemeinsame Interessen, hatten gemeinsame Ziele. Aber es war nie die grosse Leidenschaft und es war nie eine starke emotionale Nähe da. Vielleicht kann ich mich einfach nicht mehr daran erinnern - aber in den letzten 11 Jahren war es so. Ich denke, ich habe mich wirklich bemüht. Ich habe mich angepasst und lange an dieser Beziehung festgehalten und alles Negative ausgeblendet.
Eigentlich war ich eine richtige "Traumfrau"... Attraktiv, intelligent, lieb, pflegeleicht, flexibel, gutmütig, weder besonders launisch noch nachtragend. Einfach "gäbig", wie wir auf Schweizerdeutsch zu sagen pflegen. Praktisch, weil pflegeleicht. Mein eher chaotisches Naturell hat er wohl oder übel in Kauf genommen, dass ich nicht gerne koche und nicht gerade die perfekte Hausfrau bin, ebenfalls, und auch den Umstand, dass ich nie eine Modelfigur hatte, auch nicht als ich noch schlank war. Das ist auch so ein wunder Punkt... Er hat mir nie das Gefühl gegeben, begehrenswert zu sein - obwohl ich es zweifelsohne war und - wie ich heute weiss - es noch immer bin...
Wenn mir etwas extrem wichtig war, habe ich es zwar "durchgeboxt", auch wenn es anstrengend war. Ich habe nicht einfach den Mund gehalten. Aber viel zu oft habe ich meine eigenen Interessen hintenan gestellt und eingelenkt. Damit habe ich uns wohl keinen Gefallen getan. Aber es war einfach auch schwierig. Er ist wohl das, was man als Egozentriker bezeichnet. Selten hat er auf etwas verzichtet, was ihm wichtig gewesen ist. Und ich habe dieses Muster schon von meinen Eltern gekannt und unbewusst den Part meiner Mutter übernommen...
Rückblickend erinnere ich mich an so viele einsame (und teilweise heimlich) gerauchte Zigaretten. Viel zu oft habe ich meinen Ärger in Rauch aufgelöst. Es hat ihn gestört und er hat immer gesagt, dass ich es nie schaffen werde, mit dem Rauchen aufzuhören. Er hat sich geirrt. Im Dezember 2000 habe ich meine letzte Zigarette geraucht.
Und heute bin ich einfach nur noch müde. Ich mag nicht mehr um diese Ehe kämpfen. Meine Gefühle haben sich verändert. Ich bin zwar noch immer eine loyale Ehefrau - aber wenn er mich küssen will, weiche ich zurück und das trotzige Händchenhalten in der Öffentlichkeit ist mir eigentlich zuwider. Sein verzweifelter Versuch so zu tun, als ob noch alles in Ordnung wäre. Aber meine Gedanken sind längst anderswo. Ich sehne mich nach einem neuen Gegenüber. Nach Seelenverwandtschaft, nach emotionaler Nähe.
Aber ich habe Angst. Angst vor dem, was kommt, wenn ich einen Schlussstrich ziehe. Da ist niemand, der mich auffangen wird. Ich befinde mich auf einer emotionalen Berg- und Talfahrt. Manchmal denke ich, dass alles nicht so "schlimm" ist und dass ich es im Vergleich mit anderen Frauen doch eigentlich gut habe... Und manchmal spüre ich eine so starke unerfüllte Sehnsucht und eine Einsamkeit, die so schmerzvoll ist, dass ich fast verzweifle und denke, dass es einfacher wäre zu sterben als alles aufzugeben und zu gehen.
Aber ich bin eine starke Frau und werde meine Kinder nie im Stich lassen. Ich stehe an einem Scheideweg und warte auf den Wink des Schicksals, das mir hoffentlich den Weg aufzeigen wird.
Samstag, 25. Februar 2012
Freitag, 24. Februar 2012
Schöne neue Welt
Heute bin ich alleine unterwegs auf der Piste. Die Kinder sind in der Skischule, mein Mann musste an ein Meeting und ich geniesse den Prachtstag all by myself.
Irgendwo auf der Piste sind noch Freunde von uns unterwegs, die ich kontaktieren könnte, wenn ich Gesellschaft möchte. Aber in letzter Zeit bin ich gerne alleine. Seit ich blogge bzw. ein geheimes Blogger-Doppelleben führe, bin ich noch lieber für mich als vorher. Seltsam. Man ist allein und ist es irgendwie doch nicht... Wobei - ohne mein Smartphone würde ich mir wohl doch ziemlich verloren vorkommen!
Aber so kriege ich Kurznachrichten aus dem Unterland, kann inmitten der traumhaften Bergkulisse mit meiner Schwester telefonieren, E-Mails lesen und ein neues Post schreiben und aufschalten.
Und wenn ich wieder up to date bin, stecke ich mein Lieblingsspielzeug in die Hosentasche und werde einen Moment in einem Liegestuhl relaxen oder wie man heute wohl sagt "chillen", die Sonne geniessen und die Augen schliessen...
Ich liebe die Berge. Und ich liebe die technischen Errungenschaften unserer Zeit! Schöne neue Welt!
Irgendwo auf der Piste sind noch Freunde von uns unterwegs, die ich kontaktieren könnte, wenn ich Gesellschaft möchte. Aber in letzter Zeit bin ich gerne alleine. Seit ich blogge bzw. ein geheimes Blogger-Doppelleben führe, bin ich noch lieber für mich als vorher. Seltsam. Man ist allein und ist es irgendwie doch nicht... Wobei - ohne mein Smartphone würde ich mir wohl doch ziemlich verloren vorkommen!
Aber so kriege ich Kurznachrichten aus dem Unterland, kann inmitten der traumhaften Bergkulisse mit meiner Schwester telefonieren, E-Mails lesen und ein neues Post schreiben und aufschalten.
Und wenn ich wieder up to date bin, stecke ich mein Lieblingsspielzeug in die Hosentasche und werde einen Moment in einem Liegestuhl relaxen oder wie man heute wohl sagt "chillen", die Sonne geniessen und die Augen schliessen...
Ich liebe die Berge. Und ich liebe die technischen Errungenschaften unserer Zeit! Schöne neue Welt!
Donnerstag, 23. Februar 2012
Liebesbilanz (1)
Wenn ich gewisse Blogs lese und erfahre, wie gewisse Männer von ihren Ehefrauen schreiben und von der grossen Liebe, die sie für ihre Partnerinnen empfinden, wird mir eines schmerzlich bewusst: Ich kenne das nicht. Ich habe das nie erlebt oder ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Ich habe nie länger als ein paar wenige Wochen das Gefühl gehabt, richtig geliebt zu werden.
Früher oder später kam immer der Moment, als die rosaroten Wolken sich verzogen hatten und ein grauweisser Himmel zum Vorschein kam. Ich kann mich noch ganz genau an die Situation erinnern, als dieses Gefühl in mir letztmals mit einem leisen Plopp zerplatzt ist. Es war im März 1994. Wir waren gerade mal zwei, drei Wochen zusammen. Ich hatte bei ihm übernachtet und er schrieb an seiner Diplomarbeit. Ich ging derweil in die Stadt und besuchte die Brocante, die an diesem Wochenende stattfand. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Trödel-, Floh- und Antiquitätenmärkte gehabt. Als ich zurückkam, zeigte ich ihm freudig erregt meine Trouvaillen. Zwei winzig kleine kolorierte Bleistiftradierungen vom Berner Zytglogge, vermutlich aus den Vierzigerjahren. Originalradierungen eines unbekannten Künstlers mit vergoldeten Rahmen, kaum grösser als ein iPhone. Und ein antikes Stoffreh von Steiff, das nicht mehr so ganz taufrisch aussah... Er schaute mich entgeistert an und sagte: "Für diesen Junk hast Du Geld ausgegeben??!"...
Dieser Moment und seine Aussage haben sich irgendwo in meine Seele eingebrannt. Ich hab dann seine Diplomarbeit lektoriert, redaktionell überarbeitet und mir eingeredet, dass es halt die "perfekte" Beziehung nicht gibt. Und alle haben gesagt, er sei ein toller Mann... Und so bin ich geblieben. Bis heute. Die Freude an Brocantes ist mir dann irgendwann ein paar Jahre später definitiv abhanden gekommen.
Heute weiss ich, dass ich hätte gehen müssen. Es war nicht der Umstand, dass er mit Brocantes nichts anfangen konnte. Es war die Art und Weise wie er es gesagt hatte. Irgendwie respektlos. Irgendwie lieblos. Es hat ihn nicht interessiert, was ich fühle und er hat nicht verstanden, was mich an diesen Gegenständen fasziniert hat. Er hat sich auch nicht die Mühe gemacht, mich danach zu fragen oder es herauszufinden.
Eigentlich kennt er mich bis heute nicht. Und mir wird wieder einmal schmerzlich bewusst: Ich bin allein. Eigentlich schon fast mein ganzes Leben lang.
Früher oder später kam immer der Moment, als die rosaroten Wolken sich verzogen hatten und ein grauweisser Himmel zum Vorschein kam. Ich kann mich noch ganz genau an die Situation erinnern, als dieses Gefühl in mir letztmals mit einem leisen Plopp zerplatzt ist. Es war im März 1994. Wir waren gerade mal zwei, drei Wochen zusammen. Ich hatte bei ihm übernachtet und er schrieb an seiner Diplomarbeit. Ich ging derweil in die Stadt und besuchte die Brocante, die an diesem Wochenende stattfand. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Trödel-, Floh- und Antiquitätenmärkte gehabt. Als ich zurückkam, zeigte ich ihm freudig erregt meine Trouvaillen. Zwei winzig kleine kolorierte Bleistiftradierungen vom Berner Zytglogge, vermutlich aus den Vierzigerjahren. Originalradierungen eines unbekannten Künstlers mit vergoldeten Rahmen, kaum grösser als ein iPhone. Und ein antikes Stoffreh von Steiff, das nicht mehr so ganz taufrisch aussah... Er schaute mich entgeistert an und sagte: "Für diesen Junk hast Du Geld ausgegeben??!"...
![]() |
| Antike Stofftiere von Steiff |
Heute weiss ich, dass ich hätte gehen müssen. Es war nicht der Umstand, dass er mit Brocantes nichts anfangen konnte. Es war die Art und Weise wie er es gesagt hatte. Irgendwie respektlos. Irgendwie lieblos. Es hat ihn nicht interessiert, was ich fühle und er hat nicht verstanden, was mich an diesen Gegenständen fasziniert hat. Er hat sich auch nicht die Mühe gemacht, mich danach zu fragen oder es herauszufinden.
Eigentlich kennt er mich bis heute nicht. Und mir wird wieder einmal schmerzlich bewusst: Ich bin allein. Eigentlich schon fast mein ganzes Leben lang.
Montag, 20. Februar 2012
Vom Skifahren und verheirateten Männern
In der ersten Stunde des heutigen Tages habe ich auf Castorps Blog einen Kommentar geschrieben, weil mich sein letztes Post aufgewühlt hat. Die Aussagen "krank vor Angst vor dem Verlust des Partners" und "Abhängigkeit in einer Liebesbeziehung" haben bei mir eine Trigger-Reaktion ausgelöst, weil ich sowas selber schon mal erlebt habe. Vor gefühlten 100 Jahren. Das war ein anderes Leben. Ein anderer Film. Ein Leben, das von Angst bestimmt war. Panikattacken und all sowas. Das habe ich hinter mir. Das ist kein Thema mehr und ich bin zuversichtlich, dass ich mich in diesem Leben nicht mehr damit werde befassen müssen.
Anschliessend habe ich ein paar Stunden schlecht geschlafen (über die Gründe lässt sich spekulieren). Um sieben Uhr hat der Wecker mich aus dem Schlaf gerissen, ich habe den Kindern Frühstück gemacht und wir haben uns warm angezogen für die Piste. Den Skibus ausnahmsweise ganz stressfrei rechtzeitig erwischt und gegen neun Uhr habe ich die Kinder in der Skischule abgeliefert. Ganztages-Skischule für beide. Wobei der "ganze Tag" lediglich 4 Stunden Skifahren bedeutet und dazwischen findet für alle Kinder ein gemeinsames Mittagessen statt. Hatte etwas Bammel davor, wie die Kleine es aufnehmen würde, dass sie nicht nur am Vormittag teilnehmen muss... Glück gehabt! Sie hat es relativ cool zur Kenntnis genommen und nicht rebelliert. Nicht zuletzt auch dank der netten jungen Skilehrerin. Sie kam mir bekannt vor - und siehe da, sie hat doch tatsächlich unseren Sohn wiedererkannt und gesagt, er sei doch der ***, der vor zwei Jahren schon mal bei ihr im Kurs gewesen sei und deutsch und französisch spreche! Ich war extrem beeindruckt!
Nachdem ich die Kinder dem Skilehrertrupp mit den knallig roten Skianzügen anvertraut hatte, fuhr ich mit der Gondel auf 2167 m und dann weiter mit dem Sessellift bis auf 2500 m rauf. Es war bitterkalt. Schätzungsweise minus 14 Grad plus Windchill... Zu kalt für mich. Und ausserdem hatte es am Morgen nicht mehr für einen Nespresso gereicht.
So fuhr ich auf direktem Weg ins warme Restaurant, trank einen Latte Macchiato, nahm mein Lieblingsspielzeug aus der Tasche und las die neusten Artikel und Kommentare auf verschiedenen Blogs. Gespannt verfolgte ich die Diskussion auf Castorps Blog. Dann sauste ich wieder über die Pisten und beim nächsten Kaffeestopp las ich weiter und staunte über die engagierte Männerdiskussion.
Und ich checkte meine Mailboxen und freute mich über ein langes Mail von einer Schreibfreundin. Und dann las ich zum fünften Mal ein wunderbares Mail von einem Verehrer. Es ist Balsam auf meine Seele, es zaubert ein Lächeln in mein Gesicht und es bringt mein Blut in Wallung. Dieser Mann ist so unglaublich positiv, aufgestellt, geistreich, charmant, witzig, intelligent, leidenschaftlich und - Vater zweier Kinder und seit 16 Jahren ziemlich glücklich verheiratet...
Nachtrag: Er weiss nicht, dass ich blogge und das soll auch so bleiben...
P.S. Ich begrüsse eine neue Leserin! Herzlich willkommen, Poesieunterwegs!
Anschliessend habe ich ein paar Stunden schlecht geschlafen (über die Gründe lässt sich spekulieren). Um sieben Uhr hat der Wecker mich aus dem Schlaf gerissen, ich habe den Kindern Frühstück gemacht und wir haben uns warm angezogen für die Piste. Den Skibus ausnahmsweise ganz stressfrei rechtzeitig erwischt und gegen neun Uhr habe ich die Kinder in der Skischule abgeliefert. Ganztages-Skischule für beide. Wobei der "ganze Tag" lediglich 4 Stunden Skifahren bedeutet und dazwischen findet für alle Kinder ein gemeinsames Mittagessen statt. Hatte etwas Bammel davor, wie die Kleine es aufnehmen würde, dass sie nicht nur am Vormittag teilnehmen muss... Glück gehabt! Sie hat es relativ cool zur Kenntnis genommen und nicht rebelliert. Nicht zuletzt auch dank der netten jungen Skilehrerin. Sie kam mir bekannt vor - und siehe da, sie hat doch tatsächlich unseren Sohn wiedererkannt und gesagt, er sei doch der ***, der vor zwei Jahren schon mal bei ihr im Kurs gewesen sei und deutsch und französisch spreche! Ich war extrem beeindruckt!
Nachdem ich die Kinder dem Skilehrertrupp mit den knallig roten Skianzügen anvertraut hatte, fuhr ich mit der Gondel auf 2167 m und dann weiter mit dem Sessellift bis auf 2500 m rauf. Es war bitterkalt. Schätzungsweise minus 14 Grad plus Windchill... Zu kalt für mich. Und ausserdem hatte es am Morgen nicht mehr für einen Nespresso gereicht.
So fuhr ich auf direktem Weg ins warme Restaurant, trank einen Latte Macchiato, nahm mein Lieblingsspielzeug aus der Tasche und las die neusten Artikel und Kommentare auf verschiedenen Blogs. Gespannt verfolgte ich die Diskussion auf Castorps Blog. Dann sauste ich wieder über die Pisten und beim nächsten Kaffeestopp las ich weiter und staunte über die engagierte Männerdiskussion.
Und ich checkte meine Mailboxen und freute mich über ein langes Mail von einer Schreibfreundin. Und dann las ich zum fünften Mal ein wunderbares Mail von einem Verehrer. Es ist Balsam auf meine Seele, es zaubert ein Lächeln in mein Gesicht und es bringt mein Blut in Wallung. Dieser Mann ist so unglaublich positiv, aufgestellt, geistreich, charmant, witzig, intelligent, leidenschaftlich und - Vater zweier Kinder und seit 16 Jahren ziemlich glücklich verheiratet...
| Bergdorf im Schneegestöber |
P.S. Ich begrüsse eine neue Leserin! Herzlich willkommen, Poesieunterwegs!
Sonntag, 19. Februar 2012
Twelve hours just for me
Ich hatte heute (Samstag) einen Termin, auf den ich mich schon eine ganze Weile gefreut habe. Ich bin drei Stunden Auto gefahren, um mir den Vortrag eines englischen Gartendesigners anzuhören. Er ist ziemlich bekannt und hat zahlreiche Gartenbücher veröffentlicht.
Früher habe ich sämtliche Gartensendungen auf meinem Lieblingssender BBC Prime verschlungen und ich liebe es, die botanischen Namen der Stauden aus dem Mund britischer Gärtner zu hören. Wenn jemand wie John Scarman "Clemetis durandiai" (Clematis durandii) sagt, dann werd ich schwach! ;-)
Und diese englischen Gartenleute haben alle einen sehr subtilen Humor. Britschen Humor eben. Ganz nach meinem Geschmack.
Er hat heute auch für ein paar Lacher gesorgt und ich habe was gelernt über "The new movement of planting". Und ich habe erfahren, dass es ziemlich viele Perennials (Stauden) gibt, die kurzlebig sind und nach wenigen Jahren sterben. Ich dachte bisher immer, dass die Bodenbeschaffenheit, die Trockenheit oder irgendwelche mysteriösen Umstände daran schuld seien, wenn eine Staude nach zwei, drei Jahren plötzlich sang- und klanglos aus meinem Garten verschwunden ist. Seit heute weiss ich: "It's not the soil. It's not moisture. It's not my fault - it's genetic!". Thank you, Noël!
Der Vortrag war nett. Hat mich aber irgendwie nicht so richtig gepackt und ich bin mit diesem Mann nicht so richtig warm geworden. Ich hatte noch ein Buch dabei, das ich in meiner Gartenbibliothek gefunden habe (Shame on me - ich wusste gar nicht mehr, dass ich ein Buch von ihm besitze!) und wollte es eigentlich signieren lassen. Hatte aber dann irgendwie keine Lust dazu. Und zum Schluss hat er gefragt, ob irgendwer zufällig Richtung Zürich fahre und ihn mitnehmen könne. Fehlanzeige. Er hätte besser einen Flug ab Genf gebucht. Dann hätte er zahlreiche Mitfahrgelegenheiten gehabt. Der Vortrag fand nämlich in der französischen Schweiz statt. Einen winzigen Moment lang hab ich mit dem Gedanken gespielt, dass ich ihn nach Zürich fahren könnte. Wäre ja eine einmalige Gelegenheit gewesen, mich zwei Stunden lang im Auto mit einem der bekanntesten britischen Gartendesigner zu unterhalten. Aber er mag keine Rosen und überhaupt...
Hätte John gefragt - es wär mir ein Vergnügen gewesen. Ich habe mit ihm schon mal einen Kaffee - ähm pardon - Tee getrunken! Er ist sehr charmant! :-)
Und seine Vorträge waren immer ein Highlight!
Nach dem Event bin ich mit meiner Freundin M., ihrem Gatten und einem befreundeten Ehepaar in ein Kaffeehaus gegangen und wir haben zur Feier das Tages einen Cappuccino getrunken und ein Stück Torte gegessen. Schwarzwälder - wenn schon, dann schon ! ;-)
Und später habe ich ihnen noch den originellsten Gastrobetrieb der Stadt gezeigt. Ein Ort mit zusammengewürfeltem Mobiliar, sämtliche Räume vollgestopft mit wunderhübschen Dingen und alles kann käuflich erworben werden. Der Stuhl, auf dem man sitzt, der Kerzenständer auf dem Tisch, der Tisch selbst, die Lampen, die Bilder... einfach alles!
Nach einem (oder zwei...) Gläschen Schweizer Chardonnay und einer frischen Gemüsesuppe mit Schwarzbrot ging's dann noch rasch zu Hause vorbei. Eigentlich sind wir nämlich schon in den Bergen. ;-)
Skiferien stehen vor der Tür. Die Kinder haben eine Woche schulfrei. Aber mein Mann muss Montag Morgen früh noch einen Geschäftstermin wahrnehmen - und hat sein Businessoutfit zu Hause vergessen. Er ist ein wenig überarbeitet... So hat die treusorgende Gattin den Umweg in Kauf genommen und Anzug, Hemd und Krawatte samt passendem Schuhwerk zusammengesucht und eingepackt und bei der Gelegenheit noch gleich den Filter vom Goldfischaquarium geputzt. Die Fische waren dankbar - und der Blutalkoholwert hat sich in der Zeit auch wieder normalisiert... ;-)
Und dann bin ich losgefahren. 130 km durch die Nacht Richtung Alpen.
Nur Maria Mena und ich.
Ich habe mich gut gefühlt! Das war ein guter Tag!
Früher habe ich sämtliche Gartensendungen auf meinem Lieblingssender BBC Prime verschlungen und ich liebe es, die botanischen Namen der Stauden aus dem Mund britischer Gärtner zu hören. Wenn jemand wie John Scarman "Clemetis durandiai" (Clematis durandii) sagt, dann werd ich schwach! ;-)
Und diese englischen Gartenleute haben alle einen sehr subtilen Humor. Britschen Humor eben. Ganz nach meinem Geschmack.
![]() |
| Noël Kingsbury |
Der Vortrag war nett. Hat mich aber irgendwie nicht so richtig gepackt und ich bin mit diesem Mann nicht so richtig warm geworden. Ich hatte noch ein Buch dabei, das ich in meiner Gartenbibliothek gefunden habe (Shame on me - ich wusste gar nicht mehr, dass ich ein Buch von ihm besitze!) und wollte es eigentlich signieren lassen. Hatte aber dann irgendwie keine Lust dazu. Und zum Schluss hat er gefragt, ob irgendwer zufällig Richtung Zürich fahre und ihn mitnehmen könne. Fehlanzeige. Er hätte besser einen Flug ab Genf gebucht. Dann hätte er zahlreiche Mitfahrgelegenheiten gehabt. Der Vortrag fand nämlich in der französischen Schweiz statt. Einen winzigen Moment lang hab ich mit dem Gedanken gespielt, dass ich ihn nach Zürich fahren könnte. Wäre ja eine einmalige Gelegenheit gewesen, mich zwei Stunden lang im Auto mit einem der bekanntesten britischen Gartendesigner zu unterhalten. Aber er mag keine Rosen und überhaupt...
![]() |
| John Scarman |
Und seine Vorträge waren immer ein Highlight!
Nach dem Event bin ich mit meiner Freundin M., ihrem Gatten und einem befreundeten Ehepaar in ein Kaffeehaus gegangen und wir haben zur Feier das Tages einen Cappuccino getrunken und ein Stück Torte gegessen. Schwarzwälder - wenn schon, dann schon ! ;-)
Und später habe ich ihnen noch den originellsten Gastrobetrieb der Stadt gezeigt. Ein Ort mit zusammengewürfeltem Mobiliar, sämtliche Räume vollgestopft mit wunderhübschen Dingen und alles kann käuflich erworben werden. Der Stuhl, auf dem man sitzt, der Kerzenständer auf dem Tisch, der Tisch selbst, die Lampen, die Bilder... einfach alles!
Nach einem (oder zwei...) Gläschen Schweizer Chardonnay und einer frischen Gemüsesuppe mit Schwarzbrot ging's dann noch rasch zu Hause vorbei. Eigentlich sind wir nämlich schon in den Bergen. ;-)
Skiferien stehen vor der Tür. Die Kinder haben eine Woche schulfrei. Aber mein Mann muss Montag Morgen früh noch einen Geschäftstermin wahrnehmen - und hat sein Businessoutfit zu Hause vergessen. Er ist ein wenig überarbeitet... So hat die treusorgende Gattin den Umweg in Kauf genommen und Anzug, Hemd und Krawatte samt passendem Schuhwerk zusammengesucht und eingepackt und bei der Gelegenheit noch gleich den Filter vom Goldfischaquarium geputzt. Die Fische waren dankbar - und der Blutalkoholwert hat sich in der Zeit auch wieder normalisiert... ;-)
Und dann bin ich losgefahren. 130 km durch die Nacht Richtung Alpen.
Nur Maria Mena und ich.
Ich habe mich gut gefühlt! Das war ein guter Tag!
Dienstag, 14. Februar 2012
Heute vor 365 Tagen...
...am Valentinstag 2011 habe ich aus einer Montagslaune heraus mein erstes Post geschrieben und diesen Blog ins Leben gerufen!
Ich wollte wissen, ob ich auf diesem Weg eine Antwort finde, wie ich meine schicksalhafte Begegnung bzw. diesen "Magic Moment" einordnen soll, über den ich bei Castorp gestern einen viel zu langen Kommentar geschrieben habe, und ob andere Menschen auch so etwas Ähnliches erlebt haben. Und was es mit dieser unerfüllten Sehnsucht auf sich hat, die im Sommer 2010 von mir Besitz ergriffen hat...
Ich weiss noch nicht mit Bestimmtheit, ob Mr. Charming diesen Moment auch so intensiv erlebt hat wie ich. Auf jeden Fall hat unsere Begegnung und vielleicht auch meine Reaktion darauf bei ihm etwas ausgelöst, und ich weiss, dass ich ihm nicht gleichgültig bin.
Die Schreiberei hat meinen Horizont erweitert und durch meinen Blog habe ich interessante Menschen kennengelernt, die an meiner "Midlife Crisis" Anteil nehmen und mein Leben bereichern. Menschen, die mich durch ihre eigenen Blogs an ihrem Leben teilhaben lassen und die mir seltsam vertraut sind, obwohl ich sie im realen Leben noch nie gesehen habe. Menschen, dir mir im persönlichen Mailaustausch von ihren Erfahrungen berichten. Menschen, mit denen ich mich austauschen kann und die ich sehr schätze. Viele Kommentare haben meine Posts bereichert und ich habe auf diesem Weg wertvolle Denkanstösse erhalten und neue Erkenntnisse gewonnen. Das alles ist so spannend!
Am liebsten würde ich den ganzen Tag lang Blogs lesen, kommentieren und neue Artikel für meinen Blog schreiben. Wenn ich im Lotto gewinnen sollte, würde ich meinen Job aufgeben und genau das tun! Aber neben der heimlichen Bloggerei gibt es ja noch zwei Kinder, einen Ehemann, einen Teilzeitjob, einen Haushalt, 26 Goldfische und einen ziemlich grossen Garten zu betreuen bzw. zu versorgen. Wobei Haushalt und Garten in letzter Zeit etwas vernachlässigt worden sind... Aber man muss Prioritäten setzen! :-) Wenn mein Mann allerdings - so wie letzte Woche - plötzlich auf die Idee kommt, von zu Hause aus zu arbeiten, wird es schwierig, mich in adäquater Weise um meinen Blog zu kümmern. Und das ausgerechnet dann, wenn ich ein Post aufgeschaltet habe, das unglaublich viel Resonanz ausgelöst und so viele interessante und wertvolle Kommentare generiert hat, die ich gerne beantworten möchte! Aber ich bin zuversichtlich, dass ich in den nächsten Tagen dazu komme, die Diskussion wieder zu entfachen. :-)
Die letzten 365 Tage waren sehr intensiv und ich habe vieles erlebt, was ich mir nie hätte träumen lassen. :-) Ich habe auch im realen Leben neue Bekanntschaften gemacht und einen Freund gefunden, mit dem mich viel verbindet und der mein Leben bereichert.
Und weil heute "zufällig" Valentinstag ist, noch eine kurze Zwischenbilanz zur Ausgabe 2012:
1 SMS mit einer roten Rose.
1 SMS mit netten Valentinsgrüssen
1 virtueller Blumenstrauss (eigentlich fürs Blogjubiläum - aber den zähle ich mit! ;-)
Und der Abend ist noch nicht vorbei...
Mein Mann hat die dürren Aprilglocken von letzter Woche, die ichaus Nachlässigkeit in der Vase auf dem Tisch habe stehen lassen, übersehen und es ist ihm nicht in den Sinn gekommen, einen Strauss Tulpen zu besorgen. Macht aber nichts. Wäre ja bloss geheuchelt. Ich habe mir selbst einen gekauft! Und noch einen zweiten Blumenstrauss - für die liebe Schwiegermama. Die hat nämlich von ihrem Mann auch nie Blumen gekriegt. Noch nicht mal zum Geburtstag.
Von Mr. Charming habe ich (noch) nichts gehört. Ich spiele mit dem Gedanken, ihm einen kurzen "unverfänglichen" Valentinsabendgruss zu simsen... Selbst ist die Frau! :-)
Ich freue mich auf das zweite Blogjahr und bedanke mich ganz herzlich bei meinen zahlreichen eingetragenen und stillen Leserinnen und Lesern (und begrüsse bei dieser Gelegenheit Leserin Nr. 40 und Leser Nr. 41) und wünsche Euch allen einen schönen Valentinsabend!
Eure Rosalie
Ich wollte wissen, ob ich auf diesem Weg eine Antwort finde, wie ich meine schicksalhafte Begegnung bzw. diesen "Magic Moment" einordnen soll, über den ich bei Castorp gestern einen viel zu langen Kommentar geschrieben habe, und ob andere Menschen auch so etwas Ähnliches erlebt haben. Und was es mit dieser unerfüllten Sehnsucht auf sich hat, die im Sommer 2010 von mir Besitz ergriffen hat...
Ich weiss noch nicht mit Bestimmtheit, ob Mr. Charming diesen Moment auch so intensiv erlebt hat wie ich. Auf jeden Fall hat unsere Begegnung und vielleicht auch meine Reaktion darauf bei ihm etwas ausgelöst, und ich weiss, dass ich ihm nicht gleichgültig bin.
Die Schreiberei hat meinen Horizont erweitert und durch meinen Blog habe ich interessante Menschen kennengelernt, die an meiner "Midlife Crisis" Anteil nehmen und mein Leben bereichern. Menschen, die mich durch ihre eigenen Blogs an ihrem Leben teilhaben lassen und die mir seltsam vertraut sind, obwohl ich sie im realen Leben noch nie gesehen habe. Menschen, dir mir im persönlichen Mailaustausch von ihren Erfahrungen berichten. Menschen, mit denen ich mich austauschen kann und die ich sehr schätze. Viele Kommentare haben meine Posts bereichert und ich habe auf diesem Weg wertvolle Denkanstösse erhalten und neue Erkenntnisse gewonnen. Das alles ist so spannend!
Am liebsten würde ich den ganzen Tag lang Blogs lesen, kommentieren und neue Artikel für meinen Blog schreiben. Wenn ich im Lotto gewinnen sollte, würde ich meinen Job aufgeben und genau das tun! Aber neben der heimlichen Bloggerei gibt es ja noch zwei Kinder, einen Ehemann, einen Teilzeitjob, einen Haushalt, 26 Goldfische und einen ziemlich grossen Garten zu betreuen bzw. zu versorgen. Wobei Haushalt und Garten in letzter Zeit etwas vernachlässigt worden sind... Aber man muss Prioritäten setzen! :-) Wenn mein Mann allerdings - so wie letzte Woche - plötzlich auf die Idee kommt, von zu Hause aus zu arbeiten, wird es schwierig, mich in adäquater Weise um meinen Blog zu kümmern. Und das ausgerechnet dann, wenn ich ein Post aufgeschaltet habe, das unglaublich viel Resonanz ausgelöst und so viele interessante und wertvolle Kommentare generiert hat, die ich gerne beantworten möchte! Aber ich bin zuversichtlich, dass ich in den nächsten Tagen dazu komme, die Diskussion wieder zu entfachen. :-)
Die letzten 365 Tage waren sehr intensiv und ich habe vieles erlebt, was ich mir nie hätte träumen lassen. :-) Ich habe auch im realen Leben neue Bekanntschaften gemacht und einen Freund gefunden, mit dem mich viel verbindet und der mein Leben bereichert.
Und weil heute "zufällig" Valentinstag ist, noch eine kurze Zwischenbilanz zur Ausgabe 2012:
1 SMS mit einer roten Rose.
1 SMS mit netten Valentinsgrüssen
1 virtueller Blumenstrauss (eigentlich fürs Blogjubiläum - aber den zähle ich mit! ;-)
Und der Abend ist noch nicht vorbei...
Mein Mann hat die dürren Aprilglocken von letzter Woche, die ich
Von Mr. Charming habe ich (noch) nichts gehört. Ich spiele mit dem Gedanken, ihm einen kurzen "unverfänglichen" Valentinsabendgruss zu simsen... Selbst ist die Frau! :-)
Ich freue mich auf das zweite Blogjahr und bedanke mich ganz herzlich bei meinen zahlreichen eingetragenen und stillen Leserinnen und Lesern (und begrüsse bei dieser Gelegenheit Leserin Nr. 40 und Leser Nr. 41) und wünsche Euch allen einen schönen Valentinsabend!
Eure Rosalie
![]() |
| Happy Valentine's Day! |
Sonntag, 5. Februar 2012
Ist Liebe teilbar?
Die Paare, die sich von Anfang an für eine solche Form der Partnerschaft entscheiden, möchte ich jetzt einmal ausklammern.
Das Thema beschäftigt vor allem Menschen, die in langjährigen Ehen und Partnerschaften leben. Es ist wohl unvermeidlich, dass sich nach zehn oder zwanzig gemeinsamen Jahren eine gewisse Routine einschleicht und die Leidenschaft irgendwann im anstrengenden Alltagsleben auf der Strecke bleibt. Das muss nicht überall so sein - aber oft wird das Sexleben nicht mehr als Bereicherung der Beziehung erlebt und Frustration macht sich breit. Geheime Sehnsüchte beginnen sich zu entwickeln, die früher oder später ausgelebt werden wollen.
So kann es geschehen, dass man mit dieser inneren Einstellung zufällig über eine Person stolpert und sich "Hals über Kopf" verliebt und gar nicht anders kann, als diese neue Liebe auszuleben. Parallel zur Alltagsbeziehung - zumindest zu Beginn. Das Gefühl ist zu stark, um es zu ignorieren oder zu verdrängen.
Wenn man nicht auf diesen "Magic Moment" warten mag, beginnt man mehr oder weniger bewusst in den Weiten des Internets bzw. auf entsprechenden Portalen nach gleichgesinnten Menschen zu suchen, mit dem Ziel, ein passendes Pendant zu finden, um diese Sehnsucht nach Schmetterlingen im Bauch auszuleben.
Wenn man nicht auf diesen "Magic Moment" warten mag, beginnt man mehr oder weniger bewusst in den Weiten des Internets bzw. auf entsprechenden Portalen nach gleichgesinnten Menschen zu suchen, mit dem Ziel, ein passendes Pendant zu finden, um diese Sehnsucht nach Schmetterlingen im Bauch auszuleben.
Doch was passiert, wenn man sich in eine Affäre stürzt? Kann man die Alltagsbeziehung trotzdem weiterführen und seine Liebe - oder nennen wir es Zuneigung - auf zwei oder mehrere Partner aufteilen? Zieht man sich dann nicht unweigerlich vom Ehepartner zurück, weil man sich gedanklich (zumindest in der Anfangsphase) so stark mit der Nebenbeziehung befasst?
Eigentlich wollte ich ja nur Castorps Post "Love unlimited" vom 2. Februar 2012 kommentieren bzw. seine Antwort auf den Kommentar von Nouniouce.
Castorp schreibt in seinem Post unter anderem folgendes:
"Warum, wenn wir doch angeblich unbegrenzt oder zumindest nicht auf einen Menschen begrenzt lieben können, warum leben wir nicht schon längst in transparenten, offiziellen Beziehungen, die aus drei, vier oder mehr Menschen bestehen?
Für mich liegt eine Antwort auf der Hand: Weil wir das im Grunde nicht wollen. Solche Arrangements können funktionieren, ja. Nämlich dann, wenn sich das Verhältnis zwischen zwei Liebenden so abgekühlt und zum freundschaftlichen Miteinander entwickelt hat, dass Eifersucht kein Thema mehr ist. Man gönnt dann dem Ehemann oder der Ehefrau die neue Liebschaft wie man sie einem guten Freund oder einer guten Freundin gönnt. Die Liebe verlagert sich dann auf einen anderen Menschen. Sie bleibt aber unteilbar.
Wer jemanden liebt - und ich meine wirklich liebt - und beginnt, ähnliche Gefühle für einen anderen Menschen zu entwickeln, gerät in grosse Not. Ich weiss, wovon ich spreche."
Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass eine sogenannte "offene" Ehe erst dann eine Option ist, wenn das Ehepaar kein Liebespaar mehr ist und aus der leidenschaftlichen Liebe ein freundschaftliches Miteinander geworden ist, um mit Castorps Worten zu sprechen. Doch stimmt das wirklich?
Wenn ich mich so durch gewisse Blogs lese und mit Männern aus dem Bekanntenkreis darüber spreche bzw. schreibe, stelle ich mit Verwunderung fest, dass diese Männer vorgeben, dass sie ihre Ehefrauen nach wie vor lieben und (teilweise) auch noch begehren - und trotzdem dieses Bedürfnis nach fremder Haut verspüren und sich eine Affäre wünschen. Die bestehende Situation "optimieren", nannte es ein Betroffener. Die meisten Männer können dieses Bedürfnis aber nur heimlich ausleben, da sie davon ausgehen, dass die Ehefrauen eine Affäre niemals tolerieren würden. Und es gibt eine kleine Minderheit von Ehemännern, die sich eine "offene" Ehe wünschen und davon träumen, ihre Sehnsüchte mit dem Einverständnis der Ehefrau ausleben zu dürfen. Und wenn es denn sein muss - der Ehefrau (wohl oder übel!) das selbe Recht zubilligen.
Ich frage mich: Können diese Männer ihre Liebe teilen? Oder ist es so, dass sie Liebe anders definieren und ihre Ehen idealisieren? Dass sie Loyalität mit Liebe gleichsetzen? Dass sie in dieser Hinsicht weniger objektiv, weniger anspruchsvoll sind als wir Frauen? Und kann es sein, dass ich meinen Mann noch liebe, obwohl ich ihn gar nicht mehr begehre und an das Wort "Liebe" einfach zu hohe Ansprüche stelle?
Diese Männer, die ihre Ehefrauen noch lieben und sich trotzdem nach einer anderen Frau sehnen, gehen also davon aus, dass sie ihre Liebe auf verschiedene Partnerinnen aufteilen können. Ich unterstelle ihnen jetzt mal, dass es nicht nur um Sex geht. Sex ohne Liebe und emotionale Nähe ist ja eigentlich eine oberflächliche und auf Dauer unbefriedigende Angelegenheit. Nicht das, was man sich unter Erfüllung der Sehnsucht vorstellt. Man sehnt sich ja nach intensiven Gefühlen, nach Schmetterlingen im Bauch. Und Schmetterlinge im Bauch stellen sich nur ein (jedenfalls bei mir), wenn es knistert. Und knistern tut es nur, wenn mich mit dieser Person etwas verbindet. Emotionale Nähe. Zuneigung. Respekt. Bewunderung. Und eine gewisse Vertrautheit, die sich im Verlauf von Gesprächen und im schriftlichen Gedankenaustausch einstellt.
Ich frage mich, ob es auch Frauen gibt, die ihre Männer noch lieben und (noch) begehren und trotzdem eine Aussenbeziehung leben möchten? Oder ist diese Ausgangslage den Männern vorbehalten?
Und dann gibt es Männer wie Castorp, die die erotische Liebe für unteilbar halten. Die ihre Ehefrauen „richtig“ lieben und in seelische Not geraten, wenn sie für eine andere Frau plötzlich ähnliche Gefühle empfinden.
Aber... wenn man jemanden liebt und ich meine „richtig“ liebt - wie kann es dann überhaupt passieren, dass man sich trotzdem in eine andere Person verliebt?
Und wenn man davon überzeugt ist, seine Ehefrau zu lieben - wieso sollte diese Liebe weniger werden oder in Gefahr geraten, nur weil man ähnliche Gefühle für einen anderen Menschen empfindet? Ist diese Art von Liebe wirklich unteilbar?
Sollte man eine solche „Nebenliebe“ nicht einfach als eine Bereicherung empfinden? Sie einfach als ein Geschenk annehmen und ausleben. Positive Energie daraus schöpfen, ohne das Bestehende in Frage zu stellen? Oder gibt es in dieser Angelegenheit tatsächlich nur schwarz oder weiss, alles oder nichts?
Ich weiss, die Menschen sind verschieden. Aber kann man auf Dauer glücklich leben, wenn man seine Gefühle immer und mit aller Macht der Vernunft unterordnet?
![]() |
| . |
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Ich glaube daran, dass man die erotische Liebe auf verschiedene Menschen aufteilen kann! Wenn auch nicht auf jeden Einzelnen mit der selben Intensität.
Abonnieren
Kommentare (Atom)







