Montag, 2. April 2012

Vortragsübung

Und letzte Woche war noch die erste Vortragsübung meiner Tochter...

Sie hat ihr kleines Liedchen gespielt, ein ganz einfaches Stück und der Klavierlehrer hat sie begleitet, damit es nicht ganz so dünn tönt. Und ich habe mir wieder einmal fest vorgenommen, endlich mehr mit ihr zu üben. Wir üben viel zu selten und sie ist noch nicht so weit, wie sie sein könnte. Aber es liegt nicht an ihr... Ich muss mir mehr Zeit nehmen. Und Grand-Maman kann ihr nicht so gut weiterhelfen, weil sie selbst nicht Klavierspielen kann. Sie wird es nicht bemerken, wenn die Kleine eine Oktave zu hoch oder zu tief spielt und die Notenlänge nicht einhält. Und ich muss mich immer beherrschen, dass ich nicht zu ungeduldig mit ihr bin, weil die Stücke doch so einfach sind und ich es nicht verstehen kann, dass sie immer wieder danebengreift, Kunstpausen macht und das Tempo nicht einhält...

Sie wollte übrigens unbedingt an der Vortragsübung mitmachen und war überhaupt nicht nervös! Sie hat das ganz cool genommen! Für mich waren Vortragsübungen seinerzeit die Hölle... Ich war immer unglaublich nervös und habe es glaube ich nie geschafft, ein Klavierstück fehlerfrei vorzutragen.  Ich war auch schon ein paar Jahre älter als sie. Mit Grauen denke ich an den "wilden Reiter" von Schuman zurück und sehe mich an dem schwarzen Flügel in der Aula der Schule sitzen und erinnere mich an das Gefühl, an die Angst vor einem Blackout... "Le trac" nannte es der Klavierlehrer meiner Tochter. Lampenfieber...

Die Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren haben ihre Klavierstücke vorgespielt, ein kleiner Junge spielte Blockflöte und ein staksiges Teenagermädchen mit Bracketspange Altflöte.  Und dann gab es noch zwei erwachsene Schüler. Eine Frau, sichtlich nervös, Ende Dreissig. Gross, sportlich, in Jeans und Hemd mit Gilet, spielte barfuss ein schönes Saxophonstück. Und dann war da noch dieser Mann, der mir schon bei der Hauptprobe aufgefallen war.  Er hat auf seinem Tenorsaxophon ein wunderschönes Jazzstück gespielt. Im Hintergrund lief eine CD und der Musiklehrer hat ihn auf seinem Klavier begleitet. Er hat ihn angekündigt,  als den Mann, der die meiste Zeit in den Wolken verbringt und es trotzdem schafft, Zeit zu finden, um mit seinem Tenorsaxophon zu üben und an der Soirée musicale mitzumachen. Interessant. Ein attraktiver Mann in meinem Alter, durchtrainiert und gepflegt. Ich  habe ihn natürlich gegoogelt und herausgefunden, dass er nicht mit kleinen Segelflugzeugen durch die Lüfte schwebt, sondern mit Kampfjets der Schweizer Luftwaffe.  Ich fand es schön, dass er sich die Zeit genommen hatte, an dieser Vortragsübung teilzunehmen und habe mich über seinen Beitrag gefreut. Ich hätte ihn gerne beim anschliessenden Apéro angesprochen und ihn gefragt, wie lange man spielen resp. üben muss, bis man "Cry me a river" so perfekt spielen kann. Aber die Kinder und andere Mütter haben meine Aufmerksamkeit beansprucht und plötzlich war er weg. Schade.

Und da war da noch dieses scheue junge Mädchen mit den roten Wangen, ungefähr 14 Jahre alt. Sie hat die "Comptine d'un autre été" von Yann Tiersen gespielt. Ein Stück aus dem Film "Die fabelhafte Welt der Amélie". Auswendig und aus dem Kopf gelernt ohne Noten. Sie hat es wunderbar gespielt und ich musste mich beherrschen, mein Augenwasser zurückzuhalten. Diese Musik trifft mich irgendwie mitten ins Herz.






1 Kommentar:

  1. Ja, es ist immer wieder ein beglückendes Erlebnis, die Macht der Musik zu spüren.

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