Montag, 27. August 2012

Gedanken über Freundschaft


Menachem hat mich mit seinem Kommentar vom 23. August 2012/22.35h inspiriert, über Freundschaft nachzudenken. Zum zweiten Teil seines Kommentars werde ich später etwas schreiben. Menachem ist der Ansicht,  dass es zwei Arten von Freunden gibt. Ich zitiere:

"Die einen nehmen einen in den Arm, wenn man Trost braucht. Die anderen versuchen, auch manchmal durch unbequeme Diskussionen, an den Grund der Dinge zu gelangen. BEIDE brauchen wir. Zähle mich bitte zu den zweiten."


Danke, Menachem, dass Du mir ein "unbequemer" Freund sein möchtest! :)

Die Aussage, dass es zwei Arten von Freunden geben soll, hat mich nachdenklich gestimmt. Ich hatte bisher die Erwartungshaltung, dass diese beiden Eigenschaften sich in einer Personalunion finden sollten. Ich ging davon aus, dass ein echter Freund einem die unbequeme Wahrheit ins Gesicht sagen UND trotzdem mit einer (notfalls virtuellen) Umarmung zur Stelle ist und Trost spenden kann, wenn man ihn nötig hat. Bei Freundschaften unter Frauen gibt es das. Ich habe mindestens zwei Freundinnen, die kein Blatt vor den Mund nehmen und mir schonungslos ihre Meinung sagen und gleichzeitig in der Lage sind, Trost zu spenden. 

Vielleicht funktioniert das nur bei Frauenfreundschaften? Platonische Freundschaften zwischen Mann und Frau sind sowieso ein Thema für sich. Funktionieren sie anders? Können sie überhaupt funktionieren? Ich habe meine Zweifel... 


Aber vielleicht verhält es sich damit so:

"Vielleicht muss man die Liebe gefühlt haben, um die Freundschaft richtig zu erkennen."
(Nicolas-Sébastien de Chamfort)


Aber bedenke: 

"Die Freundschaft ist eine Kunst der Distanz, so wie die Liebe eine Kunst der Nähe ist."
(Sigmund Graff)


Leichter gesagt als getan:
 
 "Das Schwierigste am Leben ist es, Herz und Kopf dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. In meinem Fall verkehren sie noch nicht mal auf freundschaftlicher Basis."
(Woody Allen)



Woran erkenne ich einen wahren Freund?

"Ein Freund versteht dich, weil er Dich mag. Ein Freund mag Dich aber auch dann, wenn er Dich nicht versteht..."
(Jochen Mariss)

"Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen und trotzdem zu uns halten."
(Marie von Ebner-Eschenbach)

"Ein Freund ist ein Mensch, vor dem man laut denken kann."
(Ralph W. Emerson)


Und wie eine echte Freundschaft?

"Eine Freundschaft, die beendet werden kann, hat eigentlich nie so recht begonnen".
(Mellin de Saint-Gelais) 


"Freundschaft ist eine Tür zwischen zwei Menschen. Sie kann manchmal knarren, sie kann klemmen, aber sie ist nie ganz verschlossen."
(Joseph Addison)


"Du begegnest vielen Menschen in Deinem Leben. Aber nur wahre Freunde hinterlassen Spuren in Deinem Herzen."
(nomen nescio)



Denn letztlich ist es so:





Guten Wochenstart!

Eure Rosalie
 

20 Kommentare:

  1. Für mich umfasst eine tiefe Freundschaft beides. Die Offenheit, den Mut, wunde Punkte zu berühren und die Umarmung, körperlich spürbares Verstehen und festgehalten werden... auch zwischen Mann und Frau. Auch wenn es hier ganz sicher eine andere Nähe ist, irgendwie intensiver... Lieben Gruß an dich. morgenrot

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    1. Ich würde es auch als wünschenswert erachten, dass ein Freund beides sein kann und ich habe einen alten Freund, der sehr ehrlich mit mir spricht und mich auch umarmt, weil er mich sehr gern hat. Und ich weiss, dass er immer für mich da ist, wenn ich ihn brauchen sollte. Er wusste auch von meinem Blog, hat sich aber zurückgezogen, weil es ihm zu nahe gegangen ist. Er ist auch ein alter Freund von meinem Mann. Bei unseren letzten beiden Treffen hatte ich irgendwie das Gefühl, dass er mehr für mich empfindet, als er sollte. Das hat mir leid getan, weil er selbst in einer langjährigen Beziehung steckt und ich möchte mit meiner Geschichte nicht sein Leben durcheinanderbringen.

      Das ist wohl einfach das Problem bei platonischen Freundschaften zwischen Mann und Frau. Wenn die Freundschaft zu eng wird, können plötzlich Gefühle entflammen, die bei Frauenfreundschaften in den allermeisten Fällen nicht vorkommen...

      Lieben Gruss,
      Rosalie

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  2. "Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern" (Aristoteles)

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    1. Das ist wohl das, was wir als "Seelenverwandtschaft" empfinden. Man fühlt sich irgendwie verbunden, kommt nur schwer voneinander los, aber irgendwie ist es auf Dauer auch schwierig, miteinander auszukommen. Solche Freundschaften verlaufen nicht in Harmonie und durchleben Hochs und Tiefs. Aber wenn es alte Freundschaften sind, überstehen sie in der Regel die Turbulenzen, ohne daran zu zerbrechen.

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  3. Nicht zu vergessen, dass echte Freundschaft auch verzeihen kann.

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    1. Absolut. Wobei das vom Charakter der Beteiligten abhängt. Manche Menschen sind gnadenlos nachtragend, andere verzeihen leicht.

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  4. Na ja... kommt darauf an was man verzeihen muss. Aber verzeihen heisst ja nicht, dass man dann die Freundschaft auch weiterführt. Manchmal muss man nach dem Verzeihen einfach loslassen. Man kann sich nicht Jahre verletzen lassen. Auch nicht in einer Freundschaft.

    Stella Blue

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    1. Das ist wohl leider so... Manchmal muss man Freundschaften aus reinem Selbstschutz oder aus Vernunft beenden oder auf Eis legen, weil sie einem nicht mehr gut tun oder das Leben zu stark durcheinanderbringen. Das ist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit und man ertappt sich immer wieder dabei, dass man die Entscheidung hinterfragt.

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  5. Wahre Freundschaft ist so selten wie wahre Liebe.

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  6. Oder jedenfalls fast so selten! :)

    Ich bin in der glücklichen Lage, mindestens einen guten Freund und drei resp. sogar vier enge Freundinnen zu haben, auf die ich zählen kann.

    Die wahre Liebe hingegen habe ich in meinem Leben noch nicht oft angetroffen...

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  7. @Rosalie, nun bin ich aber auch so sehr ins nachdenken und grübeln gekommen, das mir alles formulierbare nicht mehr recht gelingen will.

    Vielleicht nur soviel:
    Ich will nicht mehr das alles geben, was von mir erwartet wird und den Idealen entspricht.
    Ich will nur noch das geben, was ich selber in mir fühle, geben zu können. Aber das - will ich ganz geben.

    Und so versuche ich oft nach den Sätzen meines Freundes P. zu leben:
    Manchmal bin ich bedürftig - da kann ich nur nehmen.
    Manchmal bin ich arm - dann kann ich nicht geben und muss auch nicht nehmen.
    Manchmal bin ich reich - dann kann ich geben.

    Gott schenke mir viele Tage des Gebens.

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  8. @Menachem

    Vielleicht kann man das alles unter einem Begriff zusammenfassen: AUTHENTISCH sein.

    Nicht einem Ideal oder einer Erwartungshaltung entsprechen zu müssen, sondern aus tiefem Herzen das zu tun und zu geben, wozu man gerade in der Lage ist und was für einen stimmt. Und wenn die Batterien leer sind, kann man auch nichts geben und der Freund wird es verstehen und Kraft spenden. Vielleicht schöpft der Freund ja aus dem Geben selber neue Lebenskraft! Und irgendwann kehrt sich das Geben und Nehmen auch wieder um.

    Und es gibt sicher auch Phasen, in denen alle beide arm oder sogar bedürftig sind und es reicht zu wissen, dass der andere da ist und das gibt, was er kann auch wenn es gerade nur wenig oder nichts ist. Der Freund wird es verstehen. Und in goldenen Zeiten sind beide reich und die Freundschaft ist unbeschwert und leicht. Das ist es doch, was eine Freundschaft ausmacht. In guten wie in schlechten Seiten füreinander da zu sein. Und die Grundessenz, damit das funktionieren kann, ist Ehrlichkeit und Authentizität.

    Erst wenn du bedürftig bist und nichts mehr geben kannst, zeigt sich doch, was eine Freundschaft wert ist und ob man echte Freunde hat.

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  9. Es sind eher zwei Arten von Menschen: die einen reagieren auf eine Gefühlslage ebenfalls zuerst "gefühlig" (Trost, Umarmung, Ermunterung etc.), die anderen reagieren mittels des Verstands und versuchen, "das Problem zu lösen" - sie analysieren und hinterfragen, machen Vorschläge etc.

    Beide können sich jedoch entwickeln und sich das Potenzial der anderen Seite erschließen. Das geht umso besser, je mehr wir in der Lage sind, zu kommunizieren, was wir gerade brauchen. (Und manche Männer brauchen da einfach eine klare Ansage! :-))

    Per Text im Web ist es nochmal was anderes: wenn jemand über etwas klagt und es stehen schon drei bis fünf ermunternde und Kraft spendende Kommentare da - dann fühle ich mich nicht gerufen, den nächsten ebenso dazu zu schreiben, sondern reagiere eher rational.

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    1. @Claudia

      Danke für dieses Statement. Es klingt total einleuchtend, was Du schreibst! :-)

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  10. Vielleicht ist es ja auch so, @Rosalie, das in "wahren Freundschaften" diese Gedanken gar nicht aufkommen, weil das Geben und Nehmen ohne zu hinterfragen in einer "authentischen" Selbstverständlichkeit funktioniert.

    Wenn ich für mich die Dinge weiter hinterfrage, so glaube ich, ist "Freundschaft" keine Frage der Definition. Du hattest es ja auch ganz oben schon einmal angesprochen, die "Erwartungshaltung".

    Die glaube ich, muss bei Freunden übereinstimmen, unabhängig der Definition und jeder Ideale. Sonst kann es nicht funktionieren. Vielleicht liegt das Glück der "Freundschaften" darin, den Menschen zu begegnen, die sich im Geben und Nehmen im selben Verstehen finden.

    @Clauida, wären mir die Worte dafür rechtzeitig eingefallen, ich hätte es genau so geschrieben, wie du, außer der Sache mit der "Ansage" :)

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    1. Das mit der Ansage haben mir schon mehrere Männer dankbar bestätigt. Immer dann, wenn ich über irgendwelche Misstände rede, über etwas, das mir nicht gefällt, mich belastet etc. - DANN reagieren Männer mehrheitlich auf der rationalen Problemlöser-Schiene - wobei ICH einfach erstmal nur "Gedanken teilen" will. Sag ich das dann deutlich, begreift es mein Gegenüber auch...

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  11. Rosalie, ich wäre dir dankbar, wenn du meinen Schreibfehler "Claudia" korrigieren könntest. Danach kannst du auch gerne diesen kleinen Kommentar hier in den Papierkorb verschieben.

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    1. Lieber Menachem, das würde ich gerne tun. Aber bei Blogspot kann man die Kommentare leider nicht moderieren. Ich wüsste jedenfalls nicht wie. Vielleicht weiss jemand Rat?

      Dein Verschreiber ist so unbedeutend, dass er überlesen wird und Claudia wird ihn Dir wohl kaum übel nehmen. Du bist ein Perfektionist! ;-)

      Aber so von Perfektionistin zu Perfektionist: Wenn es Dich sehr stört, hast Du die Möglichkeit, Deinen Kommentartext zu markieren, in den Zwischenspeicher zu kopieren, den Kommentar selbst zu löschen und den Text in ein neues Kommentarfeld einzufügen, zu korrigieren und erneut zu veröffentlichen.

      Soll ich Deinen letzten Kommentar und meine Antwort löschen oder lassen wir das so stehen?

      Lieben Gruss,
      Rosalie

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    2. Aber bitte kein Aufhebens um meinen Namen! (Kann den Perfektionismus aber verstehen!). Dass man bei einem Bloganbieter die Kommentare nicht editieren kann, finde ich ja krass! Wäre für mich ein Umzugsgrund...

      Was ist denn Blogspot.de ? Unten steht doch "Powered by blogger" - und das ist doch der bekannte Google-Hoster. ?

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  12. @Rosalie, von mir aus darf jetzt alles so stehen bleiben, wie es ist. Hab lieben Dank,
    Menachem

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