Donnerstag, 27. Dezember 2012

Über Weihnachtsdeko, Improvisationstalent und so weiter...

Ich hatte ein mulmiges Gefühl im Hinblick auf  das diesjährige Weihnachtsfest. Die letzten 17 Jahre haben wir immer im Haus meiner Eltern gefeiert und zuvor im Haus meiner Grosseltern mütterlicherseits. Und dieses Jahr nun zum ersten Mal bei uns. Und vielleicht auch gleich zum letzten Mal. Was nächstes Jahr sein wird, steht in den Sternen...

Wie immer (bei mir) ist alles in letzter Minute fertig geworden. Ich funktioniere einfach so und wenn ich zu viel Zeit habe, kann ich nicht kreativ sein. Ich brauche den Adrenalin-Kick kurz vor Ablauf der Dead-Line. Das war am Weihnachtstag der angekündigte Besuch der Patentante und bald darauf das Eintreffen  meiner Schwester mit Mama und Family. Es galt also den Tisch und die Tanne bis zum Eintreffen der Gäste einigermassen dekoriert zu haben. Die Weihnachtstanne stammt heuer aus der Gegend und war ein Geschenk aus der Nachbarschaft. Sie ist ca. eine Viertelstunde vor Eintreffen der Visite "fertig" geworden. Wir haben sie erst am Weihnachtsmorgen geschmückt, da wir an Heilig Abend bei den Schwiegereltern feierten und irgendwie blieb keine Zeit, den Baum schon früher zu schmücken, obwohl er seit einer Woche auf der Terrasse stand. Könnte auch damit zusammenhängen, dass ich jeweils am 24.12. traditionellerweise noch die letzten Weihnachtsgeschenke besorge und ein paar Stunden in irgendwelchen Shoppingzentren vertrödle verbringe. Ich brauche das. Same procedure as every year.  So auch in diesem Jahr. Noch nie war mein dreistündiger Shoppingausflug so entspannt wie heuer, weil ich instinktiv wusste, dass der entnervte, vorwurfsvolle Telefonanruf "Wo bist Du und wann kommst Du endlich nach Hause? Du bist unmöglich!"  dieses Jahr ausbleiben würde! Ich fühle mich befreit! 

Die Kinder konnten beim Schmücken aus dem Vollen schöpfen, denn mein Fundus an Weihnachtsdeko ist beachtlich. Irgendwie musste ich meinen Frust meine latente Unzufriedenheit in all den Jahren ja kompensieren und so habe ich oft und gerne hübsche, glänzende und selbstverständlich auch kitschige Dinge gekauft, die keinen andern Zweck erfüllen, als das Auge des weiblichen Betrachters zu erfreuen. Und so habe ich stets leidenschaftlich gerne eingekauft, ganz besonders zur Weihnachtszeit und noch lieber in der Altjahrswoche, wenn es die ganze Pracht zum halben Preis gab. 


Dieses Jahr habe ich übrigens keinen Baumschmuck gekauft. :-)




Und während ich mir Gedanken zur Tischdekoration machte, schmückten die Kinder den Baum und ich wischte mit einem milden Lächeln die Scherben von mindestens zwei Weihnachtskugeln vom Boden auf. Sohnemann ist ein wenig ungeschickt und die wertvollen Tierskulpturen habe ich in weiser Voraussicht im Keller gelassen... 

Und ich habe mich in diesem Jahr gar nicht erst darüber geärgert, dass ich es wieder verpasst habe, rechtzeitig Weihnachtskarten zu schreiben. Ich bin immer gerührt, dass wir trotzdem noch jedes Jahr welche bekommen. Unsere Freunde sind wirklich sehr gutmütig und nachsichtig mit uns. Nächstes Jahr wird alles besser! Ich werde Karten schreiben! Das habe ich mir fest vorgenommen! Und zwar solche, die noch vor Heilig Abend ankommen! Ich bin zuversichtlich, dass Weihnachten nicht wieder so überraschend ins Haus fallen wird wie all die Jahre zuvor!  ;-)

Und während die Kinder bzw. Piccolina (Junior hat sich relativ schnell klammheimlich verdrückt) sich dem Schmücken des Tannenbaums  widmeten, fand ich im Keller noch eine angefangene Rolle mit eierschalenfarbigem Tischvlies, um den edlen neuen Kirschbaumholztisch vor den Fettspritzern des Tischgrills zu schützen. Nicht dass Gatte noch einen Herzinfarkt kriegt - den winzigen Pinselstrich mit blauer Acrylfarbe hat er zum Glück (noch) nicht entdeckt. Das war ziemlich mutig von Schwiegermama, Piccolina das Vogelhaus für den Götti auf dem viereinhalbtausendfränkigen Tisch bemalen zu lassen. Die Zeitungsunterlage ist natürlich verrutscht... However, ein Tisch ist ein Gebrauchsgegenstand und die blaue Farbe erzählt eine Geschichte und irgendwann arbeitet sich das raus und wenn's denn sein muss mit Schleifpapier...

Es waren noch genau 2,8 Meter Tischvlies übrig für den drei Meter langen Tisch.  No worry. Es geht doch nichts über meinen Fundus. Ich habe keine Ahnung, was ich alles habe, aber meistens fällt mir was Passendes in die Hände und so auch diesmal. In einer Kiste mit Weihnachtstextilien fand sich ein Stück transparenter Goldstoff, den ich vor Jahren einmal irgendwo zum halben Preis erworben hatte. Drei Laufmeter in der ungeöffneten Originalpackung. Perfekt. Der Stoff kaschierte das zu kurze Vlies und verpasste dem Tisch einen festlichen Touch. Die zwölf goldfarbenen wiederverwendbaren (weil abwaschbaren) Tischsets aus PVC (oder so)  hatte ich schon vor einem Monat gekauft. Ein "Coup de Coeur" und eine kleine Investition in die Zukunft. Ich habe sie für meine neue Wohnung erworben. Für besondere Anlässe. Lange bevor ich die Zusage für das Appartement erhalten habe. :-)

Auf meinen Fundus ist Verlass. Ich kaufe etwas aus einer Laune heraus oder weil es ein Ausverkaufs-Schnäppchen ist, ohne dass ich es im Moment brauche oder exakt weiss, was ich damit anfange und irgendwann - manchmal erst Jahre später - kommt es zum Einsatz. Nun habe ich mir aus aktuellem Anlass vorgenommen, meinen Fundus ein wenig abzubauen. Ich will mich von Dingen befreien und deshalb habe ich bewusst auf den Kauf von neuen Weihnachtsservietten verzichtet. Naja, es ist ein Anfang... Ich habe mich daran erinnert, dass ich doch mal diese Bastelphase hatte! Und dass ich damals Servietten mit hübschen Motiven gesammelt habe, die es dann doch nicht auf irgendwelche Blumentöpfe oder Zeitschriftensammler aus Sperrholz geschafft haben und seither im Keller auf ihren Einsatz warten... Piccolina hatte die Qual der Wahl. Es kamen mindestens 8 jungfräuliche Päckchen mit je 20 Weihnachtsservietten zum Vorschein. Alles hat seine Zeit. Serviettentechnik interessiert mich nicht mehr so sehr. Heute verbringe ich meine "Freizeit" lieber mit Schreiben! Damals hatte ich noch keinen eigenen Computer... ;-)


Als die Patentante mit ihrem Freund zum Apéro eintraf (freundlicherweise mit angekündigter  45-minütiger Verspätung) und sich mit meinem Mann unterhielt, huschte ich schnell mit der Gartenschere nach draussen und schnitt ein paar dekorative Efeuranken, die ich in der Mitte des Tischs der Länge nach verteilte.  Später ergänzte ich sie mit roten Äpfelchen aus glänzendem Kunstmaterial, die es aus Zeitgründen nicht mehr auf (an?) den Weihnachtsbaum geschafft hatten und die roten Torino-Pralinen, die ich eigentlich für einen anderen Zweck gekauft und dann doch nicht verschenkt hatte, vervollständigten die improvisierte Tischdeko zu meiner vollsten Zufriedenheit. Das ist typisch für mich. Langwierige Planung ist nicht so mein Ding - meine wahre Begabung liegt in der Improvisation!

Für das Portrait meines Vaters fand sich in der Eile ein Bilderrahmen mit einem geschnitzten Ornament,  den ich irgendwann mal gekauft oder bekommen hatte und der seither in einer Schublade ein unbeachtetes Dasein fristete. Er hat auf das Foto von meinem Vater gewartet. Nun schlug seine Stunde und ich arrangierte das Bild auf einem kleinen Tischchen neben dem Sofa und darum herum ein Stilleben aus meinem Fundus. Auf wundersame Weise kam die passende Deko auf Anhieb zum Vorschein bzw. ich habe irgendeine Schachtel geöffnet  und was ich erblickte, war genau das Richtige: Waldtiere aus Holz, Tannenbäume, Blockhäuser. Ich habe ja längst den Überblick verloren, was ich alles habe und was wo schlummert. Ich öffne dann jeweils einen der vielen kleinen "Schuhkartons" aus dem Weihnachtsschrank und lasse mich überraschen... :-)

Und so war mein Vater an unserem Weihnachtsfest auch irgendwie mit dabei. Es gab zweimal Tränen bei meiner Mutter und sie bat mich, die Kerzen vor seinem Bild zu löschen, als ich sie ausgewechselt und erneut angezündet hatte. Es erinnert sie zu sehr an den Friedhof. Sie hat es nicht so mit Kerzen. Ich blies sie aus und es war ok. 

Zum Essen gab es Raclette und edle Fleischstückchen und kleine Würstchen, die auf der oberen Etage des Raclette-Rechauds gebraten wurden. Zum Dessert frischen Fruchtsalat, den meine Schwester mitgebracht hatte. Ich musste mich nur um die Deko kümmern. Dafür hatte ich im Vorfeld die meisten Geschenke besorgt, darunter diejenigen für meine Schwiegermama, das Patenkind meines Gatten, das Buch für seinen Bruder und ein Hörbuch von Louise Hay für seine Frau. 

Es gab nur kurz eine etwas gehässige bilaterale eheliche Diskussion, weil Junior die 4. Nerf gekriegt hat. Fällt nicht in die Kategorie "pädagogisch wertvoll", ich weiss... Aber er hat sich das Teil schon so lange gewünscht. Und irgendwie finde ich es doch gescheiter, wenn er im Haus und im Garten rumtollt und mit Schaumgummi-Stöpsel auf Gegenstände und die Barbiepuppen der Schwester zielt  (lebende Objekte sind natürlich tabu und Junior hält sich daran), als wenn er stundenlang nur rumsitzt, in einen Bildschirm starrt und das Einzige, was sich bewegt, die rechte Hand an der Maus ist...

Die drei Jungs und Piccolina sind nach dem Essen im oberen Stockwerk rumgerannt, bis sie total verschwitzt waren und ich erinnerte mich wehmütig an eine ähnliche Szenerie vor genau einem Jahr. Die Kinder tollten damals mit dem Grossvater im Spielzimmer meines Elternhauses herum und als ich nachschaute, weil es so laut und übermütig zu und her ging, sah ich meinen Vater rücklings auf dem Teppichboden liegen mit einem Bein halb unter dem Bett und zwei wilde Jungs rittlings auf seinem Bauch und ein drittes Kind auf dem Bett über ihm und alle Kinder riefen aufgeregt seinen Vornamen bzw. seinen Nickname und rangelten miteinander zwischen Kuscheltieren, Legoteilen und anderen Spielsachen, die wild im ganzen Zimmer herum verstreut lagen.  Ich habe damals den Kopf geschüttelt und die Kinder ein bisschen zur Mässigung gemahnt, als ich meinen Vater so sah und ich habe mir gedacht, dass er schon ein bisschen crazy ist, mit 68 mit den Enkeln auf dem Teppichboden herumzutollen... Nun ja, er war immer schon ein wenig unkonventionell. Das Bild werde ich nie mehr vergessen und so werden ihn wohl auch seine Enkelkinder in Erinnerung behalten. Als den Grossvater, den sie mit der Kurzform seines Vornamens riefen und mit dem man herumtollen und Pferde stehen konnte.


Und so verliefen diese Weihnachtstage relativ 
stressfrei und in erstaunlich entspannter Atmosphäre. 

Mein Mann scheint sich mit dem Unabänderlichen  abgefunden zu haben und er hat den Wunsch geäussert, dass wir bis Ende Jahr nicht mehr darüber sprechen. So sind die Kinder noch immer ahnungslos und die Verwandtschaft ebenfalls.

Gestern Nachmittag sind wir en famille in die Ferienwohnung gereist und mein Mann hat den Eigentümern die Kündigung überreicht. Und ich habe mich heute morgen ins Auto gesetzt und bin ins Büro gefahren. Mein Ferienguthaben ist längst aufgebraucht.  In drei Monaten räumen wir die Ferienwohnung. Vielleicht werde ich den alten IKEA-Tisch doch übernehmen, bis ich einen neuen Tisch finde, der richtig zu mir passt. 

Und das schmiedeeiserne Bett werde ich ebenfalls mitnehmen. Und das kleine Tischchen im  Landhausstil mit dem passenden Stuhl, das ich in die Ehe eingebracht habe und noch so einiges mehr. Den Staubsauger zum Beispiel. Und die ganzen Küchenutensilien. Vieles habe ich erst vor anderthalb Jahren im schwedischen Möbelhaus gekauft. 

Ach ja, und heute Mittag habe ich bei Tchibo einen Bügeltisch, einen Raumspar-Wäscheständer und noch  ein paar nützliche Haushalts-Utensilien bestellt.  Das Dampfbügeleisen war leider bereits ausverkauft. Oder vielleicht glücklicherweise? Keine Ahnung, ob es etwas taugt. Es ist extrem günstig. 89 Franken! Kann jemand einen Erfahrungsbericht beisteuern? Nun ja, es muss ja nicht gleich wieder eine Laurastar-Dampfstation sein... Die darf der Gatte natürlich behalten. Schliesslich bügelt seine Mutter ihm damit seine Hemden! 


10 Kommentare:

  1. Also scheinst du die Weihnachtstage einigermaßen gut überstanden zu haben... das freut mich! Und in Gedanken bist du ja sowieso schon in der neuen Wohnung. Ich wünsche dir einen guten Rutsch und alles Gute für 2013!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, liebe Frau Vau! Ich wünsche Dir eine gute Reise, wunderbare Tage mit Deinem Liebsten und einen guten Start in ein glückliches und unbeschwertes 2013!

      Löschen
  2. In Betracht beziehend, dass Weihnachten zu DEM mit Erwartungen überladesten Fest überhaupt zählt (ok, vielleicht kurz nach "Hochzeit"), hast du diese Herausforderung bravurös gemeistert.
    Ok, du scheinst es nie so streng genommen zu haben mit all den Vorbereitungen. Trotzdem: gut gemacht! Ein Schritt weiter ...

    Schmunzeln musste ich bei dem Satz, dass du dieses Jahr keinen entnervten Anruf zu erwarten hattest, wo du denn bleibst. :)

    liebe Grüße und falls wir uns nicht mehr lesen: Guten Rutsch ins neue Jahr!
    Paula

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, liebe Paula!

      Ja, die diesjährigen Weihnachtstage sind wirklich den Umständen entsprechend weitaus unbeschwerter als erwartet über die Bühne gegangen!

      Ich wünsche Dir auch einen guten Rutsch und viel Glück im 2013!

      Liebe Grüsse nach Wien!

      Löschen
  3. ich wünsche Dir auch einen guten Rutsch ins neue Leben :lol:
    die Maja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, liebe Maja! Dir auch einen guten Rutsch und ganz viel Glück im 2013! :-)

      Löschen
  4. ...von mir auch einen guten Rutsch! Bei Dir wird es ein im wahrsten Sinne neues und sicherlich aufregendes Jahr 2013 werden!
    Ich wünsche Dir, dass es auch ein GUTES wird :-)

    Liebe Grüße aus dem Schnee (bin mit meiner family im Skiurlaub),

    Anni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, liebe Anni! Ich wünsche Dir auch ein glückliches und gutes 2013 und hoffe, Du hattest (oder hast noch) einen schönen Urlaub mit Deiner Family!

      Herzliche Grüsse,
      Rosalie

      Löschen
  5. Et si tu arrêtais ce blog le 31 décembre à 23h59?
    définitivement?
    pour t'aider à changer
    de vie

    paul

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Weisst Du Paul, dieser Blog bedeutet mir sehr viel. Ich muss ihn nicht aufzugeben, um mein Leben zu ändern. Natürlich beansprucht er Zeit - aber er gibt mir auch viel zurück.

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

      Löschen