Dienstag, 10. April 2012

Von kreativen Gärtnern, erfolgreichen Patentanten, Shoppingfreuden und Smalltalk an Ostern


Karfreitag sollte ein ruhiger Tag werden. Ein sogenannter "lazy day".  Das war die Idee. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt...


10.30 Uhr Besprechung mit dem Gärtner. Er ist ein Künstler, was den Umgang mit Natursteinen betrifft und wir sind inzwischen befreundet. Und wie viele kreative Menschen steht er ein wenig auf Kriegsfuss mit dem Zeitplan. Das Problem ist, dass er so gute Arbeit macht. Wenn man ihn dann im Garten hat, möchte man mit ihm gerne noch dieses oder jenes realisieren und der gute Mann kann so schlecht nein sagen und überhaupt, wo doch die Maschinen schon mal vor Ort sind... Und das geht natürlich nicht nur uns so, sondern vielen seiner Kunden. Und so ist er ständig in Verzug mit seinem Arbeitsplan, der ohnehin nur in seinem Kopf existiert. Aber wir haben Glück. Unser Fischteich ist fast fertig. Mit einem Jahr Verspätung fertig geworden. Nun fehlt noch die Technik und die "Finitions"...

Ich sehne den Zeitpunkt herbei, an dem ich die ganze Goldfischgesellschaft endlich vom Aquarium in den Gartenteich befördern kann! Das 180 Liter Aquarium ist nämlich langsam zu klein... Ich bin zuversichtlich, dass dies im Mai der Fall sein wird. Ich habe Manuels Natelnummer! Und er ist ein Contemporain (Jahrgänger) und so verbindet uns mehr als nur der Garten. Beim alljährlichen Jahrgängerausflug und  anschliessendem Abendessen sitze ich meistens in seiner Nähe und wir sprechen dann über die Arbeit, über Beziehungen, Gott und die Welt und über unsere Kinder, die zusammen die Schulbank drücken. 


Um 14.00 Uhr der nächste Termin. Besprechung mit dem Schreiner. Er muss ein Fenster ersetzen und ein paar Reparaturarbeiten machen. Wir besprechen die Offerte. Irgendwie scheinen die Handwerker im Ort mit religiösen Feiertagen nicht so viel am Hut zu haben. Wir ja auch nicht. Trifft sich gut.


Am Mittag ein WhatsApp von der Patentante der Tochter, die spontan einen Osterhasen vorbeibringen will. Wir sind flexibel, kein Problem. Ich freue mich ehrlich, sie und ihren sympathischen Lebensgefährten wieder einmal zu sehen. An Weihnachten haben wir kein Treffen hingekriegt. Zwischen dem Abgang des Schreiners und der Ankunft der Patin musste ich notfallmässig das Aquarium putzen und das Wohnzimmer aufräumen. Die Fische hatten eine etwas eingeschränkte Sicht, um es mal diplomatisch auszudrücken. Das Aquarium steht zu hell und die Wände werden mit beeindruckender Geschwindigkeit jedesmal nach der Reinigung wieder von dunkelgrünen Algen überzogen. Ist ja auch keine Dauerlösung.

Die  Patentante ist Businesswoman, kinderlos und sehr tierliebend. Ich bin auch tierliebend. Aber alles hat seine Grenzen. Vor vielen Jahren habe ich einmal mehrere hundert Franken ausgegeben, um meine über alles geliebte Katze im Tierspital operieren zu lassen. Sie hatte einen Tumor. Aber für einen Zwerghasen hätte ich das nicht getan...  Zumal Hasen bei uns hin und wieder auf dem Teller landen. Naja, nicht eigene. Aber ich mein ja nur so.  Und beim letzten Besuch hat sie eine Bemerkung gemacht, was die Anzahl Fische im Aquarium betrifft. Sie hat ja recht! Was müssen die Viecher auch so schnell wachsen...  Und wenn die Fische schon nicht allzuviel Schwimmraum haben, dann wenigstens klares Wasser. Deshalb mein last minute Aktivismus in Sachen Goldfischhabitat. Steht ja ohnehin schon länger auf der To-do-Liste... Hab es gerade noch rechtzeitig hingekriegt und Gatte musste wohl oder übel mithelfen. Zum ersten Mal.

Bei der Patentante zu Hause ist natürlich alles perfekt. Orchideenarrangements, die vom Gärtner betreut werden! Schöne Möbel, farblich assortierte und auf Gardinen und Teppiche abgestimmte Accessoires. Alles piccobello und blitzsauber. Ich war schwer beeindruckt bei meinem letzten Besuch. Ein typischer Dink-Haushalt eben. Bei uns gehen alle ständig vom Garten raus und rein - ohne jedesmal die Schuhe auszuziehen versteht sich - und Krümel auf dem Plattenboden stören mich nicht dermassen, dass ich sie umgehend wegwischen müsste, wenn ich sie erspähe. Ich hab erst mal die Zeitungsstapel vom Wohnzimmertisch ins Büro verbannt. Wir haben immer sehr viel Post, weil wir auch gerne die Werbung lesen und auch einige Zeitschriften abonniert haben und so gibt es immer Stapel mit ungelesenem Papier. Dann habe ich noch die Kissen auf dem Sofa zurechtgerückt, ein paar Socken von meiner Tochter gefunden und weggeräumt... und die fast verblühten Tulpen in der Vase stehen lassen. Schliesslich muss es bei uns nicht aussehen wie in einem Möbelkatalog.



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Sergio Perez (Sauber!)  wurde Zweiter im GP von Malaysia!
Die Patentante sah blendend aus. Sonnengebräunt und gut gelaunt, frisch aus dem Urlaub. Sie erzählte von einem  traumhaften Ferienresort in Malaysia und vom Formel 1 Rennen in Sepang, das sie und ihr Lebensgefährte sich von der Tribüne aus angesehen haben. Ausgerechnet, als der Sauber-Fahrer eine grandiose Leistung geboten hat! Cool! Zusammen mit dem Eintrittsticket kriegt man übrigens gleich noch ein Päckchen Ohrstöpsel mitgeliefert, weil man es sonst wegen des Lärms nicht aushält so nah an der Rennstrecke. Wollte sie noch fragen, ob man auch Nasenstöpsel kriegt wegen dem Gestank, habe mir die Frage aber verkniffen. ;-)


Ein Ticket kostet übrigens so viel wie ein Wellnesswochenende in einem Viersternhotel mit allem drum und dran. Oder eine zweieinhalbstündige Besprechung mit einem Scheidungsanwalt... (Wobei letzteres eine Schätzung ist - die Rechnung steht noch aus).  Die Patentante hat Glück gehabt. Sie hat mit Ende dreissig noch einen tollen Lebenspartner abgekriegt. Secondhand zwar (;-)), aber wirklich ein Glücksgriff. Er ist geschieden, die Kinder leben bei der Mutter. Und da sie nie Kinder haben wollte und er schon welche hat, passt das ganz ausgezeichnet. Und Geld hat er auch noch. Und er ist gutaussehend und aufmerksam. Was will Frau mehr! Sie hat selber einen guten Job und fährt einen Sportwagen. Er leistet sich eines dieser schnittigen roten Autos aus Maranello. Als Zweit- oder Drittwagen natürlich. Ist ja nicht alltagstauglich, das Fahrzeug.  Sie sind schon ein paar Jahre glücklich zusammen und ich bin zuversichtlich und wünsche es ihnen, dass das so bleibt. Es wurde ein herzlicher Besuch und wir haben uns gut unterhalten.


Und Samstag wäre Gartenarbeit angesagt gewesen. Der grosse Rasenvertikutiertag. Aber es hat geregnet. So musste ich wohl oder übel ein paar Stunden in einem gepflegten Shoppingcenter verbringen. Dumm gelaufen... ;-)  Junior hat nun zwei neue Jeans und neue Oberteile und ich bin zuversichtlich, dass ich in ca. drei Wochen den Kniebereich mit Jeanspatches zum Aufbügeln flicken muss, weil er in der grossen Pause Fussball spielt. Auf einem asphaltierten Platz...


Und Mama hat sich auch was geleistet. Etwas fürs Gemüt. In frühlingshaften Farben. Dreimal dürft ihr raten. Nein! Keine Schuhe! Knapp daneben! ;-)

Kleine süsse Handtasche von Desigual
Und dazu noch zwei Foulards aus weicher Baumwolle in oliv und weiss. Ich habe einen Foulardtick... Und Blumen habe ich gekauft. Für meine Mutter und für die Gastgeberin vom Samstag Abend. Da waren wir nämlich eingeladen.


Und Ostern gab es wie jedes Jahr ein Familientreffen bei meinen  Eltern. Die vier Enkelkinder hatten viel Spass und sind im Garten und im Haus herumgetollt. Grossvater hat Eier versteckt, die dann gegen ein Osternest eingetauscht werden konnten. Meine Mutter hat derweil in der Küche gewerkelt. Man kann ihr dabei nicht untätig zusehen, weil man sonst verhungert, bis die Vorspeise fertig ist. Oder zuviel Wein trinkt, weil das Apéro sich so in die Länge zieht. Die Teller sehen dann zwar wunderschön aus, aber es dauert eine Ewigkeit, bis sie alle fertig "dekoriert" sind.   However. The same procedure as every year. Twice a year. An Weihnachten und Ostern. :-)

Und wir sind uns bewusst geworden, wie gross die Kinder inzwischen sind und dass wir uns jetzt an solchen Sonntagen gar nicht mehr so richtig um sie kümmern müssen, weil sie sich selbst genug sind. Keinen Streit mehr schlichten, keine Angst vor Schlägen oder Bisswunden...(touch wood...).  Und wir Erwachsenen sprachen über Fussball (gähn...), über den Schulerfog der Kinder (heikel, denn der ist leider etwas einseitig verteilt),  über die Klassenkameraden der Kinder (gähn...), über Freizeitaktivitäten und Ferienprojekte...  Smalltalk. Früher war das anders. Vielleicht war ICH früher anders? Das Leben meiner Schwester dreht sich vor allem um die Jungs. Um die Schule, um die Freizeitaktivitäten, um die Schulkameraden und deren Eltern. Das langweilt mich. Und mit ihrem Mann habe ich schlicht keinen Text. Ich weiss echt nicht, was ich mit ihm reden soll...  Ich musste einmal mehr feststellen, dass ich mich irgendwie in eine andere Richtung entwickelt habe und mein eigenes Leben lebe, an dem ich meine engsten Familienanhörigen immer weniger teilhaben lasse. Mein geheimes Doppelleben, dieser Blog. Meine Eltern wissen noch nicht einmal, dass ich Trennungsgedanken hege. Sie würden aus allen Wolken fallen. Manchmal kann ich es selber fast nicht glauben. Irgendwas geschieht mit mir.


Was wird in einem Jahr sein? Wo werde ich die Ostertage verbringen und  mit wem?





8 Kommentare:

  1. Orakel, Orakel ... mit deiner Familie, in deinem Haus, und die Fische schwimmen im Fischteich.
    (können die echt überwintern im Freien? spannend!)

    Zur glücklichen properen Patentante: ohne Kinder kann man leicht mit dem Partner lange Jahre glücklich sein. Es fällt einfach viel Stress weg.

    liebe Grüße, Daniela
    PS: bitte öfter solche

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    1. @Daniela

      Ostern 2013 werden die Fische ziemlich sicher im Teich schwimmen und hoffentlich von den Katzen des Quartiers nicht zu sehr dezimiert worden sein. Und sie können locker überwintern. Der neue Teich ist tief und Goldfische sind zäh. Unsere stammen ursprünglich sowieso aus einem Freilandteich. Junior hat sie vor ca. drei Jahren als Babies rausgefischt. Es sind richtig schöne Fische in verschiedenen Orangetönen, manche mit kurzen und manche mit langen Schwanzflossen. Keine seltsamen Züchtungen mit Wucherungen auf dem Kopf.

      Wer von unserer Familie noch im Haus wohnt, wird sich zeigen. Aber wahrscheinlich hast Du recht mit Deiner Prophezeiung.

      Zum P.S.: Meinst Du solche.... Posts?

      Danke! :-)

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    2. ja, ich meinte "Posts".
      Und Familie ist ja ein dehnbarer Begriff, sie muss ja nicht gleich komplett sein.

      Also ja, bitte mehr solche Posts, da wird dein Leben irgendwie so bunt. Nach dem schwarz/weiß der Skiwochenenden ...

      lg, Daniela

      PS: wehe du bloggst 2013 nicht mehr!!

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    3. @Daniela

      Ich werde mir Deine Anregung zu Herzen nehmen und öfters solche Posts veröffentlichen. Wobei es mir nicht immer gelingt, so zu schreiben - es hängt stark von der seelischen Befindlichkeit ab.

      Mein Leben ist zweifellos ziemlich bunt - nur manchmal legt sich ein grauer Schleier über die Farben. Aber meistens nicht für lange Zeit.

      Ob ich 2013 noch bloggen werde? Nun ja... so lange ich das Gefühl habe, dass sich jemand für meine Posts interessiert und ich Reaktionen in Form von Kommentaren erhalte, wird mir die Lust am Schreiben vermutlich nicht abhanden kommen, obwohl die Bloggerei viel Zeit beansprucht, die ich eigentlich für andere Dinge benötigen würde.

      Liebe Grüsse und danke für Deine Kommentare! :-)

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    4. Liebe Rosalie, so was ... 1 mal pro Woche ist für mich zu wenig! Ich sehne mich schon nach deinem nächsten Posting, und schau immer wieder ob was neies bei dir gibt. Ich lese gern von dir!
      liebe Grüße, Daniela

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  2. Was wurde denn fussballerisch besprochen? .... Hüstel....

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    1. Hmm... lass mich überlegen... Ach ja, es ging um einen ganz bestimmten Schweizer Fussballclub, der zur Zeit ziemlich besch... ähm... etwas schwächelt und um einen glatzköpfigen Trainer, der in Ungnade gefallen ist. Kannst Du damit etwas anfangen? ;-)

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