Freitag, 6. April 2012

Von charmanten Anwälten und dünnem Eis


Das war wieder einmal eine intensive Woche. Und es ist ja erst Donnerstag! Gründonnerstag. Morgen ist ein arbeitsfreier Tag und das ist auch dringend nötig! Zeit, etwas auszuruhen! Mal abgesehen von den beiden Terminen mit lokalen Handwerkern, die mein Mann für morgen schon vereinbart hat...

Am Dienstag habe ich etwas Denkwürdiges getan. Ich habe einen Anwalt aufgesucht. Fachgebiet Familien- und Eherecht. Eine enge Freundin hat ihn mir empfohlen. Wir haben zwei Stunden und 45 Minuten lang ohne Unterbruch zusammen geredet und ich habe ihm die wirtschaftliche Situation in Wort und Papier dargelegt. Das wird richtig teuer. Nicht für meinen Mann. Noch nicht. Vorerst nur für mich. Ich muss den heimlichen Anwaltsbesuch nämlich selbst berappen. Ich weiss jetzt, was ich wissen wollte und das kostet mich vermutlich so viel wie ein Wellnesswochenende in einem Viersternhotel. Hätte ich doch bloss Jus studiert!!


Erkenntnis Nr. 1: Wenn ich meinen gutbezahlten Job nicht verliere und mein Mann weiterhin so erfolgreich ist, können wir beide unseren komfortablen Lebensstandard auch getrennt weiterführen. Zwar ohne Ferienwohnung in den Bergen, aber das ist ein Luxus, auf den ich gut verzichten kann...

Erkenntnis Nr. 2: Wenn der Ehemann sehr gut verdient und die Ehefrau teilzeitlich erwerbstätig ist und mit ihrem eigenen Einkommen für sich und die Kinder und einen Grossteil der Haushaltsausgaben aufkommt, sich mit Kleidern einer günstigen schwedischen Modekette zufrieden gibt und sich das Schweizer Lieblingsmodelabel  nur im Ausverkauf leistet und auch sonst nicht über die Massen über die Stränge schlägt, wird sie zum Schluss "bestraft", weil sie damit ihren Lebensstandard selber definiert hat. Wenn sie hingegen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde, weil sie dazu nicht verpflichtet ist, bis das jüngste Kind acht Jahre alt ist, und sie das Geld des Gatten mit beiden Händen ausgeben würde, sich wöchentliche Frisörbesuche, teure Handtaschen, Schuhe und Markenkleider leisten würde, wäre dies ein Lebensstandard, den sie beibehalten könnte, wenn der Gatte genug verdient, um ihn der getrennt lebenden Ehefrau weiterhin zu ermöglichen. Nicht dass ich letzteres für erstrebenswert halten würde - aber es ist anscheinend tatsächlich so, dass eine Frau, die trotz hohem Einkommen des Ehegatten eher bescheiden lebt (und ich spreche jetzt nicht von mir!), nach der Trennung nicht wesentlich mehr Geld für die persönlichen Bedürfnisse zugesprochen bekäme, auch wenn der Mann es sich locker leisten könnte. 

Erkenntnis Nr. 3: Scheidungsanwälte können total charmant und sympathisch sein. Sehr sympathisch sogar. Und man kann mit ihnen auch über die Liebe, langjährige  Partnerschaften, Gärten und vieles mehr sprechen. Und wenn man eigentlich alles besprochen hat, kriegt man nochmal einen Kaffee angeboten, den man unmöglich ablehnen kann! Und wenn er mir die letzten fünfundvierzig Minuten von unserem Gespräch nicht in Rechnung stellt, dann wächst meine Sympathie ins Unermessliche.

Fazit des Gesprächs?

Erkenntnis Nr. 1 macht mein Dilemma nicht wirklich kleiner.  Aber sie beruhigt ungemein.

Erkenntnis Nr. 2: Brauche weder teure Handtaschen noch edle Klamotten. Hauptsache es ist genügend Geld für Besuche im Gartencenter übrig!

Erkenntnis Nr. 3: :-)


Das Gespräch beschäftigt mich doch nachhaltig. Muss das jetzt alles erstmal ein wenig setzen lassen. So ein Treffen mit einem Scheidungsanwalt hat so was Konkretes...

Und sonst so? Zwei lange Arbeitstage. Von morgens um neun bis abends um acht gearbeitet. Die Akten stapeln sich und ich habe Mühe, mich zu motivieren und mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Die Gedanken sind anderswo und die Arbeit langweilt mich.

Gestern nach Feierabend gab es noch ein kurzes Highlight: Ein spontanes,  stimmungsvolles Treffen mit meinem platonischen Freund! Mit ihm verbindet mich eine Freundschaft, die irgendwie in keine gängige Schublade passt...

Und zum Schluss dieser kurzen Arbeitswoche habe ich mich noch auf dünnes Eis begeben und auf dem Blog meines geschätzten Landsmannes Castorp einen ausführlichen Kommentar zu einem delikaten Thema hinterlassen...




P.S. Ich freue mich über meine neuen Leserinnen! Maiglöckchen, Prinzessin Extrawurst und die Königin der Kobolde! Herzlich Willkommen!

P.P.S. Ach ja... ich wünsche Euch allen schöne Ostern!

 

6 Kommentare:

  1. Sehr gut... meiner besten Freundin rate ich seit Jahren zu so einem Besuch - nicht, damit sie sich sofort trennt, sondern damit sie weiß, was im Falle des Falles auf sie zukommt. Sie geht nämlich davon aus, dass sie dann in Sack und Asche gehen müsste und "er" sofort alle Konten sperren würde. Ich werde ihr (sehr verfremdet, versprochen!) von deinem Besuch berichten, wenn ich darf.
    Was den Lebensstandard angeht.. ja, es ist Tatsache. Wer fair ist, verliert. Auch ich hab immer gearbeitet und nicht unerheblich zu unserem Leben beigetragen. Habe mir wenig gegönnt und sicher nicht in übertriebenem Luxus geschwelgt. Und was ist passiert? Ich bin so was von über den Tisch gezogen worden.. leider bin ich doch manchmal sauer darüber, obwohl ich das Thema abhaken wollte. Ich hätte es machen sollen wie mein Exmann: so viel Geld wie irgend möglich auf die Seite schaffen, alle wichtigen Dokumente vernichten und die Schwiegereltern auf meine Seite ziehen. Dann hätte ICH jetzt das große Haus, ausreichend Geld und ein neues Auto vor der Tür stehen.
    (Aber ICH bin glücklich mit einem neuen Partner, ICH hab mir mein jetziges Leben allein aufgebaut, ICH hab tolle Freunde und mehr!)
    Sorry, hab grad so einen kleinen melancholischen Anfall bekommen, als ich deinen Bericht gelesen hab.
    Last but not least: flirten ist toll, tut gut, freu dich daran! Hab schöne Ostern - genug zum Nachdenken hast du jetzt ja sicher.

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    1. Danke für Deine lieben Worte! Diese melancholische Anwandlung steht Dir absolut zu, nach allem, was Du mit Deinem Ex erlebt hast! Es ist schon bitter, wenn man eine solche Erfahrung machen und sich die Freiheit so teuer erkaufen muss. Man traut es den Ehemännern ja meist nicht zu, dass sie sich nach einer Trennung so gemein verhalten, aber wenn es ums Geld geht, lernt man die Menschen richtig kennen. Das zeigt sich ja leider oft auch, wenn es ums Erben geht und es mit der Harmonie unter den Geschwistern plötzlich vorbei ist... Ich denke nicht, dass mein Mann Vermögenswerte verschwinden lassen würde, aber die Hand ins Feuer legen würde ich auch nicht... Und es ist sicher klüger, wenn man die Existenz von Aktien im Wert von einigen Zehntausend Franken schwarz auf weiss belegen kann. Das war auch ein Tipp des Anwalts. Unterlagen sammeln, Belege kopieren. Gerade wenn der Mann selbständigerwerbend ist, kann er ziemlich viel deichseln, um der Ex-Frau möglichst wenig Unterhalt bezahlen zu müssen.

      Du darfst Deiner Freundin ruhig davon erzählen. Aber in Deutschland gelten vielleicht andere Vorschriften, auch was den Unterhalt der Kinder angeht. Wenn hier ein Mann viel verdient (mehr als 15'000.- im Monat), wird er maximal 2'000 Franken pro Kind bezahlen müssen, in der Regel jedoch weniger.
      Die Ehefrau kriegt in der Regel den Fehlbetrag im Budget ausgerichtet und das Budget richtet sich eben nach ihrem bisherigen Lebensstandard.

      Ganz liebe Grüsse und schöne Ostern!

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  2. Irgendwie beginnt mir dein Mann leid zu tun - du bist aktiv, aber so, dass er nichts mitbekommt bzw. keine Chance erhält. Im Blog sprichst du offen über deine Probleme, würdest aber nicht mit ihm in eine Eheberatung oder Krisen-was-auch-immer-Coach aufsuchen.
    Ich finde es gut, dass du dir alle Informationen besorgst, die du brauchst.
    Nicht so gut finde ich, dass du deinen Mann "blöd sterben lässt" wie man bei uns sagt. Auch wenn er in der Vergangenheit und Gegenwart viel verbockt hat (indem er kein Verständnis für antike Flohmarktware hatte etc) - so scheint er doch auch ein liebevoller Familienmensch zu sein.

    Warum musst du das jetzt alleine durchziehen, warum nicht einen gemeinsamen Anlauf unternehmen, um den Weg zueinander zu finden?

    Du bringst viel Energie auf (sogar Geld), ist da keine Energie übrig, sich für das Gemeinsame, gegen das Ende einzusetzen?

    Nach dem, was ich hier gelesen habe, hast du dich so weit zurückgezogen, auch in die virtuelle Welt, dass da vieles unversucht scheint.

    Hast du ihn schon mal gebeten, mit dir zu einer Beratung zu gehen, für ein Gespräch mit neutraler 3. Person - da das Gespräch zwischen euch beiden scheinbar nicht mehr stattfindet?

    Für den Anwalt bist du eine potentielle Kundin, denn es geht um viel Geld. Die 45 min die er dir "geschenkt hat", sind für ihn reine Akquise, gut investierte Zeit. Inklusive "guter Stimmung", er will ja, dass du wiederkommst. So begeistert wie du von ihm warst, hat er die Zeit offensichtlich gut investiert. Lass dich nicht täuschen, du bist für ihn eine Kundin, ein Geschäft!

    Natürlich ist es Unfug, so von der Ferne alles Besser zu wissen ;-), aber mein Buchgefühl meldet sich ganz stark, wenn ich deine Zeilen lese. Nichts für ungut bitte!!

    liebe Grüße, Daniela

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    1. Nun, für eine solche Art von Kommunikation, oder besser gesagt Nicht-Kommunikation, braucht es immer zwei. Der Mann will gar nicht wissen, was Sache ist, und das macht es Rosalie wahrscheinlich nicht einfacher, den Schritt auf ihn zuzugehen.

      Natürlich ist es auch bei mir Unfug, aus der Ferne alles besser zu wissen, aber auch bei mir meldet sich das Bauchgefühl ganz stark.

      Liebe Grüsse mit Doppel-S

      Castorp

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    2. @Daniela

      Danke für Deinen ehrlichen Kommentar! Ich nehme ihn Dir sicher nicht übel. :-)

      Nein, ich werde meinen Mann nicht "blöd sterben lassen". Er weiss, dass ich Trennungsgedanken hege und unglücklich bin. Ich habe ihm auch offen ins Gesicht gesagt, dass ich mich "entliebt" habe, und dass ich die Gefühle für ihn nicht einfach wieder herbeizaubern kann. Und er ist jetzt einverstanden, dass wir einen Ehecoach aufsuchen. Ich befürchte einfach, dass es zu spät ist. Ich habe schon vor 6 Jahren einen Vorstoss gemacht und damals wollte er nichts davon wissen. Er meinte, dass wir das selber hinkriegen würden und er sich mehr Mühe geben wird. Sich mehr bemühen heisst für ihn, dass er ab und zu die Waschmaschine befüllt und am Wochenende kocht. Ich mache dann jeweils die Küche, wenn er mit dem Weinglas in der Hand aufs Sofa sitzt und ein TV-Programm oder eine DVD seiner Wahl anschaut und bringe dann die Kinder ins Bett. Wenn ich damit fertig bin, ist er schon mitten in einem Film und in aller Regel in keinem, der mich interessiert. Ich vertrage diese ganzen Actionfilme und Historienfilme mit Gemetzel einfach nicht mehr.

      Weisst Du wie oft er seit 2006 gesagt hat, dass er mir hilft, die Kinder ins Bett zu bringen, um dann gemeinsam mit mir einen Film anzuschauen, der uns beiden gefällt? Du ahnst es: Nie! Seit wir Kinder haben, konnte ich nie mehr um 20.15 einen Film im TV schauen. Er schon. Mehrmals wöchentlich. Und wir haben mindestens 600 Filme auf DVD. Ich habe noch nicht einmal die Hälfte davon gesehen, den Rest kenne ich von früher.

      Nein, liebe Daniela, es geht wirklich nicht darum, dass er mit meinem Flohmarktfaible nichts anfangen kann... Aber seine Bedürfnisse kommen an erster Stelle. Natürlich ist er auch ein Familienmensch und liebt seine Kinder über alles. Er will uns am liebsten immer um sich haben. Aber die Kinder sollen sich bitte mit sich selbst beschäftigen und die Ehefrau soll funktionieren und sich seinen Bedürfnissen anpassen. Dann ist seine Welt in Ordnung.

      Ich will nicht schlecht über ihn reden. Aber es sind die vielen kleinen Verletzungen, die sich im Verlauf der Jahre akkumulieren, der Mangel an Aufmerksamkeit. Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht. Irgendwann ist es dann einfach zu spät. Und ich bin wirklich sehr gutmütig und habe einen langen Atem.

      Liebe Grüsse und schöne Ostern!

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  3. Liebe Rosalie,
    Danke für deine Antwort auf meine Skepsis! Mit jeder Zeile von dir wird das Bild kompletter - und nicht unbedingt hoffnungsvoller ... Deine Beschreibung klingt nach einem Mann vom alten Schlag. Da hätte ich vermutlich schon längst den Hut drauf gehauen.
    Trotzdem finde ich es gut, dass ihr zu einem Ehecoach geht. Nicht zuletzt wegen des Grundstückes, für das du dich so eingesetzt hast. Wirst du ansprechen, dass du fürchtest, dass es zu spät ist?

    Ich habe meinem Partner mal gesagt, er darf nicht mit mir Schluss machen, ohne mir vorher die Chance gegeben zu haben, dass ich mich ändere wenn ihn etwas an mir stört.
    Tatsächlich hat er mir sicher vieles oft gesagt, nur ich habe es nicht gehört/respektiert. Wir sind leider zu oft taub für die leisen Töne. Bis es einmal bummmm macht.

    Dir auch schöne Ostern!
    Daniela

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