Dienstag, 29. Mai 2012

Antwort an Mimi

Liebe Mimi

Danke für Deinen Kommentar! Ich muss gestehen, dass ich zunächst einmal leer geschluckt habe. Kommentare können ja verschieden interpretiert werden, je nachdem in welcher Stimmung man gerade ist. Gestern war nicht mein bester Tag und er hat mir deshalb etwas zugesetzt. Ich wollte Dir in Kommentarform antworten, aber das Kommentarfeld hat sich beklagt, dass meine Antwort zu  umfangreich sei. Erstaunlich... Deshalb antworte ich Dir auf diesem Weg.
Nach Lektüre Deines Kommentars ist bei mir zunächst folgende Botschaft angekommen:

Rosalie ist an einer Lösung ihres Problems überhaupt gar nicht interessiert! Sie findet Gefallen daran, auf ihrem Blog zu lamentieren (lauter Pathos), sich selbst zu bemitleiden und herum zu jammern  und sucht dabei Aufmerksamkeit und Trost. Genau wie in dem Lied "Die Lösung" von Annett Louisan.  Zu allem Elend will sie sich noch mit ihren intellektuellen Fähigkeiten profilieren. Die Schuld für ihre Misere schiebt sie andern in die Schuhe, anstatt selbst dafür die Verantwortung zu übernehmen. Sie schreckt nicht mal davor zurück, über andere zu urteilen bzw. sie zu verurteilen! Sie ist durch und durch Kopfmensch und das FÜHLEN verdrängt sie. Sie ist zu feige nicht mutig genug, sich ihren GEFÜHLEN zu stellen und flüchtet sich statt dessen ins DENKEN und GRÜBELN…
Das ist "dicke Post" - wie wir in der Schweiz zu sagen pflegen, liebe Mimi. Du schreibst in einem neueren Kommentar an Castorp, dass Du mich nicht angreifen wolltest.  Das will ich Dir gerne glauben und ich weiss schon, dass Du es eigentlich gut meinst. 
Aber vielleicht solltest Du Deine konstruktive Kritik beim nächsten Mal etwas subtiler formulieren und den Imperativ weglassen? Ich kann nämlich durchaus zwischen den Zeilen lesen. Mag sein, dass ich im Moment etwas überempfindlich bin und überreagiere und ich habe wirklich kurz in Betracht gezogen, mein Blog vom Netz zu nehmen.

Castorp hat mich dann wieder etwas "auf den Boden geholt" und ich bin ihm dankbar, dass er seine Sicht der Dinge eingebracht hat und für mich Partei ergreift und mich darin bestärkt, dass ich nicht auf dem komplett falschen Weg  bin.
Mimi, Du schreibst zum einen, dass ich nicht mutig genug bin, zu FÜHLEN und durch den Schmerz und die Leere hindurch zu gehen. Anderseits schreibst Du, dass ich genau diesen Schmerz ja hege und pflege – mit lautem Pathos noch dazu! Ich bin gerade etwas ratlos! Was  willst Du mir genau sagen?

Wenn man meinen Blog von A-Z durchliest, wird man feststellen, dass ich heute sehr viel weiter bin als noch vor einem Jahr.  Weil ich mit vielen Menschen über meine GEFÜHLE gesprochen habe! Weil ich darüber in meinem Blog geschrieben und laut gedacht habe! Und weil die vielen Feedbacks mich weitergebracht haben! Inzwischen verstehe ich besser, wieso ich so FÜHLE, wie ich FÜHLE! Indem ich darüber NACHDENKE! Das FÜHLEN und das DENKEN kann ich nämlich gar nicht trennen! Wie soll man das auch trennen? Mein Blogfreund Castorp hat es wunderbar auf den Punkt gebracht. Ich kann mich seinem Kommentar nur anschliessen.

Glaub  mir, es liegt mir fern, jemandem die Schuld für mein Problem in die Schuhe zu schieben. Weil es nämlich keine Schuldigen dafür gibt! Weder mache ich meinen Eltern einen Vorwurf (sie haben getan, was sie konnten) noch meinem Mann (ich habe ihn mir ja selber  ausgesucht).

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5 Stunden später...

Ich habe inzwischen ein paar Tischtennisrunden  gespielt, meinen Mann angefaucht, nachdem er zum wiederholten Male ohne anzuklopfen in mein Büro reingeplatzt ist,  mir sagen lassen, dass ich eine richtig "böse" Frau geworden bin, eine neue Erkenntnis gewonnen, die mich kurz erschüttert hat, mir auf dem Schaukelbrett ein paar Gedanken gemacht und zwei Gläser Rotwein getrunken...

Verdammter Mist! Ich glaube Mimi hat recht! Ich mache meinen Mann verantwortlich für meinen Lebensfrust! Dabei kann er nichts dafür. Er ist eigentlich sehr anständig und geduldig mit mir, lässt mir meine Freiheiten - seitdem ich sie mir nehme! - und  besteht noch nicht mal auf der Erfüllung ehelicher Pflichten...

Wieso will ich ihn eigentlich verlassen? Ihn und das tolle Haus, die komfortablen Autos, die Segeljacht und die Ferienwohnung in den Bergen? Wegen der Liebe? Bin ich noch zu retten?!

Als ob es mit der Liebe schon jemals geklappt hätte! Ich sollte es wirklich langsam geschnallt haben... Rosalie und die Liebe - das funktioniert einfach nicht.

Ok, ich könnte alleine mit den Kindern leben und mir eine schöne Wohnung oder sogar ein Haus einrichten. Meinen Volvo könnte ich behalten. Ich könnte darauf hoffen, einen geistreichen, liebenswerten Mann zu treffen, der meine kinderlosen Wochenenden bereichert. Oder sogar für Ferien taugt. Und sonst wären da ja noch meine Freundinnen. Und ich könnte mir einen Liebhaber suchen. Oder mehrere.

Ich könnte allerdings auch bei meinem Mann blieben, Stimmungsaufheller schlucken, wieder funktionieren und mir trotzdem einen Liebhaber suchen. Einfach mein Leben geniessen. Endlich aufhören, alles zu hinterfragen! Mit dem zufrieden sein, was ich habe.

Ja, Mimi, ich weiss... Ich sollte aufhören, hier rumzujammern und mich einfach mal entscheiden!  Gehen - oder  bleiben? Und wenn bleiben - dann Klappe halten.

Soviel für heute. Morgen sieht möglicherweise alles wieder anders aus.

Bonne nuit!




Freitag, 25. Mai 2012

Positiver und negativer Narzissmus


Ein “positiver” Narzissmus äußert sich in einer positiven Einstellung zu sich selbst, d. h. dass diese Menschen ein stabiles Selbstwertgefühl haben, das auch erhalten bleibt, wenn es Rückschläge gibt. Positiv narzisstische Menschen ruhen in sich selbst, strahlen Wärme aus und sind anderen zugewandt. Postiver Narzissmus ist gesunder Bestandteil einer harmonischen Persönlichkeit.

Ein ausgeprägter oder “negativer” Narzissmus bedeutet, dass diese Menschen vorwiegend sich selbst zugewandt sind, ein eher passives Liebesbedürfnis haben und “lieben, nur um geliebt zu werden”.

Eine Beziehung mit einem Narzissten ist geprägt vom Geben des Partners und Nehmen des Narzissten. Ein Gleichgewicht mit abwechselndem Geben und Nehmen gibt es nicht. Narzissten sind kaum oder gar nicht zu Empathie fähig (Mitgefühl mit anderen). Sie haben (fast) kein Selbstwertgefühl und sind auf ständige Bestätigung von außen angewiesen. Bleibt diese aus, kommt es zu erheblichen Problemen.

Oft neigen negativ narzisstische Menschen auch dazu, andere abzuwerten, um das eigene Ego aufzuwerten.


Diese Konstellation führt zu erheblichen zwischenmenschlichen Konflikten, insbesondere in der Partnerschaft, oft aber auch im Beruf. In der Folge kann es dann zu weiteren Erkrankungen wie z.B. Depressionen kommen.


Quelle: http://www.narzissmus.net/?page_id=32


Aha-Erlebnisse:

Es gibt also einen gesunden, sprich "positiven" Narzissmus.

Ich bin definitiv keine "negative" Narzisstin. Dafür bin ich viel zu empathisch. Irgendwie beruhigend.

Aber ich habe realisiert, dass ich mit mindestens einem "negativen" Narzissten eine längere Beziehung hatte. Ich spreche von zweieinhalb Jahren.

Später habe ich mir dann eine "abgeschwächte" Variante eines negativen Narzissten als Lebenspartner ausgesucht. Jemanden, der zwar durchaus auch empathisch sein kann, meiner subjektiven Einschätzung nach aber letztlich doch sehr auf sich selbst bezogen ist bzw. war und nur bedingt fähig, für die Partnerin tiefe (bedingungslose) Liebe zu empfinden und aus einem inneren Bedürfnis heraus "zu geben".

Stellt sich die Frage, weshalb mir das mehr als einmal passiert ist und warum ich mir solche Partner ausgesucht habe. Die Analyse geht weiter.



Nachtrag:

Ich habe mir die Freiheit genommen, das Post nachträglich zu überarbeiten bzw. zu kürzen. 26.5.2012/23.13 h




Vom Glück, in seinem Element zu sein...

Passt irgendwie auch zum Thema... :)


Mittwoch, 23. Mai 2012

Der Hunger nach Anerkennung

Aus einer Eingebung heraus habe ich mein vorheriges Post geschrieben und der Resonanz nach zu beurteilen, habe ich mich etwas unklar ausgedrückt. Oder aber das Thema ist einfach nicht so richtig greifbar.

Meine treue Leserin Daniela hat einen sehr interessanten Kommentar geschrieben und mich auf das Problem "Co-Abhängigkeit" aufmerksam gemacht.

Ich habe den Begriff natürlich gleich gegoogelt und bin auf viele interessante Beiträge gestossen. Und auf einen weiteren Begriff: "Narzissmus". Bisher hat dieser Begriff bei mir die negative Assoziation "eitler, selbstverliebter Mann mit übersteigertem Ego" ausgelöst. Nach meinem Streifzug durchs WWW habe ich festgestellt, dass es in der Psychiatrie und Psychologie den Begriff "NPS - narzisstische Persönlichkeitsstörung" gibt. Und der hat nicht zwingend mit der "Selbstverliebtheit" zu tun, die wir im Alltag darunter verstehen.

Ich bin bei meiner "Recherche" auf die Autorin und Psychotherapeutin Dr. Bärbel Wardetzki gestossen. Sie hat sich vor allem mit dem "weiblichen Narzissmus" befasst und darüber auch ein Buch bzw. mehrere Bücher geschrieben. Ich bin auf eine Zusammenfassung bzw. einen Auszug (?) aus ihrem Buch "Weiblicher Narzissmus - Der Hunger nach Anerkennung" gestolpert.

Es geht in diesem Textauszug um Frauen, die an Bulimie leiden. Ich muss dazu anmerken, dass ich selbst nie Bulimie hatte. Ich hatte jedoch immer schon ein gestörtes Verhältnis zu meinem Körper und zum Essen. Ich fand mich in der Pubertät und als junge Frau viel zu dick und war todunglücklich. Ich wog damals 53 kg. Ich habe ständig Diäten gemacht, gefastet und auch versucht zu erbrechen. Aber ich fand das viel zu unappetitlich und konnte mich nicht dazu überwinden... - und so ist mir wohl das Schicksal einer Bulimikerin erspart geblieben. Nachfolgend nun ein paar bemerkenswerte Textpassagen:

Selbstwertstörung – Entfremdung von sich selbst  

 
Die Frauen leiden unter einer Entfremdung von sich selbst, die sich einerseits in einem mangelnden Selbstwertgefühl ausdrückt, andererseits dazu führt, dass die Frauen nach außen hin eine andere Seite von sich zeigen, als wie sie sich innerlich erleben.

 Sie sehnen sich nach Liebe und Nähe, rennen aber davon, wenn sie wirklich jemand mag. Sie machen sich immer wieder einsam, obwohl sie gerade unter dem Gefühl, allein zu sein, sehr
leiden. Ihr ganzes Fühlen, Denken und Verhalten ist stark von Gegensätzen geprägt und von dem Gefühl, nicht zu wissen, wer sie wirklich sind. Ihre Selbstzweifel und Selbstunsicherheit
versuchen sie hinter einer selbstbewussten Fassade zu verbergen. Durch Attraktivität, Schlanksein, Leistung, Perfektionismus und etwas Besonderes Sein sollen ihre  Minderwertigkeitsgefühle ausgeglichen werden.

Aus der feministischen Therapie ist uns hinlänglich bekannt, dass die Selbstabwertung von Frauen auch Ausdruck der Abwertung von Frauen in unserer Gesellschaft und Kultur ist.
Frausein und Weiblichkeit werden abgewertet zu Gunsten männlicher Qualitäten, wie Leistung, Machtstreben, Rationalität etc. Und genau darauf reagieren bulimische Frauen: Sie
werten ihren Körper ab, finden sich plump, unattraktiv, dick und hässlich, auch wenn sie nicht so sind. Sie streben maskuline Formen an und verachten alles Weiche, Runde und Weibliche,
auch wenn es auf Kosten ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens geht.
 

Die Abwertung betrifft aber nicht nur den Körper der Frauen, sondern ihre Person als ganzes und ihre weibliche Identität. Bulimikerinnen lehnen Frausein ab oder haben ein gestörtes
Verhältnis dazu. Sie leben Frausein daher entweder gar nicht, oder ein verzerrtes Bild davon.

Gemeinsam ist ihnen jedoch die Ablehnung einer Frauenrolle, wie sie sie durch ihre Mutter und andere Mütter vermittelt bekamen. Diese von den Müttern vermittelte Frauenrolle ist
verbunden mit Qualitäten von abhängig sein müssen, dienen, sich für jemanden aufopfern, nicht sie selber sein dürfen. Bulimikerinnen haben meist Mütter, die ihnen eine aufopfernde Frau vorgelebt hatten. Häufig waren die Mütter selber unzufrieden damit, hatten aber keine Möglichkeit, dieser Situation zu entrinnen. Viele Bulimikerinnen lehnen das Modell, das ihnen ihre Mutter vorgelebt hat und das gesellschaftlich geprägt ist, ab. Sie haben aber kein anderes Modell und lehnen daher Frausein ab.

Sozialisation: Erziehung zur Anpassung

Die Sozialisation der später bulimischen Frauen ist u.a. geprägt durch die Unterbindung von Eigenständigkeit und Separierungstendenzen, im Sinn einer Erziehung zur Anpassung statt zur Abgrenzung (auch Aggression). Die Botschaft, die den Mädchen meist unterschwellig vermittelt wird, lautet vereinfacht: "Wenn du mich liebst, dann bleibst du bei mir und bist so, wie ich dich möchte. Bist du so, wie du bist und verlässt du mich, dann liebe ich dich nicht mehr".

 Die Kinder wissen oft genau, was sie tun und wie sie sein müssen, um Zuwendung zu bekommen und laufen Gefahr, bei Anderssein bestraft zu werden. Die Mädchen lernen also nicht, beide Wünsche, nämlich den nach Fusion (bleib bei mir) und den nach Unabhängigkeit (ich bin anders) zu integrieren, sondern diese polaren Wünsche stehen unverbunden nebeneinander. Es entsteht innerpsychisch eine sog. Spaltung: entweder symbiotisch, aber geliebt oder autonom und allein, aber ungeliebt. Was nicht gelernt wird, ist Autonomie in Beziehungen, was später zu dem typischen Beziehungsdilemma führt.

In der Bulimie kommt also das grundlegende Dilemma von Frauen zum Ausdruck, sich zwischen Abhängigkeit und Selbstständigkeit zu bewegen. In Fall der bulimischen Frauen liegt die Lösung des Konflikts im Leben der Extreme: entweder vollkommen abhängig sein und im anderen aufgehen bis zum Verlust der eigenen Identität oder in totaler Distanz vom anderen, autonom, aber allein sein. Sie drücken das Dilemma von Frauen aus: Inwieweit darf die Frau sie selber sein in einer Beziehung oder in einer Gesellschaft, Initiative ergreifen, ihre Potenz leben, ihre Möglichkeiten verwirklichen und zugleich ihren emotionalen Bedürfnissen Raum geben, oder inwieweit ist sie gezwungen, sich zurückzunehmen.

Die Bulimikerinnen zeigen uns, dass wir noch nicht an dem Punkt sind, wo die Frau mit Selbstverständlichkeit sie selber sein kann und sich verwirklicht hat. Die Erziehung zur Anpassung und Selbstaufgabe führt zu einer Haltung, sich über die Sorge für andere eine Identität zu erwerben. Später zeigt sich das bei den Frauen in einer extremen Hinwendung zu andern: sie denken ständig daran, was die anderen von ihnen erwarten und versuchen diese vermeintlichen Erwartungen zu erfüllen. 


Hunger nach Anerkennung

Die Frauen machen sich abhängig davon, was andere von ihnen denken, wie sie ankommen und ob sie auch gemocht werden. Sie haben einen Hunger nach Anerkennung, eine tiefe Sehnsucht nach Echo und Annahme. Dieser emotionale Hunger wird von ihnen oft als physiologischer Hunger wahrgenommen, nämlich als Hunger auf Essen. Sie versuchen ihn mit
Nahrung zu füllen, aber er ist dadurch nicht stillbar.


Der Hunger nach Anerkennung drückt sich aus in dem Verlangen nach ständiger Bewunderung und dem  Gefühl, ohne Bewunderung nicht leben zu können. Hier geht es nicht um Anerkennung und Lob, die jeder Mensch braucht, um sich gut zu fühlen. Sondern hier handelt es sich um ein existenzielles Bedürfnis.

Die Bewunderung glauben diese Frauen aber weniger für ihre Person zu erhalten, wie sie sind, als vielmehr für ihre besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten, z. B. für ihre Attraktivität, ihre Leistungen und Erfolge. Sie streben daher ständig danach, gut auszusehen, körperlich topfit zu sein und viel zu leisten. Das Dilemma liegt jedoch darin, dass diese Frauen vom Erreichen dieser Ziele abhängig sind, um sich gut zu fühlen bzw. eine Existenzberechtigung zu erhalten. Es ist sozusagen ihre Lebensbasis, schön erfolgreich und bewundernswert zu sein.

Bewunderung ist nicht Liebe
Sie streben immer danach, ein positives Echo zu erhalten. Sie tun im Grunde die wenigsten Dinge für sich, weil sie ihnen Spaß machen oder weil sie ihnen gut tun, für sie angemessen sind, sondern sie tun das meiste, um anderen zu gefallen. Denn nur wenn die anderen sie bewundern und loben, glauben sie, dass sie etwas wert sind. Die Anerkennung soll also ihr  fehlendes Selbstwertgefühl ausgleichen, da sie ihre Selbstachtung nicht von innen regulieren können. Dabei werden Bewunderung und Liebe fälschlicherweise gleichgesetzt (MILLER). Die Suche nach Bewunderung muss jedoch unbefriedigend bleiben, weil Bewunderung und Liebe eben nicht identisch sind. Bewunderung ist an bestimmte Merkmale gebunden, Liebe
dagegen richtet sich auf den ganzen Menschen mit seinen Stärken und Schwächen.

Bewunderung bleibt daher eine Ersatzbefriedigung für den eigentlichen, nie erfüllten Wunsch nach Achtung, Annahme und Liebe.

Für die Erfüllung ihrer tiefen Sehnsucht nach Angenommensein und Geliebtwerden zahlen sie einen hohen Preis: sie passen sich ganz ihrer Umgebung und den anderen Menschen an und verleugnen ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Die Hoffnung liegt darin, allen zu gefallen, um bloß nicht abgelehnt zu werden. Sie gehen einen gefährlichen Kompromiss ein:

"Ich verleugne mich, meine Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle und bekomme dafür von dir die Anerkennung und Liebe, die ich sehnsüchtig suche". Gefährlich ist dieser Kompromiss deshalb, weil die Verleugnung der eigenen Person immer auf Kosten der seelischen und körperlichen Gesundheit geht, sei es in Form psychosomatischer Krankheiten, Depressionen oder Süchte. Die Krankheit ist sozusagen der Versuch, mit einer problematischen Situation umzugehen, zeigt aber auch zugleich an, dass der Versuch scheiterte.
Diktat von Leistung und Perfektion

Neben die traditionelle Rolle der Frau als Abhängige tritt immer dringlicher eine weitere, im Grunde gegenläufige Forderung an diese Frauen, nämlich ein Leistungs- und Prestigeideal zu erfüllen. Bulimikerinnen stammen vorwiegend aus Familien, die besonderen Wert auf Leistung und Perfektion legen. Sie bekamen früher als Mädchen vor allem für gute Leistungen
Zuwendung, für manche war es sogar der einzige Weg, um überhaupt Anerkennung zu bekommen. Noch im Erwachsenenleben stehen sie unter dem Diktat von Leistung und Perfektionismus.

Danach ist es wichtiger, schlank, attraktiv und perfekt zu sein, als genussvoll zu leben. Ziele zu erreichen ist erstrebenswerter als „absichtloses Tun“, das „nur“ Spaß macht. Verstehen und Einsicht rangieren vor den Gefühlen. Freude wird meist, wenn überhaupt, durch eine Aktivität oder besondere Leistung erreicht. Sie stehen unter dem permanenten Druck, immer die Beste
sein zu müssen, haben das Gefühl, eine gute Leistung reicht nicht aus und haben Angst, eine andere oder ein anderer wäre besser als sie. Sie sind ständig aktiv, leiden darunter, wenn sie nicht hundertprozentig sind und treiben sich immer wieder an, noch besser zu werden.


Neben die traditionelle Rolle als Mutter und Hausfrau, zu der die Tochter sozialisiert wird, tritt nun die „neue Rolle“ der Frau hinzu. Durch die Entwicklungen in der 60er Jahren und die  Frauenbewegung wurden den Frauen neue Bereiche der Eigenständigkeit und individuellen
Lebensgestaltung eröffnet, die aber nun zu den bisherigen Aufgaben hinzukommen.

Demselben Widerspruch wie auf gesellschaftlicher Ebene sieht sich die heranwachsende Frau auch in ihrer Familie gegenüber: Sie hat auf der einen Seite die Aufgabe, eine gute Mutter und Hausfrau zu werden und die Rolle der abhängigen, einfühlsamen Frau zu erfüllen. Auf der anderen Seite wird sie mit Erwartungen konfrontiert, die männlichen Werte von Leistung und
Perfektionismus zu erfüllen, beruflich erfolgreich und ausgefüllt sein. SCHNEIDER-HENN bringt es auf den Punkt: "Wenn schon kein Mann, wie wär's dann mit einer Idealfrau?"

In diesem Spannungsfeld entstehen Essstörungen, Arbeitssucht, Depressionen, Minderwertigkeitsgefühle und ein atemloses HintersichherRennen.

Im Spannungsfeld zwischen den zwei Anforderungen an die Frau, einerseits nach Abhängigkeit und Anpassung und andererseits beruflich erfolgreich und leistungsorientiert zu sein, entstehen Essstörungen.

Diese zwei Anforderungen entsprechen dem internen Widerspruch der Frauen: auf der einen Seite erleben sie sich abhängig, wertlos und klein, auf der anderen Seite besser und stärker als alle anderen Frauen, z. B. wenn sie erfolgreich sind. Die äußere Rollenspaltung wird so zu einer inneren.
Spaltung in die Extreme

Diese Situation geht auf Kosten der Weiblichkeit und eines integrierten Selbstbildes der Frau.

Die Betonung des männlichleistungsbezogenen Aspekts gibt eine Form der inneren Sicherheit und Aufwertung, wogegen das Weibliche mit Schwäche und Wertlosigkeit assoziiert wird. Auch hier liegt wieder die Spaltung in die Extreme vor: entweder männlicherfolgreich und selbstbewusst oder weiblich und wertlos.
Narzisstische Gesellschaft
Narzisstische Störungen treten nicht nur als individuelle Erscheinungen auf, sondern haben ihr Abbild in unserer Gesellschaft. Wir leben in einer narzisstisch geprägten Welt, in der Werte des AllesMachbaren und des BesserSeins vorherrschen. Die Schüsselmerkmale der Bulimie
können als eine Metapher für unser Zeitalter und unsere Gesellschaft angesehen werden:

Es herrschen männliche Werte des AllesMachbaren und BesserSeins und ImmermehrleistenMüssens vor.


Es geschieht eine Optimierung der äußeren Fassade (Reichtum, Luxus, gutes Aussehen, Statussymbole) auf Kosten der Lebensgrundlagen und durch Ausbeutung der Welt.

Die innere Leere wird ausgefüllt mit äußeren Gütern, aber es entsteht kein Gefühl von Sattheit (Befriedigung), viel mehr erfahren wir seelisches Hungern (Verarmung) im materiellen Überfluss.

Die äußere Fassade soll die innere Leere verbergen.

Unsere Gesellschaft ist gekennzeichnet durch die Widersprüchlichkeit von Sein und Schein. Es entsteht eine Entfremdung vom eigenen Sein zugunsten einer Scheinwelt.

Beziehungsstörung

Die weiblichnarzisstische Persönlichkeitsstruktur beinhaltet nicht nur eine Selbstwertstörung, sondern auch eine Beziehungsstörung. Diese zeichnet sich vor allem durch Angst vor Nähe (Intimität) und durch die Unfähigkeit zu echter Bindung aus. Ich habe diese Beziehungsstörung das „Beziehungsdilemma“ genannt, weil es eine Wahl zwischen zwei unangenehmen Dingen ist: der Nähe bzw. der Distanz. Wählen die Frauen die Nähe, bekommen sie Angst, verschlungen oder vereinnahmt zu werden. Wählen sie die Distanz, fürchten sie das Alleinsein und werden depressiv. D. h. egal wie sie sich entscheiden, sie sindnie glücklich und es ist ihnen nicht möglich, eine erfüllte Beziehung einzugehen, obwohl sie sich danach sehnen.


Bulimikerinnen haben große Angst vor Nähe und Bindung, da Nähe für sie gleichbedeutend ist mit Verschmelzen bzw. Symbiose. Liebe ist für sie zum großen Teil mit Selbstaufgabe verbunden, da sie gelernt haben, dass sie nur dann geliebt werden, wenn sie so sind, wie die Umgebung sie haben möchte. Ab einem bestimmten Punkt setzt dann die Angst vor Nähe ein, die Angst, sich wirklich auf einen anderen Menschen einzulassen. Sie befürchten „aufgefressen“ oder verlassen zu werden, nicht mehr sie selbst sein zu können und beginnen, die Beziehung und den Partner abzuwerten. Oft bricht die Beziehung an dem Punkt ab, an dem das erste Verliebtsein vorüber ist und nun eine wirkliche Begegnung stattfinden würde. Es bleibt das Gefühl zurück, wieder nicht an „den Richtigen“ geraten zu sein, verbunden mit der Hoffnung auf den nächsten.


Wie bei der Selbstwertstörung so gehören auch zu dem narzisstischen Beziehungsmuster Mechanismen der Auf- und Abwertung. Der Partner wird zu Beginn aufgewertet, seine Schattenseiten werden verleugnet oder sogar in Sonnenseiten umdefiniert, und auch die Partnerin wertet sich in der Verliebtheit auf. Sie wird begehrt und umworben, und das gibt ihr einen Selbstwert. Tritt dann die Angst vor dem Verschlungenwerden, vor der Nähe auf, kippt diese Aufwertung in eine Abwertung: So toll wie der Mann zu Beginn war, so unbedeutend oder anhänglich wird er jetzt in ihren Augen. So wie die Frau zuerst die positiven Seiten überbewertete, so nimmt sie jetzt die negativen verzerrt wahr. Die Abwertung führt zu einer vorübergehenden Distanz, die aber dann in Angst vor Alleinsein endet und mit einem Widerannährungsverhalten beantwortet wird.


Therapie

 In der Therapie kann im Schutz der therapeutischen Beziehung ein Zugang zum „wahren Selbst“, zu den ursprünglichen narzisstischen Bedürfnissen und zu den echten Gefühlen ermöglicht werden. Es erfolgt dabei eine Durcharbeitung des tiefen Schmerzes und Hasses darüber, ungeliebt und nicht so angenommen worden zu sein, wie es das Kind gebraucht hätte,
bis hin zu der Bestätigung, heute als Person akzeptiert zu werden.

Die TherapeutInnen helfen, alle Gefühle, auch die abgelehnten, willkommen zu heißen und der Patientin zu ermöglichen, sich so zu zeigen, wie sie ist auch mit ihrer Scham und Verletzlichkeit. In einer verständnisvollen Atmosphäre kann sie sich trauen, sich mit ihren Ängsten, Befürchtungen, Sehnsüchten und ihrem Ärger zu offenbaren, ohne dass die Beziehung dadurch gefährdet wird. Ich halte d für einen entscheidenden Faktor auf dem Weg zur Genesung: die Erfahrung, sich in einer Beziehung mit den tiefsten Gefühlen und
Geheimnissen zeigen zu dürfen und die Zuwendung des anderen nicht zu verlieren, sondern zu spüren, dass sie unterstützt und ermutigt wird, immer mehr von sich zu zeigen auch das,
was sie an sich schlecht findet.



Den ganzen Artikel findet Ihr hier. Eigentlich wollte ich nur die wichtigsten Textpassagen rauskopieren. Aber je mehr ich gelesen habe, desto mehr "Aha-Erlebnisse" hatte ich. Die Ursache für gewisse Verhaltensweisen ist wie so oft in der Kindheit zu suchen.

Aber wer hatte schon eine sorgenfreie, glücklichte, unbeschwerte Kindheit? Ich betrachte meine Kindheit als einigermassen glücklich. Aber sie war nicht unbeschwert. Ganz bestimmt nicht. Und mein Verhältnis zu meiner Mutter ist gespalten. Ich habe lange gebraucht, bis ich mich nicht mehr für sie verantwortlich gefühlt habe. Ich hätte mir eine starke Mutter gewünscht...

However. Man kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen und auch ich mache Fehler bei der Erziehung meiner Kinder. Ganz bestimmt sogar. Wichtig ist jedoch, dass sie wider besseres Wissen geschehen und nicht aus (böser) Absicht. Und dass man sie korrigiert bzw. behebt, wenn man sie erkennt.

Es ist nicht so, dass alles, was in dem zitierten Text steht, auf mich zutreffen würde. Aber einiges hat mir schon sehr zu denken gegeben...

Ich weiss nicht wie es Euch geht - aber ich kann mir gut vorstellen, dass die eine oder andere Leserin oder vielleicht sogar der eine oder andere Leser bei der Lektüre dieses Artikels ein Aha-Erlebnis gehabt hat. Man muss ja nicht zwingend eine Bulimie entwickeln, wenn man an einer solchen Selbstwertstörung leidet. Aber der Versuch, die innere Leere mit Essen auszufüllen, führt in der Regel dazu, dass man ständig mit seinem Körpergewicht auf Kriegsfuss steht.

Ich werde mir das Hörbuch bestellen und den Auszug aus dem Buch meinem zukünftigen Therapeuten vorlegen und vermutlich spart mir das ganz viele Therapiestunden, die wir sonst dazu hätten verwenden müssen, nach des Pudels Kern zu suchen...

Meine Freundin V. hat mir dieses Wochenende das passende Lied zur Thematik vorgespielt. Es geht darum, dass gewisse Frauen sich mit Vorliebe in Männer verlieben, die unerreichbar sind. Diese Männer stehen auf einem Sockel, einem Denkmal gleich und man kann für sie schwärmen und an der unerfüllten Liebe leiden, ohne Angst davor haben zu müssen, dass sie einem zu nahe kommen...




Annett Louisan - Der den ich will...





Sonntag, 20. Mai 2012

Nähe und Distanz

Manchmal, wenn einem ein Mensch besonders nahesteht, verliert man irgendwie die Distanz. Und wenn man sich zu vertraut ist, manchmal sogar den Respekt. Man behandelt diesen Menschen dann so, wie man mit sich selbst umgeht und das ist nicht immer besonders liebevoll. Womit wir wieder beim Thema Selbstliebe wären...

Das kann im Alltagsleben in langjährigen Partnerschaften passieren, im Umgang mit den eigenen Kindern aber auch im schriftlichen Austausch mit Menschen, die man nur selten sieht, die einem aber sehr vertraut sind.

Kennt Ihr das auch?

Ist das eine Eigenart des Charakters, die gewisse Menschen aufweisen und andere nicht?

Oder passiert das allen Menschen? 

Ist es vielleicht sogar das Geheimnis glücklicher langjähriger Lebensgemeinschaften, dass man Nähe nur partiell zulässt und sich immer eine gewisse gesunde Distanz zu seinem Gegenüber bewahrt?



Symbiotisch oder distanziert?

Samstag, 19. Mai 2012

Die drei "K" im Leben eines Zwillings

Dienstag und Mittwoch standen die Sterne für Zwillinge anscheinend besonders günstig, was die Kommunikation angeht.

Wenn es drei Stichworte gäbe, die den Zwilling am besten beschreiben,
wären es die drei großen „K“: Kreativität, Kommunikation, Kontakt.

Dienstag Mittag hatte ich einen Kurztermin bei einem Psychiater. Ich habe ihn vor ein paar Wochen zum ersten Mal aufgesucht, weil ich mir Methylphenidat (Ritalin) verschreiben lassen wollte, in der Hoffnung, etwas mehr Struktur in meinen chaotischen Alltag zu bringen. Mehr dazu ein anderes Mal. Ich habe den Doc jedenfalls bei dieser Gelegenheit darauf angesprochen, ob ich mir Sorgen machen müsse, weil ich mich beim Überqueren von Autobahnviadukten gedanklich mit der Stabilität von Leitplanken beschäftige...


Ein Freund hatte mich etwas verunsichert, indem er mir gesagt hat, dass solche Gedanken oft aus einem Impuls heraus in die Tat umgesetzt werden... Der Facharzt reagierte ziemlich cool und meinte, dass er da eigentlich keine Bedenken habe. Da würde es vorher schon Auffälligkeiten und impulsive Handlungen geben, was bei mir ja nicht der Fall sei. Es gäbe halt einfach Menschen, denen solche Gedanken seit jeher vertraut seien und andere, für die Überlegungen in diese Richtung komplett fremd sind. Ich gehöre zur ersten Kategorie und ich habe herausgefunden, dass zwei meiner drei engsten Freundinnen ebenfalls in diese Kategorie fallen. However... das Thema ist für mich abgehakt und es ist auch nicht so, dass ich jedesmal daran denke, wenn ich über den Viadukt fahre.


Ich habe ihn dann noch auf meine anderen "Baustellen" angesprochen (Ehekrise, Trauer um den Verlust des Vaters, Jobfrust, depressive Episoden etc.) und gefragt, ob es vielleicht angebracht wäre, eine Gesprächstherapie ins Auge zu fassen, bevor mein Leben endgültig aus den Fugen gerät. Er fand, dass dies sicher keine schlechte Idee sei und hat mich nun an einen Psychologen verwiesen, der mit mir Kontakt aufnehmen wird, sobald er freie Kapazität hat. Bin sehr gespannt.

Als ich die Praxis verliess und auf meinem Handy die Zeit ablesen wollte, entdeckte ich auf dem Display ein WhatsApp von ihm!


Mr. Charming: „Hallo, ich bin in xxx und schaue gerade über den See und schicke Dir liebe Grüsse.“

Rosalie: „Merci! Ich bin gerade in der grossen Stadt und hole mein Auto aus dem Parking. Um 15.00 Uhr habe ich einen Zahnarzttermin in xxx!! Wie lange bist Du noch dort?

Mr. Charming: „Ich muss um 15.10 Uhr losfahren! …(smalltalk)… Fahr vorsichtig! Bis bald!“

Rosalie: „Ich werde um 15.00 Uhr am grossen Parkplatz in xxx vorbeifahren und Dir zuzwinkern… ;-)"


Und um 15.03 Uhr bin ich in xxx angekommen, habe die Scheibe runtergelassen und bin im Schritttempo am grossen Parkplatz vorbeigefahren. Und da stand er in seinem weissen Hemd und der dunklen Hose und schenkte mir sein umwerfendes Lächeln....


So ähnlich sieht er aus! Kein Witz!!
Verdammt! Wieso muss der Kerl so unverschämt gut aussehen und mich so anstrahlen? Ich hab mir doch vorgenommen, ihn zu vergessen! Habe meine "Erwartungen" was ihn angeht auf 0 (in Worten: Null!) heruntergefahren. Er war mir schon fast gleichgültig!

Und eine Begegnung im Sekundenbereich genügt, und schon werde ich wieder schwach und werfe meine guten Vorsätze über Bord!  


Was ist das bloss zwischen uns?
Ich werde nicht schlau aus diesem Mann! Wir haben nämlich ein Kommunikationsproblem. Zwar funktioniert die verbale Kommunikation face to face sehr gut, weil wir uns dabei in die Augen sehen können. Da ist eine grosse gegenseitige Sympathie und eine starke gegenseitige physische Anziehung, die sich nicht leugnen lässt. Aber mit der schriftlichen Kommunikation hapert’s und zwar gewaltig. Er hätte mir ja etwas früher schreiben können, dass er an diesem Tag in xxx sein wird. Dann hätte ich nicht kurzfristig eingewilligt, den Termin beim Psychiater von 13.00 Uhr auf 14.00 Uhr zu verschieben und wir hätten in xxx um 14.15 Uhr noch zusammen einen Kaffee trinken können… Das letzte Treffen mit ihm ist nämlich schon wieder zwei Monate her!

Immerhin habe ich ihn bei unserem letzten Treffen davon überzeugt, sein Smartphone nicht nur für Telefongespräche und SMS zu benutzen, sondern auch die eine oder andere App runterzuladen, allen voran WhatsApp, damit wir kostenlos kommunizieren können. Und tatsächlich hat er mir diesen Gefallen getan und so meldet er sich nun hin und wieder via WhatsApp, wenn er nicht gerade im Ausland unterwegs ist. Aber ein fleissiger Schreiber ist er wirklich nicht und im schriftlichen Austausch sprechen wir irgendwie nicht die selbe Sprache... Aber wir arbeiten dran. Ich werde die Flinte noch nicht ins Korn werfen und meinen platonischen Freund eines Besseren belehren. Er nennt ihn nämlich den "kommunikationsgestörten" xxx!

Wie auch immer. Jedenfalls habe ich mich über das spontane Wiedersehen gefreut und in wenigen Wochen werden wir uns wieder treffen und ziemlich viel Zeit miteinander verbringen... Doch davon ein andermal.


Um 15.08 Uhr sass ich dann auf dem Zahnarztstuhl. Als ich die Zahnarztpraxis eine Stunde später mit der ersten Keramikkrone meines Lebens verliess, leuchtete erneut eine Message auf dem Handydisplay. Ob ich Zeit und Lust auf einen Telefonanruf hätte!


Nein, es war nicht Mr. Charming. Mit ihm habe ich nur einmal telefoniert. Das ist schon bald zwei Jahre her und es war ein Fiasko...




Die Nachricht kam von einem Mann, den ich im „echten“ Leben noch nie getroffen habe! Er nennt mich "Cutie" oder "Cara dolce" und schmeichelt mir mit netten italienischen Ausdrücken. Meinen Blog kennt er übrigens nicht. Es darf also spekuliert werden... ;-) Nein, ich werde hier nicht verraten, wie ich ihn kennengelernt habe. Wir tauschen schon seit Monaten in losen Abständen Mails und SMS aus und hin und wieder telefonieren wir zusammen.
Es war unser viertes Telefongespräch. Es dauerte länger als eine Stunde und wenn ich die Kinder nicht vom Tennis hätte abholen müssen, hätten wir wohl noch lange geredet.

Er hat vor ein paar Jahren seinen Vater ebenso plötzlich verloren wie ich. Wir sprachen über die Trauer, über Persönlichkeitsentwicklung, über die Ehe und über Gott und die Welt. Es ist schon erstaunlich, wie vertraut man mit einem Menschen sprechen kann, den man noch gar nie real getroffen hat. Irgendwie hat es sich noch nicht ergeben, obwohl er nur 50 km entfernt wohnt und das ist vielleicht das Besondere an dieser (virtuellen) Freundschaft.
Und zwischen diesen Treffen und Gesprächen tauschte ich mit meinem platonischen Freund Kurznachrichten aus, so wie wir das jeden Tag zu tun pflegen.
Ach ja und dann habe ich in meiner Mailbox noch ein langes, sehr ehrliches Mail gefunden. Von einem Mann, den ich über meinen Blog kennengelernt habe. Wir haben uns kürzlich zum ersten Mal getroffen und es war eine sehr spezielle Begegnung.

Den Abend beschloss ich mit einem kurzen Skype-Gespräch mit meiner Freundin N. über die Landesgrenzen hinweg.

Ja, es war ein Tag mit viel K.! Kontakte und Kommunikation! Ganz nach meinem Geschmack.

Und am Mittwoch ging es im selben Stil weiter. Am Mittag traf ich mich zum Lunch mit meiner Freundin M. Es war wie immer ein sehr wertvoller Gedankenaustausch.  Nach dem Gespräch hatte ich den Eindruck, dass ich wieder eine Seemeile vorangekommen bin! Die Gespräche mit M. sind immer sehr bereichernd und wir können uns gegenseitig wertvolle Denkanstösse liefern.




Am Nachmittag dann ein interessanter SMS-Austausch mit meinem platonischen Freund. Manchmal nenne ich ihn in einem Anflug von Zärtlichkeit "mein Gschpusi"...

Nach der Arbeit traf ich mich schliesslich zum ersten Mal mit einer Frau, die durch einen gemeinsamen Freund auf mich und meinen Blog aufmerksam geworden ist. Sie hat mir geschrieben und es hat sich herausgestellt, dass sie in einer sehr ähnlichen Lebenssituation steckt und dass unsere Lebensläufe erstaunliche Parallelen aufweisen! Sie ist schon einen grossen Schritt weiter als ich. Das war eine sehr interessante und sympathische Begegnung und ich bin zuversichtlich, dass wir uns bald wieder treffen werden.


Seit ich diesen Blog betreibe, ist mein Leben viel interessanter geworden! Das WWW eröffnet uns heute ganz neue Möglichkeiten, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Das Spezielle an diesen Kontakten ist, dass ich sie vor meiner Familie geheim halten muss. Nur meine engsten Freundinnen wissen Bescheid. Ich führe also gewissermassen ein Doppelleben und das ist manchmal stressig (weil zeitintensiv) aber in erster Linie spannend und eine Bereicherung meines Alltags!

Und das dritte "K"? K. wie Kreativität? Naja... Letztere benötige ich, um mein Doppelleben und den normalen Alltag irgendwie unter einen Hut zu kriegen! ;-)