Dienstag, 26. Juni 2012

Stippvisite im Brockenhaus



Brockenstuben ziehen mich magisch an. Und meistens lande ich dann in der Bücherabteilung. Ich stöbere durch die Titel und stelle mir vor, wem die Bücher wohl gehört haben mögen und weshalb sie nun im Brockenhaus gelandet sind. Ich persönlich tue mich sehr schwer damit, Bücher wegzugeben. Ich kaufe lieber ein neues Regal  und so lange noch Platz vorhanden ist, trenne ich mich ungern von meinen Büchern.

Sie widerspiegeln auch gewisse Lebensphasen. Ich besitze mehr Sachbücher und Ratgeber als Belletristik und Romane. Als Kind bin ich regelmässig mit meiner Mutter in die Volksbibliothek gefahren und jedesmal mit mindestens zehn Büchern nach Hause gekommen.


Mit neun Jahren begann ich mich für die alten Aegypter zu interessieren. Damals gab es (im Gegensatz zu heute!) noch nicht so viele Bildbände und Sachbücher zum Thema und ich las die "Erwachsenenbücher". Ich war fasziniert von Echnaton und natürlich von den Mumien... Später hatte ich eine Phase, in der ich mich intensiv für Parapsychologie interessiert habe. Ich verschlang Bücher über Spukphänomene, Telepathie und Astralreisen und konnte  Nachts manchmal schlecht schlafen... Und ich las Detektivgeschichten. Es gab da so eine dänische Serie um den Schülerdetektiv Jan.

Jugenderinnerungen...
Und natürlich die drei Fragezeichen. Ich war ein Riesenfan von Alfred Hitchcock und war untröstlich, als er 1980 gestorben ist. Ich hatte ein Bild von ihm an die Wand gepinnt. Ich wollte ihm nämlich schreiben und ihn fragen, ob es die drei Detektive wirklich gibt und wo genau in Rocky Beach sie leben und zudem hätte ich gerne eine Autogrammkarte von Hitchcock gehabt.


Damals glaubte ich noch daran, dass er tatsächlich etwas mit der Bücherserie um die drei Detektive (???) zu tun gehabt hat.
Heute weiss ich es besser. Es kommen laufend neue Bücher von den drei ??? heraus und mein Sohn verschlingt die Geschichten eine um die andere. Leider nicht in Buchform. Er mag's lieber akustisch. Interessanterweise hat er meine Leidenschaft für die alten Aegypter geerbt.


Natürlich habe ich auch Mädchenbücher gelesen. Diese Internatsgeschichten um Hanni und Nanni. Und die Jugendromane von Federica de Cesco habe ich geliebt.


Als junge Frau kam eine Phase, in der ich mich mich dem Sinn des Lebens beschäftigt habe. Dale Carnegie (Sorge Dich nicht - Lebe!) und Konsorten fanden den Weg in mein Regal. Und Bücher über Angststörungen. Später dann begann ich Gartenbücher und Gartenliteratur  zu kaufen. Als die Kinder kamen, folgten Bücher über Schwangerschaft, pränatale Diagnostik, über die Entwicklung von Kleinkindern, über das Stillen, Erziehungsratgeber, Kindermedizin etc. Von den Babypflege- und Stillbüchern habe ich mich wieder getrennt. Das Thema hat sich erledigt. ;-)


Und in den letzten Jahren habe ich mich auch intensiv mit Homöopathie befasst und einige Standardwerke angeschafft.


Und dann gibt es natürlich die Bücher von meiner Lieblingsschriftstellerin Benoîte Groult und viele Frauenbücher. Darunter auch leichte Kost à la "Bridget Jones"... 


Und der Stapel der ungelesenen Bücher wird immer grösser. Ich schätze ihre Zahl auf 20. Mindestens. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich in diesem Leben noch die Zeit finden werde, diese Bücher auch tatsächlich alle zu lesen. Irgendwann. Nun ja, manche eignen sich ja auch ganz gut zum  "querlesen" oder man kann nach Lust und Laune einzelne Kapitel rauspicken...


Jetzt bin ich doch ziemlich vom Titelthema abgeschweift. Eigentlich wollte ich doch nur ein kurzes Post über meine kürzliche Stippvisite im lokalen "Hiob" schreiben und ein Foto mit den gekauften Büchern posten. Sechs Bücher für zwölf Franken. Und teilweise sind sie wie neu! Bestimmt nicht meine letzte Visite in besagter Brockenstube. Ich habe noch so vieles gesehen, was mich interessiert hätte... ;-)



Trouvaillen aus dem Brockenhaus!



Dienstag, 19. Juni 2012

Freitagsgedanken... (reloaded)

...die ich am Donnerstag zu formulieren begonnen habe und die jetzt erst heute Samstag zum Aufschalten parat sind. Und am Sonntag schon wieder abgeändert worden sind...

Irgendwie fand ich mein Post plötzlich zu wirr und ich habe den Absatz über "meine" Männer rausgekippt. Ich sollte vielleicht einmal ein paar klärende Worte darüber schreiben, weil ich befürchte, dass meine geschätzte Leserschaft etwas den Faden verloren hat... Oder vielleicht sollte ich einen geheimen Zweitblog für registrierte LeserInnen eröffnen, um etwas detaillierter darüber schreiben zu können? Ich denke noch darüber nach.

 

However. Ich blicke zurück auf zwei intensive Wochen. Ich habe viel erlebt und lebe gerade ein wenig auf der Überholspur und muss Acht geben, dass mich die vielen Eindrücke und Erlebnisse nicht überfordern. Ich habe "verrückte" Dinge getan, neue Erkenntnisse über mich gewonnen und neue Erfahrungen gesammelt. Habe gelacht, geweint, genossen, mich geärgert, mitgelitten, Herzklopfen gehabt... 


Und ich bin ein Jahr älter geworden. Es war ein spezieller Geburtstag. Der Erste ohne meinen Vater. Ein seltsames Gefühl. Manchmal wird mir der Verlust ganz plötzlich schmerzlich bewusst und manchmal habe ich das Gefühl, als ob er ganz weit weg wäre. Einfach entschwunden in den Weiten des Universums. Wie ist es möglich, dass ein Mensch, der fast 43 Jahre lang in meinem Leben präsent war, plötzlich einfach so  "entschwindet"? Auch gedanklich! Ich habe kein Bedürfnis danach, auf den Friedhof zu gehen. Dort, wo seine Asche begraben ist, fühlt es sich fremd an. Aber vielleicht verdränge ich immer noch? Wieso habe ich es noch nicht fertig gebracht, seine Handynummer von meinem iPhone zu löschen? Manchmal erschreckt es mich, wie das Leben einfach so weiter geht, obwohl jemand fehlt, der so selbstverständlich zum Leben gehört hat. Es geht einfach weiter... Nicht gerade so, als ob nichts passiert wäre, aber irgendwie doch erschreckend normal. Ich habe kein Foto von meinem Vater aufgestellt. Auch keins von meinen Grosseltern mütterlicherseits, die mir sehr viel bedeutet haben. Mein Grossvater ist erst vor drei Jahren gestorben. Manche Menschen haben das Bedürfnis, gleich nach dem Tod ein Foto von der verstorbenen Person aufzustellen und eine Kerze anzuzünden. Bei uns tut das niemand. Es gibt keinen Altar. Keine Gedenkstätte. Und wenn ich die Verknüpfung seines Portraits auf meinem Desktop anklicke, kommen mir  gleich die Tränen. Ja, es ist wohl so: Ich verdränge und ich möchte nicht jeden Tag ständig daran erinnert werden.  


Mein Sohn verarbeitet den Verlust auf seine Weise. Er hat in seiner virtuellen Minecraft-Welt ein Grabmal gebaut. Als er es mir gezeigt hat und ich den Namen meines Vaters auf dem Monument gelesen habe, verlor ich kurz die Fassung. Wir haben zusammen geweint und er hat mich getröstet! Sollte es nicht umgekehrt sein? Auch die Tochter zeigt sich erstaunlich abgeklärt und mitfühlend mit der Mutter. Verkehrte Welt.



Und da sind da noch die beiden Männer, die ich weder aus dem Kopf noch aus dem Herz kriege und die mich emotional auf Trab halten. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Darüber werde ich einmal in einem separaten Post berichten...



Und ich hatte meinen ersten Termin mit meinem "Bauleiter"! Der Mann, der mir helfen soll, Herrin über meine vielen Baustellen zu werden und etwas Ordnung in mein Leben zu bringen. Der erste Termin verlief vielversprechend. Er will es mit mir "probieren". Und er ist sehr sympathisch. Ein Mann in meinem Alter, geschieden.

Ich habe mich immer gefragt, ob es nicht "gefährlich" ist, wenn man als Frau einen männlichen Psychotherapeuten hat (oder umgekehrt), weil man sich in der Therapie doch so nahe kommt, dass die Gefahr besteht, dass man sich ineinander verlieben könnte? Ich denke, diese Frage hat durchaus ihre Berechtigung! Er hat mir Hausaufgaben aufgegeben und wir werden uns Anfang Juli wieder sehen. Mehr dazu später!


Und last but not least habe ich meine Liebsten gewohnt kurzfristig zum Geburtstagsapéro ins Rosenpavillon eingeladen.  Meine engsten Freundinnen mit Anhang, meine Mutter, meine Schwester und die  Schwiegereltern. Letztere konnten nicht teilnehmen und ich muss gestehen, dass ich darüber nicht traurig war. Nicht wegen ihr - wir verstehen uns sehr gut... 

Ich habe interessante Geschenke gekriegt und mir selbst hatte ich schon im Vorfeld welche gemacht... Von Mam habe ich mir das Hörbuch von Bärbel Wardetzki gewünscht. Sie hat sich ziemlich schwer getan damit. Hat im Vorfeld mehrmals nachgefragt, sich vor dem Kauf nochmals telefonisch bei mir erkundigt, ob ich das wirklich wolle... und es dann schliesslich ein wenig widerstrebend gekauft.


Meine Schwester schenkte mir die Bodylotion zu meinem aktuellen Lieblingsparfum. Von Schwiegermama kriegte ich einen Blumenstrauss und ein "Insektenhotel", das ich selbst ausgesucht habe. Und Rosalie hat sich ein Collier aus Aquamarin, Bergkristall und dunklen Perlen geleistet. Und einen neuen Fotoapparat. Eine Reisezoom-Kamera von Sony, die ich auf meiner Gartenreise eingeweiht habe. Ach ja, und von meinem besten Freund habe ich eine Fahrkarte gekriegt! Für einen gemeinsamen Tagesausflug! :-) 


Und der geneigte Leser wird auf dem Bild noch das entzückende Designteil mit dem Äpfelchen entdecken. Mein neues Macbook Air. Mein erster Mac überhaupt! So tiny, dass er in meine Handtasche passt.

Es ist ein Geschenk von meinem Mann. Wobei das Wort "Geschenk" den Kern der Sache nicht ganz trifft...  Eigentlich habe ich es ihm abgenötigt.  Ja, ich muss gestehen, dass ich die unzufriedene Ehefrau gegeben habe und ihm vorgehalten habe, dass ich es nicht ok finde, wenn er sich ein (total überflüssiges) Cabrio als Zweitwagen zulegt und seine Frau sich nicht einmal ein kleines 11" Macbook Air leisten kann. (1 Cabrio = ca. 35 MacBooks...). Er meinte dann schliesslich zähneknirschend und mit Todesverachtung: "Also gut, dann bestell halt eins! Wenn's denn unbedingt sein muss... Aber ich finde das wirklich übertrieben! Du hast ja erst vor 14 Monaten das grosse Sony-Notebook gekriegt!Grummel...!

(Replik Rosalie: "Stimmt! Aber das ist gleichzeitig der Familiencomputer! Die Kinder spielen Minecraft darauf..." Ich habe mich in das kleine MacBook verliebt und ich möchte es einfach haben, weil es mir extrem gut gefällt und einfach weil es mir Freude macht - auch wenn es nicht unbedingt "nötig" ist...)


Und dann meinte er, dass dieses grosszügige Geschenk es dann aber für eine Weile "tue"... Was er damit sagen wollte: das Geschenk zählt für Weihnachten 2012, Ostern 2013, Muttertag 2013-15 und für den nächsten und übernächsten Geburtstag  -  mindestens!

Was soll's. Ich mache das sonst nie. Bin zu stolz, um die Rolle der nörgelnden Ehefrau zu spielen. Aber manchmal heiligt der Zweck die Mittel. Nun kann ich endlich auch unterwegs mal bloggen oder heimlich zu Hause im Schlafzimmer Blogs lesen und chatten, während mein Mann einen Stock tiefer vor dem Fernseher sitzt und Fussball schaut!

Montag, 18. Juni 2012

Monday

Mal wieder Montag.  Der Tag hat damit begonnen, dass Töchterchen mit dem linken Bein aufgestanden ist. Sie ist den ganzen Sonntag mit anderen Kindern im Garten herumgetollt und ist  schliesslich viel zu spät ins Bett gegangen.  Nach 22.00 Uhr. Mein Fehler. Deshalb hatte die Kleine heute morgen schlechte Laune. Und ausgerechnet heute stand das jährliche "Photo de classe" auf dem Programm. Ich habe ihr ein hübsches Outfit rausgesucht, das sie normalerweise gerne trägt. Ich finde es doof, wenn die Eltern ihre Kinder fürs Klassenfoto extra herausputzen. Natürlich fand sie meinen Kleidervorschlag heute total unpassend und wischte das Outfit mit einem finsteren Gesichtsausdruck vom Sofa. Ich hab sie in ihr Zimmer geschickt und sie aufgefordert, sich selbst etwas aus dem Kleiderschrank zusammenzustellen. Als der grosse Bruder zwanzig Minuten vor Schulbeginn bei ihr reingeschaut hat, war sie noch im Pijama...


Ich habe ihn alleine in die Schule geschickt. Es geht wirklich nicht an, dass er zu spät kommt, weil seine kleine Schwester wieder mal rumzickt. Eine Viertelstunde später hatte sie dann das neue Kleid angezogen, das sie vom Patenonkel zum Geburtstag gekriegt hat, und passende violette Leggins. Ich habe ihr das Rapunzelblondhaar zu einem Zopf geflochten, den Schulranzen gepackt und sie mit dem Auto in die Schule gefahren. Wir waren vier Minuten zu spät aber die Klassenkameraden waren noch auf dem Schulhof. Glück gehabt - kein "Coche" (Kreuz) auf der Liste der Verfehlungen heute. Letzte Woche hatte sie am Donnerstag Morgen das Turnzeug vergessen und durfte nicht mitturnen, weil sie keine Turnschuhe dabei hatte. Die Lehrerin ist da ganz streng. Das gab natürlich einen Verweis. Himmelhergottnochmal - ich hab den Kopf so voll, dass ich einfach auch nicht immer an alles denken kann...


Mamas Wunschoutfit war  heute nicht genehm!




Und als ich dieses Post am Schreiben war, klingelte mein Handy! Die Fusspflegerin! Shit! Wieder einmal habe ich den Pedicure-Termin verschlampt... Aber die nette Frau hat mich zum Glück gleich angerufen! Ich habe mich ins Auto gesetzt und bin hingefahren. Ungeschminkt und 20 Minuten zu spät. Und mit der falschen Handtasche. Das Portemonnaie ist zu Hause geblieben...


Der Besuch hat sich sehr gelohnt. Nicht nur deswegen, weil meine Füsse jetzt wieder sandalentauglich sind und der dunkelrote Nagellack in neuer Frische glänzt. Ich hab mich darauf gefreut, die Fusspflegerin zu sehen. Eine sehr sympathische Frau in meinem Alter. Als ich das letzte Mal bei ihr war, haben wir über den Tod meines Vaters gesprochen. Das war noch vor seiner Beerdigung. Heute erzählte ich ihr ein wenig von meinen "Baustellen" und sie begann mir aus ihrem Leben zu erzählen. Fünf Jahre habe sie gebraucht, um sich nach 20 Jahren Partnerschaft von ihrem Ehemann zu trennen. Auch sie hatte einen "Magic Moment", der das Ende eines Lebensabschnitts auslöste. Sie hat keine Kinder. Aber Hunde und Katzen. Und es ist ihr nicht leicht gefallen, den Ehemann und die 11-Zimmer-Villa mit Swimmingpool und Seeblick zu verlassen...


Wir haben uns darüber unterhalten, dass materielle Dinge einfach nicht dazu geeignet sind, langfristig die innere Leere auszufüllen. Und ich erzählte ihr, dass seit kurzem ein Cabrio in unserer Garage steht und dass mir das sowas von am A....llerwertesten vorbeigeht und ich noch nicht mal Lust hätte, damit alleine auszufahren. Und sie sagte: "Ja, das kenn ich! Mein Mann hat sich auch eins gekauft und ich bin ein einziges Mal mit diesem Scheisscabrio gefahren..." und wir haben so gelacht. Das war irgendwie total witzig. Und wir haben uns darüber unterhalten, dass es sicher jede Menge Frauen gibt, die sich die Finger lecken nach einem netten Mann mit Cabrio, Villa und Segeljacht. Und dass wir zwei beiden für uns herausgefunden haben, dass diese Dinge uns nicht glücklich machen, wenn das Wesentliche fehlt...


Und wir haben davon gesprochen, wie sich Männer verändern, wenn sie eine neue Frau finden und das tun sie in der Regel in Rekordzeit... Sie erzählte mir, dass sie mit Pferden aufgewachsen sei und ihr Mann damit nichts anfangen konnte. Sie hätte immer alleine an Pferdeconcours gehen müssen. Als sie ihn verlassen hatte, begann er Reitstunden zu nehmen.... Das kam mir bekannt vor! Eine Freundin von mir liebte das Tauchen und Segeln. Sie hat beides wegen ihrem Mann aufgegeben, weil das so gar nicht sein Ding war. Als sie ihn verlassen hatte, reiste er als Erstes nach Thailand und machte das Tauchbrevet! Sie hat kurz in Erwägung gezogen, ihn zu erwürgen...


Und ich sag Euch was: Wenn ich meinen Mann verlassen sollte und er meiner Nachfolgerin erlaubt, trotz seiner Allergie eine Katze zu halten, dann garantiere ich für gar nichts!! 



Mein neuer Lebenspartner... (falls ich mich trenne)






Montag, 11. Juni 2012

Wow!

Er hat es auf den Punkt gebracht, als er sagte:  "Wow"! Zu welchem Zeitpunkt und weshalb er das gesagt hat, bleibt mein Geheimnis! ;-)

Die Reise, unsere Begegnungen, einfach alles, was ich in den letzten sechs Tagen erlebt habe, fällt in diese Kategorie! Wow! Danke Universum! Es war zauberhaft und der Zauber wirkt noch immer nach.

Zwei Jahre sind vergangen seit unserem "Magic Moment". Heute habe ich ein etwas differenzierteres Bild von ihm, weil ich mehr über ihn weiss. Wir hatten Zeit für Gespräche. Ich ahne jetzt, was es ist, das uns beide ausser der physischen Anziehungskraft sonst noch verbindet.

Ob es ein Wiedersehen gibt und wann, steht in den Sternen...  Es wird sehr schwierig werden, ein gemeinsames Zeitfenster zu finden. Aber vielleicht macht dies gerade einen Teil des Zaubers aus? Dass wir uns nicht so oft sehen können, wie wir möchten? Und es dann umso mehr geniessen, wenn wir ein paar Stunden nur für uns haben? Wir wissen beide nicht, wie wir es einordnen  sollen. Aber gewisse Dinge soll oder darf man wohl einfach geniessen und es macht keinen Sinn, sich zu viele Gedanken darüber zu machen, was es bedeutet, in welche "Schublade" es reinpasst und wohin es führen soll.

Er hat mir ein Stück Lebensfreude zurückgegeben, ohne dass ich mich deswegen von ihm abhängig fühle. Er hat seinen Platz in meinem Herzen. Und ich in seinem. Er sagt, dass ich die Einzige bin, die sein Leben "durcheinanderbringt"...

Für mich gilt dies nicht ganz. Ich habe realisiert, dass es in meinem Herzen Platz für mehr als nur einen Mann gibt. Es fühlt sich an, als ob Mr. Charming es erneut geschafft hätte, mein Herz zu öffnen für die Liebe. Und mein Herz ist zu gross, um nur einen Mann zu lieben...

Vielleicht habe ich einfach auch nur Glück, dass es in meinem Leben mehrere liebenswerte Männer gibt! Vielleicht ist alles auch nur eine Frage der "Auswahl"? Und ob die Bereitschaft vorhanden ist, sich auf andere Menschen einzulassen? Sich zu öffnen und Nähe zuzulassen? Ohne dass man sich für eine Person "entscheiden" muss? Eine interessante Erfahrung!

Einfach mal das Leben geniessen...







Freitag, 8. Juni 2012

Auf Reisen...

Der Grund für meine vorübergehende Funkstille ist ein Erfreulicher!

Rosalie ist auf Reisen! :-)

Und wenn ich jemals wieder voreilige Schlüsse ziehen sollte und Dinge interpretiere, ohne die genauen Hintergründe zu kennen, dürft Ihr mir im Kommentarfeld ordentlich die Meinung sagen!!!

Der Zauber ist wieder da! Mehr denn je! Ich kriege das Lächeln gar nicht mehr aus meinem Gesicht! :-))





Montag, 4. Juni 2012

Castorpsche Denkanstösse

Lieber Castorp
Heute ist ein besonderer Tag für mich. Nein, nicht mein Geburtstag. Auch nicht mein Hochzeitstag... Einfach ein spezieller Jahrestag. Und so habe ich mich gefreut, dass Du mir an diesem 4. Juni ein Mail geschickt hast.

Du schreibst mir, dass Du mit Dir gerungen hast, ob  Du Deinen Kommentar veröffentlichen sollst oder nicht und hast ihn mir schliesslich per Mail zukommen lassen. Es berührt mich, dass Du Dir so viele Gedanken zu meiner Situation machst und Deine knappe freie Zeit dazu verwendest, Deine Gedanken in Worte zu fassen und mir Denkanstösse zu liefern. Dein Kommentar ist zwar schonungslos ehrlich, aber konstruktiv.

Ich möchte ihn gerne erwidern und werde ihn deshalb hier als Post veröffentlichen:
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Mein FotoLiebe Rosalie


Auch ich möchte hier ein paar kritische Töne anschlagen, in der Hoffnung, dass sie dir gelegen kommen nicht vernichtend wirken, denn so sind sie nicht gemeint.


Darf ich rekonstruieren? Dein Mann hat sich mit viel Fleiss und Tüchtigkeit und wohl auch einigem Talent hochgearbeitet, ist zum Workaholic geworden und du hast dich dann gewundert, dass du alleine für die Kinder zuständig bist? Hallo? In welcher Welt hast du gelebt, bevor ihr euch für Kinder entschieden habt? Und in welcher Welt lebst du heute?


Du sprichst von "ähnlichen" Wertvorstellungen, die du und dein Mann teilen. Das ist für die Partnerschaft sicherlich etwas enorm Wichtiges. Von dem, was du schreibst, schliesse ich, dass es sich dabei um bürgerliche Wertvorstellungen geht. Will sagen: Fleiss und Tüchtigkeit sind wichtig und werden belohnt (hat in seinem Fall ja auch hingehauen). Leute, die weniger haben, sind ergo weniger fleissig und tüchtig - haben halt andere Werte. Leben und leben lassen. Männerrolle und Frauenrolle sind klar definiert: Ernährer und Hausmutter. Die Ehefrau, die dem Mann den Rücken freihält und ihm am Abend, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, ein warmes Nest und ein ebensolches Abendessen bereithält. Ihr Tag ist der Muttertag (der heilige Gral des bürgerlichen Frauenbildes), an welchem mit viel Kitsch abgefeiert wird, was an den übrigen 364 Tagen im Jahr als selbstverständlich übersehen wird.


Ich weiss, das klingt jetzt etwas sehr mokant, weil ich mich schon früh in meinem Leben von den meisten dieser bürgerlichen Werte entfernt, mich in den letzten Jahren aber einigen guten davon wieder angenähert habe. Dennoch: Ich halte auch heute materiellen Wohnstand nicht für das A und O eines glücklichen Lebens. Man sollte gut leben und sich ab und zu etwas leisten können, aber mehr braucht es auf der materiellen Seite meiner Meinung nach nicht.


Was es aber braucht: Einen Beruf, den man selber als herausfordernd und sinnvoll erlebt. Wertschätzung in diesem Beruf, der sich auch, aber nicht nur im Lohn niederschlägt. Und dann... dann noch etwas, was eben nicht in Zahlen messbar ist. Bei mir ist dieses Etwas versteckt in der Literatur. Oder in der Musik. Bisweilen auch, in einer anderen Form, im Fussball. Oder in einem bestechenden Gedanken, einer schlüssigen Argumentation, die bisherige Überzeugungen von mir in Frage stellt und mich einen Schritt weiterbringt. Oder im Geniessen unserer (oder anderer) Berge bei einer Wanderung.


Kurzum: Im Glück, mich selber zu sein, dem nachzugehen, auf das ich Lust habe, sofern mir die Zeit dafür bleibt, was im Moment leider viel zu wenig der Fall ist. Und mich nicht darum zu kümmern, was von mir erwartet wird als Privatperson (als Berufsperson darf man durchaus Erwartungen an mich haben). Nicht nach aussen scheinen zu wollen, mich nicht darum zu kümmern, was wohl dieser oder jene von mir denken könnten.


Ach ja: Und Wertvorstellungen zu haben, die sich mit meinen Vorstellungen eines glücklichen Lebens auch decken. Damit meine ich keinen narzisso-egoistischen Hedonismus, der anti-bürgerlichen Werten gerne nachgesagt und von Nicht-Bürgerlichen manchmal auch gerne so abgefeiert werden, sondern Grundsätze, die mein Glück fördern, ohne dasjenige meiner Mitmenschen aus den Augen zu verlieren.


Nun wirst du dich fragen, wo dabei die Liebe bleibt. Ich weiss es auch nicht. Oft kommt sie, aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Dein Mann und du - ihr habe euch auf dem Weg getrennt, seid verschiedene Wege gegangen, vermeintlich mit dem gleichen Ziel. Aber du gehst und gehst, und siehst ihn nicht mehr und weisst nicht, wo er ist. Und ihm geht es ähnlich. Eine Paartherapie erscheint mir als die fairste und würdigste Weise, mit dieser Situation umzugehen. Da sind viele (verletzte) Gefühle, Missverständnisse, Illusionen, Hoffnungen und falsche Erwartungen - auf beiden Seiten.


Falls es dann doch auf eine Trennung und Scheidung hinausläuft, dann heisst das nicht, dass ihr gescheitert seid. Ihr habt zwei Kinder zusammen. Für sie seid ihr weiterhin Mutter und Vater. Für sie seid ihr gemeinsam zuständig. Vielleicht gibt es noch andere Bereiche, in denen ihr verbunden bleiben könnt. Wichtig scheint mir, dass ihr euch beide in Würde und gegenseitigem Respekt voneinander verabschieden könnt.


Aber vielleicht begegnet ihr euch ja plötzlich wieder auf eurem Weg, beugt euch gemeinsam über die Karte, findet heraus, wo ihr seid, definiert ein Ziel und legt den gemeinsamen Weg fest, der euch - knock on wood - etwas näher an dieses Ziel bringt.


Herzlichst Castorp
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Meine Antwort muss noch etwas reifen... ;-)

Eh voilà: 5.6.2012 / 00.35 h


Lieber Castorp
 
Du wirfst die Frage auf, weshalb ich mich gewundert habe, dass ich alleine für die Kinder verantwortlich war: 
 
In welcher Welt hast du gelebt, bevor ihr euch für Kinder entschieden habt? Und in welcher Welt lebst du heute?
 
Also... die Rollenverteilung, die man in seinem Elternhaus mitkriegt, ist vermutlich prägend für das ganze Leben. Bei mir war das so:
 
Eine Mutter, die eine kaufmännische Grundausbildung mit überdurchschnittlich guten Noten abgeschlossen hat, ihren Job nach der ersten negativen Erfahrung an den Nagel gehängt und sich in die Ehe "geflüchtet" hat. Als sie meinen Vater heiratete, war dies quasi ihre "Rettung" und die Heirat  war die notwendige "Legitimation", sich aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen. Sie kümmerte sich fortan um Wohnung, Hund und Ehemann, lange bevor sie schwanger wurde. Ihr Lebensglück hat sie mit diesem Modell jedoch nicht gefunden. Sie haderte eine Weile, brachte jedoch nie den Mut auf, wieder ins Erwerbsleben einzusteigen. Im Haushalt blieb ihr die Anerkennung verwehrt, weil sie eine (um es mal nett auszudrücken) kreative Chaotin ist. Das Essen ist seit 45 Jahren regelmässig verkocht, die Tischdeko jedoch immer eine Augenweide...  Ein hoffnungsloser Fall. Mama wird es nie hinkriegen, die Spaghetti al dente zu kochen, weil es sie nicht wirklich interessiert. Sie ist so ziemlich das Gegenteil von meiner Schwiegermutter. Während meine Mam nachdenkt, wie sie ein "Problem" am besten anpacken soll, hat es die Schwiegermama schon erledigt.
 
Ich habe die Ambivalenz meiner Mutter als Kind gespürt und kann mich daran erinnern, dass ich mir schon als ganz kleines Mädchen auf dem Schulweg Gedanken darüber machte. Ich betrachtete die Jugendlichen mit ihren Mofas und überlegte mir, dass man in diesem Alter wohl schon langsam damit beginnen muss, einen passenden Partner zu finden, weil man doch mit Anfang zwanzig heiraten MUSS und eine Familie gründen MUSS... und dieser Gedanke erfüllte mich mit Panik! Ich kann mich noch so genau an diesen Moment und an das beklemmende Gefühl erinnern. Ich war sieben
Jahre alt!
 
Mein Ehemann hat eine andere Rollenverteilung mitgekriegt. Ein Vater, der innerhalb der Familie sagt, wo es lang geht, gegen aussen jedoch ein "Duckmäuser" ist. Er hat ohne besonderen Ehrgeiz das gearbeitet, was ihm Freude gemacht hat, obwohl das Einkommen nicht ausreichte, um die Familie durchzubringen. Seine Frau hatte gar keine andere Wahl, als sich eine Arbeit zu suchen. Und sie war tüchtig, arbeitete sich hoch und schöpfte ihr Potential aus. Das Vorbild, das seine Mutter ihm vorlebte, war das einer Frau, die sich für die Familie aufopfert, in wirtschaftlicher Hinsicht sogar das Haupteinkommen bestreitet, "nebenbei" die ganze Hausarbeit alleine macht, ihre eigenen Bedürfnisse zu Gunsten der Familie zurücknimmt und sich vom Ehemann noch herumdirigieren lässt.
 
Mein Mann ist eigentlich gar kein Verfechter der klassischen Rollenverteilung! Er hat von mir immer erwartet, dass ich mich an den Kosten beteilige, wenn wir ins Restaurant oder ins Kino gingen. Es wurde 50/50 geteilt. Er hat auch klar von mir verlangt, dass ich erwerbstätig bin und bleibe und meinen Anteil an unsere Lebenshaltungskosten leiste. Das ist bis heute so. Er hat aber auch Aufgaben im Haushalt übernommen, gekocht, gewaschen und Hemden gebügelt. Jedenfalls bevor die Kinder kamen und er zum Workaholic geworden ist.
 
Das führt mich zu Deinem nächsten Statement:
 
Männerrolle und Frauenrolle sind klar definiert: Ernährer und Hausmutter. Die Ehefrau, die dem Mann den Rücken freihält und ihm am Abend, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, ein warmes Nest und ein ebensolches Abendessen bereithält.
Eben nicht!! Das ist ja die Crux! Das war eben nicht der Fall und darauf hätte ich mich auch nie eingelassen! Ich bin davon ausgegangen, dass wir uns die Arbeit weiterhin aufteilen, wenn die Kinder einmal auf der Welt sind! Schliesslich habe ich nur vier Monate Mutterschaftsurlaub gemacht und meinen Job anschliessend mit reduziertem Pensum weiter ausgeübt. Es ist und war ein anspruchsvoller Job! Kein Eight to Five Job, den man vergessen kann, wenn man abends die Bürotüre abschliesst, sondern ein Job mit Verantwortung! Ich war jeweils zwei Tage die Woche 10 - 12 Stunden ausser Haus. Und dann bin ich nach Hause gekommen und habe mich um Kinder und Haushalt gekümmert. Und die übrigen fünf Tage auch.
 
Dummerweise geht mir das altruistische Naturell meiner Schwiegermutter ab. Ich bin auch keine begabte Hausfrau. Manche Talente vererben sich...Die "Begabung" fürs
Kochen habe ich von meiner Mutter! Das Talent für Sprachen und fürs Schreiben auch.
 
Aber so war das nicht abgemacht! Ich fühlte mich "betrogen"! Obwohl ich erwerbstätig war, blieb die ganze Kinderbetreuung und der Haushalt voll an mir hängen. Ich hatte noch nicht einmal mehr Zeit für mein Hobby, den Garten. Und er stürzte sich in die Arbeit und die spärliche Freizeit widmete er nicht den Kindern, sondern... - jetzt kommt's - dem Garten! Er hat seine Energie in die architektonische Gestaltung des Gartens gesteckt und Mauern gebaut. Jahrelang.
 
Nein, so hatte ich mir das wirklich nicht vorgestellt. Ich bin davon ausgegangen, dass er sich auch um die Kinder kümmern wird, wenn sie auf der Welt sind. Ich habe nie auf Kinder gedrängt, hätte mir auch ein Leben ohne Kinder vorstellen können. Aber nun waren sie da und ich wollte es perfekt machen. Ich bin jede Nacht mehrfach geweckt worden und aufgestanden und habe meinen Mann schlafen lassen. Jahrelang. Auch wenn ich am nächsten Tag arbeiten musste!
 
Ich habe meine Gesundheits aufs Spiel gesetzt und mir ein Schlafproblem eingehandelt. Und weil ich ein ständiges Schlafdefizit hatte, habe ich zugenommen.
Und damit entfernte ich mich weiter vom Bild der "Idealfrau". Ein Teufelskreis. Wir waren nicht mehr auf Augenhöhe. Er kritisierte an mir herum. Die Ehefrau, die aus der Form geht, die den Haushalt nicht so toll auf die Reihe kriegt wie die eigene Mama, und im Job kommt sie auch nicht weiter... Ich habe mich angepasst und mir "Mühe" gegeben und bin immer unglücklicher geworden.
 
Mein Fehler war wohl, dass ich von falschen Vorstellungen ausgegangen bin. Und dann hat das Leben seinen Lauf genommen... Und ich war zu gutmütig oder nicht mutig genug, meine eigenen Bedürnisse wahrzunehmen und durchzusetzen.
Und in welcher Welt stehen wir heute?
 
In einer schönen, komfortablen Welt mit zwei wunderbaren Kindern... Von aussen sieht alles perfekt aus. Was fehlt ist partnerschaftliche Liebe und emotionale Nähe.
 
Die angepasste Ehefrau ist erwacht und muckt auf. Sie hat erkannt, dass sie lieber alleine lebt, als sich weiter anzupassen und ihre Bedürfnisse zu verleugnen. Sie weiss, dass sie alleine leben kann und gibt es ihrem Mann zu verstehen. Nun sind sie wieder auf Augenhöhe. Das heisst, eigentlich ist sie die Stärkere, weil sie mit dem Gedanken spielt, zu gehen. Er hat Angst davor und will sie zurückhalten. Und nimmt deshalb zähneknirschend in Kauf, dass sie neuerdings Freiheiten beansprucht. Ganz egoistisch ihren Weg geht und sich einmal die Woche einen freien Abend nimmt.
 
Niemand hat schuld daran, dass es so gekommen ist. Ich habe mit der Liebe nur negative Erfahrungen gemacht. Das war schon früher so. Deshalb habe ich mir wohl einen Mann ausgesucht, der mir gar nie so nahe kommen konnte, dass er mich richtig verletzen kann. Letztlich war das - um es einmal in Deinem Lieblingsjargon auszudrücken - ein "Eigentor"!
 
Das "Etwas", das Du in der Literatur, in der Musik und im Fussball findest, habe ich eine Zeitlang im Garten gefunden. Aber irgendwie ist mir die Lust daran abhanden gekommen. Dafür habe ich meine Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt. Und es gibt noch so viele Dinge, die ich nun ausleben und ausprobieren will.
 
The best is yet to come... Ich bin zuversichtlich!
 
Wir werden uns jetzt einen Paarcoach suchen, damit wir das Beste aus unserer Situation machen können.
 
To be continued...
 
Herzlichst,
Rosalie

Der gequälte Mann, Teil 2

Nachfolgend ein paar interessante Textpassagen aus dem 2. Teil des Artikels "Wenn das Mann sein zur Qual wird".
Untertitel: "Sie hat sich plötzlich so verändert!"

Der Klient, der in dem Artikel beschrieben wird, kommt mir sehr bekannt vor... Seine Ehefrau ebenfalls.

Interessant ist vor allem auch die Rolle der Frau! Die vormals "ideale" Ehefrau macht plötzlich einen unerklärlichen Wandel durch! Im Weiteren wird erklärt, weshalb so häufig Narzisstin und Narzisst zusammenfinden. Und wiedermal ein Aha-Erlebnis! Ja, ich erkenne mich/uns wieder...

Und es geht um die leidige Schuldfrage, die es zu vermeiden gilt!


Die Grundlage der narzisstischen Störung ist ein labiles Selbstwertgefühl, das oft sehr gut versteckt ist und über soziale und berufliche Erfolge kompensiert wird. Erst wenn diese Kompensation nicht mehr funktioniert, erst wenn ein scheinbares, gravierendes Ver­sagen, das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit ins Bewusstsein bringt, kommt dieser Klient zu uns.


Typisch sind ein Hang zum Perfektionismus und eine starke Beschäftigung mit dem eigenen Wert, mit Erfolg, Macht, Besitz und idealen Partnern. Gefühle wie Traurigkeit, Sehnsucht und Bedauern sind kaum wahrzunehmen. Lebens­­freude wurde bestenfalls ganz kurz­fristig erlebt.


Ein tiefes, oft bis ins Bewusstsein reichendes Gefühl von Einsamkeit, macht die Furcht vor dem Verlassenwerden (bzw. dem Verlassen­sein) abgrundtief und elementar. Wut und Hassgefühle, Rachewünsche und Kontroll­zwänge sind die Folgen dieser Angst. Die Minderwertigkeits- und Unterlegenheits­gefühle bestehen oft neben Omnipotenz­gefühlen und Größenphantasien.


Als Kind perfekt funktionieren zu müssen erzeugt ein extrem beherrschendes Über-Ich. So findet sich auch im Erwachsenen das Gefühl, dass nur Perfektionismus vor Verlust schützt und Sicherheit gibt. "Jeder Fehler kann in die Katastrophe führen". Das Gefühl, sich für die gewünschte Zuneigung verstellen bzw. etwas leisten zu müssen, bleibt für das Leben bestimmend. Die in der Erziehung nicht erlaubten Gefühle werden abgespalten und so vollständig unterdrückt, dass sie nicht mehr wahr­genommen werden können.


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Der Klient

Ausgehend von meinen letzten Artikel und weil es in meiner Praxis die wesentlich häufigere Situation ist, gehe ich hier von einem männlichen Klienten aus.

In der Regel schildert der Klient eine, bis vor einiger Zeit, gut funktionierende Ehe.


Die fast immer überdurchschnittliche materielle Sicherheit wird erkauft durch ein großes berufliches Engagement und den damit verbundenen Opfern.

Die Partnerin war einmal die Idealfrau, aber seit einiger Zeit macht sie einen unerklärlichen Wandel durch. Sie zeigt jetzt rücksichtlose, völlig egoistische Verhaltens­weisen. Selbst auf die Kinder nimmt sie nicht die gebotene Rücksicht. Dieser Wandel seiner Partnerin ist für Ihn völlig unverständlich.

Er selbst beteuert, in seinen Bemühungen um Frau und Kinder nicht nachgelassen zu haben. Sie aber spricht über Trennung oder Scheidung und das oft gesuchte, klärende Gespräch ist nicht möglich, bzw. völlig fruchtlos. Er sei sich durchaus auch seiner Schwächen bewusst, bemühe sich aber sehr sie zu beherrschen.

Im Laufe der Gespräche wird oft eine starke, unterdrückte Aggressivität eingeräumt. Eine Wut auf seine Partnerin, die seine Bemühungen nicht anerkennt. Einfach unerklärlich ist, wie sie denn einfach alles hinschmeißen kann.   Oft wird in den Gesprächen auch deutlich, dass er bestimmte Verhalten, Reaktionen und Gefühle an sich selbst durchaus unakzeptabel findet und nicht weiß warum er sich immer wieder so verhält.

Die Erwartung an die Therapie ist, zu der Stärke und Selbstsicherheit zu finden, mit der die Situation wieder in den Griff zu bekommen ist. Denn die Selbstzweifel sind groß, die Frage "was ist an mir falsch" schmerzt. Wenn er es auch nicht so formuliert, aber durch die Therapie wünscht er sich noch perfekter zu werden, seine "Schwächen" auszumerzen, um so seine Partnerin zurück zu gewinnen.

Spezielle Tücken

Aus dem obigen wird deutlich, dass der größte Fehler in der Therapie wäre, diesem Wunsch nach mehr Perfektion nachzugeben und ihm lediglich Verhaltensweisen an die Hand zu geben, die ihn für die Partnerin wieder attraktiver machen sollen. Selbst wenn das funktionieren würde, langfristig könnte das die Beziehung nicht retten und es wäre die, vielleicht einmalige Chance vertan, etwas an der narzisstischen Grund­problematik zu verändern.

Des Weiteren ist zu bedenken, dass in der Regel beide Partner in der Beziehung ein narzisstisches Problem haben, wenngleich der weibliche Narzissmus etwas anders Ausgeprägt ist.


Warum so häufig Narzisst zu Narzisstin findet, hat klare Gründe:

  1. Die Wertvorstellungen stimmen weitgehend überein. Die gleiche Sorge, was die Anderen über einen denken und eine gewisse konservative Grundhaltung verbinden das Paar.
  2. Beide haben ein mehr oder weniger gleich eingeschränktes Gefühlsspektrum. Sie fühlen sich in der Beziehung sicher vor Gefühlen mit denen sie nicht umgehen können.
  3. Die Vater- bzw. Mutter­übertragungen ergänzen sich. D.h. der Partner entspricht jeweils den unbewussten Erwartungs­haltungen. Das identische Gefühl beider, den Anderen "zu brauchen" hat zu dieser Beziehung geführt.
Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass jeder Therapiefortschritt für die Partnerin nicht einfach zu verarbeiten ist. Im Idealfall findet sie dadurch zu einer eigenen Bearbeitung ihrer Problematik.

Der große Anpassungswillen der Klienten, hinter denen sich die Widerstände gut verstecken können und die eigene narzisstische Problematik eines jeden Therapeuten, stellen weitere Tücken in der Therapie dar.


Die Psychodynamik:

 Was passiert eigentlich bei solch einem Paar, wieso kommt es zu so einer Situation?

Basis der Beziehung ist (war) das "ich liebe dich, weil ich dich brauche" (im Gegensatz zu: "ich liebe dich, weil du so bist wie du bist").  Damit befinden sich beide wieder in ihrer Kindheitssituation, nämlich der Abhängigkeit von dem geliebten Objekt.


 Die damit verbundene, ebenfalls der Kindheitssituation entsprechende Angst vor dem Verlust des Objektes, führt zu einem starken Harmoniebedürfnis. Darum wirken solche Beziehungen über lange Zeit besonders stabil und perfekt.

 Die im Untergrund vorhandene Selbstverleugnung lässt aber ein wirkliches Glück nicht zu. So wird die Beziehung auf der einen Seite als unverzichtbar, auf der anderen Seite aber als Belastung empfunden.

In den Jahren der beruflichen Karriere, des materiellen und sozialen Zugewinns sowie der vollständigen Abhängigkeit der Kinder, werden die Selbst­verleugnung und das reduzierte Selbst­wertgefühl durch diese narzisstischen Befriedigungen kompensiert.

Mit den Jahren wird diese Befriedigungs­möglichkeit aber automatisch geringer und Rückschläge in der Karriere und bei der Erziehung der Kinder, beschleunigen den Prozess. Bis dann die narzisstischen Wunden "blank liegen", weil sie nicht mehr ausreichend kompensiert werden können.

Der Mann und die Frau sind also beide in der gleichen Situation, reagieren aber darauf in den meisten Fällen sehr unterschiedlich.
Die Frau wird versuchen sich neue soziale und/oder berufliche Erfolge zu verschaffen, die das Manko abdecken können. Dazu steht ihr ein umfangreiches soziales Netzwerk und vor allem das Verständnis der Umwelt, zur Verfügung. Denn nach Außen erscheinen diese neuen Kompensationsversuche als ein normales, emanzipatorisches Bestreben. Schließlich sei es ja nur richtig, sich aus einer Unterdrückung zu befreien. So erfährt sie auf ihrem Weg viel Unterstützung und Ermutigung.

Die Reaktion des Mannes ist zwangsläufig anders. Drei Möglichkeiten hat er im Prinzip um mit der Situation fertig zu werden.

  1. Die Kompensation nur noch auf beruflichem Wege zu suchen und damit Frau und Familie hinter sich zu lassen.
  2. Möglichst schnell eine Ersatzpartnerin zu finden oder
  3. mit aller Macht zu versuchen die aktuelle Situation zu retten, d.h. den Status Quo aufrechtzuerhalten.
Da er auf kein unterstützendes Netzwerk zurückgreifen kann und die ersten beiden Möglichkeiten ohnehin gesellschaftlich geächtet sind, wird er in der Regel (zumindest anfangs) Möglichkeit 3. aus­wählen.

Er wird seinen Symbioseanspruch verstärken und das Gefühl entwickeln, es ginge für ihn um Leben und Tod. Durch Kontrollen und Repressalien wird er sie evtl. zwingen wollen, "wie bisher" weiterzumachen. So schaukelt sich die Situation immer weiter hoch und eine Klärung ist nicht möglich, weil beiden der narzisstische Hintergrund ihrer Gefühle nicht bewusst ist.

Ich hoffe zwei Dinge damit deutlich gemacht zu haben: Dass es in solchen Situationen keine Schuldfrage zu klären gibt und dass beide, ohne eine Änderung ihrer narzisstischen Problematik, weder die aktuelle Beziehung retten können, noch in einer Zukünftigen davon verschont bleiben.




Den ganzen Artikel und  die Erläuterungen im Hinblick auf eine Therapie findet Ihr hier.




Freitag, 1. Juni 2012

Wenn das Mann sein zur Qual wird...


Bei meiner Recherche zum Thema Narzissmus bin ich kürzlich auf die geniale Internetseite von Michael Hoffmann gestossen. Er ist Heilpraktiker für Psychotherapie und bietet psychologische Beratung und Paarberatung an. Und wenn Frankfurt am Main nicht fünfhundert Kilometer von meinem Wohnort entfernt wäre, würde ich gleich meinen Mann zu ihm schicken! Nun ja, er bietet auch Online-Beratungen an... ;-)

Seine Website ist eine wahre Schatztruhe voller wertvoller Informationen zu den Themen, die uns alle beschäftigen und ich werde mit freundlicher Zustimmung des Autors den einen oder anderen Beitrag hier auf meinem Blog näher vorstellen. 

Der erste Artikel, der mir ins Auge gestochen ist, hat einen sehr interessanten Titel: "Wenn das Mann-sein zur Qual wird"...

Es ist ein zweiteiliger Artikel und ich bin mir sicher, dass der eine oder andere LESER bei der Lektüre neue Erkenntnisse gewinnen wird. Und die LESERINNEN werden endlich verstehen, weshalb Männer so kompliziert sind... "hüstel"...

Zum Teil 2 werde ich in kürze ein weiteres Post schreiben. Nun also ein Auszug aus Teil 1:




Zur Emanzipation der Männer

Was ist typisch männlich? Gibt es das überhaupt? Sind Männer grundsätzlich aggressiver, rücksichtsloser und selbstbewusster als jede Frau? Hat jeder Mann eine geringere soziale und kommunikative Kompetenz als Frauen? Und sind diese immer intelligenter und die besseren Autofahrer?

Eigentlich kann jeder wissen, dass solche Unterschiede individuell, graduell und nicht pauschal geschlechtsspezifisch sind. Auch wenn sie ständig als Pauschalurteile durch die Köpfe und Medien geistern. Typisch männlich bedeutet nicht, dass jeder Mann genau diese oder jene Eigenschaften besitzt. Aber Männer scheinen mehr Probleme als Frauen zu haben, mit dem Leben zurechtzukommen. Dies zeigt z.B. der Männerüberschuss bei Selbstmorden (Männer begehen dreimal häufiger Selbstmord als Frauen), stationärer Psychotherapie und Suchterkrankungen.
 

Der geplagte Mann




Wo viel Anspruch ist, ist viel Versagensangst!


Aus dieser Perspektive kann das Verhalten des "Macho" als Kompensation der Versagensängste vor diesen gesellschaftlichen Ansprüchen gesehen werden. Wird dagegen einem Mann die Unerfüllbarkeit dieser Rolle zu deutlich, sind Überkompensationen in Form von Gewalt und/oder extremer Risikobereitschaft die Folge. Auf jeden Fall führt dieses "Versagen" zu Schuld- und Minderwertigkeitsgefühlen und einem deutlichen Sinn- und Identitätsverlust. Die graduellen Unterschiede ergeben sich lediglich aus der unterschiedlichen Stärke des empfundenen Versagens.
 



Warum emanzipieren die Männer sich nicht?

 

Wenn Männer unter diesen Ansprüchen leiden, warum kämpfen sie dann nicht darum diese absurde Rolle loszuwerden? Die Frauen haben es in unserer Gesellschaft zu einem guten Teil geschafft und wären doch ein gutes Vorbild.
 
Aber den verinnerlichten Anspruch stark sein zu müssen überwinden, seine "Schwäche" zu akzeptieren und ihr ein Existenzrecht zu erkämpfen, ist schwer. Schwerer als nur deutlich zu machen, dass man nicht so schwach ist wie die Umgebung es gerne hätte.

Darüber hinaus gehört zur geforderten Männlichkeit ja auch eine Spur Narzissmus. Der Erfolgswille, das Bedürfnis nach Anerkennung, Macht und Einfluss, die Bereitschaft, für materiellen Erfolg große Opfer zu bringen, die Erwartung, für Erfolg auch geliebt zu werden, all das sind typische narzisstische Merkmale. Ein anerkannt "echter Mann" ist eben auch ein Narzisst. Die beliebten Idole aus Sport und Unterhaltung zeigen das deutlich.


Und damit kommen wir an den Grund der ganzen Problematik, denn jede Spur von Narzissmus macht das akzeptieren eigener Schwächen schwerer.

Zum Narzisst wird man erzogen!
 


Diese narzisstische Tendenz ist keine genetische Veranlagung der Männer, sondern eine Folge ihrer Sozialisierung.


Keine Bindung in der Familie ist so eng, so symbiotisch wie die zwischen Mutter und Sohn. Der (im Allgemeinen immer noch) weniger mit der Erziehung der Kinder beschäftigte Vater und dessen eigenes symbiotisches Verhältnis zu seiner Frau verstärkt diese Mutter-Sohn-Beziehung durch die Konkurrenzsituation. Dazu sind Mütter in der Regel stolz auf einen "liebenden" Sohn und seine emotionale Abhängigkeit und fördern diese unbewusst.

Das Umfeld von Töchtern ist anders. Die Beziehung zur Mutter ist mehr durch Konkurrenz oder manchmal gar Missgunst geprägt. Die zum Vater erreicht nur sehr selten eine Nähe, die zur Bildung eines symbiotischen Verhältnisses ausreichen würde. Dies führt bei Frauen normalerweise zu einer früheren Reife und mehr emotionaler Unabhängigkeit.

Die oft vollständige emotionale Abhängigkeit von der Mutter und die daraus resultierende Konkurrenz zum Vater bleiben aber für das männliche Kind prägend.
Da die Verlustangst ein typisches Merkmal symbiotischer Beziehungen ist, wird der Junge alles tun und verinnerlichen, was diesem Verlust entgegenwirken könnte und (narzisstische) Strategien zum Erhalt der Mutterliebe entwickeln.

Bei einer wenig liebevollen Mutter ist die Abhängigkeit (und Verzweiflung) noch stärker, denn hier muss die Anerkennung und Beachtung in einem (oft hoffnungslosen) Kampf errungen werden.


Alle so genannten "typisch männlichen" Verhaltensmuster lassen sich im Wesentlichen auf diese Abhängigkeit zurückführen.


 Die Folgen für die Partnerschaft


  Die Auswirkungen dieser symbiotischen Mutterbindung in den späteren Beziehungen des Mannes sind gravierend.

Diese Bindung wird (gemäß dem "inneren Kind") fast immer auf die Partnerin übertragen. Nichts ist für das innere Kind dann schlimmer als der "Verrat" durch diese Mutter. Er wird mit der gleichen Dramatik erfahren, wie ein Kind Lieblosigkeit und Nichtbeachtung durch die eigene Mutter empfindet.

Die Tatsache, dass Männer Trennungen schlechter verkraften, öfter deswegen körperliche Symptome entwickeln, und das überstürzte Eingehen einer neuen Bindung sind die Folge davon.

Man könnte sagen, die gesamte Emanzipationsbewegung der Frauen war (und ist) ein Kampf gegen den Symbioseanspruch des Mannes und seine Taktiken sich der Aufmerksamkeit und Anerkennung durch die Frau zu vergewissern.

So bleibt kaum eine Beziehung frei von dieser Problematik. Das Misstrauen, das der Mann einer lieblosen Mutter gegenüber hatte, wird ihn eifersüchtig und kontrollwütig machen. Den Freiraum, den ihm eine verwöhnende, unterwürfige Mutter bot, wird er auch in seiner Beziehung durchsetzen wollen.
 
Hauptsächlich aber wird er, je nach narzisstischer Prägung, das Gefühl haben, sich die Zuneigung verdienen zu müssen, indem er seine männliche Rolle so gut wie möglich ausfüllt.

Hier beginnt oft ein gefährlicher Kreislauf: Hat die Partnerin nicht ebenso einen Wunsch nach Symbiose, sondern eine natürliche emotionale Unabhängigkeit, so versucht der Mann den scheinbar drohenden Verlust durch mehr Männlichkeit zu verhindern. Damit zwingt er seine Partnerin auf Distanz und nun ist wiederum mehr Männlichkeit angesagt. Und so weiter. Bis zur gefährlich werdenden Karikatur dieser "Männlichkeit". 



Den ganzen Artikel könnt Ihr hier lesen!

Und für einmal mache ich es wie Castorp und lasse zum Schluss die Musik sprechen. Es ist ein Song, den wir alle im Ohr haben. Dem Künstler ist es gelungen, das ganze Dilemma so treffend in Wort und Musik auszudrücken, dass man das Lied nie mehr vergisst, wenn man es einmal gehört hat. Ich sag nur: "Wann ist ein Mann ein Mann?...."







Die entscheidende Frage: Antwort an Castorp

Lieber Castorp

Danke für diesen ausführlichen und wertvollen Kommentar! Du bringst es wieder einmal auf den Punkt. Plötzlich scheint alles ganz klar. Es ist diese eine Frage, die im Raum steht. Diese eine Frage, um die sich eigentlich alles dreht:

Warum verlasse ich meinen Mann nicht? 

Wegen a) bis e)? Noch mehr Autos, Jachten und Wohnungen? Gott behüte, nein! Ich habe das nie von meinem Mann verlangt.  Natürlich lebe ich lieber in einem Haus als in einer kleinen Wohnung  - aber eine Ferienwohnung brauche ich wirklich nicht.  Nein, es sind nicht diese materiellen Güter, die mich glücklich machen. Wäre ich glücklich, würden sie mein Glück vermutlich perfekt machen. Aber sie taugen nicht, um die innere Leere zu füllen. Eigentlich habe ich überhaupt erst realisiert, dass ich nicht glücklich bin, als ich festgestellt habe, dass ich mich über tolle neue Anschaffungen nicht mehr freuen konnte!

Du fragst, ob ich das, was Glück ausmacht, mit meinem Mann finden kann? 

Die Antwort lautet:  Ich weiss es nicht!!

Ich denke, es  war nie die grosse Liebe. Es war immer mehr Vernunft als Verliebtheit. Es war nie unbeschwert. Er sieht das ganz anders…

Wieso habe ich diesen Mann ausgewählt? Dieselben Wertvorstellungen, ähnliche Interessen, nette Eltern, einen gesunden Ehrgeiz.  Als ich ihn kennenlernte, fuhr er einen kleinen Renault. Ich einen alten Lancia. Nach ein paar Jahren bauten wir zusammen ein Haus.  Wir haben vieles selber gemacht - mit Hilfe meines Vaters - und wohnten drei Jahre lang in einem halbfertigen Haus, weil wir das obere Stockwerk erst nach und nach ausgebaut haben. Dass aus diesem Haus zehn Jahre später ein „Anwesen“ mit parkähnlichem Garten werden würde und wir Autos der oberen Mittelklasse fahren und eine Segeljacht besitzen würden, haben wir uns damals nicht zu träumen gewagt.

Mein Mann stammt aus einfachen Verhältnissen. Er  wollte etwas erreichen und hat enorm viel gearbeitet. Ich habe ihn nie daran gehindert. Weil es ihm wichtig war. Er hat gerne gearbeitet und überdurchschnittliche Leistungen erbracht, was sich ausbezahlt hat. Nach und nach hat er sich seine Träume erfüllt. Dazu gehörte auch eine traditionelle Hochzeit in der Kirche und die Gründung einer eigenen Familie.  Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir mindestens drei oder vier Kinder.

Ich habe das alles mitgemacht, weil ich keinen anderen Plan hatte. Ich hatte keine eigenen Träume. Als Kind wollte ich Schauspielerin werden, später Archäologin. Aber ich habe mir beides nicht zugetraut.

So erfüllte ich meine „Pflicht“, heiratete einen tüchtigen Mann und bekam Kinder.  Ich habe mich angepasst…

Dass ich allerdings sozusagen „alleinerziehend“ sein würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Das war der Preis, den ich für den ganzen Wohlstand bezahlt habe: ich habe mich mit zwei Kleinkindern und vielen Verpflichtungen alleine gelassen gefühlt und bin an meine Belastungsgrenzen gestossen. Seine Arbeit  stand an erster Stelle. Er wollte nicht a priori Karriere machen – er hatte einfach Spass daran.  Und wenn man wöchentlich 60 - 70 Stunden arbeitet, samstags noch eine Fachhochschule besucht, hin und wieder Rasen mähen muss und ein Minimum an Zeit mit seinen Kindern verbringen und Freundschaften pflegen will,  bleibt für die Partnerschaft schlicht keine Zeit mehr. Ja, vermutlich haben wir uns da irgendwann verloren.  Aber wenn ich ehrlich bin,  haben wir wohl schon immer parallel nebeneinander (anstatt miteinander) funktioniert.  Ich habe mich in dieser Partnerschaft immer als „Einzelkämpferin“ gefühlt. Das lag vielleicht gar nicht an ihm...

Weißt Du, was mein Dilemma ist? Es gibt da eine Frage, die mich nicht loslässt:

Liegt es wirklich an der Partnerschaft – oder liegt es einfach an mir, dass ich nicht glücklich bin?!

Wäre ich glücklicher mit einem anderen Partner? Oder allein?

Oder stehe ich meinem Glück vielleicht selber im Weg? Weil ich so bin, wie ich bin? Weil ich grüble, hinterfrage, zweifle? 

Ich habe Angst davor, die falsche Entscheidung zu treffen! Deshalb bin ich so hin- und hergerissen.

Und ich habe Schuldgefühle, weil  ich nicht glücklich bin, trotz der schönen Rahmenbedingungen… Ich habe das Gefühl, versagt zu haben. Was tun?


Der gegenseitige Respekt ist mmer noch vorhanden. Vielleicht ist es wirklich das Beste, wenn wir eine Paarberatung aufsuchen würden. Ich weiss… wir müssen  g e m e i n s a m  eine Lösung finden. Auch wenn dies bedeutet, dass wir uns unseren Problemen endlich stellen müssen und dies vielleicht das Ende dieser Ehe besiegelt...

Herzlichst,


Deine Rosalie
P.S. Mein Text war wieder einmal zu ausführlich für das Kommentarfeld...