Montag, 21. November 2011

Gedanken am See



Ich liebe diese mystischen  Stimmungen am See.
Kurz innehalten. Sich auf eine Bank setzen und aufs Wasser hinausschauen. Das leise Plätschern der Wellen, die Stille, die nur durch das vereinzelte Kreischen der Möwen unterbrochen wird... das ist Balsam für meine gestresste Seele.

Und ich denke nach. Über mich und über meine Mitmenschen. Wieviel Zeit bleibt mir noch? Was ist mir wichtig im Leben? Was würde ich tun, wenn ich nur noch wenige Wochen und Monate zu leben hätte?

Ein guter Bekannter hat kürzlich eine vernichtende Krebsdiagnose erhalten. Aus heiterem Himmel. Schwarzer Hautkrebs, Stadium 4. Zwei Jahre älter als ich.  Er will kämpfen. Was bleibt ihm auch anderes übrig.

In solchen Momenten kommt mir jeweils dieser besoffene Italiener in den Sinn, dem ich vor gut zwanzig Jahren auf einem Fest ohne gross darüber nachzudenken meine Handfläche hingestreckt habe. Ein sogenannter "Handleser" sei er, meinte eine Freundin aus der Zeit, die ihn flüchtig kannte. Alle haben wir ihm die Hände hingestreckt. Kinder und Ehen hat er vorausgesagt. Bloss bei mir hat er gezögert und wollte dann nichts (mehr) sagen...

Und ich habe es vorgezogen, nicht nachzufragen. Und frage mich bis heute, was er wohl "gesehen" hat... Ein schlimmes Schicksal? Werde ich als Mordopfer auf dem Titelblatt der Boulevardpresse enden? Oder einem Verkehrsunfall zum Opfer fallen? Oder war der Kerl einfach bloss müde und betrunken und hatte keine Lust mehr, aus fremden Händen zu lesen?

So einfältig und unbedeutend dieses Erlebnis eigentlich war... man kriegt es nicht mehr aus dem Kopf. 


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